{"id":89491,"date":"2019-12-27T00:01:28","date_gmt":"2019-12-26T23:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=89491"},"modified":"2021-07-30T06:55:13","modified_gmt":"2021-07-30T04:55:13","slug":"eine-einzigartige-stimme-in-der-deutschsprachigen-gegenwartslyrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/27\/eine-einzigartige-stimme-in-der-deutschsprachigen-gegenwartslyrik\/","title":{"rendered":"Eine einzigartige Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartslyrik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Rezensent die ersten Verse Sigune Schnabels als ausw\u00e4hlender Lyrikredakteur der Asphaltspuren las, wusste er bereits, dass diese Autorin jemand ganz Besonderer war. F\u00fcr ihn war es ausgemacht, dass man und frau von ihr noch mehr h\u00f6ren und lesen w\u00fcrde. So ist es dann auch gekommen. Im Interview mit der Autorin, zu dem wir begleitend auch den 3. Lyrikband besprechen werden, der uns seitens ihres Verlags vorliegt, werden wir auch darauf n\u00e4her zu sprechen kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es handelt sich um das Werk \u201eBaumhaustage\u201c, das das, was Sigune Schnabels Poesie ausmacht, fast exemplarisch enth\u00e4lt. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine unverwechselbare Sprache, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine fein austarierte Komposition von Bildern und Metaphern, die das Thema ausleuchtet<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">eine \u00fcberraschende Schlusssequenz, die das Nachsinnen nochmals befeuert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fcher war der Charakter ihrer Werke psalmodischer und emphatischer. Diese Ankl\u00e4nge sind nicht verschwunden, sie sind nur ged\u00e4mpfter und abgekl\u00e4rter. Manchmal sp\u00fcrt man die durch Lebensalter allen Poeten zuwachsende Lakonie in der Formulierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schneelandschaft<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Im Schnee f\u00e4llt unsere Liebe leiser.<br \/>\nDie Worte bleiben an den Versen h\u00e4ngen<br \/>\nund haften an den Abs\u00e4tzen der Schuhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Noch immer schweigt<br \/>\nder Tag Schnee ins Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses auf S. 93 abgedruckte Poem zeigt das Konzept der Gedichte exemplarisch nach. Man beachte, dass das klanggleiche \u201eFersen\u201c in S1V2 mitschwingt. Es gibt sozusagen den Kontrapunkt dazu und zieht die Verbindung zu den Schuhabs\u00e4tzen, die S1V2 angesprochen. Wichtig zu beachten, dass auch das Wort Absatz mehrere Bedeutungsebenen ins sich tr\u00e4gt (Absatz im Text, Absatz am Schuh, sich absetzen aus einer Gefahrenlage oder hier vielleicht einer Beziehung). Ja, der Schnee \u201eschweigt\u201c, eigentlich verschweigt er, was er bedeckt und d\u00e4mpft den Schall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So g\u00e4be es eine Vielzahl weiterer herausragender Textkleinode in diesem Band zu finden, der aus zwei Gr\u00fcnden besonders heraussticht. Zum einen ist es die Zahl \u00fcberdurchschnittlicher und erw\u00e4hnenswerter Gedichte. In dieser Dichte sind sie in einem Gedichtband selten zu finden. Und der Rezensent hat viele davon gelesen und besprochen, sehr viele. Zum anderen ist es die liebevolle grafische Aufbereitung als Kapiteltrenner, die die \u00dcberschriften sorgsam mit einem weiteren Denkraum versehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Rezensenten ist es ein R\u00e4tsel, dass noch kein Gedicht Sigune Schnabels Eingang in die Frankfurter Anthologie gefunden hat und dass sich die Gro\u00dfverlage und das offizi\u00f6se Literaturfeuilleton ihrer noch nicht angenommen haben. Verdient h\u00e4tte sie es allemal, endlich als das erkennt zu werden, was sie tats\u00e4chlich ist: eine der bedeutendsten lebenden weiblichen Poetinnen deutscher Sprache. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Spuren vergessener Zweige, <\/strong>Gedichte von Sigune Schnabel, Bilder von Simon L\u00e8be,\u00a0Geest-Verlag, Vechta 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-89493\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1.jpg\" alt=\"\" width=\"825\" height=\"510\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1.jpg 825w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1-300x185.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1-768x475.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1-560x346.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1-260x161.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Schnabel-Spuren-vergessener-Zweige-Deckel-825x510-1-160x99.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 825px) 100vw, 825px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192 Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Als der Rezensent die ersten Verse Sigune Schnabels als ausw\u00e4hlender Lyrikredakteur der Asphaltspuren las, wusste er bereits, dass diese Autorin jemand ganz Besonderer war. F\u00fcr ihn war es ausgemacht, dass man und frau von ihr noch mehr h\u00f6ren und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/27\/eine-einzigartige-stimme-in-der-deutschsprachigen-gegenwartslyrik\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":164,"featured_media":89493,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1881,1972],"class_list":["post-89491","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-sigune-schnabel","tag-walther-stonet"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/164"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89491"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89491\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}