{"id":87883,"date":"1992-06-05T00:01:12","date_gmt":"1992-06-04T22:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87883"},"modified":"2026-01-07T13:59:34","modified_gmt":"2026-01-07T12:59:34","slug":"blade-runner-revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/06\/05\/blade-runner-revisited\/","title":{"rendered":"Blade Runner \u00b7 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der Director\u2019s Cut erweist sich nicht nur als die filmisch bessere Version, sondern auch als die einzig logische.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Stefan Krauss<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/10\/sternstunde-der-verachtung\/\"><em>Escape from New York<\/em><\/a>, von John Carpenter geh\u00f6rt Blade Runner von Ridley Scott zu den \u00fcberragenden Filmdokumenten des 1980er Jahre Kinos. Zum 10. Jahrestag erscheint eine Director&#8217;s Cut der diesen Film zu einem Meisterwerk veredelt. Bemerkenswert sind weiterhin das visuelle Design und die detailreiche Ausstattung. \u00dcberdies bieten einige Themen des Films vielf\u00e4ltige philosophische Deutungsm\u00f6glichkeiten. Ridley Scotts erster Hollywood-Film er\u00f6ffnete das Genre des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/the-matrix-has-you\/\">Cyberpunk<\/a> f\u00fcr das Kino und machte den Autor Philip\u00a0K. Dick nach seinem Tod \u00fcber die Science-Fiction-Fanszene hinaus ber\u00fchmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Blade Runner behandelt eine Reihe der in Dicks Schriften wiederkehrenden Themen: die best\u00e4ndige Paranoia der Charaktere, die verachtende Machtaus\u00fcbung h\u00f6herer Autorit\u00e4ten, die Ersetzung der Wirklichkeit durch F\u00e4lschungen und Imitate, die sich selbst verst\u00e4rkende Zunahme von Abfall und M\u00fcll.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Philip Strick<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Einstellung des Films zeigt laut Titel \u201eLos Angeles, November 2019\u201c, eine bis an den Horizont reichende Riesenstadt, die von Feuerst\u00f6\u00dfen erleuchtet wird. Gegengeschnitten ist ein Auge in Gro\u00dfaufnahme, in dem sich dieses Bild spiegelt. Diese von der Filmcrew als \u201eHadeslandschaft\u201c bezeichnete Szenerie bestimmt den ganzen Film. In den Flugszenen wird die Stadt als ein sich nach allen Seiten ausdehnender Moloch gezeigt, dessen gigantische Wolkenkratzer nur von zwei Pyramiden \u00fcberragt werden, der Zentrale der Tyrell Corporation.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Durchmischung von Versatzst\u00fccken verschiedener Kulturkreise und Epochen setzt sich in der Architektur, in den Kost\u00fcmen und in der Ausstattung fort.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Stadtmoloch ist durchtr\u00e4nkt von fortw\u00e4hrendem Nieselregen. Er ist dekadent, d\u00fcster, schmutzig, \u00fcberv\u00f6lkert und die Menschen sind allgegenw\u00e4rtiger Werbung ausgesetzt. Tiere sind fast ausgestorben und es ist g\u00fcnstiger, eine k\u00fcnstliche Kopie eines Tieres zu erwerben. Ein besseres Leben auf fernen Planeten wird versprochen, in Welten, die durch sogenannte \u201eReplikanten\u201c erschlossen worden sind. Diese von der m\u00e4chtigen Tyrell Corporation hergestellten k\u00fcnstlichen Menschen sind \u00e4u\u00dferlich nicht mehr von den nat\u00fcrlich geborenen Menschen zu unterscheiden, verf\u00fcgen jedoch \u00fcber weit gr\u00f6\u00dfere physische Kr\u00e4fte und entwickeln im Laufe der Zeit eigene Gef\u00fchle und Ambitionen. Da zumindest einige von ihnen auch \u00fcber eine hohe Intelligenz verf\u00fcgen, werden alle Replikanten mit einer auf vier Jahre begrenzten Lebensdauer ausgestattet, um sie nicht zu einer Bedrohung werden zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt [\u2026] er\u00f6ffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Deutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen \u00fcber die neuzeitliche Realit\u00e4tsauffassung und den damit verbundenen Humanit\u00e4tsbegriff zulassen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Fabienne Will<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als einige Replikanten der hochentwickelten Serie Nexus-6 ein Raumschiff kapern, Menschen t\u00f6ten und auf die Erde fliehen, wird der ehemalige Blade Runner Rick Deckard eingeschaltet. Er soll die Replikanten \u201eaus dem Verkehr ziehen\u201c. Im Verlauf seiner Ermittlungen trifft Deckard die bei der Tyrell Corporation arbeitende Rachael und findet heraus, dass auch sie eine Replikantin ist. Sie selbst ist sich dessen aber nicht bewusst, da ihr k\u00fcnstliche Erinnerungen implantiert wurden. Deckard er\u00f6ffnet ihr schonungslos diese Wahrheit, worauf sie verst\u00f6rt und verletzt reagiert. Deckard verliebt sich aber bald in sie und beginnt, an der Berechtigung seines Auftrags zu zweifeln, zumal Rachael ebenfalls auf die Todesliste der Polizei kommt. Unterdessen dringt der Replikant Roy Batty mit Hilfe des kranken und naiven Genetik-Designers J. F. Sebastian in das Geb\u00e4ude der Tyrell Corporation ein. Er fordert von seinem \u201eSch\u00f6pfer\u201c Tyrell Aufkl\u00e4rung \u00fcber seine Herkunft und Lebensdauer. Als Roy begreift, dass selbst Tyrell sein Leben nicht verl\u00e4ngern kann, t\u00f6tet er ihn sowie Sebastian.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">I\u2019ve seen things you people wouldn\u2019t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. Time to die.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Deckard bereits eine Replikantin ausgeschaltet hat und ein weiterer Replikant von Rachael erschossen wurde, womit sie Deckard das Leben rettete, dringt dieser in Sebastians Wohnung vor, in der sich Roys Gef\u00e4hrtin Pris versteckt h\u00e4lt. Kurz nachdem er sie get\u00f6tet hat, erscheint Roy und liefert sich mit Deckard einen dramatischen Zweikampf. Roy verh\u00f6hnt Deckard und scheint aufgrund seiner k\u00f6rperlichen \u00dcberlegenheit mit ihm zu spielen. Doch als Deckard fl\u00fcchtet und dabei im str\u00f6menden Regen von einem Hochhausdach abrutscht, rettet Roy ihm in einem Akt der Humanit\u00e4t das Leben, kurz bevor seine eigene Zeit abgelaufen ist und er selbst sterben muss. Am Schluss flieht Deckard mit Rachael aus der Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alle Voiceover-Kommentare wurden gestrichen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Director\u2019s Cut verzichtet auf alle Voiceover-Kommentare und hat ein offenes Ende. Als weitere wichtige \u00c4nderung enth\u00e4lt sie eine zus\u00e4tzliche Szene, die darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass Deckard selbst ein Replikant sein k\u00f6nnte. Damit verzichtet sie noch st\u00e4rker als die Kinoversion auf Deckard als Identifikationsfigur. Sie gilt als d\u00fcsterer und erfordert zum Verst\u00e4ndnis noch mehr Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Blade Runner<\/strong>. The Ridley Scott-approved Director&#8217;s Cut (1992, 116 Minuten)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-106479 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/06\/Blade-Runner_Cover-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"229\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <em>Trash<\/em> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Director\u2019s Cut erweist sich nicht nur als die filmisch bessere Version, sondern auch als die einzig logische. 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