{"id":90928,"date":"2020-11-03T00:01:37","date_gmt":"2020-11-02T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90928"},"modified":"2021-08-16T14:24:13","modified_gmt":"2021-08-16T12:24:13","slug":"melancholie-des-abends","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/11\/03\/melancholie-des-abends\/","title":{"rendered":"MELANCHOLIE DES ABENDS"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2013 Der Wald, der sich verstorben breitet \u2013<\/p>\n<p>Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.<\/p>\n<p>Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,<\/p>\n<p>Indes ein Bach ganz leise gleitet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Farnen folgt und alten Steinen<\/p>\n<p>Und silbern gl\u00e4nzt aus Laubgewinden.<\/p>\n<p>Man h\u00f6rt ihn bald in schwarzen Schl\u00fcnden \u2013<\/p>\n<p>Vielleicht, da\u00df auch schon Sterne scheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der dunkle Plan scheint ohne Massen,<\/p>\n<p>Verstreute D\u00f6rfer, Sumpf und Weiher,<\/p>\n<p>Und etwas t\u00e4uscht dir vor ein Feuer.<\/p>\n<p>Ein kalter Glanz huscht \u00fcber Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Himmel ahnet man Bewegung,<\/p>\n<p>Ein Heer von wilden V\u00f6geln wandern<\/p>\n<p>Nach jenen L\u00e4ndern, sch\u00f6nen, andern.<\/p>\n<p>Es steigt und sinkt des Rohres Regung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-e1617436834842.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-81819 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" \/><\/a>Die nachhaltige Faszination der Gedichte von Georg Trakl liegt darin begr\u00fcndet, da\u00df sich dieser\u00a0 \u00f6sterreichische Dichter nicht eindeutig zuordnen l\u00e4\u00dft. Wir lesen eine Variante des Expressionismus mit starken Einfl\u00fcssen des Symbolismus. Eine eindeutige Zuordnung seiner poetischen Werke zu einer der ann\u00e4hernd gleichzeitigen Str\u00f6mungen ist\u00a0 nicht m\u00f6glich. Als erstem Rockstar der Lyrik ist auch bei ihm die Einfl\u00fcsse von Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire deutlich zu erkennen. Der Lyriker nahm an vielen Stellen seiner Gedichte auf seine Schwester Bezug. In Trakls Gedichten wird Margarethe Trakl als \u201eFremdlingin\u201c und \u201eJ\u00fcnglingin\u201c bezeichnet. Eine inzestu\u00f6se Beziehung wird im Gedicht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/11\/03\/blutschuld\/\"><i>Blutschuld<\/i><\/a> angedeutet. Als Vorg\u00e4nger der <em><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">Yippies<\/span><\/span><\/em> gestattete er sich Experimente mit Drogen (Chloroform, Morphium, Opium, Veronal und Alkohol). In seinem verschatteten Werk \u00fcberwiegen die Stimmung und die Farben des Herbstes, dunkle Bilder des Abends und der Nacht, des Sterbens, des Todes und des Vergehens. Zwar sind die Gedichte reich an biblisch-religi\u00f6sen Bez\u00fcgen, und vielen eignet eine kontemplative Offenheit zur Transzendenz, doch nur selten bricht das Licht der Erl\u00f6sung in das Dunkel. Ein Dunkelheit, die ihn am 3. November 1914 in Krakau, Galizien erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Eine Ann\u00e4herung von Peter Paul Wiplinger an Georg Trakl finden Sie<i><\/i><i><\/i><i>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23505&amp;preview=true\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u2013 Der Wald, der sich verstorben breitet \u2013 Und Schatten sind um ihn, wie Hecken. 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