{"id":88315,"date":"2013-07-12T00:01:56","date_gmt":"2013-07-11T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88315"},"modified":"2021-07-13T07:57:21","modified_gmt":"2021-07-13T05:57:21","slug":"eine-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/07\/12\/eine-woche\/","title":{"rendered":"Eine Woche"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nirgendwo, nicht im Osten und nicht im Westen, leben die Menschen das Leben der Natur, um welches sich die Rebe schlingt und das die Ulme freundlich beschattet. Nicht Vergeistigung allein tut not, sondern auch <a id=\"page144\" title=\"Wunibald\/joe_ebc\" name=\"page144\"><\/a>Einwurzelung in die irdische Scholle. Die Winde m\u00fc\u00dften des Menschen Atem sein, die Jahreszeiten seine Stimmungen, und seine Heiterkeit m\u00fc\u00dfte die Natur selbst beeinflussen. Hier oder nirgends ist unser Himmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir k\u00f6nnen uns nichts k\u00f6stlicheres ausdenken als das, was wir wirklich erlebt haben. \u00bbDie Erinnerung an die Jugend ist ein Seufzer.\u00ab In den Jahren der Reife qu\u00e4lt uns die Sehnsucht, die Tr\u00e4ume unserer Kindheit mitzuteilen, aber sie sind halbvergessen, bevor wir sie aussprechen lernen. Wir m\u00fcssen ebenso Erdgeborene wie Himmelss\u00f6hne sein, <span class=\"lektorat\">Griech. Wort fehlt<\/span>, wie es in alter Zeit von den Titanen hie\u00df; und in noch besserem Sinne als sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir brauchen um keinen h\u00f6heren Himmel zu beten, als der ist, den die <a id=\"page145\" title=\"Wunibald\/joe_ebc\" name=\"page145\"><\/a>reine Sinnenwelt, ein <i>rein<\/i> sinnliches Leben gew\u00e4hrt. Unsere Sinne von heute sind das blo\u00dfe Rudiment von dem, was sie zu werden bestimmt sind. Vergleichsweise sind wir taub und stumm und blind, ohne Geruch und Geschmack und Gef\u00fchl. Jede Generation macht die Entdeckung, da\u00df ihre g\u00f6ttlichen Kr\u00e4fte vergeudet, ihre Sinne, alle ihre F\u00e4higkeiten mi\u00dfbraucht und verdorben wurden. Die Ohren wurden nicht zu dem gemeinen Gebrauch, an den man meistens denkt, erschaffen, sondern um g\u00f6ttliche Musik zu h\u00f6ren; die Augen nicht f\u00fcr die unw\u00fcrdigen Zwecke, in denen sie abgen\u00fctzt werden, sondern um eine Sch\u00f6nheit zu sehen, die noch verborgen ist. Sollten wir Gott nicht <i>sehen<\/i> k\u00f6nnen? Sollen wir uns mit einem Am\u00fcsement abfinden lassen, als w\u00e4re das <a id=\"page146\" title=\"Wunibald\/joe_ebc\" name=\"page146\"><\/a>Leben eine blo\u00dfe Allegorie? Ist die Natur f\u00fcr den, der richtig zu lesen versteht, nicht in Wirklichkeit das, als dessen blo\u00dfes Symbol sie gew\u00f6hnlich gilt? Was hei\u00dft also erziehen anderes, als diese g\u00f6ttlichen Keime, die Sinne genannt werden, entwickeln?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Freilich, es ist leichter, noch eine neue Welt zu entdecken, wie Columbus tat, als hinter eine einzige H\u00fclle dieser Welt zu dringen, die uns so wohlbekannt erscheint. Aber ein Augenblick gesunden und nat\u00fcrlichen Empfindens gen\u00fcgt, um uns zu lehren, da\u00df es eine Natur hinter der gewohnten gibt, auf welche wir bis jetzt nur ein unbestimmtes Vorkaufsrecht besitzen. Wir leben auf dem \u00e4u\u00dferen Saum dieses Gebietes. Treibholz und schwimmendes Astwerk und die R\u00f6te des Abendhimmels <a id=\"page147\" title=\"Wunibald\/joe_ebc\" name=\"page147\"><\/a>ist alles, was wir davon kennen. La\u00dft uns ein bi\u00dfchen Geduld haben, meine Freunde, und keine Ausschu\u00dfware hier kaufen; la\u00dft uns vielmehr darauf bauen, da\u00df fruchtbareres Land in kurzem zum Verkauf gelangen wird. Das Erdreich, auf dem wir stehen, ist mager; ich f\u00fchle, da\u00df meine Wurzeln in fetteres hineinreichen, als dieses ist. Ein B\u00fcschel Veilchen in einer Glasvase habe ich gesehen, locker mit Stroh gebunden, und das gemahnte mich an mich selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-14940\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"378\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/220px-1854_Walden_byThoreau-174x300.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><\/strong>Henry David Thoreau gilt als Schriftsteller auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Eine Einf\u00fchrung in Leben und Werk von Gerhard Gutherz findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/05\/06\/nachdenken-ueber-einen-einsiedler\/\">hier<\/a>. Als sorgf\u00e4ltig feilender Stilist, als hervorragender Sprachk\u00fcnstler hat er durch die f\u00fcr ihn charakteristische Essayform auf Generationen von Schriftstellern anregend gewirkt. Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nirgendwo, nicht im Osten und nicht im Westen, leben die Menschen das Leben der Natur, um welches sich die Rebe schlingt und das die Ulme freundlich beschattet. 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