{"id":8994,"date":"2012-12-09T00:01:25","date_gmt":"2012-12-08T23:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8994"},"modified":"2022-02-23T05:33:19","modified_gmt":"2022-02-23T04:33:19","slug":"ich-bin-vom-grauen-elend-zerfressen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/09\/ich-bin-vom-grauen-elend-zerfressen\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich bin vom grauen Elend zerfressen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: 1px solid black;\" src=\"https:\/\/encrypted-tbn2.gstatic.com\/images?q=tbn:ANd9GcSoMROnMwfIOdDytEprLEu-CnnIft-dPV_xj1cbrAsaV3nfmX09WQ\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"274\" \/>W\u00e4re man b\u00f6se, k\u00f6nnte man sagen, dass Georg Heym, w\u00e4re er nicht 1912 beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, vielleicht ein paar Jahre sp\u00e4ter vor Verdun gefallen oder am deutschen Kampfgas erstickt w\u00e4re, das der Wind vom Westen zur\u00fcckgetrieben hatte, den Verursachern direkt in die Lunge, aber das ist Spekulation. Heym ist beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, und zwar zwei Jahre bevor der 1. Weltkrieg angezettelt worden war und Europa zum ersten Mal in diesem vergangenen Jahrhundert in Schutt und Asche legte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florian Vo\u00df, der neue Herausgeber der Lyrikedition 2000, legt zum Start seiner T\u00e4tigkeit den Band\u00a0<em>Ich bin vom Elend ganz zerfressen<\/em> vor, in dem ca.\u00a0<em>30 Dichterinnen und Dichter der j\u00fcngeren und j\u00fcngsten Generation in einen Dialog mit ihm (Heym)<\/em> treten. Den Beitr\u00e4gen dieser Autorinnen und Autoren sind die Gedichte Heyms beigegeben, auf die die Autorinnen und Autoren sich beziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht man nach diesem B\u00e4ndchen, so entsteht kein einheitliches Heymbild, und seine Dichtung schillert in den verschiedensten Farben und T\u00f6nen, von depressiv bis hoch ironisch, von zutiefst privat bis historisch politisch. Und vielleicht ist es das Gl\u00fcck dieses Autors, dass er von der Literaturgeschichte eher stiefm\u00fctterlich behandelt wurde und eine Gesamtausgabe seines Werkes in den Sechzigerjahren unvollendet blieb. Die 1964 bei Ellermann\u00a0 erschienene Ausgabe bietet in ihrem ersten Band Gedichte und Gedichtfragmente, die kaum \u00fcber einen Kamm zu scheren sind, die Auseinandersetzungen mit Literatur und mit Literaturgeschichte bieten, aber auch mit der stupiden Situation in einem Preu\u00dfischen Grundbuchamt. Und jeder der auf Heymtexte bezugnehmenden Zeitgenossen von heute findet eine Nuance, an der er sich abarbeiten kann, oder wird von dem Ton des an der Schwelle zur Moderne stehenden jungen Dichters eingefangen. Denn man kann schon ein wenig neidisch werden, wenn man liest, wie leicht und souver\u00e4n der junge Heym mit dem Reim umgeht. In dieser Hinsicht dichtet der Tote vielleicht aus einer Naivit\u00e4t heraus, die uns Heutigen ein f\u00fcr alle mal verstellt scheint. Aber auch zum Reim, sogar zum einfachen Endreim finden einige Beitr\u00e4ge zur\u00fcck und es scheint, dass niemals etwas restlos vergangen, allem haften noch Momente der Jugend an &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kommen im vorliegenden Band zum einen die verschiedensten zeitgen\u00f6ssischen Temperamente mit den Temperamenten Heyms in Kontakt. Und entsprechend ist auch die Auswahl der Urtexte: ob sich nun Max Czollek im Eingangsbeitrag an Heyms <em style=\"text-align: justify;\">Die Irren<\/em> abarbeitet oder Marcus Roloff auf\u00a0<em>Nachmittag<\/em> Bezug nimmt. Es sind\u00a0 unterschiedliche Entfernungen zwischen den Texten, die Heym aber nie ganz aus den Augen verlieren. Und wir sollten es auch nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<span style=\"color: #000000;\">* * *<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Georg Heym, <strong>Ich bin von dem grauen Elend zerfressen<\/strong>.<em> Gedichte und Erwiderungen<\/em>, herausgegeben von Florian Vo\u00df, 88 Seiten, Broschur, Lyrik Edition 2000 im Allitera Verlag, M\u00fcnchen 2012.<\/span><span style=\"color: #000000;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-97263 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-218x300.jpg 218w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-160x220.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym.jpg 364w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 100 Jaren starb Georg Heym. KUNO erinnert nicht an ihn mit einem Gedicht, sondern durch seine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/16\/die-bleistadt\/\">Prosa<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4re man b\u00f6se, k\u00f6nnte man sagen, dass Georg Heym, w\u00e4re er nicht 1912 beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, vielleicht ein paar Jahre sp\u00e4ter vor Verdun gefallen oder am deutschen Kampfgas erstickt w\u00e4re, das der Wind vom Westen zur\u00fcckgetrieben hatte, den&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/09\/ich-bin-vom-grauen-elend-zerfressen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":99677,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[303,429,924,984,983],"class_list":["post-8994","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-florian-vos","tag-georg-heym","tag-jan-kuhlbrodt","tag-marcus-roloff","tag-max-czollek"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8994"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8994\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99683,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8994\/revisions\/99683"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99677"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}