{"id":86456,"date":"1989-01-29T00:01:11","date_gmt":"1989-01-28T23:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=86456"},"modified":"2022-02-24T14:15:42","modified_gmt":"2022-02-24T13:15:42","slug":"die-stunde-stirbt-wie-in-dem-wind-die-frucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/29\/die-stunde-stirbt-wie-in-dem-wind-die-frucht\/","title":{"rendered":"Die Stunde stirbt wie in dem Wind die Frucht"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es rollen die \u00c4pfel Dir vor die F\u00fc\u00dfe am Weg,<\/p>\n<p>Augustwind bl\u00e4st mit vollen, warmen Backen,<\/p>\n<p>Die \u00c4hren stehen struppig, gelb und tr\u00e4g,<\/p>\n<p>Und Wolken wandern, wie Berge mit gl\u00e4sernen Zacken.<\/p>\n<p>Mein Haus liegt dort unter den gl\u00e4sernen Bergen<\/p>\n<p>Und atmet Menschen ein und atmet Menschen aus.<\/p>\n<p>Tage wie Riesen, Tage gleich den Zwergen<\/p>\n<p>Trafen sich oft um Mitternacht am Haus.<\/p>\n<p>Des Windes Fahne rauscht am Dach vor\u00fcber,<\/p>\n<p>Die Sommerstund enteilt auf blauem Kahne,<\/p>\n<p>Die Gl\u00e4serberge werden matt und tr\u00fcber,<\/p>\n<p>Und keine Stunde, ob ich sie auch mahne,<\/p>\n<p>Stillt ganz der Sehnsucht ewige Lebenswunde.<\/p>\n<p>Die Stunde stirbt, wie in dem Wind die Frucht,<\/p>\n<p>Und wenn nicht Liebe sie vertraut umwirbt,<\/p>\n<p>Die Stunde, wie der Apfel an dem Weg, verdirbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-100190\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Max_Dauthendey-e1645708408981.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von Farben und T\u00f6nen bestimmte ungebundene und rhythmische Lyrik machte Dauthendey zu einem der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus in Deutschland. Seine Werke sind bestimmt von der Liebe zur Natur und deren \u00c4sthetik. Mit virtuoser Sprachbegabung setzte er seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr sinnenhafte Eindr\u00fccke in impressionistische Wortkunstwerke um. Bereits seine erste Gedichtsammlung von 1893 mit dem Titel \u201eUltra-Violett\u201c l\u00e4sst die Ans\u00e4tze einer impressionistischen Bildkraft erkennen, die dichterisch gestaltete Wahrnehmung von Farben, D\u00fcften, T\u00f6nen und Stimmungen offenbart. In seiner sp\u00e4teren Natur- und Liebenslyrik steigerte sich dies bis zur Verherrlichung des Sinnenhaften und Erotischen und traf sich mit seiner Philosophie, die das Leben und die Welt als Fest, als panpsychische \u201eWeltfestlichkeit\u201c begriff. Rilke bezeichnete ihn als einen \u201eunserer sinnlichsten Dichter, in einem fast \u00f6stlichen Begriffe\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Es rollen die \u00c4pfel Dir vor die F\u00fc\u00dfe am Weg, Augustwind bl\u00e4st mit vollen, warmen Backen, Die \u00c4hren stehen struppig, gelb und tr\u00e4g, Und Wolken wandern, wie Berge mit gl\u00e4sernen Zacken. 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