{"id":8790,"date":"2012-12-08T00:01:49","date_gmt":"2012-12-07T23:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8790"},"modified":"2012-12-08T12:46:31","modified_gmt":"2012-12-08T11:46:31","slug":"wo-hat-man-blos-diesen-text-abgelegt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/08\/wo-hat-man-blos-diesen-text-abgelegt\/","title":{"rendered":"Wo hat man blo\u00df diesen Text abgelegt?"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/dranmor-2001.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-8794\" style=\"border: 1px solid black;\" title=\"dranmor-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/dranmor-2001-185x300.gif\" alt=\"\" width=\"167\" height=\"270\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/dranmor-2001-185x300.gif 185w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/dranmor-2001.gif 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/a><span style=\"color: #000080;\">Nicht umsonst<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">beginnt die Erz\u00e4hlung mit einem Zitat aus <em>Alice im Wunderland<\/em>. Es geht um Fiebertr\u00e4ume, gespal\u00adtene Pers\u00f6n\u00adlich\u00adkeiten, Pilze in W\u00e4nden und spre\u00adchende Schnaps\u00adfl\u00e4sch\u00adchen. Ver\u00adr\u00fcckt. Oder doch nur der ganz normale Wahn\u00adsinn im Leben eines Schrift\u00adstellers. Der Ich-Erz\u00e4hler ohne Namen wohnt in der Schweiz. Sein Haus\u00admeister\u00adjob erf\u00fcllt ihn wenig, aber man schl\u00e4gt sich so durch. Nachdem er wiederholt auf einen l\u00e4stigen Pilz\u00adschwamm im Geb\u00e4ude hinwies, wird ihm die Stelle gek\u00fcndigt, ein Jugendfreund taucht auf und der Name eines vergessenen Berner Dichters f\u00e4llt. Dranmor, b\u00fcrger\u00adlich Ferdinand Schmid, m\u00fcsse dringend posthum (er starb 1888) gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Die B\u00fccherberge wachsen<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Erz\u00e4hler mit Schreibblockade beginnt, in Archiven zu w\u00fchlen, B\u00fccher, Notizen und Aufzeichnungen zu sichten. Bald verriegeln die Berge vor dem Haus jeden Blick ins Au\u00dfen:\u00a0<em>Die drei Phasen der Bergkulisse verschwinden. Schwimmen ineinander. (&#8230;) Der Nebel legt einen Schleier \u00fcber die Kanten. Alles wird grau. Kartoffelsalat und Leberk\u00e4se: kalt und grau<\/em>. Die B\u00fccherberge wachsen, der Alkoholkonsum steigt, die Realit\u00e4t verabschiedet sich.\u00a0<em>Die Alpen sind le\u00adbendig geworden, (\u2026) finde ich an einer Stelle, als ich nicht mehr weiter wei\u00df und nach\u00adschlagen muss. Wo hat man nach\u00adge\u00adschlagen? Der Bleistift bricht<\/em>. Nach einer weiteren K\u00fcndigung dann der Umzug in den Keller, der bald einem brodelnden Labor gleicht, einer lite\u00adrarischen Hexen\u00adk\u00fcche. Die Geister, die der Erz\u00e4h\u00adler rief, lassen ihn nicht los, bis es nach einer\u00a0<em>star\u00adken Hitze- und Dampf\u00adent\u00adwick\u00adlung im Bad<\/em> \u00fcber\u00adall <em style=\"text-align: justify;\">zischt und schmatzt<\/em> und pl\u00f6tzlich wie von Zauber\u00adhand geschrie\u00adben eine Ab\u00adschrift aus dem Vorwort der Gesammelten Dichtungen von Dranmor erscheint. Doch das ist noch nicht das Ende. Das folgt nach ein\u00adgehender Beratung mit den spre\u00adchenden Schnaps\u00adflaschen. Der Erz\u00e4h\u00adler exhumiert die Leiche eines angeblichen Dranmor-Biographen, bis ihn die Polizei aufgreift und in die Ir\u00adren\u00adanstalt einweist.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Anspie\u00adlungen \u00b7 Nacht- und Schauer\u00admotive<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der verarmte, von seiner Frau verlassene Schriftsteller im Dachk\u00e4mmerchen, der Rausch und Wahn\u00adsinn verf\u00e4llt. Welch ein Klischee. Oder: welch ein literarischer Topos. Kunst und Leben im Clinch. Gibt es \u00fcberhaupt einen Schriftsteller, der dar\u00fcber nicht bereits nach\u00adgedacht hat? Oder daran zer\u00adbrochen ist. Selbstverst\u00e4ndlich ist das dem Autor bewusst, er l\u00e4dt den Text reichlich mit Anspie\u00adlungen auf, Nacht- und Schauer\u00admotive der Romantik werden herangezogen, Jean Paul, E.T.A. Hoffmann, Lord Byron zitiert, aber vor allem die Nacht\u00adwachen des Bonaventura:\u00a0<em>Oh Freund Poet, wer jetzt leben will, der darf nicht dichten<\/em>.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Die Dichtkunst ist eine lange Liebe<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Hartmut Abendscheins Erz\u00e4hlung geht es um alles \u2013 im Leben eines Autors. Um die Frage nach Verortung und Identit\u00e4t des Schrift\u00adstellers, parallel dazu um die Per\u00adspektive innerhalb der Erz\u00e4hlung, darum, was der Autor tut und was er ist (<em>Sie sind doch Sklave einer Halluzination<\/em>), was Pilze ausrichten k\u00f6nnen, im Mauerwerk als auch im Mund. Es ist eine Hommage an das gedruckte Wort (<em>Von Zeit zu Zeit schnuppere ich an dem s\u00fcssen, rauchigen Buch\u00adr\u00fccken<\/em>) oder, um es mit dem mehrfach zitierten Jean Paul zu sagen: <em style=\"text-align: justify;\">Die Dichtkunst ist eine lange Liebe<\/em>. Und wer war vor Liebe nicht schon einmal krank? Hartmut Abenscheins\u00a0<em>Dranmor<\/em> k\u00f6nnte man bel\u00e4cheln, weil es thema\u00adtisch alt\u00admodisch daher\u00adkommt. Doch die Erz\u00e4h\u00adlung ist eher zeit\u00adlos: \u00e4u\u00dferst kunst- und stil\u00advoll wird ein Verfall doku\u00admentiert, der Ver\u00adsuch des Zur-Sprache-Findens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartmut Abendschein,\u00a0<strong>Dranmor<\/strong>, 168 Seiten, Broschur, Athena-Verlag, Oberhausen 2012.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht umsonst beginnt die Erz\u00e4hlung mit einem Zitat aus Alice im Wunderland. Es geht um Fiebertr\u00e4ume, gespal\u00adtene Pers\u00f6n\u00adlich\u00adkeiten, Pilze in W\u00e4nden und spre\u00adchende Schnaps\u00adfl\u00e4sch\u00adchen. Ver\u00adr\u00fcckt. Oder doch nur der ganz normale Wahn\u00adsinn im Leben eines Schrift\u00adstellers. 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