{"id":90073,"date":"2005-11-22T00:01:33","date_gmt":"2005-11-21T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90073"},"modified":"2021-10-18T13:25:57","modified_gmt":"2021-10-18T11:25:57","slug":"mondnacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/11\/22\/mondnacht\/","title":{"rendered":"Mondnacht"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war, als h\u00e4tt\u2019 der Himmel<br \/>\nDie Erde still gek\u00fc\u00dft,<br \/>\nDa\u00df sie im Bl\u00fctenschimmer<br \/>\nVon ihm nun tr\u00e4umen m\u00fc\u00dft&#8216;.<\/p>\n<p>Die Luft ging durch die Felder,<br \/>\nDie \u00c4hren wogten sacht,<br \/>\nEs rauschten leis\u2019 die W\u00e4lder,<br \/>\nSo sternklar war die Nacht.<\/p>\n<p>Und meine Seele spannte<br \/>\nWeit ihre Fl\u00fcgel aus,<br \/>\nFlog durch die stillen Lande,<br \/>\nAls fl\u00f6ge sie nach Haus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Mondnacht<\/b> ist ein Gedicht des Dichters Joseph von Eichendorff, das in der deutschen Sp\u00e4tromantik um 1835 entstand und 1837 erstmals ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-79676 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-260x377.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor-160x232.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/eichepor.jpg 345w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Theodor W. Adorno war Eichendorff \u201ekein Dichter der Heimat, sondern des Heimwehs im Sinne des Novalis, dem er nahe sich wu\u00dfte.\u201c<span style=\"font-size: 12px;\">\u00a0<\/span>In seinem Essay <i>Zum Ged\u00e4chtnis Eichendorffs<\/i> weist er auf den affirmativen Tonfall hin, der dem Dunklen entrungen sei, und spricht von einem \u201eEntschlu\u00df zur Munterkeit\u201c, der sich mit seltsam paradoxer Gewalt am Ende des Werkes bekunde. Nach Ansicht Adornos erm\u00f6glichte gerade Eichendorffs Festhalten am Vorb\u00fcrgerlichen und \u00dcberkommenen einen kritischen Blick auf b\u00fcrgerliche Verh\u00e4ltnisse. Indem Eichendorff sich vom Liberalismus distanzierte, gewann seine Lyrik f\u00fcr ihn ihre utopische Dimension. Um zu verhindern, dass der Dichter von \u201eKulturkonservativen\u201c und Katholiken vereinnahmt werde, bed\u00fcrfe es einer dialektischen Lekt\u00fcre gegen den Strich. Zun\u00e4chst m\u00fcsse man sich aber eingestehen, dass \u201eder Ton des Affirmativen, seine Verherrlichung des Daseins schlechthin\u201c nicht verteidigt werde, um andere Ebenen seiner Lyrik der idyllisierenden Lesart zu entziehen. Adorno weist auf den Versuch hin, Eichendorff als \u201eKronzeugen einer positiven Religiosit\u00e4t\u201c und in \u201elandsmannschaftlichem Geiste, einer Art Stammespoetik Nadlerschen Schlages\u201c zu nutzen. Derlei Bestrebungen liefen darauf hinaus, ihn im patriotischen Sinne \u201egewisserma\u00dfen r\u00fcck(zu)siedeln\u201c, was mit seinem \u201erestaurative(n) Universalismus\u201c nicht zu vereinbaren w\u00e4re.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Es sei das \u201eGegenteil sturer Apologie\u201c, ihn vor Freunden und Gegnern zu retten. Allerdings gebe es ein Element seiner Lyrik, das \u201edem M\u00e4nnergesangverein \u00fcberantwortet ward \u2026 nicht immun gegen sein Schicksal\u201c war und \u201ees vielfach herbeigezogen\u201c habe. Auch k\u00f6nne der \u201eTon des Affirmativen, der Verherrlichung des Daseins\u201c, der zu bestimmten Leseb\u00fcchern gef\u00fchrt habe, nicht verleugnet werden. F\u00fcr Adorno klingen einige seiner Verse indes \u201ewie Zitate beim ersten Mal, memoriert nach dem Lesebuch Gottes.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Konzentriere man sich auf die Funktion der Sprache, schlage der Konservatismus in die Moderne um. Die Verneinung des Herrschaftlichen, zumal \u00fcber die eigene Seele, sei progressiv. Seine Dichtung lasse sich vertrauensvoll treiben \u201evom Strom der Sprache und ohne Angst, in ihm zu versinken.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es war, als h\u00e4tt\u2019 der Himmel Die Erde still gek\u00fc\u00dft, Da\u00df sie im Bl\u00fctenschimmer Von ihm nun tr\u00e4umen m\u00fc\u00dft&#8216;. 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