{"id":87485,"date":"2004-03-16T00:01:51","date_gmt":"2004-03-15T23:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87485"},"modified":"2022-04-20T17:27:46","modified_gmt":"2022-04-20T15:27:46","slug":"eine-erinnerung-an-jeannie-ebner","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/03\/16\/eine-erinnerung-an-jeannie-ebner\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an Jeannie Ebner"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Jeannie Ebner war eine Dame. Und sie war eine sehr sch\u00f6ne Frau, vor allem in jungen Jahren. Da verkehrte sie im legend\u00e4ren \u201eStrohkoffer\u201c, einem K\u00fcnstlertreff, vor allem der Maler und Bildhauer. Sie hatte ja selbst Bildhauerei studiert und z\u00e4hlte sich zuerst auch zu den bildenden K\u00fcnstlern. Erst etwas sp\u00e4ter verschrieb sie sich ganz der Literatur. Sie war hochgebildet, stets von einer Aura der W\u00fcrde umgeben, obwohl sie auch heiter und locker sein konnte; frivol war sie &#8211; trotz ihrer vielen Abenteuer (wie sie mir einmal in einem Vertrauensgespr\u00e4ch bekannt hatte) &#8211; nie. Nein, ihr lag vielmehr das Einfache, das ihr &#8211; auch literarisch &#8211; viel bedeutete; im wahrsten Sinn des Wortes. Ich erinnere mich an unser gemeinsames Leberbl\u00fcmchen-Pfl\u00fccken im Fr\u00fchling beim Stift Heiligenkreuz, in sp\u00e4teren Jahren, nicht lange nachdem ihr geliebter \u201eErnstl\u201c verstorben war. Eigentlich hie\u00df die Jeannie mit b\u00fcrgerlichem Namen nach ihrer Heirat mit dem Ernstl ja Allinger. Den K\u00fcnstlernamen Ebner hatte sie in Anlehnung an ihren Onkel, den \u00f6sterreichischen Philosophen Ferdinand Ebner, angenommen. Die Jeannie Ebner betrieb w\u00e4hrend des Krieges in Wiener Neustadt ein von der Familie ererbtes Transportunternehmen. Als dieses zusammenbrach, studierte sie in Wien Bildhauerei, hielt sich mit \u00dcbersetzungen \u00fcber Wasser, bis sie sich eben der Literatur zuwandte und Romane und Lyrik schrieb. Lange Zeit war sie auch Redakteurin der Literaturzeitschrift \u201eWort in der Zeit\u201c t\u00e4tig. Zuhause, in einer kleinen alten Gemeindewohnung am Mittersteig im f\u00fcnften Bezirk, die mit B\u00fcchern vollgerammelt war, lebte sie mit ihrem Mann, der Chemiker war. Beide tschickten sie, was das Zeug h\u00e4lt; die Jeannie immer \u201eAustria drei\u201c, die st\u00e4rkste und billigste Zigarette, nat\u00fcrlich filterlos, ein \u201eBarabertschick\u201c. Kochen lag ihr nicht, sagte sie mir einmal &#8211; \u201eAber ich mu\u00df es tun, der Ernstl braucht doch schlie\u00dflich was zum Essen\u201c. Sie selber war mehr als gen\u00fcgsam. Am Achterl Wein nippte sie &#8211; ich m\u00f6chte fast sagen: stundenlang. Dazwischen rauchte sie Unmengen Zigaretten, oft auch mit einem Zigarettenspitz. Die Jeannie hat, wie sie mir einmal mitteilte, viele Jahre hindurch ihre vom Schlaganfall gel\u00e4hmte Mutter gepflegt. Das stand ganz im Gegensatz zu ihrer zierlichen Erscheinung. Gekleidet und gepflegt war sie immer tipptopp. Meine Lebensgef\u00e4hrtin Susanne liebte sie ganz besonders. \u201eSei froh, da\u00df du sie hast\u201c, sagte Jeannie immer wieder zu mir, \u201edie schaut auf dich!\u201c Ihre Gedichte mag ich. Sie sind trotz der oft gro\u00dfen Themen von einer solchen Einfachheit und Schlichtheit, da\u00df sie mich ber\u00fchren und mein Innerstes erreichen. Daf\u00fcr und f\u00fcr die Begegnung mit ihr \u00fcberhaupt bin ich sehr dankbar.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Jeannie Ebner war eine Dame. Und sie war eine sehr sch\u00f6ne Frau, vor allem in jungen Jahren. Da verkehrte sie im legend\u00e4ren \u201eStrohkoffer\u201c, einem K\u00fcnstlertreff, vor allem der Maler und Bildhauer. Sie hatte ja selbst Bildhauerei studiert und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/03\/16\/eine-erinnerung-an-jeannie-ebner\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":97941,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2960,1142],"class_list":["post-87485","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-jeannie-ebner","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87485"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102771,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87485\/revisions\/102771"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}