{"id":88480,"date":"1989-05-06T00:01:46","date_gmt":"1989-05-05T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88480"},"modified":"2023-07-12T05:48:34","modified_gmt":"2023-07-12T03:48:34","slug":"nachdenken-ueber-einen-einsiedler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/06\/nachdenken-ueber-einen-einsiedler\/","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber einen Einsiedler"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Seine Gedanken umspannen alle H\u00f6hen und Tiefen; sein Leben war einheitlich und voller Hoheit; sein Herz war gro\u00df, und seine Liebe quoll in schweren Str\u00f6men daraus hervor; sein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Natur war sicher und durchdringend; seine Kunst der Schilderung ist von un\u00fcbertrefflicher Anschaulichkeit und seine Prosa von magischer Helle \u2013: alles das kann sich in Vergessenheit verfl\u00fcchtigen. Wir wollen auch keine M\u00fche darauf verwenden, es festzuhalten. <em>Denn mehr noch, als in seinen Gedanken steht, steht im Rhythmus seiner S\u00e4tze<\/em>. Und diese Musik wird in keiner menschlichen Seele je verstummen; das Bohnenfeld kann sie nie mehr vergessen und nicht der Sommertag, die zu ihrer vorbestimmten Sch\u00f6nheit erwacht sind, seitdem er in sie hineingesungen hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Gerhard Gutherz<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Concord, einem kleinen St\u00e4dtchen in der N\u00e4he von Boston in Massachusetts, kam <em>Henry David Thoreau<\/em> am 12. Juli 1817 als drittes Kind aus der Ehe des John Thoreau mit Cynthia Dunbar zur Welt. Er selbst spielt wiederholt mit dem Gedanken, von den alten Skandinaviern, von den Recken des Nordlands, abzustammen. In alten nordischen Chroniken findet sich tats\u00e4chlich der Name Thor h\u00e4ufig genug und zahlreiche Zusammensetzungen seiner als Thorfinn, Thorer-Hund. Unser Gef\u00fchl hat gegen die M\u00f6glichkeit dieser Abstammung sicherlich nichts einzuwenden. Die wetterharte Pers\u00f6nlichkeit Thoreaus, sein unabh\u00e4ngiger Geist, seine urgermanische Wurzelechtheit f\u00fchren die Phantasie leicht und nat\u00fcrlich zu diesen markigen Gestalten der Vergangenheit. Die Sympathie, die er f\u00fcr sie empfand, wandte sich unter seinen Zeitgenossen den Roth\u00e4uten zu, mit denen er sich auf \u00e4hnliche Art verwandt f\u00fchlte. Er war eher geneigt, in ihnen seine Br\u00fcder zu erkennen, als in den bodenfremden zivilisierten Bleichgesichtern der Union. Joe Polis, ein Indianer vom Stamme der Penobscot, geno\u00df seine besondere Freundschaft und diente ihm als F\u00fchrer durch die W\u00e4lder von Maine, die er mehrmals besuchte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Familie Thoreau war im Jahre 1773 aus St. Hilaire auf der Kanalinsel Jersey nach Neu-England gekommen. John Thoreau, Henrys Vater, betrieb in Concord eine kleine Bleistiftmanufaktur, die seiner Familie ein bescheidenes Einkommen gew\u00e4hrte. Er war ein ruhiger Mann von gediegenem, aber verschlossenem Wesen, den sein Gesch\u00e4ft vollkommen absorbierte. Cynthia Dunbar, die Mutter, war von schottischer Herkunft. Sie war eine heitere und kluge Frau, die wegen ihrer freundlichen und g\u00fctigen Art, wegen ihres munteren Naturells allgemein beliebt war und den Ihren eine sonnige H\u00e4uslichkeit zu schaffen wu\u00dfte. Den Eltern beiden wird Liebe zur Natur und feines Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Musik nachger\u00fchmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alter von 16 Jahren kam Henry nach Harvard, wo er klassische Philologie studierte, ohne sich durch besonderen Flei\u00df oder lebhafte Lernbegierde hervorzutun. Seine Kameraden betrachteten ihn als Sonderling, weil er sich von ihrer Gesellschaft fernehielt und einsame Spazierg\u00e4nge und stilles Meditieren ihren Spielen vorzog. Er galt schon damals als kalte und wenig umg\u00e4ngliche Natur. Die graublauen Augen hatte er stets zu Boden gerichtet; die Nase war kr\u00e4ftig vorstehend, aber noch nicht scharf. Stundenlang konnte er unbeweglich und br\u00fctend dasitzen, in seinen \u201emystischen Egoismus\u201c verbohrt. Derselbe Kollege von Harvard-College, der diesen Ausdruck gebraucht, meint, die ganze \u00e4u\u00dfere Erscheinung Thoreaus habe an \u00e4gyptische Statuen erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Thoreau graduiert hatte, kam er nach Concord zur\u00fcck und wurde Lehrer an der Schule, die sein \u00e4lterer Bruder John leitete. Ein Essay \u00fcber Aulus Persius Flaccus, \u00dcbersetzungen aus Pindar, Anakreon und \u00c4schylus entstanden um diese Zeit. Aber der Lehrberuf sagte ihm nicht zu, er gab ihn nach zwei Jahren wieder auf und trat in die Bleistiftfabrik des Vaters. Die T\u00e4tigkeit hier fesselte ihn nur bis zu dem Augenblick, wo es ihm gelungen war, ein wesentlich besseres Fabrikat herzustellen. F\u00fcr die praktische Ausn\u00fctzung dieser Verbesserung hatte er nicht das geringste Interesse. Und Thoreau war nicht der Mann, sich aus Utilit\u00e4tsgr\u00fcnden mit Dingen abzugeben; er war unf\u00e4hig sich einer Besch\u00e4ftigung zu widmen, zu der ihn keine Neigung hinzog. Allerdings sah er sich sp\u00e4ter, nach des Vaters Tode, im Interesse der Familie wieder gen\u00f6tigt, sich um die Manufaktur zu k\u00fcmmern, aber er tat es gewisserma\u00dfen mit der linken Hand, ohne viel M\u00fche und Zeit daf\u00fcr zu opfern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Jahre 1843 bis 1845 brachte er als Instruktor bei dem Richter Emerson, dem Bruder Ralph Waldo Emersons, in Castleton auf Staten Island zu. Auf diesen letzten Versuch, in einem b\u00fcrgerlichen Beruf in des Wortes solider Bedeutung auszuharren, folgt der zweij\u00e4hrige Aufenthalt am Waldenteich, \u00fcber den sp\u00e4ter im Zusammenhang mit dem Waldenbuche berichtet werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als seinen eigentlichen Beruf hatte Thoreau l\u00e4ngst das erkannt, was die von keinem anderen Gedanken als dem nach Geld und gesellschaftlichen Ehren geplagte Welt mit Geringsch\u00e4tzung Nichtstun nennt, und das bei Menschen von inneren Entwicklungsm\u00f6glichkeiten in Wirklichkeit erst ernste T\u00e4tigkeit bedeutet. Dieses Nichts-Marktg\u00e4ngiges-Tun ist ganz allein der Boden, auf dem sich die wahrhaft bedeutenden Taten des Geistes entfalten. Er widmete sich jener Mu\u00dfe, die er dem ver\u00f6denden Hasten und Jagen nach fiktiven Werten entgegenstellt. Er wird nicht m\u00fcde, sie in den leuchtendsten Farben zu preisen und auf die ungeahnten Reicht\u00fcmer hinzuweisen, die sie in ihrem Scho\u00dfe birgt. Nur bei Schopenhauer finden sich Worte von gleicher Tiefe und Leidenschaftlichkeit, um sie, die er als die Frucht und den Ertrag des Daseins bezeichnet, in ihrem vollen Wert begreiflich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thoreau hatte es verstanden, seine Bed\u00fcrfnisse auf ein Minimum einzuschr\u00e4nken. Das Wenige, das unerl\u00e4\u00dflich war, damit er \u201eden Kern seiner Zeit\u201c in Sicherheit bringen konnte, das hei\u00dft, damit er sich den vollen Genu\u00df seiner Mu\u00dfe wahre, das erwarb er durch gelegentliche Arbeit seiner H\u00e4nde. Er besa\u00df eine ungew\u00f6hnliche manuelle Geschicklichkeit, die ihn den Farmern der Umgebung wertvoll machte. Hier gab es einen Zaun auszubessern, dort eine Gartenarbeit zu verrichten, eine Mauer zu bewerfen, ein Grundst\u00fcck zu vermessen, auf alles verstand sich Thoreau wie kein zweiter. Er liebte diese Arbeiten, die ihm gestatteten, seinen Tag im Freien zu verbringen. Dieser praktischen Geschicklichkeit verdankte er ein gewisses Ansehen unter seinen Mitb\u00fcrgern, ein gr\u00f6\u00dferes jedenfalls, als seine geistige Bedeutung ihm eintrug. Diese Umwertung seines Wertes empfand er wohl zuweilen mit verhaltenem Grimm: \u201eMeinem praktischen Sinn ist zuletzt doch nicht zu trauen. Ich gehe allerdings meistens auf meinen Beinen; wenn ich aber von einem oberfl\u00e4chlichen gesunden Menschenverstand gedr\u00e4ngt und bel\u00e4stigt werde, dann komme ich au\u00dfer Rand und Band, wie man sagt. Ich werde transzendental und zeige, wo mir das Herz sitzt. Haltet euch h\u00fcbsch auf Entfernung, versto\u00dft nicht gegen die Distanz zwischen uns, so will ich wirkliche irdische Eier f\u00fcr euch legen, und euch durch Gackern wissen lassen, wenn&#8217;s geschehen ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweimal, in den Jahren 1841 bis 1843 und 1847 bis 1848, war Thoreau Hausgenosse seines Freundes Ralph Waldo Emerson, der seit 1837 in Concord ans\u00e4ssig war. \u00dcber das Verh\u00e4ltnis dieser beiden M\u00e4nner zueinander war lange Zeit hindurch eine irrige Ansicht verbreitet; ja sie ist es vielfach heute noch. Ihre Erkl\u00e4rung findet sich darin, da\u00df die Person und die Werke Emersons fr\u00fcher bekannt wurden und rascher in weitere Kreise drangen, als die Thoreaus. Emerson galt als das spendende Licht des ganzen Transzendentalistenkreises und Thoreau wurde nur als sein Sch\u00fcler angesehen. Die \u00dcbereinstimmung ihrer geistigen Richtungen war aber nicht das Ergebnis, sondern die Basis ihrer Freundschaft. Eine \u00e4hnliche geistige Grundstimmung brachten beide in die Freundschaft mit, und von einer Beeinflussung ist auf keiner Seite viel zu sp\u00fcren. Es geschah hier, was h\u00e4ufig genug beobachtet werden kann: der Zug\u00e4nglichere, der Gef\u00e4lligere und Leichter-fa\u00dfliche wird nicht nur fr\u00fcher gesch\u00e4tzt, sondern auch h\u00f6her gewertet als der aus h\u00e4rterem Stein Gehauene. Und der Radikalere war Thoreau. Emerson tut immer, was in seinen Kr\u00e4ften steht, um dem H\u00f6rer oder Leser entgegenzukommen. Seine Haltung ist niemals schroff und ablehnend. Immer scheint er zu sagen: Lasset die Kindlein zu mir kommen. F\u00fcr jeden hat er einen Labetrunk bereit, gesch\u00f6pft aus seinem Ozean von Zuckerwasser. Thoreau jedoch hat keine Milde. Von ihm gilt, was Renan einmal von der Natur sagt: sie sei von \u00fcberlegener Immoralit\u00e4t und vollkommen gef\u00fchllos. Er ist ein Mann, der nie im Fieber war und immer eine k\u00fchle Hand hat. Gegen das Christentum und gegen die christlichen Tugenden empfand er eine tiefwurzelnde Abneigung. Die Worte: was f\u00e4llt, das soll man auch noch sto\u00dfen, w\u00e4ren ihm leichter auf die Lippen gekommen, als: liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst. Diese ablehnende, ja sogar feindselige Haltung gegen die christliche Religion und Kirche \u2013 er hatte es sogar gewagt, die Zahlung der Kirchentaxe zu verweigern, und war aus der Kirchengemeinschaft ausgetreten \u2013 wird ihm in den L\u00e4ndern des englischen Protestantismus schwer ver\u00fcbelt. Aber Emerson war Pastor. \u201eIch liebe Henry,\u201c so schreibt ein Freund \u00fcber Thoreau, \u201eaber ich habe ihn nicht gerne. Es k\u00f6nnte mir eher einfallen, eine Eiche zu umarmen, als mich in Henrys Arm einzuh\u00e4ngen.\u201c Der Gegensatz zwischen Emerson und Thoreau ist kein geringerer, als der zwischen christlicher und heidnischer Moral. Vielleicht stand Thoreau der Auffassung des chinesischen Philosophen Meng-Tse nahe, der seine ganze Ethik in den einen Satz komprimiert: \u201eWenn einer sein K\u00fcchlein oder seinen Hund verliert, so wei\u00df er, wie er sie wiederfinden kann; wenn aber einer die Gef\u00fchle seines Herzens verloren hat, so wei\u00df er nicht, wie er sie wiederfinden soll. Die sittlichen Pflichten bestehen darin, die Gef\u00fchle des Herzens, die verloren gingen, wiederzusuchen; das ist alles.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Emerson von seiner Europa-Reise zur\u00fcckgekehrt war, zog Thoreau, der w\u00e4hrend dieser Zeit als eine Art Faktotum im Hause des Freundes gelebt hatte, wieder zu seinen Eltern. Aus den letzten Lebensjahren ist noch ein Vorfall zu erw\u00e4hnen, der zwar zu dem geistigen Gesamtbilde keinen wesentlichen Zug hinzuf\u00fcgt, der aber aus dem Grunde bedeutsam erscheint, weil er Thoreaus Namen in Amerika popul\u00e4rer gemacht hat, als die Schriften je verm\u00f6chten. Es ist die Angelegenheit des John Brown, f\u00fcr den Thoreau in aktiver Weise Partei ergriff. Dieses Heraustreten aus der Passivit\u00e4t und aus der philosophischen Gleichgiltigkeit politischen Ereignissen gegen\u00fcber wird ihm von seinen Landsleuten, Freunden wie Biographen, hoch angerechnet und scheint den ung\u00fcnstigen Eindruck, den seine Geringsch\u00e4tzung der christlichen Dogmen erregte, teilweise auszugleichen. Als n\u00e4mlich John Brown, der wackere Farmer aus Ohio und Befehlshaber einer geheimen Abolitionistenverbindung, von den Regierungstruppen gefangen worden war und als Hochverr\u00e4ter im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, wagte Thoreau, der diesem tapferen und edelgesinnten Manne hohe pers\u00f6nliche Wertsch\u00e4tzung entgegenbrachte und mit der Bewegung zur Aufhebung der Sklaverei w\u00e4rmstens sympathisierte, die ganze Einwohnerschaft von Concord und den umliegenden Ortschaften zu einer Versammlung zu laden, um zur Rechtfertigung Browns zu sprechen. Das Unternehmen war f\u00fcr Thoreau h\u00f6chst gefahrvoll. Das Abolitionistenkomitee selbst hielt den Zeitpunkt zu offenem Eintreten f\u00fcr verfr\u00fcht und warnte ihn. Seine Antwort war: \u201eIch sandte nicht zu euch um einen Rat, sondern um anzuzeigen, da\u00df ich reden w\u00fcrde.\u201c Die Rede, die am 30. Oktober 1859 vor zahlreicher Zuh\u00f6rerschaft gehalten wurde und von nachhaltigster Wirkung war, so wie auch die zweite, nach John Browns Hinrichtung, sind Meisterst\u00fccke wahrer Beredsamkeit, die so geradewegs ins Herz greift, wie sie dem Herzen entstammt. Aber wir bed\u00fcrfen wirklich nicht dieses handgreiflichen Beweises seiner unabh\u00e4ngigen und rechtlichen Gesinnung, die, was nach den Gef\u00fchlen des Herzens recht ist, h\u00f6her achtete als das Gesetz und f\u00fcr das Menschliche innigere Teilnahme empfand als f\u00fcr soziale Konvention; wir brauchen seine Haltung in diesem Einzelfall nicht zu kennen, um in ihm den ehrlichsten Hasser jeglicher Heuchelei im Leben, Denken und Gestalten zu lieben. Der Charakter, der nie zu Kompromissen herabstieg, der Mann von echtem Schrot und Korn lebt in seinen Schriften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Henry David Thoreaus war eine Naturerscheinung, sein Leben ein Gesamtkunstwerk. Man denke jedoch nicht daran, da\u00df er mit eignen H\u00e4nden die H\u00fctte zimmerte, die er zwei Jahre lang bewohnte; auch nicht daran, da\u00df er sich weigerte, dem Staat eine Steuer zu zahlen, und deshalb ins Gef\u00e4ngnis gesetzt wurde; man denke \u00fcberhaupt nicht an die sichtbar gewordenen Einzelhandlungen, so wenig wie an die Einzelgedanken, die sich aus seinen Werken herausschneiden lassen. Die Konsequenz, mit der er seinen Grunds\u00e4tzen nachlebte, wird h\u00e4ufig ger\u00fchmt; dieses Lob ist jedoch nicht unbedenklich, weil es falsche Vorstellungen \u00fcber den Schwerpunkt seiner Pers\u00f6nlichkeit erweckt. Da\u00df er in vollkommener \u00dcbereinstimmung mit seinen Gedanken lebte, geschah nicht aus Pedanterie; er dachte nicht daran, seine Ansichten dem Publikum an praktischen Beispielen vorzuf\u00fchren. Diese Meinung konnte nur aus der naiven Eitelkeit des Publikums entstehen, das seinen Beifall f\u00fcr so unendlich wichtig h\u00e4lt und von dem Urquell nichts ahnt, aus dem in einzelnen, ganz seltenen Menschen Gedankenwelt und Leben als eine Einheit flie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und eben dieser Quell in Thoreaus Natur, dieses Lebendige in seinem Leben, dieses Leuchtende im Mittelpunkt seiner irdischen Erscheinung und seiner Werke, sei als das Bedeutsame an ihm erfa\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um zur Kenntnis dieses Lebens zu gelangen, brauchen wir uns an keinen Biographen zu halten, keines Freundes Berichte nachzuschlagen, die, wie die Berichte der Freunde \u00fcberhaupt und der literarischen im Besonderen, zuweilen wohlwollend, meistens \u00fcbelwollend, unter allen Umst\u00e4nden aber mi\u00dfverstehend sind und nie das Wesentliche zu treffen, sondern nur von Abschnitzeln zu sprechen wissen \u2013 wohl, weil das Nahesehen die Einzelz\u00fcge zu stark hervortreten l\u00e4\u00dft. Wir k\u00f6nnen den vollen Reichtum und die einfache Sch\u00f6nheit dieses Lebens in Tageb\u00fcchern miterleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Ist der Dichter nicht gebunden, seine eigene Biographie zu schreiben?\u201c notiert er einmal, \u201egibt es f\u00fcr ihn ein anderes Werk als ein gutes Tagebuch?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Dichterwerk hat Thoreau vollbracht. In mehr als drei\u00dfig starken B\u00e4nden Manuskript, die erst seit kurzem in vollst\u00e4ndiger englischer Ausgabe vorliegen, ist es enthalten. W\u00e4hrend seines Lebens kam nichts daraus zur Ver\u00f6ffentlichung; das hei\u00dft: nicht mehr, als Thoreau selbst in seine \u00fcbrigen Arbeiten, die zum gro\u00dfen Teil aus Tagebuchnotizen aufgebaut sind, \u00fcbernahm. Im Alter von zwanzig Jahren begann er, vermutlich auf Emersons Anregung, seine Aufzeichnungen, und er f\u00fchrte sie fort bis zu seinem Tode. Wer diese Tageb\u00fccher zur Hand nimmt, wird nicht allein verzichten k\u00f6nnen, die Zusammenstellungen eines Datenreporters zu lesen, er wird sie sogar mit Bedacht vermeiden. Wenn die Ansicht richtig ist, da\u00df die Lebensumst\u00e4nde aller bedeutenden M\u00e4nner ein Ausflu\u00df ihrer Pers\u00f6nlichkeit sind, so gilt sie jedenfalls in erh\u00f6htem Ma\u00dfe f\u00fcr Thoreau. Denn er geh\u00f6rte nicht zu denen, \u201edie klagend berichten, was ihnen das Universum antat,\u201c seine Art ist vielmehr die solcher, \u201edie erz\u00e4hlen, wie sie dem Universum ein Ereignis wurden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Verst\u00e4ndnis der knappen Auswahl, die in diesem Bande geboten wird, erscheinen allerdings einige Angaben \u00fcber den Lebenslauf als unerl\u00e4\u00dfliche Erg\u00e4nzung. Doch soll vorerst der Versuch gemacht werden, die Eigenart des Denkers, wie sie in den Werken und besonders in den Tageb\u00fcchern hervortritt, zu skizzieren; gewisserma\u00dfen also zuerst die Hand kennen zu lernen, die dieses bestimmte Leben formte. Die Eigenart in vollkommener Losgel\u00f6stheit von Einfl\u00fcssen, Vorg\u00e4ngern und Freunden, die raumlose und zeitlose Eigenart. Es kann nicht oft und nicht nachdr\u00fccklich genug betont werden, da\u00df das, was ein Dichter oder Philosoph (Philosoph in des Wortes tiefster Bedeutung und in Gegensatz zu Gelehrtem in philosophicis) f\u00fcr seine Zeit oder f\u00fcr die unsere bedeutet, zwar kulturhistorisch von Interesse sein mag, mit dem inneren, absoluten Wert jedoch nichts zu schaffen hat. Thoreau klagt einmal dar\u00fcber, da\u00df die Kritik die Dinge noch niemals so beurteilt habe, wie sie im Scho\u00dfe der ewigen Sch\u00f6nheit daliegen, sondern immer bem\u00fcht sei, sie nach der Mode des Tages zu kleiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denen aber, die sich einem Fremden gegen\u00fcber nicht wohl f\u00fchlen, solange sie ihm nicht eine \u00c4hnlichkeit mit dem Vetter ihres Schwagers, oder mit dem Portr\u00e4t ihres verstorbenen Gro\u00dfonkels anentdeckt haben, sei verraten, da\u00df sie bei Thoreau sicherlich Z\u00fcge finden werden, die ihnen aus Lao-Tse, Zeno, Angelus Silesius, Maeterlinck, Nietzsche, Tolstoi und anderen wohlbekannt sind.<sup>\u00a0<\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Tagebuch ist der Teil meiner selbst, der sonst \u00fcberflie\u00dfen und verloren gehen w\u00fcrde, eine \u00c4hrenlese von dem Feld, dessen Ernte ich in T\u00e4tigkeit einbringe. Ich lebe nicht daf\u00fcr, sondern darin f\u00fcr die G\u00f6tter. Sie sind meine Korrespondenten, denen ich t\u00e4glich dieses Blatt franko zusende. Ich bin Buchhalter in ihrem Kontor und \u00fcbertrage am Abend die Rechnung von der Kladde ins Hauptbuch. Mein Tagebuch ist ein Blatt, das \u00fcber mir auf meinem Wege h\u00e4ngt. Ich biege den Zweig herab und schreibe meine Gebete darauf. Dann lasse ich ihn los, der Zweig schnellt zur\u00fcck und zeigt mein Geschreibsel dem Himmel, als l\u00e4ge es nicht in meinem Pulte eingeschlossen, sondern als w\u00e4re es ein Blatt, so offen wie irgendeins in der Natur. Gleichwie die welken Bl\u00e4tter in jener Vase dort, so wurden diese hier von nah und fern zusammengelesen. Bergland und Niederung, Wald und Feld hab ich gepl\u00fcndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ein Kalender der Gezeiten der Seele<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An anderer Stelle nennt Thoreau sein Tagebuch \u201eeinen Kalender der Gezeiten der Seele\u201c und sagt, es enthalte die Geschichte seiner Liebe. Er habe die Dinge gebucht, die er liebe, und die Seite der Welt, an die er gerne denke. Und in der Tat, es finden sich wenige B\u00fccher in der Weltliteratur, die so gar nicht nach einem Leser schielen, wie dieses. Der Leser ist nicht mit Vorbedacht ausgeschlossen; findet sich ein Freund, der lauschen will und verstehen kann, so ist er willkommen. Aber auf einen Menschen R\u00fccksicht zu nehmen, sei es im Gedankenablauf, im Sehwinkel oder in der Stilisierung, daran konnte Thoreau niemals denken; er war es wohl auch nicht imstande. Denn der Blutkreislauf in diesem Buch vollendet sich zwischen dem, der es schuf, und der Gottheit, der es galt. Eben diese Isoliertheit vom Menschen, vom Menschen in seiner grotesken Gesch\u00e4ftigkeit um Strohhalme und Steinchen, diese unabgezweigte Linie zwischen Erde und Himmel, bildet das eine Charakteristikon von Thoreaus Person. Das zweite tritt gleichsam als positiver Pol zu diesem negativen hinzu: es ist seine Unf\u00e4higkeit, von den Dingen der Welt und also auch vom Menschen <em>als solchem<\/em> anders zu reden, als wie sie im Glanze seiner Liebe dastehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die einzige M\u00f6glichkeit, wahr zu sprechen, ist: mit Liebe sprechen. Der Intellekt sollte nie sprechen; er bringt keinen nat\u00fcrlichen Ton hervor.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Heiterkeit, die aus allen seinen Schriften aufsteigt, ist die nat\u00fcrliche Folge dieser Art, die Wahrheit zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Boden, in dem Thoreaus F\u00fchlen und Denken wurzelt, die Kuppel, die sich \u00fcber seinen Tageb\u00fcchern w\u00f6lbt \u2013 und was f\u00fcr die Tageb\u00fccher gilt, gilt im gro\u00dfen und ganzen f\u00fcr alle seine Schriften \u2013 ist die Natur. \u201eNatur\u201c ist das Wort, das auf jeder Seite wiederkehrt, das immer und immer wieder an unser Ohr schl\u00e4gt, kr\u00e4ftig betont und fl\u00fcchtig vor\u00fcbergleitend, in tausend Verbindungen: wenn er in Einsamkeit sinnt, wenn er Shakespeare liest, die Axt f\u00fchrt oder das Erbl\u00fchen der fringilla hiemalis beobachtet. Obgleich er von ihr mit der gr\u00f6\u00dften Z\u00e4rtlichkeit spricht und in dem vollen Herzen, das f\u00fcr sie schl\u00e4gt, Worte von so innigem Klang findet, da\u00df neben seinem eines jeden anderen Hymnus und Preis auf sie wie d\u00fcrre Rhetorik klappert, ist doch in seinen Ausdr\u00fccken nichts von knabenhafter Schw\u00e4rmerei zu sp\u00fcren. Seine Beziehung zur Natur ist die Liebe eines Mannes, der seine Liebe erwidert wei\u00df. Er hat es nicht n\u00f6tig, sich nach ihr zu sehnen, denn sie wohnt so selbstverst\u00e4ndlich in ihm, wie er in ihr. Der Streit, der unter englischen Literatur- und Naturforschern \u00fcber seine Qualit\u00e4ten als Naturbeobachter besteht, ist daher ganz m\u00fc\u00dfig. W\u00e4hrend manche der Ansicht sind, seine Beobachtungen in Wald und Flur seien ganz oberfl\u00e4chlich und h\u00e4tten unser Wissen um die Natur nicht gef\u00f6rdert, behaupten andere, er habe hochbedeutsame Entdeckungen gemacht. Die Richtige liegt auch hier, wie meistens, nicht in der Mitte, sondern auf einer ganz anderen Ebene. Inwieweit er die Gewohnheiten einer Tierart sch\u00e4rfer beobachtet als ein anderer, das Gurgeln des Kuhvogels richtiger phonetisiert und das Erbl\u00fchen des Aronstabes mit dem sechsten oder achten April genauer angibt, ist zweifellos von untergeordnetem Interesse. Thoreau besa\u00df nicht den Ehrgeiz, unter die von Schopenhauer als Topfgucker der Natur verspotteten \u201e\u00fcberaus mikroskopischen und mikrologischen Naturforscher\u201c eingestellt zu werden, die an ihren Schalen klauben und f\u00fcr den Kern kein Organ besitzen; und ihn mit ihrem Ma\u00dfe messen, hei\u00dft den Wert einer Trag\u00f6die nach ihrem Gehalt an historischer Richtigkeit beurteilen. Seine Beobachtungen unter freiem Himmel verschmelzen mit der h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Art ihrer Darstellung zu Gebilden von k\u00fcnstlerischem Saft und Zauberbann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch wer den nackten Kern dieser zu Dichtungen kristallisierten Naturkenntnisse herausl\u00f6sen will, bekommt eine Materie in die Hand, die sich der Kompetenz des Zoologen und des Botanikers entzieht. Denn was Thoreau beobachtet, ist nicht das, was das unkeusche Auge des Sp\u00e4hers sieht, nicht, was der Neugierige sieht, der wissen, oder der Praktikus, der verwerten will, sondern er betrachtet das, was ihn mit der Natur verkn\u00fcpft, sein F\u00fchlen und Leiden mit ihr, seine Freude an ihr, seine Vorausahnung ihrer Ergebnisse. Ihm ist sie weit mehr und anderes als ein Forschunggebiet f\u00fcr das Auge und die H\u00e4nde, sie ist in erster Linie der inneren Wahrnehmung zug\u00e4nglich als der Tropfen Blut, der jedem kleinsten Teilchen der Sch\u00f6pfung gemeinsam angeh\u00f6rt und die Verwandtschaft aller Wesen begr\u00fcndet als das Leben-Wirkende, welches jedem Dinge sein Dasein und seine Sch\u00f6nheit verleiht. Alles Vielerlei sind Kr\u00e4uslungen der Oberfl\u00e4che, die ihm nichts sagen; er h\u00f6rt nur das gewaltige Brausen des Ur-Einen, den Urgrund der Sch\u00f6pfung. Natur ist f\u00fcr Thoreau die Antwort auf das Bed\u00fcrfnis, das in h\u00f6herem oder geringerem Ma\u00dfe, mit klarerem oder d\u00e4mmrigerem Bewu\u00dftsein allen Menschen innewohnt, auf das Bed\u00fcrfnis, dem Chaos zu entrinnen, das Eine in die Hand zu bekommen, das alles ist. Was bei Schopenhauer der Wille hei\u00dft, bei Schelling das Absolute, bei den Indern das Brahman, bei Lao-Tse das Tao, das hei\u00dft bei Thoreau Natur oder Genius, auch das Wilde und der Westen. Alle irdischen Erscheinungen, von denen er spricht, von Chaucer \u00fcber den Klang des Waldhorns bis zur Fuchsspur, sind dergestalt im Unendlichen verankert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diese geistige Artung, die durch die Vermittlung des englischen Dichters Coleridge aus Deutschland nach Amerika kam, wurde der Name Transzendentalismus gepr\u00e4gt, den man prompt zu h\u00f6ren bekommt, sobald man Concord erw\u00e4hnt und von Emerson, Bronson Alcott oder Thoreau spricht. Er ist so lange ungef\u00e4hrlich, als er nicht das Schreckgespenst eines philosophischen Lehrgeb\u00e4udes wachruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist durchaus wesentlich, sich dar\u00fcber klar zu werden, da\u00df Thoreau kein Theoretiker ist, der sich bem\u00fcht, seine Auffassung von der Welt intellektuell zu ordnen und begrifflich festzunageln \u2013 wie er sich gegen jegliches Festnageln \u00fcberhaupt sehr ablehnend verh\u00e4lt. Sein Streben ist lediglich darauf gerichtet, seine Seele so wach zu erhalten, sein Ich so sehr zu weiten, da\u00df er mit allen Fasern seines Seins das Pulsieren der Allseele sp\u00fcren m\u00f6ge. Nie entfernt er sich f\u00fchlbar von der Anschaulichkeit, nie sind seine Betrachtungen weit hergeholt aus fernen und nebligen Provinzen des Geistes; seine Gedanken sind niemals das Ergebnis einer k\u00fchlen \u00dcberlegung und einer objektiven Durchleuchtung, sie sind Erlebnisse. Der Geruch des St\u00fcckchens Erde, das ihnen Nahrung gab, h\u00e4ngt noch an ihnen, auch wenn sie von der Wurzel weggeschnitten sind. Zu gewisserma\u00dfen freischwebenden Urteilen gelangt er niemals; kein wissenschaftlicher Geist hat seine Erlebnisse entseelt und mumifiziert. Deshalb d\u00fcrfen seine Ausspr\u00fcche auch nicht als Lehrs\u00e4tze verstanden werden, nicht als Anweisungen f\u00fcrs praktische Leben, nicht als Geldst\u00fccke, mit denen ein gl\u00fcckliches Dasein zu kaufen ist \u2013 wiewohl die Mehrzahl seiner Landsleute ihn ihrer eignen Sinnesart gem\u00e4\u00df nicht als den Dichter des metaphysischen Bed\u00fcrfnisses, sondern als den Verk\u00fcnder hygienischer Weisheiten preist \u2013: seine Ausspr\u00fcche sind die Bl\u00fcten eines Menschendaseins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem auf diese Weise festgestellt ist, da\u00df das Leben f\u00fcr Thoreau keine F\u00e4cher und Spezialgebiete besa\u00df, da\u00df es also eine F\u00e4lschung seiner Pers\u00f6nlichkeit bedeuten w\u00fcrde und von ihm weg statt zu ihm hin f\u00fchren m\u00fc\u00dfte, wollte man die Gedanken dieses rhapsodischen Denkers in ein System zw\u00e4ngen, sei noch ein Wort \u00fcber die Art der Entstehung und \u00fcber die Form der Tagebuchnotizen hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEin Buch der Jahreszeiten, das Seite f\u00fcr Seite in \u00dcbereinstimmung mit der Jahreszeit unter freiem Himmel geschrieben w\u00e4re, an der St\u00e4tte selbst, wo immer es sein m\u00f6ge.\u201c Auf den langen einsamen Wanderungen durch die W\u00e4lder in der Umgebung von Concord, nach Fairhaven Bay und dem Waldenteich, nach Anursnack Hill und Nashawtuck notiert er seine Beobachtungen und die Gedanken, die sie ihm erregten, fl\u00fcchtig auf ein Blatt, um sie in den Abendstunden sorgf\u00e4ltig durchgearbeitet in seine Hefte zu \u00fcbertragen. Dieser Wanderungen bedurfte Thoreau wie des t\u00e4glichen Brotes; er bedurfte ihrer zu seiner Sammlung, denn nur im Freien war es ihm m\u00f6glich, sich auf sich selbst zu besinnen. Je l\u00e4nger der Marsch gedauert hatte, desto reicher war die geistige Ausbeute, die er heimbrachte. War er mehrere Tage verhindert, das Zimmer zu verlassen, so wurde er sanftm\u00fctig, konnte \u2013 er erz\u00e4hlt es selbst \u2013 von einer pathetischen Geschichte bis zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt werden und schrieb keine Zeile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufzeichnungen in den Tageb\u00fcchern lassen drei Perioden innerer Entwicklung erkennen. Die erste reicht ungef\u00e4hr bis zur Zeit des Aufenthaltes am Waldenteich. Die Anschauungen haben hier die sch\u00e4rfste und knappste Pr\u00e4gung; die Formulierung des Gedankens besitzt jedoch noch nicht die volle Plastizit\u00e4t. Die Br\u00fccke zur Um- und Au\u00dfenwelt ist noch nicht gefunden. Der innere Ansturm ist am heftigsten und gew\u00e4hrt der Inspiration durch die Sinne den geringsten Raum. Die zweite Periode ist die reichste und bl\u00fchendste. Das Gleichgewicht zwischen Innenwelt und Au\u00dfenwelt erscheint vollkommen hergestellt. Allgemeine Betrachtungen flie\u00dfen zum gr\u00f6\u00dften Teil unmittelbar aus Begebenheiten des Tages und aus Wahrnehmungen im Freien. An einem Fr\u00fchlingsmorgen sieht er einen Schwarm Trupiale \u00fcber die Felder fliegen und der diesen Bericht betauende Hauch einer Bemerkung \u00fcber die Wellenbewegung des Wechsels verleiht der kurzen Notiz den Reiz eines unendlich zarten Pastellgem\u00e4ldes. Sein Denken wird immer bilderreicher und k\u00f6rperlicher, die Kunst der Schilderung immer packender. Gegen Ende seines Lebens \u00fcberwiegt mehr und mehr das Detail der Beobachtung. Die irdische Scholle im landl\u00e4ufigen Sinne h\u00e4lt ihn st\u00e4rker gefesselt. Die k\u00fcnstlerische Vollendung in der Darstellung erleidet keine Einbu\u00dfe, aber in dem dichterischen Akkord schwingt ganz leise eine Note von Sachlichkeit mit. Wohl ist die Heiterkeit noch immer da, aber sie zwingt nicht mehr; der mitrei\u00dfende Schwung l\u00e4\u00dft nach. Die \u00dcberwindung des greifbaren materiellen Faktums scheint schwieriger zu werden; Erdenschwere macht sich geltend. Mit jener Sch\u00e4rfe des inneren Sinnes, die ihm die feinsten Regungen der Seele zu erlauschen gestattet, tr\u00e4gt er noch in den freiesten Tagen die ersten Vorboten dieser Wandlung ein:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>ich glaube, ich bin jetzt mehr in die Natur versenkt; ihr gehorcht mein intellektuelles Leben besser als fr\u00fcher, vielleicht aber weniger gut dem Geist. Meine Jahreszeiten werden weniger erinnerungsw\u00fcrdig. Ich stelle geringere Anspr\u00fcche an mich selbst; ich bin auf dem Wege, mich an meine Niedrigkeit zu gew\u00f6hnen, meinen Tiefstand hinzunehmen. O, k\u00f6nnte ich unzufrieden sein mit mir! k\u00f6nnte ich Schmerz und Qual empfinden bei jedem Schritt abw\u00e4rts!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Thoreaus Tageb\u00fccher vor allen Tageb\u00fcchern, die wir kennen, auszeichnet, was sie unter seinen eigenen Werken \u00fcber seine ger\u00fchmteren und besser bekannten erhebt, ist das Wunder, das dem Leser in ihnen geboten wird, das Werden des Dichtergedankens mitzuerleben. Wir meinen, da\u00df wir mit ihm an einem M\u00e4rztag fr\u00fch aufbrechen, um nach Pfeilspitzen von Indianern zu suchen, da\u00df seine Freude \u00fcber ein sch\u00f6nes, aber zerbrochenes Schneckenhaus die unsere ist und da\u00df es unsere eignen Worte sind, die sich ihm aus dem Innersten losringen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Ich kann nicht umhin, es f\u00fcr edler zu halten, wie es ja auch seltener ist, die Sch\u00f6nheit eines Dinges zu w\u00fcrdigen, als Mitleid zu empfinden mit seinem Mi\u00dfgeschick.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In jedem Satz sp\u00fcren wir das Zucken eines poetischen Empfindens in einer Seele; sein Werden, bevor es die starre Form gewann. Thoreaus ganzes Tagebuch ist wie das Morgenrot eines k\u00fcnstlerischen Empfindens. Vor unseren Augen vollzieht sich sozusagen die Transsubstantiation der Allnatur in eine Dichternatur, der \u00dcbergang von Sein zu Bewu\u00dftsein. Seine Worte sind die des Dichters im Augenblicke der Empf\u00e4ngnis; sie sind das, was das zuerst Fa\u00dfbare an einer Inspiration war, bevor des Dichters Selbsterhaltungstrieb rege wurde und ihn zwang zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ihn verstehen will, lasse das logische R\u00fcstzeug, mit dem der Verstand zu arbeiten gewohnt ist, zuhause. Dem, der nicht vergessen will, da\u00df er tags\u00fcber im Kontor sitzt und abends zum Frackanzug den wei\u00dfen Schlips zu binden hat, dem bleibt Thoreau stumm. Dem aber wird sich die Logik seines Wesens er\u00f6ffnen, der weder als brothungriger Bettler noch als goldgieriger Wegelagerer durchs Leben geht, der nicht an jeder Wegkreuzung die Verh\u00e4ltnisse und die Menschen nach Wahrheitwerten, nach Sch\u00f6nheitwerten oder nach N\u00fctzlichkeitwerten dem\u00fctig oder gewaltt\u00e4tig angeht. Das Bed\u00fcrfnis nach Werten entspringt einem Mangel oder unsicherem Besitz. Um Thoreau zu verstehen ist jeder reich genug, der f\u00e4hig ist, sich seines Menschseins bewu\u00dft zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur zwei B\u00fccher ver\u00f6ffentlichte Thoreau selbst. (Die Gesamtausgabe seiner Werke umfa\u00dft zwanzig B\u00e4nde.) Das eine erschien, auf des Autors eigene Kosten, im Jahre 1849 unter dem Titel \u201eEine Woche auf den Fl\u00fcssen Concord und Merrimack\u201c. Kein Verleger hatte das Risiko f\u00fcr dieses Buch, das sich weder unter Belletristik, noch unter Philosophie oder Wissenschaft einstellen lie\u00df, auf sich nehmen wollen. Es war schon mehrere Jahre fr\u00fcher entstanden als die Frucht einer achtt\u00e4gigen Fahrt im selbstverfertigten Boote. John Thoreau, Henrys fr\u00fchverstorbener Bruder und innerlichster Freund, war sein Gef\u00e4hrte gewesen. Dieses Buch \u201eohne Dach, das offen unter dem \u00c4ther daliegt\u201c \u2013 eine Art vergr\u00f6\u00dfertes Tagebuch \u2013 f\u00fchrt die freundlich-ruppige Landschaft der weiteren Umgebung von Concord in reizvollen Bildern vor. Hier und dort sind geschichtliche Reminiszenzen aus der Zeit der ersten Ansiedler eingeflochten; aus der Zeit jener fremden Eindringlinge, die dem Musketaquidflusse den Namen Concord gaben. Von diesem Flusse geht die heitere Geschichte, da\u00df er ein einzigesmal eine Br\u00fccke weggerissen habe; und die sei vom Sturm stromaufw\u00e4rts getragen worden. Nicht der Geist des Flusses Concord, ein Name, puritanisch und k\u00f6rperlos, liegt \u00fcber dem Buche, sondern der Geist des Musketaquid; das ist der Grasgrundflu\u00df. \u201eSolange Gras hier w\u00e4chst und Wasser flie\u00dft, wird er der Grasgrundflu\u00df sein; Concord aber nur so lange, als Menschen friedlich an seinen Ufern wohnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der Abend einf\u00e4llt und das Boot in Sicherheit gebracht ist, dann wird als Kr\u00f6nung des Tages der philosophische Geist lebendig. Das Kapitel Mittwoch enth\u00e4lt eine tief ergreifende Rhapsodie \u00fcber Freundschaft; die anderen Tage bringen Betrachtungen \u00fcber Dichtung, \u00fcber Mythologie, Geschichte und Religion, \u00fcber indische Philosophie. Auf die Weisheit der Inder kommt Thoreau h\u00e4ufig wieder zur\u00fcck, und unter ihren B\u00fcchern war ihm das Gesetzbuch des Manu besonders teuer. Thoreau geh\u00f6rt aber auch zu den wenigen, die von den h\u00f6chsten Sch\u00f6pfungen des menschlichen Geistes, von den Veden etwa, von Homer und Shakespeare sprechen d\u00fcrfen, ohne als windiger Geistreichling oder als Lesartenkr\u00e4mer l\u00e4stig zu fallen. In seinem Munde ist Shakespeare nicht mehr der Kom\u00f6diant, der Textb\u00fccher f\u00fcr Schauspieler schrieb, sondern ein Kolo\u00df, den das Erdinnere gebar. Wenn er von Dichtern und Philosophen spricht, so geschieht es nicht von ihren Werken, sondern von dem Elementaren, das in ihnen steckt; nicht von dem, was sie wissend schufen, sondern von dem, was sie wurden. Daher konnte auch keiner von ihnen ihm Lehrmeister oder geistiger Vorfahr sein \u2013 denn des Menschen Sein ist immer nur einmalig und eigenartig \u2013, sondern sie alle sind seine Br\u00fcder, Kinder der Allmutter Natur. Das Buch klingt aus in die sch\u00f6nen Worte:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Es war ein vergebliches Bem\u00fchen f\u00fcr mich, das Schweigen zu erkl\u00e4ren; es l\u00e4\u00dft sich nicht ins Englische \u00fcbertragen. Mit aller Gewissenhaftigkeit, die sie aufbringen k\u00f6nnen, sind die Menschen seit sechstausend Jahren am Werke, es zu \u00fcbersetzen; aber es ist noch immer wenig anderes als ein Buch mit sieben Siegeln. Eine Zeitlang arbeitet wohl manch einer in gutem Glauben weiter und bildet sich ein, er habe es unterm Daumen und werde es doch einmal klein kriegen \u2013 schlie\u00dflich mu\u00df aber auch er verstummen und die Welt bemerkt blo\u00df, da\u00df er ein tapferes Wagnis unternommen hat. Denn wenn er zuguterletzt in Schweigen versinkt, so ist das Mi\u00dfverh\u00e4ltnis zwischen dem Ausgesprochenen und dem, was unausgesprochen blieb, so gro\u00df, da\u00df das erstere nur wie ein Bl\u00e4schen auf der Oberfl\u00e4che erscheint, wo er verschwand.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtsdestoweniger wollen wir fortfahren, wie die chinesischen Klippenschwalben unser Nest mit dem Schaum auszuf\u00fcttern, der vielleicht eines Tages das Brot des Lebens sein wird denen, die da an der Meeresk\u00fcste hausen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEine Woche\u201c ist ein Werk von Azurfarbe. Thoreau erscheint darin als blonder Mystiker. Das Buch jedoch, das er f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte: \u201eWalden oder Das Leben in den W\u00e4ldern\u201c ist das Werk des sonngebr\u00e4unten Mystikers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 1845 \u2013 er war eben von Staten Island zur\u00fcckgekehrt \u2013 begann er mit eigenen H\u00e4nden am Waldenteich, anderthalb Meilen s\u00fcdlich von Concord, die H\u00fctte zu bauen, die er am 4. Juli desselben Jahres, am Festtag der Unabh\u00e4ngigkeiterkl\u00e4rung der Union, bezog. Die beiden Jahre seines Lebens, die er dort zubrachte \u2013 nicht als menschenfeindlicher Einsiedler, sondern nur in freiwilliger Ausschaltung aus dem Getriebe jeglicher sozialer Gemeinschaft \u2013, diese Unternehmung, sich v\u00f6llig auf sich selbst zu stellen, ist die Umsetzung seiner Geistigkeit ins Materielle. Der Aufenthalt am Waldenteich ist die Epoche, in welcher sich seine innere Gesinnung greifbar kundgibt, das Ereignis, mit dem die Welt die praktische Durchf\u00fchrbarkeit seines Einfachheit-Evangeliums veranschaulicht bekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An mehreren Stellen versucht er die Gr\u00fcnde anzugeben, die ihn veranla\u00dft hatten in die W\u00e4lder zu ziehen: er wollte mit <em>\u00dcberlegung<\/em> leben, um beim Sterben vor der Entdeckung bewahrt zu bleiben, da\u00df er nicht gelebt habe. Er wollte <em>tief<\/em> leben, alles Mark des Lebens aussaugen, mit gro\u00dfen Z\u00fcgen knapp am Boden m\u00e4hen \u2013 kurz, das Leben auf die einfachste Formel reduzieren. So versucht er sich selbst die Sache zu erkl\u00e4ren und sich vor denen zu rechtfertigen, die sich besonders weise d\u00fcnken, wenn sie immer Gr\u00fcnde wissen wollen. Diesen Leuten zu Gefallen, die nicht erkennen, da\u00df jeder Kausalzusammenhang nur auf der Oberfl\u00e4che weiterf\u00fchrt und ferner ab vom Zentrum des Seins, erkl\u00e4rt er auch, weshalb er Walden wieder verlie\u00df: weil er die Vorteile seines Aufenthalts ersch\u00f6pft habe. Aber in seinem Tagebuch steht einige Jahre sp\u00e4ter zu lesen: \u201eWeshalb ich die W\u00e4lder verlie\u00df? Ich glaube nicht, da\u00df ich es sagen kann. Oft habe ich mich dahin zur\u00fcckgesehnt. Ich wei\u00df auch nicht, wie ich dazu kam, \u00fcberhaupt hinzugehen. Vielleicht war es das Bed\u00fcrfnis nach Wechsel. Es mag sein, da\u00df es eine kleine Stockung gab, nachmittags um die zweite Stunde. Die Weltachse knarrte, als ob sie der \u00d6lung bed\u00fcrfte. H\u00e4tte ich l\u00e4nger in den W\u00e4ldern gelebt, vielleicht w\u00e4re ich f\u00fcr immer dort geblieben.\u201c Hier ist der wahre Grund: er tat es, weil er&#8217;s tat. Alle Bem\u00fchungen, Gr\u00fcnde auszuschn\u00fcffeln, sind ohnm\u00e4chtige Versuche des Intellekts, sich als den Herrn aufzuspielen, sich selbst als das Treibende in allem Geschehen darzulegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWalden\u201c erschien 1854. In der H\u00fctte am einsamen Waldsee schrieb er den gr\u00f6\u00dften Teil des Buches. Es ist Thoreaus geschlossenste Arbeit; ein wundervoll gebautes Kunstwerk, in dem sich Materie und Geist zu einer strahlenden Einheit durchdringen; ein Organismus ganz f\u00fcr sich, der v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von seinem Sch\u00f6pfer dasteht. Vielleicht wird aber mancher, der Thoreau aus den Tageb\u00fcchern kennt, bei der Lekt\u00fcre des Waldenbuches einen ganz leisen Schmerz in sich aufzucken f\u00fchlen. Er wird etwas von der Unb\u00e4ndigkeit und Unbehauenheit vermissen. Die Feile ist um einmal zu viel dar\u00fcber gefahren. Hier spricht Thoreau zum Leser, und das ist nicht der ganze Thoreau; und spricht, damit man ihn verstehe, immer einige S\u00e4tze mehr, als es in ihm sprach. Er selber zog seine Gedanken in der Form, in welcher sie im Tagebuche stehen, vor; da w\u00e4ren sie mit dem Leben inniger verkn\u00fcpft, weniger weitgeholt, weniger k\u00fcnstlich, als wenn sie zu Essais zusammengefa\u00dft w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Publikum bewies sich dankbar f\u00fcr das Entgegenkommen, das Thoreau mit diesem Buche gezeigt hatte. Walden fand eine au\u00dferordentlich gro\u00dfe Verbreitung, allerdings erst nach dem Tode des Autors, und geh\u00f6rt heute in Amerika zu den B\u00fcchern, die man besitzen mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer den beiden eben erw\u00e4hnten gr\u00f6\u00dferen Werken lie\u00df Thoreau noch eine Anzahl kleinerer Aufs\u00e4tze in verschiedenen Zeitschriften erscheinen, vor allem im \u201eDial\u201c, dem Organ der Transzendententalisten-Schule von Concord, das erst von Margaret Fuller und sp\u00e4ter von James Russell Lowell herausgegeben wurde. Thoreau selbst war w\u00e4hrend einiger Zeit an der Redaktion beteiligt. Lange erst nach seinem Tode wurden diese Essays und die Vortr\u00e4ge, die er bei verschiedenen Anl\u00e4ssen gehalten hatte, zu B\u00e4nden zusammengefa\u00dft. Sie f\u00fchren die Titel: \u201eDie W\u00e4lder von Maine\u201c, \u201eAusfl\u00fcge\u201c, \u201eCape Cod\u201c und \u201eVermischte Schriften\u201c. Auf das wundervolle Gem\u00e4lde \u201eHerbstschattierungen\u201c, auf den gedankenreichen Vortrag \u201eDas Wandern\u201c und auf den umfangreichen Essay \u00fcber Carlyle sei besonders hingewiesen. Von Gedichten sind nur wenige erhalten und gelegentlich in die Schriften eingestreut. Ihren gr\u00f6\u00dften Teil hatte er auf Emersons Rat vernichtet. Weder das Talent noch der Genius erreicht in ihnen die H\u00f6he seiner Prosa. Sie sind etwas k\u00fchl und grau und der Vers erscheint nicht als organisches Bed\u00fcrfnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in seinem vierzigsten Jahre begann er zu kr\u00e4nkeln. Aber seine Energie hinderte ihn, dem Leiden irgendwelche Beachtung zu schenken. Gerade jetzt unternahm er seine strapazi\u00f6sesten Ausfl\u00fcge; einer darunter, auf dem ihn sein sp\u00e4terer Biograph Ellery Channing begleitete, f\u00fchrte bis nach Canada. Nach l\u00e4ngerem Stillstand setzte das Leiden, eine ererbte Lungenkrankheit, mit erneuter Heftigkeit ein. Er starb in Concord am 6. Mai 1862.<\/p>\n<p><sup>\u00a0<\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO empfiehlt: <strong>Waldg\u00e4nger und Rebell.<\/strong> Eine Biographie von Frank Sch\u00e4fer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Thoreau_Waldga\u0308nger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-88654\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Thoreau_Waldga\u0308nger.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"329\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Thoreau_Waldga\u0308nger.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Thoreau_Waldga\u0308nger-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Thoreau_Waldga\u0308nger-160x239.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Einf\u00fchrung in Leben und Werk von Gerhard Gutherz findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/06\/nachdenken-ueber-einen-einsiedler\/\">hier<\/a>. Zum 150 Jahren Todestag erinnert KUNO an ihn mit einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/06\/ein-amerikanischer-diogenes\/\">Essay<\/a> von Karl Knortz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Zu Beginn des Essayjahres machte sich Holger Benkel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13332\">gedanken \u00fcber das denken<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In 2013 unternahm Constanze Schmidt essayistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/\"><em>Gedankenspazierg\u00e4nge<\/em><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Gleichfalls in 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>In 2003 stellte KUNO den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/01\/der-essay-als-versuchsanordnung\/\">Essay als Versuchsanordnung <\/a>vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Gedanken umspannen alle H\u00f6hen und Tiefen; sein Leben war einheitlich und voller Hoheit; sein Herz war gro\u00df, und seine Liebe quoll in schweren Str\u00f6men daraus hervor; sein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Natur war sicher und durchdringend; seine Kunst der Schilderung&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/06\/nachdenken-ueber-einen-einsiedler\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":104856,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3066,1207],"class_list":["post-88480","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-gerhard-gutherz","tag-henry-david-thoreau"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88480"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104858,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88480\/revisions\/104858"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104856"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}