{"id":87593,"date":"1999-11-28T00:01:41","date_gmt":"1999-11-27T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87593"},"modified":"2021-07-06T14:42:16","modified_gmt":"2021-07-06T12:42:16","slug":"praeambel-entwurf-fuer-die-generalversammlung-1999","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/11\/28\/praeambel-entwurf-fuer-die-generalversammlung-1999\/","title":{"rendered":"PR\u00c4AMBEL-ENTWURF"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\"><span dir=\"ltr\" style=\"color: #999999\">F\u00fcr die Generalversammlung 1999 der &#8222;Interessensgemeinschaft \u00d6sterreichischer Autorinnen Autoren&#8220;<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><span dir=\"ltr\">Zur Jahrtausendwende stehen wir inmitten von dynamischen Prozessen, denen\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">wir oft nur mehr ausgeliefert sind und denen wir gegensteuern m\u00fcssen, wenn wir\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">nicht Werte der menschlichen und zivilisatorischen Kultur verlieren wollen. Der<\/span><span dir=\"ltr\">\u00f6ffentliche Gestaltungsraum und das politische Handlungsverm\u00f6gen werden<\/span><span dir=\"ltr\">immer mehr und immer aggressiver durch weltweite Wirtschaftsinteressen<\/span><span dir=\"ltr\">eingeschr\u00e4nkt und durch ungeheure und unkontrollierbar gewordene autonome\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Kapitalm\u00e4rkte bedroht und in ihrer Bedeutung relativiert. Dies hat entscheidende\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Auswirkungen f\u00fcr uns; auf allen Gebieten und in allen Lebensbereichen.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><span dir=\"ltr\">Wir m\u00fcssen &#8211; auch zum Beispiel im Zusammenhang mit dem politischen\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Wertebild der Europ\u00e4ischen Union und der sogenannten Realpolitik \u00fcberhaupt &#8211;\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">einen immer gravierenderen R\u00fcckzug der Politik ins Regulative und\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Administrative feststellen und auch einen immer mehr um sich greifenden\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">R\u00fcckzug des Staates aus der ihm zukommenden Verantwortung f\u00fcr das<\/span><span dir=\"ltr\">Gemeinwohl seiner B\u00fcrger. Eine Einschr\u00e4nkung staatsb\u00fcrgerlicher Grundrechte,\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">eine Aush\u00f6hlung des Rechtsstaates, ein restriktiver Abbau im Sozialbereich, ein\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Werteverlust im allgemeinen, eine Entsolidarisierung und Enthumanisierung der\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Gesellschaft sind die Folge.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><span dir=\"ltr\">Alte Feindbilder leben wieder auf, andere werden neu geschaffen, \u00c4ngste werden\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">gesch\u00fcrt, Argumente nicht geh\u00f6rt, nicht angewendet, Populismus und\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Demagogie machen sich \u00fcberall breit, das parteipolitische Machtspiel rangiert\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">vor staatspolitischer Verantwortung, vor dem Probleml\u00f6sungswillen und der\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeit, offen rassistische Aussagen und Haltungen sind\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">gesellschaftspolitisch salonf\u00e4hig geworden. Ein R\u00fcckfall hinter m\u00fchsam und<\/span><span dir=\"ltr\">l\u00e4ngst gewonnenen Standards auf der Ebene der Humanethik und der Civil-<\/span><span dir=\"ltr\">Society ist festzustellen und zu beklagen. Und mitten in Europa gab es wieder<\/span><span dir=\"ltr\">Krieg, Verfolgung, Vertreibung, Massaker, gewaltsamen Tod.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><span dir=\"ltr\">In einem solchen Kontext appellieren wir K\u00fcnstler und Schriftsteller &#8211;<\/span><span dir=\"ltr\">zumindestens dort, wo wir Adressaten erreichen: in unserem Land, in unserem\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Staat, in unserer Gesellschaft &#8211; an die Vernunft und fordern ein Nachdenken \u00fcber\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">die Konsequenzen solcher Entwicklungen und Gegebenheiten ein und zur\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Korrektur der Fehlentwicklungen auf. Und wir weisen darauf hin, da\u00df in diesem\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Zusammenhang der K\u00fcnstler und Intellektuelle nicht zum Feindbild gemacht,\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">nicht diskriminiert werden darf, sondern er auch in Bezug auf die ihm\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">zukommende Aufgabenstellung des wachen Beobachters und Mahners\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">respektiert werden mu\u00df.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><span dir=\"ltr\">Dieser Forderung und einer anderswo selbstverst\u00e4ndlichen Haltung widerspricht\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">aber die \u00d6sterreichische Wirklichkeit. Hier gab und gibt es nicht nur\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Ressentiments, Angriffe, untergriffige Kampagnen gegen einzelne K\u00fcnstlerinnen\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">und Intellektuelle, sonder sie werden politisch und medial \u00f6ffentlich und ohne\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">Widerspruch diffamiert, herabgesetzt, beleidigt, entw\u00fcrdigt, verh\u00f6hnt und zum<\/span><span dir=\"ltr\">Feindbild gemacht. Politiker und Parteien besorgen dabei ihren Part, die Medien\u00a0<\/span><span dir=\"ltr\">und gewisse Kreise den \u00fcbrigen.<\/span><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<div id=\"attachment_19167\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19167\" class=\"size-medium wp-image-19167\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Wiplinger-Peter-Paul-2008-10-19-Copyright-Annemarie-Susanne-Nowak_sw-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19167\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul, Portr\u00e4t von Annemarie Susanne<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify\">\u00dcber den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">W\u00fcrdigung<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni im Rahmen seiner Arbeit f\u00fcr den VS <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25436\"><em>Kollegengespr\u00e4che<\/em><\/a> mit Schriftstellern aus Belgien, Deutschland, Rum\u00e4nien, \u00d6sterreich und der Schweiz gef\u00fchrt. Sie arbeiteten am gleichen \u201eProdukt\u201c, an der deutschen Sprache. Die Publikation ist zum 30. Jahrestag des VS erschienen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Generalversammlung 1999 der &#8222;Interessensgemeinschaft \u00d6sterreichischer Autorinnen Autoren&#8220; &nbsp; Zur Jahrtausendwende stehen wir inmitten von dynamischen Prozessen, denen\u00a0wir oft nur mehr ausgeliefert sind und denen wir gegensteuern m\u00fcssen, wenn wir\u00a0nicht Werte der menschlichen und zivilisatorischen Kultur verlieren wollen. 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