{"id":86266,"date":"1994-03-31T00:01:19","date_gmt":"1994-03-30T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=86266"},"modified":"2026-01-10T14:35:28","modified_gmt":"2026-01-10T13:35:28","slug":"wahrhaft-kolossal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/03\/31\/wahrhaft-kolossal\/","title":{"rendered":"Wahrhaft Kolossal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Wer ein Blues-Rock-Album als Klassiker h\u00f6ren will, kommt um &#8222;Colosseum Live&#8220; nicht herum, es ist eines der explosivsten Livealben aus einer Zeit, in der sich das dargebotene noch nicht eindeutig etikettieren lies.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein R\u00fcckblick k\u00f6nnte aufkl\u00e4ren. Colosseum wurde 1968 vom Schlagzeuger Jon Hiseman und dem Saxophonisten Dick Heckstall-Amith gegr\u00fcndet, beide Musiker hatten zuvor bei der Graham Bond Organisation gespielt hatten. Wenn der britische Blues einen Paten hat, dann ist es einerseits Graham Bond, der dem R&amp;B eine wilde Hammondorgel bescherte und die klassischen Kl\u00e4nge einf\u00fchrte. Die Musiker spielten ebenfalls bei Alexis Korner, dem Vater des britischen Blues oder bei John Mayall, der gleichfalls den europ\u00e4ischen \u201ewei\u00dfen\u201c Blues popularisiert hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">It started with the blues\u2026 und m\u00fcndet in suitenartigen Kompositionen<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Bandgr\u00fcndung brachte Hiseman die ihm schon aus Schulzeiten bekannten Dave Greenlade und Tony Reeves mit ein. Zusammen testeten sie zahlreiche Gitarristen und S\u00e4nger und entschieden sich f\u00fcr James Litherland (von <em>James Litherland\u2019s Brotherhood<\/em>). Hiseman gewann den Musik-Produzenten Gerry Bron f\u00fcr die Produktion der Alben und die Organisation der Auftritte. Innerhalb kurzer Zeit wurde Colosseum mit suitenartigen Kompositionen, die Jazz, Rock, Blues und klassische Elemente fusionierten, bekannt. In der Tradition von Rahsaan Roland Kirk spielte Heckstall-Smith zuweilen zwei Saxophone simultan. Das vielschichtige instrumentale Spektrum wurde 1970 durch den Rhythm \u2019n\u2019 Blues S\u00e4nger Chris Farlowe sinnf\u00e4llig erweitert, nachdem bereits im Oktober 1969 David \u201eClem\u201c Clempson als Gitarrist in die Band geholt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Durch das unabl\u00e4ssige Touren hatte sich die Band eingegroovt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Album <em>Colosseum Live<\/em> wurde an der Manchester University und dem Big Apple in Brighton eingespielt. Zu den H\u00f6hepunkten der Zusammenstellung geh\u00f6ren nicht zuletzt die Coverversionen, wobei Colosseum immer sehr freim\u00fctig mit Kompositionen anderer umgegangen sind: Mike Gibbs\u2019 <em>Tanglewood \u201863\u2019<\/em>, T-Bone Walkers <em>Stormy Monday<\/em>, <em>Rope Ladder to the Moon<\/em> aus Cream-Bassist Jack Bruces Solowerk und Graham Bonds <em>Walking in the Park<\/em>. Als weitere H\u00f6hepunkte lassen sich selbstverst\u00e4ndlich das unwiderstehliche <em>Lost Angeles<\/em> nennen. Bis auf <em>Walking In The Park<\/em>, dem Opener ihres Deb\u00fctalbums, war keines der St\u00fccke vorher auf einem der UK-Studioalben zu h\u00f6ren gewesen. Zwei Songs \u2013 <em>Rope Ladder To The Moon<\/em> und <em>Lost Angeles<\/em> \u2013 hatten es immerhin in kurzen Studioversionen auf das US-Album The Grass Is Greener geschafft. In der Live-Fassung jedoch waren sie nun auf die etwa dreifache L\u00e4nge angewachsen und besa\u00dfen einen v\u00f6llig neuen, entfesselten Charakter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Album <em>Colosseum Live<\/em> gilt als Diamant der Rockgeschichte, es ist eines der besten, eigenst\u00e4ndigsten, explosivsten Livealben s\u00e4mtlicher Genres. Es dokumentiert den wohl h\u00f6chsten Entwicklungsstand der Gruppe. Bedauerlicherweise l\u00f6ste sich Colosseum im November 1971 auf. Das pl\u00f6tzliche Ende erh\u00f6hte jedoch den Legendenstatus der Platte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Colosseum Live, <\/strong>1971<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-106107 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/03\/Colosseum_Live_Cover.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/03\/Colosseum_Live_Cover.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/03\/Colosseum_Live_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/03\/Colosseum_Live_Cover-160x160.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Der Musikkritiker Ben Watson bezeichnet Zappas Mothers of Invention als <em>\u201epolitisch wirksamste musikalische Kraft seit Bertolt Brecht und Kurt Weill\u201c<\/em> wegen deren radikalem, aktuellen Bezug auf die negativen Aspekte der Massengesellschaft. So besehen war <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/12\/05\/der-letzte-amerikanische-nonkonformist\/\">Frank Zappa<\/a> neben Carla Bleys\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/10\/17\/eine-chronotransduction\/\"><em>Escalator Over The Hill<\/em><\/a> einer der bedeutendsten und pr\u00e4gendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Die Komponistin f\u00fchrt uns vor Ohren, dass Improvisation ein gesellschaftspolitisches Idealmodell ist. Andere Nebenwege starten mit der Graham Bond Organisation, dem Blues\u2026 und diese Abwege m\u00fcnden in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/03\/17\/wahrhaft-kolossal\/\">suitenartigen Kompositionen<\/a>. Musikalisch konnte man seinerzeit auch Traffic nicht genau einordnen. &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/12\/26\/extraimpoldation\/\"><em>Extrapolation<\/em><\/a> gilt heute als eines der klassischen Alben des britischen Jazz, auf dem \u201eJazz und Rock paradigmatisch fusioniert\u201c werden.&#8220;, schrieb Ulrich Kurth. Das Album d\u00fcrfte neben Hot Rats von FZ f\u00fcr den Beginn des Jazz-Rock stehen.Es ist eine einzigartige Fusion so vieler unterschiedlicher Stile, was die eine H\u00e4lfte der Freude ausmacht; die andere H\u00e4lfte ist das Mysterium, wie es die Combo mit den wechselnden Besetzungen von Anfang bis Ende so wunderbar hinbekommt. Wenn man bedenkt, wie frei von allen Konventionen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/25\/der-canterbury-sound\/\">Soft Machine<\/a> aus Canterbury klang, seit sie den Titel des Cut-up-Romans von William S. Burroughs angenommen hatte, h\u00e4tte der Pate ihre Hinwendung zu den sich wandelnden Jazzformen zu Beginn der 1970er Jahre wahrscheinlich begr\u00fc\u00dft. Fast alles, woran Steve Winwood beteiligt war, hatte etwas f\u00fcr sich, aber in all den Jahren hatte er seine besten Momente mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/06\/unangestrengte-laessigkeit\/\">Traffic<\/a>, mit zeitlichem Abstand l\u00e4sst sich h\u00f6ren, wie gut diese Musik gealtert ist. Zu h\u00f6ren ist auch auf \u201eBitches Brew\u201c ein kollektives Musizieren, das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/03\/30\/jazzrock-wer-hats-erfunden\/\">Miles Davis<\/a> als einen Komponisten erweist, der individuelle Freiheit mit respektvollem Zuh\u00f6ren vereint. Aus dem schillernden Klangbild der Lounge Lizards brechen reizvolle Statements hervor. Anton Fier belebt ein groovendes Energiefeld mit abstrakter Vieldeutigkeit. Spannend sind John Luries freidenkerische Dekonstruktionen der Jazz-Strukturen; <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/03\/30\/fake-jazz-2\/\">Fake Jazz<\/a> erscheint pl\u00f6tzlich als das Eigentliche!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ein Blues-Rock-Album als Klassiker h\u00f6ren will, kommt um &#8222;Colosseum Live&#8220; nicht herum, es ist eines der explosivsten Livealben aus einer Zeit, in der sich das dargebotene noch nicht eindeutig etikettieren lies. Ein R\u00fcckblick k\u00f6nnte aufkl\u00e4ren. 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