{"id":86548,"date":"2003-08-29T00:01:41","date_gmt":"2003-08-28T22:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=86548"},"modified":"2022-07-20T13:24:10","modified_gmt":"2022-07-20T11:24:10","slug":"zwei-reiter-am-meer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/08\/29\/zwei-reiter-am-meer\/","title":{"rendered":"Zwei Reiter am Meer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span id=\"131\" class=\"pagenum\" title=\"Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu\/132\"><\/span>Einige G\u00e4ste erhoben sich und verabschiedeten sich von der in Trauer gekleideten Hausfrau und vom Hausherrn, der die Abschiednehmenden durch die Diele zum Vorzimmer begleitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Herr und ich waren allein die Letzten in dem gro\u00dfen Bibliothekzimmer, wo wir nach dem Abendessen, zu dem wir geladen gewesen, alle um einen runden Mahagonitisch beim Licht einer gr\u00fcnverschleierten elektrischen H\u00e4ngelampe plaudernd gesessen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte mich an diesem Abend nicht viel am Gespr\u00e4ch beteiligen k\u00f6nnen. Die weitge\u00f6ffneten T\u00fcren in die erleuchteten Nebenr\u00e4ume, in das Musikzimmer, in den Speisesaal und in das Teezimmer, in denen \u00fcberall sanftes Licht und eine unendliche Ruhe sich ausbreiteten, hatten meine Gedanken immer weiter von mir fortgezogen, und es war mir, als st\u00fcnde mein Stuhl nicht im Bibliothekzimmer\u00a0eines vornehmen Landhauses drau\u00dfen im Waldh\u00e4userviertel am Rande einer Weltstadt, sondern am Rande eines Weltteils stand ich und sah auf ein Weltmeer, auf einen grauen Ozean, dessen Wasserlinie in der Ferne zu Himmelswolken wurde, zu Nebelbrodem; und nur in weiten Abst\u00e4nden warf manches Mal eine langgezogene Strandwelle eine wei\u00dfe Spr\u00fchschaumwolke in die Luft. Nur diese eine gro\u00dfe Wellenzuckung zeigte Leben auf jenem Wasserweltteil. Sonst waren Himmel und Wasserfl\u00e4che atemlos ausgebreitet und verschwanden weit drau\u00dfen im Nichts der Unendlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor mir aber, ganz nahe am Wasserrand im D\u00fcnensande, lebte das rassige Gliederspiel zweier vor\u00fcberschreitender Reitpferde, die von zwei Menschen geritten wurden, die ich aber nicht n\u00e4her beachtete, weil vorerst nur die beiden Pferde und das einheitliche ungeheuerliche Weltalleben von Meer und Himmel meine Aufmerksamkeit anzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glanz von den Flanken der spiegelglatten Tiere und hie und da der Glanz im Meer, der von den weithin streichenden Linienwellen angeregt auf- und abzuckte, machten Pferde und Reiter wie zu Spiegelgebilden,\u00a0zu Schattent\u00e4nzern vor dem weiten Luft- und Wasserraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein hoheitsvolles Schreiten in den Beinen und Fesseln der spielend und t\u00e4nzelnd auftretenden Pferdegestalten. Es war wie ein Musizieren in der Luft, ein gaukelndes T\u00f6nespiel in der adligen Beweglichkeit der Tiere, als m\u00fc\u00dften das Meer und der Himmel zu einem riesigen Instrument werden, auf dem Melodien geboren wurden beim rhythmischen Vorw\u00e4rtsschreiten beider Reitpferde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kam mir nicht zum Bewu\u00dftsein, da\u00df der lautlose D\u00fcnensand alle Ger\u00e4usche verschlucken k\u00f6nnte. Auch der Sand, schien mir, wurde zu rieselnden T\u00f6nen unter der Ber\u00fchrung der zierlichen und rassigen Glieder der Pferde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Weltall um die Reitenden t\u00f6nte bald ged\u00e4mpft jauchzend auf, bald klang es schneidend weh zu mir her wie die Ger\u00e4usche der langen schneidenden Linien der flachen Strandwellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Bild, das ich so lebendig sah, das Bild der zwei Reiter am Meer, hing im n\u00e4chsten Zimmer, im Musiksaal, in goldenem Rahmen \u00fcber dem Fl\u00fcgel. Ich konnte es vom Bibliothekzimmer aus nicht mehr sehen, aber das Bild kam immer wieder zu mir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hausherr hatte mich, als wir nach dem Abendessen aus dem Speisesaal kamen, auf das Bild, das ihm das Lieblingsgem\u00e4lde seines Hauses war, aufmerksam gemacht. Und ich hatte mich einen Augenblick auf eine Sessellehne gest\u00fctzt und hatte meinen K\u00f6rper am Sessel verlassen und war mit meinem Geist durch den Rahmen des Bildes aus dem Haus, aus dem Land weit fort gegangen und an den Meerrand getreten. Als wir dann sp\u00e4ter im Bibliothekzimmer um den runden Tisch sa\u00dfen, war es, wie ich es eben beschrieb. Das Bild kam immer wieder zu mir. Es hob die W\u00e4nde der Zimmer fort. Die Ruhe der beleuchteten Nebens\u00e4le wurde zur Ruhe des Weltmeeres, das ged\u00e4mpfte Licht in den R\u00e4umen zur Ruhe des Himmelslichtes \u00fcber den Urwassern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wu\u00dfte ich, als ich mechanisch aufgestanden war und der Hausherr mit einigen G\u00e4sten das Zimmer verlie\u00df, bald nicht mehr, was Wirklichkeit und was Unwirklichkeit war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es stand eine weite ged\u00e4mpfte Festlichkeit um mich, von der ich mich halb nicht trennen konnte, und halb wieder getrennt f\u00fchlte, da diese Festlichkeit nicht mir geh\u00f6rte. Denn es war die Festlichkeit der Schmerz und Freude ausgleichenden Todesstunde, die aus den\u00a0Zimmern dieses Hauses noch nicht gewichen war, die den Alltagsr\u00e4umen eine h\u00f6here Verkl\u00e4rung hatte geben k\u00f6nnen, als es sonst hier laute Feste vermocht hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war in demselben Hause vor Jahren zu einem gro\u00dfen Abendfest gewesen, aber die erlesen geschm\u00fcckten Frauen und geistesgewandten M\u00e4nner hatten bei Tanzschritten, Witz und Fr\u00f6hlichkeit, bei Wein und Musik keine \u00e4hnliche Gr\u00f6\u00dfe der Festlichkeit schaffen k\u00f6nnen, keine \u00e4hnliche Erh\u00f6hung des Hauses, wie es jetzt ein einziger Mensch getan, ein junger Mensch, der einzige Sohn, der durch seinen Todesschritt das Haus an den Rand der Unendlichkeit gestellt hatte. Wie diesem war es nur dem K\u00fcnstler gelungen, das Haus fortzuheben, ihm, der jenes Gem\u00e4lde geschaffen, das nicht blo\u00df \u00fcber dem Fl\u00fcgel im Nebenzimmer hing, sondern das die Kraft hatte, Haus und Beschauer an das Erdende zu entr\u00fccken, dorthin, wo das Reich der fliehenden Wasser, das menschenleere Reich der Ozeane beginnt, darauf der Mensch nur zeitweiliger Gast sein, aber nicht Fu\u00df fassen kann, wo ihn Tiefe und Weite verschl\u00e4ngen, wenn er die Grenze von der Wirklichkeit zum Nichts \u00fcberschreiten w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich stand noch unschl\u00fcssig, \u00fcberlegend, ob ich den G\u00e4sten, die gegangen waren, folgen sollte, oder ob ich noch bei der Todesfestlichkeit, die in diesen R\u00e4umen lag und mich anzog, verweilen durfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gestorbene war ein junger Musiker gewesen. Dr\u00fcben am Fl\u00fcgel hatten Mutter und Sohn oft Stunden verbracht, wenn sie sang, was der junge Mann erdacht; wenn er ihr vorspielte, was die Stimme seiner J\u00fcnglingsgef\u00fchle, seines J\u00fcnglingsernstes und seiner J\u00fcnglingseinsamkeit auft\u00f6nen lassen mu\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damals waren beider Herzen, das der Mutter und das des Sohnes, wie die zwei Reiter am Meer gewesen, deren Pferde im gleichen Takt schritten, und die melodisch vor der Unendlichkeit des Himmels und des Meeres, vor der Zukunft und vor der Vergangenheit hinzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun war die Einheit zerrissen. Die zarte und zierliche, tief getroffene Mutter stand noch fassungslos vor dem unfa\u00dfbaren Schmerz. Die Melodie der Einheit war abgebrochen. Das Leben gab keinen Klang mehr als den des Schluchzens. Schluchzen noch nachts in den Tr\u00e4umen, Schluchzen morgens beim Erwachen,\u00a0Schluchzen am Tage beim Schreiten durch die lautlosen R\u00e4ume des Hauses und durch den noch lautloseren Raum des eigenen Herzens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Sommertagen war der junge Mann noch Leben und Lebenslust gewesen. Dann war er erkrankt. Seine Lunge fieberte. Die Sprache, seine Stimme, starb zuerst. Dann entglitt der Blick, die Augen erl\u00f6schten, und der warme K\u00f6rper, den die Mutter umschlang, entfremdete sich selbst dem Mutterherzen und verschwand in der K\u00e4lte des Todes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun waren Monate vergangen. Niemals mehr hatte die Mutter den Fl\u00fcgel im Musikzimmer \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Sie hatte den Sohn immer noch begraben m\u00fcssen, den Gestorbenen immer wieder begraben. Sie hatte noch nicht die Kraft gehabt, den Sohn verkl\u00e4rt vor sich auferstehen zu lassen. Aber alles Abschiednehmen mu\u00df von einem Wiederkommen abgel\u00f6st werden. Auf die Trennung, die das Sterben bringt, folgt die Wiederkehr, die Stunde der Auferstehung. Das Leben l\u00e4\u00dft sich nicht bis ins Unendliche begraben, auch das tote Leben nicht. Auch im Tod ist ein Wellenschlag. Das Land hat seine Berge und H\u00fcgel, das Meer seine Wellen und Wogen,\u00a0der Himmel seine Wolken und seine Gl\u00e4tte. Und auch das vergangene Leben hat sein Gehen und Wiederkehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesem Abend war mir unbewu\u00dft klar geworden: der Tote war zu seiner Mutter und zu seinem Vater verkl\u00e4rt wiedergekehrt. Er war wieder auferstanden in den R\u00e4umen des Hauses. Der junge Mann stand neben uns und wollte uns von seiner \u00dcbersinnlichkeit einen Ausdruck geben. Seine Todeswelle, raumloser als die r\u00e4umlichen Wellen, die wir Lebenden f\u00fchlen, wollte sich vor uns verk\u00f6rpern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser feierliche Schauder ber\u00fchrte mich noch, als die trauernde Frau des Hauses zu mir sagte und auf den Gast deutete, der au\u00dfer mir noch im Zimmer geblieben war:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie gehen doch noch nicht? Ich dachte, wir wollten heute abend noch ein wenig Musik h\u00f6ren. Sie wissen, es ist seit Monaten kein Ton in diesem Hause gespielt worden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Mann, den sie zum Spielen aufforderte, war ein sehr feiner, k\u00fcnstlerisch ernster und gewandter Klavierspieler. Er spielte uns dann gute Werke gro\u00dfer Komponisten vor, verabschiedete sich aber bald.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich jedoch hielt eine Spannung fest, eine\u00a0Erwartung, eine Sehnsucht nach der Verk\u00f6rperung der \u00fcberirdischen Festlichkeit des Todes, die mich in diesen R\u00e4umen nicht verlie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Klavierlampen brannten noch am offenstehenden Fl\u00fcgel. Unweit von mir auf einem kleinen Damenschreibtisch stand die Photographie des jungen Verstorbenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen vor den wei\u00dfverschleierten Fenstern des Hauses lehnte das Schweigen des dunkeln Gartens, des dunkeln Waldes. Ich wu\u00dfte, die Nachtlandschaft drau\u00dfen war schneelos und winterlich d\u00fcster. Es war Februar, und das Grab des Toten lag fern irgendwo in einem der m\u00e4chtigen Gro\u00dfstadtfriedh\u00f6fe. Und jenes Grab unterschied sich in nichts von der Wintererde und in nichts von den andern Millionen Grabh\u00fcgeln, die \u00fcberall auf der Welt jahraus, jahrein hervorwachsen, die im Sommer begr\u00fcnt sind wie die W\u00e4lder und Wiesen und im Winter verlassen scheinen wie die W\u00e4lder und Wiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Geist der Toten aber lebt Sommer und Winter in einer verkl\u00e4rten Jahreszeit, die wir auf Erden nicht kennen, die sich aber auf uns herabsenkt, wenn sich ein Toter uns mitteilen will. Beim Gemisch der eisigen Wellen des Toten und der W\u00e4rmewellen unseres\u00a0Herzens entsteht jene schauers\u00fc\u00dfe Stimmung, in der wir fr\u00f6stelnd f\u00fchlen, der Tote ist auferstanden und kehrt verkl\u00e4rt bei uns ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wagte unter dem Bann dieser Stimmung die Frage an die trauernde Mutter, ob sie nicht ein Lied ihres verstorbenen Sohnes singen oder ein Musikst\u00fcck von ihm spielen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie l\u00e4chelte schmerzlich und ging zum Fl\u00fcgel. Aber als wenn sie sich selbst vom gleichen Wunsch zum Klavier hingezogen gef\u00fchlt h\u00e4tte, schien sie mir dabei freudiger im Gang, von einer verhaltenen Freude umgeben. Allein im Hause, h\u00e4tte sie es vielleicht nicht gewagt, jetzt schon vor dem Vater des Verstorbenen Lieder und T\u00f6ne aufleben zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Trauernde sich zwischen die zwei hellen verschleierten Lampen an den schwarzgl\u00e4nzenden Fl\u00fcgel setzte und ihre schwarz eingeh\u00fcllten schmalen Schultern sich von den schneewei\u00dfen T\u00fcllvorh\u00e4ngen abhoben, die senkrecht vor den Fenstern hinter ihr herabhingen, da war es mir noch nicht gewi\u00df, ob Leben aus dem Fl\u00fcgel erwachen w\u00fcrde. Ich mu\u00dfte immer noch denken, da\u00df diese in tiefe Trauer geh\u00fcllte Mutter den Sohn immer noch begrub. Der Fl\u00fcgel vor ihr wurde mir wie zum gl\u00e4nzend schwarzen Sarg,\u00a0an dem sie sich, wie mir schien, niederlassen mu\u00dfte, um zu schluchzen, um zu weinen und zu begraben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wu\u00dfte nicht, ob die Trauernde schon reif war, den Toten auferstehen zu lassen, in jener Verkl\u00e4rung, in der ich als Fremder ihn bereits in den R\u00e4umen eingetreten f\u00fchlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00fcrde mich nicht verwundert haben, wenn die noch schwer Ersch\u00fctterte nach den ersten T\u00f6nen das Spiel abgebrochen und ihr Gesicht in die H\u00e4nde vergraben h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber sie war reif zum Empfang des Zur\u00fcckkehrenden. Mit einem wunderbaren Mut, als \u00fcberschritte sie selbst freudig die Schwelle vom Leben zum Tod, entlockte sie dem Fl\u00fcgel die alten Wohllaute, die nur ihr vertrauten einsamen J\u00fcnglingsgef\u00fchle des Sohnes, die m\u00e4nnlich junge Lust und die m\u00e4nnlich jungen Zweifel, die einst in ihm gerungen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und als sie eines der letzten seiner Lieder sang, geschah vor meinen Augen das Wunderbare: die reife sch\u00f6ne Frau sang sich an den jugendlichen Weisen ihres Sohnes zur eigenen fr\u00fchesten Jugend zur\u00fcck. Und ihr Frauengesicht wurde m\u00e4dchenhaft, aller Entt\u00e4uschungen bar. M\u00e4dchenhaft gl\u00e4ubig und vertrauend\u00a0wurden die Augen beim Aus- und Einatmen der Musik. Die Vergr\u00e4mte verkl\u00e4rte sich unter der Verkl\u00e4rung des Toten. Und ich sah Mutter und Sohn auf zwei gro\u00dfen, \u00fcberweltlich gro\u00dfen, jugendlichen Rossen, von denen jedes die Verk\u00f6rperung eines Schicksals zu sein schien, am Meer der Unendlichkeit hinreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehe ich beide dort heute noch und in Ewigkeit als zwei Reiter am ungeheuren Meer am Rand der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn ich in neuen Stunden und in anderen R\u00e4umen dieser Frau wiederbegegnen werde, sie wird f\u00fcr mich immer die vom Todesschmerz m\u00e4dchenhaft verkl\u00e4rte Mutter sein, die, auf der Linie zwischen Leben und Tod, lebender in der Entr\u00fcckung auflebt als im Irdischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-86434 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-560x751.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-260x348.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey-160x214.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Max-Dauthendey.jpg 764w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von Farben und T\u00f6nen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik machte Dauthendey zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland. Seine Werke sind bestimmt von der Liebe zur Natur und deren \u00c4sthetik. Mit virtuoser Sprachbegabung setzte er seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr sinnenhafte Eindr\u00fccke in impressionistische Wortkunstwerke um. Bereits seine erste Gedichtsammlung von 1893 mit dem Titel \u201eUltra-Violett\u201c l\u00e4sst die Ans\u00e4tze einer impressionistischen Bildkraft erkennen, die dichterisch gestaltete Wahrnehmung von Farben, D\u00fcften, T\u00f6nen und Stimmungen offenbart. In seiner sp\u00e4teren Natur- und Liebenslyrik steigerte sich dies bis zur Verherrlichung des Sinnenhaften und Erotischen und traf sich mit seiner Philosophie, die das Leben und die Welt als Fest, als panpsychische \u201eWeltfestlichkeit\u201c begriff. Rilke bezeichnete ihn als einen \u201eunserer sinnlichsten Dichter, in einem fast \u00f6stlichen Begriffe\u201c.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Einige G\u00e4ste erhoben sich und verabschiedeten sich von der in Trauer gekleideten Hausfrau und vom Hausherrn, der die Abschiednehmenden durch die Diele zum Vorzimmer begleitete. 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