{"id":88521,"date":"2002-01-17T00:01:53","date_gmt":"2002-01-16T23:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88521"},"modified":"2022-04-20T17:07:03","modified_gmt":"2022-04-20T15:07:03","slug":"eine-erinnerung-an-alois-hergouth","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/01\/17\/eine-erinnerung-an-alois-hergouth\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an Alois Hergouth"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meiner Erinnerung sehe ich uns beisammen sitzen: den Alois Hergouth, den Jean Charles Lombard, den France Filipic und mich, nach einer Veranstaltung des Alpenl\u00e4ndischen Schriftstellerkongresses in Radkersburg\/Radenci, in irgendeinem Gasthaus, bei Wein und Zigaretten und im Gespr\u00e4ch. Alle drei sind sie schon tot. Der Alois Hergouth hat st\u00e4ndig geraucht und die Luft verpestet, auch seine Stimme und \u00fcberhaupt seine Gesundheit waren angegriffen. Ein schweres Leben hat er gehabt. Aber er hat sich hinaufgearbeitet &#8211; flei\u00dfig, z\u00e4h und zielbewu\u00dft. Soldat war er noch gewesen im Zweiten Weltkrieg. Dann hat er studiert und promoviert und wissenschaftlich gearbeitet, aber auch schon Gedichte geschrieben. Als elftes Kind eines Maurers war er geboren. Arbeitermilieu. Armeleutekind! Das hat er sein Leben lang nicht vergessen, das hat ihn gepr\u00e4gt, das konnte man sp\u00fcren. Nie war er \u00fcberheblich, stets bescheiden und etwas (in sich) zur\u00fcckgezogen. Dabei hatte er einen feinen Humor. Er machte aber keine Witze, nur sparsame Bemerkungen, so beil\u00e4ufig hingesagt, die Ausdruck seines kritischen Verstandes und der aus seinem Leben gewonnenen Einsicht waren. Er hat nie laut gelacht, nein, der Alois Hergouth hatte ein L\u00e4cheln, er konnte sich auch \u00fcber etwas am\u00fcsieren. Und er hatte, wie man sagt, eine \u201etiefe Seele\u201c, etwas ganz Innerliches. \u201eZum Niederknien sind diese Gedichte!\u201c sagte ich einmal, als ich sie im Radio h\u00f6rte und gar nicht wu\u00dfte, von wem sie waren. \u201eDas ist ein gro\u00dfer Dichter, wer ist das?\u201c fragte ich und wartete auf die Schlu\u00dfansage der Sendung. Und dann fiel der Name Alois Hergouth als Verfasser dieser Gedichte. \u201eAber den kenne ich doch!\u201c sagte ich, \u201edas ist ja der Alois Hergouth, mit dem ich in einem Gasthaus zusammen mit anderen Freunden Wein getrunken habe, irgendwo an der Grenze, im Steirischen.\u201c Er lebte ja \u2013 wie ich geh\u00f6rt hatte &#8211; in Sladka Gora, auf der anderen Seite, im Slowenischen, in einer bescheidenen H\u00fctte, aber inmitten der Weinberge. Ich habe den Alois Hergouth nach diesem Abend in Radkersburg nie mehr gesehen. Nur einmal begegnete er mir noch indirekt in den von ihm aus dem Slowenischen \u00fcbertragenen Gedichten des mir ebenfalls bekannten Dichters Kajetan Kovic bei einer Lesung im damals noch vorhandenen jugoslawischen Kulturinstitut in der Invalidenstra\u00dfe in Wien. Auch von seinem Tod habe ich erst sp\u00e4ter und nur so nebenbei erfahren. Ich habe um ihn getrauert, um diesen gro\u00dfen Dichter und um diesen lieben, bescheidenen Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In meiner Erinnerung sehe ich uns beisammen sitzen: den Alois Hergouth, den Jean Charles Lombard, den France Filipic und mich, nach einer Veranstaltung des Alpenl\u00e4ndischen Schriftstellerkongresses in Radkersburg\/Radenci, in irgendeinem Gasthaus, bei Wein und Zigaretten und im Gespr\u00e4ch. 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