{"id":87372,"date":"2005-03-24T00:01:20","date_gmt":"2005-03-23T23:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87372"},"modified":"2022-02-20T12:32:09","modified_gmt":"2022-02-20T11:32:09","slug":"faust-im-musterkoffer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/03\/24\/faust-im-musterkoffer\/","title":{"rendered":"Faust im Musterkoffer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Es existiert eine Art Muckertum im Goethekultus, das nicht von Produzierenden, sondern von wirklichen Philistern, vulgo Laien, betrieben wird. Jedes Gespr\u00e4ch wird durch den geweihten Namen beherrscht, jede neue Publikation \u00fcber Goethe beklatscht \u2013 er selbst aber nicht mehr gelesen, weshalb man auch die Werke nicht mehr kennt, die Kenntnis nicht mehr fortbildet. Dies Wesen zerflie\u00dft eines Teils in bl\u00f6de Dummheit, andern Teils wird es wie die religi\u00f6se Muckerei als Deckmantel zur Verh\u00fcllung von allerlei Menschlichem benutzt, das man nicht merken soll. Zu alledem dient eben die gro\u00dfe Universalit\u00e4t des Namens.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Gottfried Keller im Jahre 1884<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts kann so abgeschmackt und unverfroren sein, da\u00df der historisch Unterrichtete es nicht an eine Erscheinung kn\u00fcpfen k\u00f6nnte, die zu ihrer Zeit etwas Rechtschaffenes darstellte. In Goethes Jugend beherrschten die \u00bbsch\u00f6nen Wissenschaften\u00ab die Katheder. Was uns als deutlich unterschieden vor Augen steht, Moralphilosophie, \u00c4sthetik, Soziologie, Geschichte der Literatur, konnte damals gut und gern in einem Kolleg behandelt werden. Wenn uns das r\u00fcckst\u00e4ndig und oberfl\u00e4chlich erscheint, so ist es damals wahrscheinlich Vorbedingung der unbefangenen Auseinandersetzung mit den Gedanken gewesen, die von England und Holland aus durch Shaftesbury und Hemsterhuys herrschend wurden. Mag man im Werther den Nachklang dieser Geistesbewegung finden, so war sie jedenfalls f\u00fcr Goethe mit diesem Werk abgeschlossen. Und je \u00e4lter er wurde, desto deutlicher tritt bei ihm nicht allein die entschiedenste Abneigung gegen die Sch\u00f6ngeisterei, sondern eine Produktionsweise an den Tag, welche seine Werke ein f\u00fcr allemal jeder empfindsamen, nun gar rhetorischen Betrachtungsweise entr\u00fcckt. Diese sp\u00e4teren Dichtungen, in denen Goethe dem Lauf seiner Phantasie willentlich D\u00e4mme und Stauwerke h\u00e4rtester Realien in den Weg setzte, der west\u00f6stliche Diwan, die Wanderjahre, der zweite Teil des Faust, boten denn auch der gewohnten, auf Genu\u00df statt auf produktive Aneignung gerichteten eklektischen Betrachtungsweise so gro\u00dfe Schwierigkeiten, da\u00df die Goethe-Literatur der ersten 25 Jahre sie aus dem Spiele lie\u00df. Und das ist nicht der einzige lehrreiche Sachverhalt, der bei einer Betrachtung der bisherigen Goethe-Literatur, ganz besonders aber der Faustliteratur, zu gewinnen gewesen w\u00e4re. Damit steht der Leser des neuen Faustkommentars von Eugen K\u00fchnemann <sup>1)<\/sup> vor der ersten Merkw\u00fcrdigkeit des in jedem Sinne und nicht zum wenigsten seinem Umfange nach monstr\u00f6sen Buches: auf seinen mehr als tausend Seiten keine einzige Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Faustforschung, in seinem Register keinerlei Verweis auf Fischer, auf Witkowski oder Burdach. In der Tat, so vereinfachen sich die Dinge. Dementsprechend hei\u00dft es dann wirklich: \u00bbDer zweite Teil, der sich auf das klarste in f\u00fcnf Akte gliedert und damit dem regelrechten Theaterst\u00fcck n\u00e4her steht als der erste, bietet sich von vornherein weit mehr als sein Vorg\u00e4nger dar als das Werk eines durchgehenden und in klarster Bewu\u00dftheit durchgef\u00fchrten Gedankens und Plans. Jeder der f\u00fcnf Akte ist eine kleine Welt f\u00fcr sich, aber alle geh\u00f6ren sie doch als ein richtiges Planetensystem zu derselben Welt Einer Sonne. Die Sonne ist der dichterische Faustgedanke.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist im Jahre 1919 ein schm\u00e4chtiges B\u00e4ndchen erschienen. Leicht h\u00e4tte K\u00fchnemann es einsehen k\u00f6nnen, denn es ist von einem seiner engeren Kollegen, dem Professor f\u00fcr klassische Philologie an der Universit\u00e4t Breslau, Konrat Ziegler verfa\u00dft. Das hei\u00dft \u00bbGedanken \u00fcber Faust II\u00ab,<sup>2)<\/sup> und darin entwickelt der Autor, wie br\u00fcchig und willk\u00fcrlich die Komposition dieses Dramas sei, wie Goethe immer wieder unter dem Einflu\u00df heterogener Stimmungen und Gesch\u00e4fte vom Grundplan abgewichen sei, wie wenig daher die \u00fcberkommene Sch\u00e4tzung dieses Buches sich halten lasse. Der Verfasser ist, wie gesagt, Philologe, und \u00bbwer in philologischer Methode denkt\u00ab, sagt K\u00fchnemann so von oben herab, \u00bbbleibt Philologe, auch wenn er Gegen\u00adst\u00e4nde behandelt, die herk\u00f6mmlich zur Philosophie gerechnet werden\u00ab. Es ist daher zweifelhaft, ob er seinen Kollegen, den Verfasser dieses quer\u00adk\u00f6pfigen, skeptischen Werkes, der f\u00fcr sich selbst nichts geltend machen kann, als da\u00df er Faust II sehr aufmerksam und nachdenklich durchlas, jener \u00bbLehrst\u00fchle des deutschen Geistes\u00ab wert erkl\u00e4ren w\u00fcrde, die \u00bbbekleidet werden von M\u00e4nnern, die vollwertige Philosophen und zugleich M\u00e4nner des sicheren k\u00fcnstlerischen Verstandes und selber k\u00fcnstlerische Gestalter sind\u00ab. Wie dem nun sei, dieser Ziegler hat jedenfalls den Blick auf einige Dinge gelenkt, die die Einsicht in die Gr\u00f6\u00dfe der Dichtung nur f\u00f6rdern. Wir folgen ihm um so lieber, als er uns den Weg weisen wird, die \u00dcbermacht der K\u00fchnemannschen Redebataillone mit ihren Schwatzregimentern und Faselkolonnen, den flatternden Phrasen zu ihren H\u00e4upten und den Blechkapellen an ihrer Spitze im R\u00fccken zu fassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Hauptbedenken Zieglers betrifft die Vorbereitung des Helena-Akts. Aus den Entw\u00fcrfen weist er nach, wie lange Goethe mit dem Gedanken sich getragen hat, den Faust \u00bbin des Olympus hohlem Fu\u00df\u00ab bei der Persephone die Helena von den Toten sich losbitten zu lassen, und wie er dann am Ende resignierend auf die Gestaltung dieses Vorwurfs verzichtet habe, dergestalt sein Werk der gr\u00f6\u00dften dramaturgischen Unstimmigkeit preisgebend. Dieses Zieglersche Problem ist der Angelpunkt der neuesten Faustforschung. Wenn das h\u00f6chst bedeutsame Werk,<sup>3) <\/sup>von dem nunmehr die Rede sein soll, sp\u00e4ter als K\u00fchnemanns Machwerk erschienen ist, so hat das wenig zu besagen, denn Gottfried Wilhelm Hertz, sein Verfasser, hat den Faden nur, freilich mit seltenem Gl\u00fcck, da aufgenommen, wo andere ihn fallen lie\u00dfen. Kurz und gut, ein ungeheures Ringen des greisen Goethe steht da, wo K\u00fchnemann \u00bbdas Werk eines durchgehenden und in klarster Bewu\u00dftheit durchgef\u00fchrten Gedankens und Plans\u00ab sieht. Und wie das nun einmal die Art des echten Philologen ist (auch wenn er, wie G. W. Hertz, am Reichsfinanzhof amtiert), entwickelt er das atemraubendste Geschehen aus zwei Versen:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">In eurem Namen, M\u00fctter, die ihr thront<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Im Grenzenlosen, ewig einsam wohnt,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und doch gesellig! Euer Haupt umschweben<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Des Lebens Bilder, regsam, ohne Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Was einmal war, in allem Glanz und Schein,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es regt sich dort; denn es will ewig sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und ihr verteilt es, allgewaltige M\u00e4chte,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Zum Zelt des Tages, zum Gew\u00f6lb&#8216; der N\u00e4chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Einen fa\u00dft des Lebens holder Lauf,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Andern sucht der k\u00fchne Magier auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Zeilen, die hier entscheiden, haben eine Variante gehabt, in der sie lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Die einen fa\u00dft des Lebens holder Lauf,<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die andern sucht getrost der Dichter auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was zwischen diesen beiden Fassungen liegt, ist nicht nur ein Teil vom Schicksal der Faustdichtung, sondern ein St\u00fcck Geschichte der Faust\u00adforschung selbst. Die spiritualistische Interpretation der Dichtung, wie Kuno Fischer, wie auch noch Witkowski sie vertritt, war nicht imstande, das hier bestehende Spannungsverh\u00e4ltnis zu ermessen. Es bedurfte dazu der engsten Beziehung des Faust auf Goethes naturwissenschaftliche Studien. Goethe geh\u00f6rte zur Familie jener gro\u00dfen Geister, f\u00fcr welche es im Grunde eine Kunst im abgezogenen Sinne nicht gibt, ihm war die Lehre von den Urph\u00e4nomenen der Natur zugleich die wahre Kunstlehre, wie es f\u00fcr Dante die Philosophie der Scholastik und f\u00fcr D\u00fcrer die Theorie der Perspektive war. Was bei Goethe mit diesen Versen im Streit lag, das ist das \u00e4sthetisch-spiritualische Scheinwesen der Helena. Auf der einen Seite ihr Wirklichsein, auf der anderen Seite ihre Erscheinung \u2013 so stand sie im Geiste Goethes lange mit sich selbst im Zwiespalt. Gesiegt hat ihr wirkliches Sein. W\u00e4hrend sie urspr\u00fcnglich \u00bbals lebendig im Hause des Menelaus empfangen werden\u00ab sollte, tritt sie nunmehr, wie wiederum Goethe selbst schreibt, \u00bbwahrhaft lebendig\u00ab oder als die \u00bbwahre\u00ab auf. Solches Leben ihr zu verschaffen, war nun allerdings die Losbittung aus der Unterwelt nicht imstande. Was an ihre Stelle trat, wie die Einverleibung des Homunkulus in den lebendigen Ozean und damit in den Ozean des Lebendigen \u00bbden nat\u00fcrlichen Vorgang, wodurch ein Geist sich den menschlichen K\u00f6rper erwirbt\u00ab, vorbildete, so da\u00df der Zuschauer sich jetzt sagen mu\u00dfte, \u00bbda\u00df er nicht mehr \u2013 wie einst am Kaiserhofe \u2013 das unwirkliche Gespenst der Griechenk\u00f6nigin, sondern diese selbst in ihrer vollen antiken Realit\u00e4t vor Augen habe\u00ab, mag man bei Hertz nachlesen. Und unbedingt wird man ihm zustimmen, wenn er darlegt, warum denn Goethe das Leben der Helena f\u00fcr seinen dritten Akt weder dem Magier noch dem Dichter verdanken wollte. \u00bbIn der Zwischenzeit von der Urkonzeption des Motivs im Winter 1827\/28 bis zum Neubeginn der Arbeit im Sp\u00e4tsommer 1829 hatte den Faustdichter &#8230; sein alter Hang zur Natur\u00adphilosophie von neuem gepackt, und so konnte er sich mit dem \u00e4sthetischen Bilde nicht mehr begn\u00fcgen;\u00ab gerade damals hielt er sich \u00bbmit Bewu\u00dftsein in der Region, wo Metaphysik und Naturgeschichte \u00fcbereinandergreifen, also da, wo der ernste treue Forscher am liebsten verweilt\u00ab. Nicht minder aber ist das Verweilen die Haltung des wirklichen Philologen, der auch seinerseits, wie Goethe, wiederum vom Naturforscher, es gesagt hat, den Ph\u00e4nomenen \u00bbsich innigst identisch macht\u00ab. Und welch erstaunliche Funde dergestalt sich ihm in die Hand schmiegen, daf\u00fcr als letztes Beispiel die Interpretation, die Hertz f\u00fcr die ber\u00fchmten Verse von den M\u00fcttern findet und in der er sie als die Urph\u00e4nomene anspricht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Die einen sitzen, andre stehn und gehn,<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie&#8217;s eben kommt. Gestaltung, Umgestaltung,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDer Sitz des Gesteins, die Beweglichkeit des Tierreichs, das Aufw\u00e4rts\u00adstreben der an die Scholle gefesselten Pflanzenwelt\u00ab so werden \u00bbdie Bewohner der M\u00fctterwelt hier eingeteilt &#8230; in drei gro\u00dfe Gruppen \u2013 in augenf\u00e4lliger \u00dcbereinstimmung mit den Gegenst\u00e4nden der drei Naturreiche: dem beweglichen, zur Ortsver\u00e4nderung bef\u00e4higten Tiere; der zwar an ihrem Platze haftenden, doch aufrecht auf der Bodenfl\u00e4che stehenden Pflanze; dem Gestein, dessen Vorkommen oder Ort die Sprache mit Vorliebe bezeichnet als seinen Sitz.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nun aber, wie angesagt, unseren bramarbasierenden Radoteur im R\u00fccken zu fassen, bedarf es nur noch des Entschlusses, ihn zu Worte kommen zu lassen. Was wei\u00df er von den M\u00fcttern? \u00bbIm gestaltenden, sich umgestaltenden Wandel der Gebilde erf\u00fcllt sich der ewige Sinn der Wahrheit als immer derselbe &#8230; Zu den M\u00fcttern\u00ab, hei\u00dft es von Faust, \u00bbmu\u00df er vordringen, \u2013 den wesenhaften Wurzeln des Seins, den ewigen sinnge\u00adbenden Gewalten und Gestalten letzter Wahrheit, deren Erscheinungen die Gegenst\u00e4nde der Wirklichkeit sind. Wer das Tiefste begreift, mag als h\u00f6chste Gestalt dieser Wesenheiten die Sch\u00f6nheit in ihrer reinsten Erscheinung, die griechische Sch\u00f6nheit in ihrem h\u00f6chsten Bild neu hervorzaubern.\u00ab Anstatt die Konfusion dieser letzten S\u00e4tze in ihrer reinsten Erscheinung r\u00fcckblickend aufzudecken, wenden wir uns vorw\u00e4rts, der Deutung der Helena zu, um zu h\u00f6ren, \u00bbwas Goethe mit seiner Helenatrag\u00f6die getan hat\u00ab: \u00bbEr erfa\u00dft die Antike in germanischer Seele, und zwar in der Gestalt der germanischen Seele, die nur durch die Bildung des Christentums m\u00f6glich wurde und \u00fcberall das Seelisch-Tiefste und Letzte sucht&#8230; Natur und Geist des Menschenlebens sind zur Einheit gekommen und dadurch vollkommene Sch\u00f6nheit geworden. Die Aufgabe der Form erhebt sich hier f\u00fcr den K\u00fcnstler in ihrem h\u00f6chsten Sinn&#8230;: der geistige Sinn des Menschenlebens tritt in seiner letzten Tiefe hervor. Der Geist der Helenadichtung ist damit auf das genaueste bezeichnet.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zu lesen macht Mut und man wagt danach, auf das Genaueste auch den Geist dieser Interpretation zu bezeichnen: er besteht in der innersten \u00dcberzeugung, da\u00df die Unterschiede zwischen Goethe und K\u00fchnemann nicht ins Gewicht fallen. So breit ist n\u00e4mlich die Unterlage f\u00fcr die Geisteswissen\u00adschaft, die der Verfasser gestiftet zu haben erkl\u00e4rt: \u00bbDas H\u00f6chste w\u00e4re erreicht, wenn ein solches Buch als t\u00fcchtiges St\u00fcck Leben in sich selbst best\u00fcnde, auch wenn man im \u00fcbrigen nicht davon w\u00fc\u00dfte, wer Herder, Kant, Schiller, Goethe gewesen sind.\u00ab Von diesem Leben aber wissen wir etwas. Wir wollen es auch verraten. Jahrelang hat K\u00fchnemann als Austausch\u00adprofessor die Universit\u00e4ten der Erde bereist. Dem Schlu\u00df seines Vorwortes entnimmt man einige Namen: New York, Los Angeles, St. Louis, Riga. Nun ist er zur\u00fcck von der gro\u00dfen Tour und wir lernen (durch die Vermittlung des Verlages, der in Deutschland die besten Editionen Goethes herausgebracht hat) den Koffer kennen, aus dem der Verfasser im Auslande Herder, Kant, Schiller, Goethe bemustert vorlegte. Jeder Kaufmann ertr\u00e4umt sich ein Monopol. Sehr verst\u00e4ndlich, da\u00df K\u00fchnemann mit aller Ruhe eine Ordnung der Dinge ins Auge fa\u00dft, da seine B\u00fccher das Wissen darum entbehrlich machen, \u00bbwer Herder, Kant, Schiller, Goethe gewesen sind\u00ab. Der deutsche Soldat, so erz\u00e4hlte man, trug seinen Faust im Tornister. Nun hat ihn der Reisende abgel\u00f6st. K\u00fchnemann kennt den internationalen Markt. Hoffen wir, da\u00df die unsch\u00e4tzbaren Realien, die die Goethesammlung des Verlegers bilden, nicht da enden, wo der Autor den deutschen Idealismus ausbot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Goethe<\/strong>, von Eugen K\u00fchnemann. Leipzig: Insel-Verlag 1930.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedanken \u00fcber Faust II<\/strong>, von Konrat Ziegler. Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlags\u00adbuchhandlung 1919.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Natur und Geist in Goethes Faust<\/strong> von Gottfried Wilhelm Hertz. Frankfurt a. M.: Verlag Moritz Diesterweg 1931. VIII, 234 S. (Deutsche Forschungen. 25.).<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-87150 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg 248w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-560x677.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-260x314.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-160x193.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a>KUNO erinnert an Walter Benjamin. Dieser undogmatische Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/figure>\n<figure class=\"alignleft\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/figure>\n<\/div>\n<\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es existiert eine Art Muckertum im Goethekultus, das nicht von Produzierenden, sondern von wirklichen Philistern, vulgo Laien, betrieben wird. 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