{"id":88284,"date":"2022-07-09T00:01:30","date_gmt":"2022-07-08T22:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88284"},"modified":"2022-02-24T13:55:51","modified_gmt":"2022-02-24T12:55:51","slug":"prolog-monster-of-biomacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/07\/09\/prolog-monster-of-biomacht\/","title":{"rendered":"Prolog: Monster of Biomacht!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bev\u00f6lkern uralte M\u00e4rchen und Mythen genauso wie Filme, Comics und die moderne Popul\u00e4r-Kultur: die Ungeheuer. Laut Definition versteht man unter einem Ungeheuer, einem sogenannten \u201eMonstrum\u201c, ein Wesen von gro\u00dfen, gewaltigen Ausma\u00dfen, das jedoch meist nicht real existiert sondern Teil einer Phantasiewelt ist, wobei es immer einen schauerlichen Aspekt mit sich bringt. Demnach bedeutet der Begriff \u201eMonstrum\u201c, der aus dem Lateinischen stammt, w\u00f6rtlich auch soviel wie \u201eMahnzeichen\u201c oder \u201eMahnmal\u201c und kann als Schatten-Projektion des menschlichen Denkens, F\u00fchlens und Erlebens gesehen werden. Wie aber verh\u00e4lt es sich mit dem Aspekt der Weiblichkeit in Bezug auf das D\u00e4monische? Dieses Handbuch versucht, eine Sammlung weiblicher Monster und Mischwesen zu liefern, und n\u00e4hrt diese noch mit eigenem dichterischem Material\u00a0\u2013 es ist eine Art Spurensuche, die das monstr\u00f6se Weibliche im Kontext der Gegenwart zu verorten versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>:<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Prolog 2: Das Weibliche als monstr\u00f6se Form? <\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie also verh\u00e4lt es sich mit dem Aspekt der Weiblichkeit in Bezug auf das D\u00e4monische? Eine Sammlung weibliche Monster und Mischwesen wird hier geliefert werden, wobei nur ein kleiner \u00dcberblick geschaffen werden soll, der die Bereiche der Literatur und des modernen Mainstream, in den auch weibliche Monster\u00a0\u2013 man denke hier nur Preu\u00dflers Hexe oder an die in Moment so popul\u00e4re \u201eLilli\u201c\u00a0\u2013 ihren Eingang gefunden haben, bewusst au\u00dfer Acht l\u00e4sst. Was die \u00dcberlieferung von \u201eFrauenbildern\u201c betrifft, so finden wir bereits zu Anbeginn der Menschheitsgeschichte Erz\u00e4hlungen, die sich mit den monstr\u00f6sen Eigenschaften des Weiblichen auseinander setzen. Hier ist der K\u00f6rper der Frau Sinnbild und Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Emotion der Angst und dem Schrecken vor dem Unbekannten. Personifiziert durch die Figur der \u201eLillith\u201c, die schon im babylonischen Mythos der Enuma Elish auftaucht, findet der weibliche D\u00e4mon eine seiner ersten tradierten Darstellungen. Doch auch in der griechischen und r\u00f6mischen Antike treten Figuren besonderer, gleichsam bet\u00f6render und bedrohlichen Frauen wie die Nymphen oder die Hexerin Kirke auf. Die \u00dcberlieferungen von Hexenverbrennungen des Mittelalters zeugen von gro\u00dfer Furcht m\u00e4chtiger Instanzen vor den Kr\u00e4ften des weiblichen Geschlechts. Dies mag mit der F\u00e4higkeit der Frau zusammen zu h\u00e4ngen, dass sie jene ist, die Leben gebiert\u00a0\u2013 ein geheimnisvoller Akt, der m\u00e4nnlichen Wesen ja verborgen bleibt. Lebens- und Todestrieb werden also unbewusst von Geburt an mit dem Weiblichen assoziiert und schaffen so eine Aura des Magischen und Bedrohlichen, die schon die eigene Mutter umgibt und auf alles weitere Weibliche in Hinkunft projiziert und \u00fcbertragen wird. So schreibt auch Siegmund Freud, dass der S\u00e4ugling seine m\u00fctterliche Instanz wahlweise als beh\u00fctende Seinsform oder auch als massive \u201eVerschlingerin\u201c wahrnimmt, was angesichts der Tatsache, dass neugeborene Wesen ja in jeder Hinsicht hilflos sind\u00a0\u2013sie k\u00f6nnen weder stehen, noch gehen oder sehen\u00a0\u2013 wenig verwunderlich klingt. Dieser Zwiespalt scheint sich stets auf unterschiedlichste Art und Weise in der Wahrnehmung des \u201eWeiblichen\u201c manifestiert zu haben. Da unsere Kultur eine patriarchale Struktur aufweist, in der das \u201eM\u00e4nnliche\u201c sozusagen als die Norm gilt, ergibt sich als logische Konsequenz, dass weibliche Essenzen in den Raum des \u201eUngew\u00f6hnlichen\u201c und \u201eBedrohlichen\u201c abgespalten werden. So dienen diese als wunderbare Projektionsfl\u00e4chen f\u00fcr alle m\u00f6glichen unangenehmen Emotionen\u00a0\u2013 und Furcht vor einem vermeintlich \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c Feind schwei\u00dft, wie einige historische Beispiele bezeugen, eine Gemeinschaft unweigerlich zusammen. Dies mag ein Aspekt sein, warum sich weiblich-d\u00e4monische Rollenbilder in der Menschheitsgeschichte seit jeher auf unterschiedliche Art und Weise fortzusetzen gewusst haben\u00a0\u2013 und das bis in die Gegenwart hinein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bio<\/strong><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-extra-large\"><strong>MachtMonsterWeiber<\/strong>: eine Enzyklop\u00e4die von Sophie Reyer. Passagen Verlag 2021<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-88286 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster-260x400.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster-160x246.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BioMachtMonster.jpg 324w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192 <\/strong>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>.\u00a0In ihrem preisgekr\u00f6nten Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17985\"><em>Referenzuniversum<\/em><\/a> geht Sophie Reyer der Frage nach, wie das Schreiben durch das schreibende Analysieren gebrochen wird.\u00a0Die Sprechpartitur <em>Wortspielhalle<\/em> wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet. Einen Artikel zum Konzept von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophie_Reyer\">Sophie Reyer<\/a> und A.J. Weigoni lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">hier<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen sei auch\u00a0das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Reyer und Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/19\/hoeherwertige-konfiguration\/\">h\u00f6herwertige Konfiguration<\/a>entdeckt Constanze Schmidt in dieser Collaboration. Holger Benkel lauscht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/29\/zikaden-und-haeher\/\">Zikaden und H\u00e4her<\/a>n nach. <span data-offset-key=\"7ldlg-0-0\">Ein weiterer Blick beleuchtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> von Peter Meilchen. <\/span>Ein Essay fasst dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\"><em>transmediale Projekt <\/em><\/a>zusammen<em>. <\/em>Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Alle <em>LiteraturClips<\/em> dieses Projekts k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=124\">hier<\/a> abgerufen werden. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Sie bev\u00f6lkern uralte M\u00e4rchen und Mythen genauso wie Filme, Comics und die moderne Popul\u00e4r-Kultur: die Ungeheuer. 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