{"id":87087,"date":"2020-08-12T00:01:48","date_gmt":"2020-08-11T22:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87087"},"modified":"2022-11-14T17:19:00","modified_gmt":"2022-11-14T16:19:00","slug":"peter-paul-wiplingers-opus-magnum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/12\/peter-paul-wiplingers-opus-magnum\/","title":{"rendered":"Peter Paul Wiplingers opus magnum"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15 Jahre lang schrieb Peter Paul Wiplinger auf den Karton zerlegter Schachteln Einf\u00e4lle aller Art und jeglichen Inhalts: Notizen, Gedichte, Prosatexte, Stimmungen, Emp\u00f6rungen und Kommentare. Wiplinger ist kein geduldiger Mensch, und auch seine Einf\u00e4lle sind es nicht. Sie dr\u00e4ngen in die Sprache, sie wollen in der Schrift sichtbar werden. Im Vorwort zum 3. Band erkl\u00e4rt er, wie es zu der Idee mit den Schachteln kam. Eine Erinnerung an die Kindheit im M\u00fchlviertel der Nachkriegszeit wurde Jahrzehnte sp\u00e4ter durch einen Zufall in Rom geweckt. Die Verpackung eines Panetone, von ihm zerlegt wie er es einst in der Kindheit gemacht hatte, f\u00fchrte augenblicklich zu dem Wunsch den Karton zu beschreiben. Die Schachteltexte begannen mit r\u00f6mischen Notizen. Und sie setzten sich 15 Jahre lang fort, unmittelbar vom Leben diktiert und keiner formalen Zensur unterworfen. In der Spontaneit\u00e4t ihres Entstehens mussten sie ihre Tauglichkeit erweisen als Tropfen der Essenz des augenblicklichen Lebens, F\u00fchlens und Befindens. Sie sind Bekenntnisse eines leidenschaftlichen Charakters, Gedanken im Urzustand, sozusagen bei ihrer Geburt im Zusammenwirken von Physisch, Psychisch, Intellektuell und manchmal auch Spirituell in Sprache gefasst. Die Schreibfl\u00e4che der Schachteln gaben das Ausma\u00df der Texte vor und beeinflussten oft auch ihr Thema. So entstand abgesehen vom Inhalt ein bibliophiles Kunstwerk von hoher \u00c4sthetik verbunden mit Wiplingers z\u00fcgig flie\u00dfender Handschrift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 15 Jahren ver\u00e4ndert sich vielen und vieles geschieht. Doch der zeitliche Bereich der Texte geht weit \u00fcber diesen Zeitraum hinaus. Die Erinnerung h\u00e4lt die Vergangenheit fest, nicht nur in ihrem Geschehen, auch in ihrer Lebensintensit\u00e4t. Denn \u201edas Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal\u00a0 vergangen\u201c (W.Faulkner). Und die Zukunft vergegenw\u00e4rtigt sich in b\u00f6sen Erfahrungen, Bef\u00fcrchtungen und Bedrohungen. Die Tr\u00e4ume der Nacht, die Ereignisse des Tages, das Eigene und das Fremde, das Ber\u00fchrt- und Ergriffensein von allem \u2013 \u201emu\u00df einer denken? Wird er nicht vermi\u00dft?\u201c (I.Bachmann). Ja, das Denken l\u00e4sst sich nicht abstellen und es will aus dem Kopf, es will Worte haben, mit Tinte aufgeschrieben. Sie sind Papierschiffchen auf dem Fluss der Zeit, diese Worte. Sie halten die Str\u00f6mung nicht auf, sie leiten den Fluss nicht um, aber sie dokumentieren seinen Verlauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprache der Texte reimt manchmal, was sich in der Realit\u00e4t nicht reimt. Der Reim, wie achtlos und zuf\u00e4llig mitten in die Zeilen geworfen, aus der Sprache selbst, der eigenm\u00e4chtigen Sprache entstanden, ist Ironie, Bitterkeit, Verst\u00e4rkung und Komik wie scharfes Gew\u00fcrz. Die Sinnlichkeit des Augenmenschen, des Fotografen Wiplinger, spielt eine gro\u00dfe Rolle. Landschaft, vor allem die des heimatlichen M\u00fchlviertels, wird mit poetisch intensiven Farben gemalt, in denen sich Wehmut und Abschiedsschmerz verbergen. Erinnerungen haben starke Farben. Der scharfe kritische Blick, der in Wiplingers B\u00fcchern immer eine Hauptrolle spielte, wird nun zum scharfen Blick in die eigene Tiefe der Existenz. In den 3 gro\u00dfen B\u00e4nden aus festgehaltenen Augenblicken w\u00f6lbt sich in unmittelbarer Aufrichtigkeit ein Lebensbogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"DE-AT\"><strong>Schachteltexte<\/strong> I+II+III\u201c von Peter Paul Wiplinger, L\u00f6cker Verlag<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/SCHACHTELTEXTEII-e1563816531515.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-56616 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/SCHACHTELTEXTEII-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; 15 Jahre lang schrieb Peter Paul Wiplinger auf den Karton zerlegter Schachteln Einf\u00e4lle aller Art und jeglichen Inhalts: Notizen, Gedichte, Prosatexte, Stimmungen, Emp\u00f6rungen und Kommentare. 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