{"id":89641,"date":"2005-12-07T00:01:51","date_gmt":"2005-12-06T23:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89641"},"modified":"2021-07-26T11:49:05","modified_gmt":"2021-07-26T09:49:05","slug":"ich-schreibe-wie-rastlose-hoffnungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/12\/07\/ich-schreibe-wie-rastlose-hoffnungen\/","title":{"rendered":"\u201eIch schreibe wie rastlose hoffnungen\u00a0&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: right;\" align=\"justify\"><span style=\"color: #999999;\">\u201e&#8230;Ich schreibe wie das fr\u00fche \/ fr\u00fchjahr das das gemeinsame \/ alphabet der anemonen \/ der buche des veilchens und \/ des sauerklees schreibt \/\/ &#8230;ich schreibe wie ein vom tode gezeichneter \/ herbst schreibt \/ wie rastlose hoffnungen \/ wie lichtst\u00fcrme quer \/ durch nebelhafte erinnerung \/ ich schreibe wie der winter \/ schreibe wie der schnee \/ und das eis und die k\u00e4lte&#8230;\u201c<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p>Inger Christensen las 2005 im K\u00fcnstler\u00adbahnhof Rolandseck bei Bonn aus ihren Lyrik\u00adb\u00e4nden, als h\u00e4tte sie psalmo\u00addiert und in Worten getanzt. Man h\u00f6rte fast, wie Buch\u00adstaben und Worte atmeten und sich harmo\u00adnisch artikulierten oder sich brachen und gegen\u00adseitig ertrugen. Diese leise, skandi\u00adnavische Euphonie erschwerte zwar manchmal die Text\u00adverst\u00e4nd\u00adlichkeit und Verin\u00adnerli\u00adchung poetischer Gehalte, anderer\u00adseits entstand dadurch in nur einer Stunde ein ein\u00adpr\u00e4g\u00adsames, un\u00adretu\u00adschiertes Selbst\u00adportr\u00e4t der 70-j\u00e4hrigen, mehrfach preisgekr\u00f6nten Autorin.<\/p>\n<p>Die Sprache, wie die Mathematik, sei eine Welt f\u00fcr sich, meinte in seiner Einf\u00fchrung Michael Buselmeier, der Inger Christensen aus der Zeit kannte, als sie Stipendiatin des K\u00fcnstlerhauses Edenkoben war und einige ihrer \u00fcbersetzten Gedichte in der von Gregor Laschen 1988 initiierten Reihe \u201ePoesie der Nachbarn\u201c erschienen. In dieser Welt der Sprache ortete die her\u00advor\u00adragende Lyrikerin ihr Wunder- und Naturland, wo der paradiesische Einklang mit allem wieder herstellbar sei und wo sie Lust h\u00e4tte, mit sich zu spielen.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df es noch nicht, was ich lesen m\u00f6chte\u201c, fl\u00fcsterte die alte Dame ins Mikrophon, w\u00e4hrend ihre Hand schon nach dem \u201ealphabet\u201c-Langgedicht griff; dieses Buch, bestehend aus 14 Abschnitten, brachte ihr den Ruhm in Deutschland. Die Alphabete gibt es, las sie, es gebe auch den Regen der Alphabeten und das Gehirn im Innern der Sterne. Die Sprachtexte w\u00fcrden nach ihrer Auffassung und ihrem metaphorischen Denken den Texten unserer K\u00f6rper entsprechen. Sie fand zuf\u00e4llig zu jener mathematischen Ordnung der Fibonacci-Zahlen, die f\u00fcr sie \u201eals Gesetz der Sch\u00f6pfung, des stummen universalen Gedichts\u201c sich offenbarte. Die Strophen dieses bekanntesten Werkes von Christensen \u201ezu A, zu B bis zu Z\u00a0\u2013 gebaut nach jeder Reihe \u2013 schwellten von Buchstabe zu Buchstabe gewaltig an, bleiben als Gedicht jedoch notwendigerweise Fragment\u201c. Nach \u201ealphabet\u201c schlug sie das kleinere Buch \u201eDas Schmetterlingstal\u201c auf, 1988 im Suhrkamp Verlag (und 1995 im Kleinheinrich Buch- und Kunstverlag) erschienen. In melancholische Stimmung versetzt, las Christensen alle vierzehn Sonette des klassischen Kranzes dieses \u201eMeisterwerks europ\u00e4ischer Poesie\u201c und das abschlie\u00dfende Meistersonett.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Weiterhin empfohlen<b> Auf silikonweichen Pfoten<\/b>. <i>Wundprotokolle<\/i>, Pop Verlag, Ludwigsburg 2005.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=9355&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten-150x150.jpg 150w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"266\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e&#8230;Ich schreibe wie das fr\u00fche \/ fr\u00fchjahr das das gemeinsame \/ alphabet der anemonen \/ der buche des veilchens und \/ des sauerklees schreibt \/\/ &#8230;ich schreibe wie ein vom tode gezeichneter \/ herbst schreibt \/ wie rastlose hoffnungen \/&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/12\/07\/ich-schreibe-wie-rastlose-hoffnungen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":13743,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[93,953],"class_list":["post-89641","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-francisca-ricinski","tag-inger-christensen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89641"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89641\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}