{"id":87044,"date":"1992-05-21T00:01:50","date_gmt":"1992-05-20T22:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=87044"},"modified":"2021-12-24T05:43:39","modified_gmt":"2021-12-24T04:43:39","slug":"ein-schmuddelfilm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/05\/21\/ein-schmuddelfilm\/","title":{"rendered":"Ein Schmuddelfilm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Es geht in diesem in Hitchcockscher Manier nach dem Suspensemuster gestrickten Film weniger um plausibles Erz\u00e4hlen als vielmehr um die genau kalkulierte Fesselung des Publikums um raffiniert gestaltete Sex- und Gewaltszenen und ein vom \u201eTotal Recall\u201c-Regisseur Paul Verhoeven routiniert eingebrachtes Handlungstempo.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Zoom<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Film an der Nahtstelle zwischen dem Ende einer Gattungstradition und ihrer beginnenden Parodierung. In den Softporneusen 1970er Jahren nannte man so etwas einen Schmuddelfilm. \u00c4hnlich wie der Horror bei <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/04\/11\/der-serial-killer-als-popstar\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Schweigen der L\u00e4mmer<\/span><\/a> ist nun auch Porn im Overground angekommen. Gro\u00dfen Beliebtheitsgrad bei Jungm\u00e4nnern zwischen 13 und 17 erlangt die Szene, in der Stone w\u00e4hrend eines Verh\u00f6rs die Beine \u00fcbereinander schl\u00e4gt, ohne unter ihrem Kleid Unterw\u00e4sche zu tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Michael Douglas mal wieder auf den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Qlfyn0n8fTA\">Stra\u00dfen von San Francisco<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlung ist recht vorhersehbar. In San Francisco untersucht Detective Nick Curran den Mord an dem einstmals erfolgreichen Rockstar Johnny Boz, der beim Sex mit einer mysteri\u00f6sen blonden Frau mit einem Eispickel erstochen wurde. Im Fokus der polizeilichen Ermittlungen steht die Kriminalromanautorin Catherine Tramell, die einen Roman geschrieben hat, der das Verbrechen widerspiegelt. Es wird vermutet, dass entweder Catherine die M\u00f6rderin ist oder jemand versucht, ihr diesen Mord anzuh\u00e4ngen. Catherine scheint jedoch nicht kooperativ. Zudem hat sie ein Alibi, auch der L\u00fcgendetektortest bringt unauff\u00e4llige Ergebnisse. Bei weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass das Umfeld von Catherine aus verurteilten M\u00f6rdern besteht, darunter ihre Freundin Roxy, die impulsiv ihre beiden j\u00fcngeren Br\u00fcder t\u00f6tete, als sie sechzehn Jahre alt war, und Hazel Dobkins, die ohne ersichtlichen Grund ihren Mann und ihre Kinder t\u00f6tete.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">Blonde Schauspielerin sind wie blutige Fussabdr\u00fccke auf einer unschuldigen Schneedecke.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"> Alfred Hitchcock<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nick ist fasziniert von der geheimnisvollen und eiskalten blonden Sch\u00f6nheit, die M\u00e4nnern wie Frauen nicht abgeneigt ist und anscheinend jedes Detail aus seiner Vergangenheit kennt. Mit ihrer Art zieht sie die Ermittler in ihren Bann, und Nick l\u00e4sst sich auf eine Aff\u00e4re mit ihr ein. Catherine k\u00fcndigt an, dass in ihrem n\u00e4chsten Buch ein Polizist, der sich in die falsche Frau verliebt, das Zeitliche segnen werde. Nick wird wegen eines t\u00e4tlichen Angriffs auf einen Beamten der Dienstaufsichtsbeh\u00f6rde vom Dienst suspendiert. Dieser hatte vor einiger Zeit gegen ihn ermittelt, weil er aufgrund inzwischen \u00fcberwundener Drogenprobleme bei einem Undercover-Einsatz irrt\u00fcmlich zwei Touristen erschossen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Jeanne Tripplehorn k\u00f6nnte Vertigo entsprungen sein<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nick erf\u00e4hrt, dass Lieutenant Marty Nielsen die Informationen aus seiner psychiatrischen Akte an Catherine weitergegeben hat. Er greift Nielsen in dessen B\u00fcro an und wird, als Nielsen get\u00f6tet wird, zum Hauptverd\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Sharon Stone mit einer Hommage an Kim Novak<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Catherine fesselt Nick mit einem wei\u00dfen Seidentuch an das Kopfteil des Bettes, genau wie Boz von der mysteri\u00f6sen Blondine gefesselt wurde, t\u00f6tet ihn aber nicht. Die auf Nick eifers\u00fcchtige Roxy versucht, ihn mit Catherines Auto zu \u00fcberfahren, st\u00fcrzt bei der Verfolgung jedoch von einer Br\u00fccke und stirbt. Catherine trauert \u00fcber Roxys Tod und erz\u00e4hlt Nick von einer fr\u00fcheren lesbischen Beziehung am College. Sie behauptet, dass das M\u00e4dchen von ihr besessen war. Nick identifiziert dieses M\u00e4dchen als Beth. Beth gibt die Beziehung zu, behauptet jedoch, es sei Catherine gewesen, die besessen gewesen sei. Dabei stellt sich heraus, dass auch ein College-Professor von Beth und Catherine bei einem ungekl\u00e4rten Mord mit einem Eispickel get\u00f6tet wurde und dass diese Ereignisse einen von Catherines fr\u00fchen Romanen inspirierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Meine Filme werden hier kritisiert, weil sie als dekadent, pervers und schmierig gelten. Das bedeutet sicher, dass ich Teil dieser gro\u00dfartigen amerikanischen Gesellschaft bin.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Paul Verhoeven<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nick liest zuf\u00e4llig die letzten Seiten von Catherines Buch, in denen der fiktive Polizist die Leiche seines Partners in einem Aufzug findet. Catherine will die Aff\u00e4re mit Nick beenden, was dazu f\u00fchrt, dass Nick ver\u00e4rgert und misstrauisch wird. Am Abend trifft er seinen Partner Gus Moran. Dieser hat sich mit einer ehemaligen Mitbewohnerin von Catherine in einem B\u00fcrogeb\u00e4ude verabredet in der Hoffnung, herauszufinden, was wirklich zwischen Catherine und Beth passiert ist. W\u00e4hrend der suspendierte Nick im Auto wartet, wird Gus im Aufzug mit einem Eispickel erstochen. Nick erinnert sich an die letzten Seiten von Catherines Buch und rennt in das Geb\u00e4ude, nur um Gus&#8216; Leiche auf \u00e4hnliche Weise wie in der beschriebenen Szene zu finden. Beth taucht unerwartet auf und erkl\u00e4rt, dass sie eine Nachricht erhalten hat, sich mit Gus zu treffen. Nick vermutet, dass Beth Gus ermordet hat und erschie\u00dft sie, weil er glaubt, dass sie nach einer Waffe greift. Tats\u00e4chlich wollte sie nur nach ihrem Schl\u00fcsselbund greifen.<\/p>\n<div class=\"ujudUb\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Whatever happened to Leon Trotsky?<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #999999;\">He got an ice pick<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #999999;\">That made his ears burn<\/span><\/em><\/div>\n<div style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">The Stranglers<\/span><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Beths Wohnung wird belastendes Material gefunden, das auf Beth als T\u00e4terin hindeutet, und der Fall scheint abgeschlossen. In der letzten Szene liegen Nick und Catherine im Bett. Sie greift unter das Bett, zieht die Hand aber zur\u00fcck, als sie bemerkt, dass er sie beobachtet. W\u00e4hrend sie ihn k\u00fcsst, ist unter dem Bett ein Eispickel zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO vermutet, da\u00df Detective Nick Curran ein \u00e4hnliches Schicksal wie Leo Trotzki ereilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Basic Instinct,<\/strong> von Paul Verhoeven, 1992. Neben Michael Douglas ist als die Hauptdarstellerin Sharon Stone zu sehen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-87046 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct-260x377.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct-160x232.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1992\/05\/Basic-Instinct.jpg 345w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik <\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht in diesem in Hitchcockscher Manier nach dem Suspensemuster gestrickten Film weniger um plausibles Erz\u00e4hlen als vielmehr um die genau kalkulierte Fesselung des Publikums um raffiniert gestaltete Sex- und Gewaltszenen und ein vom \u201eTotal Recall\u201c-Regisseur Paul Verhoeven routiniert eingebrachtes&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/05\/21\/ein-schmuddelfilm\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":87046,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3255,3025,3026],"class_list":["post-87044","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-michael-douglas","tag-paul-verhoeven","tag-sharon-stone"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87044","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87044"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87044\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87044"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}