{"id":88681,"date":"2022-05-20T00:01:56","date_gmt":"2022-05-19T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88681"},"modified":"2022-02-24T11:38:44","modified_gmt":"2022-02-24T10:38:44","slug":"der-hauptbahnhof-von-sofia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/05\/20\/der-hauptbahnhof-von-sofia\/","title":{"rendered":"Der Hauptbahnhof von Sofia"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Becken, in dem der alte Teil Sofias lag, mit den hei\u00dfen artesischen Quellen im Zentrum, war umschlossen von zwei Bachl\u00e4ufen, h\u00e4sslich in Stein und Beton eingemauert, \u00fcber die Br\u00fccken f\u00fchrten mit den beiden Zeichen staatlicher Macht: dem Adler und dem L\u00f6wen. Durch die Geb\u00e4ude, die den Boulevard beiderseits des offenen Vladaja-Kanals s\u00e4umten, hatte Stefan diese einst nat\u00fcrliche Stadtgrenze im Osten lange Zeit gar nicht wahrgenommen, und auch nicht den sanften Anstieg der Maria-Luisa-Stra\u00dfe, die von der L\u00f6wenbr\u00fccke hinauf zum Bahnhof f\u00fchrte. Erst nach Jahren, als er begonnen hatte, sich abends nach der Arbeit ein Ziel zu suchen und bewaffnet mit zwei leeren Wasserkanistern von seiner Mietwohnung in Lozenets zu den hei\u00dfen Quellen zu gehen, war ihm das aufgefallen, und zwar nicht mit den Augen, sondern mit der Haut. Emp\uf001ndungslos, ja, regelrecht taub geworden von der Anstrengung, das zu \u00dcbersetzende m\u00f6glichst wenig falsch in seine Muttersprache hineinzuschreiben, dauerte es Stunden, bis diese Haut sich in der Bewegung wieder mit Leben f\u00fcllte. Hei\u00dft es nicht, \u00dcbersetzen sei eine rein geistige T\u00e4tigkeit? Dar\u00fcber konnte er inzwischen nur lachen! Wenn in der h\u00f6chsten Konzentration Nerven und Muskeln so angespannt waren, dass es in Anstrengung \u00fcberging, laugte die Arbeit Stefan so aus, dass ihm erst der K\u00f6rper weh tat, bis am Ende dies Taubheitsgef\u00fchl kalte Watte legte zwischen ihn und die Welt. Das war eine ganz neue Erfahrung von Einsamkeit. Der Blick auf die weinroten Pl\u00fcschm\u00f6bel, die im Wohnzimmer vor der himmelblau gestrichenen Wand mit der verstaubten Wanduhr und der Ikone des heiligen Michael standen, reichte zwar f\u00fcr das Bewusstsein, sich in Raum und Zeit zu be\uf001nden; aber war er deshalb schon in der Welt?<br \/>\nAls er beim Pinkeln merkte, dass nicht nur seine Finger und Arme taub waren, sondern auch der Zipfel, den sie \u00fcber die Porzellansch\u00fcssel hielten, wusste er, dass er etwas \u00e4ndern musste. Nein, nichts mit Frauen! An den Versuch, den er neulich unternommen hatte, dachte er nur h\u00f6chst ungern zur\u00fcck.<br \/>\nEinen so fassungslosen Blick wie den der wei\u00df Gott bem\u00fchten Prostituierten, die irgendwann ver\u00e4rgert das Pr\u00e4servativ abgerissen und ihren Versuch, sein Glied zum Stehen zu bringen, ohne fortgesetzt hatte, wollte er nie wieder sehen. Es musste eine neue, unverf\u00e4ngliche Besch\u00e4ftigung sein, die ihn aus der Unterwerfung unter Texte befreite, die ihm, je besser sie waren, desto mehr Gewalt antaten. Irgendwann \uf001el ihm auf, dass er, selbst wenn er mit einem ganz bestimmten Ziel das Haus verlie\u00df, nie geradewegs darauf zusteuerte, sondern fast immer, durch kleine Beobachtungen gereizt, in Seitenstra\u00dfen oder Hinterh\u00f6fe ging, als k\u00f6nne er hoffen, dort einen Ausweg zu finden. Das war vielleicht auch der Grund, warum er eines Abends begann, Notizen \u00fcber das Gesehene zu machen.<br \/>\nEines Abends war er mit seinen zwei Wasserkanistern nach Einbruch der D\u00e4mmerung zwischen Hemus- und Hilton-Hotel \u00fcber die Br\u00fccke der Verliebten und am Kulturpalast vorbei Richtung Mineralbad gegangen. Als er an der Moschee nur noch den kleinen Park zu umrunden brauchte, trieb eine innere Stimme ihn an, stattdessen geradeaus weiterzugehen. Was tat sich wohl in den tags so belebten Stra\u00dfen um Markthallen, Moschee, Synagoge und Frauenmarkt, dieser langgezogenen Nahtstelle zwischen den angestammten Vierteln der Juden und der T\u00fcrken?<br \/>\nDie alten, rissigen, aber immer noch herrschaftlichen Stuckfassaden der vierst\u00f6ckigen H\u00e4user auf der Maria-Luisa-Stra\u00dfe mit den verblassten, von Zeit und Luft durchgescheuerten Gr\u00fcn- und Ockert\u00f6nen wurden zu Gesichtern, die, einmal aus dem Verh\u00f6r des Lichts entlassen, mit leisem Seufzer von sich zu erz\u00e4hlen begannen. Die groben, gro\u00dfen L\u00f6cher im Verputz, hinter denen rotwei\u00df alte Ziegel in Kalkm\u00f6rtel hervortraten, wurden von der D\u00e4mmerung gn\u00e4dig bes\u00e4nftigt. Schroffe Kontraste schmolzen ineinander und vereinigten sich mit der Luft zu atmenden Hologrammen.<br \/>\nStefan stahl sich am Hotel LION vorbei, so als k\u00f6nnten die angemalten M\u00e4dchen mit den Handtaschen, die dort hin und her gingen, ihn dann nicht sehen. Sie sahen ihn nat\u00fcrlich trotzdem. Aber sie hatten gelernt, M\u00e4nner zu lesen, und lie\u00dfen ihn unbehelligt vorbei. Auf der Br\u00fccke angelangt, richtete er sich wieder auf. Als er auch das zweite L\u00f6wenpaar passiert hatte und auf die Gegenfahrbahn des Slivnitsa-Boulevards trat, plumpste er in eine Wanne kalter Luft. Genau hier lag der Knick zwischen Stra\u00dfe und Anstieg zum Bahnhofsh\u00fcgel. Oh, G\u00e4nsehautgl\u00fcck: Er sp\u00fcrte wieder. Nicht nur die K\u00e4lte, auch die Feuchtigkeit dieser Luft. Er war also wieder verbunden mit der Welt!<br \/>\nAn diesem Knick jenseits des Kanals endete das alte So\uf001a der Gr\u00fcnderzeit. Hier begann die Vorstadt, lag die Siedlung der Arbeiter. Sie waren zwischen den Kriegen vom Land gekommen, um in den aufstrebenden Betrieben der Hauptstadt Arbeit zu \uf001nden. Sie wohnten in kleinen, ewig feuchten H\u00e4uschen an Stra\u00dfen, die parallel zur B\u00f6schung angelegt und in b\u00f6ser Ironie benannt waren nach Orten glorreicher Siege aus einer Zeit, die verkl\u00e4rt strahlte wie die Sonne vor dem Untergehen. Einige dieser H\u00e4uschen waren noch da, aber sie versteckten sich hinter Geb\u00e4udekomplexen, die im Sozialismus hier gebaut worden waren. Die wiederum verloren sich in dem, was einst ein Waldstreifen, dann ein Schotterplatz f\u00fcr \u00dcberlandbusse gewesen war und heute, nach dem Bau des modernen Busbahnhofs, eine langsam verstrauchende Brach\uf002\u00e4che.<br \/>\nDem Bahnhofskomplex n\u00e4herte man sich von der Seite. Anders als bei den Parteizentralen oder Kulturpal\u00e4sten, die entweder Schiffen oder Raumschiffen glichen, wurde der Blick des Betrachters auf die Bahnhofshalle weder durch eine lange Gerade vorbereitet noch durch einen offenen Vorplatz gleichsam zum Staunen gezwungen. Die Dimensionen des Bauwerks waren nur dann ganz zu erfassen, wenn man seinen Kopf in den Nacken legte. Diese Halle hier versteckte ihre H\u00f6he so gut, dass es vors\u00e4tzlich wirkte. Mit ihrem Flachdach und ihren deutlich \u00fcber hundert Metern L\u00e4nge hatte sie etwas von einem Flugzeugtr\u00e4ger. Auch das mochte Absicht sein. Im Baujahr, 1974, durfte von oben nichts Gutes mehr kommen \u2013 au\u00dfer dem Kommunismus. Der Prognose Chruschtschows zufolge sollte er im Jahr 1980 in allen Bruderl\u00e4ndern der Sowjetunion etwa gleichzeitig Einzug halten und den Sozialismus abl\u00f6sen.<br \/>\nAuf der Erde gab es aber immer noch viel zu viele Zugversp\u00e4tungen und viel zu wenige \u00dcberlandstra\u00dfen. Das Ende der Geschichte konnte nur aus der Luft kommen \u2013 wie der Anfang der Geschichte auch. Da war, wenn auch nur die Bibel es \u00fcberlieferte, eine Taube nach der Sintflut mit einem \u00d6lzweig im Schnabel auf Noahs Arche gelandet. Diese Taube lie\u00df sich als Friedenssymbol und Omen bestens in den sozialistischen Endzeitmythos einbauen.<br \/>\nAuch sonst passte alles: Die Sowjetbr\u00fcder waren Pioniere der Weltraumfahrt, die Prognose ruhte also auf gutem wissenschaftlichen Fundament. Das Gute brauchte nicht mehr theologisch, sondern konnte technologisch von oben kommen. Die F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne, die in diesem Bl\u00fctejahrzehnt der sozialistischen Welt oft vorzeitig erf\u00fcllt wurden, lie\u00dfen es angeraten erscheinen, die Lande\uf002\u00e4chen f\u00fcr die Raumgleiter des Kommunismus m\u00f6glichst schon vor 1980 fertigzustellen.<br \/>\nDie Dimensionen, die Ausma\u00dfe der Bahnhofshalle erlebte man erst beim Betreten. Die h\u00f6lzernen Warteb\u00e4nke erschienen einem klein wie aus dem Puppenst\u00fcbchen. Die Fahrkartenschalter im Hintergrund glichen den Ein\uf002ugl\u00f6chern von Bienenk\u00f6rben. Rolltreppen gingen an der einen Seite hinab in die Unterf\u00fchrung, die zu den Bahnsteigen f\u00fchrte, auf der anderen Seite, vor dem Haupteingang, zu dem Rondell mit dem Brunnen und dem einer Stein\uf002amme gleichenden Obelisken mit der sozialistischen Variante der Piet\u00e0.<br \/>\nAls er die Rolltreppen hinunterfuhr, griff Stefan sich an die Ges\u00e4\u00dftasche mit dem Portemonnaie. Seine Aufenthaltsgenehmigung, die Ausweiskraft besa\u00df, steckte in der Innentasche seiner Jacke, im Portemonnaie hatte er nur einen F\u00fcnf-Leva-Schein und ein paar Stotinki-M\u00fcnzen. Was genau er am Ende der Rolltreppe erwartete, wusste er selbst nicht. Ein Abenteuer? Sein Herz pochte. Er schaute die runden Zehn-Liter-Plastikkanister pr\u00fcfend an: Ja, die waren gut als Airbag geeignet, falls dubiose Gestalten mit einem Messer auf ihn zust\u00fcrzten und drohend zischten: \u00bbGeld her!\u00ab Aber nichts dergleichen geschah. Unten war es vollkommen still, vollkommen leer. Kein Lichtlein brannte, keine Gesch\u00e4ftsreklame blinkte, kein Augenpaar blitzte aus dem Hinterhalt. War es denn schon so sp\u00e4t?<br \/>\nStefan merkte, dass er \u00fcber der Arbeit sogar vergessen hatte, welcher Wochentag es war. Er ging um den gekachelten Brunnen herum. Links und rechts g\u00e4hnten zwischen Betonpfeilern dunkle L\u00f6cher. Nicht mal der Himmel hatte noch eine erkennbare Farbe. Er stie\u00df gegen leere Zigarettenschachteln, T\u00fcten und Einschlagpapier. Nein, kein Abenteuer. Nur die Angst dessen, der kein Gegen\u00fcber hat. G\u00e4nsehaut, kalter Lufthauch. Nur raus aus diesem Loch!<br \/>\nOben an der Stra\u00dfe war er fast gl\u00fccklich, als ein Auto vor\u00fcberfuhr. Ein Auto, in dem ein lachendes P\u00e4rchen sa\u00df und mit Zigaretten in der Hand gestikulierte. Er \u00fcberquerte die Hauptstra\u00dfe Richtung Boulevard Hristo Botev. Auch der lag verlassen da. Schwaches Laternenlicht erhellte ihn. Vorn, am rechten Stra\u00dfenrand, auf H\u00f6he des Parks ALGIER, standen ein paar letzte Taxis. Als er den Park mit seinen Pavillons, Spielger\u00e4ten und Wildtieren aus Beton passiert hatte, sah er eine Frau. Sie stand einfach da. Sie rauchte nicht, schaute sich nicht um. Sie hielt nur mit einer Hand den Tr\u00e4ger ihrer geschulterten Handtasche fest. Da der B\u00fcrgersteig wegen der B\u00e4ume verengt war, musste er dicht an ihr vorbei.<br \/>\n\u00bbZdravej\u00ab, sagte eine Altstimme, als handele es sich um ein Wiedersehen.<br \/>\nStefan drehte sich um.<br \/>\n\u00bbKennen wir uns?\u00ab<br \/>\n\u00bbIch habe dich schon oft gesehen. Immer mit zwei Wasserkanistern wie jetzt.\u00ab<br \/>\nIhr L\u00e4cheln sah apart aus in dem herben Gesicht mit der geraden, aber nicht zu gro\u00dfen Nase, den wie gemei\u00dfelt wirkenden, kr\u00e4ftigen Lippen, die beim L\u00e4cheln die Form einer gespannten Armbrust hatten, den dichten Augenbrauen, die in der Mitte fast zusammenwuchsen, und den beinahe runden Augen.<br \/>\nAuch die Z\u00e4hne waren stark, aber nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00df.<br \/>\n\u00bbJa, ich hole mir abends nach der Arbeit Wasser am Mineralbad.\u00ab<br \/>\n\u00bbWo wohnst du denn?\u00ab<br \/>\n\u00bbIn Lozenets.\u00ab<br \/>\n\u00bbLozenets? Aber das ist doch in der anderen Richtung. Da gehst du aber einen gro\u00dfen Umweg.\u00ab<br \/>\n\u00bbJa.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnd immer so allein?\u00ab<br \/>\nStefan zuckte wortlos die Achseln.<br \/>\n\u00bbLad mich doch mal zu dir ein, nur allein sein ist nicht gut f\u00fcr den Menschen.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch \u00fcberleg\u2019s mir.\u00ab<br \/>\n\u00bbSollen wir uns nicht schon mal etwas kennenlernen?\u00ab<br \/>\n\u00bbWie meinst du?\u00ab<br \/>\n\u00bbNa, was M\u00e4nner so zur Entspannung brauchen.\u00ab<br \/>\n\u00bbAch so, hm. Bin leider zu m\u00fcde heute.\u00ab<br \/>\n\u00bbUnd ich hab keine Zigaretten mehr und muss den Kindern noch Essen kaufen. Vorher kann ich hier<br \/>\nnicht weg.\u00ab<br \/>\n\u00bbStehst du immer hier?\u00ab<br \/>\n\u00bbNein, sonst bin ich immer am Bahnhof. Meist oben an dem Gr\u00fcnstreifen. Manchmal auch unten am<br \/>\nBrunnen.\u00ab<br \/>\n\u00bbDa komme ich gerade her. Nicht eine Menschenseele.\u00ab<br \/>\n\u00bbJa, die Polizei hat heute Razzia gemacht und alles ger\u00e4umt. Alle Junkies, alle M\u00e4dchen, die nicht rechtzeitig verduftet sind, verbringen diese Nacht in der Arrestzelle. Sie d\u00fcrfen uns vierundzwanzig Stunden ohne Grund einsperren \u2013 \u203azur \u00dcberpr\u00fcfung\u2039, sagen sie. Mich haben sie rechtzeitig gewarnt.<br \/>\nAber ich kann doch ohne Geld nicht nach Haus. Darum habe ich mich erst versteckt, bis es dunkel und der Schutzgeld-Kassierer vorbei war, und jetzt steh ich eben hier. K\u00f6nnen wir nicht irgendwas machen?\u00ab<br \/>\nDer Ton der Frau, der lange ausgesprochen h\u00f6fich und ruhig gewesen war, hatte sich bei dieser knappen Schilderung mit etwas wie Lava gef\u00fcllt und war inbr\u00fcnstig geworden. Stefan erwartete, dass bald Rauch aus der Frau aufstieg. Die Augen gl\u00fchten schon.<br \/>\n\u00bbWie hei\u00dft du denn\u00ab, fragte er, als ob das etwas \u00e4nderte.<br \/>\n\u00bbJanina, und du?\u00ab<br \/>\n\u00bbIch? Stefan.\u00ab<br \/>\n\u00bbBist ein guter Mensch, Stefan.\u00ab<br \/>\n\u00bbWoher willst du das wissen?\u00ab<br \/>\n\u00bbH\u00e4ttest sonst schon ge\uf002ucht und w\u00e4rst gegangen.\u00ab<br \/>\nStefan horchte auf. L\u00e4chelnd zog er sein Portemonnaie aus der Ges\u00e4\u00dftasche.<br \/>\n\u00bbJa, ohne Menschen wie dich w\u00fcsste man nur die H\u00e4lfte \u00fcber sich.\u00ab<br \/>\nStatt einer Antwort nickte die Frau schwer. Ihre Lippen waren nun geschlossen, daf\u00fcr lachten ihre Augen.<br \/>\n\u00bbDa\u00ab, sagte Stefan und hielt ihr den F\u00fcnf-Leva-Schein hin. \u00bbMehr hab ich nicht. Aber f\u00fcr ein paar lose Zigaretten, ein Brot und Margarine reicht es.\u00ab<br \/>\n\u00bbGott sch\u00fctze dich, Stefan.\u00ab<br \/>\n\u00bbDich auch, Ja\u2026\u00ab<br \/>\n\u00bbJanina. Merk dir den Namen.\u00ab<br \/>\n\u00bbWarum?\u00ab<br \/>\n\u00bbDamit du mich rufen kannst.\u00ab<br \/>\n\u00bbDazu m\u00fcssten wir uns ja erst einmal wiederbegegnen.\u00ab<br \/>\n\u00bbDas werden wir.\u00ab Ihr Nicken sah aus wie der Holzhammer, mit dem Richter ihr Urteil sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tr\u00e4ume sind das Teuerste<\/strong>, Roman von Thomas Frahm. Chora-Verlag\u00a02020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-88689 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover-190x300.jpg 190w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover-260x411.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover-160x253.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Traeume_Cover.jpg 316w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Nur weil sein Romanistik-Professor eine Bulgarin heiratet, soll Stefan Krings Bulgarisch lernen und nach Bulgarien gehen? Ja, wer denn sonst? Niemand hat weniger Pl\u00e4ne als Stefan, niemand setzt sich unbedarfter dem Neuen aus. Genau so einen brauchen sie. Als der EU-Beitritt Bulgariens naht, soll Stefan f\u00fcr das Belletristik-Imprint des Sprachf\u00fchrer- und Schulbuch Verlages, der die Zeitschrift der beiden finanziert, sogar einen Roman ausfindig machen, der die Wende-Ereignisse kritisch beschreibt.<br \/>\nSo wird Stefan \u00dcbersetzer, und er wird es gern, denn da muss er nicht f\u00fcr eigene Worte geradestehen, sondern blo\u00df f\u00fcr die anderer! Doch warum strengen ihn die intensiven Sprachstr\u00f6me Slav Slavovs, des Romanautors, so an, dass er sich von Kopf bis Fu\u00df taub f\u00fchlt? Er beginnt, Streifz\u00fcge durch Sofia zu unternehmen, um diese Taubheit abzusch\u00fctteln und Beobachtungen zu machen, in denen er wenigstens etwas von sich erkennen k\u00f6nnte. Dabei lernt er eines Abends in Bahnhofsn\u00e4he Dunaja kennen, eine Zigeunerin, deren Gottvertrauen ihn so \u00fcberw\u00e4ltigt, dass er erst in das freie Zimmer des alten Bulgaren zieht, bei dem sie mit ihren Kindern lebt, dann in ein kleines Zigeunerlager am Rande der Stadt. Es wird dramatisch. Stefan, dem eine gescheiterte Jugendliebe nur best\u00e4tigt hatte, dass er einer Frau nichts zu bieten hat, muss nun Farbe bekennen, zu Potte und aus der Reserve kommen! Nun wird sein eigenes Leben zur \u00fcbersetzerischen Herausforderung, und als \u00dcbersetzer des \u00dcbersetzers fungiert \u2026 Slav Slavov, der selbstbewusste, erfolgsverw\u00f6hnte, aber auch seines K\u00f6nnens \u00fcberdr\u00fcssig gewordene Sprachschamane! Als auf dem Weg heraus aus den Nischen seines Schattendaseins auch noch Dunajas j\u00fcngere Schwester aufkreuzt, eine Streunerin, die auf ihre Art genauso zwischen allen St\u00fchlen sitzt wie Stefan, da schmilzen die Grenzen zwischen Selbstergreifung und Ergriffensein vollends dahin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Becken, in dem der alte Teil Sofias lag, mit den hei\u00dfen artesischen Quellen im Zentrum, war umschlossen von zwei Bachl\u00e4ufen, h\u00e4sslich in Stein und Beton eingemauert, \u00fcber die Br\u00fccken f\u00fchrten mit den beiden Zeichen staatlicher Macht: dem Adler&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/05\/20\/der-hauptbahnhof-von-sofia\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":228,"featured_media":100084,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2847],"class_list":["post-88681","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-thomas-frahm"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/228"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88681"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100150,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88681\/revisions\/100150"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100084"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}