{"id":8621,"date":"2012-11-02T00:36:31","date_gmt":"2012-11-01T23:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8621"},"modified":"2021-12-07T05:34:15","modified_gmt":"2021-12-07T04:34:15","slug":"idylle-mit-bruch-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/02\/idylle-mit-bruch-2\/","title":{"rendered":"Idylle mit Bruch"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im Titel seines neuen (insgesamt dritten) Lyrikbandes verdeutlicht G\u00fcnter Helmig, was er mit seiner Lyrik beabsichtigt. 1941 mitten in den Krieg hineingeboren und auch in den Jahren danach durch harte Realit\u00e4ten gepr\u00e4gt, hat der Autor es offensichtlich gelernt, Idyllen zu misstrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit muss ein Symbol verromantisierter heiler Welt \u2013 die Mondsichel \u2013 selbstverst\u00e4ndlich \u00a0kentern. Und Schiffbruch auf hoher See kann immerhin das Lebensende bedeuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beinahe alle seine Gedichte, es sind in diesem Band insgesamt 87,\u00a0 die in \u00fcber 16 Jahren entstanden, folgen mehr oder weniger dieser Machart und sollen offenbar vor naiver Zukunftsgl\u00e4ubigkeit bewahren. Allerdings ger\u00e4t ihm das nirgendwo zur Masche, und an keiner Stelle dieses Buches wird gar warnend ein drohender Zeigefinger erhoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Helmig gelingt es, seine Leser unter anderem mit wundersch\u00f6nen Landschaftsbildern zu verf\u00fchren, ihm in eine heile Welt zu folgen. Diese stellt sich am Ende, ohne dass er dabei in einen depressiv-klagenden Tonfall verf\u00e4llt, immer wieder als sch\u00f6ne Scheinwelt heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201e<em>muschel an meinen ohr<\/em> l\u00e4sst die <em>brandung alter meere<\/em>, aber auch <em>kriegsgeschrei<\/em> h\u00f6ren, und wenn de<em>r<\/em>\u00a0<em>wind verstummt<\/em>, erz\u00e4hlen <em>gr\u00e4berfelder<\/em> von Kriegstoten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Helmig kann im \u00fcbrigen den begeisterten Hobby-Fotografen nicht verleugnen. So leiten f\u00fcnf seiner stimmungsvollen Fotos die jeweiligen Kapitel des Buches ein. Und als Kamera gewohnter Augenmensch malt er mit Worten zumeist gro\u00dfformatige Bilder, in denen er schlie\u00dflich auf die eigentlich wichtigen Kleinigkeiten aufmerksam macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei kann der \u201edicke rote\u201c Zeh der Performance-K\u00fcnstlerin beim Auftritt w\u00e4hrend einer Vernissage hervorragend von jener Langeweile ablenken, die solche Ausstellungser\u00f6ffnungen nicht selten beherrschen. Und wie erfahrene Besucher von Vernissagen l\u00e4ngst wissen, ist das Verhalten des Publikums (<em style=\"text-align: justify;\">bart mit sakko und sekt<\/em>) dort zumeist ohnehin interessanter als die ausgestellten Kunstobjekte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wortbilder des Autors sind stets verst\u00e4ndlich und doch niemals banal oder gar abgegriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er l\u00e4dt die Leser ein, ihn auf seinen Reisen \u2013 vor allem auch auf solche in des Autors Innenwelten \u2013 zu begleiten. Spazierg\u00e4nge in der n\u00e4heren Umgebung seiner Heimat (Bergisch Gladbach) f\u00fchren zudem gelegentlich in Vergangenheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So \u201eschieben\u201c \u201ehundert fenster\u201c von \u201eschloss bensberg\u201c \u201eunter scharfem blick\u201c die \u201ebrauen hoch\u201c und zwingen dem Besucher jene stramme Haltung auf, die dort einst Soldaten und nationalsozialistische Elitesch\u00fcler einzunehmen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch bei allem gebotenen Ernst lassen andere Texte weder einen Schuss Humor noch versteckte Erotik vermissen und geben dem Lesestoff die f\u00fcr lyrische Genie\u00dfer notwendige W\u00fcrze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit\u00a0<em>mondsichelkentern<\/em> gelingt G\u00fcnter Helmig ein Lyrikband, der weit mehr ist als nur ein lyrisches Tagebuch. Hier hat ein Zeitzeuge unter anderem niedergeschrieben, was sich in Geschichtsb\u00fcchern leider kaum findet: Gef\u00fchle, die das Alltagsleben widerspiegeln, wie viele Menschen es kennen und kannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Buch, welches abgeneigten Lesern beweisen k\u00f6nnte, dass zeitgen\u00f6ssische Gedichte nicht unbedingt eine unzug\u00e4ngliche Literatur sein m\u00fcssen, deren Verst\u00e4ndnis ausschlie\u00dflich lyrikbegeisterten Minderheiten vorbehalten ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/attachment1-197x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8626\" title=\"attachment1-197x300\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/attachment1-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"270\" \/><\/a><strong>mondsichelkentern<\/strong>, Gedichte von G\u00fcnter Helmig, 113 Seiten, \u20ac 11,80<\/span><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #000000;\">, B\u00fccken &amp; Sulzer Verlag, Overath-Witten 2012.<\/span><strong><br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Schon im Titel seines neuen (insgesamt dritten) Lyrikbandes verdeutlicht G\u00fcnter Helmig, was er mit seiner Lyrik beabsichtigt. 1941 mitten in den Krieg hineingeboren und auch in den Jahren danach durch harte Realit\u00e4ten gepr\u00e4gt, hat der Autor es offensichtlich gelernt,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/02\/idylle-mit-bruch-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":44595,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[923,368],"class_list":["post-8621","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-gunter-helmig","tag-karl-feldkamp"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8621"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8621\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}