{"id":89900,"date":"1991-09-02T00:01:29","date_gmt":"1991-09-01T22:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89900"},"modified":"2022-02-17T14:13:04","modified_gmt":"2022-02-17T13:13:04","slug":"ein-jahr-nach-der-juliusrevolution","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/09\/02\/ein-jahr-nach-der-juliusrevolution\/","title":{"rendered":"Ein Jahr nach der Juliusrevolution"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war im Herbst 1831, ein Jahr nach der Juliusrevolution, als ich zu Paris den Doktor Ludwig B\u00f6rne wiedersah. Ich besuchte ihn im Gasthof H\u00f4tel de Castille, und nicht wenig wunderte ich mich \u00fcber die Ver\u00e4nderung, die sich in seinem ganzen Wesen aussprach. Das bi\u00dfchen Fleisch, das ich fr\u00fcher an seinem Leibe bemerkt hatte, war jetzt ganz verschwunden, vielleicht geschmolzen von den Strahlen der Juliussonne, die ihm leider auch ins Hirn gedrungen. Aus seinen Augen leuchteten bedenkliche Funken. Er sa\u00df oder vielmehr er wohnte in einem gro\u00dfen, buntseidenen Schlafrock, wie eine Schildkr\u00f6te in ihrer Schale, und wenn er manchmal argw\u00f6hnisch sein d\u00fcnnes K\u00f6pfchen hervorbeugte, ward mir unheimlich zumute. Aber das Mitleid \u00fcberwog, wenn er aus dem weiten \u00c4rmel die arme abgemagerte Hand zum Gru\u00dfe oder zum freundschaftlichen H\u00e4ndedruck ausstreckte. In seiner Stimme zitterte eine gewisse Kr\u00e4nklichkeit, und auf seinen Wangen grinsten schon die schwinds\u00fcchtig roten Streiflichter. Das schneidende Mi\u00dftrauen, das in allen seinen Z\u00fcgen und Bewegungen lauerte, war vielleicht eine Folge der Schwerh\u00f6rigkeit, woran er fr\u00fcher schon litt, die aber seitdem immer zunahm und nicht wenig dazu beitrug, mir seine Konversation zu verleiden.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbWillkommen in Paris!\u00ab rief er mir entgegen. \u2013 \u00bbDas ist brav! Ich bin \u00fcberzeugt, die Guten, die es am besten meinen, werden alle bald hier sein. Hier ist der Konvent der Patrioten von ganz Europa, und zu dem gro\u00dfen Werke m\u00fcssen sich alle V\u00f6lker die H\u00e4nde reichen. S\u00e4mtliche F\u00fcrsten m\u00fcssen in ihren eigenen L\u00e4ndern besch\u00e4ftigt werden, damit sie nicht in Gemeinschaft die Freiheit in Deutschland unterdr\u00fccken. Ach Gott!\u00a0ach Deutschland! Es wird bald sehr betr\u00fcbt bei uns aussehen und sehr blutig. Revolutionen sind eine schreckliche Sache, aber sie sind notwendig, wie Amputationen, wenn irgendein Glied in F\u00e4ulnis geraten. Da mu\u00df man schnell zuschneiden und ohne \u00e4ngstliches Innehalten. Jede Verz\u00f6gerung bringt Gefahr, und wer aus Mitleid oder aus Schrecken, beim Anblick des vielen Blutes, die Operation nur zur H\u00e4lfte verrichtet, der handelt grausamer als der schlimmste W\u00fcterich. Hol&#8216; der Henker alle weichherzigen Chirurgen und ihre Halbheit! Marat hatte ganz recht, il faut faire saigner le genre humain, und h\u00e4tte man ihm die 300000 K\u00f6pfe bewilligt, die er verlangte, so w\u00e4ren Millionen der besseren Menschen nicht zugrunde gegangen, und die Welt w\u00e4re auf immer von dem alten \u00dcbel geheilt!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Republik\u00ab \u2013 ich lasse den Mann ausreden, mit \u00dcbergehung mancher schn\u00f6rkelhaften Abspr\u00fcnge \u2013, \u00bbdie Republik mu\u00df durchgesetzt werden. Nur die Republik kann uns retten. Der Henker hole die sogenannten konstitutionellen Verfassungen, wovon unsere deutschen Kammerschw\u00e4tzer alles Heil erwarten. Konstitutionen verhalten sich zur Freiheit wie positive Religionen zur Naturreligion: sie werden durch ihr stabiles Element ebensoviel Unheil anrichten wie jene positiven Religionen, die, f\u00fcr einen gewissen Geisteszustand des Volkes berechnet, im Anfang sogar diesem Geisteszustand \u00fcberlegen sind, aber sp\u00e4terhin sehr l\u00e4stig werden, wenn der Geist des Volkes die Satzung \u00fcberfl\u00fcgelt. Die Konstitutionen entsprechen einem politischen Zustand, wo die Bevorrechteten von ihren Rechten einige abgeben und die armen Menschen, die fr\u00fcher ganz zur\u00fcckgesetzt waren, pl\u00f6tzlich jauchzen, da\u00df sie ebenfalls Rechte erlangt haben&#8230; Aber diese Freude h\u00f6rt auf, sobald die Menschen durch ihren freieren Zustand f\u00fcr die Idee einer vollst\u00e4ndigen, ganz ungeschm\u00e4lerten, ganz gleichheitlichen Freiheit empf\u00e4nglich geworden sind; was uns heute die herrlichste Akquisition d\u00fcnkt, wird unseren Enkeln als ein k\u00fcmmerliches Abfinden erscheinen, und das geringste Vorrecht, das die ehemalige Aristokratie noch behielt, vielleicht<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"142\"><\/a>\u00a0das Recht, ihre R\u00f6cke mit Petersilie zu schm\u00fccken, wird alsdann ebensoviel Bitterkeit erregen wie einst die h\u00e4rteste Leibeigenschaft, ja eine noch tiefere Bitterkeit, da die Aristokratie mit ihrem letzten Petersilienvorrecht um so hochm\u00fctiger prunken wird!&#8230; Nur die Naturreligion, nur die Republik kann uns retten. Aber die letzten Reste des alten Regiments m\u00fcssen vernichtet werden, ehe wir daran denken k\u00f6nnen, das neue bessere Regiment zu begr\u00fcnden. Da kommen die unt\u00e4tigen Schw\u00e4chlinge und Quietisten und schniffeln, wir Revolution\u00e4re rissen alles nieder, ohne imstande zu sein, etwas an die Stelle zu setzen! Und sie r\u00fchmen die Institutionen des Mittelalters, worin die Menschheit so sicher und ruhig gesessen habe. Und jetzt, sagen sie, sei alles so kahl und n\u00fcchtern und \u00f6de, und das Leben sei voll Zweifel und Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ehemals wurde ich immer w\u00fctend \u00fcber diese Lobredner des Mittelalters. Ich habe mich aber an diesen Gesang gew\u00f6hnt, und jetzt \u00e4rgere ich mich nur, wenn die lieben S\u00e4nger in eine andere Tonart \u00fcbergehen und best\u00e4ndig \u00fcber unser Niederrei\u00dfen jammern. Wir h\u00e4tten gar nichts anderes im Sinne, als alles niederzurei\u00dfen. Und wie dumm ist diese Anklage! Man kann ja nicht eher bauen, ehe das alte Geb\u00e4ude niedergerissen ist, und der Niederrei\u00dfer verdient ebensoviel Lob als der Aufbauende, ja noch mehr, da sein Gesch\u00e4ft noch viel wichtiger&#8230; Zum Beispiel in meiner Vaterstadt, auf dem Dreifaltigkeitsplatze, stand eine alte Kirche, die so morsch und bauf\u00e4llig war, da\u00df man f\u00fcrchtete, durch ihren Einsturz w\u00fcrden einmal pl\u00f6tzlich viele Menschen get\u00f6tet oder verst\u00fcmmelt werden. Man ri\u00df sie nieder, und die Niederrei\u00dfer verh\u00fcteten ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck, statt da\u00df die ehemaligen Erbauer der Kirche nur ein gro\u00dfes Gl\u00fcck bef\u00f6rderten&#8230; Und man kann eher ein gro\u00dfes Gl\u00fcck entbehren, als ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck ertragen! Es ist wahr, viel gl\u00e4ubige Herrlichkeit bl\u00fchte einst in den alten Mauern, und sie waren sp\u00e4terhin eine fromme Reliquie des Mittelalters, gar poetisch anzuschauen, des Nachts, im Mondschein&#8230; Wem aber, wie meinem armen Vetter, als er mal vorbeiging, einige Steine dieses \u00fcbriggebliebenen Mittelalters auf den Kopf fielen<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"143\"><\/a>\u00a0(er blutete lange und leidet noch heute an der Wunde), der verw\u00fcnscht die Verehrer alter Geb\u00e4ude und segnet die tapferen Arbeitsleute, die solche gef\u00e4hrliche Ruinen niederrei\u00dfen&#8230; Ja, sie haben sie niedergerissen, sie haben sie dem Boden gleichgemacht, und jetzt wachsen dort gr\u00fcne B\u00e4umchen und spielen kleine Kinder, des Mittags, im Sonnenlicht.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In solchen Reden gab&#8217;s keine Spur der fr\u00fcheren Harmlosigkeit, und der Humor des Mannes, worin alle gem\u00fctliche Freude erloschen, ward mitunter gallenbitter, blutd\u00fcrstig und sehr trocken. Das Abspringen von einem Gegenstand zum anderen entstand nicht mehr durch tolle Laune, sondern durch launische Tollheit und war wohl zun\u00e4chst der buntscheckigen Zeitungslekt\u00fcre beizumessen, womit sich B\u00f6rne damals Tag und Nacht besch\u00e4ftigte. Inmitten seiner terroristischen Expektorationen griff er pl\u00f6tzlich zu einem jener Tagesbl\u00e4tter, die in gro\u00dfen Haufen vor ihm ausgestreut lagen, und rief lachend:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbHier k\u00f6nnen Sie&#8217;s lesen, hier steht&#8217;s gedruckt: \u203aDeutschland ist mit gro\u00dfen Dingen schwanger!\u2039 Ja, das ist wahr, Deutschland geht schwanger mit gro\u00dfen Dingen; aber das wird eine schwere Entbindung geben. Und hier bedarf&#8217;s eines m\u00e4nnlichen Geburtshelfers, und der mu\u00df mit eisernen Instrumenten agieren. Was glauben Sie?\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch glaube, Deutschland ist gar nicht schwanger.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein, nein, Sie irren sich. Es wird vielleicht eine Mi\u00dfgeburt zur Welt kommen, aber Deutschland wird geb\u00e4ren. Nur m\u00fcssen wir uns der geschw\u00e4tzigen alten Weiber entledigen, die sich herandr\u00e4ngen und ihren Hebammendienst anbieten. Da ist z.B. so eine Vettel von Rotteck. Dieses alte Weib ist nicht einmal ein ehrlicher Mann. Ein armseliger Schriftsteller, der ein bi\u00dfchen liberalen Demagogismus treibt und den Tagesenthusiasmus ausbeutet, um die gro\u00dfe Menge zu gewinnen, um seinen schlechten B\u00fcchern Absatz zu verschaffen, um sich \u00fcberhaupt eine Wichtigkeit zu geben. Der ist halb Fuchs, halb Hund und h\u00fcllt sich in ein Wolfsfell, um mit den W\u00f6lfen zu heulen. Da ist mir doch tausendmal lieber der dumme Kerl von Raumer \u2013 soeben lese ich seine \u203aBriefe aus Paris\u2039 \u2013, der ist ganz Hund, und wenn er liberal knurrt, t\u00e4uscht er niemand und jeder wei\u00df, er ist ein untert\u00e4niger Pudel, der niemand bei\u00dft! Das l\u00e4uft best\u00e4ndig herum und schnopert an allen K\u00fcchen und m\u00f6chte gern einmal in unsere Suppe seine Schnauze stecken, f\u00fcrchtet aber die Fu\u00dftritte der hohen G\u00f6nner. Und sie geben ihm wirklich Fu\u00dftritte und halten das arme Vieh f\u00fcr einen Revolution\u00e4r. Lieber Himmel, es verlangt nur ein bi\u00dfchen Wedelfreiheit, und wenn man ihm diese gew\u00e4hrt, so leckt es dankbar die goldenen Sporen der uckerm\u00e4rkischen Ritterschaft. Nichts ist erg\u00f6tzlicher als solche unerm\u00fcdliche Beweglichkeit neben der unerm\u00fcdlichen Geduld. Dieses tritt recht hervor in jenem Briefen, wo der arme Laufhund auf jeder Seite selbst erz\u00e4hlt, wie er vor den Pariser Theatern ruhig Queue machte&#8230; Ich versichere Sie, er machte ruhig Queue mit dem gro\u00dfen Tro\u00df und ist so einf\u00e4ltig, es selbst zu erz\u00e4hlen. Was aber noch weit st\u00e4rker, was die Gemeinheit seiner Seele ganz zur Anschauung bringt, ist das Gest\u00e4ndnis, da\u00df er, wenn er vor Ende der Vorstellung das Theater verlie\u00df, jedesmal seine Kontermarke verkaufte. Es ist wahr, als Fremder braucht er nicht zu wissen, da\u00df solcher Verkauf einen ordentlichen Menschen herabw\u00fcrdigt; aber er h\u00e4tte nur die Leute zu betrachten brauchen, denen er seine Kontermarke verhandelte, um von selbst zu merken, da\u00df sie nur der Abschaum der Gesellschaft sind, Diebesgesindel und Maquereaus, kurz, Leute, mit denen ein ordentlicher Mensch nicht gern spricht, viel weniger ein Handelsgesch\u00e4ft treibt. Der mu\u00df von Natur sehr schmutzig sein, wer aus diesen schmutzigen H\u00e4nden Geld nimmt!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Damit man nicht w\u00e4hne, als stimme ich in dem Urteil \u00fcber den Herrn Professor Friedrich von Raumer ganz mit B\u00f6rne \u00fcberein, so bemerkte ich zu seinem Vorteil, da\u00df ich ihn zwar f\u00fcr schmutzig halte, aber nicht f\u00fcr dumm. Das Wort schmutzig, wie ich ebenfalls ausdr\u00fccklich bemerken will, mu\u00df hier nicht im materiellen Sinn genommen werden&#8230; Die Frau Professorin w\u00fcrde sonst Zeter schreien und alle ihre Waschzettel drucken lassen, worin verzeichnet steht, wieviel reine Unterhemden und Chemisettchen ihr liebes M\u00e4nnlein ihn Laufe des<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"145\"><\/a>\u00a0Jahres angezogen&#8230; und ich bin \u00fcberzeugt, die Zahl ist gro\u00df, da der Herr Professor Raumer im Laufe des Jahres soviel l\u00e4uft und folglich schwitzt und folglich viel W\u00e4sche n\u00f6tig hat. Es kommt ihm n\u00e4mlich nicht der gebratene Ruhm ins Haus geflogen, er mu\u00df vielmehr best\u00e4ndig auf den Beinen sein, um ihn aufzusuchen, und wenn er ein Buch schreibt, so mu\u00df er erst von Pontio nach Pilato rennen, um die Gedanken zusammenzukriegen und endlich daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df das m\u00fchsam zusammengestoppelte Opus auch von der literarischen Claque hinl\u00e4nglich unterst\u00fctzt wird. Das bewegliche s\u00fc\u00dfh\u00f6lzerne M\u00e4nnchen ist ganz einzig in dieser Betriebsamkeit, und nicht mit Unrecht bemerkte einst eine geistreiche Frau: \u00bbSein Schreiben ist eigentlich ein Laufen.\u00ab Wo was zu machen ist, da ist es, das Raumerchen aus Anhalt-Dessau. J\u00fcngst lief es nach London; vorher sah man es w\u00e4hrend drei Monaten \u00fcberall hin und her laufen, um die dazu n\u00f6tigen Empfehlungsschreiben zu betteln, und nachdem es in der englischen Gesellschaft ein bi\u00dfchen herumgeschnopert und ein Buch zusammengelaufen, erl\u00e4uft es auch einen Verleger f\u00fcr die englische \u00dcbersetzung, und Sarah Austin, meine liebensw\u00fcrdige Freundin, mu\u00df notgedrungen ihre Feder dazu hergeben, um das saure flie\u00dfpapierne Deutsch in velinsch\u00f6nes Englisch zu \u00fcbersetzen und ihre Freunde anzutreiben, das \u00fcbersetzte Produkt in den verschiedenen englischen Revues zu rezensieren&#8230; und diese erlaufenen englischen Rezensionen l\u00e4\u00dft dann Brockhaus zu Leipzig wieder ins Deutsche \u00fcbersetzen, unter dem Titel \u00bbEnglische Stimmen \u00fcber Fr. v. Raumer\u00ab!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich wiederhole, da\u00df ich mit dem Urteil B\u00f6rnes \u00fcber Herrn v. Raumer nicht \u00fcbereinstimme, er ist ein schmutziger, aber kein dummer Kerl, wie B\u00f6rne meinte, der, vielleicht weil er ebenfalls \u00bbBriefe aus Paris\u00ab drucken lie\u00df, den armen Nebenbuhler so scharf kritisierte und bei jeder Gelegenheit eine Lauge des boshaftesten Spottes \u00fcber ihn ausgo\u00df.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ja, lacht nicht, Herr von Raumer war damals ein Nebenbuhler von B\u00f6rne, dessen \u00bbBriefe aus Paris\u00ab fast gleichzeitig mit den erw\u00e4hnten Briefen erschienen, worin es, das Raumerchen,\u00a0mit der Madame Crelinger und ihrem Gatten aus Paris korrespondierte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Diese Briefe sind l\u00e4ngst verschollen, und wir erinnern uns nur noch des spa\u00dfhaften Eindrucks, den sie hervorbrachten, als sie gleichzeitig mit den \u00bbPariser Briefen\u00ab von B\u00f6rne auf dem literarischen Markte erschienen. Was letztere betrifft, so gestehe ich, die zwei ersten B\u00e4nde, die mir in jener Periode zu Gesicht kamen, haben mich nicht wenig erschreckt. Ich war \u00fcberrascht von diesem ultraradikalen Tone, den ich am wenigsten von B\u00f6rne erwartete. Der Mann, der sich, in seiner anst\u00e4ndigen, geschniegelten Schreibart, immer selbst inspizierte und kontrollierte und der jede Silbe, ehe er sie niederschrieb, vorher abwog und abma\u00df&#8230; der Mann, der in seinem Stile immer etwas beibehielt von der Gew\u00f6hnung seines reichsst\u00e4dtischen Spie\u00dfb\u00fcrgertums, wo nicht gar von den \u00c4ngstlichkeiten seines fr\u00fcheren Amtes&#8230; der ehemalige Polizeiaktuar von Frankfurt am Main st\u00fcrzte sich jetzt in einen Sansculottismus des Gedankens und des Ausdrucks, wie man dergleichen in Deutschland noch nie erlebt hat. Himmel! welche entsetzliche Wortf\u00fcgung; welche hochverr\u00e4terische Zeitw\u00f6rter! welche majest\u00e4tsverbrecherische Akkusative! welche Imperative! welche polizeiwidrige Fragezeichen! welche Metaphern, deren blo\u00dfer Schatten schon zu zwanzig Jahr Festungsstrafe berechtigte! Aber trotz des Grauens, den mir jene Briefe einfl\u00f6\u00dften, weckten sie in mir eine Erinnerung, die sehr komischer Art, die mich fast bis zum Lachen erheiterte und die ich hier durchaus nicht verschweigen kann. Ich gestehe es, die ganze Erscheinung B\u00f6rnes, wie sie sich in jenen Briefen offenbarte, erinnerte mich an den alten Polizeivogt, der, als ich ein kleiner Knabe war, in meiner Vaterstadt regierte. Ich sage regierte, da er, mit unumschr\u00e4nktem Stock die \u00f6ffentliche Ruhe verwaltend, uns kleinen Buben einen ganz majest\u00e4tischen Respekt einfl\u00f6\u00dfte und uns schon durch seinen blo\u00dfen Anblick gleich auseinanderjagte, wenn wir auf der Stra\u00dfe gar zu l\u00e4rmige Spiele trieben. Dieser Polizeivogt wurde pl\u00f6tzlich wahnsinnig und bildete sich ein, er sei ein kleiner Gassenjunge, und zu<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"147\"><\/a>\u00a0unserer unheimlichsten Verwunderung sahen wir, wie er, der allm\u00e4chtige Stra\u00dfenbeherrscher, statt Ruhe zu stiften, uns zu dem lautesten Unfug aufforderte. \u00bbIhr seid viel zu zahm\u00ab, rief er, \u00bbich aber will euch zeigen, wie man Spektakel machen mu\u00df!\u00ab Und dabei fing ich an, wie ein L\u00f6we zu br\u00fcllen oder wie ein Kater zu miauen, und er klingelte an den H\u00e4usern, da\u00df die T\u00fcrglocke abri\u00df, und er warf Steine gegen die klirrenden Fensterscheiben, immer schreiend: \u00bbIch will euch lehren, Jungens, wie man Spektakel macht!\u00ab Wir kleinen Buben am\u00fcsierten uns sehr \u00fcber den Alten und liefen jubelnd hinter ihm drein, bis man ihn ins Irrenhaus abf\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Lekt\u00fcre der B\u00f6rneschen Briefe dachte ich wahrhaftig immer an den alten Polizeivogt, und mir war oft, als h\u00f6rte ich wieder seine Stimme: \u00bbIch will euch lehren, wie man Spektakel macht!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In den m\u00fcndlichen Gespr\u00e4chen B\u00f6rnes war die Steigerung seines politischen Wahnsinns minder auffallend, da sie im Zusammenhang blieb mit den Leidenschaften, die in seiner n\u00e4chsten Umgebung w\u00fcteten, sich best\u00e4ndig schlagfertig hielten und nicht selten auch tats\u00e4chlich zuschlugen. Als ich B\u00f6rne zum zweiten Male besuchte, in der Rue de Provence, wo er sich definitiv einquartiert hatte, fand ich in seinem Salon eine Menagerie von Menschen, wie man sie kaum im Jardin des Plantes finden m\u00f6chte. Im Hintergrunde kauerten einige deutsche Eisb\u00e4ren, welche Tabak rauchten, fast immer schwiegen und nur dann und wann einige vaterl\u00e4ndische Donnerworte im tiefsten Brummba\u00df hervorfluchten. Neben ihnen hockt auch ein polnischer Wolf, welcher eine rote M\u00fctze trug und manchmal die s\u00fc\u00dflich-fadesten Bemerkungen mit heiserer Kehle heulte. Dann fand ich dort einen franz\u00f6sischen Affen, der zu den h\u00e4\u00dflichsten geh\u00f6rte, die ich jemals gesehen; er schnitt best\u00e4ndig Gesichter, damit man sich das sch\u00f6nste darunter aussuchen m\u00f6ge.. Das unbedeutendste Subjekt in jener B\u00f6rneschen Menagerie war ein Herr *, der Sohn des alten *, eines Weinh\u00e4ndlers in Frankfurt am Main, der ihn gewi\u00df in sehr n\u00fcchterner Stimmung gezeugt&#8230; eine lange, hagere Gestalt, die wie der<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"148\"><\/a>\u00a0Schatten einer Eau-de-Cologne-Flasche aussah, aber keineswegs wie der Inhalt derselben roch. Trotz seines d\u00fcnnen Aussehens trug er, wie B\u00f6rne behauptete, zw\u00f6lf wollene Unterjacken; denn ohne dieselben w\u00fcrde er gar nicht existieren. B\u00f6rne machte sich best\u00e4ndig \u00fcber ihn lustig:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch pr\u00e4sentiere Ihnen hier einen *, es ist freilich kein * erster Gr\u00f6\u00dfe, aber er ist doch mit der Sonne verwandt, er empf\u00e4ngt von derselben sein Licht&#8230; er ist ein untert\u00e4niger Verwandter der Herrn von Rothschild&#8230; Denken Sie sich, Herr *, ich habe diese Nacht im Traum den Frankfurter Rothschild h\u00e4ngen sehen, und Sie waren es, welcher ihm den Strick um den Hals legte&#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Herr * erschrak bei diesen Worten, und wie in Todesangst rief er: \u00bbHerr Berne, ich bitte Ihnen, sagen Sie das nicht weiter&#8230; ich hab Grind&#8230;\u00ab \u2013 \u00bbIch hab Grind\u00ab \u2013 wiederholte mehrmals der junge Mensch, und indem er sich gegen mich wandte, bat er mich mit leiser Stimme, ihm in eine Ecke des Zimmers zu folgen, um mir seine delikate \u00bbPosiziaun\u00ab zu vertrauen. \u00bbSehen Sie\u00ab, fl\u00fcsterte er heimlich, \u00bbich habe eine delikate Posiziaun. Von der einen Seite ist Madame Wohl auf dem Wollgraben meine Tante, und auf der anderen Seite ist die Frau von Herrn von Rothschild auch sozusagen meine Tante. Ich bitte Ihnen, erz\u00e4hlen Sie nicht im Hause des Herrn Baron v. Rothschild, da\u00df Sie mich hier bei Berne gesehen haben&#8230; ich hab Grind.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">B\u00f6rne machte sich \u00fcber diesen Ungl\u00fccklichen best\u00e4ndig lustig, und besonders hechelte er ihn wegen der mundfaulen und kauderwelschen Art, wie er das Franz\u00f6sische aussprach. \u00bbMein lieber Landsmann\u00ab, sagte er, \u00bbdie Franzosen haben unrecht, \u00fcber Sie zu lachen; sie offenbaren dadurch ihre Unwissenheit. Verst\u00e4nden sie Deutsch, so w\u00fcrden sie einsehen, wie richtig Ihre Redensarten konstruiert sind, n\u00e4mlich vom deutschen Standpunkte aus&#8230; Und warum sollen Sie Ihre Nationalit\u00e4t verleugnen? Ich bewundere sogar, mit welcher Gewandtheit Sie Ihre Muttersprache, das Frankfurter Mauscheln, ins Franz\u00f6sische \u00fcbertragen&#8230; Die Franzosen sind ein<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"149\"><\/a>\u00a0unwissendes Volk und werden es nie dahin bringen, ordentlich Deutsch zu lernen. Sie haben keine Geduld&#8230; Wir Deutschen sind das geduldigste und gelehrigste Volk&#8230; Wieviel m\u00fcssen wir schon als Knaben lernen! wieviel Latein! wieviel Griechisch, wieviel persische K\u00f6nige und ihre ganze Sippschaft bis zum Gro\u00dfvater!&#8230; ich wette, so ein unwissender Franzose wei\u00df sogar in seinen alten Tagen noch nicht, da\u00df die Mutter des Cyrus Frau Mandane gehei\u00dfen und eine geborne Astyages war. Auch haben wir die besten Handb\u00fccher f\u00fcr alle Wissenschaften herausgegeben. Neanders Kirchengeschichte und Meyer Hirschs Rechenbuch sind klassisch. Wir sind ein denkendes Volk, und weil wir so viele Gedanken hatten, da\u00df wir sie nicht alle aufschreiben konnten, haben wir die Buchdruckerei erfunden, und weil wir manchmal vor lauter Denken und B\u00fccherschreiben oft das liebe Brot nicht hatten, erfanden wir die Kartoffel.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas deutsche Volk\u00ab, brummte der deutsche Patriot aus seiner Ecke, \u00bbhat auch das Pulver erfunden.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">B\u00f6rne wandte sich rasch nach dem Patrioten, der ihn mit dieser Bemerkung unterbrochen hatte, und sprach sarkastisch l\u00e4chelnd: \u00bbSie irren sich, mein Freund, man kann nicht so eigentlich behaupten, da\u00df das deutsche Volk das Pulver erfunden habe. Das deutsche Volk besteht aus drei\u00dfig Millionen Menschen. Nur einer davon hat das Pulver erfunden&#8230; die \u00fcbrigen, 29999999 Deutsche, haben das Pulver nicht erfunden. \u2013 \u00dcbrigens ist das Pulver eine gute Erfindung, ebenso wie die Druckerei, wenn man nur den rechten Gebrauch davon macht. Wir Deutschen aber benutzen die Presse, um die Dummheit, und das Pulver, um die Sklaverei zu verbreiten \u2013\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Einlenkend, als man ihm diese irrige Behauptung verwies, fuhr B\u00f6rne fort: \u00bbJe nun, ich will eingestehen, da\u00df die deutsche Presse sehr viel Heil gestiftet, aber es wird \u00fcberwogen von dem gedruckten Unheil. Jedenfalls mu\u00df man dieses einr\u00e4umen, in Beziehung auf b\u00fcrgerliche Freiheit&#8230; Ach! wenn ich die ganze deutsche Geschichte durchgehe, bemerke ich, da\u00df die Deutschen f\u00fcr b\u00fcrgerliche Freiheit wenig Talent besitzen, hingegen<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"150\"><\/a>\u00a0die Knechtschaft, sowohl theoretisch als praktisch, immer leicht erlernten und diese Disziplin nicht blo\u00df zu Hause, sondern auch im Auslande mit Erfolg dozierten. Die Deutschen waren immer die ludi magistri der Sklaverei, und wo der blinde Gehorsam in die Leiber oder in die Geister eingepr\u00fcgelt werden sollte, nahm man einen deutschen Exerziermeister. Auch haben wir die Sklaverei \u00fcber ganz Europa verbreitet, und als Denkm\u00e4ler dieser S\u00fcndflut sitzen deutsche F\u00fcrstengeschlechter auf allen Thronen Europas, wie, nach uralten \u00dcberschwemmungen, auf den h\u00f6chsten Bergen die Reste versteinerter Seeungeheuer gefunden werden&#8230; Und noch jetzt, kaum wird ein Volk frei, so wird ihm ein deutscher Pr\u00fcgel auf den R\u00fccken gebunden&#8230; und sogar in der heiligen Heimat des Harmodios und Aristogeitons, im wiederbefreiten Griechenland, wird jetzt deutsche Knechtschaft eingesetzt, und auf der Akropolis von Athen flie\u00dft bayersches Bier und herrscht der bayersche Stock&#8230; Ja, es ist erschrecklich, da\u00df der K\u00f6nig von Bayern, dieser kleine Tyrannos und schlechte Poet, seinen Sohn auf den Thron jenes Landes setzen durfte, wo einst die Freiheit und die Dichtkunst gebl\u00fcht, jenes Landes, wo es eine Ebene gibt, welche Marathon, und einen Berg, welcher Parna\u00df hei\u00dft! Ich kann nicht daran denken, ohne da\u00df mir das Gehirn zittert&#8230; Wie ich in der heutigen Zeitung gelesen, haben wieder drei Studenten in M\u00fcnchen, vor dem Bilde des K\u00f6nig Ludwigs, niederknien und Abbitte tun m\u00fcssen. Niederknien vor dem Bilde eines Menschen, der noch dazu ein schlechter Poet ist! Wenn ich ihn in meiner Macht h\u00e4tte, dieser schlechte Dichter sollte niederknien vor dem Bilde der Musen und Abbitte tun, wegen seiner schlechten Verse, wegen beleidigter Majest\u00e4t der Poesie! Sprecht mir jetzt noch von r\u00f6mischen Kaisern, welche soviel Tausende von Christen hinrichten lie\u00dfen, weil diese nicht vor ihrem Bilde knien wollten&#8230; Jene Tyrannen waren wenigstens Herrn der ganzen Welt, von Aufgang bis zum Niedergang, und, wie wir an ihren Statuen noch heute sehen, wenn auch keine G\u00f6tter, so waren sie doch sch\u00f6ne Menschen. Man beugt sich am Ende leicht vor Macht und Sch\u00f6nheit. Aber niederknien vor Ohnmacht und H\u00e4\u00dflichkeit \u2013 \u2013 \u2013\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u2013 \u2013 Es bedarf wohl keines besonderen Winks f\u00fcr den scharfsinnigen Leser, aus welchen Gr\u00fcnden ich den Frevler nicht weitersprechen lasse. Ich glaube, die angef\u00fchrten Phrasen sind hinreichend, um die damalige Stimmung des Mannes zu bekunden; sie war im Einklang mit dem hitzigen Treiben jener deutschen Tumultuanten, die, seit der Juliusrevolution, in wilden Schw\u00e4rmen nach Paris kamen und sich schon gleich um B\u00f6rne sammelten. Es ist kaum zu begreifen, wie dieser sonst so gescheute Kopf sich von der rohesten Tobsucht beschwatzen und zu den gewaltsamsten Hoffnungen verleiten lassen konnte! Zun\u00e4chst geriet er in den Kreis jenes Wahnsinnes, als dessen Mittelpunkt der ber\u00fchmte Buchh\u00e4ndler F. zu betrachten war. Dieser F., man sollte es kaum glauben, war ganz der Mann nach dem Herzen B\u00f6rnes. Die rote Wut, die in der Brust des einen kochte, das dreit\u00e4gige Juliusfieber, das die Glieder des einen r\u00fcttelte, der jakobinische Veitstanz, worin der eine sich drehte, fand den entsprechenden Ausdruck in der \u00bbPariser Briefen\u00ab des anderen. Mit dieser Bemerkung will ich aber nur einen Geistesirrtum, keineswegs einen Herzensirrtum andeuten, bei dem einen wie bei dem andern. Denn auch F. meinte es gut mit dem deutschen Vaterlande, er war aufrichtig, heldenm\u00fctig, jeder Selbstopferung f\u00e4hig, jedenfalls ein ehrlicher Mann, und zu solchem Zeugnis glaube ich um so mehr verpflichtet, da, seit er in strenger Haft schweigen mu\u00df, die servile Verleumdung an seinem Leumund nagt. Man kann ihn mancher unklugen, auch keiner zweideutigen Handlung beschuldigen; er zeigte namentlich im Ungl\u00fcck sehr viel Charakter, er war durchgl\u00fcht von reinster B\u00fcrgertugend, und um die Schellenkappe, die sein Haupt umklingelt, m\u00fcssen wir einen Kranz von Eichenlaub flechten. Der edle Narr, er war mir tausendmal lieber als jener andre Buchh\u00e4ndler, der ebenfalls nach Paris gekommen, um eine deutsche \u00dcbersetzung der franz\u00f6sischen Revolution zu besorgen, jener leise Schleicher, welcher matt und menschenfreundlich wimmerte und wie eine Hy\u00e4ne aussah, die zur Abf\u00fchrung eingenommen.. \u00dcbrigens r\u00fchmte man auch letztern als einen ehrlichen Mann, der sogar seine Schulden bezahlte, wenn er das Gro\u00dfe Los in der Lotterie gewinnt, und wegen solcher Ehrlichkeitsverdienste ward er zum Finanzminister des erneuten Deutschen Reichs vorgeschlagen&#8230; Im Vertrauen gesagt, er mu\u00dfte sich mit den Finanzen begn\u00fcgen, denn die Stelle eines Ministers des Innern hatte F. schon vorweg vergeben, n\u00e4mlich an Garnier, wie er auch die deutsche Kaiserkrone dem Hauptmann S. bereits zugesagt&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Garnier freilich behauptete, der Buchh\u00e4ndler F. wolle den Hauptmann S. zum deutschen Kaiser machen, weil dieser Lump ihm Geld schuldig sei und er sonst nicht zu seinem Gelde kommen k\u00f6nne&#8230; Das ist aber unrichtig und zeugt nur von Garniers Medisance; F. hat vielleicht aus republikanischer Arglist eben das kl\u00e4glichste Subjekt zum Kaiser gew\u00e4hlt, um dadurch das Monarchentum herabzuw\u00fcrdigen und l\u00e4cherlich zu machen&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der Einflu\u00df des F. war indessen bald beendigt, als derselbe, ich glaube im November, Paris verlie\u00df und an die Stelle des gro\u00dfen Agitators einige neue Oberh\u00e4upter emporstiegen; unter diesen waren die bedeutendsten der schon erw\u00e4hnte Garnier und ein gewisser Wolfrum. Ich darf sie wohl mit Namen nennen, da der eine tot ist und dem andern, welcher sich im sicheren England befindet, durch die Hindeutung auf seine ehemalige Wichtigkeit ein gro\u00dfer Gefallen erzeigt wird; beide aber, Garnier zum Teil, Wolfrum aber ganz, sch\u00f6pften ihre Inspirationen aus dem Munde B\u00f6rnes, der von nun an als die Seele der Pariser Propaganda zu betrachten war. Der Wahnsinn blieb derselbe, aber, um mit Polonius zu reden, es kam Methode hinein.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich eben des Wortes \u00bbPropaganda\u00ab bedient; aber ich gebrauche dasselbe in einem andern Sinne als gewisse Delatoren, die unter jenem Ausdruck eine geheime Verbr\u00fcderung verstehen, eine Verschw\u00f6rung der revolution\u00e4ren Geister in ganz Europa, eine Art blutd\u00fcrstiger, atheistischer und regizider Ma\u00e7onnerie. Nein, jene Pariser Propaganda bestand vielmehr aus rohen H\u00e4nden als aus feinen K\u00f6pfen; es waren Zusammenk\u00fcnfte von Handwerkern deutscher Zunge, die in einem gro\u00dfen Saale des Passage Saumon oder in den Faubourgs sich versammelten, wohl f\u00fcrnehmlich, um in der lieben Sprache der Heimat \u00fcber vaterl\u00e4ndische Gegenst\u00e4nde miteinander zu konversieren, hier wurden nun, durch leidenschaftliche Reden, im Sinne der rheinbayrischen \u00bbTrib\u00fcne\u00ab, viele Gem\u00fcter fanatisiert, und da der Republikanismus eine so grade Sache ist und leichter begreifbar als z.B. die konstitutionelle Regierungsform, wobei schon mancherlei Kenntnisse vorausgesetzt werden, so dauerte es nicht lange, und Tausende von deutschen Handwerksgesellen wurden Republikaner und predigten die neue \u00dcberzeugung. Diese Propaganda war weit gef\u00e4hrlicher als alle jene erlogenen Popanze, womit die erw\u00e4hnten Delatoren unsre deutschen Regierungen schreckten, und vielleicht weit m\u00e4chtiger als B\u00f6rnes geschriebene Reden war B\u00f6rnes m\u00fcndliches Wort, welches er an Leute richtete, die es mit deutschem Glauben einsogen und mit apostolischem Eifer in der Heimat verbreiteten. Ungeheuer gro\u00df ist die Anzahl deutscher Handwerker, welche ab und zu nach Frankreich auf die Wanderschaft gehen. Wenn ich daher las, wie norddeutsche Bl\u00e4tter sich dar\u00fcber lustig machten, da\u00df B\u00f6rne mit sechshundert Schneidergesellen auf den Montmartre gestiegen, um ihnen eine Bergpredigt zu halten, mu\u00dfte ich mitleidig die Achsel zucken, aber am wenigsten \u00fcber B\u00f6rne, der eine Saat ausstreute, die fr\u00fch oder sp\u00e4t die furchtbarsten Fr\u00fcchte hervorbringt. Er sprach sehr gut, b\u00fcndig, \u00fcberzeugend, volksm\u00e4\u00dfig; nackte, kunstlose Rede, ganz im Bergpredigerton. Ich habe ihn freilich nur ein einziges Mal reden h\u00f6ren, n\u00e4mlich in dem Passage Saumon, wo Garnier der \u00bbVolksversammlung\u00ab pr\u00e4sidierte&#8230; B\u00f6rne sprach \u00fcber den Pre\u00dfverein, welcher sich vor aristokratischer Form zu bewahren habe; Garnier donnerte gegen Nikolas, den Zar von Ru\u00dfland; ein verwachsener, krummbeinichter Schustergeselle trat auf und behauptete, alle Menschen seien gleich&#8230; Ich \u00e4rgerte mich nicht wenig \u00fcber diese Impertinenz&#8230; Es war das erste und letzte Mal, da\u00df ich der Volksversammlung beiwohnte.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Dieses eine Mal war aber auch hinreichend&#8230; Ich will dir gern, lieber Leser, bei dieser Gelegenheit ein Gest\u00e4ndnis machen, das du eben nicht erwartest. Du meinst vielleicht, der h\u00f6chste Ehrgeiz meines Lebens h\u00e4tte immer darin bestanden, ein gro\u00dfer Dichter zu werden, etwa gar auf dem Kapitol gekr\u00f6nt zu werden, wie weiland Messer Francesco Petrarcha&#8230; Nein, es waren vielmehr die gro\u00dfen Volksredner, die ich immer beneidete, und ich h\u00e4tte f\u00fcr mein Leben gern auf \u00f6ffentlichem Markte, vor einer bunten Versammlung, das gro\u00dfe Wort erhoben, welches die Leidenschaften aufw\u00fchlt oder bes\u00e4nftigt und immer eine augenblickliche Wirkung hervorbringt. Ja, unter vier Augen will ich es dir gern eingestehen, da\u00df ich in jener unerfahrenen Jugendzeit, wo uns die kom\u00f6diantenhaften Gel\u00fcste anwandeln, mich oft in eine solche Rolle hineindachte. Ich wollte durchaus ein gro\u00dfer Redner werden, und wie Demosthenes deklamierte ich zuweilen am einsamen Meeresstrand, wenn Wind und Wellen brausten und heulten; so \u00fcbt man seine Lungen und gew\u00f6hnt sich dran, mitten im gr\u00f6\u00dften L\u00e4rm einer Volksversammlung zu sprechen. Nicht selten sprach ich auch auf freiem Felde vor einer gro\u00dfen Anzahl Ochsen und K\u00fche, und es gelang mir, das versammelte Rindviehvolk zu \u00fcberbr\u00fcllen. Schwerer schon ist es, vor Schafen eine Rede zu halten. Bei allem, was du ihnen sagst, diesen Schafsk\u00f6pfen, wenn du sie ermahnst, sich zu befreien, nicht wie ihre Vorfahren geduldig zur Schlachtbank zu wandern&#8230; sie antworten dir, nach jedem Satze, mit einem so unersch\u00fctterlich gelassenen \u00bbM\u00e4h! M\u00e4h!\u00ab, da\u00df man die Kontenance verlieren kann. Kurz, ich tat alles, um, wenn bei uns einmal eine Revolution aufgef\u00fchrt werden m\u00f6chte, als deutscher Volksredner auftreten zu k\u00f6nnen. Aber ach! schon gleich bei der ersten Probe merkte ich, da\u00df ich in einem solchen St\u00fccke meine Lieblingsrolle nimmermehr tragieren kann. Und lebten sie noch, weder Demosthenes noch Cicero noch Mirabeau k\u00f6nnten in einer deutschen Revolution als Sprecher auftreten: denn bei<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Heine-WuB+Bd.+6\" name=\"155\">[155]<\/a> einer deutschen Revolution wird geraucht. Denkt euch meinen Schreck, als ich in Paris der obenerw\u00e4hnte Volksversammlung beiwohnte, fand ich s\u00e4mtliche Vaterlandsretter mit Tabakspfeifen im Maule, und der ganze Saal war so erf\u00fcllt von schlechtem Knasterqualm, da\u00df er mir gleich auf die Brust schlug und es mir platterdings unm\u00f6glich gewesen w\u00e4re, ein Wort zu reden&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich kann den Tabaksqualm nicht vertragen, und ich merkte, da\u00df in einer deutschen Revolution die Rolle eines Gro\u00dfsprechers in der Weise B\u00f6rnes und Konsorten nicht f\u00fcr mich pa\u00dfte. Ich merkte \u00fcberhaupt, da\u00df die deutsche Tribunalkarriere nicht eben mit Rosen und am allerwenigsten mit reinlichen Rosen bedeckt. So z.B. mu\u00dft du allen diesen Zuh\u00f6rern, \u00bblieben Br\u00fcdern und Gevattern\u00ab, recht derb die Hand dr\u00fccken. Es ist vielleicht metaphorisch gemeint, wenn B\u00f6rne behauptet: im Fall ihm ein K\u00f6nig die Hand gedr\u00fcckt, w\u00fcrde er sie nachher ins Feuer halten, um sie zu reinigen; es ist aber durchaus nicht bildlich, sondern ganz buchst\u00e4blich gemeint, da\u00df ich, wenn mir das Volk die Hand gedr\u00fcckt, sie nachher waschen werde.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Man mu\u00df in wirklichen Revolutionszeiten das Volk mit eignen Augen gesehen, mit eigner Nase gerochen haben, man mu\u00df mit eigner Ohren anh\u00f6ren, wie dieser souver\u00e4ne Rattenk\u00f6nig sich ausspricht, um zu begreifen, was Mirabeau andeuten will mit den Worten: \u00bbMan macht keine Revolution mit Lavendel\u00f6l.\u00ab Solange wir die Revolution in den B\u00fccher lesen, sieht das alles sehr sch\u00f6n aus, und es ist damit wie mit jenen Landschaften, die, kunstreich gestochen auf dem wei\u00dfen Velinpapier, so rein, so freundlich aussehen, aber nachher, wenn man sie in natura betrachtet, vielleicht an Grandiosit\u00e4t gewinnen, doch einen sehr schmutzigen und sch\u00e4bigen Anblick in den Einzelheiten gew\u00e4hren; die in Kupfer gestochenen Misthaufen riechen nicht, und der in Kupfer gestochene Morast ist leicht mit den Augen zu durchwaten!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Was es Tugend oder Wahnsinn, was den Ludwig B\u00f6rne dahin brachte, die schlimmsten Mistd\u00fcfte mit Wonne einzuschnaufen und sich vergn\u00fcglich im plebejischen Kot zu w\u00e4lzen?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wer l\u00f6st uns den R\u00e4tsel dieses Mannes, der in weichlichster Seide erzogen worden, sp\u00e4terhin in stolzen Anfl\u00fcgen seine innere Vornehmheit bekundete und gegen das Ende seiner Tage pl\u00f6tzlich \u00fcberschnappte in p\u00f6belhafte T\u00f6ne und in die banalen Manieren eines Demagogen der untersten Stufe? Stachelten ihn etwa die N\u00f6ten des Vaterlandes bis zum entsetzlichsten Grade des Zorns, oder ergriff ihn der schauerliche Schmerz eines verlorenen Lebens?&#8230; Ja, das war es vielleicht; er sah, wie er dieses ganze Leben hindurch mit all seinem Geiste und all seiner M\u00e4\u00dfigung nichts ausgerichtet hatte, weder f\u00fcr sich noch f\u00fcr andere, und er verh\u00fcllte sein Haupt, ober, um b\u00fcrgerlich zu reden, er zog die M\u00fctze \u00fcber die Ohren und wollte f\u00fcrder weder sehen noch h\u00f6ren und st\u00fcrzte sich in den heulenden Abgrund&#8230; Das ist immer eine Ressource, die uns \u00fcbrigbleibt, wenn wir angelangt bei jenen hoffnungslosen Marken, wo alle Blumen verwelkt sind, wo der Leib m\u00fcde und die Seele verdrie\u00dflich&#8230; Ich will nicht daf\u00fcr stehen, da\u00df ich nicht einst unter denselben Umst\u00e4nden dasselbe tue&#8230; Wer wei\u00df, vielleicht am Ende meiner Tage \u00fcberwinde ich meinen Widerwillen gegen den Tabaksqualm und lerne rauchen und halte die ungewaschensten Reden vor dem ungewaschensten Publikum&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Bl\u00e4tternd in B\u00f6rnes \u00bbPariser Briefen\u00ab, stie\u00df ich j\u00fcngst auf eine Stelle, welche mit den \u00c4u\u00dferungen, die mir oben entschl\u00fcpft, einen sonderbaren Zusammenklang bildet. Sie lautet folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">\u00bb\u2013 \u2013 Vielleicht fragen Sie mich verwundert, wie ich Lump dazu komme, mich mit Byron zusammenzustellen? Darauf mu\u00df ich Ihnen erz\u00e4hlen, was Sie noch nicht wissen. Als Byrons Genius, auf seiner Reise durch das Firmament, auf die Erde ankam, eine Nacht dort zu verweilen, stieg er zuerst bei mir ab. Aber das Haus gefiel ihm gar nicht, er eilte schnell wieder fort und kehrte in das Hotel Byron ein. Viele Jahre hat mich das geschmerzt, lange hat es mich betr\u00fcbt, da\u00df ich sowenig geworden, gar nichts erreicht. Aber jetzt ist es vor\u00fcber, ich habe es vergessen und lebe zufrieden in meiner Armut. Mein Ungl\u00fcck ist, da\u00df ich im Mittelstande geboren bin, f\u00fcr den ich gar nicht passe. W\u00e4re mein Vater Besitzer von Millionen oder ein Bettler gewesen, w\u00e4re ich der Sohn eines vornehmen Mannes oder eines Landstreichers, h\u00e4tte ich es gewi\u00df zu etwas gebracht. Der halbe Weg, den andere durch ihre Geburt voraushatten, entmutigte mich; h\u00e4tten sie den ganzen Weg vorausgehabt, h\u00e4tte ich sie gar nicht gesehen und sie eingeholt. So aber bin ich der Perpendikel einer b\u00fcrgerlichen Stubenuhr geworden, schweifte rechts, schweifte links aus und mu\u00dfte immer zur Mitte zur\u00fcckkehren.\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Dieses schrieb B\u00f6rne den 20. M\u00e4rz 1831. Wie \u00fcber andre, hat er auch \u00fcber sich selber schlecht prophezeit. Die b\u00fcrgerliche Stubenuhr wurde eine Sturmglocke, deren Gel\u00e4ute Angst und Schrecken verbreitete. Ich habe bereits gezeigt, welche ungest\u00fcme Gl\u00f6ckner an den Str\u00e4ngen rissen, ich habe angedeutet, wie B\u00f6rne den zeitgenossenschaftlichen Passionen als Organ diente und seine Schriften nicht als das Produkt eines einzelnen, sondern als Dokument unserer politischen Sturm-und-Drang-Periode betrachtet werden m\u00fcssen. Was in jener Periode sich besonders geltend machte und die G\u00e4rung bis zur kochenden Sud steigerte, waren die polnischen und rheinbayrischen Vorg\u00e4nge, und diese haben auf den Geist B\u00f6rnes den m\u00e4chtigsten Einflu\u00df ge\u00fcbt. Ebenso gl\u00fchend wie einseitig war sein Enthusiasmus f\u00fcr die Sache Polens, und als dieses mutige Land unterlag, trotz der wunderbarsten Tapferkeit seiner Helden, da brachen bei B\u00f6rne alle D\u00e4mme der Geduld und Vernunft. Das ungeheure Schicksal so vieler edlen M\u00e4rtyrer der Freiheit, die, in langen Trauerz\u00fcgen Deutschland durchwandernd, sich in Paris versammelten, war in der Tat geeignet, ein edel gef\u00fchlvolles Herz bis in seine Tiefen zu bewegen. Aber was brauch ich dich, teurer Leser, an diese Betr\u00fcbnisse zu erinnern, du hast in Deutschland den Durchzug der Polen mit eignen tr\u00e4nenden Augen angesehen, und du wei\u00dft, wie das ruhige, stille deutsche Volk, das die eignen Landesn\u00f6ten so geduldig ertr\u00e4gt, bei dem Anblick der ungl\u00fccklichen Sarmaten von Mitleid und Zorn so gewaltig ersch\u00fcttert wurde und so sehr au\u00dfer Fassung kam, da\u00df wir nahe daran waren, f\u00fcr jene Fremden das zu tun, was wir nimmermehr f\u00fcr uns selber t\u00e4ten, n\u00e4mlich die heiligsten Untertanspflichten beiseite zu setzen und eine Revolution zu machen&#8230; zum Besten der Polen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ja, mehr als alle obrigkeitliche Plackereien und demagogische Schriften hat der Durchzug der Polen den deutschen Michel revolutioniert, und es war ein gro\u00dfer Fehler der respektiven deutschen Regierungen, da\u00df sie jenen Durchzug in der bekannten Weise gestatteten. Der gr\u00f6\u00dfere Fehler freilich bestand darin, da\u00df sie die Polen nicht l\u00e4ngere Zeit in Deutschland verweilen lie\u00dfen; denn diese Ritter der Freiheit h\u00e4tten bei verl\u00e4ngertem Aufenthalt jene bedenkliche, h\u00f6chst bedrohliche Sympathie, die sie den Deutschen einfl\u00f6\u00dften, selber wieder zerst\u00f6rt. Aber sie zogen rasch durchs Land, hatten keine Zeit, durch Dichtung und Wahrheit einer den anderen zu diskreditieren, und sie hinterlie\u00dfen die staatsgef\u00e4hrlichste Aufregung.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ja, wir Deutschen waren nahe daran, eine Revolution zu machen, und zwar nicht aus Zorn und Not, wie andere V\u00f6lker, sondern aus Mitleid, aus Sentimentalit\u00e4t, aus R\u00fchrung f\u00fcr unsere armen Gastfreunde, die Polen. Tats\u00fcchtig schlugen unsre Herzen, wenn diese uns am Kamin erz\u00e4hlten, wieviel sie ausgestanden von den Russen, wieviel Elend, wieviel Knutenschl\u00e4ge&#8230; bei den Schl\u00e4gen horchten wir noch sympathetischer, denn eine geheime Ahnung sagte uns, die russischen Schl\u00e4ge, welche jene Polen bereits empfangen, seien dieselben, die wir in der Zukunft noch zu bekommen haben. Die deutschen M\u00fctter schlugen angstvoll die H\u00e4nde \u00fcber den Kopf, als sie h\u00f6rten, da\u00df der Kaiser Nikolas, der Menschenfresser, alle Morgen drei kleine Polenkinder verspeise, ganz roh, mit Essig und \u00d6l. Aber am tiefsten ersch\u00fcttert waren unsre Jungfrauen, wenn sie im Mondschein an der Heldenbrust der polnischen M\u00e4rtyrer lagen und mit ihnen jammerten und weinten \u00fcber den Fall von Warschau und den Sieg der russischen Barbaren&#8230; Das waren keine frivole Franzosen, die bei solchen Gelegenheiten nur sch\u00e4kerten und lachten&#8230; nein, diese larmoyanten Schnurrb\u00e4rte gaben auch etwas f\u00fcrs Herz, sie hatten Gem\u00fcts und nichts gleicht der holden Schw\u00e4rmerei, womit deutsche M\u00e4dchen und Frauen ihre Br\u00e4utigame und Gatten beschworen, so schnell als m\u00f6glich eine Revolution zu machen&#8230; zum Besten der Polen..<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Eine Revolution ist ein Ungl\u00fcck, aber ein noch gr\u00f6\u00dferes Ungl\u00fcck ist eine verungl\u00fcckte Revolution; und mit einer solchen bedrohte uns die Einwanderung jener nordischen Freunde, die in unsere Angelegenheiten alle jene Verwirrung und Unzuverl\u00e4ssigkeit gebracht h\u00e4tte, wodurch sie selber daheim zugrunde gegangen. Ihre Einmischung w\u00e4re uns um so verderblicher geworden, da die deutsche Unerfahrenheit sich von den Ratschl\u00e4gen jener kleinen polnischen Schlauheit, die sich f\u00fcr politische Einsicht ausgibt, gern leiten lie\u00df und gar die deutsche Bescheidenheit, bestochen von jener flinken Ritterlichkeit, die den Polen eigen ist, diesen letztern die wichtigsten F\u00fchrerstellen vertraut h\u00e4tte. \u2013 Ich habe mich damals, in dieser Beziehung, \u00fcber die Popularit\u00e4t der Polen nicht wenig ge\u00e4ngstigt. Es hat sich vieles seitdem ge\u00e4ndert, und gar f\u00fcr die Zukunft, f\u00fcr die deutschen Freiheitsinteressen einer sp\u00e4tern Zeit, braucht man die Popularit\u00e4t der Polen wenig zu f\u00fcrchten. Ach nein, wenn einst Deutschland sich wieder r\u00fcttelt, und diese Zeit wird dennoch kommen, dann werden die Polen kaum noch dem Namen nach existieren, sie werden ganz mit den Russen verschmolzen sein, und als solche werden wir uns auf donnernden Schlachtfeldern wieder begegnen&#8230; und sie werden f\u00fcr uns minder gef\u00e4hrlich sein als Feinde denn als Freunde. Der einzige Vorteil, den wir ihnen verdanken, ist jener Russenha\u00df, den sie bei uns ges\u00e4t und der, still fortwuchernd im deutschen Gem\u00fcte, uns m\u00e4chtig vereinigen wird, wenn die gro\u00dfe Stunde schl\u00e4gt, wo wir uns zu verteidigen haben gegen jenen furchtbaren Riesen, der jetzt noch schl\u00e4ft und im Schlafe w\u00e4chst, die F\u00fc\u00dfe weitausstreckend in die duftigen Blumeng\u00e4rten des Morgenlands, mit dem Haupte ansto\u00dfend an den Nordpol, tr\u00e4umend ein neues Weltreich &#8230; Deutschland wird einst mit diesem Riesen den Kampf bestehen m\u00fcssen, und f\u00fcr diesen Fall ist es gut, da\u00df wir die Russen schon fr\u00fch hassen lernten, da\u00df dieser Ha\u00df in uns gesteigert wurde, da\u00df auch alle andren V\u00f6lker daran teilnehmen&#8230; das ist ein Dienst, den uns die Polen leisten, die jetzt als Propaganda des Russenhasses in der ganzen Welt umherwandern. Ach, diese ungl\u00fccklichen Polen! sie selber werden einst die n\u00e4chsten Opfer unseres blinden Zornes sein, sie werden einst, wenn der Kampf beginnt, die russische Avantgarde bilden, und sie genie\u00dfen alsdann die bittern Fr\u00fcchte jenes Hasses, den sie selber ges\u00e4t. Ist es der Wille des Schicksals oder ist es glorreiche Beschr\u00e4nktheit, was die Polen immer dazu verdammte, sich selber die schlimmste Falle und endlich die Todesgrube zu graben&#8230; seit den Tagen Sobieskis, der die T\u00fcrken schlug, Polens nat\u00fcrliche Alliierte, und die \u00d6streicher rettete&#8230; der ritterliche Dummkopf!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe oben von der \u00bbkleinen polnischen Schlauheit\u00ab gesprochen. Ich glaube, dieser Ausdruck wird keiner Mi\u00dfdeutung anheimfallen; kommt er doch aus dem Munde eines Mannes, dessen Herz am fr\u00fchesten f\u00fcr Polen schlug und der lange schon vor der polnischen Revolution f\u00fcr dieses heldenm\u00fctige Volk sprach und litt. Jedenfalls will ich jenen Ausdruck noch dahin mildern, da\u00df ich nachtr\u00e4glich bemerke, er bezieht sich hier auf die Jahre 1831 und 1832, wo die Polen von der gro\u00dfen Wissenschaft der Freiheit nicht einmal die ersten Elementarkenntnisse besa\u00dfen und die Politik ihnen nichts anders d\u00fcnkte als eben ein Gewebe von Weiberkniffen und Hinterlist, kurz, als eine Manifestation jener \u00bbkleinen polnischen Schlauheit\u00ab, f\u00fcr welche sie sich ein ganz besonderes Talent zutrauten.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Diese Polen waren gleichsam ihrem heimatlichen Mittelalter entsprungen, und ganze Urw\u00e4lder von Unwissenheit im Kopfe tragend, st\u00fcrmten sie nach Paris, und hier warfen sie sich entweder in die Sektionen der Republikaner oder in die Sakristeien der katholischen Schule: denn um Republikaner zu sein, dazu braucht man wenig zu wissen, und um Katholik zu sein, braucht man gar nichts zu wissen, sondern braucht man nur zu glauben. Die Gescheutesten unter ihnen begriffen die Revolution nur in der Form der Emeute, und sie ahneten nimmermehr, da\u00df namentlich in Deutschland durch Tumult und Stra\u00dfenauflauf wenig gef\u00f6rdert wird. Ebenso unheilvoll wie spa\u00dfhaft war das Man\u00f6ver, womit einer ihrer gr\u00f6\u00dften Staatsm\u00e4nner gegen die deutschen Regierungen verfuhr. Er hatte n\u00e4mlich bei dem Durchzug der Polen bemerkt, wie ein einziger Pole hinreichend war, um eine stille deutsche Stadt in Bewegung zu setzen, und da er der gelehrteste Litauer war und aus der Geographie ganz genau wu\u00dfte, da\u00df Deutschland aus einigen drei\u00dfig Staaten besteht, schickte er von Zeit zu Zeit einen Polen nach der Hauptstadt eines dieser Staaten&#8230; er setzte gleichsam einen Polen auf irgendeinen jener drei\u00dfig deutschen Staaten, wie auf die Nummern eines Rouletts, wahrscheinlich ohne gro\u00dfe Hoffnung des Gelingens, aber ruhig berechnend: an einem einzigen Polen ist nicht viel verloren, verursacht er jedoch wirklich eine Emeute, gewinnt meine Nummer, so kommt vielleicht eine ganze Revolution dabei heraus!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich spreche von 1831 und 1832. Seitdem sind acht Jahre verflossen, und ebensogut wie die Helden deutscher Zunge haben auch die Polen manche bittere, aber n\u00fctzliche Erfahrung gemacht, und viele von ihnen konnten die schreckliche Mu\u00dfe des Exils zum Studium der Zivilisation benutzen. Das Ungl\u00fcck hat sie ernsthaft geschult, und sie haben etwas T\u00fcchtiges lernen k\u00f6nnen. Wenn sie einst in ihr Vaterland zur\u00fcckkehren, werden sie dort die heilsamste Saat ausstreuen, und wo nicht ihre Heimat, doch gewi\u00df die Welt wird die Fr\u00fcchte ihrer Aussaat ernten. Das Licht, das sie einst mit nach Hause bringen, wird sich vielleicht weit verbreiten nach dem fernsten Nordosten und die dunkeln F\u00f6hrenw\u00e4lder in Flammen setzen, so da\u00df bei der auflodernden Helle unsere Feinde sich einander beschauen und voreinander entsetzen werden&#8230; sie w\u00fcrgen sich alsdann untereinander in wahnsinnigem Wechselschreck und erl\u00f6sen uns von aller Gefahr ihres Besuches. Die Vorsehung vertraut das Licht zuweilen den ungeschicktesten H\u00e4nden, damit ein heilsamer Brand entstehe in der Welt&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Nein, Polen ist noch nicht verloren&#8230; Mit seiner politischen Existenz ist sein wirkliches Leben noch nicht abgeschlossen. Wie einst Israel nach dem Falle Jerusalems, so vielleicht nach dem Falle Warschaus erhebt Polen sich zu den h\u00f6chsten Bestimmungen. Es sind diesem Volke vielleicht noch Taten vorbehalten, die der Genius der Menschheit h\u00f6her sch\u00e4tzt als die gewonnenen Schlachten und das rittert\u00fcmliche Schwertergeklirre nebst Pferdegetrampel seiner nationalen Vergangenheit! Und auch ohne solche nachbl\u00fchende Bedeutung wird Polen nie ganz verloren sein&#8230; Es wird ewig leben auf den r\u00fchmlichsten Bl\u00e4ttern der Geschichte!!!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chst dem Durchzug der Polen habe ich die Vorg\u00e4nge in Rheinbayern als den n\u00e4chsten Hebel bezeichnet, welcher nach der Juliusrevolution die Aufregung in Deutschland bewirkte und auch auf unsere Landsleute in Paris den gr\u00f6\u00dften Einflu\u00df aus\u00fcbte. Die hiesige Volksversammlung war im Anfang nichts anderes als eine Filialgesellschaft des Pre\u00dfvereins von Zweibr\u00fccken. Einer der gewaltigsten Redner der Bipontiner kam hierher; ich habe ihn nie in der Volksversammlung sprechen geh\u00f6rt, sah ihn damals nur zuf\u00e4llig einmal im Kaffeehause, wo er mit hoher Stirn das neue Reich verk\u00fcndete und die gem\u00e4\u00dfigten Verr\u00e4ter, namentlich die Redaktoren der Augsburger \u00bbAllgemeinen Zeitung\u00ab, mit dem Strang bedrohte&#8230; (Ich wundre mich, da\u00df ich damals noch den Mut hatte, als Redakteur der \u00bbAllgemeinen Zeitung\u00ab t\u00e4tig zu sein&#8230; Jetzt sind die Zeiten minder gef\u00e4hrlich&#8230; Es sind seitdem acht Jahre verflossen, und der damalige Schreckensmann, der Tribun aus Zweibr\u00fccken, ist in diesem Augenblick einer der schreibseligsten Mitarbeiter der \u00bbAllgemeinen Zeitung\u00ab &#8230;)<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Von Rheinbayern sollte die deutsche Revolution ausgehen. Zweibr\u00fccken war das Bethlehem, wo die junge Freiheit, der Heiland, in der Wiege lag und welterl\u00f6send greinte. Neben dieser Wiege br\u00fcllte manches \u00d6chslein, das sp\u00e4terhin, als man auf seine H\u00f6rner z\u00e4hlte, sich als ein sehr gem\u00fctliches Rindvieh erwies. Man glaubte ganz sicher, da\u00df die deutsche Revolution in Zweibr\u00fccken beginnen w\u00fcrde, und alles war dort reif zum Ausbruch. Aber, wie gesagt, die Gem\u00fctlichkeit einiger Personen vereitelte jenes polizeiwidrige Unterfangen. Da war z.B. unter den verschwornen Bipontinern ein gewaltiger Bramarbas, der immer am lautesten w\u00fctete, der von Tyrannenha\u00df am tollsten \u00fcbersprudelte, und dieser sollte, mit der ersten Tat vorangehend, eine Schildwache, die einen Hauptposten bewachte, gleich niederstechen&#8230; \u00bbWas!\u00ab rief der Mann, als man ihm diese Ordre gab, \u00bbwas! mir, mir konntet ihr eine so schauderhafte, so abscheuliche, so blutd\u00fcrstige Handlung zumuten? Ich, ich soll eine unschuldige Schildwache umbringen? Ich, der ich ein Familienvater bin! Und diese Schildwache ist vielleicht ebenfalls ein Familienvater. Ein Familienvater soll einen Familienvater ermorden! ja t\u00f6ten! umbringen!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Da der Dr. Pistor, einer der Zweibr\u00fccker Helden, welcher mir diese Geschichte erz\u00e4hlte, jetzt dem Bereiche jeder Verantwortlichkeit entsprungen ist, darf ich ihn wohl als Gew\u00e4hrsmann nennen. Er versicherte mir, da\u00df die deutsche Revolution durch die erw\u00e4hnte Sentimentalit\u00e4t des Familienvaters vorderhand ajourniert wurde. Und doch war der Moment ziemlich g\u00fcnstig. Nur damals und w\u00e4hrend den Tagen des Hambacher Festes h\u00e4tte mit einiger Aussicht guten Erfolges die allgemeine Umw\u00e4lzung in Deutschland versucht werden k\u00f6nnen. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die G\u00f6ttin der Freiheit uns gew\u00e4hrte; die Sterne waren g\u00fcnstig; seitdem erlosch jede M\u00f6glichkeit des Gelingens. Dort waren sehr viele M\u00e4nner der Tat versammelt, die selber von ernstem Willen gl\u00fchten und auf die sicherste H\u00fclfe rechnen konnten. Jeder sah ein, es sei der rechte Moment zu dem gro\u00dfen Wagnis, und die meisten setzten gerne Gl\u00fcck und Leben aufs Spiel&#8230; Wahrlich, es war nicht die Furcht, welche damals nur das Wort entz\u00fcgelte und die Tat zur\u00fcckd\u00e4mmte. \u2013 Was war es aber, was die M\u00e4nner von Hambach abhielt, die Revolution zu beginnen?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich wage es kaum zu sagen, denn es klingt unglaublich, aber ich habe die Geschichte aus authentischer Quelle, n\u00e4mlich von einem Mann, der als wahrheitsliebender Republikaner bekannt und selber zu Hambach in dem Komitee sa\u00df, wo man \u00fcber die anzufangende Revolution debattierte; er gestand mir n\u00e4mlich im Vertrauen: Als die Frage der Kompetenz zur Sprache gekommen, als man dar\u00fcber stritt, ob die zu Hambach anwesenden Patrioten auch wirklich kompetent seien, im Namen von ganz Deutschland eine Revolution anzufangen, da seien diejenigen, welche zur raschen Tat rieten, durch die Mehrheit \u00fcberstimmt worden, und die Entscheidung lautete: man sei nicht kompetent.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">O Schilda, mein Vaterland!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Venedey m\u00f6ge es mir verzeihen, wenn ich diese geheime Kompetenzgeschichte ausplaudre und ihn selber als Gew\u00e4hrsmann nenne; aber es ist die beste Geschichte, die ich auf dieser Erde erfahren habe. Wenn ich daran denke, vergesse ich alle K\u00fcmmernisse dieses irdischen Jammertals, und vielleicht einst, nach dem Tode, in der neblichten Langeweile des Schattenreichs wird die Erinnerung an diese Kompetenzgeschichte mich aufheitern k\u00f6nnen&#8230; Ja, ich bin \u00fcberzeugt, wenn ich sie dort Proserpinen erz\u00e4hle, der m\u00fcrrischen Gemahlin des H\u00f6llengotts, so wird sie l\u00e4cheln, vielleicht laut lachen&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">O Schilda, mein Vaterland!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ist diese Geschichte nicht wert, mit goldenen Buchstaben auf Samt gestickt zu werden, wie die Gedichte des Mollakat, welche in der Moschee von Mekka zu schauen sind? Ich m\u00f6chte sie jedenfalls in Verse bringen und in Musik setzen lassen, damit sie gro\u00dfen K\u00f6nigskindern als Wiegenlied vorgesungen werde&#8230; Ihr k\u00f6nnt ruhig schlafen, und zur Belohnung f\u00fcr das furchtheilende Lied, das ich euch gesungen, ihr gro\u00dfen K\u00f6nigskinder, ich bitte euch, \u00f6ffnet die Kerkert\u00fcren der gefangenen Patrioten&#8230; Ihr habt nichts zu riskieren, die deutsche Revolution ist noch weit von euch entfernt, gut Ding will Weile, und die Frage der Kompetenz ist noch nicht entschieden&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">O Schilda, mein Vaterland!<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wie dem aber auch sei, das Fest von Hambach geh\u00f6rt zu den merkw\u00fcrdigsten Ereignissen der deutschen Geschichte, und wenn ich B\u00f6rne glauben soll, der diesem Feste beiwohnte, so gew\u00e4hrte dasselbe ein gutes Vorzeichen f\u00fcr die Sache der Freiheit. Ich hatte B\u00f6rne lange aus den Augen verloren, und es war bei seiner R\u00fcckkehr von Hambach, da\u00df ich ihn wiedersah, aber auch zum letzten Male in diesem Leben. Wir gingen miteinander in den Tuilerien spazieren, er erz\u00e4hlte mir viel von Hambach und war noch ganz begeistert von dem Jubel jener gro\u00dfen Volksfeier. Er konnte nicht genug die Eintracht und den Anstand r\u00fchmen, die dort herrschten. Es ist wahr, ich habe es auch aus anderen Quellen erfahren, zu Hambach gab es durchaus keine \u00e4u\u00dfere Exzesse, weder betrunkene Tobsucht noch p\u00f6belhafte Roheit, und die Orgie, der Kirmestaumel, war mehr in den Gedanken als in den Handlungen. Manches tolle Wort wurde laut ausgesprochen in jenen Reden, die zum Teil sp\u00e4terhin gedruckt erschienen. Aber der eigentliche Wahnwitz ward blo\u00df gefl\u00fcstert. B\u00f6rne erz\u00e4hlte mir: W\u00e4hrend er mit Siebenpfeiffer redete, nahte sich demselben ein alter Bauer und raunte ihm einige Worte ins Ohr, worauf jener verneinend den Kopf sch\u00fcttelte. \u00bbAus Neugier\u00ab, setzte B\u00f6rne hinzu, \u00bbfrug ich den Siebenpfeiffer, was der Bauer gewollt, und jener gestand mir, da\u00df der alte Bauer ihm mit bestimmten Worten gesagt habe: \u203aHerr Siebenpfeiffer, wenn Sie K\u00f6nig sein wollen, wir machen Sie dazu!\u2039<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich sehr am\u00fcsiert\u00ab \u2013 fuhr B\u00f6rne fort \u2013, \u00bbwir waren dort alle wie Blutsfreunde, dr\u00fcckten uns die H\u00e4nde, tranken Br\u00fcderschaft, und ich erinnere mich besonders eines alten Mannes, mit welchem ich eine ganze Stunde geweint habe, ich wei\u00df gar nicht mehr warum. Wir Deutschen sind ein ganz pr\u00e4chtiges Volk und gar nicht mehr so unpraktisch wie sonst. Wir hatten in Hambach auch das lieblichste Maiwetter, wie Milch und Rosen, und ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen war dort, die mir die Hand k\u00fcssen wollte, als w\u00e4r ich ein alter Kapuziner; ich habe das nicht gelitten, und Vater und Mutter befahlen ihr, mich auf den Mund zu k\u00fcssen, und versicherten mir, da\u00df sie mit dem gr\u00f6\u00dften Vergn\u00fcgen meine s\u00e4mtlichen Schriften gelesen. Ich habe mich sehr am\u00fcsiert. Auch meine Uhr ist mir gestohlen worden. Aber das freut mich ebenfalls, das ist gut, das gibt mir Hoffnung. Auch wir, und das ist gut, auch wir haben Spitzbuben unter uns und werden daher desto leichter re\u00fcssieren. Da ist der verw\u00fcnschte Kerl von Montesquieu, welcher uns eingeredet hatte, die Tugend sei das Prinzip der Republikaner! Und ich \u00e4ngstigte mich schon, da\u00df unsere Partei aus lauter ehrlichen Leuten bestehen und deshalb nichts ausrichten w\u00fcrde. Es ist durchaus n\u00f6tig, da\u00df wir, ebensogut wie unsre Feinde, auch Spitzbuben unter uns haben. Ich h\u00e4tte gerne den Patrioten entdeckt, der mir zu Hambach meine Uhr gemaust; ich w\u00fcrde ihm, wenn wir zur Regierung kommen, sogleich die Polizei \u00fcbertragen und die Diplomatie. Ich kriege ihn aber heraus, den Dieb. Ich werde n\u00e4mlich im \u203aHamburger Korrespondenten\u2039 annoncieren, da\u00df ich dem ehrlichen Finder meiner Uhr die Summe von hundert Louisdor auszahle. Die Uhr ist es wert, schon als Kuriosit\u00e4t: es ist n\u00e4mlich die erste Uhr, welche die deutsche Freiheit gestohlen hat. Ja, auch wir, Germaniens S\u00f6hne, wir erwachen aus unserer schl\u00e4frigen Ehrlichkeit&#8230; Tyrannen zittert, wir stehlen auch!\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Der arme B\u00f6rne konnte nicht aufh\u00f6ren, von Hambach zu reden und von dem Pl\u00e4sier, das er dort genossen. Es war, als ob er ahnte, da\u00df er zum letztenmal in Deutschland gewesen, zum letztenmal deutsche Luft geatmet, deutsche Dummheiten eingesogen mit durstigen Ohren \u2013 \u00bbAch!\u00ab seufzte er, \u00bbwie der Wanderer im Sommer nach einem Labetrunk schmachtet, so schmachte ich manchmal nach jenen frischen erquicklichen Dummheiten, wie sie nur auf dem Boden unseres Vaterlands gedeihen. Diese sind so tiefsinnig, so melancholisch lustig, da\u00df einem das Herz dabei jauchzt. Hier bei den Franzosen sind die Dummheiten so trocken, so oberfl\u00e4chlich, so vern\u00fcnftig, da\u00df sie f\u00fcr jemand, der an Besseres gewohnt, ganz ungenie\u00dfbar sind. Ich werde deshalb in Frankreich t\u00e4glich vergr\u00e4mter und bitterer und sterbe am Ende. Das Exil ist eine schreckliche Sache. Komme ich einst in den Himmel, ich werde mich gewi\u00df auch dort ungl\u00fccklich f\u00fchlen, unter den Engeln, die so sch\u00f6n singen und so gut riechen&#8230; sie sprechen ja kein Deutsch und rauchen keinen Kanaster&#8230; Nur im Vaterland ist mir wohl! Vaterlandsliebe! Ich lache \u00fcber dieses Wort im Munde von Leuten, die nie im Exil gelebt&#8230; Sie k\u00f6nnten ebensogut von Milchbreiliebe sprechen. Milchbreiliebe! In einer afrikanischen Sandw\u00fcste hat das Wort schon seine Bedeutung. Wenn ich je so gl\u00fccklich bin, wieder nach dem lieben Deutschland zur\u00fcckzukehren, so nennen Sie mich einen Schurken, wenn ich dort gegen irgendeinen Schriftsteller schreibe, der im Exile lebt. W\u00e4re nicht die Furcht vor den Sch\u00e4ndlichkeiten, die man einen im Gef\u00e4ngnis aussagen l\u00e4\u00dft, ich w\u00e4re nicht mehr fortgegangen, h\u00e4tte mich ruhig festsetzen lassen, wie der brave Wirth und die anderen, denen ich ihr Schicksal voraussagte, ja denen ich alles voraussagte, wie ich es im Traum gesehen&#8230;<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ja, das war ein n\u00e4rrischer Traum\u00ab \u2013 rief B\u00f6rne pl\u00f6tzlich mit lautem Lachen und aus der d\u00fcsteren Stimmung in die heitere \u00fcberspringend, wie es seine Gewohnheit war \u2013, \u00bbdas war ein n\u00e4rrischer Traum! Die Erz\u00e4hlungen des Handwerksburschen, der in Amerika gewesen, hatten mich dazu vorbereitet. Dieser erz\u00e4hlte mir n\u00e4mlich, in den nordamerikanischen St\u00e4dten s\u00e4he man auf der Stra\u00dfe sehr gro\u00dfe Schildkr\u00f6ten herumkriechen, auf deren R\u00fccken mit Kreide geschrieben steht, in welchem Gasthaus und an welchem Tage sie als Tortulsuppe verspeist werden. Ich wei\u00df nicht, warum mich diese Erz\u00e4hlung so sehr frappierte, warum ich den ganzen Tag an die armen Tiere dachte, die so ruhig durch die Stra\u00dfen von Boston umherkriechen und nicht wissen, da\u00df auf ihrem R\u00fccken ganz bestimmt der Tag und der Ort ihres Untergangs geschrieben steht&#8230; Und nachts, denken Sie sich, im Traume, sehe ich meine Freunde, die deutschen Patrioten, in lauter solche Schildkr\u00f6ten verwandelt, ruhig herumkriechen, und auf dem R\u00fccken eines jeden steht mit gro\u00dfen Buchstaben ebenfalls Ort und Datum, wo man ihn einstecken werde in den verdammten Suppentopf&#8230; Ich habe des andern Tags die Leute gewarnt, durfte ihnen aber nicht sagen, was mir getr\u00e4umt: denn sie h\u00e4tten&#8217;s mir \u00fcbelgenommen, da\u00df sie, die M\u00e4nner der Bewegung, mir als langsame Schildkr\u00f6ten erschienen&#8230; Aber das Exil, das Exil, das ist eine schreckliche Sache&#8230; Ach! wie beneide ich die franz\u00f6sischen Republikaner! Sie leiden aber im Vaterlande. Bis zum Augenblick des Todes steht ihr Fu\u00df auf dem geliebten Boden des Vaterlandes. Und gar die Franzosen, welche hier in Paris k\u00e4mpfen und alle jene teuren Denkm\u00e4ler vor Augen haben, die ihnen von den Gro\u00dftaten ihrer V\u00e4ter erz\u00e4hlen und sie tr\u00f6sten und aufmuntern! Hier sprechen die Steine und singen die B\u00e4ume, und so ein Stein hat mehr Ehrgef\u00fchl und predigt Gottes Wort, n\u00e4mlich die M\u00e4rtyrgeschichte der Menschheit, weit eindringlicher als alle Professoren der Historischen Schule zu Berlin und G\u00f6ttingen. Und diese Kastanienb\u00e4ume, hier in den Tuilerien, ist es nicht, als s\u00e4ngen sie heimlich die Marseillaise mit ihren tausend gr\u00fcnen Zungen?&#8230; Hier ist heiliger Boden, hier sollte man die Schuhe ausziehen, wenn man spazierengeht&#8230; Hier links ist die Terrasse der Feuillants; dort rechts, wo sich jetzt die Rue Rivoli hinzieht, hielt der Klub der Jakobiner seine Sitzungen&#8230; Hier vor uns, im Tuileriengeb\u00e4ude, donnerte der Konvent, die Titanenversammlung, wogegen Bonaparte mit seinem Blitzvogel nur wie ein kleiner Jupiter erscheint&#8230; dort gegen\u00fcber gr\u00fc\u00dft uns die Place Louis XVI, wo das gro\u00dfe Exempel statuiert wurde&#8230; Und zwischen beiden, zwischen Schlo\u00df und Richtplatz, zwischen Feuillants- und Jakobinerklub, in der Mitte, der heilige Wald, wo jeder Baum ein bl\u00fchender Freiheitsbaum&#8230;\u00ab<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">An diesen alten Kastanienb\u00e4umen in dem Tuileriengarten sind aber mitunter sehr morsche \u00c4ste, und eben in dem Augenblicke, wo B\u00f6rne die obige Phrase schlie\u00dfen wollte, brach mit lautem Gekrach ein Ast jener B\u00e4ume, und mit voller Wucht aus bedeutender H\u00f6he herunterst\u00fcrzend, h\u00e4tte er uns beide schier zerschmettert, wenn wir nicht hastig zur Seite sprangen. B\u00f6rne, welcher nicht so schnell wie ich sich rettete, ward von einem Zweige des fallenden Astes an der Hand verletzt und brummte verdrie\u00dflich: \u00bbEin b\u00f6ses Zeichen!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div id=\"attachment_14208\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14208\" class=\"size-medium wp-image-14208\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Boerne1.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14208\" class=\"wp-caption-text\">Ludwig B\u00f6rne (Gem\u00e4lde von Moritz Oppenheim, 1827)<\/p><\/div>\n<p class=\"rez\" style=\"text-align: justify;\">Die <i>Denkschrift \u00fcber Ludwig B\u00f6rne<\/i> ist die am meisten verkannte Schrift von Heinrich Heine. Das zuerst 1840 ver\u00f6ffentlichte Buch enth\u00e4lt Heines Darstellung der Weltgeschichte, seine scharfsichtige Analyse der Neuzeit, der Entstehung des modernen Staates, des Finanzkapitalismus, die Marx\u2018 Analyse im <i>Kapital <\/i>vorwegnimmt und die in der These von den drei gr\u00f6\u00dften Terroristen der Neuzeit \u2013 Richelieu f\u00fcr den Staat, Rothschild f\u00fcr den Finanzkapitalismus, Robespierre f\u00fcr die Revolution \u2013 kulminiert. Weitere Themen sind: Heines Begriff der Revolution und seine Auffassung von Weltgeschichte und Geschichtsschreibung, die Analyse der Kunstform f\u00fcr die Art der Geschichtsschreibung, die polemischen Portr\u00e4ts als Merkmal der politischen \u00d6ffentlichkeit des 19. Jahrhunderts, in die sich die Kontroverse mit B\u00f6rne einf\u00fcgt, der Einfluss der Zensur auf Heines Publikationen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch Heinrich Heines Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14533\">Die deutsche Literatur.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es war im Herbst 1831, ein Jahr nach der Juliusrevolution, als ich zu Paris den Doktor Ludwig B\u00f6rne wiedersah. Ich besuchte ihn im Gasthof H\u00f4tel de Castille, und nicht wenig wunderte ich mich \u00fcber die Ver\u00e4nderung, die sich in&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/09\/02\/ein-jahr-nach-der-juliusrevolution\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":94,"featured_media":97877,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[853,1184],"class_list":["post-89900","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-heinrich-heine","tag-ludwig-borne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/94"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89900"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89900\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97897,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89900\/revisions\/97897"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97877"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}