{"id":89736,"date":"2008-09-19T00:01:27","date_gmt":"2008-09-18T22:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89736"},"modified":"2021-12-25T17:56:45","modified_gmt":"2021-12-25T16:56:45","slug":"literaturen-der-kleinsprachen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/19\/literaturen-der-kleinsprachen\/","title":{"rendered":"Literatur(en) der Kleinsprachen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Literaturen der Kleinsprachen und ihre Bedeutung in Bezug auf die Gro\u00dfsprachen im Zeichen der Globalisierung<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was mu\u00df getan werden, um die \u201eKleinen Literaturen\u201c, die Literatur kleiner V\u00f6lker und Nationen und auch die von \u201eMinderheiten\u201c, von Volksgruppen zu unterst\u00fctzen, zu f\u00f6rdern, zu festigen, zu verbreiten und vor der Assimilierung und somit Eliminierung zu bewahren. Ebenso: Wie k\u00f6nnen diese Literaturen und Sprachengemeinschaften Anschlu\u00df an die Literaturen der gro\u00dfen Sprachengemeinschaften und der (zeitgen\u00f6ssischen) Weltliteratur finden? Und warum ist das wichtig? Antwort: Es ist eine kulturpolitische Notwendigkeit. Sprache\/Literatur sind Garanten der national-kulturellen Identit\u00e4t, aber auch der Gruppenidentit\u00e4t. Literatur ist ein Faktor der Identit\u00e4t(sstiftung) sowohl nach au\u00dfen wie auch nach innen. Literaturen der \u201ekleinen\u201c Kultur- und Sprachengemeinschaften sind wichtig und unersetzbar, gerade in einem gr\u00f6\u00dferen Ganzen; Stichwort EU und Globalisierung. Die Literaturen der \u201eKleinen\u201c m\u00fcssen international popularisiert werden. Kulturelle Anerkennung bedeutet auch politische Anerkennung, auch im Sinne und unter dem Aspekt der Demokratisierung, der Gleichberechtigung. Einer alles vermengenden und nivellierenden Globalisierung mu\u00df eine Ann\u00e4herung der V\u00f6lker und ihrer Kulturen\/Literaturen entgegengesetzt werden. Wichtig und unaufgebbar ist die kulturelle Autonomie der \u201eKleinen V\u00f6lker\u201c! Kulturen und Literaturen und ihre Produzenten (SchriftstellerInnen) ebenso wie das Kulturgut selbst sind schutzw\u00fcrdig und schutzbed\u00fcrftig. Dazu ben\u00f6tigt es Schutzma\u00dfnahmen. Diese im gro\u00dfen Kontext (EU) auf politischer, rechtlicher Ebene, aber auch solche gegen\u00fcber den beherrschenden Macht- und Marktstrukturen und deren Zielsetzungen und Methoden. Wichtig ist der Austausch von Literaturen.\u00a0 Wichtigste Ma\u00dfnahme hier ist die F\u00f6rderung der \u00dcbersetzer und der \u00dcbersetzungen. Aber auch und vor allem die F\u00f6rderung der Rezeption durch \u00dcbersetzer, Verleger, den Markt und beim Leserpublikum. Vorallem die Literatur f\u00fcr die Jugend ist wichtig. Der Staat hat einen Bildungsauftrag. Voraussetzung: Information und Informationsaustausch. Vorshlag: Eine Agentur zur F\u00f6rderung der Literaturen kleiner Sprachgemeinschaften. F\u00f6rderung der \u00dcbersetzung von Werken aus der Weltliteratur, auch der zeitgen\u00f6ssischen, in Sprachen kleinerer Sprachengemeinschaften. Vorschlag f\u00fcr die Rezeption: Errichtung einer Online-Bibliothek. Erwerb und Verbreitung von solchen \u00fcbersetzten B\u00fcchern durch die staatlichen Kulturbeh\u00f6rden, aber auch durch private Stiftungen. Besondere Rolle spielen die internationalen Buchmessen als Orte der Informationsbegegnung und der m\u00f6glichen Kooperation.\u00a0 Die \u201eFreie Marktwirtschaft\u201c ver\u00e4ndert alle bisherigen Gegebenheiten, vorallem in den Reforml\u00e4ndern. Sie ver\u00e4ndert die Gesellschaft, ihre Bedingungen, ihre Konventionen, ihre Werte und ihren Wertekanon, somit auch ihr Verh\u00e4ltnis zur Literatur. Sie ver\u00e4ndert sogar personale Identit\u00e4t und Soziet\u00e4t, sie \u00fcberzieht alles mit einer Art Folie des neuen Konsumverhaltens. \u201eDer Freie Markt\u201c und dieses globale bzw. globalisierte Konsumverhalten treten an die Stelle der \u201ealten Ideologien\u201c. Die Jugend und auch dazu die Zwanzig- bis Drei\u00dfigj\u00e4hrigen haben diese Ideologien nicht oder nicht mehr wirklich\u00a0\u00a0 kennengelernt, sie sind von der modernen Konsumwelt entt\u00e4uscht und frustriert. Das dr\u00fcckt sich auch in ihren Literaturen aus, auf dieser Ebene von Entt\u00e4uschung, Angst und Frust haben sie etwas Gemeinsames. Momente bzw. Grundgef\u00fchle der Entfremdung entstehen in\u00a0 dieser konsumorientierten, ja konsumbeherrschten Welt der globalisierten \u201eFreien Marktwirtschaft\u201c. Der polnisch-\u00f6sterreichische Schriftsteller Radek Knapp: \u201eWir Literaten haben Sehnsucht \u2013 niemals nach Regimen, sondern nach dem Gef\u00fchl, im eigenen Land zuhause zu sein.\u201c Die Gefahr einer desorientierten Gesellschaft gibt es. Radek Knapp: \u201eEtwas Echtes und nicht so Schnelles\u201c, m\u00fc\u00dfte es sein. Also Werte, Grundwerte? Ja! Der \u201eFreie Markt\u201c verlangt und handelt zwangslogisch nach den Faktoren Rationalisierung und Rentabilit\u00e4t. Alles, was dem entgegensteht, hat f\u00fcr ihn keinen Wert, weil es keinen\u00a0 Profit bringt. Literatur und Kunst aber bewegen sich in ihrer Zielrichtung jenseits dieser Kategorien!\u00a0 Diesen Faktoren und Kategorien aber sind auch Kultur und Literatur \u201eausgeliefert\u201c. Und zwar dadurch, dass es eine gewisse vom Markt vorgegebene Erwartungshaltung an die Literatur gibt. Stichwort: \u201eVermarktbare Literatur\u201c. Diese Erwartungshaltung erzeugt einen Anpassungsdruck, dem manche Autoren auch entsprechen, nachgeben. So entsteht Kommerzliteratur; mitunter eben schlechte Literatur. Wichtig ist aber die Qualit\u00e4t der Literatur und da\u00df diese Qualit\u00e4t popularisiert wird. Und wichtig ist die Authentizit\u00e4t des literarischen Werkes und eben auch des Schriftstellers, der Schriftstellerin. Es darf zu keiner Verflachung kommen. Die Gefahr der Assimilierung \u201eKleiner\u201c Sprachen und ihrer Literaturen ist sehr gro\u00df. Beispiel: Ehemalige Sowjetunion. Mehr als 150 Sprachengemeinschaften waren in ihr. Wie k\u00f6nnen diese fortbestehen, sich weiterentwickeln? Was erwartet Europa von diesen Literaturen, die es noch gar nicht kennt? Wer ist dieses Europa? Ein Mythos? Vorschlag (Ungarn): Die EU soll auf systematische Weise die \u00dcbersetzungen f\u00f6rdern! Dies ist auch eine politische Forderung zwecks Aufrechterhaltung der kulturellen Diversit\u00e4t in Europa. Gute Literatur entsteht aber nicht in erster Linie durch F\u00f6rderma\u00dfnahmen. Literatur machen ist zu allererst ein individueller Akt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Gute Literatur mu\u00df entstehen, sie bl\u00fcht auf oder auch nicht. Man kann in der Kunst nicht alles regeln.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jazek Buras<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem sind kulturpolitische Ma\u00dfnahmen absolut notwendig. Hier ein verst\u00e4rktes und konkretes Engagement in der EU n\u00f6tig auf der Basis der Kulturkonvention der UNESCO. Notwendig ist, alle Informationen miteinander auszutauschen, alle Ressourcen auszusch\u00f6pfen, alle Ma\u00dfnahmen zu fokussieren, um Effizienz zu erreichen. Wichtig ist aber innovativ zu sein, den Blick weniger r\u00fcckw\u00e4rts als vielmehr nach vorw\u00e4rts, in und auf die Zukunft zu richten.\u00a0 Denn nur so kann die kulturelle Vielfalt in Europa erhalten werden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<div id=\"attachment_19167\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19167\" class=\"size-medium wp-image-19167\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19167\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul, Portr\u00e4t von Annemarie Susanne<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">W\u00fcrdigung<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Literaturen der Kleinsprachen und ihre Bedeutung in Bezug auf die Gro\u00dfsprachen im Zeichen der Globalisierung Was mu\u00df getan werden, um die \u201eKleinen Literaturen\u201c, die Literatur kleiner V\u00f6lker und Nationen und auch die von \u201eMinderheiten\u201c, von Volksgruppen zu unterst\u00fctzen, zu&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/19\/literaturen-der-kleinsprachen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":19167,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1142],"class_list":["post-89736","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89736\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}