{"id":89919,"date":"1999-10-03T00:01:41","date_gmt":"1999-10-02T22:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89919"},"modified":"2022-02-17T14:09:06","modified_gmt":"2022-02-17T13:09:06","slug":"die-politischen-verhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/10\/03\/die-politischen-verhaeltnisse\/","title":{"rendered":"Die politischen Verh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> Vor dem Berliner Reichstagsgeb\u00e4ude haben sich am 2. Oktober 1990 um Mitternacht hunderttausende Menschen versammelt. Sie feiern den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. In der Nacht zum 3. Oktober tritt das Grundgesetz auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern in Kraft: Nach \u00fcber 40 Jahren der Teilung sind beide deutsche Staaten wieder vereint. Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker ordnet die historische Bedeutung dieses Ereignisses ein: &#8222;Zum ersten Mal bilden wir Deutschen keinen Streitpunkt auf der europ\u00e4ischen Tagesordnung. Unsere Einheit wurde niemandem aufgezwungen, sondern friedlich vereinbart&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die politischen Verh\u00e4ltnisse jener Zeit (1799) haben eine gar betr\u00fcbende \u00c4hnlichkeit mit den neuesten Zust\u00e4nden in Deutschland, nur da\u00df damals der Freiheitssinn mehr unter Gelehrten, Dichtern und sonstigen Literaten bl\u00fchete, heutigentags aber unter diesen viel minder, sondern weit mehr in der gro\u00dfen aktiven Masse, unter Handwerkern und Gewerbsleuten, sich ausspricht. W\u00e4hrend zur Zeit der ersten Revolution die bleiern deutscheste Schlafsucht auf dem Volke lastete und gleichsam eine brutale Ruhe in ganz Germanien herrschte, offenbarte sich in unserer Schriftwelt das wildeste G\u00e4ren und Wallen. Der einsamste Autor, der in irgendeinem abgelegenen Winkelchen Deutschlands lebte, nahm teil an dieser Bewegung; fast sympathetisch, ohne von den politischen Vorg\u00e4ngen genau unterrichtet zu sein, f\u00fchlte er ihre soziale Bedeutung und sprach sie aus in seinen Schriften. Dieses Ph\u00e4nomen mahnt mich an die gro\u00dfen Seemuscheln, welche wir zuweilen als Zierat auf unsere Kamine stellen und die, wenn sie auch noch so weit vom Meere entfernt sind, dennoch pl\u00f6tzlich zu rauschen beginnen, sobald dort die Flutzeit eintritt und die Wellen gegen die K\u00fcste heranbrechen. Als hier in Paris, in dem gro\u00dfen Menschenozean, die Revolution losflutete, als es hier brandete und st\u00fcrmte, da rauschten und brausten jenseits des Rheins die deutschen Herzen&#8230; Aber sie waren so isoliert, sie standen unter lauter f\u00fchllosem Porzellan, Teetassen und Kaffeekannen und chinesischen Pagoden, die mechanisch mit dem Kopfe nickten, als w\u00fc\u00dften sie, wovon die Rede sei. Ach! unsere armen Vorg\u00e4nger in Deutschland mu\u00dften f\u00fcr jene Revolutionssympathie sehr arg b\u00fc\u00dfen. Junker und Pf\u00e4ffchen \u00fcbten an ihnen ihre plumpsten und gemeinsten T\u00fccken. Einige von ihnen fl\u00fcchteten nach Paris und sind hier in Armut und Elend verkommen und verschollen. Ich habe j\u00fcngst einen blinden Landsmann gesehen, der noch seit jener Zeit in Paris ist; ich sah ihn im Palais Royal, wo er sich ein bi\u00dfchen an der Sonne gew\u00e4rmt hatte. Es war schmerzlich anzusehen, wie er bla\u00df und mager war und sich seinen Weg an den H\u00e4usern weiterf\u00fchlte. Man sagte mir, es sei der alte d\u00e4nische Dichter Heiberg. Auch die Dachstube habe ich j\u00fcngst gesehen, wo der B\u00fcrger Georg Forster gestorben. Den Freiheitsfreunden, die in Deutschland blieben, w\u00e4re es aber noch weit schlimmer ergangen, wenn nicht bald Napoleon und seine Franzosen uns besiegt h\u00e4tten. Napoleon hat gewi\u00df nie geahnt, da\u00df er selber der Retter der Ideologie gewesen. Ohne ihn w\u00e4ren unsere Philosophen mitsamt ihren Ideen durch Galgen und Rad ausgerottet worden. Die deutschen Freiheitsfreunde jedoch, zu republikanisch gesinnt, um dem Napoleon zu huldigen, auch zu gro\u00dfm\u00fctig, um sich der Fremdherrschaft anzuschlie\u00dfen, h\u00fcllten sich seitdem in ein tiefes Schweigen. Sie gingen traurig herum mit gebrochenen Herzen, mit geschlossenen Lippen. Als Napoleon fiel, da l\u00e4chelten sie, aber wehm\u00fctig, und schwiegen; sie nahmen fast gar keinen Teil an dem patriotischen Enthusiasmus, der damals, mit allerh\u00f6chster Bewilligung, in Deutschland emporjubelte. Sie wu\u00dften, was sie wu\u00dften, und schwiegen. Da diese Republikaner eine sehr keusche, einfache Lebensart f\u00fchren, so werden sie gew\u00f6hnlich sehr alt, und als die Juliusrevolution ausbrach, waren noch viele von ihnen am Leben, und nicht wenig wunderten wir uns, als die alten K\u00e4uze, die wir sonst immer so gebeugt und fast bl\u00f6dsinnig schweigend umherwandeln gesehen, jetzt pl\u00f6tzlich das Haupt erhoben und uns Jungen freundlich entgegenlachten und die H\u00e4nde dr\u00fcckten und lustige Geschichten erz\u00e4hlten. Einen von ihnen h\u00f6rte ich sogar singen; denn im Kaffeehause sang er uns die Marseiller Hymne vor, und wir lernten da die Melodie und die sch\u00f6nen Worte, und es dauerte nicht lange, so sangen wir sie besser als der Alte selbst, denn der hat manchmal in der besten Strophe wie ein Narr gelacht oder geweint wie ein<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"207\"><\/a>\u00a0Kind. Es ist immer gut, wenn so alte Leute leben bleiben, um den Jungen die Lieder zu lehren. Wir Jungen wer den sie nicht vergessen, und einige von uns werden sie einst jenen Enkeln einstudieren, die jetzt noch nicht geboren sind. Viele von uns werden aber unterdessen verfault sein, daheim im Gef\u00e4ngnisse oder auf einer Dachstube in der Fremde. \u2013 \u2013 \u2013\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Obige Stelle, aus meinem Buche \u00bbDe l&#8217;Allemagne\u00ab (sie fehlt in der deutschen Ausgabe), schrieb ich vor etwa sechs Jahren, und indem ich sie heute wieder \u00fcberlese, lagern sich \u00fcber meine Seele, wie feuchte Schatten, alle jene trostlosen Betr\u00fcbnisse, wovon mich damals nur die ersten Ahnungen anwehten. Es rieselt mir wie Eiswasser durch die gl\u00fchendsten Empfindungen, und mein Leben ist nur ein schmerzliches Erstarren. O kalte Winterh\u00f6lle, worin wir z\u00e4hneklappernd leben!&#8230; O Tod, wei\u00dfer Schneemann im unendlichen Nebel, was nickst du so verh\u00f6hnend!&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklich sind die, welche in den Kerkern der Heimat ruhig hinmodern&#8230; denn diese Kerker sind eine Heimat mit eisernen Stangen, und deutsche Luft weht hindurch, und der Schl\u00fcsselmeister, wenn er nicht ganz stumm ist, spricht er die deutsche Sprache!&#8230; Es sind heute \u00fcber sechs Monde, da\u00df kein deutscher Laut an mein Ohr klang, und alles, was ich dichte und trachte, kleidet sich m\u00fchsam in ausl\u00e4ndische Redensarten&#8230; Ihr habt vielleicht einen Begriff vom leiblichen Exil, jedoch vom geistigen Exil kann nur ein deutscher Dichter sich eine Vorstellung machen, der sich gezwungen s\u00e4he, den ganzen Tag franz\u00f6sisch zu sprechen, zu schreiben und sogar des Nachts am Herzen der Geliebten franz\u00f6sisch zu seufzen! Auch meine Gedanken sind exiliert, exiliert in eine fremde Sprache.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklich sind die, welche in der Fremde nur mit der Armut zu k\u00e4mpfen haben, mit Hunger und K\u00e4lte, lauter nat\u00fcrlichen \u00dcbeln&#8230; Durch die Luken ihrer Dachstuben lacht ihnen der Himmel und alle seine Sterne&#8230; Oh, goldenes Elend mit wei\u00dfen Glac\u00e9handschuhen, wie bist du unendlich qualsamer!&#8230; Das verzweifelnde Haupt mu\u00df sich frisieren lassen, wo nicht gar parf\u00fcmieren, und die z\u00fcrnenden Lippen, welche Himmel\u00a0und Erde verfluchen m\u00f6chten, m\u00fcssen l\u00e4cheln und immer l\u00e4cheln&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklich sind die, welche, \u00fcber das gro\u00dfe Leid, am Ende ihr letztes bi\u00dfchen Verstand verloren und ein sicheres Unterkommen gefunden in Charenton oder in Bic\u00eatre, wie der arme F., wie der arme B., wie der arme L. und so manche andere, die ich weniger kannte&#8230; Die Zelle ihres Wahnsinns d\u00fcnkt ihnen eine geliebte Heimat, und in der Zwangsjacke d\u00fcnken sie sich Sieger \u00fcber allen Despotismus, d\u00fcnken sie sich stolze B\u00fcrger eines freien Staates&#8230; Aber das alles h\u00e4tten sie zu Hause ebensogut haben k\u00f6nnen!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nur der \u00dcbergang von der Vernunft zur Tollheit ist ein verdrie\u00dflicher Moment und gr\u00e4\u00dflich&#8230; Mich schaudert, wenn ich daran denke, wie der F. zum letzten Male zu mir kam, um ernsthaft mit mir zu verhandeln, da\u00df man auch die Mondmenschen und die entferntesten Sternenbewohner in den gro\u00dfen V\u00f6lkerbund aufnehmen m\u00fcsse. Aber wie soll man ihnen unsere Vorschl\u00e4ge ank\u00fcndigen? Das war die gro\u00dfe Frage. Ein anderer Patriot hatte in \u00e4hnlicher Absicht eine Art kolossaler Spiegel erdacht, womit man Proklamationen mit Riesenbuchstaben in der Luft abspiegelt, so da\u00df die ganze Menschheit sie auf einmal lesen k\u00f6nnte, ohne da\u00df Zensor und Polizei es zu verhindern verm\u00f6chten&#8230; Welches staatsgef\u00e4hrliche Projekt!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Und doch geschieht dessen keine Erw\u00e4hnung in dem Bundestagsberichte \u00fcber die revolution\u00e4re Propaganda!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Am gl\u00fccklichsten sind wohl die Toten, die im Grabe liegen, auf dem P\u00e8re-Lachaise, wie du, armer B\u00f6rne!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ja, gl\u00fccklich sind diejenigen, welche in den Kerkern der Heimat, gl\u00fccklich die, welche in den Dachstuben des k\u00f6rperlichen Elends, gl\u00fccklich die Verr\u00fcckten im Tollhaus, am gl\u00fccklichsten die Toten! Was mich betrifft, den Schreiber dieser Bl\u00e4tter, ich glaube mich am Ende gar nicht so sehr beklagen zu d\u00fcrfen, da ich des Gl\u00fcckes aller dieser Leute gewisserma\u00dfen teilhaft werde, durch jene wunderliche Empf\u00e4nglichkeit, jene unwillk\u00fcrliche Mitempfindung, jene Gem\u00fctskrankheit, die wir bei den Poeten finden und mit keinem rechten Namen zu bezeichnen wissen.\u00a0Wenn ich auch am Tage wohlbeleibt und lachend dahinwandle durch die funkelnden Gassen Babylons, glaubt mir&#8217;s! sobald der Abend herabsinkt, erklingen die melancholischen Harfen in meinem Herzen, und gar des Nachts erschmettern darin alle Pauken und Zimbeln des Schmerzes, die ganze Janitscharenmusik der Weltqual, und es steigt empor der entsetzlich gellende Mummenschanz&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">O welche Tr\u00e4ume! Tr\u00e4ume des Kerkers, des Elends, des Wahnsinns, des Todes! Ein schrillendes Gemisch von Unsinn und Weisheit, eine bunte vergiftete Suppe, die nach Sauerkraut schmeckt und nach Orangenbl\u00fcten riecht! Welch ein grauenhaftes Gef\u00fchl, wenn die n\u00e4chtlichen Tr\u00e4ume das Treiben des Tages verh\u00f6hnen und aus den flammenden Mohnblumen die ironischen Larven hervorgucken und R\u00fcbchen schaben und die stolzen Lorbeerb\u00e4ume sich in graue Disteln verwandeln und die Nachtigallen ein Spottgel\u00e4chter erheben&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gew\u00f6hnlich, in meinen Tr\u00e4umen, sitze ich auf einem Eckstein der Rue Laffitte an einem feuchten Herbstabend, wenn der Mond auf das schmutzige Boulevardpflaster herabstrahlt mit langen Streiflichtern, so da\u00df der Kot vergoldet scheint, wo nicht gar mit blitzenden Diamanten \u00fcbers\u00e4t&#8230; Die vor\u00fcbergehenden Menschen sind ebenfalls nur gl\u00e4nzender Kot: Stockjobbers, Spieler, wohlfeile Skribenten, Falschm\u00fcnzer des Gedankens, noch wohlfeilere Dirnen, die freilich nur mit dem Leibe zu l\u00fcgen brauchen, satte Faulb\u00e4uche, die im Caf\u00e9 de Paris gef\u00fcttert worden und jetzt nach der Acad\u00e9mie de musique hinst\u00fcrzen, nach der Kathedrale des Lasters, wo Fanny El\u00dfler tanzt und l\u00e4chelt&#8230; Dazwischen rasseln auch die Karossen und springen die Lakaien, die bunt wie Tulpen und gemein wie ihre gn\u00e4dige Herrschaft&#8230; Und wenn ich nicht irre, in einer jener frechen goldnen Kutschen sitzt der ehemalige Zigarrenh\u00e4ndler Aguado, und seine stampfenden Rosse bespritzen von oben bis unten meine rosaroten Trikotkleider&#8230; Ja, zu meiner eigenen Verwunderung bin ich ganz in rosaroten Trikot gekleidet, in ein sogenanntes fleischfarbiges Gewand, da die vorger\u00fcckte Jahrzeit und auch das Klima keine v\u00f6llige Nacktheit erlaubt wie in Griechenland, bei den Thermopylen, wo der K\u00f6nig Leonidas mit seinen dreihundert Spartanern, am Vorabend der Schlacht, ganz nackt tanzte, ganz nackt, das Haupt mit Blumen bekr\u00e4nzt&#8230; Eben wie Leonidas auf dem Gem\u00e4lde von David bin ich kost\u00fcmiert, wenn ich in meinen Tr\u00e4umen auf dem Eckstein sitze, an der Rue Laffitte, wo der verdammte Kutscher von Aguado mir meine Trikothosen bespritzt&#8230; Der Lump, er bespritzt mir sogar den Blumenkranz, den sch\u00f6nen Blumenkranz, den ich auf meinem Haupte trage, der aber, unter uns gesagt, schon ziemlich trocken und nicht mehr duftet&#8230; Ach! es waren frische, freudige Blumen, als ich mich einst damit schm\u00fcckte, in der Meinung, den anderen Morgen ginge es zur Schlacht, zum heiligen Todessieg f\u00fcr das Vaterland \u2013 \u2013 \u2013 Das ist nun lange her, m\u00fcrrisch und m\u00fc\u00dfig sitze ich an der Rue Laffitte und harre des Kampfes, und unterdessen welken die Blumen auf meinem Haupte, und auch meine Haare f\u00e4rben sich wei\u00df, und mein Herz erkrankt mir in der Brust&#8230; Heiliger Gott! was wird einem die Zeit so lange bei solchem tatlosen Harren, und am Ende stirbt mir noch der Mut&#8230; Ich sehe, wie die Leute vorbeigehen, mich mitleidig anschauen und einander zufl\u00fcstern: \u00bbDer arme Narr!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wie die Nachttr\u00e4ume meine Tagesgedanken verh\u00f6hnen, so geschieht es auch zuweilen, da\u00df die Gedanken des Tages \u00fcber die unsinnigen Nachttr\u00e4ume sich lustig machen, und mit Recht, denn ich handle im Traume oft wie ein wahrer Dummkopf. J\u00fcngst tr\u00e4umte mir, ich machte eine gro\u00dfe Reise durch ganz Europa, nur da\u00df ich mich dabei keines Wagens mit Pferden, sondern eines gar pr\u00e4chtigen Schiffes bediente. Das ging gut, wenn ein Flu\u00df oder ein See sich auf meinem Wege befand. Solches war aber der seltenere Fall, und gew\u00f6hnlich mu\u00dfte ich \u00fcber festes Land, was f\u00fcr mich sehr unbequem, da ich alsdann mein Schiff \u00fcber weite Ebenen, Waldstege, Moorgr\u00fcnde und sogar \u00fcber sehr hohe Berge fortschleppen mu\u00dfte, bis ich wieder an einen Flu\u00df oder See kam, wo ich gem\u00e4chlich segeln konnte. Gew\u00f6hnlich aber, wie gesagt, mu\u00dfte ich mein Fahrzeug selber fortschleppen, was mir sehr viel Zeitverlust und nicht geringe<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"211\"><\/a>\u00a0Anstrengung kostete, so da\u00df ich am Ende vor \u00dcberdru\u00df und M\u00fcdigkeit erwachte. Nun aber, des Morgens, beim ruhigen Kaffee, machte ich die richtige Bemerkung, da\u00df ich weit schneller und bequemer gereist w\u00e4re, wenn ich gar kein Schiff besessen h\u00e4tte und wie ein gew\u00f6hnlicher armer Teufel immer zu Fu\u00df gegangen w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Am Ende kommt es auf eins heraus, wie wir die gro\u00dfe Reise gemacht haben, ob zu Fu\u00df oder zu Pferd oder zu Schiff&#8230; Wir gelangen am Ende alle in dieselbe Herberge, in dieselbe schlechte Schenke, wo man die T\u00fcre mit einer Schaufel aufmacht, wo die Stube so eng, so kalt, so dunkel, wo man aber gut schl\u00e4ft, fast gar zu gut&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ob wir einst auferstehen? Sonderbar! meine Tagesgedanken verneinen diese Frage, und aus reinem Widerspruchsgeiste wird sie von meinen Nachttr\u00e4umen bejaht. So z.B. tr\u00e4umte mir unl\u00e4ngst: ich sei in der ersten Morgenfr\u00fche nach dem Kirchhof gegangen, und dort, zu meiner h\u00f6chsten Verwunderung, sah ich, wie bei jedem Grabe ein Paar blankgewichster Stiefel stand, ungef\u00e4hr wie in den Wirtsh\u00e4usern vor den Stuben der Reisenden&#8230; Das war ein wunderlicher Anblick, es herrschte eine sanfte Stille auf dem ganzen Kirchhof, die m\u00fcden Erdenpilger schliefen, Grab neben Grab, und die blankgewichsten Stiefel, die dort in langen Reihen standen, gl\u00e4nzten im frischen Morgenlicht, so hoffnungsreich, so verhei\u00dfungsvoll, wie ein sonnenklarer Beweis der Auferstehung.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich vermag den Ort nicht genau zu bezeichnen, wo auf dem P\u00e8re-Lachaise sich B\u00f6rnes Grab befindet. Ich bemerke dieses ausdr\u00fccklich. Denn w\u00e4hrend er lebte, ward ich nicht selten von reisenden Deutschen besucht, die mich frugen, wo B\u00f6rne wohne, und jetzt werde ich sehr oft mit der Anfrage behelligt, wo B\u00f6rne begraben l\u00e4ge. Soviel man mir sagt, liegt er unten auf der rechten Seite des Kirchhofs, unter lauter Gener\u00e4len aus der Kaiserzeit und Schauspielerinnen des Th\u00e9\u00e2tre Fran\u00e7ais&#8230; unter toten Adlern und toten Papageien.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In der \u00bbZeitung f\u00fcr die elegante Welt\u00ab las ich j\u00fcngst, da\u00df das Kreuz auf dem Grabe B\u00f6rnes vom Sturme niedergebrochen<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"212\"><\/a>\u00a0worden. Ein j\u00fcngerer Poet besang diesen Umstand in einem sch\u00f6nen Gedichte, wie denn \u00fcberhaupt B\u00f6rne, der im Leben so oft mit den faulsten \u00c4pfeln der Prosa beschmissen worden, jetzt nach seinem Tode mit den wohlduftigsten Versen ber\u00e4uchert wird. Das Volk steinigt gern seine Propheten, um ihre Reliquien desto inbr\u00fcnstiger zu verehren; die Hunde, die uns heute anbellen, morgen k\u00fcssen sie gl\u00e4ubig unsere Knochen! \u2013 \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wie ich bereits gesagt habe, ich liefere hier weder eine Apologie noch eine Kritik des Mannes, womit sich diese Bl\u00e4tter besch\u00e4ftigen. Ich zeichne nur sein Bild, mit genauer Angabe des Ortes und der Zeit, wo er mir sa\u00df. Zugleich verhehle ich nicht, welche g\u00fcnstige oder ung\u00fcnstige Stimmung mich w\u00e4hrend der Sitzung beherrschte. Ich liefere dadurch den besten Ma\u00dfstab f\u00fcr den Glauben, den meine Angaben verdienen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ist aber einerseits dieses best\u00e4ndige Konstatieren meiner Pers\u00f6nlichkeit das geeignetste Mittel, ein Selbsturteil des Lesers zu f\u00f6rdern, so glaube ich andererseits zu einem Hervorstellen meiner eigenen Person in diesem Buche besonders verpflichtet zu sein, da, durch einen Zusammenflu\u00df der heterogensten Umst\u00e4nde, sowohl die Feinde wie die Freunde B\u00f6rnes nie aufh\u00f6rten, bei jeder Besprechung desselben \u00fcber mein eigenes Tichten und Trachten mehr oder minder wohlwollend oder b\u00f6swillig zu r\u00e4sonieren. Die aristokratische Partei in Deutschland, wohl wissend, da\u00df ihr die M\u00e4\u00dfigung meiner Rede weit gef\u00e4hrlicher sei als die Berserkerwut B\u00f6rnes, suchte mich gern als einen gleichgesinnten Kumpan desselben zu verschreien, um mir eine gewisse Solidarit\u00e4t seiner politischen Tollheiten aufzub\u00fcrden. Die radikale Partei, weit entfernt, diese Kriegslist zu enth\u00fcllen, unterst\u00fctzte sie vielmehr, um mich in den Augen der Menge als ihren Genossen erscheinen zu lassen und dadurch die Autorit\u00e4t meines Namens auszubeuten. Gegen solche Machinationen \u00f6ffentlich aufzutreten war unm\u00f6glich; ich h\u00e4tte nur den Verdacht auf mich geladen, als desavouierte ich B\u00f6rne, um die Gunst seiner Feinde zu gewinnen. Unter diesen Umst\u00e4nden tat mir B\u00f6rne wirklich einen Gefallen, als er nicht blo\u00df in kurz hingeworfenen Worten, sondern auch in erweiterten Auseinandersetzungen mich \u00f6ffentlich angriff und \u00fcber die Meinungsdifferenz, die zwischen uns herrschte, das Publikum selber aufkl\u00e4rte. Das tat er namentlich im sechsten Bande seiner \u00bbPariser Briefe\u00ab und in zwei Artikeln, die er in der franz\u00f6sischen Zeitschrift \u00bbLe R\u00e9formateur\u00ab abdrucken lie\u00df. Diese Artikel, worauf ich, wie bereits erw\u00e4hnt worden, nie antwortete, gaben wieder Gelegenheit, bei jeder Besprechung B\u00f6rnes auch von mir zu reden, jetzt freilich in einem ganz anderen Tone wie fr\u00fcher. Die Aristokraten \u00fcberh\u00e4uften mich mit den perfidesten Lobspr\u00fcchen, sie priesen mich fast zugrunde: ich wurde pl\u00f6tzlich wieder ein gro\u00dfer Dichter, nachdem ich ja eingesehen h\u00e4tte, da\u00df ich meine politische Rolle, den l\u00e4cherlichen Radikalismus, nicht weiterspielen k\u00f6nne. Die Radikalen hingegen fingen nun an, \u00f6ffentlich gegen mich loszuziehen \u2013 privatim taten sie es zu jeder Zeit \u2013, sie lie\u00dfen kein gutes Haar an mir, sie sprachen mir allen Charakter ab und lie\u00dfen nur noch den Dichter gelten. \u2013 Ja, ich bekam sozusagen meinen politischen Abschied und wurde gleichsam in Ruhestand nach dem Parnassus versetzt. Wer die erw\u00e4hnten zwei Parteien kennt, wird die Gro\u00dfmut, womit sie mir den Titel eines Poeten lie\u00dfen, leicht w\u00fcrdigen. Die einen sehen in einem Dichter nichts anderes als einen tr\u00e4umerischen H\u00f6fling m\u00fc\u00dfiger Ideale. Die anderen sehen in dem Dichter gar nichts; in ihrer n\u00fcchternen Hohlheit findet Poesie auch nicht den d\u00fcrftigsten Widerklang.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Was ein Dichter eigentlich ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Doch k\u00f6nnen wir nicht umhin, \u00fcber die Begriffe, die man mit dem Worte \u00bbCharakter\u00ab verbindet, unsere unma\u00dfgebliche Meinung auszusprechen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Was versteht man unter dem Wort \u00bbCharakter\u00ab?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Charakter hat derjenige, der in den bestimmten Kreisen einer bestimmten Lebensanschauung lebt und waltet, sich gleichsam mit derselben identifiziert und nie in Widerspruch ger\u00e4t mit seinem Denken und F\u00fchlen. Bei ganz ausgezeichneten, \u00fcber ihr Zeitalter hinausragenden Geistern kann daher die Menge nie wissen, ob sie Charakter haben oder nicht, denn die gro\u00dfe Menge hat nicht Weitblick genug, um die Kreise zu \u00fcberschauen, innerhalb derselben sich jene hohen Geister bewegen. Ja, indem die Menge nicht die Grenzen des Wollens und D\u00fcrfens jener hohen Geister kennt, kann es ihr leicht begegnen, in den Handlungen derselben weder Befugnis noch Notwendigkeit zu sehen, und die geistig Bl\u00f6d- und Kurzsichtigen klagen dann \u00fcber Willk\u00fcr, Inkonsequenz, Charakterlosigkeit. Minder begabte Menschen, deren oberfl\u00e4chlichere und engere Lebensanschauung leichter ergr\u00fcndet und \u00fcberschaut wird und die gleichsam ihr Lebensprogramm in popul\u00e4rer Sprache ein f\u00fcr allemal auf \u00f6ffentlichem Markte proklamiert haben, diese kann das verehrungsw\u00fcrdige Publikum immer im Zusammenhang begreifen, es besitzt einen Ma\u00dfstab f\u00fcr jede ihrer Handlungen, es freut sich dabei \u00fcber seine eigene Intelligenz, wie bei einer aufgel\u00f6sten Scharade, und jubelt: \u00bbSeht, das ist ein Charakter!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist immer ein Zeichen von Borniertheit, wenn man von der bornierten Menge leicht begriffen und ausdr\u00fccklich als Charakter gefeiert wird. Bei Schriftstellern ist dies noch bedenklicher, da ihre Taten eigentlich in Worten bestehen, und was das Publikum als Charakter in ihren Schriften verehrt, ist am Ende nichts anders als knechtische Hingebung an den Moment, als Mangel an Bildnerruhe, an Kunst.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Grundsatz, da\u00df man den Charakter eines Schriftstellers aus seiner Schreibweise erkenne, ist nicht unbedingt richtig; er ist blo\u00df anwendbar bei jener Masse von Autoren, denen beim Schreiben nur die augenblickliche Inspiration die Feder f\u00fchrt und die mehr dem Worte gehorchen als befehlen. Bei Artisten ist jener Grundsatz unzul\u00e4\u00dflich, denn diese sind Meister des Wortes, handhaben es zu jedem beliebigen Zwecke, pr\u00e4gen es nach Willk\u00fcr, schreiben objektiv, und ihr Charakter verr\u00e4t sich nicht in ihrem Stil.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ob B\u00f6rne ein Charakter ist, w\u00e4hrend andere nur Dichter sind, diese unfruchtbare Frage k\u00f6nnen wir nur mit dem mitleidigsten Achselzucken beantworten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNur Dichter\u00ab \u2013 wir werden unsere Gegner nie so bitter tadeln, da\u00df wir sie in eine und dieselbe Kategorie setzen mit Dante, Milton, Cervantes, Cam\u00f5es, Philipp Sidney, Friedrich Schiller, Wolfgang Goethe, welche nur Dichter waren&#8230; Unter uns gesagt, diese Dichter, sogar der letztere, zeigten manchmal Charakter!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und h\u00f6ren nicht, sie haben sogar Nasen und riechen nichts.\u00ab \u2013 Diese Worte lassen sich sehr gut anwenden auf die plumpe Menge, die nie begreifen wird, da\u00df ohne innere Einheit keine geistige Gr\u00f6\u00dfe m\u00f6glich ist und da\u00df, was eigentlich Charakter genannt werden mu\u00df, zu den unerl\u00e4\u00dflichsten Attributen des Dichters geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Distinktion zwischen Charakter und Dichter ist \u00fcbrigens zun\u00e4chst von B\u00f6rne selbst ausgegangen, und er hatte selber schon allen jenen schn\u00f6den Folgerungen vorgearbeitet, die seine Anh\u00e4nger sp\u00e4ter gegen den Schreiber dieser Bl\u00e4tter abhaspelten. In den \u00bbPariser Briefen\u00ab und den erw\u00e4hnten Artikeln des \u00bbR\u00e9formateurs\u00ab wird bereits von meinem charakterlosen Poetentum und meiner poetischen Charakterlosigkeit hinl\u00e4nglich gez\u00fcngelt, und es winden und kr\u00fcmmen sich dort die giftigsten Insinuationen. Nicht mit bestimmten Worten, aber mit allerlei Winken werde ich hier der zweideutigsten Gesinnungen, wo nicht gar der g\u00e4nzlichen Gesinnungslosigkeit, verd\u00e4chtigt! Ich werde in derselben Weise nicht blo\u00df des Indifferentismus, sondern auch des Widerspruchs mit mir selber bez\u00fcchtigt. Es lassen sich hier sogar einige Zischlaute vernehmen, die \u2013 k\u00f6nnen die Toten im Grabe err\u00f6ten? \u2013, ja, ich kann dem Verstorbenen diese Besch\u00e4mung nicht ersparen: er hat sogar auf Bestechlichkeit hingedeutet&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Sch\u00f6ne, s\u00fc\u00dfe Ruhe, die ich in diesem Augenblick in tiefster Seele empfinde! Du belohnst mich hinreichend f\u00fcr alles, was ich getan, und f\u00fcr alles, was ich verschm\u00e4ht&#8230; Ich werde mich weder gegen den Vorwurf der Indifferenz noch gegen den Verdacht der Feilheit verteidigen. Ich habe es vor Jahren, bei Lebzeiten der Insinuanten, meiner unw\u00fcrdig gehalten; jetzt fordert Schweigen sogar der Anstand. Das g\u00e4be ein grauenhaftes Schauspiel&#8230; Polemik zwischen dem Tod und dem Exil! \u2013 Du reichst mir aus dem Grabe die bittende Hand?.. Ohne Groll reiche ich dir die meinige&#8230; Sieh, wie sch\u00f6n ist sie und rein! Sie ward nie besudelt von dem H\u00e4ndedruck des P\u00f6bels, ebensowenig wie vom schmutzigen Golde der Volksfeinde&#8230; Im Grunde hast du mich ja nie beleidigt&#8230; In allen deinen Insinuationen ist auch f\u00fcr keinen Louisdor Wahrheit!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Stelle in B\u00f6rnes \u00bbPariser Briefen\u00ab, wo er am unumwundensten mich angriff, ist zugleich so charakteristisch zur Beurteilung des Mannes selbst, seines Stiles, seiner Leidenschaft und seiner Blindheit, da\u00df ich nicht umhinkann, sie hier mitzuteilen. Trotz des bittersten Wollens war er nie imstande, mich zu verletzen, und alles, was er hier sowie auch in den erw\u00e4hnten Artikeln des \u00bbR\u00e9formateurs\u00ab zu meinem Nachteil vorbrachte, konnte ich mit einem Gleichmute lesen, als w\u00e4re es nicht gegen mich gerichtet, sondern etwa gegen Nebukodonosor, K\u00f6nig von Babylon, oder gegen den Kalifen Harun al Raschid oder gegen Friedrich den Gro\u00dfen, welcher die Pasquille auf seine Person, die an den Berliner Stra\u00dfenecken etwas zu hoch hingen, viel niedriger anzuheften befahl, damit das Publikum sie besser lesen k\u00f6nne. Die erw\u00e4hnte Stelle ist datiert von Paris, den 25. Februar 1833, und lautet folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbSoll ich \u00fcber Heines \u203aFranz\u00f6sische Zust\u00e4nde\u2039 ein vern\u00fcnftiges Wort versuchen? Ich wage es nicht. Das fliegenartige Mi\u00dfbehagen, das mir beim Lesen des Buches um den Kopf summte und sich bald auf diese, bald auf jene Empfindung setzte, hat mich so \u00e4rgerlich gestimmt, da\u00df ich mich nicht verb\u00fcrge \u2013 ich sage nicht f\u00fcr die Richtigkeit meines Urteils, denn solche anma\u00dfliche B\u00fcrgschaft \u00fcbernehme ich nie \u2013, sondern nicht einmal f\u00fcr die Aufrichtigkeit meines Urteils. Dabei bin ich aber besonnen genug geblieben, um zu vermuten, da\u00df diese Verstimmung meine, nicht Heines Schuld ist. Wer so gro\u00dfe Geheimnisse wie er besitzt, als wie: in der dreihundertj\u00e4hrigen Unmenschlichkeit der \u00f6sterreichischen Politik eine erhabene Ausdauer zu finden und in dem K\u00f6nige von Bayern einen der edelsten und geistreichsten F\u00fcrsten, die je einen Thron geziert; den K\u00f6nig der Franzosen, als h\u00e4tte er das kalte Fieber, an dem einen Tage f\u00fcr gut, an dem andern f\u00fcr schlecht, am dritten Tage wieder f\u00fcr gut, am vierten wieder f\u00fcr schlecht zu erkl\u00e4ren; wer es k\u00fchn und gro\u00dfartig findet, da\u00df die Herrn von Rothschild w\u00e4hrend der Cholera ruhig in Paris geblieben, aber die unbezahlten M\u00fchen der deutschen Patrioten l\u00e4cherlich findet; und wer bei aller dieser Weichm\u00fctigkeit sich selbst noch f\u00fcr einen gefesteten Mann h\u00e4lt \u2013 wer so gro\u00dfe Geheimnisse besitzt, der mag noch gr\u00f6\u00dfere haben, die das R\u00e4tselhafte seines Buches erkl\u00e4ren; ich aber kenne sie nicht. Ich kann mich nicht blo\u00df in das Denken und F\u00fchlen jedes andern, sondern auch in sein Blut und seine Nerven versetzen, mich an die Quellen aller seiner Gesinnungen und Gef\u00fchle stellen und ihrem Laufe nachgehen mit unerm\u00fcdlicher Geduld. Doch mu\u00df ich dabei mein eigenes Wesen nicht aufzuopfern haben, sondern nur zu beseitigen auf eine Weile. Ich kann Nachsicht haben mit Kinderspielen, Nachsicht mit den Leidenschaften eines J\u00fcnglings. Wenn aber an einem Tage des blutigsten Kampfes ein Knabe, der auf dem Schlachtfelde nach Schmetterlingen jagt, mir zwischen die Beine k\u00f6mmt, wenn an einem Tage der h\u00f6chsten Not, wo wir hei\u00df zu Gott beten, ein junger Geck uns zur Seite in der Kirche nichts sieht als die sch\u00f6nen M\u00e4dchen und mit ihnen lieb\u00e4ugelt und fl\u00fcstert \u2013 so darf uns das, unbeschadet unserer Philosophie und Menschlichkeit, wohl \u00e4rgerlich machen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Heine ist ein K\u00fcnstler, ein Dichter, und zur allgemeinsten Anerkennung fehlt ihm nur noch seine eigne. Weil er oft noch etwas anders sein will als ein Dichter, verliert er sich oft. Wem, wie ihm, die Form das H\u00f6chste ist, dem mu\u00df sie auch das einzige bleiben; denn sobald er den Rand \u00fcbersteigt, flie\u00dft er ins Schrankenlose hinab, und es trinkt ihn der Sand. Wer die Kunst als seine Gottheit verehrt und je nach Laune auch manches Gebet an die Natur richtet, der frevelt gegen Kunst und Natur zugleich. Heine bettelt der Natur ihren Nektar und Bl\u00fctenstaub<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"218\"><\/a>\u00a0ab und bauet mit bildendem Wachse der Kunst ihre Zellen, aber er bildet die Zelle nicht, da\u00df sie den Honig bewahre, sondern sammelt den Honig, damit die Zelle auszuf\u00fcllen. Darum r\u00fchrt er auch nicht, wenn er weint; denn man wei\u00df, da\u00df er mit den Tr\u00e4nen nur seine Nelkenbeete begie\u00dft. Darum \u00fcberzeugt er nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht; denn man wei\u00df, da\u00df er an der Wahrheit nur das Sch\u00f6ne liebt. Aber die Wahrheit ist nicht immer sch\u00f6n, sie bleibt es nicht immer. Es dauert lange, bis sie in Bl\u00fcte k\u00f6mmt, und sie mu\u00df verbl\u00fchen, ehe sie Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Heine w\u00fcrde die deutsche Freiheit anbeten, wenn sie in voller Bl\u00fcte st\u00e4nde; da sie aber, wegen des rauhen Winters, mit Mist bedeckt ist, erkennt er sie nicht und verachtet sie. Mit welcher sch\u00f6nen Begeisterung hat er nicht von dem Kampfe der Republikaner in der St.-Mery-Kirche und von ihrem Heldentode gesprochen! Es war ein gl\u00fccklicher Kampf, es war ihnen verg\u00f6nnt, den sch\u00f6nen Trotz gegen die Tyrannei zu zeigen und den sch\u00f6nen Tod f\u00fcr die Freiheit zu sterben. W\u00e4re der Kampf nicht sch\u00f6n gewesen, und dazu h\u00e4tte es nur einer andern \u00d6rtlichkeit bedurft, wo man die Republikaner h\u00e4tte zerstreuen und fangen k\u00f6nnen \u2013 h\u00e4tte sich Heine \u00fcber sie lustig gemacht. Was Brutus getan, w\u00fcrde Heine verherrlichen, so sch\u00f6n er nur vermag; w\u00fcrde aber ein Schneider den blutigen Dolch aus dem Herzen einer entehrten jungen N\u00e4hterin ziehen, die gar B\u00e4rbelchen hie\u00dfe, und damit die dummtr\u00e4gen B\u00fcrger zu ihrer Selbstbefreiung stacheln \u2013 er lachte dar\u00fcber. Man versetze Heine in das Ballhaus zu jener denkw\u00fcrdigen Stunde, wo Frankreich aus seinem tausendj\u00e4hrigen Schlafe erwachte und schwur, es wolle nicht mehr tr\u00e4umen \u2013 er w\u00e4re der tollhei\u00dfeste Jakobiner, der w\u00fctendste Feind der Aristokraten und lie\u00dfe alle Edelleute und F\u00fcrsten mit Wonne an einem Tage niedermetzeln. Aber s\u00e4he er aus der Rocktasche des feuerspeienden Mirabeau auf deutsche Studentenart eine Tabakspfeife mit rotschwarzgoldner Quaste hervorragen \u2013 dann pfui, Freiheit! Und er ginge hin und machte sch\u00f6ne Verse auf Marie Antoinettens sch\u00f6ne Augen. Wenn er in seinem Buche die heilige W\u00fcrde des Absolutismus preist,\u00a0so geschah es, au\u00dfer da\u00df es eine Rede\u00fcbung war, die sich an dem Tollsten versuchte, nicht darum, weil er politisch reinen Herzens ist, wie er sagt; sondern er tat es, weil er atemreines Mundes bleiben m\u00f6chte und er wohl an jenem Tage, als er das schrieb, einen deutschen Liberalen Sauerkraut mit Bratwurst essen gesehen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wie kann man je dem glauben, der selbst nichts glaubt? Heine sch\u00e4mt sich so sehr, etwas zu glauben, da\u00df er Gott den \u203aHerrn\u2039 mit lauter Initialbuchstaben drucken l\u00e4\u00dft, um anzuzeigen, da\u00df es ein Kunstausdruck sei, den er nicht zu verantworten habe. Den verz\u00e4rtelten Heine, bei seiner sybaritischen Natur, kann das Fallen eines Rosenblattes im Schlafe st\u00f6ren; wie sollte er behaglich auf der Freiheit ruhen, die so knorrig ist? Er bleibe fern von ihr. Wen jede Unebenheit erm\u00fcdet, wen jeder Widerspruch verwirrt macht, der gehe nicht, denke nicht, lege sich in sein Bett und schlie\u00dfe die Augen. Wo gibt es denn eine Wahrheit, in der nicht etwas L\u00fcge w\u00e4re? Wo eine Sch\u00f6nheit, die nicht ihre Flecken h\u00e4tte? Wo ein Erhabenes, dem nicht eine L\u00e4cherlichkeit zur Seite st\u00fcnde? Die Natur dichtet selten und reimet niemals; wem ihre Prosa und ihre Ungereimtheiten nicht behagen, der wende sich zur Poesie. Die Natur regiert republikanisch, sie l\u00e4\u00dft jedem Dinge seinen Willen, bis zur Reife der Missetat, und straft dann erst. Wer schwache Nerven hat und Gefahren scheut, der diene der Kunst, der absoluten, die jeden rauhen Gedanken ausstreicht, ehe er zur Tat wird, und an jeder Tat feilt, bis sie zu schm\u00e4chtig wird zur Missetat.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Heine hat in meinen Augen so gro\u00dfen Wert, da\u00df es ihm nicht immer gelingen wird, sich zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Also nicht diese Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung mache ich ihm zum Vorwurfe, sondern da\u00df er \u00fcberhaupt die Wirksamkeit einzelner Menschen \u00fcbersch\u00e4tzt, ob er es zwar in seinem eigenen Buche so klar und sch\u00f6n dargetan, da\u00df heute die Individuen nichts mehr gelten, da\u00df selbst Voltaire und Rousseau von keiner Bedeutung w\u00e4ren, weil jetzt die Ch\u00f6re handelten und die Personen spr\u00e4chen. Was sind wir denn, wenn wir viel sind? Nichts als die Herolde des Volks. Wenn wir verk\u00fcndigen, und mit lauter vernehmlicher Stimme, was uns, jedem von seiner Partei, aufgetragen, werden wir gelobt und belohnt; wenn wir unvernehmlich sprechen oder gar verr\u00e4terisch eine falsche Botschaft bringen, werden wir getadelt und gez\u00fcchtigt. Das vergi\u00dft eben Heine, und weil er glaubt, er wie mancher andere auch k\u00f6nnte eine Partei zugrunde richten oder ihr aufhelfen, h\u00e4lt er sich f\u00fcr wichtig; sieht umher, wem er gefalle, wem nicht; tr\u00e4umt von Freunden und Feinden, und weil er nicht wei\u00df, wo er geht und wohin er will, wei\u00df er weder, wo seine Freunde, noch, wo seine Feinde stehen, sucht sie bald hier, bald dort und wei\u00df sie weder hier noch dort zu finden. Uns andern miserablen Menschen hat die Natur zum Gl\u00fccke nur <i>einen<\/i> R\u00fccken gegeben, so da\u00df wir die Schl\u00e4ge des Schicksals nur von <i>einer<\/i> Seite f\u00fcrchten; der arme Heine aber hat zwei R\u00fccken, er f\u00fcrchtet die Schl\u00e4ge der Aristokraten und die Schl\u00e4ge der Demokraten, und um beiden auszuweichen, mu\u00df er zugleich vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts gehen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Um den Demokraten zu gefallen, sagt Heine, die jesuitisch-aristokratische Partei in Deutschland verleumde und verfolge ihn, weil er dem Absolutismus k\u00fchn die Stirne biete. Dann, um den Aristokraten zu gefallen, sagt er, er habe dem Jakobinismus k\u00fchn die Stirne geboten; er sei ein guter Royalist und werde ewig monarchisch gesinnt bleiben; in einem Pariser Putzladen, wo er vorigen Sommer bekannt war, sei er unter den acht Putzmacherm\u00e4dchen mit ihren acht Liebhabern \u2013 alle sechzehn von h\u00f6chst gef\u00e4hrlicher republikanischer Gesinnung \u2013 der einzige Royalist gewesen, und darum st\u00fcnden ihm die Demokraten nach dem Leben. Ganz w\u00f6rtlich sagt er: \u203aIch bin, bei Gott! kein Republikaner, ich wei\u00df, wenn die Republikaner siegen, so schneiden sie mir die Kehle ab.\u2039 Ferner: \u203aWenn die Insurrektion vom 5. Juni nicht scheiterte, w\u00e4re es ihnen leicht gelungen, mir den Tod zu bereiten, den sie mir zugedacht: ich verzeihe ihnen gerne diese Narrheit.\u2039 Ich nicht. Republikaner, die solche Narren w\u00e4ren, da\u00df sie Heine glaubten aus dem Wege r\u00e4umen zu m\u00fcssen, um ihr Ziel zu erreichen, die geh\u00f6rten in das Tollhaus-<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Auf diese Weise glaubt Heine bald dem Absolutismus, bald dem Jakobinismus k\u00fchn die Stirne zu bieten. Wie man aber einem Feinde die Stirne bieten kann, indem man sich von ihm abwendet, das begreife ich nicht. Jetzt wird, zur Wiedervergeltung, der Jakobinismus durch eine gleiche Wendung auch Heine k\u00fchn die Stirne bieten. Dann sind sie quitt, und so hart sie auch aufeinandersto\u00dfen m\u00f6gen, k\u00f6nnen sie sich nie sehr wehe tun. Diese weiche Art, Krieg zu f\u00fchren, ist sehr l\u00f6blich, und an einem blasenden Herolde, die Heldentaten zu verk\u00fcndigen, kann es keiner der k\u00e4mpfenden Stirnen in diesem Falle fehlen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Gab es je einen Menschen, den die Natur bestimmt hat, ein ehrlicher Mann zu sein, so ist es Heine, und auf diesem Wege k\u00f6nnte er sein Gl\u00fcck machen. Er kann keine f\u00fcnf Minuten, keine zwanzig Zeilen heucheln, keinen Tag, keinen halben Bogen l\u00fcgen. Wenn es eine Krone g\u00e4lte, er kann kein L\u00e4cheln, keinen Spott, keinen Witz unterdr\u00fccken; und wenn er, sein eigenes Wesen verkennend, doch l\u00fcgt, doch heuchelt, ernsthaft scheint, wo er lachen, dem\u00fctig, wo er spotten m\u00f6chte, so merkt es jeder gleich, und er hat von solcher Verstellung nur den Vorwurf, nicht den Gewinn. Er gef\u00e4llt sich, den Jesuiten des Liberalismus zu spielen. Ich habe es schon einmal gesagt, da\u00df dieses Spiel der guten Sache n\u00fctzen kann; aber weil es eine eintr\u00e4gliche Rolle ist, darf sie kein ehrlicher Mann selbst \u00fcbernehmen, sondern mu\u00df sie andern \u00fcberlassen. So, seiner bessern Natur zum Spott, findet Heine seine Freude daran, zu diplomatisieren und seine Z\u00e4hne zum Gef\u00e4ngnisgitter seiner Gedanken zu machen, hinter welchem sie jeder ganz deutlich sieht und dabei lacht. Denn zu verbergen, da\u00df er etwas zu verbergen habe, so weit bringt er es in der Verstellung nie. Wenn ihn der Graf Moltke in einen Federkrieg \u00fcber den Adel zu verwickeln sucht, bittet er ihn, es zu unterlassen; \u203adenn es schien mir gerade damals bedenklich, in meiner gew\u00f6hnlichen Weise ein Thema \u00f6ffentlich zu er\u00f6rtern, das die Tagesleidenschaften so furchtbar ansprechen m\u00fc\u00dfte\u2039. Diese Tagesleidenschaft gegen den Adel, die schon f\u00fcnfzigmal dreihundertf\u00fcnfundsechzig<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"222\"><\/a>\u00a0Tage dauert, k\u00f6nnte weder Herr von Moltke noch Heine noch sonst einer noch furchtbarer machen, als sie schon ist. Um von etwas warm zu sprechen, soll man also warten, bis die Leidenschaft, der er Nahrung geben kann, ged\u00e4mpft ist, um sie dann von neuem zu entz\u00fcnden? Das ist freilich die Weisheit der Diplomaten. Heine glaubt etwas zu wissen, das Lafayette gegen die Beschuldigung der Teilnahme an der Juni-Insurrektion verteidigen kann; aber \u203aeine leicht begreifliche Diskretion\u2039 h\u00e4lt ihn ab, sich deutlich auszusprechen. Wenn Heine auf diesem Wege Minister wird, dann will ich verdammt sein, sein geheimer Sekret\u00e4r zu werden und ihn von Morgen bis Abend anzusehen, ohne zu lachen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte herzlich gern auch die erw\u00e4hnten zwei Artikel des \u00bbR\u00e9formateur\u00ab hier mitteilen, aber drei Schwierigkeiten halten mich davon ab; erstens w\u00fcrden diese Artikel zuviel Raum einnehmen, zweitens, da sie auf franz\u00f6sisch geschrieben, m\u00fc\u00dfte ich sie selber \u00fcbersetzen, und drittens, obgleich ich schon in zehn Cabinets de lecture nachgefragt, habe ich nirgends mehr ein Exemplar des bereits eingegangenen \u00bbR\u00e9formateur\u00ab auftreiben k\u00f6nnen. Doch der Inhalt dieser Artikel ist mir noch hinl\u00e4nglich bekannt: sie enthielten die malizi\u00f6sesten Insinuationen \u00fcber Abtr\u00fcnnigkeit und Inkonsequenz, allerlei Anschuldigung von Sinnlichkeit, auch wird darin der Katholizismus gegen mich in Schutz genommen usw. \u2013 Von Verteidigung dagegen kann hier nicht die Rede sein; diese Schrift, welche weder eine Apologie noch eine Kritik des Verstorbenen sein soll, bezweckt auch keine Justifikation des \u00dcberlebenden. Genug, ich bin mir der Redlichkeit meines Willens und meiner Absichten bewu\u00dft, und werfe ich einen Blick auf meine Vergangenheit, so regt sich in mir ein fast freudiger Stolz \u00fcber die gute Strecke Weges, die ich bereits zur\u00fcckgelegt. Wird meine Zukunft von \u00e4hnlichen Fortschritten zeugen?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Aufrichtig gesagt, ich zweifle daran. Ich f\u00fchle eine sonderbare M\u00fcdigkeit des Geistes; wenn er auch in der letzten Zeit nicht viel geschaffen, so war er doch immer auf den Beinen. Ob das, was ich \u00fcberhaupt schuf in diesem Leben, gut oder schlecht war, dar\u00fcber wollen wir nicht streiten. Genug, es war gro\u00df; ich merkte es an der schmerzlichen Erweiterung der Seele, voraus diese Sch\u00f6pfungen hervorgingen&#8230; und ich merke es auch an der Kleinheit der Zwerge, die davorstehen und schwindlicht hinaufblinzeln&#8230; Ihr Blick reicht nicht bis zur Spitze, und sie sto\u00dfen sich nur die Nasen an dem Piedestal jener Monumente, die ich in der Literatur Europas aufgepflanzt habe, zum ewigen Ruhme des deutschen Geistes. Sind diese Monumente ganz makellos, sind sie ganz ohne Fehl und S\u00fcnde? Wahrlich, ich will auch hier\u00fcber nichts Bestimmtes behaupten. Aber was die kleinen Leute daran auszusetzen wissen, zeugt nur von ihrer eigenen putzigen Beschr\u00e4nktheit. Sie erinnern mich an die kleinen Pariser Badauds, die bei der Aufrichtung des Obelisk auf der Place Louis XVI \u00fcber den Wert oder die N\u00fctzlichkeit dieses gro\u00dfen Sonnenzeigers ihre respektiven Ansichten austauschten. Bei dieser Gelegenheit kamen die erg\u00f6tzlichsten Philistermeinungen zum Vorschein. Da war ein schwinds\u00fcchtig d\u00fcnner Schneider, welcher behauptete, der rote Stein sei nicht hart genug, um dem nordischen Klima lange zu widerstehen, und das Schneewasser werde ihn bald zerbr\u00f6ckeln und der Wind ihn niederst\u00fcrzen. Der Kerl hie\u00df Petit Jean und machte sehr schlechte R\u00f6cke, wovon kein Fetzen auf die Nachwelt kommen wird, und er selbst liegt schon verscharrt auf dem P\u00e8re-Lachaise. Der rote Stein aber steht noch immer fest auf der Place Louis XVI und wird noch Jahrhunderte dort stehenbleiben, trotzend allem Schneewasser, Wind und Schneidergeschw\u00e4tz!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das Spa\u00dfhafteste bei der Aufrichtung des Obelisken war folgendes Ereignis:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Auf der Stelle, wo der gro\u00dfe Stein gelegen, ehe man ihn aufrichtete, fand man einige kleine Skorpionen, wahrscheinlich entsprungen aus etwelchen Skorpioneneiern, die in der Emballage des Obelisken aus \u00c4gypten mitgebracht und hier zu Paris von der Sonnenhitze ausgebr\u00fctet wurden. \u00dcber diese Skorpionen erhuben nun die Badauds ein wahres Zetergeschrei, und sie verfluchten den gro\u00dfen Stein, dem Frankreich jetzt die giftigen Skorpionen verdanke, eine neue Landplage, woran noch Kinder und Kindeskinder leiden w\u00fcrden&#8230; Und sie legten die kleinen Unget\u00fcme in eine Schachtel und brachten sie zum Commissaire de Police des Madeleineviertels, wo gleich proc\u00e8s verbal dar\u00fcber aufgenommen wurde&#8230; und Eile tat not, da die armen Tierchen einige Stunden nachher starben&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Auch bei der Aufrichtung gro\u00dfer Geistesobelisken k\u00f6nnen allerlei Skorpionen zum Vorschein kommen, kleinliche Gifttierchen, die vielleicht ebenfalls aus \u00c4gypten stammen und bald sterben und vergessen werden, w\u00e4hrend das gro\u00dfe Monument erhaben und unzerst\u00f6rbar stehenbleibt, bewundert von den sp\u00e4testen Enkeln. \u2013 \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist doch eine sonderbare Sache mit dem Obelisken des Luxor, welchen die Franzosen aus dem alten Mizraim her\u00fcbergeholt und als Zierat aufgestellt haben, inmitten jenes grauenhaften Platzes, wo sie mit der Vergangenheit den entsetzlichen Bruch gefeiert, am 21. des Januar 1793. Leichtsinnig wie sie sind, die Franzosen, haben sie hier vielleicht einen Denkstein aufgepflanzt, der den Fluch ausspricht \u00fcber jeden, welcher Hand legt an das heilige Haupt Pharaos!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wer entr\u00e4tselt diese Stimme der Vorzeit, diese uralten Hieroglyphen? Sie enthalten vielleicht keinen Fluch, sondern ein Rezept f\u00fcr die Wunde unserer Zeit! O wer lesen k\u00f6nnte! Wer sie ausspr\u00e4che, die heilenden Worte, die hier eingegraben&#8230; Es steht hier vielleicht geschrieben, wo die verborgene Quelle rieselt, woraus die Menschheit trinken mu\u00df, um geheilt zu werden, wo das geheime Wasser des Lebens, wovon uns die Amme in den alten Kinderm\u00e4rchen soviel erz\u00e4hlt hat und wonach wir jetzt schmachten als kranke Greise. \u2013 Wo flie\u00dft das Wasser des Lebens? Wir suchen und suchen&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ach, es wird noch eine gute Weile dauern, ehe wir das gro\u00dfe Heilmittel ausf\u00fcndig machen; bis dahin mu\u00df noch eine lange schmerzliche Zeit dahingesiecht werden, und allerlei Quacksalber werden auftreten, mit Hausmittelchen, welche das \u00dcbel nur verschlimmern. Da kommen zun\u00e4chst die Radikalen und verschreiben eine Radikalkur, die am Ende doch nur \u00e4u\u00dferlich<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"225\"><\/a>\u00a0wirkt, h\u00f6chstens den gesellschaftlichen Grind vertreibt, aber nicht die innere F\u00e4ulnis. Gel\u00e4nge es ihnen auch, die leidende Menschheit auf eine kurze Zeit von ihren wildesten Qualen zu befreien, so gesch\u00e4he es doch nur auf Kosten der letzten Spuren von Sch\u00f6nheit, die dem Patienten bis jetzt geblieben sind; h\u00e4\u00dflich wie ein geheilter Philister wird er aufstehen von seinem Krankenlager, und in der h\u00e4\u00dflichen Spitaltracht, in dem aschgrauen Gleichheitskost\u00fcm, wird er sich all sein Lebtag herumschleppen m\u00fcssen. Alle \u00fcberlieferte Heiterkeit, alle S\u00fc\u00dfe, aller Blumenduft, alle Poesie wird aus dem Leben herausgepumpt werden, und es wird davon nichts \u00fcbrigbleiben als die Rumfordsche Suppe der N\u00fctzlichkeit. \u2013 F\u00fcr die Sch\u00f6nheit und das Genie wird sich kein Platz finden in dem Gemeinwesen unserer neuen Puritaner, und beide werden fletriert und unterdr\u00fcckt werden, noch weit betr\u00fcbsamer als unter dem \u00e4lteren Regimente. Denn Sch\u00f6nheit und Genie sind ja auch eine Art K\u00f6nigtum, und sie passen nicht in eine Gesellschaft, wo jeder, im Mi\u00dfgef\u00fchl der eigenen Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, alle h\u00f6here Begabnis herabzuw\u00fcrdigen sucht, bis aufs banale Niveau.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die K\u00f6nige gehen fort, und mit ihnen gehen die letzten Dichter. \u00bbDer Dichter soll mit dem K\u00f6nig gehen\u00ab, diese Worte d\u00fcrften jetzt einer ganz anderen Deutung anheimfallen. Ohne Autorit\u00e4tsglauben kann auch kein gro\u00dfer Dichter emporkommen. Sobald sein Privatleben von dem unbarmherzigsten Lichte der Presse beleuchtet wird und die Tageskritik an seinen Worten w\u00fcrmelt und nagt, kann auch das Lied des Dichters nicht mehr den n\u00f6tigen Respekt finden. Wenn Dante durch die Stra\u00dfen von Verona ging, zeigte das Volk auf ihn mit Fingern und fl\u00fcsterte: \u00bbDer war in der H\u00f6lle!\u00ab H\u00e4tte er sie sonst mit allen ihren Qualen so treu schildern k\u00f6nnen? Wie weit tiefer, bei solchem ehrfurchtsvollen Glauben, wirkte die Erz\u00e4hlung der Francesca von Rimini, des Ugolino und aller jener Qualgestalten, die dem Geiste des gro\u00dfen Dichters entquollen&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nein, sie sind nicht blo\u00df seinem Geiste entquollen, er hat sie nicht gedichtet, er hat sie gelebt, er hat sie gef\u00fchlt, er hat sie gesehen, betastet, er war wirklich in der H\u00f6lle, er war in der Stadt der Verdammten&#8230; er war im Exil! \u2013 \u2013 \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6de Werkeltagsgesinnung der modernen Puritaner verbreitet sich schon \u00fcber ganz Europa, wie eine graue D\u00e4mmerung, die einer starren Winterzeit vorausgeht&#8230; Was bedeuten die armen Nachtigallen, die pl\u00f6tzlich schmerzlicher, aber auch s\u00fc\u00dfer als je ihr melodisches Schluchzen erheben im deutschen Dichterwald? Sie singen ein wehm\u00fctiges Ade! Die letzten Nymphen, die das Christentum verschont hat, sie fl\u00fcchten ins wildeste Dickicht. In welchem traurigen Zustand habe ich sie dort erblickt, j\u00fcngste Nacht!&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Als ob die Bitternisse der Wirklichkeit nicht hinreichend kummervoll w\u00e4ren, qu\u00e4len mich noch die b\u00f6sen Nachtgesichte&#8230; In greller Bilderschrift zeigt mir der Traum das gro\u00dfe Leid, das ich mir gern verhehlen m\u00f6chte und das ich kaum auszusprechen wage in den n\u00fcchternen Begriffslauten des hellen Tages \u2013 \u2013 \u2013<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">J\u00fcngste Nacht tr\u00e4umte mir von einem gro\u00dfen w\u00fcsten Walde und einer verdrie\u00dflichen Herbstnacht. In dem gro\u00dfen w\u00fcsten Walde zwischen den himmelhohen B\u00e4umen kamen zuweilen lichte Pl\u00e4tze zum Vorschein, die aber von einem gespenstisch wei\u00dfen Nebel gef\u00fcllt waren. Hie und da, aus dem dicken Nebel, gr\u00fc\u00dfte ein stilles Waldfeuer. Auf eines derselben hinzuschreitend, bemerkte ich allerlei dunkle Schatten, die sich rings um die Flammen bewegten; doch erst in der unmittelbarsten N\u00e4he konnte ich die schlanken Gestalten und ihre melancholisch holden Gesichter genau erkennen. Es waren sch\u00f6ne, nackte Frauenbilder, gleich den Nymphen, die wir auf den l\u00fcsternen Gem\u00e4lden des Giulio Romano sehen und die, in \u00fcppiger Jugendbl\u00fcte, unter sommergr\u00fcnem Laubdach, sich anmutig lagern und erlustigen&#8230; Ach! kein so heiteres Schauspiel bot sich hier meinem Anblick! Die Weiber meines Traumes, obgleich noch immer geschm\u00fcckt mit dem Liebreiz ewiger Jugend, trugen dennoch eine geheime Zerst\u00f6rnis an Leib und Wesen; die Glieder waren noch immer bezaubernd durch s\u00fc\u00dfes Ebenma\u00df, aber etwas abgemagert und wie \u00fcberfr\u00f6stelt von kaltem Elend, und gar in den Gesichtern, trotz des l\u00e4chelnden Leichtsinns, zuckten die Spuren eines abgrundtiefen Grams. Auch statt auf schwelenden Rasenb\u00e4nken, wie die Nymphen des Giulio, kauerten sie auf dem harten Boden, unter halbentlaubten Eichenb\u00e4umen, wo, statt der verliebten Sonnenlichter, die quirlenden D\u00fcnste der feuchten Herbstnacht auf sie herabsinterten&#8230; Manchmal erhob sich eine dieser Sch\u00f6nen, ergriff aus dem Reisig einen lodernden Brand, schwang ihn \u00fcber ihr Haupt, gleich einem Thyrsus, und versuchte eine jener unm\u00f6glichen Tanzposituren, die wir auf etruskischen Vasen gesehen&#8230; aber traurig l\u00e4chelnd, wie bezwungen von M\u00fcdigkeit und Nachtk\u00e4lte, sank sie wieder zur\u00fcck ans knisternde Feuer. Besonders eine unter diesen Frauen bewegte mein ganzes Herz mit einem fast woll\u00fcstigen Mitleid. Es war eine hohe Gestalt, aber noch weit mehr als die anderen abgemagert an Armen, Beinen, Busen und Wangen, was jedoch, statt absto\u00dfend, vielmehr zauberhaft anziehend wirkte. Ich wei\u00df nicht, wie es kam, aber ehe ich mich dessen versah, sa\u00df ich neben ihr am Feuer, besch\u00e4ftigt, ihre frostzitternden H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe an meinen brennenden Lippen zu w\u00e4rmen; auch spielte ich mit ihren schwarzen, feuchten Haarflechten, die \u00fcber das griechisch gradn\u00e4sige Gesicht und den r\u00fchrend kalten, griechisch kargen Busen herabhingen&#8230; Ja, ihr Haupthaar war von einer fast strahlenden Schw\u00e4rze, so wie auch ihre Augenbraunen, die \u00fcppig schwarz zusammenflossen, was ihrem Blick einen sonderbaren Ausdruck von schmachtender Wildheit erteilte. \u00bbWie alt bist du, ungl\u00fcckliches Kind\u00ab, sprach ich zu ihr. \u00bbFrag mich nicht nach meinem Alter\u00ab \u2013 antwortete sie mit einem halb wehm\u00fctig, halb frevelhaften Lachen \u2013, \u00bbwenn ich mich auch um ein Jahrtausend j\u00fcnger machte, so blieb&#8216; ich doch noch ziemlich bejahrt! Aber es wird jetzt immer k\u00e4lter, und mich schl\u00e4fert, und wenn du mir dein Knie zum Kopfkissen borgen willst, so wirst du deine gehorsame Dienerin sehr verpflichten&#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sie nun auf meinen Knien lag und schlummerte und manchmal, wie eine Sterbende, im Schlafe r\u00f6chelte, fl\u00fcsterten ihre Gef\u00e4hrtinnen allerlei Gespr\u00e4che, wovon ich nur sehr wenig verstand, da sie das Griechische ganz anders aussprachen, als ich es in der Schule und sp\u00e4ter auch beim alten Wolf gelernt hatte&#8230; Nur soviel begriff ich, da\u00df sie \u00fcber die schlechte Zeit klagten und noch eine Verschlimmerung derselben bef\u00fcrchteten und sich vornahmen, noch tiefer waldeinw\u00e4rts zu fl\u00fcchten&#8230; Da pl\u00f6tzlich, in der Ferne, erhob sich ein Geschrei von rohen P\u00f6belstimmen&#8230; Sie schrien, ich wei\u00df nicht mehr, was&#8230; Dazwischen kicherte ein katholisches Mettengl\u00f6ckchen&#8230; Und meine sch\u00f6nen Waldfrauen wurden sichtbar noch blasser und magerer, bis sie endlich ganz in Nebel zerflossen und ich selber g\u00e4hnend erwachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_14208\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14208\" class=\"size-medium wp-image-14208\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14208\" class=\"wp-caption-text\">Ludwig B\u00f6rne (Gem\u00e4lde von Moritz Oppenheim, 1827)<\/p><\/div>\n<p class=\"rez\" style=\"text-align: justify;\">Die <i>Denkschrift \u00fcber Ludwig B\u00f6rne<\/i> ist die am meisten verkannte Schrift von Heinrich Heine. Das zuerst 1840 ver\u00f6ffentlichte Buch enth\u00e4lt Heines Darstellung der Weltgeschichte, seine scharfsichtige Analyse der Neuzeit, der Entstehung des modernen Staates, des Finanzkapitalismus, die Marx\u2018 Analyse im <i>Kapital <\/i>vorwegnimmt und die in der These von den drei gr\u00f6\u00dften Terroristen der Neuzeit \u2013 Richelieu f\u00fcr den Staat, Rothschild f\u00fcr den Finanzkapitalismus, Robespierre f\u00fcr die Revolution \u2013 kulminiert. Weitere Themen sind: Heines Begriff der Revolution und seine Auffassung von Weltgeschichte und Geschichtsschreibung, die Analyse der Kunstform f\u00fcr die Art der Geschichtsschreibung, die polemischen Portr\u00e4ts als Merkmal der politischen \u00d6ffentlichkeit des 19. Jahrhunderts, in die sich die Kontroverse mit B\u00f6rne einf\u00fcgt, der Einfluss der Zensur auf Heines Publikationen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch Heinrich Heines Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14533\">Die deutsche Literatur.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: Vor dem Berliner Reichstagsgeb\u00e4ude haben sich am 2. Oktober 1990 um Mitternacht hunderttausende Menschen versammelt. Sie feiern den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. In der Nacht zum 3. Oktober tritt das Grundgesetz auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/10\/03\/die-politischen-verhaeltnisse\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":94,"featured_media":97877,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[853,1184],"class_list":["post-89919","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-heinrich-heine","tag-ludwig-borne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/94"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89919"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89919\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97893,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89919\/revisions\/97893"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97877"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}