{"id":90815,"date":"2011-09-16T00:01:24","date_gmt":"2011-09-15T22:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90815"},"modified":"2024-09-24T13:39:00","modified_gmt":"2024-09-24T11:39:00","slug":"karte-und-gebiet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/09\/16\/karte-und-gebiet\/","title":{"rendered":"\u00e0 la carte"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein K\u00fcnstlerroman? Soziologische Betrachtungen? Oder doch ein Krimi? Vielleicht Science-Fiction oder Satire? Nun, von allem etwas, der Roman von <em>Michel Houllebecq<\/em> l\u00e4sst sich nicht mit einem einzigen Etikett versehen. War es bei seinen fr\u00fcheren Romanen, wie <em>Elementarteilchen<\/em> oder <em>Die M\u00f6glichkeit einer Insel<\/em>, einfacher sie einzuordnen \u2013 entweder gefielen sie einem oder nicht, fand sie gro\u00dfartig oder trivial, ich selbst fand sie sehr gelungen \u2013 bei <em>Karte und Gebiet<\/em> ist das Urteil nicht nur deswegen schwieriger, weil verschiedene Genres den Roman zusammenf\u00fcgen, sondern auch weil die Passagen unterschiedlich gut gelungen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst ist es vorrangig ein Roman, der die Entwicklung eines K\u00fcnstlers schildert, den heutigen Kunstbetrieb, sich gleichzeitig \u00fcber ihn lustig macht und als Kunstgriff den Autor mit einer wesentlichen Rolle in die Handlung integriert, ein unterhaltsames Vexierspiel, das den Leser raten l\u00e4sst, was Fiktion ist und ob gewisse Positionen oder Haltungen der Romanfigur Houellebecq realen Bezug zu seiner tats\u00e4chlichen Person haben k\u00f6nnten. Der Grundbogen des Romans h\u00e4lt das Interesse an ihrem weiteren Schicksal aufrecht, ihr gewaltsamer Tod passt in die Handlung, ist gut f\u00fcr Marketing und Verkaufszahlen des Buches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Passagen, welche das Werk des K\u00fcnstlers \u00fcber mehrere Seiten in der Sprache des Kunstmarkts beschreiben, sind vielleicht eine gelungene Persiflage, k\u00f6nnen aber auch langweilen oder den Verdacht erwecken, Texte bestehender Galerieprospekte montiert, verfremdet oder abgeschrieben zu haben. Mein Urteil w\u00e4re bei mehrmaligem Lesen wahrscheinlich von der Tagesverfassung abh\u00e4ngig. Die soziologischen Einsch\u00fcbe, \u00fcber William Morris, \u00fcber Handwerk, Konzeption und Kunsttheorie, h\u00e4tte ein anderer Lektor m\u00f6glicherweise gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach entwickelt sich das Buch zum Krimi, was mich schon bef\u00fcrchten lie\u00df, dass es ein vorauszusehendes Ende haben werde, was zu meiner Erleichterung doch nicht geschah. Am Schluss l\u00e4uft das Buch noch in die Zukunft \u00fcber, ein f\u00fcr Houellebecq typisches Motiv, eine interessante Spekulation, in Details manchmal zu sehr der Gegenwart verhaftet \u2013 ob es zum Beispiel in ein paar Jahrzehnten noch 21-Zoll-Monitore gibt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesamteindruck? In Summe positiv, mit Einschr\u00e4nkungen. Der Autor scheidet die Geister, auch darin ist er mit Thomas Bernhard vergleichbar. Mit seinem n\u00fcchternen und k\u00fchlen Blick auf die Au\u00dfenwelt, kategorisch und unvers\u00f6hnlich, mit Passagen, in denen er seinen Anschauungen oder denen seiner fiktiven Personen viel Platz einr\u00e4umt. Textteile, die in jeder Schreibschule nebenbei vernichtet w\u00fcrden, gezielte Provokationen, die diesmal weniger offensichtlich geschehen, mit etwas anderen Schwerpunkten, bis hin zur Kursivsetzung bestimmter W\u00f6rter, die dadurch besonderes Gewicht bekommen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein komplex angelegtes Buch, man k\u00f6nnte auch sagen, es bricht mehrmals die Erwartungen des Lesers, auch weil es Muster seiner bisherigen Romane intelligent variiert, Schwerpunkte verschiebt und somit neue M\u00f6glichkeiten in seinem Werk er\u00f6ffnet. Der Erfolg seiner Romane zeigt, dass seine Themen relevant sind, sonst w\u00fcrden sie nicht so intensiv diskutiert.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/karte_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-90817\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/karte_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"329\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/karte_Cover.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/karte_Cover-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/karte_Cover-160x239.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>La carte et le territoire <\/i>von Michel Houellebecq<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein K\u00fcnstlerroman? Soziologische Betrachtungen? Oder doch ein Krimi? Vielleicht Science-Fiction oder Satire? Nun, von allem etwas, der Roman von Michel Houllebecq l\u00e4sst sich nicht mit einem einzigen Etikett versehen. 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