{"id":87320,"date":"2010-08-03T00:01:07","date_gmt":"2010-08-02T22:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87320"},"modified":"2021-10-25T13:10:24","modified_gmt":"2021-10-25T11:10:24","slug":"krisis-des-romans","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/08\/03\/krisis-des-romans\/","title":{"rendered":"Krisis des Romans"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dasein ist im Sinne der Epik ein Meer. Es gibt nichts Epischeres als das Meer. Man kann sich nat\u00fcrlich zum Meer sehr verschieden verhalten. Zum Beispiel an den Strand legen, der Brandung zuh\u00f6ren und die Muscheln, die sie ansp\u00fclt, sammeln. Das tut der Epiker. Man kann das Meer auch befahren. Zu vielen Zwecken und zwecklos. Man kann eine Meerfahrt machen und dann dort drau\u00dfen, ringsum kein Landstrich, Meer und Himmel, kreuzen. Das tut der Romancier. Er ist der wirklich Einsame, Stumme. Der epische Mensch ruht nur aus. Im Epos ruht das Volk nach dem Tagwerk; lauscht, tr\u00e4umt und sammelt. Der Romancier hat sich abgeschieden vom Volk und von dem, was es treibt. Die Geburtskammer des Romans ist das Individuum in seiner Einsamkeit, das sich \u00fcber seine wichtigsten Anliegen nicht mehr exemplarisch aussprechen kann, selbst unberaten ist und keinem Rat geben kann. Einen Roman schreiben hei\u00dft, in der Darstellung des menschlichen Daseins das Inkommensurable auf die Spitze treiben. Was den Roman vom eigentlichen Epos trennt, f\u00fchlt jeder, der an die homerischen Werke oder an das dantesche denkt. Das m\u00fcndlich Tradierbare, das Gut der Epik, ist von anderer Beschaffenheit als das, was den Bestand des Romans ausmacht. Es hebt den Roman gegen alle \u00fcbrigen Formen der Prosa \u2013 M\u00e4rchen, Sage, Sprichwort, Schwank \u2013 ab, da\u00df er aus m\u00fcndlicher Tradition weder kommt noch in sie eingeht. Vor allem aber gegen das Erz\u00e4hlen, das in der Prosa das epische Wesen am reinsten darstellt. Ja, nichts tr\u00e4gt so sehr zum gef\u00e4hrlichen Verstummen des inneren Menschen bei, nichts t\u00f6tet den Geist des Erz\u00e4hlens so gr\u00fcndlich ab wie die unversch\u00e4mte Ausdehnung, die in unser aller Existenz das Romanlesen annimmt. Es ist daher die Stimme des geborenen Erz\u00e4hlers, die sich gegen den Romancier so vernehmen l\u00e4\u00dft: \u00bbIch will auch nicht davon sprechen, da\u00df ich die Befreiung des epischen Werks vom Buch f\u00fcr &#8230; n\u00fctzlich halte, n\u00fctzlich insbesondere in Hinsicht auf die Sprache. Das Buch ist der Tod der wirklichen Sprachen. Dem Epiker, der nur schreibt, entgehen die wichtigsten formbildenden Kr\u00e4fte der Sprache.\u00ab So h\u00e4tte Flaubert nicht gesprochen. Diese These ist D\u00f6blins. Er hat dar\u00fcber im ersten Jahrbuche der Sektion f\u00fcr Dichtung an der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste eine sehr umfassende Rechenschaft abgelegt, und sein \u00bbBau des epischen Werks\u00ab ist ein meisterhafter und dokumentarischer Beitrag zu jener Krise des Romans, die mit der Restitution des Epischen einsetzt, der wir allerorten und bis ins Drama begegnen. Wer diesen D\u00f6blinschen Vortrag durchdenkt, braucht sich gar nicht mehr bei den \u00e4u\u00dferen Anzeichen dieser Krisis, dieses Erstarkens des Radikal-Epischen aufzuhalten. Die Sturmflut biographischer, historischer Romane verliert f\u00fcr ihn alles Erstaunliche. Der Theoretiker D\u00f6blin, weit entfernt, mit dieser Krisis sich abzufinden, eilt ihr voraus und macht ihre Sache zu seiner eigenen. Sein letztes Buch zeigt, da\u00df Theorie und Praxis seines Schaffens sich decken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist aber nichts aufschlu\u00dfreicher als diese D\u00f6blinsche Haltung mit der gleich souver\u00e4nen, gleich beherzt in praxi durchgef\u00fchrten, gleich exakten und doch in allem gegens\u00e4tzlichen zu vergleichen, die Andr\u00e9 Gide in seinem \u00bbTagebuch der Falschm\u00fcnzer\u00ab k\u00fcrzlich an den Tag gelegt hat. Im Widerspiel dieser kritischen Intelligenzen kommt die heutige Situation der Epik am sch\u00e4rfsten zum Ausdruck. Gide entwickelt in diesem autobiographischen Kommentar seines letzten Romans die Lehre vom \u00bbroman pur\u00ab. Dort hat er&#8217;s mit erdenklichster Subtilit\u00e4t darauf angelegt, alle schlichte, geradlinig aneinanderreihende Erz\u00e4hlung (alle epischen Gr\u00f6\u00dfen ersten Grades) zugunsten sinnreicher, rein romanhafter (und das hei\u00dft hier zugleich auch romantischer) Verfahrungsweisen beiseite zu setzen. Die Stellung der Personen zu dem, was vorgeht, die Stellung des Dichters zu ihnen und seiner Technik, all das soll Bestandteil seines Romans selbst werden. Kurz, dieser \u00bbroman pur\u00ab ist eigentlich reines Innen, kennt kein Au\u00dfen, und somit \u00e4u\u00dferster Gegenpol zur reinen epischen Haltung, die das Erz\u00e4hlen ist. Gides Ideal des Romans ist \u2013 so l\u00e4\u00dft er sich im strengen Gegensatz zu D\u00f6blin darstellen \u2013 der reine Schreibroman. Er h\u00e4lt die Flaubertschen Positionen vielleicht zum letzten Male aufrecht. Und es kann nicht Wunder nehmen, in D\u00f6blins Vortrag auch auf diese Leistung die denkbar sch\u00e4rfste Entgegnung zu finden. \u00bbSie werden die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich den Autoren rate, in der epischen Arbeit entschlossen lyrisch, dramatisch, ja reflexiv zu sein. Aber ich beharre dabei.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie unerschrocken er&#8217;s tut, daf\u00fcr ist die Ratlosigkeit mancher Leser vor diesem neuen Buche ein Zeichen. Nun ist es wahr, da\u00df selten auf solche Weise erz\u00e4hlt wurde, so hohe Wellen von Ereignis und Reflex haben selten die Gem\u00fctlichkeit des Lesers in Frage gestellt, so hat die Gischt der wirklichen gesprochenen Sprache ihn noch nie bis auf die Knochen durchn\u00e4\u00dft. Aber es w\u00e4re nicht n\u00f6tig gewesen, darum mit Kunstausdr\u00fccken zu operieren, vom \u00bbdialogue intcrieur\u00ab zu reden oder auf Joyce zu verweisen. In Wirklichkeit handelt es sich um etwas ganz anderes. Stilprinzip dieses Buches ist die Montage. Kleinb\u00fcrgerliche Drucksachen, Skandalgeschichten, Ungl\u00fccksf\u00e4lle, Sensationen von 28, Volkslieder, Inserate schneien in diesen Text. Die Montage sprengt den \u00bbRoman\u00ab, sprengt ihn im Aufbau wie auch stilistisch, und er\u00f6ffnet neue, sehr epische M\u00f6glichkeiten. Im Formalen vor allem. Das Material der Montage ist ja durchaus kein beliebiges. Echte Montage beruht auf dem Dokument. Der Dadaismus hat sich in seinem fanatischen Kampf gegen das Kunstwerk durch sie das t\u00e4gliche Leben zum Bundesgenossen gemacht. Er hat zuerst, wenn auch unsicher, die Alleinherrschaft des Authentischen proklamiert. Der Film in seinen besten Augenblicken machte Miene, uns an sie zu gew\u00f6hnen. Hier ist sie zum ersten Male f\u00fcr die Epik nutzbar geworden. Die Bibelverse, Statistiken, Schlagertexte sind es, kraft deren D\u00f6blin dem epischen Vorgang Autorit\u00e4t verleiht. Sie entsprechen den formelhaften Versen der alten Epik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So dicht ist diese Montierung, da\u00df der Autor schwer darunter zu Wort kommt. Die moritaten\u00e4hnlichen Kapitelansagen hat er sich vorbehalten; im \u00fcbrigen ist&#8217;s ihm nicht eilig, sich vernehmen zu lassen. (Aber er wird sein Wort noch anbringen.) Erstaunlich, wie lange er seinen Figuren folgt, ehe er&#8217;s riskiert, sie zur Rede zu stellen. Sacht, wie der Epiker es soll, geht er an die Dinge heran. Was geschieht, auch das Pl\u00f6tzlichste, scheint von langer Hand vorbereitet. In dieser Haltung aber inspiriert ihn der berlinische Sprachgeist selbst. Sacht ist das Zeitma\u00df seiner Bewegung. Denn der Berliner spricht als Kenner und mit Liebe zu dem, wie er&#8217;s sagt. Er kostet es aus. Wenn er schimpft, spottet und droht, will er dazu sich Zeit nehmen, genau wie zum Fr\u00fchst\u00fcck. Gla\u00dfbrenner pointierte das Berlinische dramatisch. Hier ist es nun in seiner epischen Tiefe ermessen; Franz Biberkopfs Lebensschiffchen hat schwer geladen und braucht doch nirgends auf Grund zu sto\u00dfen. Das Buch ist ein Monument des Berlinischen, weil der Erz\u00e4hler keinen Wert darauf legte, heimatk\u00fcnstlerisch, werbend zur Stadt zu stehen. Er spricht aus ihr. Berlin ist sein Megaphon. Sein Dialekt ist eine von den Kr\u00e4ften, die sich gegen die Verschlossenheit des alten Romans kehren. Denn verschlossen ist dieses Buch nicht. Es hat seine Moral, die sogar den Berliner was angeht. (Tiecks \u00bbAbraham Tonelli\u00ab hat die Berliner Schnauze schon so entfesselt, aber noch niemand hatte sich sie zu kurieren getraut.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist lohnend, der Kur an Franz Biberkopf nachzugehen. Was geschieht ihm? \u2013 Aber zun\u00e4chst: Warum hei\u00dft es: \u00bbBerlin Alexanderplatz\u00ab, und \u00bbDie Geschichte vom Franz Biberkopf\u00ab nur darunter? Was ist der Alexanderplatz in Berlin? Das ist die Stelle, wo seit zwei Jahren die gewaltsamsten Ver\u00e4nderungen vorgehen, Bagger und Rammen ununterbrochen in T\u00e4tigkeit sind, der Boden von ihren St\u00f6\u00dfen, von den Kolonnen der Autobusse und U-Bahnen zittert, tiefer als sonstwo die Eingeweide der Gro\u00dfstadt, die Hinterh\u00f6fe um den Georgenkirchplatz sich aufgetan, und stiller als anderswo in den unber\u00fchrten Labyrinthen um die Marsiliusstra\u00dfe (wo die Sekret\u00e4re der Fremdenpolizei in eine Mietskaserne gepfercht sind), um die Kaiserstra\u00dfe (in der die Huren abends ihren alten Trott machen), sich Gegenden aus den neunziger Jahren gehalten haben. Kein Industrieviertel; Handel vor allem; Kleinb\u00fcrgertum. Und dann sein soziologisches Negativ: die Ganoven, die von den Arbeitslosen ihren Zuzug bekommen. Einer von denen ist Biberkopf. Als Arbeitsloser verl\u00e4\u00dft er das Zuchthaus Tegel, bleibt eine Weile anst\u00e4ndig, er\u00f6ffnet einen Handel an ein paar Stra\u00dfenecken, f\u00e4llt ab und wird Mitglied der Pumsbande. Eintausend Meter, l\u00e4nger ist der Radius nicht, der den Bannkreis dieser Existenz um den Platz schl\u00e4gt. Der Alexanderplatz regiert sein Dasein. Ein grausamer Regent, wenn man will. Ein unumschr\u00e4nkter. Denn der Leser vergi\u00dft alles neben und au\u00dfer ihm, lernt seine Existenz in diesem Raum f\u00fchlen und wie wenig man von ihm wu\u00dfte. Es ist ja alles anders, als der Leser, der dieses Werk dem Mahagonispind entnimmt, sich&#8217;s vorstellt. Es schmeckt so gar nicht nach \u00bbsozialem Roman\u00ab. Keiner \u00fcbernachtet hier in der Palme. Die haben immer ein Zimmer. Man trifft sie auch nie auf der Zimmersuche. Selbst der Erste scheint um den Alexanderplatz herum seine Schrecken verloren zu haben. Elend sind diese Leute schon. Immerhin sind sie elend in ihren Zimmern. Was ist das? Wie kommt das eigentlich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweierlei ist das. Etwas Gro\u00dfes und etwas Beschr\u00e4nkendes. Etwas Gro\u00dfes: Denn das Elend ist in der Tat nicht, wie der kleine Moritz sich&#8217;s vorstellt. Das wirkliche wenigstens, im Gegensatz zum gef\u00fcrchteten. Nicht die Menschen allein, sondern auch Not und Jammer m\u00fcssen sich nach der Decke strecken, m\u00fcssen sehen, wie sie sich durchschlagen. Auch ihre Agenten, Liebe und Alkohol, werden manchmal aufs\u00e4ssig. Und es gibt nichts so Schlimmes, da\u00df sich nicht eine Weile damit leben lie\u00dfe. In diesem Buch kehrt das Elend seine joviale Seite heraus. Es l\u00e4\u00dft sich mit den Menschen am gleichen Tisch nieder, aber das Gespr\u00e4ch bricht darum nicht ab, man setzt sich zurecht und l\u00e4\u00dft es sich weiter schmecken. Das ist eine Wahrheit, von der der neue Hintertreppennaturalismus nichts wissen will. Darum mu\u00dfte ein gro\u00dfer Erz\u00e4hler kommen, um ihr wieder einmal zu ihrem Recht zu verhelfen. Von Lenin sagt man, er habe nur eins fanatischer geha\u00dft als das Elend selber: Mit ihm paktieren. Das ist nun in der Tat etwas B\u00fcrgerliches; nicht nur in den kleinen mesquinen Formen der Schlamperei, sondern auch in den gro\u00dfen der Weisheit. In diesem Sinn ist D\u00f6blins Geschichte b\u00fcrgerlich, und zwar viel beschr\u00e4nkender als nach Tendenz und Absicht, n\u00e4mlich nach Abkunft. Was hier bestrickend und mit unverminderter Kraft von neuem auftaucht, das ist der gro\u00dfe Zauber von Charles Dickens, bei dem B\u00fcrger und Verbrecher so herrlich aufeinander eingespielt sind, weil sie ihre Interessen (entgegengesetzte freilich) in einer und derselben Welt haben. Die Welt dieser Ganoven ist der B\u00fcrgerwelt homogen; Franz Biberkopfs Weg zum Zuh\u00e4lter bis zum Kleinb\u00fcrger beschreibt nur eine heroische Metamorphose des b\u00fcrgerlichen Bewu\u00dftseins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman, k\u00f6nnte einer auf die Theorie des \u00bbroman pur\u00ab antworten, ist wie das Meer. Er hat keine andere Reinheit als Salz. Was ist nun das Salz dieses Buches? Es ist aber mit dem epischen Salze wie mit dem mineralischen: Es macht die Dinge dauerhaft, mit denen es sich verbindet. Und Dauer ist in ganz anderer Weise als f\u00fcr die \u00fcbrigen Werke der Dichtung ein Kriterium des Epischen. Dauer, n\u00e4mlich nicht in der Zeit, sondern im Leser. Der wahre Leser liest Epik, um zu \u00bbbehalten\u00ab. Und ganz bestimmt beh\u00e4lt er zweierlei aus diesem Buch: Die Geschichte mit dem Arm und die Sache mit Mieze. Wie der Franz Biberkopf dazu kommt, da\u00df man ihn unters Auto wirft, so da\u00df er den Arm verliert? und da\u00df man ihm die Freundin ausspannt und umbringt? Das steht schon auf der zweiten Buchseite. \u00bbWeil er vom Leben mehr verlangt als das Butterbrot.\u00ab In diesem Fall nicht fettes Essen, Geld oder Weiber, sondern etwas viel Schlimmeres. Wonach es seine gro\u00dfe Schnauze gel\u00fcstet, das ist gestaltloser. Hunger nach Schicksal verzehrt ihn, das ist es. Dieser Mann mu\u00df den Teufel al fresco immer von neuem an die Wand malen; es ist kein Wunder, wenn der immer von neuem kommt und ihn holen will. Wie dieser Schicksalshunger gestillt, f\u00fcrs Leben gestillt wird und der Zufriedenheit mit dem Butterbrot Platz macht, wie der Ganove zum Weisen wird, das ist der Hergang der Sache. Zum Schlu\u00df wird Franz Biberkopf schicksallos, \u00bbhelle\u00ab, wie die Berliner sagen. D\u00f6blin hat dies Mannbarwerden an seinem Franz mit einem gro\u00dfen Kunstgriff unverge\u00dflich gemacht. Wie die Juden bei der Barmizwoh dem Kind seinen zweiten Namen bekanntgeben, der bis dahin geheim blieb, so gibt D\u00f6blin dem Biberkopf einen zweiten Vornamen. Er hei\u00dft von nun an Franz Karl. Gleichzeitig ist aber mit diesem Franz Karl, der zweiter Portier in einer Fabrik wird, etwas ganz Sonderbares geschehen. Und da\u00df D\u00f6blin, obwohl er seinem Helden doch so genau auf die Finger sieht, dies nicht entgangen w\u00e4re, wollen wir nicht beschw\u00f6ren. An dieser Stelle n\u00e4mlich hat Franz Biberkopf aufgeh\u00f6rt, exemplarisch zu sein, und ist lebendig in den Himmel der Romanfiguren entr\u00fcckt worden. Hoffnung und Erinnerung werden ihn in diesem Himmel, der kleinen Portierloge, \u00fcber sein Gescheitersein tr\u00f6sten. Wir aber sehen ihm in seine Loge nicht nach. Denn das ist ja das Gesetz der Romanform: kaum hat der Held sich selber geholfen, so hilft uns sein Dasein nicht l\u00e4nger. Und wenn diese Wahrheit am gro\u00dfartigsten und am unerbittlichsten in der \u00bbEducation sentimentale\u00ab an den Tag tritt, so ist die Geschichte dieses Franz Biberkopf die \u00bbEducation sentimentale\u00ab des Ganoven. Die \u00e4u\u00dferste, schwindelnde, letzte, vorgeschobenste Stufe des alten b\u00fcrgerlichen Bildungsromans.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Berlin Alexanderplatz<\/strong>. Die Geschichte vom Franz Biberkopf, von Alfred D\u00f6blin. Berlin: S. Fischer Verlag 1929.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-87150 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg 248w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-560x677.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-260x314.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-160x193.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a>Zum 70. Todestag von Walter Benjamin erinnert KUNO an diesen undogmatischen Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Dasein ist im Sinne der Epik ein Meer. Es gibt nichts Epischeres als das Meer. Man kann sich nat\u00fcrlich zum Meer sehr verschieden verhalten. 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