{"id":87325,"date":"2011-05-08T00:01:13","date_gmt":"2011-05-07T22:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87325"},"modified":"2021-10-25T09:50:36","modified_gmt":"2021-10-25T07:50:36","slug":"theorien-des-deutschen-faschismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/08\/theorien-des-deutschen-faschismus\/","title":{"rendered":"Theorien des deutschen Faschismus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e9on Daudet, Sohn von Alphonse, selbst ein bedeutender Schriftsteller, Leader der royalistischen Partei Frankreichs, hat in seiner Action Fran\u00e7aise einmal einen Bericht \u00fcber den Salon de l&#8217;Automobile gegeben, der, wenn auch vielleicht nicht mit diesen Worten, in die Gleichung auslief \u00bbL&#8217;automobile c&#8217;est la guerre\u00ab. Was dieser \u00fcberraschenden Ideenverbindung zugrunde lag, war der Gedanke an eine Steigerung der technischen Behelfe, der Tempi, der Kraftquellen usw., die in unserem Privatleben keine restlos vollendete, ad\u00e4quate Ausnutzung finden und dennoch dr\u00e4ngen, sich zu rechtfertigen. Sie rechtfertigen sich, indem sie auf harmonisches Zusammenspiel verzichten, im Kriege, der mit seinen Zerst\u00f6rungen den Beweis daf\u00fcr antritt, da\u00df die soziale Wirklichkeit nicht reif war, die Technik sich zum Organ zu machen, da\u00df die Technik nicht stark genug war, die gesellschaftlichen Elementarkr\u00e4fte zu bew\u00e4ltigen. Ohne im mindesten der Bedeutung der wirtschaftlichen Kriegs\u00adursachen zu nahe zu treten, darf man behaupten: der imperialistische Krieg ist gerade in seinem H\u00e4rtesten, seinem Verh\u00e4ngnisvollsten mitbestimmt durch die klaffende Diskrepanz zwischen den riesenhaften Mitteln der Technik auf der einen, ihrer winzigen moralischen Erhellung auf der anderen Seite. In der Tat, ihrer wirtschaftlichen Natur nach kann die b\u00fcrgerliche Gesellschaft nicht anders, als alles Technische so sehr wie m\u00f6glich vom sogenannten Geistigen abdichten, nicht anders, als den technischen Gedanken vom Mitbestimmungsrecht an der sozialen Ordnung so entschieden wie m\u00f6glich ausschlie\u00dfen. Jeder kommende Krieg ist zugleich ein Sklavenaufstand der Technik. Da\u00df aus diesen und verwandten Befunden alle den Krieg betreffenden Fragen ihre heutige Pr\u00e4gung erhalten, da\u00df sie Fragen des imperialistischen Krieges sind, meint man den Verfassern der vorliegenden Schrift um so weniger ins Ged\u00e4chtnis rufen zu m\u00fcssen, als sie Soldaten des Weltkriegs gewesen sind und, was immer man ihnen auch sonst mag bestreiten m\u00fcssen, unstreitig von der Erfahrung des Weltkriegs ausgehen. Man erstaunt also sehr, schon auf der ersten Seite die Behauptung zu fin\u00adden, da\u00df es \u00bbeine nebens\u00e4chliche Rolle spielt, in welchem Jahrhundert, f\u00fcr welche Ideen und mit welchen Waffen gefochten wird\u00ab. Und das Erstaunlichste, da\u00df Ernst J\u00fcnger mit dieser Behauptung sich einen Grundsatz des Pazifismus zu eigen macht, unter allen den anfechtbarsten und den abstraktesten. Allerdings nicht sowohl doktrin\u00e4re Schablone, als ein eingewurzelter und, an allen Ma\u00dfst\u00e4ben m\u00e4nnlichen Denkens gemessen, recht eigentlich lasterhafter Mystizismus, steht bei ihm und seinen Freunden dahinter. Aber sein Mystizismus des Krieges und das klischierte Friedensideal des Pazifismus, sie haben einander nichts vorzuwerfen. Vielmehr hat f\u00fcr den Augenblick selbst der schwinds\u00fcchtigste Pazifismus vor seinem epileptisch sch\u00e4umenden Bruder eins voraus, n\u00e4mlich gewisse Anhaltspunkte am Wirklichen, nicht zuletzt einige Begriffe vom n\u00e4chsten Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern und mit Nachdruck sprechen die Verfasser vom \u00bbersten Weltkrieg\u00ab. Wie wenig es aber ihrer Erfahrung gelungen ist, seiner Realit\u00e4ten sich zu bem\u00e4chtigen, von denen sie mit den befremdlichsten Steigerungen als von dem \u00bbWelthaft-Wirklichen\u00ab zu reden pflegen, beweist die Stumpfheit, mit der sie den Begriff kommender Kriege fixieren, ohne Vorstellungen mit ihm zu verbinden. Beinahe k\u00f6nnten diese Wegbereiter der Wehrmacht einen auf den Gedanken bringen, die Uniform sei ihnen ein h\u00f6chstes, mit allen Fibern ihres Herzens ersehntes Ziel, gegen welches die Umst\u00e4nde, unter denen sie sp\u00e4ter zur Geltung kommt, sehr zur\u00fccktreten. Verst\u00e4ndlicher wird diese Haltung, wenn man sich klar macht, wie sehr die hier vertretene Ideologie des Krieges, gemessen am Stande der europ\u00e4ischen R\u00fcstungen, jetzt schon veraltet ist. Die Verfasser haben sich an keiner Stelle gesagt, da\u00df die Materialschlacht, in der einige von ihnen die h\u00f6chste Offenbarung des Daseins erblicken, die k\u00fcmmerlichen Embleme des Heroismus, die hier und dort den Weltkrieg \u00fcberdauerten, au\u00dfer Kurs setzt. Der Gaskampf, f\u00fcr den die Mitarbeiter dieses Buches auffallend wenig Interesse haben, verspricht dem Zukunftskrieg ein Gesicht zu geben, das die soldatischen Kategorien endg\u00fcltig zugunsten der sportlichen verabschiedet, den Aktionen alles Milit\u00e4rische nimmt und sie s\u00e4mtlich unter das Gesicht des Rekords stellt. Denn seine sch\u00e4rfste strategische Eigenart besteht darin, blo\u00dfer und radikalster Angriffskrieg zu sein. Gegen Gasangriffe aus der Luft gibt es bekanntlich keine zul\u00e4ngliche Gegenwehr. Selbst die privaten Schutzma\u00dfregeln, die Gasmasken, versagen bei Senfgas und Levisit. Ab und zu erf\u00e4hrt man \u00bbBeruhigendes\u00ab, wie die Erfindung eines empfindlichen Fernh\u00f6rers, der das Surren der Propeller auf gro\u00dfe Entfernungen hin registriert. Und einige Monate sp\u00e4ter dann die Erfindung eines lautlosen Flugzeugs. Der Gaskrieg wird auf Vernichtungsrekorden beruhen und mit einem ins Absurde gesteigerten Hasardieren verbunden sein. Ob sein Ausbruch innerhalb der v\u00f6lkerrechtlichen Normen \u2013 nach vorhergehender Kriegserkl\u00e4rung \u2013 erfolgt, ist fraglich; sein Ende wird mit dergleichen Schranken nicht mehr zu rechnen haben. Mit der Unterscheidung zwischen ziviler und kampft\u00e4tiger Bev\u00f6lkerung, welche der Gaskrieg bekanntlich aufhebt, f\u00e4llt die wichtigste Basis des V\u00f6lkerrechts. Da\u00df und wie die Desorganisation, die der imperialistische Krieg mit sich f\u00fchrt, ihn unabschlie\u00dfbar zu machen droht, hat schon der letzte gezeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist mehr als ein Kuriosum, es ist ein Symptom, da\u00df eine Schrift von 1930, die es mit \u00bbKrieg und Kriegern\u00ab zu tun hat, an all dem vorbeigeht. Symptom derselben knabenhaften Verschw\u00e4rmtheit, die in einen Kultus, eine Apotheose des Krieges m\u00fcndet, als deren Verk\u00fcnder hier vor allem von Schramm und G\u00fcnther auftreten. Diese neue Kriegstheorie, der ihre Herkunft aus der rabiatesten Dekadenz an der Stirne geschrieben steht, ist nichts anderes als eine hemmungslose \u00dcbertragung der Thesen des L&#8217;Art pour l&#8217;Art auf den Krieg. Wenn aber diese Lehre schon auf ihrem urspr\u00fcnglichen Boden die Neigung hat, im Munde mittelm\u00e4\u00dfiger Adepten ein Gesp\u00f6tt zu werden, so sind ihre Perspektiven in dieser neuen Phase besch\u00e4mend. Wer m\u00f6chte sich einen K\u00e4mpfer der Marneschlacht oder einen von denen, die vor Verdun lagen, als Leser von S\u00e4tzen, wie sie hier folgen, vorstellen: \u00bbWir haben den Krieg nach sehr unreinen Prinzipien gef\u00fchrt.\u00ab \u00bbWirklich gek\u00e4mpft, von Mann zu Mann und von Truppe zu Truppe, wurde immer seltener mehr.\u00ab \u00bbSelbst\u00adverst\u00e4ndlich haben die Frontoffiziere den Krieg oft recht stillos gemacht.\u00ab \u00bbDenn durch die Einbeziehung der Massen, des schlechteren Blutes, der praktischen, b\u00fcrgerlichen Gesinnung, kurz des gemeinen Mannes, vor allem in Offizierskorps und Unteroffizierkorps, sind mehr und mehr die ewig aristokratischen Elemente des soldatischen Handwerks vernichtet worden.\u00ab Falschere T\u00f6ne kann man nicht anschlagen, ungeschicktere Gedanken nicht zu Papier bringen, taktlosere Worte nicht aussprechen. Da\u00df es aber gerade hier den Verfassern so g\u00e4nzlich mi\u00dfgl\u00fccken mu\u00dfte, darin ist \u2013 all ihren Reden vom Ewigen, Urt\u00fcmlichen zum Trotz \u2013 die unvornehme, ganz und gar journalistische Hast schuld, mit der sie des Aktuellen sich zu bem\u00e4chtigen suchen, ohne Gewesenes erfa\u00dft zu haben. Kultische Elemente des Krieges \u2013 ja, es hat sie gegeben. Theokratisch verfa\u00dfte Gemeinschaften kannten sie. Und so hirnverbrannt es w\u00e4re, diese versunkenen Elemente am Zipfel des Krieges wieder heraufziehen zu wollen, so peinlich mag es f\u00fcr diese Krieger auf der Ideenflucht sein, zu erfahren, wieweit in der von ihnen verfehlten Richtung ein j\u00fcdischer Philosoph, Erich Unger, gegangen ist, wieweit die Feststellungen, die bei ihm an Hand konkreter Daten aus der j\u00fcdischen Geschichte, gewi\u00df zum Teil mit problematischem Recht, gemacht sind, die hier beschworenen blutigen Schemen in nichts sich verfl\u00fcchtigen lassen. Aber etwas ins klare zu stellen, die Dinge wirklich beim Namen zu nennen, dazu reicht es bei den Verfassern nicht aus. Der Krieg \u00bbentzieht sich jener \u00d6konomie, welche der Verstand \u00fcbt; in seiner Vernunft ist etwas Unmenschliches, Ma\u00dfloses, Gigantisches, etwas, was an einen vulkanischen Proze\u00df, eine elementare Eruption erinnert &#8230;, eine ungeheure Woge des Lebens, durch eine schmerzhaft tiefe, zwingende, einheitliche Kraft gerichtet, gef\u00fchrt auf Schlachtfelder, die heute schon mythisch werden, verbraucht, f\u00fcr Aufgaben, die den Bezirk des gegenw\u00e4rtig Fa\u00dflichen weithin \u00fcberschreiten.\u00ab So redselig ist ein Freier, der schlecht umarmt. In der Tat umarmen sie den Gedanken schlecht. Man mu\u00df ihn zu wiederholten Malen ihnen zuf\u00fchren und das tun wir hiermit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist er: Der Krieg \u2013 der \u00bbewige\u00ab Krieg, von dem hier soviel gesprochen wird, so gut wie der letzte \u2013 sei der h\u00f6chste Ausdruck der deutschen Nation. Da\u00df sich hinter dem ewigen Kriege der Gedanke des kultischen, hinter dem letzten der des technischen verbirgt, und wie wenig es den Verfassern gelungen ist, deren Verh\u00e4ltnis zueinander ins reine zu bringen, wird deutlich geworden sein. Aber mit diesem letzten Krieg hat es noch eine besondere Bewandtnis. Er ist nicht nur der Krieg der Materialschlachten, sondern auch der verlorene. Damit freilich in ganz besonderem Sinne der deutsche. Den Krieg aus ihrem Innersten heraus gef\u00fchrt zu haben, k\u00f6nnten auch andere V\u00f6lker von sich behaupten. Ihn aus dem Innersten verloren zu haben, nicht. Das Besondere an der gegenw\u00e4rtigen letzten Phase jener Auseinander\u00adsetzung mit dem verlorenen Krieg, die Deutschland seit 1919 so schwer ersch\u00fcttert, ist nun, da\u00df gerade sein Verlust f\u00fcr die Deutschheit in Anspruch genommen wird. Die letzte Phase, so darf man sagen, weil diese Versuche, den Verlust des Krieges zu bew\u00e4ltigen, eine deutliche Gliederung zeigen. Sie begannen mit dem Unternehmen, die Niederlage durch ein hysterisch ins Allmenschliche gesteigertes Schuldbekenntnis in einen inneren Sieg zu pervertieren. Diese Politik, die dem untergehenden Abendlande ihre Manifeste mit auf den Weg gab, war die getreue Widerspiegelung der deutschen \u00bbRevolution\u00ab durch die expressionistische Avantgarde. Dann kam der Versuch, den verlorenen Krieg zu vergessen. Das B\u00fcrgertum legte sich schnaufend aufs andere Ohr, und welches Kissen war da weicher als der Roman? Die Schrecken der erlebten Jahre wurden zur Daunenf\u00fclle, in der jede Schlafm\u00fctze ihren Abdruck leicht hinterlassen konnte. Was nun das letzte Unternehmen, mit dem wir es hier zu tun haben, von den fr\u00fcheren abhebt, das ist die Neigung, den Verlust des Krieges ernster zu nehmen als diesen Krieg selbst. \u2013 Was hei\u00dft, einen Krieg gewinnen oder verlieren? Wie auffallend in beiden Worten der Doppelsinn. Der erste, manifeste meint gewi\u00df den Ausgang, der zweite aber, der den eigent\u00fcmlichen Hohlraum, Resonanzboden in ihnen schafft, meint ihn ganz, spricht aus, wie sein Ausgang f\u00fcr uns seinen Bestand f\u00fcr uns \u00e4ndert. Er sagt: der Sieger beh\u00e4lt den Krieg, dem Geschlagenen kommt er abhanden; er sagt: der Sieger schl\u00e4gt ihn zum Seinigen, macht ihn zu seiner Habe, der Geschlagene besitzt ihn nicht mehr, mu\u00df ohne ihn leben. Und nicht nur den Krieg so schlechthin und im allgemeinen, sondern jeden geringsten seiner Wechself\u00e4lle, jeden subtilsten seiner Schachz\u00fcge, jede entlegenste seiner Aktionen. Einen Krieg gewinnen oder verlieren, das greift, wenn wir der Sprache folgen, so tief in das Gef\u00fcge unseres Daseins ein, da\u00df wir damit auf Lebenszeit an Malen, Bildern, Funden reicher oder \u00e4rmer geworden sind. Und da wir einen der gr\u00f6\u00dften der Weltgeschichte, einen Krieg verloren, in dem die ganze stoffliche und geistige Substanz des Volks gebunden war, so mag man ermessen, was dieser Verlust bedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewi\u00df kann man denen um J\u00fcnger nicht vorwerfen, sie h\u00e4tten es nicht ermessen. Wie traten sie aber dem Ungeheuren entgegen? Sie haben nicht aufgeh\u00f6rt, sich zu schlagen. Sie haben den Kultus des Krieges noch zelebriert, wo kein wirklicher Feind mehr stand. Sie waren den Gel\u00fcsten des B\u00fcrgertums, das den Untergang des Abendlandes herbeisehnte wie ein Sch\u00fcler an die Stelle einer falsch gerechneten Aufgabe einen Klecks, gef\u00fcgig, Untergang verbreitend, Untergang predigend, wohin sie kamen. Das Verlorene auch nur einen Augenblick sich gegenw\u00e4rtig \u2013 anstatt verbissen es fest \u2013 halten zu wollen, war ihnen nicht gegeben. Sie haben immer zuerst und immer am bittersten gegen die Besinnung gestanden. Sie haben die gro\u00dfe Chance des Besiegten, die russische, den Kampf in eine andere Sph\u00e4re zu verlegen, vers\u00e4umt, bis der Augenblick verpa\u00dft war und in Europa die V\u00f6lker wieder zu Partnern von Handelsvertr\u00e4gen gesunken waren. \u00bbDer Krieg wird verwaltet, nicht mehr gef\u00fchrt\u00ab, meldet beschwerdef\u00fchrend einer der Verfasser. Das sollte durch den deutschen Nachkrieg korrigiert werden. Dieser Nachkrieg war im gleichen Ma\u00dfe Protest gegen den ihm vorangegangenen wie gegen das Zivil, dessen Siegel man auf jenem erblickte. Vor allem sollte das verha\u00dfte rationale Element dem Kriege genommen werden. Und gewi\u00df, diese Mannschaft badete in den D\u00e4mpfen, die dem Rachen des Fenriswolfes entstiegen. Aber sie konnten den Vergleich mit den Gasen der Gelbkreuzgranaten nicht aufnehmen. Vor dem Hintergrund des Kommi\u00dfdienstes in Milit\u00e4r-, der ausgepowerten Familien in Mietkasernen bekam dieser urgermanische Schicksalszauber einen fauligen Schimmer. Und ohne ihn materialistisch zu analysieren, konnte auch damals das unverdorbene Gef\u00fchl eines freien, wissenden, wahrhaft dialektischen Geistes, wie jener Florens Christian Rang es war, dessen Lebenslauf mehr Deutschheit auspr\u00e4gt als ganze Heerhaufen dieser Verzweifelten, sich mit bleibenden S\u00e4tzen ihnen entgegenstellen. \u00bbDie D\u00e4monie des Schicksal-Glaubens, da\u00df Menschen-Tugend umsonst ist, \u2013 die finstere Nacht eines Trotzes, der den Sieg der Lichtm\u00e4chte im G\u00f6tterweltbrand zerlodert, &#8230; die scheinbare Willens-Herrlichkeit dieses Schlachtentod-Glaubens, der das Leben nicht achtend hinwirft f\u00fcr die Idee, \u2013 diese wolkenschwangere Nacht, die uns schon Jahrtausende \u00fcberlagert und statt Sterne nur Blitze zu Wegk\u00fcndern gibt, bet\u00e4ubende, verwirrende, nach denen Nacht nur um so dunkler uns stickt: diese grauenvolle Weltansicht des Welt-Tods statt Welt-Lebens, die sich in der deutschen Idealismus-Philosophie das Grauen mit dem Gedanken erleichtert, da\u00df hinter den Wolken ja Sternhimmel sei, \u2013 diese deutsche Geistes-Grundrichtung ist zu tiefst willenlos, meint nicht, was sie sagt, ist ein Verkriechen, eine Feigheit, ein Nichtwissenwollen, Nichtleben- aber auch nicht Sterbenwollen &#8230; Denn das ist die deutsche Halbstellung zum Leben: jawohl: es wegwerfen zu k\u00f6nnen, wenn es nichts kostet, in einem Augenblick des Rauschs, die Hinterbliebenen versorgt, und dies kurzlebige Opfer mit ewiger Gloriole umstrahlt.\u00ab Wenn es aber dann im gleichen Zusammenhange hei\u00dft: \u00bbZweihundert sterbensbereite Offiziere h\u00e4tten gen\u00fcgt, in Berlin die Revolution niederzuwerfen \u2013 entsprechend an allen Orten \u2013, aber es fand sich nicht einer. Eigentlich h\u00e4tten ja wohl viele gerne gerettet, aber uneigentlich, das ist wirklich, wollte keiner so sehr, da\u00df er den Anfang machte, sich zum F\u00fchrer aufwarf, oder als einzelner vorging. Lieber lie\u00dfen sie sich auf der Stra\u00dfe die Achselst\u00fccke abrei\u00dfen\u00ab \u2013, wenn so zu lesen steht, wird denen um J\u00fcnger die Sprache vielleicht verwandt klingen. Soviel ist sicher, wer das geschrieben hat, der kennt aus eigenster Erfahrung Haltung und \u00dcberlieferung derer, die sich hier zusammengefunden haben. Und vielleicht teilte er solange ihre Feindschaft gegen den Materialismus, bis sie sich die Sprache der Materialschlacht schuf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn zu Anfang des Krieges der Idealismus von staats- und regierungs\u00adwegen geliefert wurde, so war die Truppe je l\u00e4nger je mehr auf Requisition angewiesen. Immer finsterer, t\u00f6dlicher, stahlgrauer wurde ihr Heroismus, immer entlegener und nebelhafter die Sph\u00e4re, aus denen noch Glorie und Ideal winkten, immer starrer die Haltung derer, die sich weniger als Truppen des Weltkriegs, denn als Vollstrecker des Nachkriegs f\u00fchlten. \u00bbHaltung\u00ab \u2013 in all ihren Reden das dritte Wort. Wer w\u00fcrde leugnen, da\u00df die soldatische eine ist. Sprache aber ist der Pr\u00fcfstein f\u00fcr eine jede und ganz und gar nicht nur, wie man gern annimmt, f\u00fcr die des Schreibenden. Bei denen, die sich hier verschworen haben, besteht sie die Probe nicht. Mag J\u00fcnger es den adligen Dilettanten des siebzehnten Jahrhunderts nachsprechen, die deutsche Sprache sei eine Ursprache \u2013 wie das gemeint ist, verr\u00e4t der Zusatz, als solche fl\u00f6\u00dfe sie der Zivilisation, der Welt der Gesittung, ein un\u00fcberwindliches Mi\u00dftrauen ein. Wie aber kann deren Mi\u00dftrauen sich mit dem seiner Landsleute messen, wenn man ihnen den Krieg als einen \u203am\u00e4chtigen Revisor\u2039 vorstellt, der der Zeit ihren \u203aPuls f\u00fchlt\u2039, ihnen verwehrt, einen \u203agepr\u00fcften Schlu\u00df\u2039 \u203aauszur\u00e4umen\u2039, ihnen zumutet, ihren Blick f\u00fcr \u00bbRuinen\u00ab \u00bbhinter dem leuchtenden Firnis\u00ab zu sch\u00e4rfen. Aber besch\u00e4mender als solche Verst\u00f6\u00dfe ist in diesen so zyklopisch gemeinten Gedankenbauten eine Gl\u00e4tte der F\u00fcgung, die jeden Leitartikel zieren w\u00fcrde, und peinlicher als die Gl\u00e4tte der F\u00fcgung ist die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit der Substanz. \u00bbDie Gefallenen\u00ab, erz\u00e4hlt man uns, \u00bbgingen, indem sie fielen, aus einer unvollkommenen Wirklichkeit in eine vollkommene Wirklichkeit, aus dem Deutschland der zeitlichen Erscheinung in das ewige Deutschland ein.\u00ab Das der zeitlichen Erscheinung ist ja notorisch, um das ewige st\u00fcnde es aber schlecht, w\u00e4ren wir f\u00fcr sein Bild auf das Zeugnis derer, die es so zungenfertig ablegen, angewiesen. Wie billig haben sie das \u203afeste Gef\u00fchl der Unsterblichkeit\u2039, die Gewi\u00dfheit, man habe \u00bbdie Scheu\u00dflichkeiten des letzten Krieges ins F\u00fcrchterliche gesteigert\u00ab, die Symbolik des \u203anach innen siedenden Bluts\u2039 erstanden. Sie haben, besten\u00adfalls, den Krieg geschlagen, den sie hier feiern. Wir werden aber einen nicht gelten lassen, der vom Kriege spricht und nichts kennt als Krieg. Wir werden, radikal auf unsere Weise, fragen: Wo kommt ihr her? Und was wi\u00dft ihr vom Frieden? Seid ihr in einem Kinde, einem Baum, einem Tier je auf den Frieden so gesto\u00dfen wie im Felde auf einen Vorposten? Und, ohne ihre Antwort abzuwarten: Nein! Nicht, da\u00df ihr dann nicht f\u00e4hig w\u00e4rt, den Krieg zu feiern, leidenschaftlicher sogar, als ihr tut. Aber ihn zu feiern wie ihr es tut, w\u00e4ret ihr nicht f\u00e4hig. Wie h\u00e4tte Fortinbras f\u00fcr den Krieg gezeugt? Man kann aus Shakespeares Technik darauf schlie\u00dfen. Wie er die Liebe Romeos zu Julien dadurch im Feuerglanze ihrer Leidenschaft enth\u00fcllt, da\u00df er den Romeo von vornherein verliebt, verliebt in Rosalinde, darstellt, so h\u00e4tte Fortinbras mit einem Lob des Friedens, einem so bet\u00f6rend, schmelzend s\u00fc\u00dfen eingesetzt, da\u00df dann, wenn er am Ende seine Stimme f\u00fcr den Krieg erhebt, sich jeder schaudernd eingestehen m\u00fc\u00dfte: Was sind das f\u00fcr gewaltige, namenlose Kr\u00e4fte, die diesen von dem Gl\u00fcck des Friedens ganz Erf\u00fcllten mit Leib und Seele sich dem Kriege angeloben lassen? \u2013 Hier nichts davon. Freibeuter von Fach haben das Wort. Ihr Horizont ist flammend, aber sehr eng.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sehen sie in seinen Flammen? Sie sehen \u2013 hier k\u00f6nnen wir uns F. G. J\u00fcnger anvertrauen \u2013 eine Wandlung. \u00bbEs gehen Linien seelischer Entschei\u00addung quer durch den Krieg; der Wandlung des Kampfes entspricht die Wandlung der K\u00e4mpfenden. Sie wird sichtbar, wenn man die geschwun\u00adgenen, schwerelosen, begeisterten Gesichter der Soldaten des August 1914 mit den t\u00f6dlich ermatteten, hageren, unerbittlich gespannten Gesichtern der Materialschlachtk\u00e4mpfer des Jahres 1918 vergleicht. Hinter dem Bogen dieses Kampfes, der, steiler und steiler gespannt, endlich zerspringt, erscheint unverge\u00dflich ihr Gesicht, geformt und bewegt von einer gewaltigen, geistigen Ersch\u00fctterung, Station um Station eines Leidensweges, Schlacht um Schlacht, deren jede das hieroglyphische Zeichen einer angestrengt fortarbeitenden Vernichtungsarbeit ist. Hier erscheint jener soldatische Typus, den die hart, n\u00fcchtern, blutig und pausenlos abrollenden Material\u00adschlachten durchbildeten. Ihn kennzeichnet die nervige H\u00e4rte des geborenen K\u00e4mpfers, ihn der Ausdruck der einsameren Verantwortung, der seelischen Verlassenheit. In diesem Ringen, das in einer immer tieferen Schicht sich fortsetzte, bew\u00e4hrte sich sein Rang. Der Weg, den er ging, war schmal und gef\u00e4hrlich, aber es war ein Weg, der in die Zukunft f\u00fchrt.\u00ab Wo immer man in diesen Bl\u00e4ttern auf genaue Formulierungen, echte Akzente, stichhaltige Begr\u00fcndungen st\u00f6\u00dft, ist es die Wirklichkeit, die hier getroffen, die von Ernst J\u00fcnger als total mobilgemachte angesprochen, von Ernst von Salomon als die Landschaft der Front gefa\u00dft ist. Ein liberaler Publizist, der vor kurzem diesem neuen Nationalismus unter dem Stichwort \u00bbHeroismus aus langer Weile\u00ab beizukommen suchte, hat, das sieht man hier, etwas zu kurz gegriffen. Jener Soldatentypus ist Wirklichkeit, ist ein \u00fcberlebender Zeuge des Weltkriegs und es war eigentlich die Landschaft der Front, seine wahre Heimat, die im Nachkrieg verteidigt wurde. Diese Landschaft zwingt zum Verweilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man soll es mit aller Bitternis aussprechen: Im Angesichte der total mobil gemachten Landschaft hat das deutsche Naturgef\u00fchl einen ungeahnten Aufschwung genommen. Die Friedensgenien, die sie so sinnlich besiedeln, sind evakuiert worden und so weit man \u00fcber den Grabenrand blicken konnte, war alles Umliegende zum Gel\u00e4nde des deutschen Idealismus selbst geworden, jeder Granattrichter ein Problem, jeder Drahtverhau eine Antinomie, jeder Stachel eine Definition, jede Explosion eine Setzung, und der Himmel dar\u00fcber bei Tag die kosmische Innenseite des Stahlhelms, bei Nacht das sittliche Gesetz \u00fcber dir. Mit Feuerb\u00e4ndern und Laufgr\u00e4ben hat die Technik die heroischen Z\u00fcge im Antlitz des deutschen Idealismus nachziehen wollen. Sie hat geirrt. Denn was sie f\u00fcr die heroischen hielt, das waren die hippokratischen, die Z\u00fcge des Todes. So pr\u00e4gte sie, tief durchdrungen von ihrer eigenen Verworfenheit, das apokalyptische Antlitz der Natur, brachte sie zum Verstummen und war doch die Kraft, die ihr die Sprache h\u00e4tte geben k\u00f6nnen. Der Krieg in der metaphysischen Abstraktion, in der der neue Nationalismus sich zu ihm bekennt, ist nichts anderes als der Versuch, das Geheimnis einer idealistisch verstandenen Natur in der Technik mystisch und unmittelbar zu l\u00f6sen, statt auf dem Umweg \u00fcber die Einrichtung menschlicher Dinge es zu nutzen und zu erhellen. \u00bbSchicksal\u00ab und \u00bbHeros\u00ab stehen wie Gog und Magog in diesen K\u00f6pfen, ihre Opfer sind nicht allein Menschen- sondern auch Gedankenkinder. Alles N\u00fcchterne, Unbescholtene, Naive, was \u00fcber die Verbesserung des Zusammenlebens der Menschen erdacht wird, wandert in den abgenutzten Schlund dieser Maulg\u00f6tzen, die mit dem R\u00fclpsen der 42-cm-M\u00f6rser darauf erwidern. Manchmal kommt die Verspannung des Heroentums mit der Materialschlacht die Verfasser ein wenig hart an. Aber durchaus nicht alle und nichts ist kompromittierender als die weinerlichen Exkurse, mit denen hier die Entt\u00e4uschung \u00fcber die \u00bbForm des Krieges\u00ab, den \u00bbsinnlos mechanischen Materialkrieg\u00ab laut wird, dessen die Edlen \u00bboffenbar m\u00fcde geworden\u00ab waren. Wo aber einzelne es versuchen, den Dingen ins Auge zu sehen, wird am deutlichsten, wie sehr f\u00fcr sie der Begriff des Heroischen unter der Hand sich verwandelt hat, wie sehr die Tugenden der H\u00e4rte, der Verschlossenheit, der Unerbittlichkeit, die sie feiern, in Wahrheit weniger solche des Soldaten als des bew\u00e4hrten Klassenk\u00e4mpfers sind. Was sich hier unter der Maske erst des Freiwilligen im Weltkrieg, dann des S\u00f6ldners im Nachkrieg, heranbildete, ist in Wahrheit der zuverl\u00e4ssige faschistische Klassenkrieger, und was die Verfasser unter Nation verstehen, eine auf diesen Stand gest\u00fctzte Herrscherklasse, die niemanden und am wenigsten sich selber Rechenschaft schuldend, auf steiler H\u00f6he thronend, die Sphinxz\u00fcge des Produzenten tr\u00e4gt, der sehr bald der einzige Konsument seiner Waren zu sein verspricht. Mit diesem Sphinxantlitz steht die Nation der Faschisten als neues \u00f6konomisches Naturgeheimnis neben dem alten, das in ihrer Technik weit entfernt sich zu lichten seine drohendsten Z\u00fcge herauskehrt. Im Parallelogramm der Kr\u00e4fte, welches beide \u2013 Natur, Nation \u2013 hier bilden, ist die Diagonale der Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist verst\u00e4ndlich, da\u00df f\u00fcr den besten und durchdachtesten unter den Aufs\u00e4tzen dieses Bandes die Frage der \u00bbB\u00e4ndigung des Krieges durch den Staat\u00ab entsteht. Denn der Staat spielt in dieser mystischen Kriegstheorie von Haus aus nicht die geringste Rolle. Man wird die B\u00e4ndigerrolle keinen Augen\u00adblick im pazifistischen Sinne verstehen. Es wird hier viel mehr vom Staate gefordert, den magischen Kr\u00e4ften, die er in Kriegsl\u00e4uften f\u00fcr sich mobilisieren mu\u00df, bereits in seinem Bau und seiner Haltung sich anzupassen und w\u00fcrdig zu zeigen. Es werde ihm andernfalls nicht gelingen, den Krieg seinen Zwecken tauglich zu machen. Das Versagen der Staatsmacht angesichts des Krieges steht f\u00fcr die, die sich hier zusammengefunden haben, am Anfang ihres selbst\u00e4ndigen Denkens. Die Formationen, die bei Kriegsende zwitter\u00adhaft zwischen ordensartigen Kameradschaften und regul\u00e4ren Vertretungen der Staatsmacht standen, konsolidierten sich baldigst als unabh\u00e4ngige staatslose Landsknechtshaufen, und die Finanzkapit\u00e4ne der Inflation, denen der Staat als Garant ihres Besitzes fraglich zu werden begann, haben das Angebot solcher Haufen, die durch Vermittlung privater Stellen oder der Reichswehr jederzeit greifbar wie Reis oder Kohlr\u00fcben anrollen konnten, zu sch\u00e4tzen gewu\u00dft. Noch die vorliegende Schrift \u00e4hnelt dem ideologisch phrasierten Werbeprospekt eines neuen Typus von S\u00f6ldnern oder besser von Kondottieren. Freim\u00fctig erkl\u00e4rt einer unter ihren Verfassern: \u00bbDer tap\u00adfere Soldat des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges verkaufte sich &#8230; mit Leib und Leben, und das ist immer noch edler, als wenn man nur Gesinnung und Talent verkauft.\u00ab Wenn er dann freilich fortf\u00e4hrt, der Landsknecht des deutschen Nachkriegs habe sich nicht verkauft, sondern sich verschenkt, so ist das nach Ma\u00dfgabe der Bemerkung des gleichen Autors \u00fcber den vergleichsweise hohen Sold dieser Trupps zu verstehen. Ein Sold, der das Haupt dieser neuen Krieger ebenso hart wie die technischen Notwendigkeiten des Handwerks pr\u00e4gte: Kriegsingenieure der Herrscherklasse, bilden sie das Pendant der leitenden Angestellten im Cut. Wei\u00df Gott, da\u00df ihre F\u00fchrergeste ernst zu nehmen, ihre Drohung nicht l\u00e4cherlich ist. Im F\u00fchrer eines einzigen Flugzeugs mit Gasbomben vereinigen sich alle Machtvollkommenheiten, dem B\u00fcrger Licht und Luft und Leben abzuschneiden, die im Frieden unter tausend B\u00fcrovorsteher verteilt sind. Der schlichte Bombenwerfer, der in der Einsamkeit der H\u00f6he, allein mit sich und seinem Gott, f\u00fcr seinen schwer erkrankten Seniorchef, den Staat, Prokura hat, und wo er seine Unterschrift hinsetzt, da w\u00e4chst kein Gras mehr \u2013 das ist der \u00bbimperiale\u00ab F\u00fchrer, der den Verfassern vorschwebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ehe Deutschland das medusische Gef\u00fcge der Z\u00fcge, die ihm hier entgegentreten, gesprengt hat, kann es eine Zukunft erhoffen. Gesprengt \u2013 besser vielleicht gelockert. Das soll nicht hei\u00dfen, mit g\u00fctigem Zuspruch oder mit Liebe, die hier nicht am Ort sind; es soll auch nicht der Argumentation, dem \u00fcberredungsgeilen Debattieren den Weg bereiten. Wohl aber hat man alles Licht, das Sprache und Vernunft noch immer geben, auf jenes \u00bbUrer\u00adlebnis\u00ab zu richten, aus dessen tauber Finsternis diese Mystik des Weltentods mit ihren tausend unansehnlichen Begriffsf\u00fc\u00dfchen hervorkrabbelt. Der Krieg, der sich in diesem Licht enth\u00fcllt, ist der \u00bbewige\u00ab, zu welchem diese neuen Deutschen beten, sowenig wie der \u00bbletzte\u00ab, von welchem die Pazifisten schw\u00e4rmen. Er ist in Wirklichkeit nur dies: Die eine, f\u00fcrchterliche, letzte Chance, die Unf\u00e4higkeit der V\u00f6lker zu korrigieren, ihre Verh\u00e4ltnisse unter\u00adeinander demjenigen entsprechend zu ordnen, das sie durch ihre Technik zur Natur besitzen. Mi\u00dfgl\u00fcckt die Korrektur, so werden zwar Millionen Menschen\u00adk\u00f6rper von Gas und Eisen zerst\u00fcckt und zerfressen werden \u2013 sie werden es unumg\u00e4nglich \u2013 aber selbst die Habitues chthonischer Schreckensm\u00e4chte, die ihren Klages im Tornister f\u00fchren, werden nicht ein Zehntel von dem erfahren, was die Natur ihren weniger neugierigen, n\u00fcchterneren Kindern verspricht, die an der Technik nicht einen Fetisch des Untergangs, sondern einen Schl\u00fcssel zum Gl\u00fcck besitzen. Von dieser ihrer N\u00fcchternheit werden sie den Beweis im Augenblick geben, da sie sich weigern werden, den n\u00e4chsten Krieg als einen magischen Einschnitt anzuerkennen, vielmehr in ihm das Bild des Alltags entdecken und mit eben dieser Entdeckung seine Verwandlung in den B\u00fcrgerkrieg vollziehen werden in Ausf\u00fchrung des marxistischen Tricks, der allein diesem finsteren Runenzauber gewachsen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Krieg und Krieger<\/strong>. Hrsg. von Ernst J\u00fcnger. Berlin: Junker und D\u00fcnnhaupt Verlag 1930.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-87150 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg 248w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-560x677.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-260x314.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-160x193.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a>Zum 70. Todestag von Walter Benjamin erinnert KUNO an diesen undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; L\u00e9on Daudet, Sohn von Alphonse, selbst ein bedeutender Schriftsteller, Leader der royalistischen Partei Frankreichs, hat in seiner Action Fran\u00e7aise einmal einen Bericht \u00fcber den Salon de l&#8217;Automobile gegeben, der, wenn auch vielleicht nicht mit diesen Worten, in die Gleichung&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/05\/08\/theorien-des-deutschen-faschismus\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":87150,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1030,428],"class_list":["post-87325","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ernst-junger","tag-walter-benjamin"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87325"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87325\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}