{"id":87534,"date":"2008-04-16T00:01:24","date_gmt":"2008-04-15T22:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87534"},"modified":"2021-07-05T14:13:08","modified_gmt":"2021-07-05T12:13:08","slug":"eine-erinnerung-an-kurt-kramer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/04\/16\/eine-erinnerung-an-kurt-kramer\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an Kurt Kramer"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch \u201eIkarus bleibt oben &#8211; Vogelges\u00e4nge, Gedichte von Sehnsucht und Liebe\u201c ist erst nach seinem pl\u00f6tzlichen Tod erschienen. Da\u00df er malte, wu\u00dften wir vom Morgen-Kreis &#8211; dem er mit seinem ganzen Herzen angeh\u00f6rte &#8211; alle, da\u00df er auch schrieb, Lyrik und anderes, wu\u00dfte kaum jemand; er trat auch nie als Autor in Erscheinung. Das Schreiben war seine zweite Begabung und ein Ventil zu seinem Malen und zur bildnerischen Gestaltung. Der Kurt Kramer, von uns meist \u201eder Kurtl (Kramer)\u201c genannt, war einer der liebensw\u00fcrdigsten, g\u00fctigsten Menschen, die mir im Leben begegnet sind. Er hatte ein Benehmen und Manieren von ausgesuchter H\u00f6flichkeit. Der konnte auch schon einmal \u201eK\u00fc\u00df die Hand, Gn\u00e4dige Frau!\u201c sagen, ohne da\u00df das peinlich war; es pa\u00dfte einfach zu ihm. Seine Familie, seine Frau Maria und die Zwillingst\u00f6chter, die ich nie unterscheiden konnte, waren sein Alles. Aber er mochte auch gerne Freunde und er hatte die auch gern um sich. So lud er oft zu einem Fest in sein Dachgarten-Atelier in der Engerthstra\u00dfe im zweiten Bezirk ein. Dort sprach er, auf alles eingehend und mit freundlicher, ja freundschaftlicher Zuwendung mit jedem und jeder. Mit manchen unterhielt er sich l\u00e4nger. Meine Gespr\u00e4che mit ihm drehten sich, neben der stets ernst gemeinten und Anteil nehmenden Frage, wie es einem denn gehe, sehr oft um Philosophisches, jedenfalls um Menschen- und Weltbildsicht. Ich mochte diese Gespr\u00e4che. Und er war so ganz anders als ich. Er war g\u00fctig, ich aufbrausend. Er war milde, ich kantig und scharf, manchmal auch verletzend. Er versuchte, \u00fcberall auszugleichen, ich trieb alles auf die Spitze. Er war ein Anh\u00e4nger und Vertreter der Harmonie, des Harmonischen und Vers\u00f6hnlichen, bei sich und anderen. Er sah stets alles als Ganzes, als Einheit, so wie das Weltall, der Kosmos, wie er einmal meinte. Ich brachte alles auf den Schnittpunkt, klammerte mir nebens\u00e4chlich Erscheinendes aus, war und bin ein Mensch des Widerspruches und daraus einer, der zur Konfrontation neigt, schnell bei einer solchen landet, sie manchmal auch ganz gerne hat; was anderen oft auf die Nerven geht. So war also unsere Beziehung, aus unser beider Wesen heraus; grundverschieden waren wir. Und doch respektierte einer den anderen. Er erkl\u00e4rte mir hingebungsvoll seine Pflanzen auf dem Dachgarten, zeigte mir die Bew\u00e4sserungsanlage, die er installiert hatte. Ich bewunderte das. Ich mag Pflanzen, hatte auch welche auf meiner Dachterrasse stehen, als ich vor langer Zeit im gleichen H\u00e4userblock wohnte, aber nur ein Jahr; denn ich fand das Ganze inklusive Gegend dort schrecklich. Dem Kurtl schien das nichts auszumachen, er lebte sowieso in anderen Sph\u00e4ren. Seine Kunst, seine Gedanken, sein Dichten, seine Betrachtungen, seine Einsichten und der Himmel waren ihm wichtiger als Einzelheiten. Wiederum das Ganze, das er in allem sah, das er \u00fcberall suchte und auch fand. Die Todesnachricht traf mich schmerzhaft. Beim Begr\u00e4bnis war ich tief ersch\u00fcttert. Ich stand abseits, ganz am Rande der um sein Grab Versammelten: seiner Familie, seiner Verwandten, seiner Freunde und Bekannten. Und als der Sarg mit dem Kurtl in die Grube hinabgelassen wurde, sah ich mit Tr\u00e4nen in den Augen hinauf zum Himmel; so als suchte ich ihn bereits dort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\"><\/div>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<div style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Buch \u201eIkarus bleibt oben &#8211; Vogelges\u00e4nge, Gedichte von Sehnsucht und Liebe\u201c ist erst nach seinem pl\u00f6tzlichen Tod erschienen. 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