{"id":86556,"date":"2023-07-25T00:01:16","date_gmt":"2023-07-24T22:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=86556"},"modified":"2022-02-25T17:48:46","modified_gmt":"2022-02-25T16:48:46","slug":"himalajafinsternis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/25\/himalajafinsternis\/","title":{"rendered":"Himalajafinsternis"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist der Fluch und zugleich die Wollust des Reisens, da\u00df es dir Orte, die dir vorher in der Unendlichkeit und in der Unerreichbarkeit lagen, endlich und erreichbar macht. Diese Endlichkeit und Erreichbarkeit zieht dir aber geistige Grenzen, die du nie mehr los werden wirst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich deine Seele, ohne da\u00df dein Leib reist, an einen Ort hin versetzt, in dem du nie warst, so kann sie an dem Ort bald im Sonnenschein, bald im Regen, bald im Winter, bald im Fr\u00fchling wandern, geisterleicht in einer Geisterlandschaft. Hast du aber den Ort einmal reisend mit deinem Leib erreicht und wirkliche Tage dort erlebt, so bist du dem Gef\u00e4ngnis der Wirklichkeit verfallen. Sobald du dich in sp\u00e4teren Jahren an den bereisten Ort im Geist zur\u00fcckversetzt, kommst du nicht \u00fcber die Grenzen der ehemaligen wirklichen Tage hinaus. Du siehst jenen Ort immer wieder, in erm\u00fcdender Wiederkehr, in\u00a0derselben Tages- oder Jahreszeitstimmung, in der du ihn damals gesehen. Du kannst ihn nicht willk\u00fcrlich mehr verwandeln. Du bist verdammt, ihn ewig genau so zu sehen, wie er sich dir auf der Reise gezeigt hat. Dies ist der Fluch, der die Seele des Reisenden belastet. Die Fl\u00fcgel der Geistigkeit werden ihm von der Wirklichkeit beschnitten. Der Vielgereiste haftet mehr an der Erde als der Niegereiste. Er erscheint mir sterblicher als die \u00fcbrigen Sterblichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt eine einzige M\u00f6glichkeit, den Wirklichkeitsbann des Reisens zu durchbrechen und abzusch\u00fctteln. Das geschieht, wenn wir unsterbliche Erlebnisse heimbringen; wenn sich das Schicksal des Reisenden mit Menschenschicksalen fremder Orte so verkn\u00fcpft, da\u00df der Ort, die Landschaft, das Gesehene ganz an Bedeutung verlieren, ins Nichts sinken, und das am eigenen Schicksal Erfahrene Zeit, Ort und Wirklichkeit \u00fcberragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Erlebnisse sind selten, aber eins, zwei solcher Erlebnisse auf gro\u00dfen Reisen bleiben einem im Blut und Geist haften und \u00fcberfallen einen zeitweise in der Erinnerung, und solche Erlebnisse k\u00f6nnen uns modernen Menschen den Schauer, die Ehrfurcht und\u00a0die Erhebung ersetzen, die die fr\u00fcheren naiven Menschen in Gottesh\u00e4usern vor ihren Alt\u00e4ren und G\u00f6ttern empfanden, vor G\u00f6ttern, die wir Modernen l\u00e4ngst zum alten Eisen gelegt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ehe ich auf meinen Reisen oben im Himalajagebirge gewesen, konnte ich mir diese h\u00f6chsten Erdzinken immer nur tief in wei\u00dfem Schnee und unter ewig eisigblauem Himmel vorstellen, \u00e4hnlich den Erinnerungsbildern, die ich vom Montblanc, von den Dolomiten und den Schweizer Alpen mit mir trug. Jetzt aber, nachdem ich vor Jahren am Himalaja war, sehe ich dort im Geist keine ehernen Gletscher, keinen eisblauen Himmel mehr. Ich sehe dort die Erde grau in grau wandern, denn es war im Februar, als die Nebel aus der indischen Talsohle wie graue Felder heraufstiegen, Nebel in allen Schattierungen, in Schatten und Beleuchtungen wechselnd. Es war, als fl\u00f6gen die Berge; dann wieder versanken sie. In den Sternenn\u00e4chten wirbelten diese Nebel im Mondschein. Der riesige Himalaja schien sich fortzuw\u00e4lzen. Bald stellten sich die Nebel wie Riesentreppen auf, schlugen sich zum Himmel hinauf und drehten sich um ihre Achsen wie ungeheuere Windm\u00fchlenfl\u00fcgel. Es blieb kein Oben, kein\u00a0Unten, kein Links und kein Rechts mehr bestehen, als w\u00e4re der Himalaja eine Gedankenwelt geworden, in der sich fluchtartig Bilder und Eindr\u00fccke, Wirklichkeit und Unwirklichkeit jagten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siebentausend Fu\u00df hoch oben in Darjeeling, dem weltbekannten Erholungsort der englisch-indischen Beamten, Offiziere und reichen Kaufleute, waren im Februar die meisten Villen geschlossen. Sie liegen mit ihren Glasw\u00e4nden und Glasveranden wie aus Bergkristall aufgebaut an der Berglehne der hohen Gel\u00e4nde von Darjeeling. Dazwischen ziehen sich Teeg\u00e4rten mit niedrigem Teegeb\u00fcsch hin, denn der Tropenbrodem, der vom gro\u00dfen indischen Reiche am Fu\u00dfe des Himalaja zu den H\u00f6hen von Darjeeling heraufraucht, bringt einen Atem von Fruchtbarkeit \u00fcber diese S\u00fcdabh\u00e4nge des Himalaja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heimgekehrt nach Europa, w\u00e4re ich jetzt, wenn ich an den Himalaja zur\u00fcckdenke, ewig dazu verbannt, dort droben in Darjeeling den unendlichen, lautlosen, tr\u00e4ufelnden Februarregen zu sehen, der aus den Nebelschwaden niedertroff, und ich m\u00fc\u00dfte immer in die nebelwandernden Berge schauen, die mir nie mehr stillstehen w\u00fcrden, w\u00e4re mir nicht dort jenes\u00a0Erlebnis begegnet, das mich zeitlos und weltlos ansieht, nicht gebunden an Tag und Jahreszeiten, sondern nur gebunden an die Allmenschlichkeit, an das Menschenherz, das rund um die Erde, an allen Orten gleich handelnd liebt und leidet, als w\u00e4re es ein einziges Herz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Nachmittags hatten mich die f\u00fcnf Tibetaner, die meine Rikscha schoben, nach dem einzigen tibetanischen Tempel gefahren, der an einem Ende des Bergdorfes Darjeeling, nach langen Fahrten, auf verschlungenen Wegen erreicht wird. Der Tempel war einfach wie ein wei\u00dfgekalktes Scheunenhaus und unterschied sich fast in nichts von tibetanischen Bauernh\u00e4usern. Er lag am senkrechten Abhang, von einigen verwilderten B\u00e4umen umstanden, ein wenig einfach, und man h\u00e4tte ihn ebensogut von weitem f\u00fcr einen kleinen Gasthof halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mu\u00dfte einen nassen Vorgarten durchschreiten und h\u00f6rte von weitem einen regelm\u00e4\u00dfig klingenden Ton. Es war der Laut der Gebetsm\u00fchlen, die nach jeder Umdrehung ant\u00f6nen. Unter dem Vordach des Tempelhauses stand eine mannshohe und mannsdicke gelbe R\u00f6hre aufgerichtet. Sie war von oben bis unten eng mit Gebeten beschrieben. Ein\u00a0Tempelknabe in gelber Kutte drehte mit der Hand den gelben Zylinder, der sich auf einem Gestell rund um eine Achse bewegte. Jede Umdrehung des Zylinders galt soviel als das vollst\u00e4ndige Ablesen der tausend Gebete, die eingedr\u00e4ngt auf ihr geschrieben waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drinnen im Tempel war es dunkel wie in einem Stall. Hinter dicken Holzgittern standen die geschnitzten G\u00f6tter, deren alte gebr\u00e4unte Vergoldung kaum noch gl\u00e4nzte. Da war kein friedlicher Gott darunter. Alle G\u00f6tter standen oder hockten in wilden verrenkten Stellungen, als w\u00e4ren sie den verzerrten Nebeln drau\u00dfen nachgebildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus unz\u00e4hligen \u00d6ln\u00e4pfchen, voll kleiner Nachtlichter, flimmerten winzige Fl\u00e4mmchen. Wie die Futtertr\u00f6ge der G\u00f6tter, so standen sie da vor den Gittern und n\u00e4hrten die speckigen Goldgesichter mit ihrem Ru\u00df und belebten sie mit dem Gewimmel ihrer knisternden Fl\u00e4mmchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht an allen W\u00e4nden standen G\u00f6tterbilder. Es waren da L\u00fccken, und dort am beru\u00dften und schmutzigen Wandkalk entdeckte ich Photographien, Ansichtspostkarten und Holzschnitte aus illustrierten englischen Zeitungen. Es waren Bilder von englischen,\u00a0deutschen, franz\u00f6sischen, russischen Prinzen und Gener\u00e4len und Abbildungen von neuerfundenen Maschinen, Bilder, welche von den tibetanischen Priestern heilig gesprochen waren, vielleicht um den Europ\u00e4ern zu schmeicheln, vielleicht auch aus abergl\u00e4ubischer Furcht vor unbekannten fremden Seelenkr\u00e4ften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Fu\u00dfboden in einer Ecke bemerkte ich geleerte englische Bierflaschen. Ein paar tibetanische Priester mit glattrasierten kahlen K\u00f6pfen, in schmutziggelben Kutten, hockten am Boden und rauchten, lehnten mit dem R\u00fccken an der Wand und stierten zur offenen T\u00fcr hinaus, zu der ein wenig Tageslicht in den fensterlosen Raum hereinfiel und glasig auf den Aug\u00e4pfeln der Priester gl\u00e4nzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die knisternden Reihen von Nachtlichtern, die bl\u00f6den Augen der Priester und hie und da hinter den Gittern ein G\u00f6tterbauch, an dessen abgen\u00fctztem Gold sich die \u00d6lfl\u00e4mmchen spiegelten, der s\u00fc\u00dfliche Tabakrauch aus den Priesterpfeifen und ein noch s\u00fc\u00dflicherer Geruch von erkaltetem R\u00e4ucherwerk, die grotesken Papierfetzen aus illustrierten europ\u00e4ischen Zeitschriften, \u2013 dieser Wirrwarr von zeitlosem Spuk \u2013, und drau\u00dfen im T\u00fcrviereck die ewig im Nebel fortwandernden Himalajaberge\u00a0wie Spuklandschaften, die bald in den Himmel stiegen, bald zur Erde fielen, ein Nebelgekr\u00f6se, das pl\u00f6tzlich bis zur T\u00fcr herankroch; die gelben Ungeheuer der Gebetm\u00fchlen, die sich einf\u00f6rmig drehten und in regelm\u00e4\u00dfigen Zwischenr\u00e4umen mit einem d\u00fcnnen Metallton anschlugen, \u2013 all das sah abenteuerlich aus, einf\u00e4ltig und ungeheuerlich zu gleicher Zeit. Denn es bestand schon seit Tausenden von Jahren und schien unverg\u00e4nglich wie die G\u00f6tter der Dummheit, die neben den G\u00f6ttern des Verstandes und des Gef\u00fchls ewig die Erde beherrschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie die Abgr\u00fcnde drau\u00dfen vor der Tempelt\u00fcr, an deren R\u00e4ndern das Schwindelgef\u00fchl sa\u00df, das Menschen, Tiere und Steinmassen in die Himalajaschluchten rei\u00dfen konnte, so lag hinter dem Gef\u00fchl der dumpfen Dummheit, die in dieser stallartigen Tempelstube hockte, zugleich eine kaltbl\u00fctige Grausamkeit. Sie blickte beinahe schelmisch aus den stieren Augen der kahlk\u00f6pfigen tibetanischen Priester und grinste grotesk freundlich aus den lachenden M\u00e4ulern der Gesichtsmasken der im Halbdunkel hockenden G\u00f6tterfiguren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine f\u00fcnf tibetanischen Wagenschieber,\u00a0die wie Eskimos in sackartigen Kleidern vermummt steckten und von h\u00fcnenhaften Kr\u00e4ften waren, fuhren mich dann im Rikschawagen zur\u00fcck, an fast senkrechten Bergwegen hinauf. Dabei wieherten sie wie Pferdchen, meckerten wie Gei\u00dfb\u00f6cke und prusteten wie Walrosse. Zugleich verfolgten meinen Wagen drei tibetanische Riesenweiber, die ihre Schmuckketten aus kleinen blauen T\u00fcrkisen, Brocken Bergkristall und St\u00fccken ungereinigter Silberbronze, mit r\u00f6tlichem Carneol verarbeitet, vom Hals und von den Armgelenken rissen und mir zum Verkauf vor mein Gesicht hielten. Immer gestikulierend sprangen die Tibetfrauen neben meinen Wagenr\u00e4dern hin und her, umgeben von einer bellenden Schar wilder Himalajahunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der Frauen nahm sich w\u00e4hrend des Springens die T\u00fcrkisenohrringe ab, eine andere drehte von ihrer Hand einen plumpen Silberring mit rotem Carneolstein, die dritte zog sich bronzene Haarpfeile aus ihrem ungek\u00e4mmten, verwilderten und vom Regen nassen Haarknoten. Einige Worte Englisch und hundert geschnatterte tibetanische Worte, durchsetzt mit Hundegebell und begleitet vom Gel\u00e4chter und Geschnauf meiner schwitzenden\u00a0Wagenschieber, schallten mir unausgesetzt vor den Ohren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich kaufte ich dem einen Weib einen Ring ab, und da der Rikschawagen an den Abhangwegen im Fahren keinen Augenblick halten konnte, wurde der bewegte Handel durch Zuwerfen des Ringes und Zur\u00fcckwerfen des Geldes abgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei der Frauen blieben jetzt zur\u00fcck. Nur das dritte Weib, das immer noch ihre Haarpfeile verkaufslustig in der Luft schwang, haftete noch an der Seite meines Wagens, vom Gekl\u00e4ff der Hunde umgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Tibetanerin mich kaufunlustig sah, lockte sie mit den Augen, so da\u00df ihr die Wagenschieber tibetanische Scherzworte zuriefen, gegen die sie sich eifrig verteidigte. Da mich die Haarpfeile nicht reizten und des Weibes Augen mich nicht \u00fcberreden konnten, fuhr sie, immer neben dem Wagen herspringend, mit den H\u00e4nden in die Falten ihres sackgroben Mantelkleides und fand in irgend einer Tasche eine kleine Silberkette, die mir aber ebensowenig gefiel. Zugleich aber, wie sie die Kette in der Luft sch\u00fcttelte, flog, zwischen ihren Fingern durch, ein kleines Bronzeamulett, das an einer Darmseite angebunden gewesen,\u00a0und flog zu mir in den Wagen auf meinen Scho\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Blick sah ich, da\u00df das Amulett ein echtes kleines Bronze-G\u00f6tzenbild war, nicht gr\u00f6\u00dfer als ein Fingerglied. Es stellte in viereckigen primitiven Formen zwei winzige Menschen dar, einen nackten Mann, an welchem eine nackte Frau emporkletterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schlo\u00df meine Hand, in die das Amulett gefallen war, griff mit der andern Hand in meine Westentasche, in der ich loses Silbergeld trug, und warf dem Weib ein paar gro\u00dfe Silberm\u00fcnzen zu. Sie sah mich erstaunt an, fing blitzschnell das Geld auf und blieb zur\u00fcck. Zuf\u00e4llig bog der Wagen um eine Wegecke. Ich konnte jetzt das Weib, das in dem Haufen der bellenden Hunde stillstand, noch einmal von weitem sehen. Sie sch\u00fcttelte fortw\u00e4hrend den Kopf, als verst\u00fcnde sie nicht, wie sie zu dem Gelde gekommen sei. Sie hielt die Haarpfeile im Mund zwischen den Z\u00e4hnen und wickelte die Geldst\u00fccke in ein kleines St\u00fcckchen gelben Tuches. Vielleicht war es dasselbe St\u00fcckchen Tuch, in welchem vorher die Silberkette und das Amulett eingewickelt gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verga\u00df die Begebenheit, denn es ereignete\u00a0sich jeden Augenblick viel Neues in der mich umgebenden Reisewelt. Ich entsinne mich nur, da\u00df, als ich eine halbe Stunde sp\u00e4ter im Hotel das Amulett betrachtete, mir nicht mehr dieses eine Weib in Erinnerung kam, sondern die zwei anderen, die zur\u00fcckgeblieben waren, und deren Wangen mit einer roten Masse eingerieben waren. Ich fragte einen der tibetanischen Fellverk\u00e4ufer, die in der Vorhalle des Hotels bei ihren Pelzwaren kauerten, und die alle Englisch sprachen, mit was sich die Weiber hier die Wangen einrieben, da\u00df sie so braunrot w\u00fcrden. Er sagte, da\u00df die Farbe Ochsenblut sei. Aber nur die Witwen bestreichen sich die Wangen mit Ochsenblut und nur diejenigen Witfrauen, die den M\u00e4nnern zeigen m\u00f6chten, da\u00df sie wieder heiraten wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich noch sprach, l\u00e4utete die erste Dinnerglocke im Stiegenhaus des Hotels, die Glocke, welche die reisenden Damen und Herren darauf aufmerksam macht, da\u00df es an der Zeit ist, sich f\u00fcr das Mittagessen, da\u00df um 7\u00a0Uhr serviert wird, umzukleiden. Denn auch hoch oben im Himalaja erscheinen die englischen Herren abends in Frack und Smoking und die Damen in Schleppkleidern, tief\u00a0ausgeschnitten und frisiert, als w\u00e4ren sie f\u00fcr eine Galaoper geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich ging in mein Zimmer, wo eben ein tibetanischer Zimmerbursche das Kaminfeuer angez\u00fcndet hatte und jetzt nebenan im Baderaum, welcher zum Zimmer geh\u00f6rte, Wasser in die Badewanne schleppte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Baderaum hatte einen besonderen Eingang durch einen Balkon, der an der R\u00fcckseite des Hauses entlang lief. Nachdem das Bad hergerichtet war, murmelte der tibetanische Diener sein \u201eall right Sir\u201c und verschwand durch die Hintert\u00fcr des Badezimmers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich ins Bad gestiegen war und aufrecht im dampfenden Wasser stand und einige Turn\u00fcbungen ausf\u00fchrte, f\u00fchlte ich im R\u00fccken einen eiskalten Luftstrom, als ob jemand die Hintert\u00fcr des Baderaumes zum Balkon ge\u00f6ffnet habe. Ich rufe auf Englisch: \u201eT\u00fcr zu!\u201c Und um mich vor dem eisigen Luftstrom zu sch\u00fctzen, tauche ich im hei\u00dfen Wasser der Badewanne bis zum Hals unter. Ich bemerke zugleich durch den Dampf, der das Zimmer f\u00fcllte, den Schatten einer Gestalt und frage: \u201eWer ist da?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur der Strahl des Kaminfeuers fiel von\u00a0meinem Schlafzimmer in den Baderaum herein, und ich merkte zu meinem Erstaunen, da\u00df die kleine Lampe, welche der Diener in eine Fensternische gestellt hatte, die aber vorher kaum leuchtete, jetzt vollst\u00e4ndig ausgegangen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich auf meine zweimaligen Zurufe keine Antwort bekam, erhob ich mich wieder aus dem dampfenden Wasser. Im selben Augenblick f\u00fchlte ich wieder den Eishauch von der T\u00fcre her, die wahrscheinlich wieder hinter dem Dampfnebel ge\u00f6ffnet worden war. Der menschliche Schatten, den ich vorher gesehen hatte, war aber verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir schien, wenn ich mir die Gestalt vergegenw\u00e4rtigte, als w\u00e4re es eine Frau gewesen, die vorher eingetreten und die jetzt wieder verschwunden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tastete in den Dampfnebel, fragte noch ein paar Mal, beendete dann mein Bad schneller, als ich es sonst getan h\u00e4tte, wickelte mich ins Badelaken, machte Licht im Schlafzimmer und leuchtete in den Baderaum, fand aber niemand. Dann kleidete ich mich an, klingelte und fragte den Diener, ob man jemand hereingelassen, w\u00e4hrend ich im Bad war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser sch\u00fcttelte den Kopf und wu\u00dfte von nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verga\u00df auch diese Begebenheit wieder. Aber nach Mitternacht, als ich mich zu Bett legte, schlo\u00df ich vorsichtig alle T\u00fcren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Amulett hatte ich genau betrachtet, und nach dem Alter der Darmseite zu schlie\u00dfen, an die es gebunden und die vom Tragen sehr abgen\u00fctzt war, konnte ich mir vorstellen, da\u00df das Amulett wohl schon mehrere Menschenalter um den Hals verschiedener Personen gehangen und auf der Brust verschiedener Leute geruht haben mu\u00dfte. Bis diese starke Darmseite sich abn\u00fctzen und durchwetzen konnte, mu\u00dften manche Menschenleben dahingegangen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die an der M\u00e4nnergestalt emporkletternde kleine Frauengestalt war von geschw\u00e4rzter Silberbronze. Der Mann schien aus Eisenbronze zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klobig, simpel, primitiv war die nu\u00dfgro\u00dfe Figurengruppe zusammengeschwei\u00dft, wahrscheinlich in irgend einer Bergschmiede tief im Himalajagebirge. Vielleicht war sie in einer tibetanischen Klosterschmiede gearbeitet, in einem jener ungeheuerlichen Kl\u00f6ster, die an unzug\u00e4nglichen Stellen, an Bergabh\u00e4ngen und\u00a0Bergseen zerstreut liegen auf der Stra\u00dfe nach Lassa hin, jener Stra\u00dfe, die zu der geheimnisvollsten Klosterstadt der Welt f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mu\u00dfte wieder an das stattliche Tibetweib denken, wie es da mitten im Haufen bellender Hunde gestanden und gedankenvoll mein Geld in das gelbe Tuch gewickelt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich fiel mir ein: nach ihrem verwunderten Gesicht zu schlie\u00dfen, hatte die Frau, als mir das Amulett zuflog, vielleicht gar nicht gewu\u00dft, da\u00df sie es mir zugeworfen hatte. Sie hatte eine Silberkette in der Hand gesch\u00fcttelt, und wenn ich jetzt dar\u00fcber nachdachte, so schien es mir, als w\u00e4re ihr unbewu\u00dft das Amulett aus den Fingern geglitten, denn ihr Gesicht war verbl\u00fcfft und nachdenklich, als sie meine Silberm\u00fcnzen auffing und einsteckte. Jedenfalls aber hatte ich das Amulett mit meinem Gelde bezahlt, und es war mein. So sagte ich mir und legte mich beruhigt zu Bett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, wie viel Stunden ich geschlafen hatte, als ich durch einen Knall und ein Scherbenklingen geweckt wurde. Ich fuhr auf und h\u00f6rte ein Ger\u00e4usch wie von flatternden Fl\u00fcgelschl\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kaminfeuer war vollst\u00e4ndig niedergebrannt,\u00a0und der kleine Glutbrocken leuchtete nicht mehr an die Zimmerdecke und nicht mehr an die W\u00e4nde, von wo aus das klatschende Fl\u00fcgelschlagen herkam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich machte Licht und sah ein schwarzes Tier, gro\u00df wie eine Eule, von Winkel zu Winkel fliegen. Als ich auf einen Stuhl stieg, sah ich, da\u00df es eine gro\u00dfe Vampirfledermaus war. Ich \u00f6ffnete die Schlafzimmert\u00fcre, die nach der Treppe ging, weit, und rief ins Treppenhaus hinunter, indessen ich mich in meinen Mantel wickelte. Drunten am Kaminfeuer sa\u00dfen immer einige Diener, die die Nachtwache hatten. Einer von den M\u00e4nnern kam nun herauf, ri\u00df die Bettdecke von meinem Bett und schlug mit dem Tuch nach dem Tier in die Luft und scheuchte die Riesenfledermaus durchs ge\u00f6ffnete Fenster in die Nacht hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fenster selbst fanden wir dann eine Ecke der Scheibe eingesto\u00dfen. Doch unerkl\u00e4rlich war es mir, wie die weiche und zartknochige Fledermaus es fertig gebracht hatte, die harte Fensterscheibe einzusto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Nacht schlief ich nicht mehr. Ich lie\u00df das Licht brennen und befahl dem Diener, das Kaminfeuer zu sch\u00fcren. Ich setzte mich\u00a0dann an den Kamin und las, das hei\u00dft, ich wollte lesen, um nicht einzuschlafen. Aber mehrmals mu\u00dfte ich aufhorchen. Es war mir, als h\u00f6rte ich Schritte auf dem Balkon, auf welchen das zerbrochene Fenster f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sah vom Lesen nicht auf. Ich sagte mir, es wird einer der Diener sein, der sich \u00fcberzeugen will, ob mein Kaminfeuer noch brennt, und der mich nicht zu st\u00f6ren wagt und deshalb auf dem Balkon herumschleicht und hereinsieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer Stunde war mir, als verbreite sich ein durchdringender Blumengeruch im Zimmer. Ich schlo\u00df die Augen, lehnte meinen Kopf im Ledersessel zur\u00fcck und \u00fcberlegte, ob die Nachtnebel, die aus den Himalajateeg\u00e4rten und aus der indischen Tiefebene heraufstiegen, solch einen bet\u00e4ubenden Bl\u00fctengeruch mit sich f\u00fchren k\u00f6nnen. Durch das zerbrochene Fenster schien der Geruch mit dem Nebelrauch hereinzuziehen, denn ich sah einen feinen bl\u00e4ulichen Dampf, der vom zerbrochenen Fenster her das Zimmer erf\u00fcllte. Ich wollte aufstehen, ein Handtuch oder einen Reiseschal nehmen und die zerbrochene Scheibenecke zustopfen, um den bet\u00e4ubenden Nebel abzuwehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es blieb bei dem in meinem Gehirn sich immer wiederholenden Wunsch, aufzustehen. Meine Augen fielen zu. Einige Zeit hielt ich das Buch noch in der einen Hand fest. Aber das Buch schien immer gr\u00f6\u00dfer und schwerer zu werden. Das Buch wuchs und stand vor mir wie die Wand so gro\u00df. Und immer, wenn ich mich aufrichten wollte, stand vor mir das aufgerichtete wandgro\u00dfe Buch. Es war mir, als wohne ich nicht mehr in einem Zimmer. Ich wohnte in einem Buch. Und ich hatte das Gef\u00fchl, dieses Riesenbuch k\u00f6nnte zuklappen und mich zwischen seinen Seiten erdr\u00fccken. Das Buch roch so s\u00fc\u00df wie die S\u00fc\u00dfe aus einem alten Schrank, in welchem getrocknete Blumen und Lavendel lagen. Mit diesem gemischten Gef\u00fchl von S\u00fc\u00dfe und dr\u00fcckender Bangigkeit verbrachte ich, wie es mir schien, Jahre, ohne da\u00df sich etwas in meinem Zustande \u00e4nderte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wachte durch ein Klopfen auf. Es klopfte irgendwo jemand auf meinen Sch\u00e4del. Es wurde lange und heftig geklopft. Bald war es mir auch wieder, als klopfe man schon jahrelang. Ich horchte auf. Meine Augen \u00f6ffneten sich und sahen immer noch Kaminglut. Drau\u00dfen war es immer noch Nacht.\u00a0Das Klopfen kam von den verschiedenen Zimmert\u00fcren im Korridor. Die Hotelg\u00e4ste wurden geweckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnerte mich jetzt, da\u00df unsere Reisegesellschaft, die zehn Damen und Herren, die sich hier in Darjeeling im Hotel zusammengefunden, verabredet hatten, um drei Uhr morgens bei Mondschein aufzubrechen, um auf Pa\u00dfwegen zu dem zweitausend Fu\u00df h\u00f6her gelegenen \u201eTigerhill\u201c zu reiten, wo man den Sonnenaufgang \u00fcber dem Mont Everest und anderen Riesen des Himalaja erwarten wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zimmer war noch immer der s\u00fc\u00dfliche Dunst. Ich kleidete mich im halbtrunkenen Zustand an. Ein Diener brachte mir dann den Morgentee und sagte, da\u00df die Pferde gesattelt seien und unten an der Veranda warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich ein paar Minuten sp\u00e4ter aufs Pferd stieg, freute ich mich \u00fcber die klare Bergluft, \u00fcber den eisklaren Halbmond, der am Himmel hing, und \u00fcber den reinen Neuschnee, der gefallen war, und ich hatte bald ganz und gar den Blumendunst vergessen und die letzten Stunden jenes schweren Schlafes, der mehr einem Alpdruck als einem gesunden Schlaf \u00e4hnlich gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den schmalen Pa\u00dfwegen, auf denen die Pferde hintereinander schreiten mu\u00dften, schwiegen das Geplauder und Gel\u00e4chter der Damen und Herren. Es war, als ritten wir nicht auf der Erde, sondern auf Wolken, an Wolkenr\u00e4ndern entlang. Die Mondsichel hatte nicht Kraft genug, die Himalajagr\u00fcnde auszuleuchten. Meere von Finsternis lagen an den R\u00e4ndern der Pa\u00dfwege, die nur einige Hufbreiten breit auf den Berggraten entlang zogen. B\u00e4ume, die so alt waren, da\u00df sie kein Blatt mehr trieben und nur wie moosbehangene Skelette ragten, waren durch Nebel und Schnee wie vom Erdboden abgeschnitten und hingen in der Luft wie vom Himmel herab. Einige waren wie hausgro\u00dfe Skelette ungeheuerlicher Flederm\u00e4use. Diese Gespensterb\u00e4ume und der jasminwei\u00dfe Mond auf dem gr\u00fcnlichen Nacht\u00e4ther erinnerten mich wieder an mein Nachterlebnis. Aber die gro\u00dfen ge\u00f6ffneten unergr\u00fcndlichen Himalajaabgr\u00fcnde, die den Eindruck gaben, als k\u00f6nnte man so tief in die finstere Erde hineinsehen, so tief wie in den Nachthimmel, diese Abgr\u00fcnde, an denen die Pferde zagend und tastend und lautlos im glitschigen Schnee wie balancierend zwischen Leben und Tod entlang gingen,\u00a0verschluckten R\u00fcckerinnerungen und Gedanken, diese Abgr\u00fcnde wollten mich einschl\u00e4fern, st\u00e4rker noch als der Blumengeruch es vorher getan hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der warme, schwei\u00dfdampfende Pferder\u00fccken, der mich trug und der mich r\u00fcttelte, war das einzige St\u00fcck Wirklichkeit, das ich noch f\u00fchlte, denn der Traumzustand der Gespensterlandschaft wollte sich mit dem Traumzustand meiner noch nicht v\u00f6llig wachen Gedanken vermischen und mich in die Abgr\u00fcnde ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich verfl\u00fcchtete sich die Nacht, und wir erreichten in der blaugrauen D\u00e4mmerung, die dem Sonnenaufgang vorausgeht, die H\u00f6he des Tigerhills.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tibetanische Diener waren vom Hotel vorausgeschickt worden. Ein gro\u00dfer Holzsto\u00df war angez\u00fcndet worden, aber das Holz war na\u00df und rauchte mehr als es brannte. Der Schnee war im Umkreis des Feuers weggeschmolzen. Wir versuchten, unsere vom Reiten erstarrten F\u00fc\u00dfe beim Feuer zu w\u00e4rmen, umwanderten stampfend den qualmenden Holzsto\u00df, vertrieben uns die Zeit mit Teetrinken und warteten auf die ersten Zeichen des Sonnenaufgangs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einmal sagte jemand neben mir: \u201eDas\u00a0ist der Schmetterlingsh\u00e4ndler!\u201c Der Genannte war ein Deutsch-Engl\u00e4nder aus Darjeeling, der einen tibetanischen Antiquit\u00e4tenladen dort hatte und zugleich einen Handel mit Himalajaschmetterlingen trieb, von denen er die sch\u00f6nsten Exemplare auf Bestellung nach Europa sandte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie der Mann auf den Tigerhill gekommen, ob er uns auf einer Nachtreise aus dem Inneren des Gebirges begegnet war, oder ob er die Reisegesellschaft von Darjeeling aus begleitet hatte, wu\u00dfte ich nicht. Ich dachte nur im selben Augenblick, wie ich das Wort \u201eSchmetterlingsh\u00e4ndler\u201c h\u00f6rte, an die seltsame Trommel, die ich in seinem Laden zwei Tage vorher gekauft hatte; eine Trommel, angefertigt aus den Hirnschalen zweier Menschen, aus der Hirnschale eines Mannes und aus der eines Weibes. Jede Schalenh\u00f6hle war mit einer Membrane \u00fcberzogen; an der W\u00f6lbung aber waren die beiden Gehirnschalen zusammengeschwei\u00dft, so da\u00df sie zwei kleine Trommeln bildeten. Sch\u00fcttelte man diese, so schlug in jeder Sch\u00e4delh\u00f6hle eine kleine, hinter der Membrane eingesperrte Elfenbeinkugel an die Sch\u00e4delwand und an die Membrane und trommelte unausgesetzt. Der Schmetterlingsh\u00e4ndler hatte mir erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch habe diese Trommel von einem tibetanischen Priester in einem tibetanischen Tempel gekauft. Es sind die Sch\u00e4delschalen eines treulosen Mannes und eines treulosen Weibes. Diese Trommel wurde t\u00e4glich zur Gebetstunde angeschlagen, denn die Treulosen sollen, ewig aneinander gekittet, im Tode keine Ruhe haben. Der Priester, der auf dem Leichenstein beim Tempel die Leichen zu zerschneiden und den V\u00f6geln hinzuwerfen hat, hat das Recht, die Sch\u00e4delschalen zweier, die die Treue gebrochen haben, nach dem Tode zu solchen Trommeln zu verarbeiten.\u201c \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfer M\u00fche hatte der Schmetterlingsh\u00e4ndler die Trommel aus dem Tempel erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machte es die d\u00fcnne hohe Gebirgsluft, da\u00df meine Ohren jetzt pl\u00f6tzlich aus allen finstern Himalajaabgr\u00fcnden ein Donnern h\u00f6rten, als seien die Bergschl\u00fcnde trommelnde Sch\u00e4delh\u00f6hlen von Ungetreuen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eH\u00f6ren Sie die Lawinen, die bei Sonnenaufgang sich von den Gletschern l\u00f6sen und in die Tiefe donnern?\u201c sagte ein Herr neben mir zu einer Dame. Dann war tiefe Stille. Keine Teetasse klapperte, kein Schritt im Schnee knirschte mehr. Die Pferde spitzten die Ohren\u00a0und schnupperten. Dr\u00fcben im Nebel, \u00fcber einem tageweiten Abgrund, erschien der fleischige Arm eines Riesen, die rosige fleischige Brust einer Frau, Nacken, Schultern, H\u00fcften in gigantischen Dimensionen. Es waren die Umrisse des Mount Everest und des Kantschindschanga, die wie ein nacktes Riesenpaar h\u00f6her als der Mond im Himmel lagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Sonne,\u201c fl\u00fcsterte eine Dame.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sah \u00fcber meine Schulter von den Bergen fort und entdeckte eine rote gl\u00fchende Lawine, die sich auf Nebelfeldern kaum merklich fortrollte und gr\u00f6\u00dfer und r\u00f6ter wurde, \u2013 die Sonne. Wie eine gro\u00dfe rote Sintflut gab sie den Gletschern Blut und machte den Schnee zu Fleisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im selben Augenblick, mitten in diesem feierlichsten Augenblick des Sonnenaufgangs, nahm jemand meine Hand, f\u00fchrte meine Finger in eine Westentasche und sagte: Wo ist das Amulett, das du gestern kauftest? Sehen die gro\u00dfen fleischfarbenen Gletscher dort nicht aus wie die M\u00e4nner- und die Frauenfigur deines Amuletts, das du der Tibetfrau gestern abkauftest?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Amulett war nicht in meiner Westentasche. Aber das Geld, das ich daf\u00fcr bezahlt\u00a0hatte, die drei gro\u00dfen Silberst\u00fccke, befand sich wieder in meiner Westentasche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gedanke an das Amulett hatte meine Hand in die Westentasche geschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hat jetzt laut gelacht? Alle Gesichter sahen sich nach mir um. Es wurde mir unheimlich vor mir selbst. Wie ich meinen Pelzrock ge\u00f6ffnet hatte, um das Amulett zu suchen, stieg mir aus der Kleiderw\u00e4rme wieder jener geheimnisvolle Blumengeruch entgegen. Aber jetzt bei der aufgehenden Sonne, in der Schneefrische des Morgens, erkannte ich in dem Geruch ein bet\u00e4ubendes tibetanisches Tempelr\u00e4ucherwerk, das, in gro\u00dfen Massen eingeatmet, einschl\u00e4fert und Visionen verschafft, und dieser Geruch steckte noch von der Nacht her in meinen Kleidern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Pferder\u00fccken vorhin war mir schon der Geruch stark in die Nase gestiegen. Ich selbst war aber noch zu sehr von der Schlafzimmerluft bet\u00e4ubt gewesen, um seinen Ursprung zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt wandte ich mich mit einem energischen Ruck an den Schmetterlingsh\u00e4ndler, um ihn zu fragen: \u201eGlauben Sie, da\u00df es Amulette gibt, die ihren Besitzern so teuer sind, da\u00df sie sie f\u00fcr nichts verkaufen w\u00fcrden? Glauben\u00a0Sie, dass, wenn ein tibetanisches Weib ein solches Amulett zuf\u00e4llig von sich geschleudert h\u00e4tte, es alle Listen seiner listigen Natur anwenden w\u00fcrde, um das Amulett wieder zu erhalten? Glauben Sie, da\u00df es durch Hintert\u00fcren in die H\u00e4user eindringen w\u00fcrde und sich nicht scheuen w\u00fcrde ein Fenster einzusto\u00dfen, um das Amulett zu erhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie werden mir sagen: \u201aDas zerbrechende Fenster w\u00fcrde jedermann wecken!\u2018 Aber ich sage Ihnen: Man kann zugleich durch das zerbrochene Fenster eine lebende Fledermaus ins Zimmer werfen, die die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und nicht den Gedanken aufkommen l\u00e4\u00dft, da\u00df ein Mensch mit Absicht das Fenster zerschlagen h\u00e4tte. Bet\u00e4ubt man dann noch durch eine R\u00e4ucherstange den im Zimmer Anwesenden, so ist es ein leichtes, nachher mit dem Arm durch die zerbrochene Fensterscheibe in das Zimmer zu langen, den Fensterknopf von innen aufzudr\u00fccken, durchs ge\u00f6ffnete Fenster vom Balkon hineinzusteigen, das verlorene Amulett zu suchen, zu finden und, wenn eine Kaufsumme daf\u00fcr hergegeben war, das Geld wieder hinzulegen und das Amulett mitzunehmen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles dieses wollte ich mit energischem Entschlu\u00df\u00a0den Schmetterlingsh\u00e4ndler jetzt fragen. Ich \u00f6ffnete den Mund. Aber die Worte, die ich sprechen wollte, verwandelten sich in Atemrauch, und ich h\u00f6rte in meinen Ohren, da\u00df ich sagte: \u201eWenn Sie wieder einige seltene Exemplare von Himalajaschmetterlingen haben, k\u00f6nnen Sie mir dieselben an meine Adresse nach Europa senden.\u201c Dabei nahm ich aus meiner Westentasche dasselbe Silbergeld, womit ich gestern schon das Amulett bezahlt hatte, und bezahlte im voraus den Preis f\u00fcr drei Schmetterlinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte nichts mehr gesprochen. Die Sonne war bald wieder in Nebeln verschwunden, und wir ritten im Tageslicht, das aber mehr dem Mondlicht glich, an den nebelnden Abgr\u00fcnden zur\u00fcck nach Darjeeling.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Amulett fand ich nicht mehr. Es war nicht auf meinem Tisch zu Hause im Hotelzimmer, nicht in meinen Taschen, nicht in meinen Koffern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erinnerte mich jetzt, da\u00df, als ich gestern abend nach dem Diner durch die Billards\u00e4le zu den Spielzimmern gegangen war, wo die befrackten Herren und die dekolletierten Damen an den gr\u00fcnen Spieltischen vor den lodernden Kaminen sa\u00dfen, mich einen Augenblick\u00a0eine Sehnsucht gepackt hatte, fortzukommen aus den europ\u00e4ischen S\u00e4len, die man hier in Asien sogar noch hoch im Himalaja f\u00fcr verw\u00f6hnte Million\u00e4re und Milliard\u00e4re hingestellt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war dann auf die breite Hotelterrasse hinausgetreten und hatte dem Hexenspiel der rollenden Bergnebel \u00fcber den Schluchten zugesehen und den Sternen, die \u00fcber den bewegten Nebeln zu tanzen schienen. Dann fielen ein paar Regentropfen, mit Schneeflocken untermischt, aus fortfl\u00fcchtenden Nebelwellen, die um den Mond kreiselten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich wieder ins Hotel zur\u00fcckgehen wollte, war mir, als s\u00e4he ich ein gro\u00dfes Tier unter der Terrassenbr\u00fcstung um die Hausecke laufen. Gestern abend hatte ich gedacht, es sei ein Hund. Jetzt wu\u00dfte ich aber, da\u00df es ein Mensch gewesen, der auf allen vieren ging, eine Frau, wahrscheinlich die Frau, deren Amulett ich besa\u00df, die w\u00e4hrend der ganzen Nacht um das Hotel geschlichen war, und die sich mit aller List das Amulett aus meinem Zimmer von meinem Tisch geholt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies bedachte ich jetzt nach der R\u00fcckkunft vom Mondscheinritt im Hotel und sehnte mich, mit jemandem dar\u00fcber zu sprechen.\u00a0Aber meine europ\u00e4ischen Reisegef\u00e4hrten schienen mir alle zu banal, als da\u00df ich Lust gehabt h\u00e4tte, sie in die Mystik dieses Nachterlebnisses einzuweihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachmittags um drei Uhr sollte mein Zug abgehen, der mich zum Abend wieder hinunter in die Kaffeeg\u00e4rten und Zuckerrohrpflanzungen Indiens bringen w\u00fcrde, und der am n\u00e4chsten Morgen mit mir in Kalkutta eintreffen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zum Bergbahnhof konnte ich mich nicht enthalten, die Rikscha am Laden des Schmetterlingsh\u00e4ndlers warten zu lassen. Ich stieg aus. Als ich die Ladent\u00fcre \u00f6ffnen will, wird seltsamerweise dieselbe schon von Innen aufgemacht, und an mir vorbei l\u00e4uft ein tibetanisches Weib heraus. Ich h\u00e4tte aber die Frau kaum wiedererkannt, da mir alle Tibetanerinnen untereinander so \u00e4hnlich schienen, sowie auch die Neger und Chinesen f\u00fcr den Europ\u00e4er immer einander \u00e4hnlich sehen, h\u00e4tte die Frau nicht mit einer heftig erschrockenen Bewegung in die Brustfalten ihres Mantelrockes gegriffen, als wolle sie dort etwas besch\u00fctzen, was ich ihr h\u00e4tte entrei\u00dfen k\u00f6nnen. Mir schien, als ob sie hohl\u00e4ugiger und blasser w\u00e4re als am Tage vorher. Laut mit sich selbst\u00a0sprechend und mit den Ellenbogen in die Luft fuchtelnd, als m\u00fc\u00dfte sie hundert H\u00e4nde abwehren, die sich nach ihr streckten, st\u00fcrzte sie die Bergstra\u00dfe hinunter fort, begleitet vom Gel\u00e4chter meiner Rikschaschieber, welche das Gebaren der Frau noch sonderbarer fanden als ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laden kam ich nicht dazu, dem Schmetterlingsh\u00e4ndler vom Amulett zu sprechen, denn ehe ich noch den Mund \u00f6ffnen konnte, zeigte er mir in einem geschnitzten K\u00e4stchen einen aufgespie\u00dften sogenannten Handfl\u00e4chenschmetterling. Jene Frau hatte ihm eben den seltenen Schmetterling verkauft. Er wurde in einem K\u00e4stchen aus Kampferholz aufbewahrt, denn der Geruch dieses Holzes sch\u00fctzt die Schmetterlinge gegen zerst\u00f6rende Witterungseinfl\u00fcsse. Durch Generationen hindurch kann man einen solchen Schmetterling im Kampferholz bei vollem Glanz erhalten. Auch diese Frau hatte den Schmetterling schon lange als ein Erbst\u00fcck ihrer Familie besessen. Warum sie ihn verkaufen wollte, da er doch unbezahlbar war, konnte der Schmetterlingsh\u00e4ndler nicht begreifen, denn ein Handfl\u00e4chenschmetterling wird alle hundert Jahre einmal im Gebirge gefunden. Auf seinen Fl\u00fcgeln\u00a0sind dunkle Linien, deren Zeichnung den Linien in der Handfl\u00e4che einer Menschenhand gleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDiese Frau,\u201c sagte der Schmetterlingsh\u00e4ndler, \u201emu\u00df vielleicht f\u00fcr irgendeine eingebildete Schuld ein Tempelopfer bringen, da sie mit einem solchen Schmetterling ihren besten Familienschatz verkauft, um Opfergeld zu erlangen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erstand den Schmetterling. Und kaum hatte ich ihn in H\u00e4nden, so wurde mir auch, ohne da\u00df ich fragte, eine Erkl\u00e4rung \u00fcber meinen Amulettverlust zuteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schmetterlingsh\u00e4ndler erz\u00e4hlte mir, da\u00df jene Frau eine sogenannte \u201eewige Witwe\u201c sei, eine von jenen, die ihre Wangen nicht mit Ochsenblut bemalen und nicht mehr das Verlangen haben, einen anderen Mann als den Gestorbenen zu lieben. Um aber auch des Toten sicher zu sein, da\u00df dieser ihr im n\u00e4chsten Leben treu wird, wie sie ihm treu sein will, tr\u00e4gt eine solche Frau an einer unzerrei\u00dfbaren Darmseite ein Amulett an der Brust, welches ein Menschenpaar darstellt. Wenn die Witwe aber dieses Amulett verliert, \u2013 denn ein Amulett wird eine Frau nie verkaufen, \u2013 hat sie damit die Treue des Toten\u00a0verloren und wird ihren Geliebten im n\u00e4chsten Leben nicht wieder finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solches Amulett wird niemals verkauft, und sollte es verloren gehen, so setzt eine jede tibetanische Frau ihr Leben daran, um das kostbare Amulett der Treue wieder zu erhalten. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend dieses Nachmittags, als ich im Zug sa\u00df und in die finsteren Abgr\u00fcnde des Himalaja hinunterfuhr, sah ich im Dampf, der aus der Lokomotive kam, und der in den Dschungelw\u00e4ldern und an den Urwald\u00e4sten h\u00e4ngen blieb, hunderte Male die Gestalt jener ewigen Witwe, wie sie bald geb\u00fcckt und geduckt suchte, und wie sie aufgerichtet forttanzte \u00fcber die Urwaldwipfel, wie sie die Arme an die Brust dr\u00fcckte und nach dem Amulett f\u00fchlte, das ihr die Treue und die Liebe ihres Geliebten im n\u00e4chsten Leben versprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann, als es dunkel wurde und ich drau\u00dfen keinen Wald und keinen Dampf mehr sah, betrachtete ich lange bei der tr\u00fcben Wagenlampe den gro\u00dfen Handfl\u00e4chenschmetterling in dem Kampferk\u00e4stchen, dessen Linien so verschlungen sind wie die Schicksalslinien in den Handfl\u00e4chen der Menschen und dessen\u00a0Linien in dunkle Nachtr\u00e4nder auslaufen, in unergr\u00fcndliche Finsternisse, \u00e4hnlich den Himalajaabgr\u00fcnden, die voll Finsternis und Aberglauben drau\u00dfen dicht bei den Schienengeleisen der Bergbahn drohten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-86434 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-560x751.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-260x348.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-160x214.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey.jpg 764w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von Farben und T\u00f6nen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik machte Dauthendey zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland. Seine Werke sind bestimmt von der Liebe zur Natur und deren \u00c4sthetik. Mit virtuoser Sprachbegabung setzte er seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr sinnenhafte Eindr\u00fccke in impressionistische Wortkunstwerke um. Bereits seine erste Gedichtsammlung von 1893 mit dem Titel \u201eUltra-Violett\u201c l\u00e4sst die Ans\u00e4tze einer impressionistischen Bildkraft erkennen, die dichterisch gestaltete Wahrnehmung von Farben, D\u00fcften, T\u00f6nen und Stimmungen offenbart. In seiner sp\u00e4teren Natur- und Liebenslyrik steigerte sich dies bis zur Verherrlichung des Sinnenhaften und Erotischen und traf sich mit seiner Philosophie, die das Leben und die Welt als Fest, als panpsychische \u201eWeltfestlichkeit\u201c begriff. Rilke bezeichnete ihn als einen \u201eunserer sinnlichsten Dichter, in einem fast \u00f6stlichen Begriffe\u201c.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das ist der Fluch und zugleich die Wollust des Reisens, da\u00df es dir Orte, die dir vorher in der Unendlichkeit und in der Unerreichbarkeit lagen, endlich und erreichbar macht. Diese Endlichkeit und Erreichbarkeit zieht dir aber geistige Grenzen, die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/07\/25\/himalajafinsternis\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":225,"featured_media":100190,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3011],"class_list":["post-86556","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-max-dauthendey"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/225"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100656,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86556\/revisions\/100656"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100190"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}