{"id":90778,"date":"2017-01-12T00:01:29","date_gmt":"2017-01-11T23:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90778"},"modified":"2021-08-15T14:56:58","modified_gmt":"2021-08-15T12:56:58","slug":"am-besten-alles-verbieten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/01\/12\/am-besten-alles-verbieten\/","title":{"rendered":"Am besten alles verbieten?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Alleen \/ Alleen und Blumen \/\/ Blumen \/ Blumen und Frauen \/\/ Alleen \/ Alleen und Frauen \/\/ Alleen und Blumen und Frauen und \/ ein Bewunder<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><cite>Eugen Gomringer<\/cite><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein sexistisches Gedicht? Oder eine Projektion? Folgen wir ihr, wor\u00fcber d\u00fcrfen wir dann noch schreiben? Nicht \u00fcber Blumen. Sie k\u00f6nnten Assoziationen zum Wort Defloration hervorrufen. Nicht \u00fcber Alleen. Sie k\u00f6nnten als Metapher f\u00fcr sexuelle Konnotationen dienen. Nicht \u00fcber Frauen. Das k\u00f6nnte an sexuelle Bel\u00e4stigung erinnern. Nicht \u00fcber die Welt, nicht \u00fcber Sch\u00f6nheit und Freude, denn hinter jedem Wort, jedem Begriff, k\u00f6nnten sich Untiefen pers\u00f6nlicher Assoziationskunst verstecken, die darauf warten, ins Bewusstsein zu gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soll sich das kreative Schaffen in den Elfenbeinturm verlagern? Nein \u2013 ein Phallussymbol. Darf das Schreiben sich nur mehr mit dem Nichts besch\u00e4ftigen? Wahrscheinlich ist auch das gef\u00e4hrlich und verd\u00e4chtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachten wir es mal aus einer etwas weniger sch\u00f6ngeistigen Perspektive. Wie w\u00fcrde ein typischer Wiener spontan darauf reagieren? Erraten: Seid\u2019s ang\u2019rennt?, w\u00fcrde er fragen. Nun sind verl\u00e4ssliche Aussagen \u00fcber Kunst und ihre Inhalte aufgrund einer solchen Befragung \u00fcblicherweise nicht zu erwarten, manchmal ist eine instinktive Reaktion allerdings doch hilfreich, um ein Thema nicht nur intellektuell, sondern in seiner Gesamtheit zu erfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir leben in einer Demokratie. Das impliziert Meinungsfreiheit. F\u00fcr Shitstorm-erprobte K\u00e4mpfer und K\u00e4mpferinnen ein unangenehmes Konzept, weil es ideologisch vertretenem Anspruch auf Wahrheit Vielfalt entgegensetzt. Nat\u00fcrlich gibt es Grenzen. Aufruf zu Gewalt und Hass, menschenverachtende Aussagen und dergleichen d\u00fcrfen wir nicht tolerieren. Das Entfernen von Sprache, von Diskurs und Auseinandersetzung kann aber nicht die L\u00f6sung sein, um mit tats\u00e4chlichen und empfundenen Ungerechtigkeiten ad\u00e4quat umzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Freiheit der Kunst ist ein Raum, der uns dabei hilft, vorhandene Spannungen auszuloten, Meinungen aufeinander prallen zu lassen, unterschiedliche Standpunkte und Denkweisen kennenzulernen. Auf dem Wiener Secessionsgeb\u00e4ude, errichtet kurz vor Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, ist der damals gew\u00e4hlte Wahlspruch zu sehen, welcher heute noch immer gilt: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kunst, der Sprache, vielen unterschiedlichen Ausdrucksformen, wird jedoch laufend Raum genommen. Wir finden uns in einem Biedermeier wieder, das keine Abweichung oder Irritation mehr zulassen m\u00f6chte. Was nicht gef\u00e4llt, was man nicht sehen oder h\u00f6ren m\u00f6chte, wurde fr\u00fcher entartet genannt. Heute werden daf\u00fcr andere Vokabeln verwendet, Punzierungen, die all jene ins schlechte Licht r\u00fccken, die es wagen sollten, Partei zu ergreifen. Sexistisch zum Beispiel. Als Ungustl ins Eck gedr\u00e4ngt, diffamiert, karikiert. Das hatten wir schon mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe das Gef\u00fchl, diesmal beginnen die B\u00fccher von der anderen Seite her zu brennen. Das ist kein bisschen besser und so weit d\u00fcrfen wir es nicht kommen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt an uns, was wir sehen wollen und wie wir es deuten. Ein Bewunderer in einem Gedicht kann n\u00e4mlich genauso gut eine Frau sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-Eeugen_Ggomringer_Konkrete_Poesie1972.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-15025\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-Eeugen_Ggomringer_Konkrete_Poesie1972.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-Eeugen_Ggomringer_Konkrete_Poesie1972.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-Eeugen_Ggomringer_Konkrete_Poesie1972-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>1953 pr\u00e4gte Eugen Gomringer den Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/20\/konkrete-poesie-2\/\">Konkrete Poesie<\/a> in Analogie zum Begriff der Konkreten Kunst. In seinen Gedichten, die mit der Materialit\u00e4t der Schrift und des Schriftbildes spielen, folgt er der abstrakten \u2013 von ihm konstruktiv genannten \u2013 Malerei seiner Zeit. Gomringer f\u00fchrt in seinem zentralen Manifest <i>vom vers zur konstellation<\/i> die Auffassung des \u00e4sthetischen Objekts als funktionalen Gegenstand aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alleen \/ Alleen und Blumen \/\/ Blumen \/ Blumen und Frauen \/\/ Alleen \/ Alleen und Frauen \/\/ Alleen und Blumen und Frauen und \/ ein Bewunder Eugen Gomringer Ein sexistisches Gedicht? Oder eine Projektion? Folgen wir ihr, wor\u00fcber d\u00fcrfen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/01\/12\/am-besten-alles-verbieten\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":189,"featured_media":15025,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1211],"class_list":["post-90778","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-eugen-gomringer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/189"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90778\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}