{"id":89657,"date":"2022-02-17T00:01:22","date_gmt":"2022-02-16T23:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89657"},"modified":"2022-02-17T13:56:44","modified_gmt":"2022-02-17T12:56:44","slug":"die-goetter-im-exil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/17\/die-goetter-im-exil\/","title":{"rendered":"Die G\u00f6tter im Exil"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in meinen fr\u00fchesten Schriften besprach ich die Idee, welcher die nachfolgenden Mittheilungen entsprossen. Ich rede n\u00e4mlich hier wieder von der Umwandlung in D\u00e4monen, welche die griechisch-r\u00f6mischen Gottheiten erlitten haben, als das Christenthum zur Oberherrschaft in der Welt gelangte. Der Volksglaube schrieb jenen G\u00f6ttern jetzt eine zwar wirkliche, aber vermaledeite Existenz zu, in dieser Ansicht ganz \u00fcbereinstimmend mit der Lehre der Kirche. Letztere erkl\u00e4rte die alten G\u00f6tter keineswegs, wie es die Philosophen gethan, f\u00fcr Chim\u00e4ren, f\u00fcr Ausgeburten des Lugs und des Irrthums, sondern sie hielt sie vielmehr f\u00fcr b\u00f6se Geister, welche durch den Sieg Christi vom Lichtgipfel ihrer Macht gest\u00fcrzt, jetzt auf Erden, im Dunkel alter Tempeltr\u00fcmmer oder Zauberw\u00e4lder, ihr Wesen trieben und die schwachen Christenmenschen, die sich hierhin verirrt, durch ihre verf\u00fchrerischen Teufelsk\u00fcnste, durch Wollust und Sch\u00f6nheit, besonders durch T\u00e4nze und Gesang, zum Abfall verlockten. Alles was auf dieses Thema Bezug hat, die Umgestaltung der alten Naturculte in Satansdienst und des heidnischen Priesterthums in Hexerei, diese Verteuflung der G\u00f6tter, habe ich sowohl im zweiten wie im dritten Theile des \u201eSalon\u201c unumwunden besprochen, und ich glaube mich jetzt um so mehr jeder weitern Besprechung \u00fcberheben zu k\u00f6nnen, da seitdem viele andre Schriftsteller, sowohl der Spur meiner Andeutungen folgend, als auch angeregt durch die Winke, welche ich \u00fcber die Wichtigkeit des Gegenstandes ertheilt, jenes Thema viel weitl\u00e4ufiger, umfassender und gr\u00fcndlicher als ich behandelt haben. Wenn sie bei dieser Gelegenheit nicht den Namen des Autors erw\u00e4hnt, der sich das Verdienst der Initiative erworben, so war dieses gewi\u00df eine Verge\u00dflichkeit von geringem Belange. Ich selbst will einen solchen Anspruch nicht sehr hoch anschlagen. In der That, es ist wahr, das Thema, das ich aufs Tapet brachte, war keine Neuigkeit; aber es hat mit solchem Vulgarisiren alter Ideen immer dieselbe Bewandtni\u00df, wie mit dem Ei des Columbus. Jeder hat die Sache gewu\u00dft, aber keiner hat sie gesagt. Ja, was ich sagte, war keine Novit\u00e4t, und befand sich l\u00e4ngst gedruckt in den ehrw\u00fcrdigen Folianten und Quartanten der Compilatoren und Antiquare, in diesen Katakomben der Gelehrsamkeit, wo zuweilen mit einer grauenhaften Symmetrie, die noch weit schrecklicher ist als w\u00fcste Willk\u00fcr, die heterogensten Gedankenknochen aufgeschichtet \u2013 Auch gestehe ich, da\u00df ebenfalls moderne Gelehrte das erw\u00e4hnte Thema behandelt; aber sie haben es sozusagen eingesargt in die h\u00f6lzernen Mumienkasten ihrer confusen und abstracten Wissenschaftssprache, die das gro\u00dfe Publicum nicht entziffern kann und f\u00fcr \u00e4gyptische Hieroglyphen halten d\u00fcrfte. Aus solchen Gr\u00fcften und Beinh\u00e4usern habe ich den Gedanken wieder zum wirklichen Leben heraufbeschworen, durch die Zaubermacht des allgemein verst\u00e4ndlichen Wortes, durch die Schwarzkunst eines gesunden, klaren, volksth\u00fcmlichen Stiles!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ich kehre zur\u00fcck zu meinem Thema, dessen Grundidee, wie oben angedeutet, hier nicht weiter er\u00f6rtert werden soll. Nur mit wenigen Worten will ich den Leser darauf aufmerksam machen, wie die armen alten G\u00f6tter, von welchen oben die Rede, zur Zeit des definitiven Sieges des Christenthums, also im dritten Jahrhundert, in Verlegenheiten geriethen, die mit \u00e4lteren traurigen Zust\u00e4nden ihres G\u00f6tterlebens die gr\u00f6\u00dfte Analogie boten. Sie befanden sich n\u00e4mlich jetzt in dieselben betr\u00fcbsamen Nothwendigkeiten versetzt, worin sie sich schon weiland befanden, in jener uralten Zeit, in jener revolutionairen Epoche, als die Titanen aus dem Gewahrsam des Orcus heraufbrachen und, den Pelion auf den Ossa th\u00fcrmend, den Olymp erkletterten. Sie mu\u00dften damals schm\u00e4hlich fl\u00fcchten, die armen G\u00f6tter, und unter allerlei Vermummungen verbargen sie sich bei uns auf Erden. Die meisten<span id=\"Seite_221\" class=\"PageNumber\"><\/span> begaben sich nach Aegypten, wo sie zu gr\u00f6\u00dferer Sicherheit Thiergestalt annahmen, wie m\u00e4nniglich bekannt. In derselben Weise mu\u00dften die armen Heideng\u00f6tter wieder die Flucht ergreifen und unter allerlei Vermummungen in abgelegenen Verstecken ein Unterkommen suchen, als der wahre Herr der Welt sein Kreuzbanner auf die Himmelsburg pflanzte, und die ikonoklastischen Zeloten, die schwarze Bande der M\u00f6nche, alle Tempel brachen und die verjagten G\u00f6tter mit Feuer und Fluch verfolgten. Viele dieser armen Emigranten, die ganz ohne Obdach und Ambrosia waren, mu\u00dften jetzt zu einem b\u00fcrgerlichen Handwerke greifen, um wenigstens das liebe Brod zu erwerben. Unter solchen Umst\u00e4nden mu\u00dfte mancher, dessen heilige Haine confiscirt waren, bei uns in Deutschland als Holzhacker tagl\u00f6hnern und Bier trinken statt Nektar. Apollo scheint sich in dieser Noth dazu bequemt zu haben, bei Viehz\u00fcchtern Dienste zu nehmen, und wie er einst die K\u00fche des Admetos weidete, so lebte er jetzt als Hirt in Nieder\u00f6sterreich, wo er aber, verd\u00e4chtig geworden durch sein sch\u00f6nes Singen, von einem gelehrten M\u00f6nch als ein alter zauberischer Heidengott erkannt, den geistlichen Gerichten \u00fcberliefert wurde. Auf der Folter gestand er, da\u00df er der Gott Apollo sei. Vor seiner Hinrichtung bat er auch, man m\u00f6chte ihm nur noch einmal erlauben, auf der Zither zu spielen und ein Lied zu singen. Er spielte aber so herzr\u00fchrend und sang so bezaubernd, und war dabei so sch\u00f6n von Angesicht und Leibesgestalt, da\u00df alle Frauen weinten, ja viele durch solche R\u00fchrung sp\u00e4ter erkrankten. Nach einiger Zeit wollte man ihn aus seiner Gruft wieder hervorziehen, um ihm einen Pfahl durch den Leib zu sto\u00dfen, in der Meinung, er m\u00fcsse ein Vampyr gewesen sein, und die erkrankten Frauen w\u00fcrden durch solches probate Hausmittel genesen; aber man fand das Grab leer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ueber die Schicksale des alten Kriegsgottes Mars, seit dem Siege der Christen, wei\u00df ich nicht viel zu vermelden. Ich bin nicht abgeneigt zu glauben, da\u00df er in der Feudalzeit das Faustrecht benutzt haben mag. Der lange Schimmelpennig, Neffe des Scharfrichters von M\u00fcnster, begegnete ihm zu Bologna, wo sie eine Unterredung hatten, die ich an einem andern Orte mittheilen werde. Einige Zeit vorher diente er unter Frondsberg in der Eigenschaft eines Landsknechtes, und war zugegen bei der Erst\u00fcrmung von Rom, wo ihm gewi\u00df bitter zu Muthe war, als er seine alte Lieblingsstadt und die Tempel, worin er selbst verehrt worden, so wie auch die Tempel seiner Verwandten, so schm\u00e4hlich verw\u00fcsten sah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besser als dem Mars und dem Apollo war es, nach der gro\u00dfen Retirade, dem Gotte Bacchus ergangen, und die Legende erz\u00e4hlt Folgendes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Tyrol giebt es sehr gro\u00dfe Seen, die von Waldungen umgeben, deren himmelhohe B\u00e4ume sich prachtvoll in der blauen Fluth abspiegeln. Baum und Wasser rauschen so geheimni\u00dfvoll, da\u00df einem wunderlich zu Sinne wird, wenn man dort einsam wandelt. An dem Ufer eines solchen Sees stand die H\u00fctte eines jungen Fischers, der sich mit dem Fischfang ern\u00e4hrte und auch wohl das Gesch\u00e4ft eines F\u00e4hrmanns besorgte, wenn irgend ein Reisender \u00fcber den See gesetzt zu werden begehrte. Er hatte eine gro\u00dfe Barke, die an alten Baumst\u00e4mmen angebunden unfern von seiner Wohnung lag. In dieser letztern lebte er ganz allein. Einst, zur Zeit der herbstlichen Tagesgleiche, gegen Mitternacht, h\u00f6rte er an sein Fenster klopfen, und als er vor die Th\u00fcre trat, sah er drei M\u00f6nche, die ihre K\u00f6pfe in den Kutten tief vermummt hielten und sehr eilig zu sein schienen. Einer von ihnen bat ihn hastig, ihnen seinen Kahn zu leihen, und versprach, denselben in wenigen Stunden an dieselbe Stelle zur\u00fcckzubringen. Die M\u00f6nche waren ihrer drei, und der Fischer, welcher unter solchen Umst\u00e4nden nicht lange z\u00f6gern konnte, band den Kahn los, und w\u00e4hrend jene entstiegen und \u00fcber den See fortfuhren, ging er nach seiner H\u00fctte zur\u00fcck, und legte sich aufs Ohr. Jung wie er war, schlief er bald ein, aber nach einigen Stunden ward er von den zur\u00fcckkehrenden M\u00f6nchen aufgeweckt; als er zu ihnen hinaustrat, dr\u00fcckte ihm einer von ihnen ein Silberst\u00fcck als Fahrgeld in die Hand, und alle drei eilten rasch von dannen. Der Fischer ging, nach seinem Kahn zu schauen, den er fest angebunden fand. Dann sch\u00fcttelte er sich, doch nicht wegen der Nachtluft. Es war ihm n\u00e4mlich sonderbar fr\u00f6stelnd durch die Glieder gefahren und es hatte ihm fast das Herz erk\u00e4ltet, als der M\u00f6nch, der ihm das F\u00e4hrgeld gereicht, seine Hand ber\u00fchrte; die Finger des M\u00f6nches waren eiskalt. Diesen Umstand konnte der Fischer einige Tage lang gar nicht vergessen. Doch die Jugend schl\u00e4gt sich endlich alles Unheimliche aus dem Sinn, und der Fischer dachte nicht mehr an jenes Ereigni\u00df, als im folgenden Jahre, gleichfalls um die Zeit der Tagesgleiche, gegen Mitternacht, an das Fenster der Fischerh\u00fctte geklopft wurde und wieder mit gro\u00dfer Hast die drei vermummten M\u00f6nche erschienen, welche wieder den Kahn verlangten. Der Fischer \u00fcberlie\u00df ihnen denselben diesmal mit weniger Besorgni\u00df, und als sie nach einigen Stunden zur\u00fcckkehrten, und ihm einer der M\u00f6nche eilig das F\u00e4hrgeld in die Hand dr\u00fcckte, f\u00fchlte er wieder mit Schaudern die eiskalten Finger. Dasselbe Ereigni\u00df wiederholte sich jedes Jahr um dieselbe Zeit in derselben Weise, und endlich, als der siebente Jahrestag herannahte, ergriff den Fischer eine gro\u00dfe Begier, das Geheimni\u00df, das sich unter jenen drei Kutten verbarg, um jeden Preis zu erfahren. Er legte eine Menge Netzwerke in den Kahn, da\u00df dieselben ein Versteck bildeten, wo er hineinschl\u00fcpfen konnte, w\u00e4hrend die M\u00f6nche das Fahrzeug besteigen w\u00fcrden. Die erwarteten dunklen Kunden kamen wirklich um die bestimmte Zeit, und es gelang dem Fischer, sich unversehens unter die Netze zu verstecken und an der Ueberfahrt Theil zu nehmen. Zu seiner Verwunderung dauerte diese nur kurze Zeit, w\u00e4hrend er sonst mehr als eine Stunde brauchte, ehe er an\u2019s entgegengesetzte Ufer gelangen konnte, und noch gr\u00f6\u00dfer war sein Erstaunen, als er hier, wo die Gegend ihm so gut bekannt war, jetzt einen weiten offnen Waldesplatz sah, den er fr\u00fcher noch nie erblickt, und der mit B\u00e4umen umgeben war, die einer ihm ganz fremden Vegetation angeh\u00f6rten. Die B\u00e4ume waren beh\u00e4ngt mit unz\u00e4hligen Lampen, auch Vasen mit loderndem Waldharz standen auf hohen Postamenten, und dabei schien der Mond so hell, da\u00df der Fischer die dort versammelte Menschenmenge so genau betrachten konnte, wie am hellen Tage. Es waren viele hundert Personen, junge M\u00e4nner und junge Frauen, meistens bildsch\u00f6n, obgleich ihre Gesichter alle so wei\u00df wie Marmor waren, und dieser Umstand, verbunden mit der Kleidung, die in wei\u00dfen, sehr weit aufgesch\u00fcrzten Tuniken mit Purpursaum bestand, gab ihnen das Aussehn von wandelnden Statuen. Die Frauen trugen auf den H\u00e4uptern Kr\u00e4nze von nat\u00fcrlichem oder auch aus Gold- und Silberdraht verfertigtem Weinlaub, und das Haar war zum Theil auf dem Scheitel in eine Krone geflochten, zum Theil auch ringelte dasselbe aus dieser Krone wildlockig hinab in den Nacken. Die jungen M\u00e4nner trugen ebenfalls auf den H\u00e4uptern Kr\u00e4nze von Weinlaub. M\u00e4nner und Weiber aber, in den H\u00e4nden goldne St\u00e4be schwingend, die mit Weinlaub umrankt, kamen jubelnd herangeflogen, um die drei Ank\u00f6mmlinge zu begr\u00fc\u00dfen. Einer derselben warf jetzt seine Kutte von sich, und zum Vorschein kam ein impertinenter Geselle von gew\u00f6hnlichem Mannesalter, der ein widerw\u00e4rtig l\u00fcsternes, ja unz\u00fcchtiges Gesicht hatte, mit spitzen Bocksohren begabt war, und eine l\u00e4cherlich \u00fcbertriebene Geschlechtlichkeit, eine h\u00f6chst anst\u00f6\u00dfige Hyperbel, zur Schau trug. Der andre M\u00f6nch warf ebenfalls seine Kutte von sich, und man sah einen nicht minder nackten Dickwanst, auf dessen kahlen Glatzkopf die muthwilligen Weiber einen Rosenkranz pflanzten. Beider M\u00f6nche Antlitz war schneewei\u00df, wie das der \u00fcbrigen Versammlung. Schneewei\u00df war auch das Gesicht des dritten M\u00f6nchs, der schier lachend die Kapuze vom Haupte streifte. Als er den G\u00fcrtelstrick seiner Kutte losband, und das fromme schmutzige Gewand nebst Kreuz und Rosenkranz mit Ekel von sich warf, erblickte man in einer von Diamanten gl\u00e4nzenden Tunica eine wundersch\u00f6ne J\u00fcnglingsgestalt vom edelsten Ebenma\u00df, nur da\u00df die runden H\u00fcften und die schm\u00e4chtige Taille etwas Weibisches hatten. Auch die z\u00e4rtlich gew\u00f6lbten Lippen und die verschwimmend weichen Z\u00fcge verliehen dem J\u00fcngling ein etwas weibisches Aussehen; doch sein Gesicht trug gleichwohl einen gewissen k\u00fchnen, fast \u00fcberm\u00fcthig heroischen Ausdruck. Die Weiber liebkosten ihn mit wilder Begeisterung, setzten ihm einen Epheukranz auf\u2019s Haupt, und warfen auf seine Schulter ein prachtvolles Leopardenfell. In demselben Augenblick kam, bespannt mit zwei L\u00f6wen, ein goldner zweir\u00e4driger Siegeswagen herangerollt, auf den sich der junge Mensch mit Herrscherw\u00fcrde, aber doch heitern Blickes hinaufschwang. Er leitete an purpurnen Z\u00fcgeln das wilde Gespann. An der rechten Seite seines Wagens schritt der eine seiner entkutteten Gef\u00e4hrten, dessen geile Geberden und oben erw\u00e4hnte unanst\u00e4ndige Uebertriebenheit das Publicum erg\u00f6tzte, w\u00e4hrend sein Genosse, der kahlk\u00f6pfige Dickwanst, den die lustigen Frauen auf einen Esel gehoben hatten, an der linken Seite des Wagens einherritt, in der Hand einen goldnen Pocal haltend, der ihm best\u00e4ndig mit Wein gef\u00fcllt wurde. Langsam bewegte sich der Wagen, und hinter ihm wirbelte die tanzende Ausgelassenheit der weinlaubgekr\u00f6nten M\u00e4nner und Weiber. Dem Wagen voran ging die Hofcapelle des Triumphators: der h\u00fcbsche bausb\u00e4ckige Junge mit der Doppelfl\u00f6te im Maule; dann die hochgesch\u00fcrzte Tamburinschl\u00e4gerin, die mit den Kn\u00f6cheln der umgekehrten Hand auf das klirrende Fell lostrommelte; dann die eben so holdselige Sch\u00f6ne mit dem Triangel; dann die Hornisten, bocksf\u00fc\u00dfige Gesellen mit sch\u00f6nen aber lasciven Gesichtern, welche auf wunderlich geschwungenen Thierh\u00f6rnern oder Seemuscheln ihre Fanfaren bliesen; dann die Lautenspieler \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch, lieber Leser, ich vergesse, da\u00df du ein sehr gebildeter und wohlunterrichteter Leser bist, der schon lange gemerkt hat, da\u00df hier von einem Bacchanale die Rede ist, von einem Feste des Dionysus. Du hast oft genug auf alten Basreliefen oder Kupferstichen arch\u00e4ologischer Werke die Triumphz\u00fcge gesehen, die jenen Gott verherrlichen, und wahrlich bei deinem classisch gebildeten Sinn w\u00fcrdest du nimmermehr erschrecken, wenn dir einmal pl\u00f6tzlich in der mittern\u00e4chtlichen Abgeschiedenheit eines Waldes der sch\u00f6ne Spuk eines solchen Bacchuszuges nebst dem dazu geh\u00f6rigen betrunkenen Personale leiblich vor Augen tr\u00e4te \u2013 H\u00f6chstens w\u00fcrdest du einen leisen l\u00fcsternen Schauer, ein \u00e4sthetisches Gruseln empfinden beim Anblick dieser bleichen Versammlung, dieser anmuthigen Phantome, die den Sarkophagen ihrer Grabm\u00e4ler oder den Verstecken ihrer Tempelruinen entstiegen sind, um den alten fr\u00f6hlichen Gottesdienst noch einmal zu begehen, um noch einmal mit Spiel und Reigen die Siegesfahrt des g\u00f6ttlichen Befreiers, des Heilandes der Sinnenlust, zu feiern, um noch einmal den Freudentanz des Heidenthums, den Cancan der antiken Welt, zu tanzen, ganz ohne hypokritische Verh\u00fcllung, ganz ohne Dazwischenkunft der Sergents-de-ville einer spiritualistischen Moral, ganz mit dem ungebundenen Wahnsinn der alten Tage, jauchzend, tobend, jubelnd: Evoe Bacche! Aber ach! lieber Leser, der arme Fischer, von welchem wir berichten, war keineswegs wie du in der Mythologie bewandert, er hatte gar keine arch\u00e4ologischen Studien gemacht, und er war von Schrecken und Angst ergriffen bei dem Anblick jenes sch\u00f6nen Triumphators mit seinen zwei wunderlichen Acoluthen, als sie ihrer M\u00f6nchstracht entsprungen; er schauderte ob der unz\u00fcchtigen Geberden und Spr\u00fcnge der Bacchanten, der Faunen, der Satyre, die ihm durch ihre Bocksf\u00fc\u00dfe und H\u00f6rner ganz besonders diabolisch erschienen, und die gesammte Societ\u00e4t hielt er f\u00fcr einen Congre\u00df von Gespenstern und D\u00e4monen, welche durch ihre Maleficien allen Christenmenschen Verderben zu bereiten suche. Das Haar str\u00e4ubte sich auf seinem Haupte, als er die halsbrechend unm\u00f6gliche Positur einer Menade sah, die mit flatterndem Haar das Haupt zur\u00fcckwarf und sich nur durch den Thyrsus im Gleichgewicht erhielt. Ihm selber, dem armen Schiffer, ward es wirr im Hirn, als er hier Coribanten erblickte, die mit den kurzen Schwertern ihrem eigenen Leibe Wunden beibrachten, tobs\u00fcchtig die Wollust suchend in dem Schmerze selbst. Die weichen, z\u00e4rtlichen und doch zugleich grausamen T\u00f6ne der Musik, die er vernahm, drangen in sein Gem\u00fcth wie Flammen, lodernd, verzehrend, grauenhaft. Aber als der arme Mensch jenes verrufene \u00e4gyptische Symbol erblickte, das in \u00fcbertriebener Gr\u00f6\u00dfe und bekr\u00e4nzt mit Blumen von einem schamlosen Weibe auf einer hohen Stange herumgetragen wurde: da verging ihm H\u00f6ren und Sehen \u2013 und er st\u00fcrzte nach seinem Kahn zur\u00fcck und verkroch sich unter die Netze, z\u00e4hneklappernd und zitternd, als hielte ihn Satan bereits an einem Fu\u00dfe fest. Nicht lange darauf kamen die drei M\u00f6nche ebenfalls nach dem Kahne zur\u00fcck und stie\u00dfen ab. Als sie endlich am andern See-Ufer landeten und ausstiegen, wu\u00dfte der Fischer so geschickt seinem Versteck zu entschl\u00fcpfen, da\u00df die M\u00f6nche meinten, er habe hinter den Weiden ihrer geharrt, und indem ihm einer von ihnen wieder mit eiskalten Fingern den F\u00e4hrlohn in die Hand dr\u00fcckte, eilten sie stracks von hinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl seines eigenen Seelenheils wegen, das er gef\u00e4hrdet glaubte, als auch um andere Christenmenschen vor Verderben zu bewahren, hielt sich der Fischer f\u00fcr verpflichtet, das unheimliche Begebni\u00df dem geistlichen Gerichte anzuzeigen, und da der Superior eines nahegelegenen Franciscanerklosters als Vorsitzer eines solchen Gerichtes und ganz besonders als gelahrter Exorcist in gro\u00dfem Ansehen stand, beschlo\u00df er, sich unverz\u00fcglich zu ihm zu begeben. Die Fr\u00fchsonne fand daher den Fischer schon auf dem Wege nach dem Kloster, und dem\u00fcthigen Blickes stand er bald vor Seiner Hochw\u00fcrden, dem Superior, der in seiner B\u00fccherei, die Kapuze weit \u00fcber\u2019s Gesicht gezogen, in einem Lehnsessel sa\u00df, und in dieser nachdenklichen Positur sitzen blieb, w\u00e4hrend ihm der Fischer die grausenhafte Historie erz\u00e4hlte. Als derselbe mit dieser Relation zu Ende war, erhob der Superior sein Haupt, und indem die Kapuze zur\u00fcckfiel, sah der Fischer mit Best\u00fcrzung, da\u00df Seine Hochw\u00fcrden einer von den drei M\u00f6nchen war, die j\u00e4hrlich \u00fcber den See fuhren, und er erkannte in ihm eben denjenigen, den er diese Nacht als heidnischen D\u00e4mon auf dem Siegeswagen mit dem L\u00f6wengespann gesehen: es war dasselbe marmorblasse Gesicht, dieselben regelm\u00e4\u00dfig sch\u00f6nen Z\u00fcge, derselbe Mund mit den z\u00e4rtlich gew\u00f6lbten Lippen \u2013 Und um diese Lippen schwebte ein wohlwollendes L\u00e4cheln, und diesem Munde entquollen jetzt die sanftklingenden salbungsreichen Worte: Geliebter Sohn in Christo! wir glauben herzlich gern, da\u00df Ihr diese Nacht in der Gesellschaft des Gottes Bacchus zugebracht habt, und Eure phantastische Spukgeschichte giebt dessen hinl\u00e4nglich Kunde. Wir wollen bei Leibe nichts Unliebiges von diesem Gotte sagen, er ist gewi\u00df manchmal ein Sorgenbrecher und erfreut des Menschen Herz, aber er ist sehr gef\u00e4hrlich f\u00fcr diejenigen, die nicht viel vertragen k\u00f6nnen, und zu diesen scheint Ihr zu geh\u00f6ren. Wir rathen Euch daher hinf\u00fcro nur mit Ma\u00df des goldenen Rebensaftes zu genie\u00dfen, und mit den Hirngeburten der Trunkenheit die geistlichen Obrigkeiten nicht mehr zu behelligen, und auch von Eurer letzten Vision zu schweigen, ganz das Maul zu halten, widrigenfalls Euch der weltliche Arm des B\u00fcttels f\u00fcnfundzwanzig Peitschenhiebe aufz\u00e4hlen soll. Jetzt aber, geliebter Sohn in Christo, geht in die Klosterk\u00fcche, wo Euch der Bruder Kellermeister und der Bruder K\u00fcchenmeister einen Imbi\u00df vorsetzen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiermit gab der geistliche Herr dem Fischer seinen Segen, und als sich dieser verbl\u00fcfft nach der K\u00fcche trollte und den Frater K\u00fcchenmeister und den Frater Kellermeister erblickte, fiel er fast zu Boden vor Schrecken \u2013 denn diese Beiden waren die zwei n\u00e4chtlichen Gef\u00e4hrten des Superiors, die zwei M\u00f6nche, die mit demselben \u00fcber den See gefahren, und der Fischer erkannte den Dickwanst und die Glatze des Einen, ebenso wie die grinsend geilen Gesichtsz\u00fcge nebst den Bocksohren des Andern. Doch hielt er reinen Mund, und erst in sp\u00e4tern Jahren erz\u00e4hlte er die Geschichte seinen Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alte Chroniken, welche \u00e4hnliche Sagen erz\u00e4hlen, verlegen den Schauplatz nach Speyer am Rhein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der ostfriesischen K\u00fcste herrscht eine analoge Tradition, worin die altheidnischen Vorstellungen von der Ueberfahrt der Todten nach dem Schattenreiche, welche allen jenen Sagen zu Grunde liegen, am deutlichsten hervortreten. Von einem Charon, der die Barke lenkt, ist zwar nirgend darin die Rede, wie denn \u00fcberhaupt dieser alte Kauz sich nicht in der Volkssage, sondern nur im Puppenspiele erhalten hat; aber eine weit wichtigere mythologische Personnage erkennen wir in dem sogenannten Spediteur, der die Ueberfahrt der Todten besorgt, und der dem F\u00e4hrmann, welcher des Charons Amt verrichtet und ein gew\u00f6hnlicher Fischer ist, das herk\u00f6mmliche F\u00e4hrgeld auszahlt. Trotz ihrer barocken Vermummung werden wir den wahren Namen jener Person bald errathen, und ich will daher die Tradition selbst so getreu als m\u00f6glich hier mittheilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ostfriesland, an der K\u00fcste der Nordsee, giebt es Buchten, die gleichsam kleine Hafen bilden und Siehle hei\u00dfen. An den \u00e4u\u00dfersten Vorspr\u00fcngen derselben steht das einsame Haus irgend eines Fischers, der hier mit seiner Familie ruhig und gen\u00fcgsam lebt. Die Natur ist dort traurig, kein Vogel pfeift, au\u00dfer den Seem\u00f6ven, welche manchmal mit einem fatalen Gekreische aus den Sandnestern der D\u00fcnen hervorfliegen und Sturm verk\u00fcnden. Das monotone Gepl\u00e4tscher der brandenden See pa\u00dft sehr gut zu den d\u00fcstern Wolkenz\u00fcgen. Auch die Menschen singen hier nicht, und an dieser melancholischen K\u00fcste h\u00f6rt man nie die Strophe eines Volksliedes. Die Menschen hier zu Lande sind ernst, ehrlich, mehr vern\u00fcnftig als religi\u00f6s, und stolz auf den k\u00fchnen Sinn und auf die Freiheit ihrer Altvordern. Solche Leute sind nicht phantastisch aufregbar, und gr\u00fcbeln nicht viel. Die Hauptsache f\u00fcr den Fischer, der auf seinem einsamen Siehl wohnt, ist der Fischfang, und dann und wann das F\u00e4hrgeld der Reisenden, die nach einer der umliegenden Inseln der Nordsee \u00fcbergesetzt sein wollen. Zu einer bestimmten Zeit des Jahres, hei\u00dft es, just um die Mittagsstunde, wo eben der Fischer mit seiner Familie, das Mittagsmahl verzehrend, zu Tische sitzt, tritt ein Reisender in die gro\u00dfe Wohnstube, und bittet den Hausherrn, ihm einige Augenblicke zu verg\u00f6nnen, um ein Gesch\u00e4ft mit ihm zu besprechen. Der Fischer, nachdem er den Gast vergeblich gebeten, vorher an der Mahlzeit Theil zu nehmen, erf\u00fcllt am Ende dessen Begehr, und Beide treten bei Seite an ein Erkertischchen. Ich will das Aussehen des Fremden nicht lange beschreiben in m\u00fc\u00dfiger Novellistenweise; bei der Aufgabe, die ich mir gestellt, gen\u00fcgt ein genaues Signalement. Ich bemerke also Folgendes: Der Fremde ist ein schon bejahrtes, aber doch wohlconservirtes M\u00e4nnchen, ein jugendlicher Greis, geh\u00e4big aber nicht fett, die W\u00e4nglein roth wie Borstorfer Aepfel, die Aeuglein lustig nach allen Seiten blinzelnd, und auf dem gepuderten K\u00f6pfchen sitzt ein dreieckiges H\u00fctlein. Unter einer hellgelben Houppelande mit unz\u00e4hligen Kr\u00e4gelchen tr\u00e4gt der Mann die altmodische Kleidung, die wir auf Portraiten holl\u00e4ndischer Kaufleute finden, und welche eine gewisse Wohlhabenheit verr\u00e4th: ein seidenes papageigr\u00fcnes R\u00f6ckchen, blumengestickte Weste, kurze schwarze H\u00f6schen, gestreifte Str\u00fcmpfe und Schnallenschuhe; letztere sind so blank, da\u00df man nicht begreift, wie Jemand durch den Schlamm der Siehlwege zu Fu\u00dfe so unbeschmutzt hergelangen konnte. Seine Stimme ist asthmatisch, feindr\u00e4thig und manchmal ins Greinende \u00fcberschlagend, doch der Vortrag und die Haltung des M\u00e4nnleins ist gravit\u00e4tisch gemessen, wie es einem holl\u00e4ndischen Kaufmann ziemt. Diese Gravit\u00e4t scheint jedoch mehr erk\u00fcnstelt als nat\u00fcrlich zu sein, und sie contrastirt manchmal mit dem forschsamen Hin- und Herlugen der Aeuglein, so wie auch mit der schlecht unterdr\u00fcckten flatterhaften Beweglichkeit der Beine und Arme. Da\u00df der Fremde ein holl\u00e4ndischer Kaufmann ist, bezeugt nicht blos seine Kleidung, sondern auch die merkantilische Genauigkeit und Umsicht, womit er das Gesch\u00e4ft so vortheilhaft als m\u00f6glich f\u00fcr seinen Committenten abzuschlie\u00dfen wei\u00df. Er ist n\u00e4mlich, wie er sagt, Spediteur und hat von einem seiner Handelsfreunde den Auftrag erhalten, eine bestimmte Anzahl Seelen, so viel in einer gew\u00f6hnlichen Barke Raum f\u00e4nden, von der ostfriesischen K\u00fcste nach der wei\u00dfen Insel zu f\u00f6rdern; zu diesem Behufe nun, f\u00e4hrt er fort, m\u00f6chte er wissen, ob der Schiffer diese Nacht die erw\u00e4hnte Ladung mit seiner Barke nach der erw\u00e4hnten Insel \u00fcbersetzen wolle, und f\u00fcr diesen Fall sei er erb\u00f6tig, ihm das F\u00e4hrgeld gleich vorauszuzahlen, zuversichtlich hoffend, da\u00df er aus christlicher Bescheidenheit seine Forderung recht billig stellen werde. Der holl\u00e4ndische Kaufmann (dieses ist eigentlich ein Pleonasmus, da jeder Holl\u00e4nder Kaufmann ist) macht diesen Antrag mit der gr\u00f6\u00dften Unbefangenheit, als handle es sich von einer Ladung K\u00e4se, und nicht von Seelen der Verstorbenen. Der Fischer stutzt einigerma\u00dfen bei dem Wort Seelen, und es rieselt ihm ein Bischen kalt \u00fcber den R\u00fccken, da er gleich merkt, da\u00df von den Seelen der Verstorbenen die Rede, und da\u00df er den gespenstischen Holl\u00e4nder vor sich habe, der so manchen seiner Collegen die Ueberfahrt der verstorbenen Seelen anvertraute und gut daf\u00fcr bezahlte. Wie ich jedoch oben bemerkt, diese ostfriesischen K\u00fcstenbewohner sind muthig und gesund und n\u00fcchtern, und es fehlt ihnen jene Kr\u00e4nklichkeit und Einbildungskraft, welche uns f\u00fcr das Gespenstische und Uebersinnliche empf\u00e4nglich macht; unsres Fischers geheimes Grauen dauert daher nur einen Augenblick; seine unheimliche Empfindung unterdr\u00fcckend, gewinnt er bald seine Fassung, und mit dem Anschein des gr\u00f6\u00dften Gleichmuths ist er nur darauf bedacht, das F\u00e4hrgeld so hoch als m\u00f6glich zu steigern. Doch nach einigem Feilschen und Dingen verst\u00e4ndigen sich beide Contrahenten \u00fcber den Fahrlohn, sie geben einander den Handschlag zur Bekr\u00e4ftigung der Uebereinkunft, und der Holl\u00e4nder, welcher einen schmutzigen ledernen Beutel hervorzieht, angef\u00fcllt mit lauter ganz kleinen Silberpfennigen, den kleinsten, die je in Holland geschlagen worden, zahlt die ganze Summe des Fahrgelds in dieser putzigen M\u00fcnzsorte. Indem er dem Fischer noch die Instruction giebt, gegen Mitternacht, zur Zeit wo der Mond aus den Wolken hervortreten w\u00fcrde, sich an einer bestimmten Stelle der K\u00fcste mit seiner Barke einzufinden, um die Ladung in Empfang zu nehmen, verabschiedet er sich bei der ganzen Familie, welche vergebens ihre Einladung zum Mitspeisen wiederholte, und die eben noch so gravit\u00e4tische Figur trippelt mit leichtf\u00fc\u00dfigen Schritten von dannen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die bestimmte Zeit befindet sich der Schiffer an dem bestimmten Orte mit seiner Barke, die anfangs von den Wellen hin und her geschaukelt wird; aber nachdem der Vollmond sich gezeigt, bemerkt der Schiffer, da\u00df sein Fahrzeug sich minder leicht bewegt und immer tiefer in die Fluth einsinkt, so da\u00df am Ende das Wasser nur noch eine Hand breit vom Rand entfernt bleibt. Dieser Umstand belehrt ihn, da\u00df seine Passagiere, die Seelen, jetzt an Bord sein m\u00fcssen, und er st\u00f6\u00dft ab mit seiner Ladung. Er mag noch so sehr seine Augen anstrengen, doch bemerkt er im Kahne nichts als einige Nebelstreifen, die sich hin und her bewegen, aber keine bestimmte Gestalt annehmen und in einander verquirlen. Er mag auch noch so sehr horchen, so h\u00f6rt er doch nichts als ein uns\u00e4glich leises Zirpen und Knistern. Nur dann und wann schie\u00dft schrillend eine M\u00f6ve \u00fcber sein Haupt, oder es taucht neben ihm aus der Fluth ein Fisch hervor, der ihn bl\u00f6de anglotzt. Es g\u00e4hnt die Nacht, und frostiger weht die Seeluft. Ueberall nur Wasser, Mondschein und Stille; und schweigsam, wie seine Umgebung, ist der Schiffer, der endlich an der wei\u00dfen Insel anlangt und mit seinem Kahne stillh\u00e4lt. Auf dem Strande sieht er niemand, aber er h\u00f6rt eine schrille, asthmatisch keuchende und greinend Stimme, worin er die des Holl\u00e4nders erkennt; derselbe scheint ein Verzeichni\u00df von lauter Eigennamen abzulesen, in einer gewissen verificirenden, monotonen Weise; unter diesen Namen sind dem Fischer manche bekannt und geh\u00f6ren Personen, die in demselben Jahr verstorben. W\u00e4hrend dem Ablesen dieses Namenverzeichnisses wird der Kahn immer leichter, und lag er eben noch so schwer im Sande des Ufers, so hebt er sich jetzt pl\u00f6tzlich leicht empor, sobald die Ablesung zu Ende ist; und der Schiffer, welcher daran merkt, da\u00df seine Ladung richtig in Empfang genommen ist, f\u00e4hrt wieder ruhig zur\u00fcck zu Weib und Kind, nach seinem lieben Hause am Siehl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So geht es jedesmal mit dem Ueberschiffen der Seelen nach der wei\u00dfen Insel. Als einen besondern Umstand bemerkte einst der Schiffer, da\u00df der unsichtbare Controleur im Ablesen des Namenverzeichnisses pl\u00f6tzlich inne hielt und ausrief: \u201eWo ist aber Pitter Jansen? Das ist nicht Pitter Jansen.\u201c Worauf ein feines, wimmerndes Stimmchen antwortete: \u201eIk bin Pitter Jansen\u2019s Mieke, un h\u00e4b mi op mines Manns Noame inscreberen laten.\u201c (Ich bin Pitter Jansen\u2019s Mieke, und habe mich auf meines Mannes Namen einschreiben lassen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich oben vermessen, trotz der pfiffigen Vermummung die wichtige mythologische Person zu errathen, die in obiger Tradition zum Vorschein kommt. Dieses ist keine geringere als der Gott Mercurius, der ehemalige Seelenf\u00fchrer, Hermes Psychopompos. Ja, unter jener sch\u00e4bigen Houppelande und in jener n\u00fcchternen Kr\u00e4mergestalt verbirgt sich der brillanteste jugendliche Heidengott, der kluge Sohn der Maja. Auf jenem dreieckigen H\u00fctchen steckt auch nicht der geringste Federwisch, der an die Fittige der g\u00f6ttlichen Kopfbedeckung erinnern k\u00f6nnte, und die plumpen Schuhe mit den st\u00e4hlernen Schnallen mahnen nicht im Mindesten an befl\u00fcgelte Sandalen; dieses holl\u00e4ndisch schwerf\u00e4llige Blei ist so ganz verschieden von dem beweglichen Quecksilber, dem der Gott sogar seinen Namen verliehen: aber eben der Contrast verr\u00e4th die Absicht, und der Gott w\u00e4hlte diese Maske, um sich desto sicherer verstellt zu halten. Vielleicht aber w\u00e4hlte er sie keineswegs aus willk\u00fcrlicher Laune: Mercur war, wie Ihr wi\u00dft, zu gleicher Zeit der Gott der Diebe und der Kaufleute, und es lag nahe, da\u00df er bei der Wahl einer Maske, die ihn verbergen, und eines Gewerbes, das ihn ern\u00e4hren k\u00f6nnte, auf seine Antecedentien und Talente R\u00fccksicht nahm. Letztere waren erprobt: er war der erfindungsreichste der Olympier, er hatte die Schildkr\u00f6tenlyra und das Sonnengas erfunden, er bestahl Menschen und G\u00f6tter, und schon als Kind war er ein kleiner Calmonius, der seiner Wiege entschl\u00fcpfte, um ein Paar Rinder zu stibitzen. Er hatte zu w\u00e4hlen zwischen den zwei Industrien, die im Wesentlichen nicht sehr verschieden, da bei beiden die Aufgabe gestellt ist, das fremde Eigenthum so wohlfeil als m\u00f6glich zu erlangen: aber der pfiffige Gott bedachte, da\u00df der Diebesstand in der \u00f6ffentlichen Meinung keine so hohe Achtung genie\u00dft, wie der Handelsstand, da\u00df jener von der Polizei verp\u00f6nt, w\u00e4hrend dieser von den Gesetzen sogar privilegirt ist, da\u00df die Kaufleute jetzt auf der Leiter der Ehre die h\u00f6chste Staffel erklimmen, w\u00e4hrend die vom Diebesstand manchmal eine minder angenehme Leiter besteigen m\u00fcssen, da\u00df sie Freiheit und Leben auf\u2019s Spiel setzen, w\u00e4hrend der Kaufmann nur seine Capitalien oder nur die seiner Freunde einb\u00fc\u00dfen kann, und der pfiffigste der G\u00f6tter ward Kaufmann, und um es vollst\u00e4ndig zu sein, ward er sogar Holl\u00e4nder. Seine lange Praxis als ehemaliger Psychopompos, als Schattenf\u00fchrer, machte ihn besonders geeignet f\u00fcr die Spedition der Seelen, deren Transport nach der wei\u00dfen Insel, wie wir sahen, durch ihn betrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wei\u00dfe Insel wird zuweilen auch Brea oder Britinia genannt. Denkt man vielleicht an das wei\u00dfe Albion, an die Kalkfelsen der englischen K\u00fcste? Es w\u00e4re eine humoristische Idee, wenn man England als ein Todtenland, als das plutonische Reich, als die H\u00f6lle bezeichnen wollte. England mag in der That manchem Fremden in solcher Gestalt erscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Versuche \u00fcber die Faust-Legende habe ich den Volksglauben in Bezug auf das Reich des Pluto und diesen selbst hinl\u00e4nglich besprochen. Ich habe dort gezeigt, wie das alte Schattenreich eine ausgebildete H\u00f6lle und der alte finstre Beherrscher desselben ganz diabolisirt wurde. Aber nur durch den Kanzeleistil der Kirche klingen die Dinge so grell; trotz dem christlichen Anathema blieb die Position des Pluto wesentlich dieselbe. Er, der Gott der Unterwelt, und sein Bruder Neptunus, der Gott des Meeres, diese Beiden sind nicht emigrirt wie andre G\u00f6tter, und auch nach dem Siege des Christenthums blieben sie in ihren Domainen, in ihrem Elemente. Mochte man hier oben auf Erden das Tollste von ihm fabeln, der alte Pluto sa\u00df unten warm bei seiner Proserpina. Weit weniger Verunglimpfung, als sein Bruder Pluto, hatte Neptunus zu erdulden, und weder Glockengel\u00e4ute noch Orgelkl\u00e4nge konnten sein Ohr verletzen da unten in seinem Ocean, wo er ruhig sa\u00df bei seiner wei\u00dfbusigen Frau Amphitrite und seinem feuchten Hofstaat von Nereiden und Tritonen. Nur zuweilen, wenn irgend ein junger Seemann zum erstenmale die Linie passirte, tauchte er empor aus seiner Fluth, in der Hand den Dreizack schwingend, das Haupt mit Schilf bekr\u00e4nzt, und der silberne Wellenbart herabwallend bis zum Nabel. Er ertheilte alsdann dem Neophiten die schreckliche Seewassertaufe, und hielt dabei eine lange, salbungsreiche Rede, voll von derben Seemannswitzen, die er nebst der gelben Lauge des gekauten Tabaks mehr ausspuckte als sprach, zum Erg\u00f6tzen seiner betheerten Zuh\u00f6rer. Ein Freund, welcher mir ausf\u00fchrlich beschrieb, wie ein solches Wasser-Mysterium von den Seeleuten auf den Schiffen tragirt wird, versicherte da\u00df eben jene Matrosen, welche am tollsten \u00fcber die drollige Fastnachtsfratze des Neptuns lachten, dennoch keinen Augenblick an der Existenz eines solchen Meergottes zweifelten und manchmal in gro\u00dfen Gefahren zu ihm beteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neptunus blieb also der Beherrscher des Wasserreichs, wie Pluto trotz seiner Diabolisirung der F\u00fcrst der Unterwelt blieb. Ihnen ging es besser als ihrem Bruder Jupiter, dem dritten Sohn des Saturn, welcher nach dem Sturz seines Vaters die Herrschaft des Himmels erlangt hatte, und sorglos als K\u00f6nig der Welt im Olymp mit seinem gl\u00e4nzenden Tro\u00df von lachenden G\u00f6ttern, G\u00f6ttinnen und Ehrennymphen sein ambrosisches Freudenregiment f\u00fchrte. Als die unselige Katastrophe hereinbrach, als das Regiment des Kreuzes, des Leidens, proclamirt ward, emigrirte auch der gro\u00dfe Kronide, und er verschwand im Tumulte der V\u00f6lkerwanderung. Seine Spur ging verloren, und ich habe vergebens alte Chroniken und alte Weiber befragt, niemand wu\u00dfte mir Auskunft zu geben \u00fcber sein Schicksal. Ich habe in derselben Absicht viele Bibliotheken durchst\u00f6bert, wo ich mir die prachtvollsten Codices, geschm\u00fcckt mit Gold und Edelsteinen, wahre Odalisken im Harem der Wissenschaft, zeigen lie\u00df, und ich sage den gelehrten Eunuchen f\u00fcr die Unbrummigkeit und sogar Affabilit\u00e4t, womit sie mir jene leuchtenden Sch\u00e4tze erschlossen, hier \u00f6ffentlich den l\u00f6blichen Dank. Es scheint als h\u00e4tten sich keine volksth\u00fcmlichen Traditionen \u00fcber einen mittelalterlichen Jupiter erhalten, und alles was ich aufgegabelt, besteht in einer Geschichte, welche mir einst mein Freund Niels Andersen erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe soeben Niels Andersen genannt, und die liebe drollige Figur steigt wieder lebendig in meiner Erinnerung herauf. Ich will ihm hier einige Zeilen widmen. Ich gebe gern meine Quellen an, und ich er\u00f6rtere ihre Eigenschaften, damit der geneigte Leser selbst beurtheile, in wie weit sie sein Vertrauen verdienen. Also einige Worte \u00fcber meine Quelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niels Andersen, geboren zu Drontheim in Norwegen, war einer der gr\u00f6\u00dften Wallfischj\u00e4ger, die ich kennen lernte. Ich bin ihm sehr verpflichtet. Ihm verdanke ich alle meine Kenntnisse in Bezug auf den Wallfischfang. Er machte mich bekannt mit allen Finten, die das kluge Thier anwendet, um dem J\u00e4ger zu entrinnen; er vertraute mir die Kriegslisten, womit man seine Finten vereitelt. Er lehrte mich die Handgriffe beim Schwingen der Harpune, zeigte mir wie man mit dem Knie des rechten Beines sich gegen den Vorderrand des Kahnes stemmen mu\u00df, wenn man die Harpune nach dem Wallfisch wirft, und wie man mit dem linken Bein einen gesalzenen Fu\u00dftritt dem Matrosen versetzt, der das Seil, das an der Harpune befestigt ist, nicht schnell genug nachschie\u00dfen lie\u00df. Ihm verdanke ich Alles, und wenn ich kein gro\u00dfer Wallfischj\u00e4ger geworden, so liegt die Schuld weder an Niels Andersen noch an mir, sondern an meinem b\u00f6sen Schicksal, das mir nicht verg\u00f6nnte, auf meinen Lebensfahrten irgend einen Wallfisch anzutreffen, mit welchem ich einen w\u00fcrdigen Kampf bestehen konnte. Ich begegnete nur gew\u00f6hnlichen Stockfischen und lausigen H\u00e4ringen. Was hilft die beste Harpune gegen einen H\u00e4ring? Jetzt mu\u00df ich allen Jagdhoffnungen entsagen, meiner gesteiften Beine wegen. Als ich Niels Andersen zu Ritzeb\u00fcttel bei Cuxhaven kennen lernte, war er ebenfalls nicht mehr gut auf den F\u00fc\u00dfen, da am Senegal ein junger Haifisch, der vielleicht sein rechtes Bein f\u00fcr ein Zuckerst\u00e4ngelchen ansah, ihm dasselbe abbi\u00df, und der arme Niels seitdem auf einem Stelzfu\u00df herum humpeln mu\u00dfte. Sein gr\u00f6\u00dftes Vergn\u00fcgen war damals, auf einer hohen Tonne zu sitzen, und auf dem Bauche derselben mit seinem h\u00f6lzernen Beine zu trommeln. Ich half ihm oft die Tonne erklettern, aber ich wollte ihm manchmal nicht wieder hinunterhelfen, ehe er mir eine seiner wunderlichen Fischersagen erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Muhamet Eben Mansur seine Lieder immer mit einem Lob des Pferdes anfing, so begann Niels Andersen alle seine Geschichten mit einer Apologie des Wallfisches. Auch die Legende, die wir ihm hier nacherz\u00e4hlen, ermangelt nicht einer solchen Lobspende. Der Wallfisch, sagte Niels Andersen, sei nicht blos das gr\u00f6\u00dfte, sondern auch das sch\u00f6nste Thier. Aus den zwei Nasl\u00f6chern auf seinem Kopfe spr\u00e4ngen zwei colossale Wasserstrahlen, die ihm das Ansehen eines wunderbaren Springbrunnens g\u00e4ben, und gar besonders des Nachts im Mondschein einen magischen Effect hervorbr\u00e4chten. Dabei sei er gutm\u00fcthig, friedliebig, und habe viel Sinn f\u00fcr stilles Familienleben. Es gew\u00e4hre einen r\u00fchrenden Anblick, wenn Vater Wallfisch mit den Seinen auf einer ungeheuern Eisscholle sich hingelagert, und Jung und Alt sich um ihn her in Liebesspielen und harmlosen Neckereien \u00fcberb\u00f6ten. Manchmal springen sie alle auf einmal ins Wasser, um zwischen den gro\u00dfen Eisbl\u00f6cken Blindekuh zu spielen. Die Sittenreinheit und die Keuschheit der Wallfische wird weit mehr gef\u00f6rdert durch das Eiswasser, worin sie best\u00e4ndig mit den Flossen herumschw\u00e4nzeln, als durch moralische Principien. Es sei auch leider nicht zu l\u00e4ugnen, da\u00df sie keinen religi\u00f6sen Sinn haben, da\u00df sie ganz ohne Religion sind \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, das ist ein Irrthum \u2013 unterbrach ich meinen Freund \u2013 ich habe j\u00fcngst den Bericht eines holl\u00e4ndischen Missionairs gelesen, worin dieser die Herrlichkeit der Sch\u00f6pfung beschreibt, die sich in den hohen Polargegenden offenbare, wenn des Morgens die Sonne aufgegangen, und das Tageslicht die abenteuerlichen, riesenhaften Eismassen bestrahlt. Diese, sagte er, welche alsdann an diamantne M\u00e4rchenschl\u00f6sser erinnern, geben von Gottes Allmacht ein so imposantes Zeugni\u00df, da\u00df nicht blos der Mensch, sondern sogar die rohe Fischcreatur, von solchem Anblick ergriffen, den Sch\u00f6pfer anbete \u2013 mit seinen eigenen Augen, versichert der Domine, habe er mehre Wallfische gesehen, die an einer Eiswand gelehnt, dort aufrecht standen und sich mit dem Obertheil auf und nieder bewegten, wie Betende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niels Andersen sch\u00fcttelte sonderbar den Kopf; er l\u00e4ugnete nicht, da\u00df er selber zuweilen gesehen, wie die Wallfische, an einer Eiswand stehend, solche Bewegungen machten, nicht un\u00e4hnlich denjenigen, die wir in den Betstuben mancher Glaubenssecten bemerken; aber er wollte solches keineswegs irgend einer religi\u00f6sen Andacht zuschreiben. Er erkl\u00e4rte die Sache physiologisch: er bemerkte da\u00df der Wallfisch, der Chimborasso der Thiere, unter seiner Haut eine so ungeheuer tiefe Schichte von Fett besitze, da\u00df oft ein einziger Wallfisch hundert bis hundertundfunfzig F\u00e4sser Talg und Thran gebe. Jene Fettschichte sei so dick, da\u00df sich viele hundert Wasserratten darin einnisten k\u00f6nnen, w\u00e4hrend das gro\u00dfe Thier auf einer Eisscholle schliefe, und diese G\u00e4ste, unendlich gr\u00f6\u00dfer und bissiger als unsre Landratten, f\u00fchren dann ein fr\u00f6hliches Leben unter der Haut des Wallfisches, wo sie Tag und Nacht das beste Fett verschmausen k\u00f6nnen, ohne das Nest zu verlassen. Diese Schmausereien m\u00f6gen wohl am Ende dem unfreiwilligen Wirthe etwas \u00fcberl\u00e4stig, ja unendlich schmerzhaft werden; da er nun keine H\u00e4nde hat, wie der Mensch, der sich gottlob kratzen kann, wenn es ihn juckt, so sucht er die innere Qual dadurch zu lindern, da\u00df er sich an die scharfen Kanten einer Eiswand stellt und daran den R\u00fccken durch Auf- und Niederbewegungen recht inbr\u00fcnstiglich reibt, ganz wie bei uns die Hunde sich an einer Bettstelle zu scheuern pflegen, wenn sie mit zu viel Fl\u00f6hen behaftet sind. Diese Bewegungen hat nun der ehrliche Domine f\u00fcr die eines Beters gehalten und sie der religi\u00f6sen Andacht zugeschrieben, w\u00e4hrend sie doch nur durch die Ratten-Orgien hervorgebracht wurden. Der Wallfisch, so viel Thran er auch enth\u00e4lt, schlo\u00df Niels Andersen, ist doch ohne den mindesten religi\u00f6sen Sinn. Er ehrt weder die Heiligen noch die Propheten, und sogar den kleinen Propheten Jonas, den solch ein Wallfisch einmal aus Versehen verschluckte, konnte er nimmermehr verdauen, und nach dreien Tagen spuckte er ihn wieder aus. Das vortreffliche Ungeheuer hat leider keine Religion, und so ein Wallfisch verehrt unsern wahren Herrgott, der droben im Himmel wohnt, eben so wenig wie den falschen Heidengott, der fern am Nordpol auf der Kaninchen-Insel sitzt, wo er denselben zuweilen besucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist das f\u00fcr ein Ort, die Kaninchen-Insel? fragte ich unsern Niels Andersen. Dieser aber trommelte mit seinem Holzbein auf der Tonne und erwiederte: Das ist eben die Insel, wo die Geschichte passirt, die ich zu erz\u00e4hlen habe. Die eigentliche Lage der Insel kann ich nicht genau angeben. Niemand konnte, seit sie entdeckt worden, wieder zu ihr gelangen; solches verhinderten die ungeheuern Eisberge, die sich um die Insel th\u00fcrmen und vielleicht nur selten eine Ann\u00e4herung erlauben. Nur die Schiffsleute eines russischen Wallfischj\u00e4gers, welche einst die Nordst\u00fcrme so hoch hinauf verschlugen, betraten den Boden der Insel, und seitdem sind schon hundert Jahre verflossen. Als jene Schiffsleute mit einem Kahn dort landeten, fanden sie die Insel ganz w\u00fcst und \u00f6de. Traurig bewegten sich die Halme des Ginsters \u00fcber dem Flugsand; nur hie und da standen einige Zwergtannen, oder es kr\u00fcppelte am Boden das unfruchtbarste Buschwerk. Eine Menge Kaninchen sahen sie umherspringen, weshalb sie dem Orte den Namen Kaninchen-Insel ertheilten. Nur eine einzige \u00e4rmliche H\u00fctte gab Kunde, da\u00df ein menschliches Wesen dort wohnte. Als die Schiffer hineintraten, erblickten sie einen uralten Greis, der k\u00fcmmerlich bekleidet mit zusammengeflickten Kaninchenfellen, auf einem Steinstuhl vor dem Herde sa\u00df, und an dem flackernden Reisig seine magern H\u00e4nde und schlotternden Kniee w\u00e4rmte. Neben ihm zur Rechten stand ein ungeheuer gro\u00dfer Vogel, der ein Adler zu sein schien, den aber die Zeit so unwirsch gemausert hatte, da\u00df er nur noch die langen struppigen Federkiele seiner Fl\u00fcgel behalten, was dem nackten Thiere ein h\u00f6chst n\u00e4rrisches und zugleich grausenhaft h\u00e4\u00dfliches Aussehen verlieh. Zur linken Seite des Alten kauerte am Boden eine au\u00dferordentlich gro\u00dfe haarlose Ziege, die sehr alt zu sein schien, obgleich noch volle Milcheutern mit rosig frischen Zitzen an ihrem Bauche hingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den russischen Seeleuten, welche auf der Kaninchen-Insel landeten, befanden sich mehrere Griechen, und einer derselben glaubte, nicht von dem Hausherrn der H\u00fctte verstanden zu werden, als er in griechischer Sprache zu einem Cameraden sagte: Dieser alte Kauz ist entweder ein Gespenst oder ein b\u00f6ser D\u00e4mon. Aber bei diesen Worten erhub sich der Alte pl\u00f6tzlich von seinem Steinsitz, und mit gro\u00dfer Verwunderung sahen die Schiffer eine hohe stattliche Gestalt, die sich trotz dem hohen Alter mit gebietender, schier k\u00f6niglicher W\u00fcrde aufrecht hielt und beinahe die Balken des Gesimses mit dem Haupte ber\u00fchrte: auch die Z\u00fcge desselben, obgleich verw\u00fcstet und verwittert, zeugten von urspr\u00fcnglicher Sch\u00f6nheit, sie waren edel und streng gemessen, sehr sp\u00e4rlich fielen einige Silberhaare auf die von Stolz und Alter gefurchte Stirn, die Augen blickten bleich und stier, aber doch stechend, und dem hoch aufgesch\u00fcrzten Munde entquollen in alterth\u00fcmlich griechischem Dialect die wohllautenden und klangvollen Worte: \u201eIhr irrt Euch, junger Mensch, ich bin weder ein Gespenst noch ein b\u00f6ser D\u00e4mon; ich bin ein Ungl\u00fccklicher, welcher einst bessere Tage gesehen. Wer aber seid Ihr?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schiffer erz\u00e4hlten nun dem Manne das Mi\u00dfgeschick ihrer Fahrt, und verlangten Auskunft \u00fcber alles was die Insel betr\u00e4fe. Die Mittheilungen fielen aber sehr d\u00fcrftig aus. Seit undenklicher Zeit, sagte der Alte, bewohne er die Insel, deren Bollwerke von Eis ihm gegen seine unerbittlichen Feinde eine sichere Zuflucht gew\u00e4hrten. Er lebe haupts\u00e4chlich vom Kaninchenfange, und alle Jahr, wenn die treibenden Eismassen sich gesetzt, k\u00e4men auf Schlitten einige Haufen Wilde, denen er seine Kaninchenfelle verkaufe, und die ihm als Zahlung allerlei Gegenst\u00e4nde des unmittelbarsten Bed\u00fcrfnisses \u00fcberlie\u00dfen. Die Wallfische, welche manchmal an die Insel heranschw\u00e4mmen, seien seine liebste Gesellschaft. Dennoch mache es ihm Vergn\u00fcgen, jetzt wieder seine Muttersprache zu reden, denn er sei ein Grieche; er bat auch seine Landsleute, ihm einige Nachrichten \u00fcber die jetzigen Zust\u00e4nde Griechenlands zu ertheilen. Da\u00df von den Zinnen der Th\u00fcrme der griechischen St\u00e4dte das Kreuz abgebrochen worden, verursachte dem Alten augenscheinlich eine boshafte Freude; doch war es ihm nicht ganz recht, als er h\u00f6rte, da\u00df an seiner Stelle der Halbmond jetzt aufgepflanzt steht. <span id=\"Seite_261\" class=\"PageNumber\"><\/span>Sonderbar war es, da\u00df keiner der Schiffer die Namen der St\u00e4dte kannte, nach welchen der Alte sich erkundigte, und die nach seiner Versicherung zu seiner Zeit bl\u00fchend gewesen; in gleicher Weise waren ihm die Namen fremd, die den heutigen St\u00e4dten und D\u00f6rfern Griechenlands von den Seeleuten ertheilt wurden. Der Greis sch\u00fcttelte deshalb oft wehm\u00fcthig das Haupt, und die Schiffer sahen sich verwundert an. Sie merkten, da\u00df er alle Oertlichkeiten Griechenlands ganz genau kannte, und in der That er wu\u00dfte die Buchten, die Erdzungen, die Vorspr\u00fcnge der Berge, oft sogar den geringsten H\u00fcgel und die kleinsten Felsengruppen, so bestimmt und anschaulich zu beschreiben, da\u00df seine Unkenntni\u00df der gew\u00f6hnlichsten Ortsnamen die Schiffer in das gr\u00f6\u00dfte Erstaunen setzte. So befrug er sie mit besonderm Interesse, ja mit einer gewissen Aengstlichkeit, nach einem alten Tempel, der, wie er versicherte, zu seiner Zeit der sch\u00f6nste in ganz Griechenland gewesen sei. Doch keiner der Zuh\u00f6rer kannte den Namen, den er mit Z\u00e4rtlichkeit aussprach, bis endlich, nachdem der Alte die Lage des Tempels wieder ganz genau geschildert hatte, ein junger Matrose nach der Beschreibung den Ort erkannte, wovon die Rede war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dorf, wo er geboren, sagte der junge Mensch, sei eben an jenem Orte gelegen, und als Knabe habe er auf dem beschriebenen Platze lange Zeit die Schweine seines Vaters geh\u00fctet. Auf jener Stelle, sagte er, f\u00e4nden sich wirklich die Tr\u00fcmmer uralter Bauwerke, welche von untergegangener Pracht zeugten; nur hie und da st\u00e4nden noch aufrecht einige gro\u00dfe Marmors\u00e4ulen, entweder einzeln oder oben verbunden durch die Quadern eines Giebels, aus dessen Br\u00fcchen bl\u00fchende Ranken von Gei\u00dfblatt und rothen Glockenblumen, wie Haarflechten, herabfielen. Andre S\u00e4ulen, darunter manche von rosigem Marmor, l\u00e4gen gebrochen auf dem Boden, und das Gras wuchere \u00fcber die kostbaren Kn\u00e4ufe, die aus sch\u00f6n gemeiseltem Bl\u00e4tter- und Blumenwerk best\u00e4nden. Auch gro\u00dfe Marmorplatten, viereckige Wand- oder dreieckige Dachst\u00fccke steckten dort halbversunken in der Erde, \u00fcberragt von einem ungeheuer gro\u00dfen wilden Feigenbaum, der aus dem Schutte hervorgewachsen. Unter dem Schatten dieses Baumes, fuhr der Bursche fort, habe er oft ganze Stunden zugebracht, um die sonderbaren Figuren zu betrachten, die auf den gro\u00dfen Steinen in runder Bildhauerarbeit conterfeit waren, und allerlei Spiele und K\u00e4mpfe vorstellten, gar lieblich und lustig anzusehen, aber leider auch vielfach zerst\u00f6rt von der Witterung oder \u00fcberwachsen von Moos und Epheu. Sein Vater, den er um die geheimni\u00dfvolle Bedeutung jener S\u00e4ulen und Bildwerke befragte, sagte ihm einst, da\u00df dieses die Tr\u00fcmmer eines alten Tempels w\u00e4ren, worin ehemals ein verruchter Heidengott gehaust, der nicht blos die nackteste Liederlichkeit, sondern auch unnat\u00fcrliche Laster und Blutschande getrieben; die blinden Heiden h\u00e4tten aber dennoch, ihm zu Ehren, vor seinem Altar manchmal hundert Ochsen auf einmal geschlachtet; der ausgeh\u00f6hlte Marmorblock, worin das Blut der Opfer geflossen, sei dort noch vorhanden, und es sei eben jener Steintrog, den er, sein Sohn, zuweilen dazu benutze, mit dem darin gesammelten Regenwasser seine Schweine zu tr\u00e4nken, oder darin allerlei Abfall f\u00fcr ihre Azung aufzubewahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sprach der junge Mensch. Aber der Greis stie\u00df jetzt einen Seufzer aus, der den ungeheuersten Schmerz verrieth; gebrochen sank er nieder auf seinen Steinstuhl, bedeckte sein Gesicht mit beiden H\u00e4nden und weinte wie ein Kind. Der gro\u00dfe Vogel kreischte entsetzlich, spreizte weit aus seine ungeheuern Fl\u00fcgel, und bedrohte die Fremden mit Krallen und Schnabel. Die alte Ziege jedoch leckte ihres Herrn H\u00e4nde, und meckerte traurig und wie bes\u00e4nftigend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unheimliches Mi\u00dfbehagen ergriff die Schiffer bei diesem Anblick, sie verlie\u00dfen schleunig die H\u00fctte, und waren froh, als sie das Geschluchze des Greises, das Gekreisch des Vogels und das Ziegengemecker nicht mehr vernahmen. Zur\u00fcckgekehrt an Bord des Schiffes, erz\u00e4hlten sie dort ihr Abenteuer. Aber unter der Schiffsmannschaft befand sich ein russischer Gelehrter, Professor bei der philosophischen Facult\u00e4t der Universit\u00e4t zu Kasan, und dieser erkl\u00e4rte die Begebenheit f\u00fcr h\u00f6chst wichtig; den Zeigefinger pfiffig an die Nase legend, versicherte er den Schiffern: Der Greis auf der Kaninchen-Insel sei unstreitig der alte Gott Jupiter, Sohn des Saturn und der Rhea, der ehemalige K\u00f6nig der G\u00f6tter. Der Vogel an seiner Seite sei augenscheinlich der Adler, der einst die f\u00fcrchterlichen Blitze in seinen Krallen trug. Und die alte Ziege k\u00f6nne, aller Wahrscheinlichkeit nach, keine andre Person sein, als die Althea, die alte Amme, die den Gott bereits auf Creta s\u00e4ugte und jetzt im Exil wieder mit ihrer Milch ern\u00e4hre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erz\u00e4hlte Niels Andersen, und ich gestehe, diese Mittheilung erf\u00fcllte meine Seele mit Wehmuth. Schon die Aufschl\u00fcsse \u00fcber das geheime Leid der Wallfische erregte mein Mitgef\u00fchl. Arme gro\u00dfe Bestie! Gegen das schn\u00f6de Rattengesindel, das sich bei dir eingenistet, und unaufh\u00f6rlich an dir nagt, giebt es keine H\u00fclfe, und du mu\u00dft es lebenslang mit dir schleppen; und rennst du auch verzweiflungsvoll vom Nordpol zum S\u00fcdpol und reibst dich an seinen Eiskanten \u2013 es hilft dir nichts, du wirst sie nicht los, die schn\u00f6den Ratten, und dabei fehlt dir der Trost der Religion! An jeder Gr\u00f6\u00dfe auf dieser Erde nagen die heimlichen Ratten, und die G\u00f6tter selbst m\u00fcssen am Ende schm\u00e4hlich zu Grunde gehen. So will es das eiserne Gesetz des Fatums, und selbst der H\u00f6chste der Unsterblichen mu\u00df demselben schmachvoll sein Haupt beugen. Er, den Homer besungen und Phidias abconterfeit in Gold und Elfenbein; er, der nur mit den Augen zu zwinkern brauchte, um den Erdkreis zu ersch\u00fcttern; er, der Liebhaber von Leda, Alkmene, Semele, Danae, Kalisto, Io, Leto, Europa etc. \u2013 er mu\u00df am Ende am Nordpol sich hinter Eisbergen verstecken, und um sein elendes Leben zu fristen mit Kaninchenfellen handeln wie ein sch\u00e4biger Savoyarde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich zweifle nicht, da\u00df es Leute giebt, die sich schadenfroh an solchem Schauspiel laben. Diese Leute sind vielleicht die Nachkommen jener ungl\u00fccklichen Ochsen, die als Hekatomben auf den Alt\u00e4ren Jupiters geschlachtet wurden \u2013 Freut Euch, gereicht ist das Blut Eurer Vorfahren, jener armen Schlachtopfer des Aberglaubens! Uns aber, die wir von keinem Erbgroll befangen sind, uns ersch\u00fcttert der Anblick gefallener Gr\u00f6\u00dfe, und wir widmen ihr unser fr\u00f6mmigstes Mitleid. Diese Empfindsamkeit verhinderte uns vielleicht, unsrer Erz\u00e4hlung jenen kalten Ernst zu verleihen, der eine Zierde des Geschichtschreibers ist; nur einigerma\u00dfen vermochten wir uns jener Gravit\u00e4t zu beflei\u00dfen, die man nur in Frankreich erlangen kann. Bescheidentlich empfehlen wir uns der Nachsicht des Lesers, f\u00fcr welchen wir immer die h\u00f6chste Ehrfurcht bezeugten, und somit schlie\u00dfen wir hier die erste Abtheilung unserer Geschichte der G\u00f6tter im Exil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Heinrich_Heine_1837-scaled-e1610465735884.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-75865 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/Heinrich_Heine_1837-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" \/><\/a><b>Die G\u00f6tter im Exil<\/b> ist ein 1853 erschienenes Erz\u00e4hlwerk Heinrich Heines. Das Thema kreist darum, was wohl aus den alten abgesetzten heidnischen Gottheiten wurde \u2013 den \u201eG\u00f6ttern im Exil\u201c. Der Text l\u00e4sst sich keinem Genre eindeutig zuordnen und wechselt zwischen pers\u00f6nlicher Betrachtung und reiner Erfindung. Es gibt Anteile von Essay, Anekdote, Sage und L\u00fcgengeschichte. Er erscheint relativ selten in Anthologien und geh\u00f6rt zu den unbekannteren Werken Heines.<\/p>\n<p><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Schon in meinen fr\u00fchesten Schriften besprach ich die Idee, welcher die nachfolgenden Mittheilungen entsprossen. Ich rede n\u00e4mlich hier wieder von der Umwandlung in D\u00e4monen, welche die griechisch-r\u00f6mischen Gottheiten erlitten haben, als das Christenthum zur Oberherrschaft in der Welt gelangte.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/17\/die-goetter-im-exil\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":94,"featured_media":97877,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[853],"class_list":["post-89657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-heinrich-heine"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/94"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89657"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97878,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89657\/revisions\/97878"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97877"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}