{"id":87214,"date":"2005-01-03T00:01:34","date_gmt":"2005-01-02T23:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87214"},"modified":"2021-07-04T10:26:11","modified_gmt":"2021-07-04T08:26:11","slug":"europaeische-lyrik-der-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/03\/europaeische-lyrik-der-gegenwart\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Lyrik der Gegenwart"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst, wie es nicht anders zu erwarten ist, zahllose Namen. Man kann nicht sagen, da\u00df kein Prinzip der Auswahl in ihnen l\u00e4ge. Doch es begreift sich, was dabei herauskommt, wenn man von m\u00f6glichst jeder Schule einen Vertreter zu Wort kommen l\u00e4\u00dft. Man erf\u00e4hrt damit, wie es in K\u00f6pfen aussieht, denen das Bild einer \u00bbWeltanthologie\u00ab vorschwebt. Ein Gedicht ist ihnen vor allem Repr\u00e4sentant: das Gedicht repr\u00e4sentiert seinen Dichter, der Dichter repr\u00e4sentiert seine Schule, die Schule repr\u00e4sentiert die Lyrik ihrer Nation. Und so versammelt denn der \u00dcbersetzer nach seinem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht eine konstituierende Versversammlung, als deren Pr\u00e4sident er der begreiflichen Illusion unterliegt, Verhandlungssprache dieser Assembl\u00e9e sei die Poesie. Er setzt zur Einf\u00fchrung in ihre Grammatik eine eigene, von ihm besonders gelungen erachtete Rimbaud-\u00dcbertragung neben entsprechende von Zweig, Stefan George, Rexroth u.a. Diese Geschmack\u00adlosigkeit ist bezeichnend f\u00fcr das terre-\u00e0-terre seiner Sammlung. \u00bbGedichte sind uns heute ein Genu\u00dfmittel \u2013 mit dem Strohhalm zu saugen.\u00ab So Josef Kalmer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbersetzt einer Drucksorten, Kataloge, so verlangt man von ihm nichts weiter, als da\u00df er die Sprache, in der er liest, und die Sprache, in der er schreibt, hinreichend kenne. Wie tief diese Kenntnis im \u00fcbrigen geht, ob sie gewachsen oder improvisiert, vermittelt oder direkt erworben, tut nichts zur Sache. Verse aber sind keine Informationen. Kommt einer, der aus f\u00fcnfzehn oder zwanzig Sprachen lyrische Dichtungen \u00fcbersetzt, erwartet man von ihm vor allem einen Hinweis, wie er dazu gekommen, wie es m\u00f6glich war, da\u00df so ein ungeheurer Sprachkreis lebendig konnte ausgemessen und erfahren werden. Den Wert der Lexika in allen Ehren \u2013 beim \u00dcbersetzer fremder Dichtung sind wir gewohnt, berechtigt tiefere Quellen des Vertrautseins anzusetzen. Auch gibt es keinen, der behaupten d\u00fcrfte, zur \u00bbLyrik\u00ab \u00fcberhaupt ein inniges Verh\u00e4ltnis \u2013 es sei denn h\u00f6chstenfalles eins zur t\u00fcrkischen, zur angels\u00e4chsischen, zur russischen, kurz eine Liebe, welche zuv\u00f6rderst die bestimmte Neigung zu der bestimmten Sprache ist \u2013 zu hegen. Wie nun so ein linguistischer Don Juan seine Eroberungen gemacht hat, das zu erfahren w\u00e4re tausendmal wissenswerter als eine noch so getreue Beschreibung der Sch\u00f6nen, die er in den verschiedenen Zungen genossen. Und wer imstande ist, \u00fcber einen so brillanten und s\u00fc\u00dfen, aber auch anst\u00f6\u00dfigen Wandel im Worte sich auszuschweigen, als ob er harmlos und allt\u00e4glich w\u00e4re, der macht uns unwillk\u00fcrlich gegen seine bonne fortune ein wenig skeptisch. Wir schlagen daher nicht ohne Beklemmung dies neue Leporello-Album auf. Und in der Tat: uns klingen die Ohren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So viel (mehr als genug), weil das Unternehmen verspricht, jene unvorstellbare Synthese von Bildung und Respektlosigkeit, die eigentliche Quintessenz des deutschen Philisteriums, in einer Folge weiterer Anthologien zu belegen. Und das in einer Zeit, die in M\u00e4nnern wie George, wie Borchardt die Meisterschaft, M\u00e4nnern wie Schr\u00f6der, Wolde, Hefele die Gewissen\u00adhaftigkeit der \u00dcbertragung erneuert hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><span lang=\"X-NONE\" style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Verdana',sans-serif; font-weight: normal;\">Europ\u00e4ische Lyrik der Gegenwart. 1900-1925. In Nachdichtungen von Josef Kalmer. Wien, Leipzig: Verlagsanstalt Dr. Zahn und Dr. Diamant (1927). 320 S. (Weltanthologie des XX. Jahrhunderts. I.)<\/span><\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-87150 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"248\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-248x300.jpg 248w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-560x677.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-260x314.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin-160x193.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Walter_Benjamin.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a> KUNO erinnert an Walter Benjamin. Dieser undogmatische Denker und l\u00e4\u00dft die Originalit\u00e4t und Einzigartigkeit seiner Gedanken aufscheinen. Bei KUNO pr\u00e4sentieren wir Essays \u00fcber den Zwischenraum von Denken und Dichten, wobei das Denken von der Sprache kaum zu l\u00f6sen ist. Lesen Sie auch KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Hommage<\/a> an die Gattung des Essays.<\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zun\u00e4chst, wie es nicht anders zu erwarten ist, zahllose Namen. Man kann nicht sagen, da\u00df kein Prinzip der Auswahl in ihnen l\u00e4ge. 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