{"id":88944,"date":"2022-09-08T00:01:44","date_gmt":"2022-09-07T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88944"},"modified":"2022-02-24T16:00:10","modified_gmt":"2022-02-24T15:00:10","slug":"deutsche-erzaehler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/09\/08\/deutsche-erzaehler\/","title":{"rendered":"Deutsche Erz\u00e4hler"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe diese Erz\u00e4hlungen nur um der besonderen Sch\u00f6nheit willen zusammengetragen, mit der sie mein Herz in fr\u00fcherem oder sp\u00e4terem Alter ber\u00fchrt haben und mir unverge\u00dflich geworden sind, so da\u00df ich, um sie aneinanderzureihen, keines Hilfsmittels bedurfte als meines Ged\u00e4chtnisses. Alles, was ich sp\u00e4ter sagen werde, bin ich erst allm\u00e4hlich an ihnen gewahr geworden. Sie schienen mir stets die sch\u00f6nsten unter allen deutschen Erz\u00e4hlungen, die ich kannte, und indem ich sie mir schon fr\u00fcher wenigstens in Gedanken oder im Wunsch zu einer Kette zusammenf\u00fcgte, so folgte ich einem Drange, der jedem Menschen innewohnt und in den Kindern und den Menschen des alten reinen Zeitalters deutlich hervortritt: da\u00df wir von dem Harmonischen ergriffen werden, ihm uns einzuordnen oder zu dienen, das Reiche noch reicher zu machen oder, wie die Schrift es ausdr\u00fcckt, dem der hat noch dazu zu geben. So r\u00e4umen die Kinder Erde und Sand hinweg, damit eine Wasserader in die andere \u00fcberlaufen k\u00f6nne und das Klare zum Klaren komme, so ehrten die Perserk\u00f6nige einen sch\u00f6nen alten Baum mit goldenem Geh\u00e4nge, noch heute schenkt der reisende Monarch f\u00fcr einen sch\u00f6nen Garten eine Statue oder schm\u00fcckt einen sch\u00f6nen H\u00fcgel mit einer Kapelle, der einsame Wanderer erh\u00f6ht die Sch\u00f6nheit einer schweigenden Bergwiese mit einem Gebet oder einem erhobenen Gedanken, und ich kannte einen Mann, der weiter keinen Grundbesitz hatte, aber einen verlassenen kleinen Friedhof kaufte und so das verbriefte Recht erwarb, die Ruhe dieser umgest\u00fcrzten Grabkreuze, auf denen wechselweise der Schnee lag oder Schmetterlinge sa\u00dfen, und die sch\u00f6nen \u00fcber den Weg wuchernden Blumen zu bewachen und gleichsam etwas von seiner Seele dem stummen Weben dieses Friedensortes zuzugie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Worin die besondere Sch\u00f6nheit lag, durch welche mein Gem\u00fct ergriffen werden mu\u00dfte, gerade diese zu seinen Lieblingen zu machen und sie in eine Reihe zu bringen, die aus so verschiedenen Seelen dreier aufeinanderfolgenden Geschlechter hervorgewachsen sind, das kann erst allm\u00e4hlich der Betrachtung klar werden. Alle, deren Erz\u00e4hlungen hier vereinigt liegen, sind von einer reinen, sch\u00f6pferischen Liebe zum Darstellen irgendeiner Seite des Daseins getrieben worden; irgend etwas in der Welt, irgendein Zusammenhang zwischen dem Menschenwesen und der Welt, hatte sich in ihnen besonders offenbart. So macht sich in allen diesen Hervorbringungen eine h\u00f6here Eigenart geltend, nicht die d\u00fcrftige des Verstandes oder der Fertigkeit, sondern eine tiefe, unk\u00e4ufliche des Gem\u00fcts, und da sie etwas wahrnehmen und sagen mu\u00dften, was nur ihnen so lebendig und besonders war, so war auch ihre Sprache von innen heraus gereinigt und gesondert. Zugleich aber geschah es, da\u00df das deutsche Gesamtwesen, das nur durch viele einzelne sich offenbaren kann, in jedem von diesen Erz\u00e4hlern eine Seite mit besonderer Kraft heraustrieb: in <i>Goethe<\/i> ein gro\u00dfes, frommes Anschauen des menschlichen Daseins, so wie man von einem hohen Berge herab die Welt unter sich liegen sieht, da\u00df man glauben w\u00fcrde, es g\u00e4be in ihr nichts Niedriges, noch Widriges \u2013 in <i>Jean Paul,<\/i> diesem gerade entgegengesetzt, das \u00e4u\u00dferst zart verh\u00e4kelte Kleine, Widerstreitende und scheinbar Niedrige, Nichtige des Lebens, gleichsam der zarte Dunst, der um jedes Lebende herum ist, und von der zartesten, pers\u00f6nlichsten W\u00e4rme durchstrahlt. In <i>Eichendorff<\/i> wieder das Begl\u00e4nzte, Traum\u00fcberhangene, das Schweifende, mit Lust Unm\u00fcndige im deutschen Wesen, worin etwas Bezauberndes ist, das aber ein Ma\u00df in sich haben mu\u00df, sonst wird es leer und absto\u00dfend. In <i>Brentano<\/i> und <i>Hauff<\/i> das reine, unzerst\u00f6rte Volkswesen, mit seinen geistigen und Seelenm\u00e4chten, bis zum Aberglauben, seinen Begriffen von Recht und Ehrbarkeit, in denen es festgebunden ist \u2013 oder soll ich sagen war? \u2013 denn die neuere Zeit hat dies alles aufgelockert, und nur da und dort h\u00e4lt das uralt Gegr\u00fcndete ihr noch stand. In <i>Tieck<\/i> und <i>Hoffmann<\/i> das Geheimnisvolle der Seele, der innere Abgrund, Einsamkeit und Hin\u00fcberlangen nach einer anderen Welt. Dann das einsame Kind <i>Hebbel,<\/i> der zerr\u00fcttete J\u00fcngling <i>Lenz<\/i> im \u00f6den Bergtal, der <i>Hagestolz<\/i> abgesperrt von den Menschen auf seiner Insel, der <i>arme Spielmann<\/i> einsam mitten unter den Menschen mit seiner Musik, lauter Arme -Reiche, und was f\u00fcr deutsche Figuren in ihrer Armut und ihrem Reichtum. In <i>Gotthelf<\/i> dann, aus einer Landschaft hervorgesponnen, ein einfaches Leben, ein einfaches Gl\u00fcck, in der <i>Droste<\/i> ein unheimliches Geschick und auch aus dem Weben der Landschaft hervorgesponnen: h\u00e4lt man diese beiden nebeneinander, so f\u00fchlt man, wie gro\u00df Deutschland ist. Es ist, als h\u00f6re man, zu Bremen auf der Weser fahrend, in den Salzhauch der Nordsee das L\u00e4uten von K\u00fchen herein, die in Tirol von der Alpe gehen: aber innerlich ist es ein noch weiteres Land. <i>Arnim<\/i> und <i>Kleist<\/i> sind wahre Novellisten, das Gro\u00dfe und Einmalige, Nichtwiederkehrende der Begebenheit ist ihr Gegenstand. Es ist seltsam und bedeutungsvoll, da\u00df sie beide ihre Begebenheit in fremdes romanisches Land verlegen; aber wie der Verlauf der Erz\u00e4hlung das Herz der Hauptfiguren blo\u00dflegt, ob einer duldenden Frau, oder eines heldenm\u00fctigen J\u00fcnglings, so sind es deutsche Herzen, die den Figuren in die Brust gelegt sind. Im \u00bbGeisterseher\u00ab sind gro\u00dfe Verh\u00e4ltnisse dargestellt, weit angelegte Staatsintrigen, vielerlei Menschen in ein gro\u00dfes Geschick verkn\u00fcpft, daf\u00fcr hatte <i>Schiller<\/i> ein Auge, damit steht er fast allein unter den Deutschen, diese Seite ist sonst ihre St\u00e4rke nicht; in ihrem gr\u00f6\u00dften Dichter blitzt freilich da und dort auch das Politische auf, als gediegenes Metall, mitten unter dem sonstigen Weltwesen: so das Gespr\u00e4ch der Regentin mit dem Machiavell in Egmont. In <i>Sealsfield<\/i> ist etwas vorgebildet und nichts Geringes: der deutsche Amerikaner. Die Seele ist deutsch, aber durch eine fremde gro\u00dfe Schule durchgegangen. Er reiht sich an die andern, und ist doch besonders. Haben sie ihn dr\u00fcben vergessen, so ist es traurig, hier durfte er nicht fehlen, er erz\u00e4hlt in einer Weise, da\u00df keiner ihn vergi\u00dft, der ihm einmal zugeh\u00f6rt hat. Einen sehe ich immer vor mir, von dem doch hier nichts gebracht wird: <i>Immermann.<\/i> Die kleineren Erz\u00e4hlungen sind unter den schw\u00e4chern seiner Arbeiten; die Romane sind gro\u00df angelegt und von einem seltenen Reichtum des Geistes, Kraft, Zartheit, eindringendem Weltverstand, \u00dcbersicht, Lauterkeit; er suchte einen \u00dcbergang herzustellen: die Anf\u00e4nge dessen, was unserer damals beginnenden Zeit den Stempel aufdr\u00fcckte, des Fabrikwesens, des alles \u00fcberwuchernden Geldwesens, stellte er hin und zeigte das deutsche Seelenhafte im Kampf damit. Dem einen gro\u00dfen Roman ist die westf\u00e4lische Dorfschulzengeschichte eingeflochten, diese herauszurei\u00dfen erschien mir frevelhaft; manche habens getan, doch wer es nachtut, bezeigt, da\u00df ihm keine Ehrfurcht innewohnt, und wo w\u00e4re Ehrfurcht am Platz, wenn nicht gegen eine hoheitsvolle, reine Seele wie Immermann? So wollte ich auch den <i>Chamisso<\/i> nicht gerne missen, der nicht als ein Deutscher geboren ist, aber sich mit sch\u00f6nen Werken eingekauft hat in die deutsche Dichterschaft. Sein \u00bbSchlemihl\u00ab ist freilich wundervoll angefangen, die Erfindung ist von hohem Rang, doch f\u00e4llt die Erz\u00e4hlung ab, wird tr\u00fcb und matt. W\u00e4re es auch \u00e4u\u00dferlich ein Bruchst\u00fcck, wie es innerlich gebrochen ist, ich h\u00e4tte eher gewagt, es den anderen anzureihen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">So sind es die <i>\u00e4lteren<\/i> deutschen Erz\u00e4hler, die ich hier gesammelt habe, und unsere Zeit will doch nur von sich selber wissen und treibt eine Abg\u00f6tterei mit dem wesenlosen Begriff des Gegenw\u00e4rtigen. Im einzelnen Menschen gibt es nichts schlechthin Gegenw\u00e4rtiges, Entwicklung ist alles, eins wirkt sich ins andere, spreche ich mit einem neunzigj\u00e4hrigen Freund, den ich habe, befrage ich ihn nach einer Zeit seines Lebens, den Vierziger- oder Sechzigerjahren des verflossenen Jahrhunderts, so werde ich gewahr, wie f\u00fcr ihn eins ins andere eingeht, der hingeschwundene Zeitraum im n\u00e4chsten weiterlebt und alles ein und dasselbe Wesen bleibt: so f\u00fcr den einzelnen, so f\u00fcr das ganze Volk. Die Gegenwart ist breit, die Vergangenheit tief; die Breite verwirrt, die Tiefe ergetzt, warum sollten wir immer nur in die Breite gehen? Von einem treuen Freund, einer lieblichen Freundin will ich die Kindheit erforschen, h\u00f6ren, was sie waren, bevor ich sie fand und kannte, \u2013 nicht nach tausend gleichg\u00fcltigen Menschen fragen, denen sie am heutigen Tage begegnet sind.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In diesen Erz\u00e4hlungen ist ein Deutschland, das nicht mehr ganz da ist: der Wald steht nicht mehr so uralt und dicht, auf der Landstra\u00dfe ist ein anderes und geringeres Leben, in den D\u00f6rfern sind es nicht blo\u00df die D\u00e4cher, die sich ver\u00e4ndert haben; es ist alles da und nichts da, es ist dieselbe Heimat und doch eine andere. So ists auch mit dem, was sich nicht mit Augen sehen und nicht mit H\u00e4nden greifen l\u00e4\u00dft. Lebensformen, geistige Formen unseres geheimnisvollen, undeutlich erkennbaren Volks sind hier kristallisiert, eine \u00e4ltere deutsche Atmosph\u00e4re umf\u00e4ngt uns, nehmen wir sie in uns ein, so wird die herrschende Atmosph\u00e4re aufgehoben oder wenigstens gereinigt. Der Menschen waren weit weniger im Lande und doch die Verh\u00e4ltnisse zwischen ihnen dichter; sch\u00e4rfer hoben sich die St\u00e4nde voneinander ab und waren doch enger verbunden als heute. Sprichw\u00f6rter, volksm\u00e4\u00dfige Redensarten kommen den Figuren viel in den Mund, alter Brauch und alter Glaube haftet an den Menschen, an den H\u00e4usern und Ger\u00e4ten, zuweilen ist es Aberglaube, aber alles aus einem redlichen, ungebrochenen Gem\u00fct. Unsere Atmosph\u00e4re dagegen ist dick voller Vorurteile, die aber nicht ehrliche Vorurteile sind wie die der Alten und vergeblich der Aufhebung durch die Kr\u00e4fte des Gem\u00fcts harren; alles bedarf der Kl\u00e4rung, \u00fcberall ist Zwiespalt, Zerspaltenheit, innerer Vorbehalt, die Nerven\u00fcbel sind die letzten Ausl\u00e4ufer. Der tiefsinnige Lichtenberg schrieb sich aus seinem Addison ein Wort heraus: The whole man must move together \u2013 der ganze Mensch mu\u00df sich <i>auf eins<\/i> regen \u2013, er sagte: das m\u00fcsse sich jeder Deutsche auf den Fingernagel schreiben, das war vor hundertundf\u00fcnfzig Jahren, aber heute gilt es mehr als je.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">In diesen Geschichten ist ein unme\u00dfbarer Reichtum geistiger und gem\u00fctlicher Beziehungen darin gegeben, wie die Figuren zueinander stehen; die Liebe ist \u00fcberall drinnen, aber nicht allein die des Mannes zum Weib, des J\u00fcnglings zur Jungfrau, sondern auch des Freundes zum Freund, des Kindes zu den Eltern, des Menschen zu Gott, auch des Einsamen zu einer Blume, zu einer Pflanze, zu einem Tier, zu seiner Geige, zur Landschaft; es ist eine verteilte Liebe, das ist die deutsche Liebe. Nirgends in diesen vielen Geschichten ist es die wilde, ausschlie\u00dfende Besessenheit vom Mann zum Weib, nie das v\u00f6llig dunkle, erdgebundene Trachten, das in den Geschichten der Romanen so m\u00e4chtig und unheimlich hervortritt. W\u00fcrde man franz\u00f6sische Erz\u00e4hler zusammenstellen, so erg\u00e4be sich, da\u00df es innerlich ein \u00e4lteres Volk ist, alles ist scharf begrenzt, diesseitig, hier in den deutschen Erz\u00e4hlern ist \u00fcber alles Wirkliche hinaus ein best\u00e4ndiges Einatmen des Jenseitigen, Verborgenen. Das Wunderhafte der M\u00e4rchen ist nirgends ganz abgestreift, es ist, als w\u00e4ren best\u00e4ndig unter den Kohlen und der Herdasche Edelsteine versteckt. Ein junges Gem\u00fct des Volkes offenbart sich, ein ahnungsvolles, und ein namenloser Zug dorthin, wo alle W\u00f6lkchen unter der Hand des Sch\u00f6pfers sich l\u00f6sen. Auch wo der Tod gemalt wird, wie beim Sterben des Schulmeisterlein Wuz, bleibt ein inniges, sanftes Gef\u00fchl zur\u00fcck, kein beklommenes. Das sch\u00f6ne Annerl und der brave Kasperl sterben freilich j\u00e4h, aber es ist ein Glanz um ihren Tod, der den Tod selber besiegt. So wird in der<i> Novelle<\/i> der L\u00f6we glorreich besiegt, in <i>Mozart<\/i> die Schwere des Lebens, im <i>Invaliden<\/i> der Teufel und der Wahnsinn, in <i>Barthli<\/i> die Finsternis und H\u00e4rte der Armut, im <i>Hagestolz<\/i> der Menschenha\u00df. F\u00fcr das kalte Herz wird <i>dem Kohlenmunkpeter<\/i> sein warmes f\u00fchlendes wieder in die Brust gelegt, im Kind <i>Hebbel<\/i>w\u00e4chst eine starke, funkelnde Seele aus dem Dunkel ans Licht empor, ja auch im <i>armen Spielmann<\/i> liegt Aufl\u00f6sung und Verkl\u00e4rung. Des ungl\u00fccklichen <i>Lenz<\/i> Geschichte bricht finster ab, aber hinter diesem Finsteren d\u00e4mmert ein H\u00f6heres, und seine Seele, f\u00fchlen wir, streift nur die Verzweiflung, verf\u00e4llt ihr nicht. So sind alle diese Geschichten wie Gesichter, aus denen kein kalter, gottfremder Blick uns trifft. Es sind liebevolle Gesichter, die zu unserer gro\u00dfen Freundschaft geh\u00f6ren: mit diesem Wort nennt das Volk ja die Verwandtschaft, wie sie sich zu feierlicher Gelegenheit, Geburt und Tod, in einem Hause zusammenfindet. In den reifsten, bedeutendsten Gesichtern tritt der Familienzug am sch\u00e4rfsten heraus, und \u00fcberfliegt man diese bedeutenden Deutschen, so sieht man, da\u00df Verwandte einander gegen\u00fcbersitzen. So kommen sie den heutigen Deutschen zur Weihnacht ins Haus, ein liebevoller Zug von M\u00e4nnern, eine Frau auch darunter im wei\u00dfen Kleid mit tiefen dunklen Augen: die Zeiten sind ernst und beklommen f\u00fcr die Deutschen, vielleicht stehen dunkle Jahre vor der T\u00fcr. Vor hundert Jahren waren auch die Jahre dunkel, und doch waren die Deutschen innerlich nie so reich wie im ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, und vielleicht sind f\u00fcr dies geheimnisvolle Volk die Jahre der Heimsuchung gesegnete Jahre.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Unser Volk hat ein schlaffes Ged\u00e4chtnis und eine tr\u00e4umende Seele, trotz allem; was es besitzt, verliert es immer wieder, aber es ruft sich nachts zur\u00fcck, was es am Tage verloren hat. Den Reichtum, der ihm eignet, z\u00e4hlt es nicht und ist f\u00e4hig, seiner Krong\u00fcter zu vergessen, aber zuzeiten sehnt es sich nach sich selber, und niemals ist es reiner und st\u00e4rker als in solchen Zeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"biblio\"><span id=\"biblio-title\"><strong>Deutsche Erz\u00e4hler<\/strong>. Hg. Hugo von Hofmannsthal. <span id=\"biblio-publisher\">Insel-Verlag,\u00a0<\/span><\/span><span id=\"biblio-publisher\">Leipzig,\u00a0<\/span><span id=\"biblio-pubdate\">1921<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18516\" style=\"width: 194px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Nicola_Perscheid_-_Hugo_von_Hofmannsthal_1910-184x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-18516\" class=\"size-full wp-image-18516\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Nicola_Perscheid_-_Hugo_von_Hofmannsthal_1910-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-18516\" class=\"wp-caption-text\">Hugo von Hofmannsthal 1910 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alter von achtundzwanzig Jahren verschafft sich Hofmannsthal mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/05\/19\/13384\/\"><i>Brief des Lord Chandos<\/i><\/a> ein Ventil, seinem Zweifel an der Sprache Raum zu verschaffen. Der Sprache traut er jedenfalls nicht l\u00e4nger zu, den Zusammenhang von Ich und Welt herstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Hugo von Hofmannsthal \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/02\/01\/ueber-gedichte\/\">Gedichte<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich habe diese Erz\u00e4hlungen nur um der besonderen Sch\u00f6nheit willen zusammengetragen, mit der sie mein Herz in fr\u00fcherem oder sp\u00e4terem Alter ber\u00fchrt haben und mir unverge\u00dflich geworden sind, so da\u00df ich, um sie aneinanderzureihen, keines Hilfsmittels bedurfte als meines&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/09\/08\/deutsche-erzaehler\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":80,"featured_media":98219,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1094],"class_list":["post-88944","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hugo-von-hofmannsthal"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/80"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88944"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88944\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100244,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88944\/revisions\/100244"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98219"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}