{"id":87628,"date":"2022-06-21T00:01:50","date_gmt":"2022-06-20T22:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87628"},"modified":"2022-06-21T05:06:03","modified_gmt":"2022-06-21T03:06:03","slug":"eine-erinnerung-an-robert-menasse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/21\/eine-erinnerung-an-robert-menasse\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an Robert Menasse"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Robert Menasse braucht man in der \u00f6sterreichischen Literaturszene und bei Standard-Lesern nicht vorzustellen. Man verbindet mit ihm den Begriff des kritischen Fragenstellers, Denkers und Feuilletonisten, der sich auch in aktuelle politische Geschehnisse einmischt, indem er dazu Stellung nimmt. Ein engagierter Intellektueller, mit Wissen und Gewissen. Das ist ja leider schon selten geworden: Nicht nur eine Meinung zu haben, sondern auch eine Haltung und einen Standpunkt; auch einen moralischen und einen der Vernunft sowieso. Seine Dissertation \u00fcber den \u00f6sterreichischen Au\u00dfenseiterdichter Herrmann Sch\u00fcrrer (1980) bezeugt dies, und das schon fr\u00fch in seiner Laufbahn. Denn der Sch\u00fcrrer galt ja immer nur als Verr\u00fcckter, vor allem bei denen, die das \u201eOffizielle \u00d6sterreich\u201c bildeten und bilden; und sich das einbilden. Der Sch\u00fcrrer hat ja eine Zeitlang auch bei mir \u201egewohnt\u201c, in meiner Bude, in den fr\u00fchen Sechzigerjahren. Wir kannten uns aus dem Caf\u00e9 Sport.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also kurz noch einmal zur\u00fcck zum Menasse! Es war bei einer Lesung in Bratislava in der dortigen Stadtbibliothek, zusammen mit dem schon lange verstorbenen Gerald Bisinger und anderen. Einer aus unserer Gruppe las nicht nur seine Texte vor, sondern gab auch &#8211; nicht nur zweifelhafte, sondern saudumme &#8211; politische Statements ab und zum Besten, wie er selbstbewu\u00dft glaubte. Menasse und ich standen in einem etwas abseits gelegenen, dunklen, aber zum Lesesaal hin offenen Raum, rauchten, h\u00f6rten diesen Schwachsinn mit an. Ich sah am Stirnrunzeln vom Menasse, da\u00df und wie sehr ihm diese dummen Ausspr\u00fcche mi\u00dffielen. Das ist, glaube ich, seine Art: ruhig, besonnen, zur\u00fcckhaltend, sparsam bez\u00fcglich Emotionen zu sein. Ich bin da ganz anders. Und pl\u00f6tzlich platzte ich, zum Menasse gewandt, heraus und zischte halblaut \u201eSo ein Trottel!\u201c Und der Robert Menasse nickte mir zustimmend, aber irgendwie vornehm, zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter, als ich den \u00d6sterreichischen P.E.N.-Club reformieren wollte, nahm ich unter anderem auch zu Menasse Kontakt auf, wir telefonierten miteinander. Ich h\u00e4tte seine volle moralische Unterst\u00fctzung meinte er (so wie z.B. J. M. Simmel und viele andere auch). Aber ich sah ein und akzeptierte, da\u00df der \u00d6sterreichische PEN nicht zu seinem Problemkreis geh\u00f6rte. Zu meinem \u00fcbrigens auch nicht mehr, weil ich nach 30 Jahren Mitgliedschaft vor kurzem ausgetreten bin. Irgendwann reicht es. Das k\u00f6nnte in manchem auch bei Robert Menasse zutreffen, denke ich, wenn er sich zu Wort meldet und wenn ich seine kritischen Artikel mit Zustimmung oder Widerspruch, auf jeden Fall aber aufmerksam, lese.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Den Robert Menasse braucht man in der \u00f6sterreichischen Literaturszene und bei Standard-Lesern nicht vorzustellen. Man verbindet mit ihm den Begriff des kritischen Fragenstellers, Denkers und Feuilletonisten, der sich auch in aktuelle politische Geschehnisse einmischt, indem er dazu Stellung nimmt.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/21\/eine-erinnerung-an-robert-menasse\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":97941,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1142,2088],"class_list":["post-87628","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-peter-paul-wiplinger","tag-robert-menasse"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87628"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103760,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87628\/revisions\/103760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}