{"id":88001,"date":"2007-07-31T00:01:35","date_gmt":"2007-07-30T22:01:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=88001"},"modified":"2024-08-14T11:37:15","modified_gmt":"2024-08-14T09:37:15","slug":"robocop-revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/07\/31\/robocop-revisited\/","title":{"rendered":"RoboCop \u00b7 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Optisch hervorragend gestalteter Thriller, der die \u201aFrankenstein\u2018- und \u201aMabuse\u2018-Thematik jedoch ganz in den Dienst einer gen\u00fc\u00dflich ausgesch\u00f6pften Darstellung von Gewalt und Brutalit\u00e4t stellt.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Lexikon des internationalen Films<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">RoboCop funktioniert thematisch auf mehreren Ebenen: W\u00e4hrend der Film an der Oberfl\u00e4che als eine geradlinige Action-\/Science-Fiction-Geschichte abl\u00e4uft, l\u00e4sst er sich bei genauerer Betrachtung auch als satirische Auseinandersetzung mit den sozio\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen und der Medienlandschaft seiner Entstehungszeit \u2013 den Vereinigten Staaten der 1980er Jahre \u2013 und als Dystopie \u2013 als Entwurf einer Zukunft, die es zu verhindern gilt \u2013 verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Themen der Gegenwartsreflexion und Zukunftskritik werden vor allem in einer Reihe von Einsch\u00fcben abgehandelt: Dabei wird die Filmhandlung durch weitgehend von ihr abgekoppelte Kurznachrichten und Werbespots unterbrochen, in denen die Welt vorgestellt wird, in der <em>RoboCop<\/em> angesiedelt ist. In den Kommentaren der Jubil\u00e4umsedition von 2007 hob Verhoeven hervor, dass er in diesen Sequenzen seine Eindr\u00fccke des US-amerikanischen Fernsehens zu verarbeiten versucht habe, dessen Stil und \u00c4sthetik f\u00fcr ihn als k\u00fcrzlich in die USA emigrierten Europ\u00e4er damals v\u00f6llig ungewohnt und verwirrend gewesen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Paul Verhoevens Blick in die Zukunft ist verdammt ungem\u00fctlich. Nonstop-Action, innovative Spezialeffekte und nackte Gewalt: ein Albtraum, der zum Genreklassiker avancierte, etliche miese Fortsetzungen, Games und Serien nach sich zog \u2013 und leider brutal gek\u00fcrzt wurde. Fazit: Grandiose Action, tolle Effekte, kluge Story.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"Person h-card\" style=\"color: #999999;\">Cinema<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit kritischen Untert\u00f6nen werden wirtschaftliche und soziale Entwicklungen der Vereinigten Staaten der 1980er Jahre in die Zukunft verlegt und dort in satirischer Weise auf die Spitze getrieben: So wird die Tendenz der immer weiter fortschreitenden Privatisierung von vormals durch den Staat wahrgenommenen Aufgaben, die die Regierung von Ronald Reagan zur Entstehungszeit von RoboCop programmatisch forcierte, in Verhoevens Zukunfts-Szenario noch weiter gesteigert, indem die Stadt Detroit dort praktisch vollst\u00e4ndig von dem Multikonzern OCP beherrscht wird: <em>OCP<\/em> produziert alles, von Fr\u00fchst\u00fccksflocken bis hin zu Kriegsger\u00e4t; der Konzern kontrolliert die Medien, diktiert dem Detroiter B\u00fcrgermeister die Politik und \u201ekauft\u201c der insolventen Stadt sogar die Polizei ab, womit er faktisch als private Organisation zum Hoheitstr\u00e4ger avanciert ist. Mit dieser Betrachtung der ins Extreme gesteigerten Macht von Wirtschaftskonzernen werden auch Themen wie Globalisierung, Fusionierung und Monopolisierung angeschnitten, die erst in den sp\u00e4ten 1990ern ins Blickfeld einer breiteren \u00d6ffentlichkeit gerieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">RoboCop\u2018 ist in erster Linie eine gl\u00e4nzend unterhaltende Mischung aus Action, tiefschwarzem Humor und \u00e4tzender Satire. Aber er ist auch eine Zukunftsvision, die erschreckende Parallelen zur Wirklichkeit entwickelt hat. Und er hat in dem Cyborg RoboCop alias Alex Murphy [\u2026] einen tragischen Helden, der wesentlich mehr Tiefgang besitzt als die meisten anderen Action-Helden der 80er Jahre zusammen.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<div class=\"cite\" style=\"text-align: right;\"><span class=\"Person h-card\" style=\"color: #999999;\">Filmstarts<\/span><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufig ist auch auf die Parallelen des Handlungsbogens von RoboCop zur Geschichte um Tod und Auferstehung Jesu im Neuen Testament hingewiesen worden. Die Erschie\u00dfung des Polizisten Murphy wird dementsprechend als kreuzigungs\u00e4hnliches Martyrium in Szene gesetzt, dem alsbald die \u201eAuferstehung\u201c als \u00fcbermenschliches (Maschinen)-Wesen folgt. Daneben ist der Film von zahlreichen kleinen Anspielungen auf die Jesusgeschichte durchsetzt: Die Auffindung von Murphys Leiche durch seine Partnerin, die ihn tot in den Armen h\u00e4lt, ist ein visueller Verweis auf die Mater Dolorosa der christlichen Kunst. Nach seiner Wiederauferstehung als Mensch-Maschine wandelt Murphy alias RoboCop durch den kriminellen Moloch Detroit wie in einem verlorenen Paradies, eine filmische Verarbeitung des biblischen Themas. Beim finalen Kampf mit Boddicker versucht dieser, RoboCop mit einem Metallrohr aufzuspie\u00dfen, \u00e4hnlich der Heiligen Lanze, die der r\u00f6mische Legion\u00e4r Longinus dem toten Jesus in den Leib stie\u00df. Und in derselben Szene wirkt es, wenn RoboCop eine flache Pf\u00fctze durchschreitet, als k\u00f6nne er \u00fcber Wasser gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><i>Dystopie<\/i> ist eigentlich ein medizinischer Fachbegriff<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bemerkenswert ist schlie\u00dflich, dass <em>RoboCop<\/em> den Zukunftsoptimismus der meisten SciFi-Produktionen der 1980er Jahre vermissen l\u00e4sst und durch seine sarkastische Darstellung der Zukunft eher kritische T\u00f6ne anschl\u00e4gt. So wird das damals von der US-Regierung betriebene und von breiten Teilen der amerikanischen \u00d6ffentlichkeit im Glauben an den Fortschritt und die Sicherheit der Technik unterst\u00fctzte, futuristische Raketenabwehr-Projekt Strategic Defense Initiative (SDI) in einem Nachrichtenclip \u201ezerpfl\u00fcckt\u201c, in dem die satellitengest\u00fctzten Laser-Systeme der SDI von sich aus losgehen und mehrere ehemalige US-Pr\u00e4sidenten t\u00f6ten. <i>Dystopie<\/i> ist eigentlich ein medizinischer Fachbegriff, mit dem eine wechselseitige negative Beeinflussung von Krankheiten bezeichnet wird, es k\u00f6nnte jedoch auch eine Diagnose f\u00fcr die westliche Wohlstandgesellschaft sein. Alles weitere wird sich erweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>***<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>RoboCop<\/strong>, von Paul Verhoeven. 1987. (Jubil\u00e4umsedition)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1997\/07\/Robocop.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-88005\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1997\/07\/Robocop.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"313\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1997\/07\/Robocop.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1997\/07\/Robocop-211x300.jpg 211w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1997\/07\/Robocop-160x228.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik <\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Optisch hervorragend gestalteter Thriller, der die \u201aFrankenstein\u2018- und \u201aMabuse\u2018-Thematik jedoch ganz in den Dienst einer gen\u00fc\u00dflich ausgesch\u00f6pften Darstellung von Gewalt und Brutalit\u00e4t stellt. 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