{"id":87925,"date":"2020-04-02T00:01:41","date_gmt":"2020-04-01T22:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87925"},"modified":"2021-07-09T13:16:13","modified_gmt":"2021-07-09T11:16:13","slug":"mein-bild-von-alois-vogel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/04\/02\/mein-bild-von-alois-vogel\/","title":{"rendered":"Mein Bild von Alois Vogel"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch das imagin\u00e4re Objektiv meiner Kamera sehe ich ihn, den Alois Vogel: Seine gro\u00dfe, aufrechte, schlanke Gestalt; in einem grauen Anzug, mit Strickweste und mit sorgf\u00e4ltig gebundener, farblich und stofflich dazupassender Krawatte. Im Winter dar\u00fcber ein knielanger, schwarzer Kapuzenmantel. Eine Baskenm\u00fctze oder eine Kangol-Kappe auf dem Kopf. Meist braune, elegante Halbschuhe aus feinem Leder, mit Gummisohle. Und eine Aktentasche unter dem Arm; darin allerlei Manuskripte, Zeitschriften; und wahrscheinlich auch ein Buch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcckhaltung, elegante Vornehmheit schon in der Erscheinung des \u00c4u\u00dferen. Dem entsprechend eine solche im Benehmen, im Umgang, in den Geb\u00e4rden, im Gespr\u00e4ch. Dazu noch eine gewisse, vorsichtige Bed\u00e4chtigkeit, das Ma\u00dfhalten in der Abgemessenheit ruhiger Bewegungen; das Abw\u00e4gen der Worte beim Aussprechen der Gedanken. Der zielgerichtete Aufbau eines Satzes ebenso wie das harmonische Ausklingen desselben. Das Schweigen danach. Der Blick zum Gegen\u00fcber. Der fast schon liturgisch anmutende Griff zum Weinglas und das Trinken daraus. Das wieder immer wieder In-sich-zur\u00fcckkehren &#8211; f\u00fcr eine kurze Weile oder am Ende des Gespr\u00e4ches; beim Abschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage, das Fragen \u00fcberhaupt. Das Kreisen um eine vielleicht m\u00f6gliche Antwort. Nichts als Behauptung, nichts als laute, als vorlaute \u00c4u\u00dferung; nein. Immer wieder das \u201eGlaubst du nicht, da\u00df..?\u201c oder das \u201eEs k\u00f6nnte aber vielleicht auch sein\u201c als R\u00fcckfrage und Anfrage im Dialog; oder als Einwand. Nie: \u201eDas ist so &#8211; und nicht anders!\u201c Nein, immer die Sprache des eines trotz Lebenserfahrung und Lebensweisheit noch immer Suchenden, der f\u00fcr sich nicht \u201edie Wahrheit gepachtet hat\u201c; der noch immer neugierig ist auf andere Sichtweisen und Antworten; und diese &#8211; auch wenn er anderer Meinung ist &#8211; respektiert. Also ein Mensch, der &#8211; auch wenn und indem er seinen eigenen Standpunkt hat &#8211; andere Sichtweisen, Meinungen, Standpunkte und Haltungen gelten l\u00e4\u00dft. Das ist mehr, als man mit dem abgegriffenen Wort \u201eToleranz\u201c bezeichnen mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur f\u00fcr eines bringt er kein Verst\u00e4ndnis auf, was in diesem Fall kein Mangel, sondern Haltung ist: F\u00fcr Intoleranz und Gewalt. Lebenserfahrung &#8211; das bedeutet auch Erfahrung auf der politischen, auf der ideologischen Ebene. St\u00e4ndestaat, Nazidiktatur, Militarismus \u00fcberhaupt. Das ist bei Alois Vogel ein Bereich individueller Pers\u00f6nlichkeitserfahrung; auch als Grenzerfahrung im Krieg. Daraus resultiert eine prinzipielle, lebenslange Ablehnung. Diese gilt einer jeden Art von sich selbst absolutsetzender Ideologie; weil sie den Menschen versklavt, ihn seiner Freiheit und W\u00fcrde beraubt. Und die Wahrheit stets mit F\u00fc\u00dfen tritt. Und so gilt seine Ablehnung auch einer jeden Macht, die nicht demokratisch legitimiert ist oder sich \u00fcber das Legitime hinwegsetzt. Hohle Pathosspr\u00fcche, leere Propaganda und deren Urheber miteingeschlosssen. Hier definiert sich seine klare Position gegen den Mi\u00dfbrauch vom Menschen und gegen die Herabw\u00fcrdigung der Sprache zum blo\u00dfen Werkzeug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvergessene und unverge\u00dfliche Augenblicke der Begegnung mit ihm als Mensch und Dichter &#8211; wie die durch die geschilderten Personen und Ereignisse in seinen Romanen, aber auch durch das Eintauchen in die Tiefe seiner Gedichte &#8211; fallen mir immer wieder ein, wenn ich an Alois Vogel denke. Und dann sehe ich ihn wieder vor mir, den Freund und Wegbegleiter \u00fcber viele Jahre. Jetzt ver\u00e4ndert sich nichts mehr f\u00fcr mich an ihm. Die Erinnerung ist abrufbereit f\u00fcr mich; wie ein Bild, das sich im Lauf der Zeit entwickelt und verfestigt hat. Und ich habe so ein Bild als Fotografie auch wirklich von ihm gemacht. Und aus dieser Fotografie sieht er mich, da ich das Buch vor mich hinstelle, so an, wie ich ihn hier beschrieben habe. Zugleich aber ist sein Blick in die Ferne gerichtet; auf etwas, das er sieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-87927 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-187x300.jpg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-639x1024.jpg 639w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-768x1231.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-958x1536.jpg 958w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-1278x2048.jpg 1278w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-560x898.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-260x417.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-160x256.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Vogel-Alois-Pulkau-1990-Copyright-P.P.Wiplinger-scaled.jpg 1597w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">W\u00fcrdigung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Durch das imagin\u00e4re Objektiv meiner Kamera sehe ich ihn, den Alois Vogel: Seine gro\u00dfe, aufrechte, schlanke Gestalt; in einem grauen Anzug, mit Strickweste und mit sorgf\u00e4ltig gebundener, farblich und stofflich dazupassender Krawatte. 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