{"id":90077,"date":"2015-03-10T00:01:46","date_gmt":"2015-03-09T23:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90077"},"modified":"2021-08-02T10:46:16","modified_gmt":"2021-08-02T08:46:16","slug":"waldgespraech","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/03\/10\/waldgespraech\/","title":{"rendered":"Waldgespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist schon sp\u00e4t, es wird schon kalt,<br \/>\nWas reit\u2019st du einsam durch den Wald?<br \/>\nDer Wald ist lang, du bist allein,<br \/>\nDu sch\u00f6ne Braut! Ich f\u00fchr\u2019 dich heim!<\/p>\n<p>\u201eGro\u00df ist der M\u00e4nner Trug und List,<br \/>\nVor Schmerz mein Herz gebrochen ist,<br \/>\nWohl irrt das Waldhorn her und hin,<br \/>\nO flieh! Du wei\u00dft nicht, wer ich bin.\u201c<\/p>\n<p>So reich geschm\u00fcckt ist Ro\u00df und Weib,<br \/>\nSo wundersch\u00f6n der junge Leib,<br \/>\nJetzt kenn\u2019 ich dich \u2013 Gott steh\u2019 mir bei!<br \/>\nDu bist die Hexe Lorelei.<\/p>\n<p>\u201eDu kennst mich wohl \u2013 von hohem Stein<br \/>\nSchaut still mein Schlo\u00df tief in den Rhein.<br \/>\nEs ist schon sp\u00e4t, es wird schon kalt,<br \/>\nKommst nimmermehr aus diesem Wald!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><b>Waldgespr\u00e4ch<\/b> ist ein romantisches Gedicht von Joseph von Eichendorff, das sich mit dem Mythos der Loreley befasst. Waldgespr\u00e4ch wurde 1815 zum ersten Mal von dem deutschen Verleger Johann Leonhard Schrag in Ahnung und Gegenwart ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-79676 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-260x377.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-160x232.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg 345w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify\">F\u00fcr Theodor W. Adorno war Eichendorff \u201ekein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs im Sinne des Novalis, dem er nahe sich wu\u00dfte.\u201c<span style=\"font-size: 12px\">\u00a0<\/span>In seinem Essay <i>Zum Ged\u00e4chtnis Eichendorffs<\/i> weist er auf den affirmativen Tonfall hin, der dem Dunklen entrungen sei, und spricht von einem \u201eEntschlu\u00df zur Munterkeit\u201c, der sich mit seltsam paradoxer Gewalt am Ende des Werkes bekunde. Nach Ansicht Adornos erm\u00f6glichte gerade Eichendorffs Festhalten am Vorb\u00fcrgerlichen und \u00dcberkommenen einen kritischen Blick auf b\u00fcrgerliche Verh\u00e4ltnisse. Indem Eichendorff sich vom Liberalismus distanzierte, gewann seine Lyrik f\u00fcr ihn ihre utopische Dimension. Um zu verhindern, dass der Dichter von \u201eKulturkonservativen\u201c und Katholiken vereinnahmt werde, bed\u00fcrfe es einer dialektischen Lekt\u00fcre gegen den Strich. Zun\u00e4chst m\u00fcsse man sich aber eingestehen, dass \u201eder Ton des Affirmativen, seine Verherrlichung des Daseins schlechthin\u201c nicht verteidigt werde, um andere Ebenen seiner Lyrik der idyllisierenden Lesart zu entziehen. Adorno weist auf den Versuch hin, Eichendorff als \u201eKronzeugen einer positiven Religiosit\u00e4t\u201c und in \u201elandsmannschaftlichem Geiste, einer Art Stammespoetik Nadlerschen Schlages\u201c zu nutzen. Derlei Bestrebungen liefen darauf hinaus, ihn im patriotischen Sinne \u201egewisserma\u00dfen r\u00fcck(zu)siedeln\u201c, was mit seinem \u201erestaurative(n) Universalismus\u201c nicht zu vereinbaren w\u00e4re.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Es sei das \u201eGegenteil sturer Apologie\u201c, ihn vor Freunden und Gegnern zu retten. Allerdings gebe es ein Element seiner Lyrik, das \u201edem M\u00e4nnergesangverein \u00fcberantwortet ward \u2026 nicht immun gegen sein Schicksal\u201c war und \u201ees vielfach herbeigezogen\u201c habe. Auch k\u00f6nne der \u201eTon des Affirmativen, der Verherrlichung des Daseins\u201c, der zu bestimmten Leseb\u00fcchern gef\u00fchrt habe, nicht verleugnet werden. F\u00fcr Adorno klingen einige seiner Verse indes \u201ewie Zitate beim ersten Mal, memoriert nach dem Lesebuch Gottes.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Konzentriere man sich auf die Funktion der Sprache, schlage der Konservatismus in die Moderne um. Die Verneinung des Herrschaftlichen, zumal \u00fcber die eigene Seele, sei progressiv. Seine Dichtung lasse sich vertrauensvoll treiben \u201evom Strom der Sprache und ohne Angst, in ihm zu versinken.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es ist schon sp\u00e4t, es wird schon kalt, Was reit\u2019st du einsam durch den Wald? Der Wald ist lang, du bist allein, Du sch\u00f6ne Braut! 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