{"id":88602,"date":"2003-07-12T00:01:50","date_gmt":"2003-07-11T22:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88602"},"modified":"2022-05-30T15:52:03","modified_gmt":"2022-05-30T13:52:03","slug":"ich-sehe-eine-gluehend-rote-wolke-am-horizont","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/12\/ich-sehe-eine-gluehend-rote-wolke-am-horizont\/","title":{"rendered":"Sparsamkeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"initial\" style=\"text-align: justify;\">Als ich die folgenden Seiten, oder vielmehr den gr\u00f6\u00dften Teil derselben schrieb, lebte ich allein im Walde, eine Meile weit von jedem Nachbarn entfernt in einem Hause, das ich selbst am Ufer des Waldenteiches in Concord, Massachusetts, erbaut hatte und erwarb meinen Lebensunterhalt einzig durch meiner H\u00e4nde Arbeit. Ich lebte dort zwei Jahre und zwei Monate. Jetzt nehme ich wieder am zivilisierten Leben teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde meine Angelegenheiten nicht so sehr der Kenntnis meiner Leser aufdr\u00e4ngen, wenn nicht meine Mitb\u00fcrger solch genaue Erkundigungen \u00fcber meine Lebensweise eingezogen h\u00e4tten, da\u00df mancher ihr Vorgehen wohl als unertr\u00e4glich bezeichnen w\u00fcrde, w\u00e4hrend ich es, in Anbetracht der obwaltenden Verh\u00e4ltnisse, als sehr erkl\u00e4rlich und gar leicht ertr\u00e4glich empfand. Die einen fragten, was ich gegessen, ob ich mich einsam gef\u00fchlt oder Furcht gehabt habe usw. Andere h\u00e4tten gern gewu\u00dft, welcher Teil meines Einkommens von mir zu Wohlt\u00e4tigkeitszwecken bestimmt gewesen sei, und wieder andere, die gro\u00dfe Familien hatten, wollten wissen, wieviel arme Kinder ich unterst\u00fctzte. Ich bitte deshalb diejenigen meiner Leser, die kein besonderes Interesse f\u00fcr mich f\u00fchlen, um Verzeihung, wenn ich es wage einige dieser Fragen in diesem Buche zu beantworten. In den meisten B\u00fcchern sucht man das \u00bbIch\u00ab, die erste Person, zu vermeiden. Hier will ich sie beibehalten. Das ist, was den Egoismus anbetrifft, der einzige Unterschied. Meistens vergessen wir, da\u00df es doch nur die erste Person ist, die redet. Ich w\u00fcrde nicht so viel \u00fcber mich selber sprechen, wenn es einen anderen Menschen g\u00e4be, den ich gerade so gut kennen w\u00fcrde. Leider bin ich durch den engen Kreis meiner Erfahrungen auf dieses Thema beschr\u00e4nkt. \u00dcberdies verlange <a id=\"page28\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page28\"><\/a> ich f\u00fcr meine Person von jedem Schriftsteller als Vorrede oder als Schlu\u00dfwort einen einfachen und ehrlichen Bericht \u00fcber sein Leben, und nicht blo\u00df das, was er \u00fcber anderer Menschen Leben h\u00f6rte. Einen Bericht, wie er ihn etwa aus fernem Lande an seine Verwandten schicken w\u00fcrde. Denn wenn er ehrlich und lauter gelebt hat, so mu\u00df das in einem weit von mir entfernten Lande gewesen sein. Vielleicht sind diese Zeilen haupts\u00e4chlich an arme Studenten gerichtet. Meine \u00fcbrigen Leser m\u00fcssen sich schon die Stellen, die ihnen genehm sind, aneignen. Ich hoffe zuversichtlich, da\u00df niemand bei der Anprobe die N\u00e4hte des Rockes ausdehnt, denn der Rock kann dem, dem er pa\u00dft, vielleicht gute Dienste leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte gern mancherlei sagen \u2013 nicht so viel \u00fcber die Chinesen und Sandwichsinsulaner als \u00fcber Euch, die Ihr diese Zeilen lest und die Ihr in Neuengland leben sollt; etwas \u00fcber Eure Zust\u00e4nde, haupts\u00e4chlich \u00fcber Eure \u00e4u\u00dferen Zust\u00e4nde oder Verh\u00e4ltnisse in dieser Welt, in dieser Stadt, welcher Art sie sind, ob sie notwendiger Weise so schlecht sein m\u00fcssen wie sie sind, oder ob sie nicht ebenso leicht verbessert werden k\u00f6nnten wie nicht. Ich bin kreuz und quer in Concord herumgewandert, und \u00fcberall in den L\u00e4den, in den B\u00fcros und auf den Feldern gewann ich den Eindruck, da\u00df die Bewohner auf tausendfache, merkw\u00fcrdige Weise f\u00fcr ihre S\u00fcnden b\u00fc\u00dften. Ich habe geh\u00f6rt, da\u00df die Brahmanen sich der Hitze von vier Feuern aussetzen, ins Antlitz der Sonne schauen, oder da\u00df sie, den Kopf nach unten, \u00fcber einem Feuer h\u00e4ngen, da\u00df sie \u00fcber ihre Schulter gen Himmel blicken, \u00bbbis es ihnen unm\u00f6glich wird ihre nat\u00fcrliche Stellung wieder einzunehmen, w\u00e4hrend durch die Verdrehung des Halses nur Fl\u00fcssigkeiten in den Magen gelangen k\u00f6nnen.\u00ab Ich habe geh\u00f6rt, da\u00df sie ihr ganzes Leben angekettet an die Wurzel eines Baumes verbringen, oder da\u00df sie wie Raupen kriechend ungeheure Reiche ausmessen, oder mit einem Fu\u00dfe auf der Spitze einer S\u00e4ule stehen. Doch diese \u00c4u\u00dferungen bewu\u00dfter Reue sind kaum unglaublicher oder erstaunlicher als die Szenen, deren Zeuge ich t\u00e4glich bin. Die zw\u00f6lf Arbeiten des Herkules waren belanglos im Vergleich mit denen, die meine Nachbarn unternommen haben. Denn Herkules hatte nur zw\u00f6lf <a id=\"page29\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page29\"><\/a> Arbeiten zu verrichten, dann war er fertig. Ich konnte dagegen niemals beobachten, da\u00df diese Menschen ein Ungeheuer erschlugen oder einfingen, oder da\u00df sie irgend eine Arbeit beendigten. Ihnen fehlte der Freund Jolaos, der mit gl\u00fchendem Eisen den Hals der Hydra versengte. Darum wachsen, sobald ein Kopf zerschmettert ist, zwei neue nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe junge Leute, meine Mitb\u00fcrger, deren Ungl\u00fcck es ist, da\u00df sie Bauernh\u00f6fe, H\u00e4user, Scheunen, Vieh und Ackerger\u00e4t geerbt haben. Denn solche Dinge sind leichter erworben als an den Mann gebracht. Es st\u00e4nde besser um sie, w\u00e4ren sie auf offener Weide geboren und von einer W\u00f6lfin ges\u00e4ugt, denn dann w\u00fcrden sie mit klareren Augen erkennen, wo das wahre Feld ihrer T\u00e4tigkeit liegt. Wer hie\u00df sie Sklaven des Bodens sein? Warum sollen sie ihre 60\u00a0Morgen Land verzehren, wenn ein Mensch doch nur dazu verdammt ist sein H\u00e4ufchen Schmutz zu essen? Warum sollen sie gleich nach der Geburt damit beginnen ihr Grab zu graben? Sie sollen ein Menschendasein f\u00fchren, sich dabei mit all diesen Dingen abplagen und so gut wie m\u00f6glich vorw\u00e4rts zu kommen versuchen. Wie manche arme unsterbliche Seele kreuzte meinen Weg, fast erdr\u00fcckt und erstickt unter ihrer Last! Sie kroch des Lebens Gleis hinab und plagte sich mit St\u00e4llen ab, die 75 zu 40\u00a0Fu\u00df gro\u00df waren \u2013 mit <i>Augiasst\u00e4llen,<\/i> die niemals gereinigt wurden, mit hundert Morgen Land, \u00c4ckern, Wiesen, Weiden und Waldparzellen! Die Unbeg\u00fcterten, die sich nicht mit solchen unn\u00f6tigen, ererbten Fronen herumbalgen, haben genug zu tun ein paar Kubikfu\u00df Fleisch zu beherrschen und zu kultivieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Menschheit krankt an einem Irrtum. Der bessere Teil der Menschen ist bald als D\u00fcnger unter den Erdboden gepfl\u00fcgt. Das scheinbare Verh\u00e4ngnis \u2013 gew\u00f6hnlich Schicksal genannt \u2013 hei\u00dft sie, wie in einem alten Buche geschrieben steht, Sch\u00e4tze sammeln, welche die Motten und der Rost fressen und denen die Diebe nachgraben und stehlen. Ein Narrenleben haben sie gef\u00fchrt: das wird ihnen am Abend ihres Daseins, vielleicht auch schon fr\u00fcher klar werden. Man erz\u00e4hlt, da\u00df Deukalion und Pyrrha dadurch <a id=\"page30\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page30\"><\/a> Menschen erzeugten, da\u00df sie Steine \u00fcber ihre H\u00e4upter hinter sich warfen:<\/p>\n<p class=\"vers\" style=\"text-align: justify;\"><i>\u00bbInde genus durum sumus, experiensque laborum<br \/>\n\u00bbEt documenta damus qua simus origine nati.\u00ab<\/i> <span class=\"footnote\">Daher sind wir ein hartes Geschlecht, ausdauernd bei der Arbeit,<br \/>\nUnd f\u00fcr unsere Abkunft liefern wir selbst den Beweis.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Raleighs wohlklingende \u00dcbersetzung dieser Worte lautet:<\/p>\n<p class=\"vers\" style=\"text-align: justify;\"><i>\u00bbFrom thence our kind hard-hearted is, enduring pain and care,<br \/>\n\u00bbApproving that our bodies of a stony nature are.\u00ab<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kann es gehen, wenn man einem faselnden Orakel blind gehorcht, Steine \u00fcber seinen Kopf wirft und nicht sieht wohin sie fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Menschen sind, selbst in diesem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig freien Lande, aus reiner Unwissenheit und Verblendung so sehr durch die k\u00fcnstlichen Sorgen und die \u00fcberfl\u00fcssigen, groben Arbeiten des Lebens in Anspruch genommen, da\u00df seine edleren Fr\u00fcchte nicht von ihnen gepfl\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Ihre Finger sind durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Arbeit zu plump geworden, sie zittern zu sehr bei solchem Beginnen. Tats\u00e4chlich hat der arbeitende Mensch Tag f\u00fcr Tag keine Zeit zur inneren L\u00e4uterung. Es ist ihm unm\u00f6glich die menschlichen Beziehungen zu den Menschen zu unterhalten. Seine Arbeit w\u00fcrde auf dem Markte im Preise sinken. Er hat nur Zeit eine Maschine zu sein. Wie kann der seiner Unwissenheit abhelfen \u2013 und das fordert doch seine geistige Weiterentwickelung\u00a0\u2013, der seine Kenntnisse so oft gebrauchen mu\u00df! Wir sollten ihn ab und zu aus eigenem Antrieb ern\u00e4hren und kleiden, ihm eine Herzerquickung geben, bevor wir ein Urteil \u00fcber ihn f\u00e4llen. Die kostbarsten Eigenschaften unseres Wesens k\u00f6nnen, wie der Flaum der Fr\u00fcchte, nur durch die zarteste Behandlung erhalten bleiben. Doch wir behandeln weder uns selbst noch die andern so zartf\u00fchlend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige von Euch sind arm, das wissen wir alle. Einige von Euch haben schwer mit dem Leben zu k\u00e4mpfen und schnappen, sozusagen, von Zeit zu Zeit nach Luft. Ich bezweifle nicht, da\u00df einige Leser dieses Buches nicht imstande sind alle die Mittagsessen, die sie in Wirklichkeit verzehrten, oder die Kleider und Schuhe, die so schnell sich abnutzen oder schon abgetragen sind, zu bezahlen, da\u00df sie nur deshalb bis hierher gelesen haben, weil sie geliehene oder gestohlene <a id=\"page31\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page31\"><\/a> Zeit dazu verwendeten und somit ihre Gl\u00e4ubiger um eine Stunde betrogen. F\u00fcr mich ist es eine nackte Tatsache, da\u00df manche von Euch ein elendes und niedriges Dasein f\u00fchren, denn meine Augen sind durch die Erfahrung gesch\u00e4rft. Alle Eure Versuche drehen sich darum, ins Gesch\u00e4ft hinein- oder aus Schulden herauszukommen, aus jenem uralten Moraste, den die R\u00f6mer <i>aes alienum<\/i> nannten, eines anderen Kupfer, denn einige ihrer M\u00fcnzen wurden aus Kupfer verfertigt. Ihr lebt, Ihr sterbt, Ihr werdet begraben durch das Kupfer eines anderen. Immer versprecht Ihr zu bezahlen, morgen zu bezahlen, und dabei sterbt Ihr heute \u2013 bankerott. Auf alle Arten versucht Ihr Euch bei anderen einzuschmeicheln, Kundschaft zu bekommen \u2013 nur vor Gesetzes\u00fcbertretungen und Gef\u00e4ngnis h\u00fctet Ihr Euch. Ihr l\u00fcgt, schmeichelt, w\u00e4hlt, kriecht mit Eurer H\u00f6flichkeit in ein Schneckenhaus hinein oder dehnt Euch zu einer Wolke seichter und dunstiger Gro\u00dfmut aus, um Euren Nachbarn zu bewegen Euch seine Schuhe oder seinen Hut, seinen Anzug oder seinen Wagen machen zu lassen oder seinen Gew\u00fcrzkram f\u00fcr ihn importieren zu d\u00fcrfen. Ihr macht Euch krank, damit Ihr etwas f\u00fcr Eure kranken Tage zusammenspart, etwas, was man in einer alten Truhe oder in einem Strumpf hinter dem Wandbewurf, oder um noch sicherer zu gehen, bei einem Bankier versteckt \u2013 einerlei wo, einerlei wieviel oder wie wenig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wundere mich manchmal dar\u00fcber, da\u00df wir \u2013 ich m\u00f6chte fast sagen \u2013 so frivol sein k\u00f6nnen, uns um die schmutzige, aber etwas ferner liegende Form der Sklaverei, um die sogenannte Negersklaverei zu k\u00fcmmern. Gibt es doch viele schlaue und findige Sklavenhalter gerade so gut im Norden wie im S\u00fcden. Es ist hart einem s\u00fcdlichen, h\u00e4rter einem n\u00f6rdlichen Sklavenaufseher zu unterstehen. Am schlimmsten aber ist es um den bestellt, der sein eigener Sklaventreiber ist. Da schw\u00e4tzt man vom G\u00f6ttlichen im Menschen! Schaut Euch den Fuhrmann auf der Landstra\u00dfe an, der zu Markte f\u00e4hrt bei Tag oder bei Nacht. Offenbart sich in ihm die Gottheit? Seine h\u00f6chste Pflicht hei\u00dft: F\u00fcttere und tr\u00e4nke deine Pferde! Was gilt ihm mehr \u2013 sein Schicksal oder der Frachtverkehr? F\u00e4hrt er nicht f\u00fcr Herrn \u00bbNimmerrast\u00ab? <a id=\"page32\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page32\"><\/a> Inwiefern ist er gott\u00e4hnlich, inwiefern unsterblich? Seht nur, wie er sich b\u00fcckt und kriecht, wie er sich planlos den lieben langen Tag qu\u00e4lt, er der weder unsterblich noch g\u00f6ttlich ist, sondern nur der Gefangene und Sklave des Bildes, das er von sich selbst entwarf, und das auf seinen Taten fu\u00dft. Die \u00f6ffentliche Meinung ist ein schwacher Tyrann im Vergleich zu unserer eigenen Privatmeinung. Was ein Mensch von sich selbst denkt, das ist es, wodurch sein Schicksal bestimmt oder vielmehr prophezeit wird. Wo ist der Wilberforce, <span class=\"footnote\">Wilberforce, britischer Philanthrop, 1759-1833. Er k\u00e4mpfte haupts\u00e4chlich gegen den Sklavenhandel.<\/span> der es vermag, selbst in den westindischen Gebieten einer launenhaften Phantasie Selbstbefreiung durchzusetzen? Man m\u00f6ge ferner an die Damen des Landes denken, die bis zum letzten Tage Toilettenkissen sticken, nur um kein allzu lebhaftes Interesse an ihrem Schicksal zu verraten! Als ob es m\u00f6glich w\u00e4re die Zeit totzuschlagen, ohne die Ewigkeit zu verletzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mehrzahl der Menschen verbringt ihr Leben in stiller Verzweiflung. Was wir \u00bbResignation\u00ab nennen ist absolute Verzweiflung. Von der verzweifelten Stadt zieht man aufs verzweifelte Land hinaus. Dort tr\u00f6stet man sich mit der Tapferkeit der Sumpfotter und der Moschusratte. Eine stereotype, wenn auch unbewu\u00dfte Verzweiflung ist selbst hinter den sogenannten Vergn\u00fcgungen und Unterhaltungen der Menschheit verborgen. Da kann von Vergn\u00fcgen nicht die Rede sein, denn das kommt nach der Arbeit. F\u00fcr den Weisen ist es charakteristisch, da\u00df er nichts Verzweifeltes unternimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir uns \u00fcberlegen, was (um die Worte des Katechismus zu gebrauchen) die Hauptbestimmung des Menschen ist und worin die notwendigen Lebensbed\u00fcrfnisse wirklich bestehen, so scheint es, als ob die Menschen nach reifer \u00dcberlegung die ordin\u00e4re Art zu leben gew\u00e4hlt h\u00e4tten, weil sie ihr vor jeder anderen den Vorzug geben. Sie glauben allen Ernstes keine Wahl zu haben. Frische und gesunde Naturen erinnern sich dagegen, da\u00df die Sonne klar aufging. Es ist niemals zu sp\u00e4t unsere Vorurteile aufzugeben. Auf keine Folge von Gedanken oder Taten, einerlei wie alt, kann man sich ohne Pr\u00fcfung verlassen. Was jedermann nachbetet oder mit <a id=\"page33\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page33\"><\/a> Stillschweigen als wahr dahingehen l\u00e4\u00dft, kann morgen als falsch sich erweisen \u2013 als blo\u00dfer Ansichtsdunst, den manche f\u00fcr eine Wolke hielten, die befruchtenden Regen auf ihre Felder ergie\u00dfen w\u00fcrde. Was alte Leute f\u00fcr unausf\u00fchrbar halten, wir versuchen es, wir finden, da\u00df es ausgef\u00fchrt werden kann. Alte Taten f\u00fcr alte Leute, neue Taten f\u00fcr die neuen! Einst gen\u00fcgte das Wissen unserer Ahnen nicht, um Brennmaterial zum Unterhalten des Feuers zu sammeln. Die Menschen von heute legen ein wenig trockenes Reisig unter einen Kessel und sausen um den Erdball so schnell wie die V\u00f6gel. Den Alten w\u00fcrde dabei, wie man sagt, angst und bange werden. Das Alter ist nicht besser, ja kaum so gut zum Lehrmeister geeignet als die Jugend. Denn es hat nicht soviel gewonnen als es verlor. Man kann mit Recht bezweifeln, ob der weiseste Mensch irgend etwas von absolutem Wert durch das Leben gelernt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wirklichkeit verm\u00f6gen die Alten der Jugend keinen wertvollen Rat zu geben. Ihre eigenen Erfahrungen sind St\u00fcckwerk geblieben, ihr Leben ist \u2013 aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden wie sie nat\u00fcrlich glauben \u2013 ein solch kl\u00e4glicher Mi\u00dferfolg gewesen. Und doch ist es m\u00f6glich, da\u00df sie noch etwas Selbstvertrauen \u00fcbrig haben, welches diese Erfahrung L\u00fcgen straft. Sie sind ja nur weniger jung als sie gewesen sind. Ich habe einige drei\u00dfig Jahre auf diesem Planeten zugebracht, und doch habe ich bislang noch nicht die erste Silbe eines wertvollen oder selbst ernsthaften Ratschlages von meinen \u00e4lteren Mitmenschen geh\u00f6rt. Sie haben mir nichts Zweckentsprechendes gesagt, sind dazu auch wahrscheinlich nicht imstande. Hier ist das Leben \u2013 ein im wesentlichen von mir noch nicht versuchtes Experiment. Da\u00df <i>sie<\/i> es versuchten, n\u00fctzt <i>mir<\/i> nichts. Zu irgend einer Erfahrung, die ich f\u00fcr wertvoll halte, haben meine Ratgeber, nach meiner \u00dcberzeugung, nichts zu sagen gehabt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Farmer erkl\u00e4rte mir: \u00bbSie k\u00f6nnen nicht von Pflanzenkost allein leben, denn sie tr\u00e4gt nichts zur Knochenbildung bei.\u00ab Darum widmet er gl\u00e4ubig einen Teil des Tages der Versorgung seines K\u00f6rpers mit dem Rohmaterial f\u00fcr Knochen. Und w\u00e4hrend er, fortw\u00e4hrend sprechend, hinter seinen Ochsen hergeht, wird er von ihnen <a id=\"page34\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page34\"><\/a> und ihren durch Vegetabilien gen\u00e4hrten Knochen mit seinem schwankenden Pfluge \u00fcber alle Hindernisse hin und her gezerrt. Manche Dinge sind f\u00fcr gewisse Kreise wirklich Lebensbed\u00fcrfnisse, und zwar f\u00fcr die Hilflosen und Kranken, w\u00e4hrend sie f\u00fcr andere blo\u00df Luxusgegenst\u00e4nde, und wieder anderen v\u00f6llig unbekannt sind. Es gibt Leute, die da glauben, das ganze Gebiet des Menschenlebens sei bereits von ihren Vorfahren in allen H\u00f6hen und Tiefen durchforscht, alle Dinge seien bereits besorgt. Nach Evelyn <span class=\"footnote\">Evelyn, englischer Rechtsgelehrter.<\/span> gab der Weise Salomo sogar f\u00fcr die Entfernung der B\u00e4ume voneinander Vorschriften. Die r\u00f6mischen Pr\u00e4toren bestimmten wie oft man, ohne die Gerechtsame zu verletzen, seines Nachbars Grund betreten d\u00fcrfe, um die abgefallenen Eicheln aufzulesen, und wieviel davon dem Nachbarn geb\u00fchre, Hippokrates hat uns sogar Anweisungen hinterlassen, wie wir unsere N\u00e4gel schneiden sollen: n\u00e4mlich in gleicher H\u00f6he mit den Fingerspitzen, weder k\u00fcrzer, noch l\u00e4nger. Ohne Zweifel sind gerade Lebens\u00fcberdru\u00df und Langeweile, die voraussetzen, da\u00df alle Abwechselung und Freude im Leben ausgekostet ist, alt wie Adam. Doch der Menschen F\u00e4higkeiten hat man noch nicht ausgemessen. Wir k\u00f6nnen auch nach dem, was bislang geschehen ist, auf das was geschehen kann, nicht schlie\u00dfen, so wenig ist noch versucht worden. Wo auch immer Du bisher erfolglos gewesen bist: sei nicht bek\u00fcmmert, mein Kind, denn wer soll Dich f\u00fcr das, was Du nicht vollbracht hast, verantwortlich machen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen unser Leben an tausend einfachen Dingen erproben, zum Beispiel daran, da\u00df die gleiche Sonne meine Bohnen reift und zugleich ein ganzes System von Weltk\u00f6rpern wie unsere Erde beleuchtet. Wenn ich daran gedacht h\u00e4tte, w\u00e4ren einige Irrt\u00fcmer vermieden worden. Solche Erleuchtung besa\u00df ich nicht, als ich Bohnen hackte! Wie wunderbar sind die Dreiecke, deren Spitzen von Sternen gebildet werden! Wie verschieden, wie weit voneinander entfernt sind in des Weltalls mannigfachen Wohnungen die Gesch\u00f6pfe, die sie zu gleicher Zeit betrachten! Die Natur und das menschliche Leben sind so wandelbar wie unsere Konstitution. Wer vermag zu sagen, welche Aussicht das Leben einem andern bietet? W\u00e4re es nicht das <a id=\"page35\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page35\"><\/a> gr\u00f6\u00dfte aller Wunder, wenn der eine f\u00fcr einen Augenblick mit den Augen der anderen s\u00e4he? In einer Stunde w\u00fcrden wir in allen \u00c4onen der Welt, ja in allen Welten der \u00c4onen leben! Geschichte, Poesie, Mythologie! \u2013 Ich habe \u00fcber die Erfahrung anderer nichts gelesen, was so staunenswert und lehrreich w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Herzensgrunde glaube ich, da\u00df der gr\u00f6\u00dfere Teil von dem, was meine Nachbarn f\u00fcr klug halten, schlecht ist, und wenn ich irgend etwas bereue, so ist es aller Wahrscheinlichkeit nach mein anst\u00e4ndiger Lebenswandel. Was f\u00fcr ein D\u00e4mon beherrschte mich, da\u00df ich mich so gut betragen habe? Sprich Deiner Weisheit Inbegriff aus, Du alter Mann, der Du siebenzig Jahre, nicht ohne in Ehren grau zu werden, gelebt hast, \u2013 ich h\u00f6re eine unwiderstehliche Stimme, die mich von all dem fortlockt. Eine Generation verl\u00e4\u00dft die Unternehmungen der anderen wie gestrandete Schiffe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, da\u00df wir unbeschadet viel mehr Vertrauen haben k\u00f6nnten als wir zeigen. Wir sollten uns selbst gerade soviel Sorgfalt widmen, als wir ehrlich anderen schenken. Die Natur pa\u00dft sich ebensogut unserer Schw\u00e4che wie unserer St\u00e4rke an. Die unaufh\u00f6rliche Angst und Anstrengung mancher Menschen ist eine nahezu unheilbare Krankheit. Wir pflegen die Wichtigkeit unserer Werke zu \u00fcbersch\u00e4tzen! Und doch: wie viele Dinge geschehen ohne unser Zutun! Und wenn wir nun gar krank w\u00fcrden? Wie genau wir da Acht geben, fest entschlossen uns nicht auf unseren Glauben zu verlassen, wenn wir es vermeiden k\u00f6nnen. Den ganzen Tag sind wir auf unserer Hut, abends sprechen wir unwillig unser Nachtgebet und ergeben uns dem Ungewissen. So sehr h\u00e4ngen wir mit allen Fasern am Leben, da\u00df wir es anbeten und die M\u00f6glichkeit eines Wechsels leugnen. Das ist der einzig richtige Weg, sagen wir. Und doch gibt es so viele Wege, als wir Radien von einem Mittelpunkt aus ziehen k\u00f6nnen. Jede Ver\u00e4nderung macht den Eindruck eines Wunders. Doch solch Wunder vollzieht sich in jedem Augenblick. Confucius hat gesagt: \u00bbZu wissen, da\u00df wir wissen, was wir wissen, und da\u00df wir nicht wissen, was wir nicht wissen, das ist das wahre Wissen.\u00ab Sobald nur ein Mensch ein Ergebnis seiner Phantasie auf ein Ergebnis seines Intellekts <a id=\"page36\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page36\"><\/a> zur\u00fcckgef\u00fchrt hat, werden alle Menschen ihr Leben auf dieser Basis aufbauen. Ich sehe das voraus. Wir wollen einen Augenblick \u00fcberlegen, um was sich die erw\u00e4hnte M\u00fch&#8216; und Sorge dreht und in wieweit es notwendig ist uns zu m\u00fchen oder wenigstens uns zu sorgen. Es w\u00e4re recht n\u00fctzlich, bed\u00fcrfnislos, wenn auch inmitten \u00e4u\u00dferlicher Zivilisation, ein Grenzerleben zu f\u00fchren, blo\u00df um die gr\u00f6beren Lebensbed\u00fcrfnisse und die Methode ihrer Gewinnung kennen zu lernen. Man k\u00f6nnte auch die alten Gesch\u00e4ftsb\u00fccher der Kaufleute durchbl\u00e4ttern, um zu sehen, was die Menschen am meisten kauften, was vorr\u00e4tig gehalten wurde, d.\u00a0h. welche Waren am wichtigsten sind. Denn der Fortschritt im Laufe der Jahrhunderte hat nur geringen Einflu\u00df auf die Grundgesetze der menschlichen Existenz gehabt. Sind doch auch unsere Skelette wahrscheinlich von denen unserer Vorfahren nicht zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Worte \u00bbLebensbed\u00fcrfnisse\u00ab meine ich alle G\u00fcter, die der Mensch durch seine eigene Arbeit erwirbt, die von Anbeginn oder durch lange Gewohnheit so wichtig f\u00fcr das menschliche Leben geworden sind, da\u00df nur einzelne, wenn \u00fcberhaupt welche, sei es im Zustand der Wildheit, aus Armut oder aus Philosophie je versuchten ohne sie auszukommen. Viele Gesch\u00f6pfe haben in diesem Sinne nur ein Lebensbed\u00fcrfnis \u2013 Nahrung. Der B\u00fcffel in der Prairie findet sie in einigen Quadratzoll wohlschmeckenden Grases und in einem Trunk Wasser, falls er nicht des Waldes Schutz und des Berges Schatten aufsucht. Kein Tier der Sch\u00f6pfung bedarf mehr als Nahrung und Unterschlupf. Die Lebensbed\u00fcrfnisse der Menschen in unserem Klima kann man ziemlich ersch\u00f6pfend unter folgenden Rubriken zusammenfassen: Nahrung, Obdach, Kleidung, Feuerung. Dann erst, wenn wir uns dieser Dinge versichert haben, sind wir vorbereitet, den wahren Problemen des Lebens in Freiheit und mit einiger Aussicht auf Erfolg nachzuforschen. Der Mensch hat nicht nur H\u00e4user erfunden, sondern auch Kleidung und das Zubereiten der Nahrung. Und m\u00f6glicherweise entstand durch die zuf\u00e4llige Entdeckung der W\u00e4rme des Feuers und durch die damit verbundene Nutzanwendung, die anfangs Luxus war, unser heutiges Bed\u00fcrfnis am Feuer zu sitzen. <a id=\"page37\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page37\"><\/a> Wir k\u00f6nnen bei Katzen und Hunden das Annehmen derselben Gewohnheit beobachten. Durch zweckm\u00e4\u00dfige Wohnung und Kleidung bewahren wir vern\u00fcnftigerweise unsere innere W\u00e4rme. Wenn wir aber mit diesen Dingen, gerade wie mit der Feuerung, nicht Ma\u00df halten, d.\u00a0h. wenn die \u00e4u\u00dfere Hitze gr\u00f6\u00dfer ist als unsere Eigenw\u00e4rme, gibts da nicht ein Verbr\u00fchen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Naturforscher Darwin erz\u00e4hlte folgende \u00fcberraschende Beobachtung, die er bei den Feuerl\u00e4ndern machte: w\u00e4hrend er und seine Begleiter warm gekleidet nahe am Feuer gesessen h\u00e4tten, ohne es auch nur im geringsten <i>zu<\/i> warm zu finden, sei an den nackten Wilden, die weit vom Feuer entfernt standen, \u00bbob solchen R\u00f6stens\u00ab der Schwei\u00df in Str\u00f6men heruntergelaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wissen wir, da\u00df der Neuholl\u00e4nder ungestraft nackt umherspaziert, w\u00e4hrend der Europ\u00e4er in seinen Kleidern fr\u00f6stelt. Ist es unm\u00f6glich die Widerstandsf\u00e4higkeit dieser Wilden mit der Intelligenz der zivilisierten Menschen in Einklang zu bringen? Nach Liebig ist des Menschen K\u00f6rper ein Ofen, und Nahrung die Feuerung, die den inneren Verbrennungsproze\u00df in der Lunge unterh\u00e4lt. Bei kaltem Wetter essen wir mehr, bei warmem weniger. Die animalische W\u00e4rme ist das Produkt einer langsamen Verbrennung, und Krankheit und Tod treten ein, wenn sie zu rasch von statten geht oder wenn aus Mangel an Feuerung oder an Sauerstoffzufuhr das Feuer erlischt. Nat\u00fcrlich kann die Lebensw\u00e4rme nicht mit dem Feuer verglichen werden. Doch genug von dieser Analogie. Es ergibt sich also aus dem soeben Gesagten, da\u00df der Ausdruck \u00bbanimalisches Leben\u00ab nahezu gleichbedeutend mit dem Ausdruck \u00bbanimalische W\u00e4rme\u00ab ist. Und wie die Nahrung als Feuerung betrachtet werden kann, die unser inneres Feuer unterh\u00e4lt \u2013 und Feuerung nur dazu dient, diese Nahrung herzustellen oder unsere K\u00f6rperw\u00e4rme durch Zufuhr von au\u00dfen zu erh\u00f6hen \u2013 so dienen Wohnung und Kleidung auch nur dazu, die also erzeugte und absorbierte W\u00e4rme festzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hauptbed\u00fcrfnis f\u00fcr unsern K\u00f6rper besteht also darin warm zu bleiben, die Lebensw\u00e4rme in ihm zu erhalten. Was f\u00fcr M\u00fchen machen wir uns aber auch, nicht nur wegen unserer Nahrung, Kleidung <a id=\"page38\" title=\"wedi\/gary\" name=\"page38\"><\/a> und Wohnung, sondern auch wegen unserer Betten, die unsere Nachtkleider sind! Nest und Brust der V\u00f6gel berauben wir, um diese Wohnung in einer Wohnung herzurichten, gerade wie der Maulwurf, der sein Bett aus Gras und Bl\u00e4ttern am Ende seines Ganges macht. Arme Menschen klagen gew\u00f6hnlich \u00fcber diese kalte Welt; auf K\u00e4lte, physische sowohl wie soziale, f\u00fchren wir unmittelbar einen gro\u00dfen Teil unserer Leiden zur\u00fcck. In einigen Klimaten gestattet die Sommerzeit den Menschen eine Art paradiesisches Leben. Feuerung ist dann nicht notwendig au\u00dfer zum Kochen. Die Sonne ist ihr Feuer und manche Fr\u00fcchte sind gen\u00fcgend durch ihre Strahlen gekocht. Die Nahrung wird abwechselungsreicher, ist leichter zu beschaffen. Kleidung aber und Wohnung sind ganz oder teilweise entbehrlich. Heutzutage sind in diesem Lande \u2013 ich habe das an mir selbst erfahren\u00a0\u2013, einige Werkzeuge: ein Messer, eine Axt, ein Spaten, eine Schubkarre usw., und f\u00fcr den Gelehrten: Lampenlicht, Schreibmaterial und die Gelegenheit einige B\u00fccher zu benutzen die n\u00e4chst wichtigen Lebensbed\u00fcrfnisse. All diese Dinge sind f\u00fcr billiges Geld zu haben. Doch einige Toren wandern auf die andere Seite des Erdballs in unkultivierte und ungesunde Gegenden, widmen sich zehn oder zwanzig Jahre lang dem Handel, damit sie leben, d.\u00a0h. sich gem\u00fctlich warm halten k\u00f6nnen, und schlie\u00dflich sterben sie in Neuengland. Die im \u00fcppigen Reichtum Lebenden sitzen jedoch nicht in behaglicher W\u00e4rme, sondern in unnat\u00fcrlicher Hitze; ich sagte es schon: sie werden gekocht, nat\u00fcrlich <i>\u00e0 la mode.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast jeder Luxus und viele der sogenannten Bequemlichkeiten des Lebens sind nicht nur absolut \u00fcberfl\u00fcssig, sondern geradezu Hindernisse f\u00fcr die fortschreitende Entwickelung des Menschengeschlechtes. In Hinsicht auf Luxus und Bequemlichkeit haben die Weisesten immer ein einfacheres und armseligeres Leben gef\u00fchrt als die Armen. Niemals war jemand an weltlichen G\u00fctern \u00e4rmer, an inneren G\u00fctern reicher als die alten Philosophen in China, Indien, Persien und Griechenland. Wir wissen nicht viel \u00fcber sie. Merkw\u00fcrdig ist, da\u00df wir \u00fcberhaupt so viel \u00fcber sie wissen. Dasselbe gilt von den neueren Reformatoren und Wohlt\u00e4tern ihrer V\u00f6lker. Nur wer den freien <a id=\"page39\" title=\"Ofey\/gary\" name=\"page39\"><\/a> Blick besitzt, den freiwillige Armut er\u00f6ffnet, kann unparteiisch und weise das menschliche Leben betrachten. Ein luxuri\u00f6ses Leben zeitigt Luxus, sei es im Ackerbau, im Handel, in der Literatur oder in der Kunst. Heutzutage gibt es Dozenten der Philosophie, aber keine Philosophie. Wie man einst trefflich sein Leben verbrachte, dar\u00fcber h\u00f6rt man heute trefflich dozieren. Geistreiche Gedanken und selbst die Gr\u00fcndung einer Schule machen noch keinen Philosophen. Vielmehr mu\u00df man die Weisheit solcherma\u00dfen lieben, da\u00df man nach ihren Vorschriften lebt, ein Leben der Einfachheit, Unabh\u00e4ngigkeit, der Gro\u00dfmut und des Vertrauens. Einige Probleme des Lebens sollen wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch l\u00f6sen. Der Erfolg gro\u00dfer Gelehrter und Denker ist h\u00e4ufig eine Art H\u00f6flingserfolg, kein k\u00f6niglicher, kein m\u00e4nnlicher Erfolg. Mit ihrem Anpassungsverm\u00f6gen schlagen sie sich k\u00fcmmerlich durchs Leben, gerade wie auch ihre V\u00e4ter. In keiner Hinsicht sind sie die Erzeuger einer edleren Menschenrasse. Doch warum degenerieren die Menschen stets? Warum sterben Familien aus? Wie mu\u00df der Luxus beschaffen sein, der Nationen entnervt und vernichtet? Sind wir sicher, da\u00df nichts davon in unserem eigenen Leben vorhanden ist? Der Philosoph eilt seiner Zeit voraus, selbst in der \u00e4u\u00dferen Lebensform. Er unterscheidet sich durch seine Nahrung, Wohnung, Kleidung und durch sein W\u00e4rmebed\u00fcrfnis von seinen Zeitgenossen. Wie kann man den Menschen einen Philosophen nennen, der keine besseren Methoden zur Erhaltung seiner Lebensw\u00e4rme kennt, als andere Leute?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ein Mensch durch die verschiedenen Methoden, die ich beschrieben habe, gew\u00e4rmt ist, was hat er dann zun\u00e4chst n\u00f6tig? Sicherlich nicht noch mehr W\u00e4rme derselben Art, z.\u00a0B. reichlichere und reichere Nahrung, gr\u00f6\u00dfere und pr\u00e4chtigere H\u00e4user, bessere und elegantere Kleider, zahlreichere, best\u00e4ndigere und w\u00e4rmere Feuer usw. Wenn er die Dinge erlangt hat, die f\u00fcr das Leben notwendig sind, ist es ihm anheimgestellt sich um etwas anderes als um das \u00dcberfl\u00fcssige zu bem\u00fchen, d.\u00a0h. er kann sich jetzt, wo er niedriger Arbeit enthoben ist, an das Leben selbst wagen. Der Boden ist, wie es scheint, f\u00fcr die Saat geeignet, denn sie hat in der Tiefe Wurzel gefa\u00dft; so <a id=\"page40\" title=\"Ofey\/gary\" name=\"page40\"><\/a> mag sie denn jetzt ihre Sprossen auch vertrauensvoll nach oben senden. Warum hat der Mensch seine Wurzeln so fest in die Erde geschlagen, wenn er nicht in demselben Ma\u00dfe in den Himmel dort oben wachsen will? Edlere Pflanzen beurteilt man nach ihren Fr\u00fcchten, die sie schlie\u00dflich, frei vom Erdboden, in Luft und Licht erzeugen. Sie werden darum auch nicht wie die niederen N\u00e4hrpflanzen behandelt, die, auch wenn sie zweij\u00e4hrig sind, nur so lange gepflegt werden, bis ihre Wurzel ausgewachsen ist und deren oberer Teil oftmals gerade zu diesem Zwecke ganz abgeschnitten wird, so da\u00df die Menschen sie in ihrer Bl\u00fctezeit gar nicht kennen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe nicht die Absicht starken und mutigen Naturen Vorschriften zu geben. Sie k\u00f6nnen ihre eigenen Angelegenheiten selbst erledigen, sei es im Himmel oder in der H\u00f6lle. Sie bauen vielleicht gro\u00dfartiger, verschwenden freigebiger als die Reichen, und werden doch nie arm. Sie wissen selbst nicht wie sie leben \u2013 vorausgesetzt, da\u00df es \u00fcberhaupt solche Menschen gibt. Man nimmt das ja an. Auch zu denen rede ich nicht, die Ermutigung und Begeisterung gerade in den gegenw\u00e4rtigen Zust\u00e4nden finden und sie mit der Innigkeit und mit dem Enthusiasmus Liebender hegen und pflegen; bis zu einem gewissen Grade geh\u00f6re ich selbst zu dieser Zahl. Auch wende ich mich nicht an diejenigen, welche sich, einerlei unter welchen Umst\u00e4nden, gut besch\u00e4ftigen, und die wissen, ob sie sich gut besch\u00e4ftigen oder nicht. Nur zu der Masse jener Menschen spreche ich, die unzufrieden sind, die sich vergeblich \u00fcber die H\u00e4rte ihres Schicksals oder der Zeiten beklagen, w\u00e4hrend sie beides verbessern k\u00f6nnten. Manche Leute st\u00f6hnen auf das heftigste, sind untr\u00f6stlich, weil sie, wie sie sagen, ihre Pflicht tun. Ich denke auch an die reiche und doch so unendlich arme Klasse jener Menschen, die Tand auf Tand h\u00e4ufen, und nicht wissen, was sie damit tun, wie sie denselben los werden k\u00f6nnen. Sie haben sich ihre eigenen goldenen oder silbernen Fesseln geschmiedet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich versuchen wollte zu schildern, wie ich in fr\u00fcheren Tagen mein Leben zu verbringen w\u00fcnschte, w\u00fcrden wahrscheinlich diejenigen meiner Leser, die meinen wirklichen Lebenslauf kennen, \u00fcberrascht sein. Diejenigen, die gar nichts davon wissen, w\u00fcrden einfach staunen. <a id=\"page41\" title=\"Ofey\/gary\" name=\"page41\"><\/a> Ich will nur einige Unternehmungen, an denen ich meine Freude hatte, andeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei jedem Wetter, zu jeder Tages- oder Nachtstunde versuchte ich den gegebenen Augenblick zu benutzen. Immer war ich bedacht dort festen Fu\u00df zu fassen, wo zwei Ewigkeiten \u2013 Vergangenheit und Zukunft \u2013 zusammentreffen, d. h. gerade im jeweiligen Augenblick. Gerade dort wich ich keinen Zoll. Mit einigen Unklarheiten mu\u00df der Leser schon Nachsicht haben, denn in meinem Handwerk gibt es mehr Geheimnisse als in den meisten anderen. Und doch werden diese nicht vors\u00e4tzlich geh\u00fctet, sondern die Natur der Sache bringt es mit sich. Ich w\u00fcrde mit Freuden alles, was ich dar\u00fcber wei\u00df, mitteilen und niemals an meine T\u00fcr schreiben: \u00bbZutritt verboten\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor langer Zeit verlor ich einen Jagdhund, ein rotbraunes Pferd und eine Turteltaube. Noch immer suche ich sie. Zahlreich sind die Wanderer, mit denen ich \u00fcber die Verlorenen sprach, denen ich die Spuren beschrieben habe und die Rufe, auf die meine Tiere h\u00f6rten. Ein paar Leute hatten das Bellen des Hundes, den Hufschlag des Pferdes vernommen, ja sie hatten auch die Taube gesehen, wie sie gerade hinter einer Wolke verschwand. Und sie waren so erpicht darauf sie wieder einzufangen, als ob sie selbst sie verloren h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt, nicht nur dem Sonnenaufgang und der Morgend\u00e4mmerung, nein, wom\u00f6glich der Natur selbst zuvorzukommen! Wie oft bin ich in der Fr\u00fche, im Sommer wie im Winter, bevor noch irgend ein Nachbar zur Arbeit sich anschickte, bei meiner Arbeit gewesen. Sicherlich haben mich manche meiner Mitb\u00fcrger gesehen, wenn ich von meiner Besch\u00e4ftigung zur\u00fcckkehrte: Farmer, die im Zwielicht nach Boston wanderten oder Holzhacker, die zur Arbeit gingen. Allerdings, ich half der Sonne nicht wesentlich beim Aufgehen, aber zweifellos war allein schon meine Anwesenheit bei diesem Ereignis von allerh\u00f6chster Wichtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viele Herbst- und Wintertage verlebte ich au\u00dferhalb der Stadt, um zu h\u00f6ren, was der Wind sagte, und dann das Geh\u00f6rte als Eilgut weiterzutragen: Fast mein ganzes Verm\u00f6gen steckte ich <a id=\"page42\" title=\"Ofey\/wedi\" name=\"page42\"><\/a> hinein und verlor obendrein meinen Atem bei dem Handel, wenn ich ihm entgegenst\u00fcrmte. H\u00e4tte er von politischen Parteien erz\u00e4hlt, Ihr k\u00f6nnt Euch drauf verlassen, es h\u00e4tte unter \u00bbNeueste Nachrichten\u00ab alsbald in der Zeitung gestanden. An anderen Tagen hielt ich von dem Observatorium eines Felsens oder eines Baumes aus Wache, um irgend eine ungewohnte Ankunft weiter zu telegraphieren, oder ich wartete abends auf den Gipfeln der H\u00fcgel darauf, da\u00df der Himmel sich herniedersenke, damit ich ein St\u00fcckchen davon erwischen k\u00f6nne. Doch ich erwischte niemals viel, und selbst das zerschmolz wie Manna in der Sonne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Zeit war ich Berichterstatter bei einer nicht sehr weit verbreiteten Zeitung, deren Herausgeber sich bisher noch nicht bewogen f\u00fchlte den gr\u00f6\u00dferen Teil meiner Beitr\u00e4ge zu drucken. So bezahlte sich, wie das bei Schriftstellern fast regelm\u00e4\u00dfig geschieht, meine M\u00fche nur durch meine Arbeit. In diesem Fall trug \u00fcbrigens meine M\u00fche ihren Lohn schon in sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange Jahre hindurch war ich selbstangestellter Inspektor der Schneest\u00fcrme und Regenschauer; ich tat getreulich meine Pflicht. Ich war auch Aufseher, zwar nicht der Landstra\u00dfen, aber der Waldpfade und Feldwege, die ich in allen Jahreszeiten gangbar erhielt. Auch Schluchten \u00fcberbr\u00fcckte ich, wenn die Fu\u00dfstapfen des Publikums zu solch n\u00fctzlichem Tun ermunterten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich \u00fcberwachte den Wildstand meiner Mitb\u00fcrger, der einem pflichttreuen Hirten genug zu schaffen machte, weil das Gehege oft \u00fcbersprungen wurde. Ich lie\u00df meine Augen in die entlegenen Ecken und Winkel der Farm wandern. Zwar wu\u00dfte ich nicht immer, ob Jonas oder Salomo auf diesem oder jenem Acker heute arbeitete \u2013 das ging mich auch nichts an. Ich bego\u00df die roten Heidelbeeren, die Sandkirschen und den Nesselbaum, die Rottanne und die Schwarzesche, den wei\u00dfen Wein und das gelbe Veilchen, die vielleicht sonst in trocknen Jahreszeiten verdorrt w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz, so trieb ich es eine lange Zeit. Ich kann, ohne zu prahlen, sagen, da\u00df ich mein Amt pflichtgetreu versah. Allm\u00e4hlich aber erkannte ich mehr und mehr, da\u00df meine lieben Mitb\u00fcrger gar nicht <a id=\"page43\" title=\"Ofey\/wedi\" name=\"page43\"><\/a> daran dachten mich in die Stadtverwaltung zu w\u00e4hlen oder mir eine Sinekure mit bescheidenem Gehalte zu geben. Meine Abrechnungen, deren Genauigkeit ich beschw\u00f6ren kann, wurden tats\u00e4chlich nie angesehen, geschweige denn anerkannt, selbstverst\u00e4ndlich auch nie bezahlt oder \u00bbsaldiert\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist noch nicht lange her, da kam ein herumziehender Indianer zu dem Hause eines in meiner Nachbarschaft wohlbekannten Rechtsanwaltes, um K\u00f6rbe zu verkaufen. \u00bbWollen Sie K\u00f6rbe kaufen?\u00ab fragte er. \u00bbNein, wir haben keinen Bedarf\u00ab, war die Antwort. \u00bbWas\u00ab, rief der Indianer, als er zur T\u00fcr hinausging, \u00bbwollt Ihr uns vielleicht Hungers sterben lassen?\u00ab Da er gesehen hatte, da\u00df es seinen flei\u00dfigen, wei\u00dfen Nachbarn gut ging, da\u00df der Rechtsanwalt nur Argumente zu flechten brauchte um Geld und eine gute Stellung zu erhalten, kam ihm der Gedanke: Ich werde auch ein Gesch\u00e4ft anfangen \u2013 ich werde K\u00f6rbe flechten, das ist etwas, was ich fertig bringe. Er dachte, wenn er die K\u00f6rbe hergestellt habe, sei seine Pflicht und Schuldigkeit getan, Pflicht und Schuldigkeit der Wei\u00dfen sei es alsdann, seine K\u00f6rbe zu kaufen. Daran hatte er \u00fcberhaupt nicht gedacht, da\u00df die andern notwendigerweise sein Angebot auch des Ankaufs f\u00fcr wert halten oder hiervon wenigstens \u00fcberzeugt werden m\u00fc\u00dften, oder da\u00df er etwas anderes herstellen k\u00f6nne, was anderen kaufenswert erschiene. Auch ich hatte eine Art Korb von feinem Geflecht angefertigt, aber niemand bem\u00fchte sich ihn zu kaufen. Trotzdem glaubte ich, es sei lohnend ihn zu weben. Aber anstatt zu versuchen ihn den Leuten anzupreisen, \u00fcberlegte ich vielmehr, wie ich der Notwendigkeit ihn zu verkaufen enthoben werden k\u00f6nnte. Es gibt nur <i>eine<\/i> Lebensweise, die von den Menschen gepriesen und als erfolgreich angesehen wird. Aber warum wollen wir von der <i>einen<\/i> so viel Aufhebens auf Kosten der anderen machen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mir klar dar\u00fcber wurde, da\u00df meine lieben Mitb\u00fcrger mir wahrscheinlich kein B\u00fcro im Rathaus, keine Pfarre oder irgend einen anderen Broterwerb anbieten w\u00fcrden, da\u00df ich vielmehr mir selbst helfen m\u00fcsse, wandte ich mein Augenmerk mehr denn je den W\u00e4ldern zu. Dort war ich besser bekannt. Ich beschlo\u00df, mein Gesch\u00e4ft <a id=\"page44\" title=\"Ofey\/wedi\" name=\"page44\"><\/a> sofort zu er\u00f6ffnen, nicht zu warten, bis ich das \u00fcbliche Kapital erworben habe, sondern die sp\u00e4rlichen Mittel, die ich bereits besa\u00df, zu verwenden. Als ich zum \u00bbWaldenteich\u00ab zog, wollte ich dort weder billig noch teuer leben, sondern Privatgesch\u00e4fte m\u00f6glichst ungehindert erledigen. H\u00e4tte ich mich durch Mangel an gesundem Menschenverstand, an Unternehmungsgeist oder Gesch\u00e4ftstalent davon abhalten lassen, \u2013 es w\u00e4re eher t\u00f6richt als bedauerlich gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich stets bem\u00fcht strenge Gesch\u00e4ftsprinzipien zu erlernen. Sie sind f\u00fcr jedermann unumg\u00e4nglich notwendig. Wer mit dem \u00bbHimmlischen Reich\u00ab Handel treibt, kann sich durch eine kleine Filiale an der K\u00fcste, in irgend einem \u00bbSalem-Hafen\u00ab <span class=\"footnote\">Hafen an der neuenglischen K\u00fcste.<\/span> eine gen\u00fcgende Basis schaffen. Man wird jene Artikel, die im Lande produziert werden, exportieren: viel Eis, Tannenholz und etwas Granit \u2013 alles in Schiffen, die in Amerika gebaut wurden. Das w\u00e4re keine schlechte Spekulation. Da gilt es alle Einzelheiten pers\u00f6nlich zu \u00fcberwachen. Lotse und Kapit\u00e4n, Eigent\u00fcmer und Versicherungsagent zugleich zu sein, zu kaufen, zu verkaufen und die B\u00fccher zu f\u00fchren, jeden Brief, der einl\u00e4uft, zu lesen und jeden Brief, der abgehen soll, zu schreiben und durchzulesen, das Eintreffen der importierten Waren bei Tag und bei Nacht zu \u00fcberwachen, an vielen Orten der K\u00fcste fast gleichzeitig zu sein \u2013 oft wird n\u00e4mlich die reichste Fracht in einem ganz unzivilisierten Lande gel\u00f6scht. Da gilt es sein eigener Telegraph zu sein, unerm\u00fcdlich den Horizont abzusuchen und alle Schiffe, die landen wollen, anzusprechen, einen konstanten Warenversand zu unterhalten und einen entlegenen und kaufkr\u00e4ftigen Markt zu versorgen, die Schwankungen des Marktes genau zu verfolgen, \u00fcberall die Aussichten auf Krieg und Frieden und die Tendenzen des Handels und der Zivilisation vorherzusehen, d.\u00a0h. die Ergebnisse der Entdeckungsreisen vorteilhaft zu verwenden, indem man neue Durchfahrten und alle Verbesserungen der Schiffahrt benutzt. Auch Karten mu\u00df man studieren, sich die Lage von Riffen, neuen Leuchtfeuern und Bojen einpr\u00e4gen und ohne Unterla\u00df Logarithmentabellen korrigieren, denn oft zerschellt ein Schiff, das im freundlichen Hafen alsbald Anker werfen sollte, infolge eines Berechnungsfehlers an <a id=\"page45\" title=\"quantenspringer\/gary\" name=\"page45\"><\/a> einem Felsen \u2013 man denke an das r\u00e4tselhafte Schicksal von \u00bb <i>La Perousa<\/i>\u00ab. Es gilt gleichen Schritt zu halten mit allen Gebieten der Wissenschaft, den Lebenslauf aller gro\u00dfen Entdecker und Seefahrer, aller gro\u00dfen Gl\u00fccksritter und Kaufherren, von Hanno und den Ph\u00f6niziern an bis auf unsere Tage hinab zu studieren, kurz, man mu\u00df von Zeit zu Zeit das Lager aufnehmen, um seinen Abschlu\u00df zu machen. Solche Arbeit kann als Pr\u00fcfstein f\u00fcr die F\u00e4higkeiten eines Mannes gelten, solche Probleme von Gewinn und Verlust, von Verzinsung, von Taxe und Rabattbewilligung, solch sachkundige Kritik \u00fcber alle Gebiete erfordert ein universelles Wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaubte, da\u00df der Waldenteich ein guter Gesch\u00e4ftsplatz sein m\u00fcsse, nicht allein wegen der Eisenbahn oder des Eishandels. Er bietet Vorteile, die man am besten nicht verr\u00e4t, wenn man klug ist. Er liefert eine gute Stellung, eine gute Basis. Newas\u00fcmpfe sind nicht auszuf\u00fcllen. Doch \u00fcberall mu\u00df man auf selbstgef\u00fcgtem Fundamente bauen. Man behauptet, da\u00df eine Sturmflut bei Westwind mit Eisgang in der Newa St.\u00a0Petersburg vom Angesicht der Erde wegfegen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da mein Gesch\u00e4ft ohne das \u00fcbliche Kapital begonnen werden sollte, ist es nicht leicht zu erraten, woher die Mittel, die zu irgend einem solchen Unternehmen stets notwendig sind, genommen werden konnten. Was die Kleidung betrifft \u2013 um sogleich zum praktischen Teil der Frage zu kommen\u00a0\u2013, so lassen wir uns bei der Auswahl derselben vielleicht h\u00e4ufiger durch die Modesucht und durch die Kritik unserer Mitmenschen als durch wirkliche praktische Gesichtspunkte leiten. Wer arbeiten mu\u00df, soll nicht vergessen, da\u00df die Kleidung erstens zur Erhaltung der Lebensw\u00e4rme und zweitens \u2013 infolge unserer heutigen sozialen Verh\u00e4ltnisse \u2013 zum Verh\u00fcllen der Nacktheit dienen soll. Er wird dann erkennen, wie viel notwendige oder wichtige Arbeit er verrichten kann ohne den Inhalt seines Kleiderschrankes zu vermehren. K\u00f6nige und K\u00f6niginnen, die ihre Gew\u00e4nder nur einmal tragen, k\u00f6nnen, selbst wenn diese von einem \u00bbHoflieferanten f\u00fcr Herren- oder Damengarderoben\u00ab angefertigt w\u00fcrden, gar nicht wissen, was f\u00fcr eine Annehmlichkeit <a id=\"page46\" title=\"quantenspringer\/gary\" name=\"page46\"><\/a> ein gut passender Anzug ist. Sie sind nichts weiter als h\u00f6lzerne St\u00e4nder, \u00fcber die man saubere Kleider h\u00e4ngt. Mit jedem Tage werden unsere Kleider uns selbst \u00e4hnlicher. Immer mehr nehmen sie von dem Charakter des Tr\u00e4gers in sich auf. Schlie\u00dflich, wenn alle \u00e4rztliche Hilfe versagt hat, trennen wir uns nur z\u00f6gernd von ihnen und unter solch feierlichen Zeremonien, wie wir unsern Toten erweisen. Niemals sank ein Mensch in meiner Achtung, weil er einen Fleck in seiner Kleidung hatte. Und doch: ich bin \u00fcberzeugt, im allgemeinen ist man mehr darauf bedacht, moderne oder wenigstens reine und fleckenlose Kleider zu haben als ein reines Gewissen. Und selbst wenn das Loch nicht gestopft ist: das schlimmste Laster, das es verr\u00e4t, hei\u00dft doch nur \u2013 Unvorsichtigkeit. Bisweilen stelle ich meine Bekannten durch Fragen wie die folgende auf die Probe: \u00bbWer kann einen Flicken oder auch nur zwei Extran\u00e4hte \u00fcber dem Knie tragen?\u00ab Die meisten benehmen sich, als ob sie glaubten, durch solch eine Tat w\u00fcrde die Zukunft ihres Lebens ruiniert. Es w\u00fcrde ihnen leichter fallen, mit einem gebrochenen Bein zur Stadt hinabzuhumpeln als mit einer zerrissenen Hose. Wenn die Beine eines Herren durch einen Unfall verletzt werden, k\u00f6nnen sie oftmals wieder hergestellt werden. Doch wenn ein \u00e4hnlicher Anfall seinen Beinkleidern zust\u00f6\u00dft, gibt es keine Hilfe: denn er k\u00fcmmert sich nicht um das, was achtungswert <i>ist<\/i>, sondern was als achtungswert <i>gilt<\/i>. Wir kennen nur wenige M\u00e4nner, aber sehr viele R\u00f6cke und Hosen. Bekleide eine Vogelscheuche mit Deinem neuesten Anzug und stelle dich nackend neben sie \u2013 wer w\u00fcrde da nicht zuerst die Vogelscheuche gr\u00fc\u00dfen? Als ich k\u00fcrzlich an einem Kornfeld vor\u00fcberging und dort einen Hut und Rock an einem Stecken h\u00e4ngen sah, erkannte ich den Besitzer der Farm. Er war nur etwas mehr verwittert wie damals, als ich ihn zum letzten Mal sah. Man hat mir von einem Hunde erz\u00e4hlt, welcher Fremde, die sich in Kleidern dem Geh\u00f6ft seines Herrn n\u00e4herten, ankl\u00e4ffte, der aber von einem nackten Diebe leicht zum Schweigen gebracht wurde. Es ist eine interessante Frage, bis zu welchem Grade die Menschen ihren jeweiligen Rang behalten w\u00fcrden, wenn sie sich ihrer Kleider entledigt h\u00e4tten. K\u00f6nnte man in solchem Falle unter einer Anzahl gebildeter Menschen mit <a id=\"page47\" title=\"Sophia\/gary\" name=\"page47\"><\/a> Sicherheit diejenigen bezeichnen, die sich des gr\u00f6\u00dften Ansehens erfreuen? Als Madame Pfeifer, <span class=\"footnote\">Ida Pfeifer, Reisende, 1797\u20131858. Ihre Reiseberichte haben geringen wissenschaftlichen Wert.<\/span> auf ihrer k\u00fchnen Weltreise von Ost nach West, heimkehrend ins asiatische Ru\u00dfland gekommen war, f\u00fchlte sie, wie sie sagte, die Notwendigkeit ihr Reisekost\u00fcm mit einem andern zu vertauschen, sobald sie mit Beh\u00f6rden zu verkehren hatte. Denn sie war \u00bbin einem zivilisierten Lande, wo man die Leute nach ihren Kleidern beurteilt\u00ab. Selbst in unsern demokratischen St\u00e4dten Neuenglands bedingt der zuf\u00e4llige Besitz von Verm\u00f6gen, der sich in der Kleidung und in der Einrichtung zu erkennen gibt, f\u00fcr den Besitzer eine fast allgemeine Hochachtung. Aber die Menschen, die solche Hochachtung zollen, sind, so gro\u00df ihre Zahl auch ist, nichts weiter als G\u00f6tzendiener, denen man einen Mission\u00e4r schicken sollte. Au\u00dferdem ist durch die Kleidung die N\u00e4harbeit entstanden, eine Arbeit, die man endlos nennen kann. Ein Frauenkleid wenigstens wird niemals fertig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat ein Mensch schlie\u00dflich eine Besch\u00e4ftigung gefunden, so gebraucht er keinen neuen Anzug f\u00fcr diese Besch\u00e4ftigung. Ihm gen\u00fcgt der alte, der wer wei\u00df wie lange im Staube der Bodenkammer gelegen hat. Ein Held wird ein Paar alte Schuhe l\u00e4nger tragen als sein Diener \u2013 vorausgesetzt, da\u00df der Held \u00fcberhaupt je einen Diener hat. Nackte F\u00fc\u00dfe sind \u00e4lter als Schuhe, und auch sie gen\u00fcgen zu jedem Vorhaben. Nur wer zu \u00bbSoireen\u00ab und zu Versammlungen am \u00bbgr\u00fcnen Tische\u00ab geht, mu\u00df neue Kleider haben, mu\u00df seinen Anzug so oft wechseln, wie er in ihnen wechselt. Wenn aber mein Wams und meine Hosen, mein Hut und meine Stiefel gut genug sind, um Gott darin zu dienen, so sind sie \u00fcberhaupt gut. Oder nicht? War wirklich je ein alter Anzug \u2013 ein alter Rock \u2013 so sehr abgetragen, so v\u00f6llig in die urspr\u00fcnglichen Bestandteile aufgel\u00f6st, da\u00df er nicht noch einem armen Burschen als milde Gabe geschenkt werden konnte, damit dieser ihn vielleicht einem noch \u00e4rmeren schenke? Oder sollen wir ihn einen reicheren nennen, da er weniger bedurfte? Ich sage Euch: H\u00fctet Euch vor allen Besch\u00e4ftigungen, die neue Kleider und nicht einen neuen Tr\u00e4ger der Kleider verlangen. Wie kann ein neuer Anzug passen, wenn der Mensch nicht neu ist? Plant Ihr irgend ein neues <a id=\"page48\" title=\"JohannN\/quantenspringer\" name=\"page48\"><\/a> Unternehmen, so versucht es in Euren alten Kleidern. Die Menschen brauchen kein bestimmtes Arbeitsfeld, sondern Arbeit oder vielmehr Erfolg. Vielleicht sollten wir uns erst dann einen neuen Anzug anschaffen \u2013 einerlei, wie zerrissen und schmutzig der alte auch ist \u2013 wenn wir f\u00fchlen, da\u00df unser Benehmen, unsere Taten und die Fahrten unseres Lebensschiffes uns zu neuen Menschen in alten Kleidern gemacht haben. Behalten wir aber auch dann den alten Anzug, so bergen wir gleichsam neuen Wein in alten Schl\u00e4uchen. Die Zeit der Mauserung mu\u00df, wie beim Federvieh, eine Krisis in unserem Leben bedeuten. W\u00e4hrend dieser Zeit zieht sich der Taucher auf einsame Teiche zur\u00fcck. Auch die Schlange wirft ihre Haut und die Raupe ihr wurmiges Wams ab, infolge einer inneren Gesch\u00e4ftigkeit und Ausdehnung. Kleider sind nur \u00e4u\u00dfere Haut, unser \u00bbsterblich Teil\u00ab. <span class=\"footnote\">Siehe \u00bbHamlet\u00ab, Monolog.<\/span> Denn sonst k\u00f6nnte man eines Tages entdecken, da\u00df wir unter falscher Flagge segeln. Dann aber w\u00fcrde uns unsere eigene Meinung und die unserer Mitmenschen unnachsichtig kassieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir ziehen ein Kleidungsst\u00fcck \u00fcber das andere an, als ob wir wie exogene Pflanzen durch Zunahme von der Au\u00dfenseite her w\u00fcchsen, unsere \u00e4u\u00dferen, oftmals d\u00fcnnen und seltsamen Gew\u00e4nder sind unsere Epidermis oder falsche Haut, die mit unseren Lebensvorg\u00e4ngen nichts zu tun hat, und hier und da ohne b\u00f6se Folgen abgestreift werden kann. Unsere dickeren Gew\u00e4nder, die wir best\u00e4ndig tragen, sind das Unterhaut-Zellgewebe oder die Rinde. Unsere Hemden aber sind unser Bast oder unsere wahre Rinde, deren Entfernung eine schwere Verletzung oder den Tod des Menschen bedingt. Ich glaube, da\u00df alle Rassen zu bestimmten Jahreszeiten etwas dem Hemde \u00e4quivalentes tragen. Der Mensch sollte in seiner Kleidung einer solchen Einfachheit sich beflei\u00dfigen, da\u00df er selbst im Dunkeln sich anziehen kann. Er sollte in jeder Hinsicht so festgef\u00fcgt und wohl versorgt leben, da\u00df er, wenn der Feind sich der Stadt bem\u00e4chtigt, wie der alte Philosoph, ohne Angst mit leeren H\u00e4nden zum Tore hinausziehen kann. Da aber ein dicker Rock in den meisten F\u00e4llen so gut wie drei d\u00fcnne ist, und passende Kleider zu wirklich billigen Preisen gekauft werden k\u00f6nnen, da man ferner f\u00fcr f\u00fcnf Dollars einen dicken Rock bekommt, der ebensoviele <a id=\"page49\" title=\"JohannN\/quantenspringer\" name=\"page49\"><\/a> Jahre halten wird, da man dicke Hosen f\u00fcr zwei Dollars, ein paar starke rindslederne Schuhe f\u00fcr 1\u00bd\u00a0Dollars, einen Sommerhut f\u00fcr 25\u00a0Cents und eine Winterm\u00fctze f\u00fcr 62\u00bd\u00a0Cents oder eine noch bessere f\u00fcr ein Spottgeld sich verschaffen kann, wenn man sie selbst macht: wer zeigt mir da den Menschen, dem, mag er im \u00fcbrigen noch so arm sein, nicht von weisen M\u00e4nnern Hochachtung entgegengebracht wird, weil er in einem solchen <i>selbstverdienten<\/i> Anzug steckt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich ein Kleidungsst\u00fcck von einer besonderen Art bestelle, so sagt mir meine Schneiderin mit wichtiger Miene: \u00bbMan macht das jetzt nicht so.\u00ab Dabei betont sie das \u00bbman\u00ab durchaus nicht, gerade als ob sie eine Autorit\u00e4t zitiere, die so unpers\u00f6nlich wie das Schicksal ist. So sto\u00dfe ich, wenn ich etwas nach meinen W\u00fcnschen gemacht haben will, auf Schwierigkeiten aus dem einfachen Grunde, weil sie nicht glauben kann, da\u00df ich meine, was ich sage, und da\u00df ich derart voreilig bin. Wenn ich ihren Orakelspruch h\u00f6re, versinke ich f\u00fcr einen Augenblick in tiefstes Nachdenken, betone f\u00fcr mich jedes Wort einzeln, um seinen Gehalt zu ergr\u00fcnden, um mir dar\u00fcber klar zu werden, durch welchen Grad von Blutsverwandtschaft \u00bbman\u00ab mit \u00bbmir\u00ab verwandt ist, und welche Glaubw\u00fcrdigkeit \u00bbman\u00ab in einer Angelegenheit verdient, die mich so nahe ber\u00fchrt. Und schlie\u00dflich f\u00fchle ich mich veranla\u00dft, ihr mit dem gleichen mysteri\u00f6sen Tiefsinn, und ebenfalls ohne jede Betonung des \u00bbman\u00ab zu antworten: \u00bbSie haben recht, in letzter Zeit machte man es nicht so, doch man tut es jetzt.\u00ab Was n\u00fctzt ihr Ma\u00dfnehmen, wenn sie nicht meinen Charakter mi\u00dft, sondern nur die Breite meiner Schultern, als ob diese ein Holzpflock w\u00e4ren, \u00fcber den der Anzug geh\u00e4ngt wird? Wir verehren weder die Grazien noch die Parzen sondern die Mode. Sie spinnt und webt und schneidet ab \u2013 als h\u00f6chste Autorit\u00e4t. Der Oberaffe in Paris setzt sich eine Reisem\u00fctze auf, und alle Affen in Amerika tun dasselbe. Bisweilen verzweifle ich an der Hoffnung, da\u00df etwas ganz Einfaches und Ehrliches in dieser Welt durch Menschenwerk vollbracht werden kann. Man m\u00fc\u00dfte die Menschen erst durch eine Presse mit Hochdruck hindurchtreiben, ihre alten Anschauungen so energisch aus <a id=\"page50\" title=\"Sophia\/rudi49\" name=\"page50\"><\/a> ihnen herausquetschen, da\u00df sie nicht so bald wieder auf die Beine k\u00e4men. Und doch: wenn nur Einer unter der Menge gewesen ist mit einer Larve im Kopf, die aus einem Ei kroch, das Gott wei\u00df wann dort gelegt wurde \u2013 denn selbst Feuer t\u00f6tet diese Gesellschaft nicht \u2013 dann ist die ganze M\u00fche vergeblich gewesen. Wir wollen aber trotzdem nicht vergessen, da\u00df uns eine Mumie \u00e4gyptischen Weizen aush\u00e4ndigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im allgemeinen kann man meiner Ansicht nach nicht behaupten, da\u00df die Bekleidung sich in diesem oder in einem andern Lande zum Rang einer Kunst erhoben hat. Heutzutage behelfen sich die Menschen mit der Kleidung, die sie finden k\u00f6nnen. Wie Seeleute nach dem Schiffbruch ziehen sie an, was sie am Strande finden. Sobald aber eine kleine zeitliche oder r\u00e4umliche Distanz sich geltend macht, lachen sie einander wegen der Maskerade aus. Jede Generation lacht \u00fcber die alten Moden und folgt ehrfurchtsvoll der neuen. Wir l\u00e4cheln belustigt, wenn wir die Tracht Heinrichs\u00a0VIII. oder der K\u00f6nigin Elisabeth anschauen, gerade als ob sie von dem K\u00f6nig oder der K\u00f6nigin der Kannibaleninseln stamme. Jedes Kost\u00fcm wirkt ohne den dazu geh\u00f6renden Menschen kl\u00e4glich oder grotesk. Nur durch das ernste Auge, das herausblickt, und durch das lautere Leben, das darin verbracht wurde, wird das L\u00e4cheln unterdr\u00fcckt, wird die Tracht eines Volkes geheiligt. Wenn ein Harlekin einen Anfall von Kolik bekommt, mu\u00df sein Flitterstaat auch dieser Stimmung Rechnung tragen. Wenn ein Soldat von einer Kanonenkugel getroffen ist, schm\u00fcckt ihn sein zerfetzter Rock wie ein Purpur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen der kindischen und barbarischen Vorliebe der M\u00e4nner und Frauen f\u00fcr neue Muster mu\u00df sich eine \u2013 ach wie gro\u00dfe \u2013 Anzahl von Menschen fortw\u00e4hrend damit besch\u00e4ftigen, Kaleidoskope zu sch\u00fctteln und in sie hineinzugaffen, um gerade jene Figur zu entdecken, nach der die gegenw\u00e4rtige Generation verlangt. Die Fabrikanten wissen aus Erfahrung, da\u00df dieser Geschmack nichts weiter als eine Grille ist. Von zwei Mustern, die sich nur durch die mehr oder weniger eigent\u00fcmliche Farbe einiger F\u00e4den voneinander unterscheiden, wird das eine schnell verkauft, w\u00e4hrend das andere im Schranke liegen <a id=\"page51\" title=\"JohannN\/rudi49\" name=\"page51\"><\/a> bleibt. Nicht selten aber ist dann in der n\u00e4chsten Saison dieser Gegenstand der \u00bballermodernste\u00ab. Im Vergleich hiermit ist das T\u00e4towieren kein so abscheulicher Gebrauch, wie man gew\u00f6hnlich annimmt. Er ist schon deswegen nicht barbarisch, weil die Farben hauttief eingetragen werden und unver\u00e4nderlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann nicht glauben, da\u00df unsere Gro\u00dfindustrie die beste Quelle f\u00fcr den Ankauf von Kleidungsst\u00fccken ist. Die Lage der Fabrikarbeiter wird jeden Tag derjenigen der englischen Arbeiter \u00e4hnlicher. Dar\u00fcber braucht man sich nicht zu wundern, denn nach allem, was ich geh\u00f6rt und gesehen habe, ist nicht die Herstellung einer guten und sittsamen Kleidung f\u00fcr den Menschen, sondern die Bereicherung der Trust-Kompagnien die Hauptsache. Im Laufe der Zeit treffen die Menschen nur das, wonach sie zielen. Darum t\u00e4ten sie besser, auch wenn sie jetzt fehl schie\u00dfen, ihr Ziel m\u00f6glichst hoch zu stecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings kann ich nicht bestreiten, da\u00df ein Obdach heutzutage ein Lebensbed\u00fcrfnis geworden ist, obwohl ich auch Beispiele daf\u00fcr anf\u00fchren k\u00f6nnte, da\u00df Menschen in einem k\u00e4lteren Lande als dem unsern sich ohne solches fortbeholfen haben. Samuel Laing <span class=\"footnote\">Samuel Laing, englischer Staatsmann und philosophischer Schriftsteller, 1812\u20131897.<\/span> berichtet: \u00bbDer Lappl\u00e4nder schl\u00e4ft in seinem Gewand aus Fellen und in seinem Sack aus Fellen, den er \u00fcber Kopf und Schultern zieht, jede Nacht auf dem Schnee, selbst bei K\u00e4ltegraden, die einen anderen Menschen, auch wenn er in Wolle gekleidet w\u00e4re, unfehlbar t\u00f6ten w\u00fcrden.\u00ab Er sah sie mit eigenen Augen, wie sie, so gebettet, schliefen. Dann aber f\u00fcgt er hinzu: \u00bbSie sind nicht abgeh\u00e4rteter als andere Menschen.\u00ab Wahrscheinlich aber erkannte der Mensch schon nach einer kleinen Weile seines Erdenwallens die Bequemlichkeit, die ein Haus bietet \u2013 \u00bbdie h\u00e4usliche Gem\u00fctlichkeit\u00ab. Dieser Ausdruck wird wohl urspr\u00fcnglich mehr das Wohlgefallen am Hause als an der Familie bezeichnet haben. Und selbst dieses Wohlgefallen kann nur ein tempor\u00e4res und begrenztes sein in jenen Klimaten, wo der Gedanke an das Haus haupts\u00e4chlich durch die Winter- und Regenzeit in uns erweckt wird, und wo es zwei Drittel des Jahres lang eigentlich nur den Sonnenschirm zu vertreten hat. In unserem Klima, zumal im Sommer, diente das Haus fr\u00fcher fast nur als Decke w\u00e4hrend der <a id=\"page52\" title=\"JohannN\/gary\" name=\"page52\"><\/a> Nacht. In der Hieroglyphenschrift der Indianer bedeutete ein Wigwam das Symbol eines Tagemarsches und eine Reihe derselben, in die Rinde eines Baumes geschnitten oder darauf gemalt, die Anzahl der Nachtlager. Der Mensch ward nicht so breitgliedrig und starkknochig geschaffen, da\u00df er nicht danach trachten m\u00fc\u00dfte, seine Welt einzuengen und einen ihm passenden Raum zu ummauern. Anfangs lebte er nackt unter freiem Himmel. Das war ganz angenehm bei heiterem, warmem Wetter und im Tageslicht. Doch die Regenzeit und der Winter \u2013 um von der gl\u00fchenden Sonne gar nicht zu reden \u2013 w\u00fcrden sein Geschlecht gar bald im Keime zerst\u00f6rt haben, wenn er sich nicht schleunigst mit dem Schutz eines Hauses umgeben h\u00e4tte. Es wird erz\u00e4hlt, da\u00df Adam und Eva mit Bl\u00e4ttern sich bedeckten, bevor sie noch andere Kleider trugen. Der Mensch w\u00fcnschte sich ein Heim, einen warmen oder gem\u00fctlichen Platz, wo er zun\u00e4chst seinen K\u00f6rper, dann aber auch seine Stimmungen w\u00e4rmen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen uns leicht jene Zeit vorstellen, wo das Menschengeschlecht noch in den Kinderschuhen steckte, und wo irgend ein k\u00fchner Sterblicher in eine Felsenh\u00f6hle kroch, um einen Unterschlupf zu finden. Ein Kind beginnt die Welt bis zu einem gewissen Grade wieder von vorn und ist mit Vorliebe selbst bei N\u00e4sse und K\u00e4lte im Freien. Es folgt seinem Instinkt, wenn es \u00bbHaus\u00ab und \u00bbPferd\u00ab spielt. Wer hat vergessen, mit welchem Interesse er in seiner Jugend einen \u00fcberh\u00e4ngenden Felsen oder irgend etwas, was einer H\u00f6hle glich, betrachtete? Ein Teil jenes instinktiven Verlangens unserer \u00e4ltesten Ahnen war noch in uns lebendig. Von der H\u00f6hle gelangten wir zu D\u00e4chern aus Palmbl\u00e4ttern, aus Rinde und Zweigen, aus fest gewobener Leinwand, aus Gras und Stroh, Brettern und Schindeln, aus Steinen und Ziegeln. Schlie\u00dflich wissen wir \u00fcberhaupt nicht mehr was ein Freiluftleben ist, und unser Leben ist ein h\u00e4usliches in mehr Beziehungen als wir glauben. Vom Herd zum Feld ist ein weiter Weg. Es w\u00e4re recht angebracht, wenn wir h\u00e4ufiger den Tag und die Nacht ohne Scheidewand zwischen uns und den Himmelsk\u00f6rpern verlebten, wenn der Dichter nicht so viel unter Dach und Fach dichten, wenn der Heilige dort nicht so lange hausen w\u00fcrde. <a id=\"page53\" title=\"JohannN\/gary\" name=\"page53\"><\/a> V\u00f6gel singen nicht in K\u00e4figen, und Tauben h\u00fcten ihre Unschuld nicht im Taubenschlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn aber jemand beabsichtigt sich ein Wohnhaus zu bauen, so wird er gut tun, ein paar Unzen Yankeeschlauheit anzuwenden, sonst wird er schlie\u00dflich in einem Armenhause, in einem Labyrinth ohne Schl\u00fcssel, in einem Museum, Armenhaus, Gef\u00e4ngnis oder in einem herrlichen Museum sich befinden. \u00dcberlegen wir uns einmal, wie schwach der Schutz zu sein braucht, der unbedingt notwendig ist! Ich sah in diesem St\u00e4dtchen Penobscot-Indianer, die in Zelten aus d\u00fcnnem Baumwollstoff lebten, w\u00e4hrend der Schnee rings herum fast einen Fu\u00df hoch lag. Ja, ich hatte die Empfindung, sie w\u00fcrden sich freuen, wenn er noch h\u00f6her l\u00e4ge, um sie vor dem Wind zu sch\u00fctzen. Fr\u00fcher, als die Frage, wie ich mir auf ehrliche Weise meinen Lebensunterhalt verdienen k\u00f6nne ohne all meine freie Zeit f\u00fcr meine eigentlichen Bestrebungen zu verlieren, mich noch heftiger qu\u00e4lte als jetzt \u2013 denn leider habe ich ein etwas dickes Fell bekommen\u00a0\u2013, sah ich oftmals eine gro\u00dfe Kiste, die 6\u00a0Fu\u00df hoch und 3\u00a0Fu\u00df breit war, am Bahndamm stehen. Die Arbeiter pflegten darin w\u00e4hrend der Nacht ihre Werkzeuge zu verschlie\u00dfen. Ich dachte dann bei mir, da\u00df jeder Mensch, der in arger Bedr\u00e4ngnis ist, eine solche Kiste f\u00fcr einen Dollar kaufen k\u00f6nne. W\u00fcrde er ein paar L\u00f6cher in sie bohren, um auch der Luft Zutritt zu gew\u00e4hren, so k\u00f6nnte er w\u00e4hrend der Nacht und zur Regenzeit hineinschl\u00fcpfen, den Deckel festhaken, nach Herzenslust seinen Stimmungen nachh\u00e4ngen und im Grunde seiner Seele frei sich f\u00fchlen. Das w\u00e4re noch nicht das Schlechteste und eine keineswegs zu verachtende Alternative gewesen. Man k\u00f6nnte wach bleiben solange man Lust h\u00e4tte, aufstehen, wenn man wollte und ausgehen, ohne den Pachtherrn oder den Hausherrn wegen der Miete fortw\u00e4hrend auf den Fersen zu haben. Mancher Mensch, der in solch einer Kiste sicherlich nicht vor Frost gestorben w\u00e4re, wurde wegen des Mietzinses f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere und pr\u00e4chtigere Kiste zu Tode gequ\u00e4lt. Ich scherze durchaus nicht. Das Problem \u00bbSparsamkeit\u00ab l\u00e4\u00dft sich wohl leichthin besprechen, jedoch nicht leichthin l\u00f6sen. Einst verfertigte man hier ein bequemes Haus f\u00fcr ein rauhes, abgeh\u00e4rtetes, <a id=\"page54\" title=\"Sophia\/gary\" name=\"page54\"><\/a> an ein Freiluftleben gew\u00f6hntes Geschlecht aus dem Material, das die Natur fertig lieferte. Gookin, ein Aufseher \u00fcber die von der Massachusetts-Kolonie unterworfenen Indianer schrieb im Jahre 1674: \u00bbIhre besten H\u00e4user sind sehr sauber, dicht und warm und mit Baumrinde bedeckt. In den Jahreszeiten, wo der Saft emporsteigt, wird die Rinde von den B\u00e4umen losgesch\u00e4lt, und im gr\u00fcnen Zustand durch den Druck von Holzbl\u00f6cken zu gro\u00dfen Platten gepre\u00dft. .\u00a0.\u00a0. Die gew\u00f6hnlichen H\u00e4user werden mit Matten, die sie aus einer Art von Flatterbinsen verfertigen, bedeckt. Auch sie sind halbwegs dicht und warm, aber nicht so gut als die zuvor erw\u00e4hnten .\u00a0.\u00a0. \u00bbEinige H\u00e4user, die ich selbst sah, waren 60 oder 100\u00a0Fu\u00df lang und 30\u00a0Fu\u00df breit. .\u00a0.\u00a0. Ich habe h\u00e4ufig in solch einem Wigwam gewohnt und gefunden, da\u00df er so warm war wie irgend ein bestes englisches Haus.\u00ab Er f\u00fcgt hinzu, da\u00df das Innere fast stets mit sch\u00f6n gearbeiteten und bestickten Matten belegt und ausgekleidet und mit verschiedenartigen Gebrauchsgegenst\u00e4nden versehen gewesen sei. Die Indianer waren sogar soweit fortgeschritten, da\u00df sie die Wirkung des Windes durch eine Matte regulierten, die \u00fcber einer im Dache befindlichen \u00d6ffnung hing und durch eine Schnur in Bewegung gesetzt werden konnte. Der Neubau einer solchen Wohnung nahm h\u00f6chstens zwei Tage in Anspruch; das Abbrechen und Wiederaufstellen dagegen nur einige Stunden. Jede Familie besa\u00df solch ein Haus oder hatte darin ihre Wohnr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Wilden besitzt jede Familie ein Obdach, welches den Vergleich mit jedem andern aush\u00e4lt und f\u00fcr gr\u00f6bere und einfachere Bed\u00fcrfnisse gen\u00fcgt. Ich glaube mich ma\u00dfvoll auszudr\u00fccken, wenn ich andrerseits behaupte, da\u00df \u2013 obwohl die V\u00f6gel ihre Nester, die F\u00fcchse ihre H\u00f6hlen und die Wilden ihre Wigwams haben \u2013 in der modernen zivilisierten Gesellschaft nur ungef\u00e4hr jede zweite Familie ein Obdach besitzt. In den Gro\u00dfst\u00e4dten, in denen die Zivilisation haupts\u00e4chlich herrscht, ist im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtbev\u00f6lkerung die Zahl derer, die ein eigenes Heim besitzen, \u00e4u\u00dferst klein. Der Rest bezahlt f\u00fcr dieses periphere, im Sommer wie im Winter unentbehrliche Kleidungsst\u00fcck eine j\u00e4hrliche Steuer, die zum Ankauf eines ganzen Dorfes <a id=\"page55\" title=\"JohannN\/gary\" name=\"page55\"><\/a> indianischer Wigwams gen\u00fcgen w\u00fcrde, die unter den obwaltenden Verh\u00e4ltnissen jedoch nur dazu dient den Menschen sein ganzes Leben lang arm zu erhalten. Ich habe nicht die Absicht mich hier weiter \u00fcber den Nachteil, den die Miete gegen\u00fcber dem Besitz aufweist, auszusprechen. Es liegt aber auf der Hand, da\u00df der Wilde deswegen ein Haus sein Eigen nennt, weil es so wenig kostet, w\u00e4hrend der zivilisierte Mensch meistens ein Haus mietet, weil er den Besitz nicht bezahlen kann. Die Schwierigkeit zu mieten vermindert sich dabei im Lauf der Zeit durchaus nicht. Und doch, entgegnet man mir, wenn der arme zivilisierte Mensch diese Steuer bezahlt, so erh\u00e4lt er eine Wohnung, die im Vergleich mit dem Obdach eines Wilden ein Palast genannt werden kann. Eine j\u00e4hrliche Miete von 25 bis 100\u00a0Dollars \u2013 soviel zahlt man auf dem Lande \u2013 verschafft ihm die berechtigte Nutznie\u00dfung all jener Verbesserungen, die in Jahrhunderten geschaffen wurden: er kann ger\u00e4umige, sauber gemalte oder tapezierte Zimmer, Rumfordkamine, Jalousien, kupferne Wasserpumpen, automatische Sicherheitsschl\u00f6sser, einen bequemen Keller und manche andere Dinge benutzen. Doch wie kommt es, da\u00df der, welcher nach Ansicht seiner Mitmenschen all dieses genie\u00dfen kann, so h\u00e4ufig als <i>armer<\/i> Mensch inmitten der Zivilisation lebt, w\u00e4hrend der Wilde, der all dieses nicht besitzt, als Wilder reich ist. Wenn man behauptet, da\u00df die Zivilisation einen wirklichen Fortschritt in den Existenzbedingungen des Menschengeschlechtes bedeutet \u2013 und ich glaube, da\u00df dies der Fall ist, wenn auch nur die Weisen sie mit Vorteil zu benutzen verstehen \u2013 so mu\u00df auch bewiesen werden, da\u00df sie bessere Wohnungen schuf ohne den Preis derselben zu erh\u00f6hen. Der Preis eines Gegenstandes aber wird mit einem gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Bruchteil unseres Lebens sofort oder allm\u00e4hlich bezahlt. In dieser Gegend hier kostet ein Durchschnittshaus ungef\u00e4hr 800\u00a0Dollars. Um diese Summe zu ersparen, sind ungef\u00e4hr 15 bis 20\u00a0Lebensjahre eines Arbeiters notwendig \u2013 selbst wenn er keine Familie zu ern\u00e4hren hat. Der Geldwert der Tagesarbeit eines Mannes ist hierbei auf einen Dollar veranschlagt. Denn wenn die einen mehr verdienen, verdienen die anderen weniger. Der Arbeiter hat also mehr als die H\u00e4lfte <a id=\"page56\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page56\"><\/a> auszugeben, bevor sein Wigwam verdient ist. Setzen wir andererseits den Fall, da\u00df er Miete zahlt, so ist das nur eine ungewisse Wahl zwischen zwei \u00dcbeln. W\u00fcrde ein Wilder klug daran tun, unter solchen Bedingungen seinen Wigwam gegen einen Palast auszutauschen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann mit Recht vermuten, da\u00df nach meiner Ansicht die Anh\u00e4ufung dieses \u00fcberfl\u00fcssigen, als Reservefonds f\u00fcr die Zukunft dienenden Besitzes, soweit das Individuum in Betracht kommt, eigentlich nur deshalb von Nutzen ist, weil dadurch die Bestreitung der Begr\u00e4bniskosten erm\u00f6glicht wird. Vielleicht aber wird es von dem Menschen gar nicht verlangt, da\u00df er sich selbst begr\u00e4bt. Wie dem auch sei \u2013 hier wird ein wichtiger Unterschied zwischen dem Menschen der Zivilisation und dem Wilden angedeutet. Zweifellos hat man die besten Absichten mit uns, wenn man die Lebensweise eines zivilisierten Volkes zu einer <i>Institution<\/i> erhebt, in welcher das Leben des Individuums zum gro\u00dfen Teil absorbiert wird, um das der Rasse zu erhalten und zu vervollkommnen. Ich m\u00f6chte aber gerade zeigen, durch was f\u00fcr ein Opfer dieser Vorteil heutzutage erreicht wird, und darauf hinweisen, da\u00df es doch vielleicht m\u00f6glich ist unser Leben so zu verbringen, da\u00df wir alle Vorteile aber keine Nachteile daraus ziehen. Was treibet Ihr unter Euch dies Sprichwort und sprechet: \u00bbIhr habt allezeit Arme bei Euch\u00ab, oder \u00bbDie V\u00e4ter haben <span class=\"tooltip\" title=\"kleine Trauben\">Herlinge<\/span> gegessen, aber den Kindern sind die Z\u00e4hne davon stumpf geworden\u00ab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSo wahr ich lebe,\u00ab spricht der Herr, \u2013 \u00bbsolch Sprichwort soll nicht mehr unter Euch gehen in Israel.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDenn siehe, alle Seelen sind mein; des Vaters Seele ist sowohl mein, wie des Sohnes Seele. Welche Seele s\u00fcndigt, die soll sterben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich meine Nachbarn, die Farmer von Concord betrachte, die mindestens so wohlhabend sind wie die anderen St\u00e4nde, so finde ich, da\u00df die meisten von ihnen sich zwanzig, drei\u00dfig oder vierzig Jahre abgequ\u00e4lt haben, um die wirklichen Eigent\u00fcmer ihrer Farmen zu werden, die sie gew\u00f6hnlich verschuldet geerbt, oder mit geborgtem Geld gepachtet haben. Und ein Drittel ihrer m\u00fchseligen Arbeit kann man als den Preis ihres Hauses in Rechnung setzen \u2013 in der Regel <a id=\"page57\" title=\"JohannN\/wolfeh\" name=\"page57\"><\/a> haben sie dasselbe jedoch noch nicht bezahlt. Es ist allerdings Tatsache, da\u00df die Schuldenlast bisweilen den Wert der Farm \u00fcbersteigt, so da\u00df diese selbst zu einer gro\u00dfen Last wird; und doch findet sich ein Mensch, der solch eine Erbschaft antritt, da er, wie er behauptet, die Sachlage vollkommen kennt. Ich hielt Umfrage bei der Steuerbeh\u00f6rde und erfuhr zu meinem gr\u00f6\u00dften Erstaunen, da\u00df man mir nicht ohne weiteres ein Dutzend Leute im Stadtbezirk nennen konnte, die ihre Farm v\u00f6llig schuldenfrei besa\u00dfen. Wer Interesse an der Geschichte dieser Heimst\u00e4tten hat, der m\u00f6ge sich bei der Bank erkundigen, bei welcher sie verpf\u00e4ndet sind. Der Mann, der wirklich durch seiner H\u00e4nde Arbeit seine Farm bezahlt hat, ist so selten, da\u00df jeder Nachbar mit dem Finger auf ihn zeigen kann. Ich bezweifle, ob drei solcher M\u00e4nner in Concord leben. Was man von den Kaufleuten sagt: da\u00df der bei weitem gr\u00f6\u00dfere Teil \u2013 ungef\u00e4hr 97% \u2013 keinen Erfolg hat, gilt ebenso wahrheitsgem\u00e4\u00df auch von den Farmern. Ein gro\u00dfer Teil der Kaufleute macht indessen \u2013 so behauptet einer aus ihrer Mitte mit Recht \u2013 nicht wegen finanzieller Schwierigkeiten, sondern nur deswegen Bankerott, weil es unbequem ist \u00fcbernommene Verpflichtungen noch zu erf\u00fcllen. Mit anderen Worten: der moralische Charakter erleidet Schiffbruch. Und das gibt nicht nur dem ganzen Vorgang ein weit h\u00e4\u00dflicheres Aussehen, sondern erweckt auch au\u00dferdem den Gedanken, da\u00df es wahrscheinlich selbst den \u00fcbrigen drei nicht gelingt ihre Seele zu retten, da\u00df sie vielleicht in einem schlimmeren Sinne fallieren als die, welche ehrlich Bankerott machten. Konkurse und Zahlungsverweigerungen sind die Sprungbretter, die ein gro\u00dfer Teil unserer zivilisierten Menschen zu Kraft\u00fcbungen und Purzelb\u00e4umen benutzt, w\u00e4hrend der Wilde auf dem starren Brett der Hungersnot steht. Doch die Middlesexer Viehausstellung findet allj\u00e4hrlich mit <i>\u00bb\u00e9clat\u00ab<\/i> statt, als ob alle Teile der landwirtschaftlichen Maschine vorz\u00fcglich funktionierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Farmer m\u00fcht sich das Problem des Lebensunterhaltes durch eine Gleichung zu l\u00f6sen, die komplizierter ist als das Problem selbst. Um seine Schuhb\u00e4nder zu verdienen, spekuliert er in Viehherden. Mit vollendeter Schlauheit stellte er seine Falle mit einer haarfeinen <a id=\"page58\" title=\"JohannN\/wolfeh\" name=\"page58\"><\/a> Feder, um Bequemlichkeit und Unabh\u00e4ngigkeit zu fangen, beim Fortgehen aber trat er mit seinem eigenen Fu\u00dfe hinein. Darin liegt der Grund seiner Armut. Und aus einem \u00e4hnlichen Grunde sind wir alle, obwohl wir von Luxus umgeben sind, arm im Vergleich zu dem Wilden, der sich an tausend Annehmlichkeiten erfreut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie singt doch Chapman? . . .<\/p>\n<p class=\"vers\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUm ird&#8217;sche Gr\u00f6\u00dfe gibt der Menschen heuchlerische Brut<br \/>\nHimmlischen Trost den Winden preis . . .\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wenn dem Farmer das Haus in Wirklichkeit geh\u00f6rt, so ist er dadurch vielleicht nicht reicher, sondern \u00e4rmer geworden. Er hat nicht das Haus \u2013 das Haus hat ihn. Der Einwand, den Momus gegen das von Minerva erbaute Haus erhob, war meiner Ansicht nach v\u00f6llig zutreffend. Er sagte: \u00bbSie hat das Haus nicht beweglich gemacht und so kann man b\u00f6ser Nachbarschaft nicht entgehen.\u00ab Der gleiche Vorwurf ist auch heutzutage noch berechtigt, denn unsere H\u00e4user sind solch plumpe Besitzt\u00fcmer, da\u00df wir h\u00e4ufiger in ihnen eher als Gefangene leben, als in ihnen \u00bbhausen\u00ab. Die schlechte Nachbarschaft aber, die wir vermeiden sollten, ist unser eigenes, niedertr\u00e4chtiges Ich. Ich kenne ein paar (wenn nicht eine Anzahl) Familien, die fast ein Menschenalter lang ihre H\u00e4user drau\u00dfen auf dem Lande zu verkaufen und ins Dorf zu ziehen w\u00fcnschten, ihren Wunsch aber bislang nicht zu befriedigen vermochten. Erst der Tod wird sie davon befreien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen zugeben, da\u00df schlie\u00dflich die <i>Mehrheit<\/i> der Menschen imstande ist ein modernes Haus mit all seinen Verbesserungen zu besitzen oder zu mieten. Nun hat die Zivilisation allerdings unsere H\u00e4user, nicht aber im gleichen Ma\u00dfe die Menschen, die darin wohnen, verbessert. Sie hat zwar Pal\u00e4ste geschaffen, doch war es nicht so leicht Edelleute und K\u00f6nige zu schaffen. <i>Wenn aber die Bestrebungen des zivilisierten Menschen nicht w\u00fcrdiger als die des Wilden sind, wenn ihm der gr\u00f6\u00dfere Teil seines Lebens nur zur Gewinnung der gr\u00f6beren Bed\u00fcrfnisse und Annehmlichkeiten des Lebens dient, wozu braucht er dann eine bessere Wohnung als der Wilde?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a id=\"page59\" title=\"sonnenschein\/wolfeh\" name=\"page59\"><\/a> Wie steht es aber um die <i>Minderheit?<\/i> Da kommt man vielleicht zu der Erkenntnis, da\u00df in dem gleichen Verh\u00e4ltnis, in welchem ein Teil der Menschheit \u2013 rein \u00e4u\u00dferlich genommen \u2013 \u00fcber die Wilden sich erhob, ein anderer Teil noch tiefer als diese Wilden sank. Der Luxus eines Standes wird durch die Entbehrungen eines anderen aufgewogen. Auf der einen Seite der Palast, auf der anderen Seite das Armenhaus und der \u00bbversch\u00e4mte Arme\u00ab. Die Myriaden, die f\u00fcr die Pharaonen die Pyramiden als Begr\u00e4bnisst\u00e4tten bauten, wurden mit Knoblauch gef\u00fcttert, und vielleicht selbst nicht einmal anst\u00e4ndig begraben. Der Maurer, der das Gesims des Palastes fertigstellt, kehrt am Abend vielleicht heim zu einer H\u00fctte, die nicht so gut wie ein Wigwam ist. Die Annahme ist falsch, da\u00df in einem Lande, wo die gew\u00f6hnlichen Anzeichen der Zivilisation vorhanden sind, die Lebenslage eines sehr gro\u00dfen Teiles der Einwohner nicht auf einer ebenso niedrigen Stufe sich befinden kann wie bei den Wilden. Ich spreche momentan von dem verkommenen Armen, nicht von dem verkommenen Reichen. Um mir hier\u00fcber Gewi\u00dfheit zu verschaffen, brauche ich nur die Holzbaracken anzusehen, die \u00fcberall an den Seiten unserer Eisenbahnen \u2013 des letzten Fortschrittes in der Zivilisation \u2013 stehen. Da erblicke ich bei meinem t\u00e4glichen Spaziergange menschliche Wesen, die in Schweinest\u00e4llen leben: den ganzen Winter hindurch steht die T\u00fcr offen, damit Licht hineindringt, auch nicht die leiseste Spur eines Holzvorrates ist zu sehen. Die Gestalten von Alt und Jung sind durch die Gewohnheit fortw\u00e4hrend vor K\u00e4lte und Elend zu erschauern dauernd zusammengeschrumpft, die Entwicklung all ihrer Gliedma\u00dfen und F\u00e4higkeiten ist gehemmt. Es ist nicht mehr als billig, wenn wir jener Menschenklasse Beachtung schenken, die durch ihrer H\u00e4nde Arbeit die Werke schuf, durch die unsere heutige Generation sich auszeichnet. Im gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Ma\u00dfstabe gilt das gleiche von all den verschiedenen Arten der Arbeiter in England \u2013 im gro\u00dfen Armenarbeitshaus der Welt. Ich k\u00f6nnte auch Irland anf\u00fchren, das auf den Landkarten als ein wei\u00dfes oder erleuchtetes Fleckchen Erde dargestellt wird. Man vergleiche einmal die k\u00f6rperlichen Eigenschaften des Irl\u00e4nders mit denen des <a id=\"page60\" title=\"sonnenschein\/wolfeh\" name=\"page60\"><\/a> nordamerikanischen Indianers oder des S\u00fcdsee-Insulaners oder mit denen irgend einer anderen Rasse, bevor sie durch Ber\u00fchrung mit der zivilisierten Menschheit an Kraft einb\u00fc\u00dfte! Trotzdem bezweifle ich durchaus nicht, da\u00df die Leiter jener V\u00f6lker so weise sind, wie der Durchschnitt der zivilisierten Staatenlenker. Ihre Eigenschaften beweisen nur, welcher Schmutz gleichzeitig mit der Zivilisation bestehen kann. Ich brauche kaum die Arbeiter in den s\u00fcdlichen Staaten zu erw\u00e4hnen, welche die haupts\u00e4chlichen Exporterzeugnisse dieses Landes bauen und dabei selbst Exportware des S\u00fcdens sind. Ich kann mich auf diejenigen beschr\u00e4nken, die in sogenannten \u00bbbescheidenen Verh\u00e4ltnissen\u00ab sich befinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Menschen scheinen nie dar\u00fcber nachgedacht zu haben, was ein Haus ist; sie sind tats\u00e4chlich, wenn auch unn\u00f6tigerweise, ihr ganzes Leben lang arm, weil sie glauben ein gleiches Haus wie ihre Nachbarn haben zu m\u00fcssen. Als ob der Mensch gerade den Rock tragen m\u00fc\u00dfte, den der Schneider zuf\u00e4llig f\u00fcr ihn zugeschnitten hat, oder als ob einer, der sich allm\u00e4hlich das Tragen eines Panamahutes oder einer M\u00fctze aus virginischem Murmeltierfell abgew\u00f6hnt hat, nunmehr berechtigt w\u00e4re, \u00fcber die schlechten Zeiten zu st\u00f6hnen, die ihm nicht gestatten, sich eine Krone zu kaufen. Es ist m\u00f6glich ein noch bequemeres und eleganteres Haus zu erfinden als das, was wir jetzt haben; doch nach der allgemeinen Ansicht wird keiner den Preis daf\u00fcr zahlen k\u00f6nnen. Sollen wir denn immer uns m\u00fchen mehr von diesen Dingen zu erwerben, anstatt uns bisweilen mit weniger zu bescheiden? Mu\u00df denn der hochachtbare B\u00fcrger so eindringlich und ernst durch Vorschriften und Beispiele den jungen Mann dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, wie notwendig es ist vor seinem Tode eine Anzahl \u00fcberfl\u00fcssiger Lackschuhe, Regenschirme und leerer Gastzimmer f\u00fcr leere G\u00e4ste anzuschaffen? Warum kann unsere Einrichtung nicht ebenso einfach sein wie die des Arabers oder Indianers? Wenn ich an die Wohlt\u00e4ter der Menschheit denke, die wir als Abgesandte des Himmels, als \u00dcberbringer g\u00f6ttlicher Gaben feiern, so sieht mein Auge keinen Tro\u00df, keine Wagenladung eleganter M\u00f6bel hinter ihnen. Wie w\u00e4re es, wenn ich erlauben w\u00fcrde \u2013 w\u00e4re das nicht eine eigent\u00fcmliche <a id=\"page61\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page61\"><\/a> Erlaubnis? \u2013 da\u00df unsere Einrichtung die des Arabers in demselben Ma\u00dfe an Reichhaltigkeit \u00fcbertreffen d\u00fcrfe, in welchem wir uns moralisch oder intellektuell \u00fcber ihn erheben? Gegenw\u00e4rtig sind unsere H\u00e4user so sehr mit M\u00f6beln vollgepfropft und verunstaltet, da\u00df eine gute Hausfrau den gr\u00f6\u00dferen Teil derselben am liebsten in die Kehrichtgrube fegen w\u00fcrde: an Morgenarbeit w\u00fcrde es ihr trotzdem nicht fehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Morgenarbeit! Beim Err\u00f6ten der Aurora und beim Klingen des Memnon! Worin sollte die <i>Morgenarbeit<\/i> des Menschen in dieser Welt bestehen? Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Schreibtisch liegen und bemerkte zu meinem Schrecken, da\u00df sie beanspruchten t\u00e4glich abgestaubt zu werden, w\u00e4hrend mein geistiges R\u00fcstzeug noch unabgest\u00e4ubt war! Darum warf ich sie entr\u00fcstet zum Fenster hinaus. Wie w\u00fcrde es mir ergehen, h\u00e4tte ich ein m\u00f6bliertes Haus? Lieber will ich unter freiem Himmel wohnen, denn auf dem Gras sammelt sich kein Staub an \u2013 es sei denn da, wo der Mensch in der Erde gew\u00fchlt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schlemmer und die Verschwender geben die Mode an, der die Herde dann ohne Ermatten folgt. Der Reisende, der in den sogenannten ersten Hotels absteigt, kann sich hiervon schnell \u00fcberzeugen. Die Wirte scheinen ihn f\u00fcr einen Sardanapal zu halten, und wenn er sich v\u00f6llig ihrer zarten F\u00fcrsorge anvertrauen w\u00fcrde, verl\u00f6re er bald all seine m\u00e4nnliche Willenskraft. Ich bin der Ansicht, da\u00df wir bei der Herstellung der Eisenbahnwagen mehr eine elegante Ausstattung als Sicherheit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit erstreben. Es liegt daher die Gefahr nahe, da\u00df sie, ohne diese wichtigen Bedingungen zu erf\u00fcllen, nichts Besseres werden als moderne Salons mit Lehnst\u00fchlen, Ottomanen, Fenstervorh\u00e4ngen zum Schutz gegen die Sonne und hundert anderen orientalischen Dingen, die wir mit uns nach Westen nehmen, die aber f\u00fcr die Haremsdamen und die effeminierten Eingeborenen des Himmlischen Reiches erfunden wurden. Bruder Jonathan sollte sich sch\u00e4men solcherlei Dinge nur dem Namen nach zu kennen. Ich w\u00fcrde lieber auf einem K\u00fcrbi\u00df allein, als auf einem Samtkissen im Gedr\u00e4nge sitzen. Ich w\u00fcrde es vorziehen, auf der Erde <a id=\"page62\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page62\"><\/a> in einem Ochsenwagen zu fahren, zu dem die Luft freien Zutritt hat, als gen Himmel in dem \u00bbLuxuswagen\u00ab eines Vergn\u00fcgungszuges, wo ich den ganzen Weg lang \u00bbMalaria\u00ab einatmen mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade die Einfachheit und Nacktheit im Leben des Menschen der grauen Vorzeit brachten wenigstens den Vorteil mit sich, da\u00df er sich nur als tempor\u00e4ren Besucher auf Erden f\u00fchlte. War er durch Nahrung und Schlaf erquickt, nahm er wieder den Gedanken an seine weitere Reise auf. Er wohnte sozusagen auf dieser Welt in einem Zelte, durchstreifte die T\u00e4ler, durchkreuzte die Ebenen und stieg auf die Gipfel der Berge. Doch siehe da! Die Menschheit ward zum Werkzeug ihrer Werkzeuge! Der Mann, der einst, wenn er hungrig war, in Freiheit seine Fr\u00fcchte f\u00fcr sich pfl\u00fcckte, ward zum Bauer, und der einst unter einem Baume Schutz suchte, ward zum Hausherrn. Heutzutage schlagen wir nicht mehr f\u00fcr eine Nacht unser Zelt auf. Wir haben in der Erde Wurzel geschlagen und den Himmel vergessen. Wir haben das Christentum nur als eine verbesserte Methode der Agrikultur angenommen. Wir haben f\u00fcr diese Welt ein Familienhaus, f\u00fcr die andere ein Familiengrab errichtet. Die besten Kunstwerke spiegeln das Bem\u00fchen der Menschheit wider sich von diesem Zustand zu befreien. Doch die Wirkung unserer Kunst \u00e4u\u00dfert sich nur darin, da\u00df sie uns diesen niedrigen Zustand ertr\u00e4glich finden und jenen h\u00f6heren Zustand vergessen l\u00e4\u00dft. Tats\u00e4chlich gibt es in diesem Dorf hier keinen Platz, wo ein <i>echtes<\/i> Kunstwerk \u2013 vorausgesetzt, da\u00df ein solches uns vererbt worden w\u00e4re \u2013 aufgestellt werden k\u00f6nnte. Weder unsere Lebensweise, noch unsere H\u00e4user und Stra\u00dfen w\u00fcrden eine passende Umrahmung daf\u00fcr liefern. Hier gibt es keinen Nagel, an den wir ein Bild h\u00e4ngen, kein Sims, auf das wir die B\u00fcste eines Helden oder Heiligen stellen k\u00f6nnten. Wenn ich daran denke, wie unsere H\u00e4user gebaut und bezahlt werden, oder vielmehr nicht bezahlt werden, wie der Haushalt gef\u00fchrt und aufrecht erhalten wird, so mu\u00df ich mich wundern, da\u00df der Fu\u00dfboden sich nicht unter dem Besucher, der all den Plunder auf dem Kamin betrachtet, \u00f6ffnet und ihn in den Keller hinabgleiten l\u00e4\u00dft auf eine solide und ehrliche, wenn auch erdige Basis. Ich komme immer wieder zu der Ansicht, da\u00df dieses sogenannte reiche <a id=\"page63\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page63\"><\/a> und elegante Leben durch einen Sprung gewonnen wird. Und ich kann die sch\u00f6nen K\u00fcnste, die es schm\u00fccken, deswegen nicht mit Freuden genie\u00dfen, weil meine Aufmerksamkeit ganz mit dem Sprung besch\u00e4ftigt ist. Denn soviel ich wei\u00df, wurde der bedeutendste, wirkliche Sprung, der menschlicher Muskelkraft allein gelang, von gewissen nomadisierenden Arabern ausgef\u00fchrt: sie sollten f\u00fcnfundzwanzig Fu\u00df weit auf ebener Erde gesprungen sein. Ohne k\u00fcnstliche Nachhilfe aber mu\u00df der Mensch am Schlu\u00df des Sprunges wieder zur Erde zur\u00fcckkehren. Die erste Frage, die ich an den Besitzer eines erheuchelten Besitzes stellen m\u00f6chte, lautete: Wer st\u00fctzt Dich? Geh\u00f6rst Du zu den Siebenundneunzig, die keinen Erfolg, oder zu den Dreien, die Gl\u00fcck haben? Beantworte mir erst diese Fragen, und dann will ich vielleicht Deinen Tand anschauen und ihn \u00bbornamental\u00ab finden. Die Pferde hinter den Wagen zu spannen ist weder sch\u00f6n noch n\u00fctzlich. Ehe wir unsere H\u00e4user mit sch\u00f6nen Dingen schm\u00fccken, m\u00fcssen die W\u00e4nde gereinigt, mu\u00df unser Leben gereinigt werden, eine anst\u00e4ndige Lebensf\u00fchrung und Haushaltung mu\u00df zum Fundament gemacht werden. Das Empfinden f\u00fcr alles Sch\u00f6ne wird aber haupts\u00e4chlich unter freiem Himmel gepflegt, dort wo es weder H\u00e4user noch Hausherren gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte Johnson erz\u00e4hlt in seiner \u00bbAllm\u00e4chtigen Vorsehung\u00ab, wenn er von den ersten Ansiedlern in diesem Stadtbezirke spricht, deren Zeitgenosse er war, \u00bbda\u00df sie anfangs in Erdh\u00f6hlen am Abhang eines H\u00fcgels wohnten. Sie stellten gro\u00dfe Balken schr\u00e4g gegen den H\u00fcgel, warfen die ausgegrabene Erde hinauf und machten auf dem Erdboden, dort wo das Dach am h\u00f6chsten war, ein rauchiges Feuer! Sie versorgten sich nicht eher mit H\u00e4usern,\u00ab f\u00e4hrt er fort, \u00bbbis die Erde durch des Herrn Segen Nahrung hervorgebracht hatte. Die Ernte des ersten Jahres war aber so schmal, da\u00df sie notgedrungen ihr Brot eine Zeitlang sehr d\u00fcnn schneiden mu\u00dften.\u00ab Ausf\u00fchrlicher schreibt anno 1650 der Staatssekret\u00e4r der Provinz Neuniederland in holl\u00e4ndischer Sprache zur Unterweisung f\u00fcr diejenigen, welche eine Niederlassung daselbst beabsichtigten: \u00bbDie Leute in Neuniederland und besonders in Neuengland, denen keine Mittel zum Bau von Farmh\u00e4usern, die ihren W\u00fcnschen entsprechen, zu Gebote stehen, <a id=\"page64\" title=\"Sophia\/quantenspringer\" name=\"page64\"><\/a> graben eine viereckige Grube, wie einen Keller, sechs oder sieben Fu\u00df tief, und so lang und breit, als es ihnen zweckm\u00e4\u00dfig erscheint: innen verschalen sie die Erdw\u00e4nde ringsum mit Holz und bedecken das Holz wiederum mit Baumrinde oder etwas \u00c4hnlichem, um das Eindringen der Erde zu verhindern. Der Fu\u00dfboden und die Decke dieses Kellers werden mit Brettern ausgekleidet; dar\u00fcber macht man ein Dach aus Baumst\u00e4mmen, welches mit Rinde und Rasensoden belegt wird. Sie k\u00f6nnen trocken und warm in diesen H\u00e4usern mit ihrer ganzen Familie zwei, drei oder vier Jahre lang leben. Selbstverst\u00e4ndlich wird solch ein Keller, je nach der Gr\u00f6\u00dfe der Familie, in Abteilungen zerlegt. Die reichsten und leitenden Pers\u00f6nlichkeiten in Neuengland bauten zur Zeit der Gr\u00fcndung dieser Kolonien ihre H\u00e4user anfangs auf solche Art, weil sie erstens nicht viel Zeit auf den Hausbau an sich verwenden wollten, zweitens, weil sie die mittellosen Arbeiter, die sie in gro\u00dfen Mengen vom Vaterland her\u00fcbergebracht hatten, nicht zu entmutigen w\u00fcnschten. Nach Ablauf von drei oder vier Jahren, als das Land ertragsf\u00e4hig war, bauten sie sich h\u00fcbsche H\u00e4user, f\u00fcr die sie mehrere tausend Dollars ausgaben.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn unsere Vorfahren derart zu Werke gingen, so liegt darin zum mindesten ein Anzeichen von Klugheit. Sie hatten das Prinzip den dringendsten Bed\u00fcrfnissen zuerst abzuhelfen. Tut man das auch noch heutzutage? Wenn ich in Erw\u00e4gung ziehe, ob ich f\u00fcr mich selbst eine unserer eleganten Wohnungen erwerben soll, so schreckt mich immer wieder der Gedanke davon ab, da\u00df das Land f\u00fcr die <i>menschliche<\/i> Kultur noch nicht geeignet ist, da\u00df wir unser <i>geistiges<\/i> Brot noch viel d\u00fcnner schneiden m\u00fcssen, als unsere Ahnen ihr Weizenbrot. Es soll damit nicht gesagt sein, da\u00df der architektonische Schmuck selbst in der rohesten Periode g\u00e4nzlich vernachl\u00e4ssigt werden kann. Vielmehr sollten unsere H\u00e4user sich zun\u00e4chst im Innern, wo sie mit unserem Leben in enge Beziehung treten, mit dem Gewand der Sch\u00f6nheit schm\u00fccken, gerade wie das Geh\u00e4use eines Muscheltieres.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ach! Ich habe ein paar H\u00e4user von innen gesehen, und ich wei\u00df, wie es darin ausschaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar sind wir noch nicht so degeneriert, da\u00df wir gegebenen Falles <a id=\"page65\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page65\"><\/a> nicht auch heutzutage in einer H\u00f6hle oder in einem Wigwam leben oder Kleidung aus Fellen tragen w\u00fcrden. Trotzdem ist es aber sicherlich besser, die Vorteile zu benutzen, die uns durch die Erfindungsgabe und den Flei\u00df der Menschen angeboten werden. In meiner Nachbarschaft sind Balken und Schindeln, Kalk und Ziegelsteine, ganze Baumst\u00e4mme, Rinde in gen\u00fcgender Menge oder selbst gut gebrannter Lehm oder flache Steine billiger und leichter zu haben als passende H\u00f6hlen. Ich spreche mit Sachkenntnis \u00fcber diesen Gegenstand, denn ich habe mich sowohl theoretisch wie praktisch damit besch\u00e4ftigt. Mit etwas mehr Verstand k\u00f6nnen wir diese Materialien derart benutzen, da\u00df wir reicher werden als die Reichsten jetzt sind. Unsere Zivilisation w\u00fcrde dann ein Segen werden. Der zivilisierte Mensch ist ein erfahrener und verst\u00e4ndiger Wilder. Doch nun schleunigst zu meinem eigenen Experiment!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende M\u00e4rz 1845 borgte ich mir eine Axt und wanderte hinab in den Wald zum Waldenteich, in dessen unmittelbarer N\u00e4he ich mein Haus bauen wollte. Ich f\u00e4llte zun\u00e4chst einige hohe, pfeilartige, noch junge Wei\u00dftannen, um Bauholz zu gewinnen. Anzufangen, ohne zu borgen, ist schwer. Und doch ist dies vielleicht noch der anst\u00e4ndigste Weg, da man hierdurch seinen Mitmenschen erlaubt, sich f\u00fcr das Unternehmen eines anderen zu interessieren. Der Besitzer der Axt sagte, als er mir zeitweise sein Eigentumsrecht an derselben \u00fcbertrug, sie sei sein Augapfel. Ich gab sie ihm aber sch\u00e4rfer zur\u00fcck als ich sie empfing. Der Abhang des H\u00fcgels, auf dem ich arbeitete, war lieblich mit Nadelholz bewachsen, durch das man einen Ausblick auf den See und auf eine kleine Lichtung im Geh\u00f6lz hatte, wo Fichten und wei\u00dfe Wallnu\u00dfb\u00e4ume zu treiben begannen. Das Eis des Teiches war noch nicht geschmolzen, doch sah man einige offene Stellen. Das Eis zeigte \u00fcberall eine dunkle Farbe und war v\u00f6llig mit Wasser durchsetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Tage, die ich hier arbeitete, gab es einige leichte Schneegest\u00f6ber. Meistens aber lag, wenn ich heimw\u00e4rts ging, der Eisenbahndamm, leuchtend wie ein gelbes Band in dunstiger Luft, vor meinen Augen. Die Schienen glitzerten in der Fr\u00fchlingssonne. <a id=\"page66\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page66\"><\/a> Ich h\u00f6rte die Lerche, den Piewieh, und andere V\u00f6gel, die schon angekommen waren, um ein weiteres Jahr mit uns zu verleben. Es waren angenehme Fr\u00fchlingstage, Fr\u00fchlingstage an denen der Winter unseres Mi\u00dfvergn\u00fcgens zugleich mit der Erde auftaute, an denen das bislang erstarrte Leben sich zu recken und zu strecken begann. Eines Tages \u2013 meine Axt hatte sich gelockert, ich hatte gerade den lebenden Zweig eines Wallnu\u00dfbaumes zu einem Stiel zugeschnitten, ihn mit einem Stein hineingetrieben und die ganze Axt nahe am Teiche in ein Erdloch gesteckt, um das Holz quellen zu lassen \u2013 eines Tages sah ich eine gestreifte Schlange in das Wasser huschen. Dort lag sie auf dem Grunde, augenscheinlich ohne Unbehagen solange ich dort war, d.\u00a0h. l\u00e4nger als eine Viertelstunde, Vielleicht war ihr Erstarrungszustand noch nicht v\u00f6llig gewichen. Es kommt mir so vor, als ob wegen einer \u00e4hnlichen Ursache die Menschheit in ihrem niedrigen primitiven Zustand verharrt. Denn, wenn sie den belebenden Einflu\u00df des Fr\u00fchlings aller Fr\u00fchlinge sp\u00fcren w\u00fcrden, so m\u00fc\u00dften sie notgedrungen sich zu einem h\u00f6heren, mehr \u00e4therischen Dasein erheben. Ich hatte schon vorher, morgens fr\u00fch an Frosttagen auf meinem Wege Schlangen beobachtet, deren K\u00f6rper zum Teil noch starr und unbeweglich war. Sie warteten auf die Sonne, um aufzutauen. Am ersten April viel Regen und das Eis zerschmolz. Am fr\u00fchen Morgen, wo dichter Nebel herrschte, h\u00f6rte ich eine verirrte Gans, die schrie als ob sie den Weg verloren h\u00e4tte und \u00fcber das Eis tappte wie das Gespenst des Nebels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fuhr mit meiner Arbeit einige Tage lang fort, f\u00e4llte und bearbeitete mein Holz, die Eckpfeiler und die Dachsparren. Ich gebrauchte dazu nur meine schmale Axt, und hatte nicht gerade viel mitteilungswerte oder wissenschaftliche Gedanken. Ich sang so vor mich hin:<\/p>\n<p class=\"vers\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas Menschlein spricht: Ich wei\u00df von vielen Dingen.<br \/>\n\u00bbDoch ach! schon entfalteten ihre Schwingen<br \/>\n\u00bbK\u00fcnste und Wissenschaften<br \/>\n\u00bbUnd tausend Machenschaften!<br \/>\n\u00bbDer Wind weht \u2013<br \/>\n\u00bbDas ist alles, was der Mensch versteht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a id=\"page67\" title=\"Sophia\/quantenspringer\" name=\"page67\"><\/a> Die Hauptbalken machte ich sechs Zoll dick. Die meisten Pfosten bearbeitete ich nur an zwei Seiten, die Bretter f\u00fcr die Decken und den Fu\u00dfboden nur an einer Seite, die \u00fcbrige Rinde lie\u00df ich daran. Auf diese Weise wurden sie genau so gerade und bedeutend st\u00e4rker als ges\u00e4gte Bretter. Jeder Pfeiler wurde ordentlich eingezapft und verbolzt, denn ich hatte mir bereits andere Werkzeuge geborgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Tagewerk im Walde pflegte nicht lange zu dauern, doch nahm ich gew\u00f6hnlich mein Mittagessen, bestehend aus Butter und Brot, mit mir hinaus. Mittags las ich, w\u00e4hrend ich mitten zwischen den abgeschnittenen Tannenzweigen sa\u00df, die Zeitung, in die ich meine Nahrung eingewickelt hatte. Ein harziger Duft teilte sich meinem Brot mit, denn meine H\u00e4nde waren mit einer dicken Schicht Tannenharz bedeckt. Nach Beendigung meiner Arbeit war ich mehr zum Freund als zum Feind der Tannen geworden, obwohl ich einige von ihnen gef\u00e4llt hatte. Bisweilen lockte der Schall meiner Axt einen Wandersmann herbei: dann schw\u00e4tzten wir fr\u00f6hlich, w\u00e4hrend die Sp\u00e4ne rings den Boden bedeckten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte es durchaus nicht eilig mit meiner Arbeit, sondern suchte mich so viel als m\u00f6glich an ihr zu erfreuen. Ungef\u00e4hr um die Mitte April war das Material f\u00fcr mein Haus so weit fertig, da\u00df es zusammengesetzt werden konnte. Ich hatte bereits die Waldh\u00fctte des Irl\u00e4nders James Collins, der an der Fitchburg-Eisenbahn arbeitete, gekauft, um Bretter zu bekommen. James Collins&#8216; H\u00fctte galt als ganz besonders sch\u00f6n. Als ich zur Besichtigung bei ihm vorsprach, war er nicht zu Hause. Ich betrachtete seine Wohnung von au\u00dfen, anfangs von den Insassen unbemerkt, denn das Fenster war hoch oben im Dache angebracht. Die H\u00fctte war nur recht klein und hatte ein Giebeldach. Mehr gabs nicht zu sehen, denn der Schmutz lag wie ein Misthaufen f\u00fcnf Fu\u00df hoch rings herum. Das Dach sah noch am ges\u00fcndesten aus, obwohl es auch schon durch die Sonne krumm gebogen und br\u00fcchig gemacht war. Eine T\u00fcrschwelle gab es nicht, wohl aber unter dem T\u00fcrbrett einen stets offenen Durchgang f\u00fcr die H\u00fchner. Frau\u00a0C. kam an die Haust\u00fcr und ersuchte mich, die Besichtigung von innen vorzunehmen. Meine Ann\u00e4herung trieb die H\u00fchner hinein. <a id=\"page68\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page68\"><\/a> Drinnen herrschte Dunkelheit; der Fu\u00dfboden bestand zum gr\u00f6\u00dften Teil aus schmutziger Erde, war feucht, muffig, ein Fieberherd. Bald lag hier ein Brett, bald lag dort ein Brett \u2013 h\u00e4tte man sie wegzunehmen versucht, sie w\u00e4ren zerbrochen. Die Frau z\u00fcndete eine Lampe an, um mir zu zeigen, wie die Innenseite des Daches und der W\u00e4nde beschaffen sei, und da\u00df der Bretterfu\u00dfboden sich bis unter das Bett erstreckte. Dabei warnte sie mich nicht in den Keller zu treten \u2013 in eine Art Kehrichtgrube von zwei Fu\u00df Tiefe. Nach ihren eigenen Worten waren \u00bbdie Dachbalken gut, alle \u00fcbrigen Balken gut, war das Fenster gut\u00ab. Dieses hatte urspr\u00fcnglich einmal aus zwei ganzen Scheiben bestanden, jetzt diente es der Katze als T\u00fcr. Es gab dort ferner einen Ofen, ein Bett, eine Sitzgelegenheit, einen goldgerahmten Spiegel, ein Kind, das in diesem Haus geboren war, einen seidenen Sonnenschirm und eine neue Patentkaffeem\u00fchle, die an einen Eichenpfosten genagelt war \u2013 <i>voil\u00e0 tout!<\/i> Der Handel war bald abgeschlossen, denn James war inzwischen zur\u00fcckgekehrt. Ich verpflichtete mich 4\u00a0Dollars und 25\u00a0Cents sofort an diesem Abend zu bezahlen. Er mu\u00dfte dagegen sich verpflichten, das Anwesen bis sp\u00e4testens zum n\u00e4chsten Morgen f\u00fcnf Uhr zu r\u00e4umen und es mittlerweile an keinen anderen zu verkaufen: um sechs Uhr durfte ich den Besitz antreten. Es w\u00fcrde gut sein, sagte er, wenn ich mich fr\u00fchzeitig einfinden w\u00fcrde, um gewissen unklaren, aber ganz unberechtigten Anspr\u00fcchen auf Bezahlung von Bodenzins und Feuerung zuvorzukommen. Andere Schulden waren, seiner Behauptung nach, nicht vorhanden. Am sechs Uhr traf ich ihn mit seiner Familie auf der Landstra\u00dfe. Ein gro\u00dfes B\u00fcndel enthielt all ihre Sch\u00e4tze \u2013 Bett, Kaffeem\u00fchle, den Spiegel und die H\u00fchner. Nur die Katze fehlte. Sie hatte sich in die W\u00e4lder begeben, wurde zur wilden Katze und geriet, wie ich sp\u00e4ter h\u00f6rte, in eine f\u00fcr Murmeltiere gestellte Falle. Da ward sie eine tote Katze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich brach die Waldh\u00fctte am gleichen Morgen ab und schaffte die Bretter, nachdem ich die N\u00e4gel herausgezogen hatte, in kleinen Karrenladungen zum Teichufer. Dort legte ich die Bretter nebeneinander aufs Gras, damit sie in der Sonne bleichen und sich zur\u00fcckkr\u00fcmmen <a id=\"page69\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page69\"><\/a> konnten. W\u00e4hrend ich den waldigen Pfad entlang wanderte, sang eine muntere Drossel mir ein paar ihrer Lieder. Ein junger Irl\u00e4nder verriet mir heimlicherweise, da\u00df Nachbar Seeley, ebenfalls ein Irl\u00e4nder, die noch zum Einschlagen zu verwendenden, geraden N\u00e4gel, Haken und Bolzen in seine Tasche verschwinden lie\u00dfe, sobald ich mit meinem Karren mich entfernt habe. Kam ich zur\u00fcck, so stand er mit der unschuldigsten Miene da, w\u00fcnschte mir guten Tag, und war mitten unter den Tr\u00fcmmern in Fr\u00fchlingsstimmung. F\u00fcr ihn g\u00e4be es hier gar nichts zu tun, sagte er. Seine Anwesenheit repr\u00e4sentierte das schaulustige Publikum. Er verhalf dazu, da\u00df dieses scheinbar unbedeutende Ereignis so wichtig erschien wie der Auszug der G\u00f6tter aus Troja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich grub meinen Keller in die s\u00fcdliche B\u00f6schung des H\u00fcgels, wo fr\u00fcher einmal ein Murmeltier seine H\u00f6hle hatte, tief durch Sumach- und Brombeerwurzeln und durch die letzten Spuren von Vegetation. Er ma\u00df sechs Fu\u00df im Quadrat und war sieben Fu\u00df tief. Dort gab es feinen Sand, in welchem die Kartoffeln selbst in kalten Wintern nicht erfrieren. Die Seiten lie\u00df ich absch\u00fcssig, wie sie waren, ohne sie auszumauern; da die Sonne sie nie beschienen hatte, blieb der Sand an seinem Platze. Die ganze Arbeit w\u00e4hrte nur zwei Stunden. Gerade das Graben machte mir besondere Freude, denn in fast allen Zonen graben die Menschen in die Erde, um eine gleichm\u00e4\u00dfige Temperatur zu erhalten. Selbst unter dem elegantesten Hause in der Stadt kann man stets einen Keller finden, der, wie in alter Zeit, zum Aufbewahren der Wurzeln dient, und der sich, selbst wenn der Oberbau schon l\u00e4ngst verschwunden ist, der Nachwelt durch eine Vertiefung im Erdboden verr\u00e4t. Das Haus ist noch immer nichts anderes als eine Art Vorhalle beim Eingang in die Grube.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich errichtete ich anfangs Mai den Rohbau meines Hauses. Wenn ich dazu die Hilfe einiger Bekannten benutzte, so geschah das mehr, weil ich eine solch g\u00fcnstige Gelegenheit mich als guter Nachbar zu erweisen, benutzen wollte, als aus Notwendigkeit. Kein Mensch ward je mehr durch das Ansehen seiner Mitarbeiter geehrt als ich. Ich hoffe zuversichtlich, da\u00df sie dazu bestimmt sind, sp\u00e4ter einmal <a id=\"page70\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page70\"><\/a> stolzere Bauten zu errichten. Am vierten Juli zog ich, sobald Fu\u00dfboden und Dach fertig gestellt waren, in mein Haus ein. Alle Bretter waren mit Sorgfalt schr\u00e4g zugeschnitten. Sie wurden derart \u00fcbereinander gelegt, da\u00df Regen absolut nicht durchdringen konnte. Ehe ich jedoch den Boden dielte, legte ich an einer Seite den Grund zu einem Kamin. Ich trug zu diesem Zwecke zwei Karrenladungen Steine auf den Armen vom Teich zu meinem H\u00fcgel herauf. Den Kamin baute ich im Herbst, als ich mit dem Hacken meiner Saat fertig war, noch ehe ich eines w\u00e4rmenden Feuers bedurfte. Mittlerweile kochte ich in aller Morgenfr\u00fche im Freien auf dem Erdboden. Dies Verfahren ist meiner Ansicht nach in mancher Beziehung bequemer und angenehmer als das \u00fcbliche. Gab es Regen und Wind, bevor mein Brot gebacken war, so befestigte ich einige Bretter \u00fcber dem Feuer, setzte mich darunter, gab acht auf das Brot und verbrachte auf solche Weise einige angenehme Stunden. An diesen Tagen, wo meine H\u00e4nde viel zu tun hatten, las ich nur wenig. Doch der kleinste Papierfetzen, der am Boden lag und der mir zum Anfassen des Kochtopfes oder auch als Tischtuch diente, verschaffte mir gerade so viel Unterhaltung, ja entsprach seinem Zweck tats\u00e4chlich gerade so gut wie die Ilias.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re schon der M\u00fche wert, wenn man beim Bauen noch viel \u00fcberlegter als ich vorginge, wenn man z.\u00a0B. in Erw\u00e4gung z\u00f6ge, inwiefern eine T\u00fcr, ein Fenster, ein Keller, eine Bodenkammer durch die Natur des Menschen begr\u00fcndet sind, wenn man nur dann einen Oberbau errichten w\u00fcrde, wenn ein triftigerer Grund als unser momentanes Bed\u00fcrfnis vorhanden w\u00e4re. Der Mensch soll sein Haus ganz nach seinen Bed\u00fcrfnissen schaffen wie der Vogel sein Nest. Wenn die Menschen ihr Haus mit ihren eigenen H\u00e4nden bauen und harmlos und ehrlich sich und ihre Familien mit Nahrung versorgen w\u00fcrden, wer wei\u00df, ob da nicht die poetische Ader allgemein sich entwickeln w\u00fcrde! Singen nicht die V\u00f6gel \u00fcberall bei dieser Arbeit? Doch ach! Wir gleichen dem Kuhvogel und dem Kuckuck, die ihre Eier in Nester legten, die andere V\u00f6gel bauten. Und dabei erfreuen sie den Wanderer durch ihr Geschw\u00e4tz und ihre unmusikalischen <a id=\"page71\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page71\"><\/a> T\u00f6ne durchaus nicht. Wollen wir denn f\u00fcr alle Zeit das Vergn\u00fcgen des Bauens dem Zimmermann \u00fcberlassen? Was ist Architektur in den Augen der gro\u00dfen Masse? Nie traf ich auf meinen zahlreichen Spazierg\u00e4ngen einen Menschen, der sich der einfachen und nat\u00fcrlichen Besch\u00e4ftigung sein eigenes Haus zu bauen, widmete. Wir geh\u00f6ren dem Gemeinwesen. Nicht nur der Schneider macht den Mann, sondern auch der Geistliche, der Kaufmann und der Farmer. Wo wird diese Arbeitsteilung enden? Welchem Zweck dient sie schlie\u00dflich? Allerdings \u2013 ein anderer <i>kann<\/i> auch f\u00fcr mich denken. Trotzdem ist es durchaus nicht w\u00fcnschenswert, da\u00df er dies in einem solchen Ma\u00dfe besorgt, da\u00df mein selbst\u00e4ndiges Denken g\u00e4nzlich ausgeschlossen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wahr: es gibt sogenannte Architekten in diesem Lande. Wenigstens von einem hat man mir erz\u00e4hlt, da\u00df ihm, gleich einer Offenbarung der Gedanke gekommen sei, architektonischen Ornamenten einen inneren Gehalt von Wahrheit, Berechtigung und daher auch von Sch\u00f6nheit zu verleihen. Das war alles von seinem Standpunkt aus vielleicht ganz gut, und doch nur wenig besser als der allgemeine Dilettantismus. Dieser sentimentale Reformator der Architektur begann oben am Gesims, nicht beim Fundamente. F\u00fcr ihn handelte es sich nur darum, in die Ornamente einen Kern von Wahrheit hineinzulegen, damit jedes St\u00fcckchen Zuckerzeug seine Mandel oder seinen Anissamen enthalte \u2013 ich glaube \u00fcbrigens, da\u00df Mandeln ohne Zucker gesunder sind \u2013 und nicht darum, da\u00df der Bewohner, der <i>In<\/i>wohner, nach innen und nach au\u00dfen der Wahrheit gem\u00e4\u00df baue und die Ornamente sich selbst \u00fcberlasse. Welcher vern\u00fcnftige Mensch hat je geglaubt, da\u00df Ornamente etwas \u00c4u\u00dferliches, nur in der Haut Befindliches seien, da\u00df die Schildkr\u00f6te ihr gestecktes Schild, da\u00df die Auster ihren Perlmutterglanz durch ein \u00e4hnliches Verfahren erlangte, wie die Bewohner des Broadway ihre Trinitatiskirche? Der Mensch hat aber ebensowenig mit dem architektonischen Stil seines Hauses zu tun, wie die Schildkr\u00f6te mit der Zeichnung ihres Geh\u00e4uses. Auch braucht der Soldat sich nicht damit zu plagen, die Farbe seines Mutes auf seine Fahne zu malen. <a id=\"page72\" title=\"Sophia\/wolfeh\" name=\"page72\"><\/a> Der Feind wird sich dar\u00fcber schon Klarheit verschaffen. Wer wei\u00df, ob der Soldat nicht erbla\u00dft, wenns zur Feuerprobe kommt. Dieser Architekt schien mir, \u00fcber das Gesims gelehnt, zaghaft seine Halbwahrheiten den unwissenden Einwohnern zuzufl\u00fcstern, die in Wirklichkeit die Sache besser verstanden als er. Die architektonische Sch\u00f6nheit, die ich jetzt sehe, ist meines Wissens allm\u00e4hlich von innen herausgewachsen, heraus aus den Bed\u00fcrfnissen und der Eigenart des Inwohners, als welcher der alleinige Erbauer ist \u2013 heraus aus unbewu\u00dfter Wahrhaftigkeit und Vornehmheit, ohne da\u00df je auf die \u00e4u\u00dferliche Wirkung R\u00fccksicht genommen wurde. Sollte der Sch\u00f6nheit von dieser Art eine Weiterentwicklung bestimmt sein, so wird ihr eine gleichfalls unbewu\u00dfte Sch\u00f6nheit des Lebens vorangehen. Die interessantesten Wohnst\u00e4tten in diesem Lande sind, wie der Maler wei\u00df, die anspruchslosesten: die bescheidenen Blockh\u00fctten und H\u00e4uschen der Armen zumeist. Das Leben der Einwohner, das sich in diesem Geh\u00e4use abspielt, nicht irgend eine Eigent\u00fcmlichkeit an der Au\u00dfenseite macht sie pittoresk. Ebenso interessant wird der \u00bbKasten\u00ab des St\u00e4dters in der Vorstadt sein, wenn sein Leben einen einfachen und wohltuenden Eindruck macht, wenn er die architektonische Wirkung seines Hauses ebensowenig forciert wie der Arme. Architektonische Ornamente sind zum gro\u00dfen Teil buchst\u00e4blich hohl. Ein kr\u00e4ftiger Septemberwind fegt sie fort, wie geborgte Federn, ohne dem Gesamtbild Schaden zuzuf\u00fcgen. Wer weder Oliven noch Wein im Keller hat, kann sich ohne \u00bbArchitektur\u00ab behelfen. Was w\u00fcrde geschehen, wenn man gerade so viel Aufhebens um die Schn\u00f6rkeleien in der Literatur machen w\u00fcrde, wenn die Baumeister unserer Bibeln gerade so viel Zeit auf das Beiwerk verwendet h\u00e4tten, wie die Baumeister unserer Kirchen? So macht man <i>belles-lettres<\/i> und <i>beaux-arts<\/i> und ihre Professoren. Aber nat\u00fcrlich f\u00fcr den Menschen ist es von gro\u00dfer Wichtigkeit, wie ein paar Holzlatten \u00fcber ihm und unter ihm gelegt, und was f\u00fcr Farben auf seinen Kasten geschmiert sind! Ja, h\u00e4tte er <i>eigenh\u00e4ndig<\/i> und nach reiflicher \u00dcberlegung das Legen und das Anstreichen besorgt \u2013 dann k\u00f6nnte man wenigstens irgend etwas von Bedeutung darin sehen. Doch da der Geist aus dem <a id=\"page73\" title=\"Duesentrieb\/wolfeh\" name=\"page73\"><\/a> Bewohner entflohen ist, so ist die Herstellung des Hauses gleichbedeutend mit der des Sarges \u2013 eine Grabarchitektur, und die Bezeichnung \u00bbZimmermann\u00ab nur ein anderer Ausdruck f\u00fcr den \u00bbSargfabrikanten\u00ab. Ein Mensch hat einmal aus Verzweiflung oder aus Gleichg\u00fcltigkeit gegen das Leben gesagt: \u00bbNimm eine Handvoll von der Erde zu Deinen F\u00fc\u00dfen und bemale Dein Haus mit dieser Farbe.\u00ab Dachte er an sein letztes und enges Haus? Das m\u00f6gen die W\u00fcrfel entscheiden! Welchen \u00dcberflu\u00df an Mu\u00dfe mu\u00df er haben! Wozu die Handvoll Erde? Du tust besser daran, Dein Haus nach Deiner eigenen Gesichtsfarbe anzustreichen! La\u00df es statt Deiner erblassen und err\u00f6ten. Das w\u00e4re so ein Unternehmen, um den architektonischen Stil unsrer Landh\u00e4user zu verbessern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-14940\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"378\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau-174x300.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Einf\u00fchrung in Leben und Werk von Gerhard Gutherz findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/06\/nachdenken-ueber-einen-einsiedler\/\">hier<\/a>. Zum 150 Jahren Todestag erinnert KUNO an ihn mit einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/06\/ein-amerikanischer-diogenes\/\">Essay<\/a> von Karl Knortz. Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Als ich die folgenden Seiten, oder vielmehr den gr\u00f6\u00dften Teil derselben schrieb, lebte ich allein im Walde, eine Meile weit von jedem Nachbarn entfernt in einem Hause, das ich selbst am Ufer des Waldenteiches in Concord, Massachusetts, erbaut hatte&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/12\/ich-sehe-eine-gluehend-rote-wolke-am-horizont\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":217,"featured_media":99597,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1207],"class_list":["post-88602","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-henry-david-thoreau"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/217"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88602"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88602\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103345,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88602\/revisions\/103345"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99597"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}