{"id":85996,"date":"2000-12-04T00:01:58","date_gmt":"2000-12-03T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85996"},"modified":"2022-04-20T16:04:25","modified_gmt":"2022-04-20T14:04:25","slug":"h-c-artmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/12\/04\/h-c-artmann\/","title":{"rendered":"Einer Erinnerung an H.C. Artmann"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">Den Artmann braucht man nicht vorzustellen, d\u00fcrfte das auch gar nicht m\u00fcssen, jedes Schulkind m\u00fc\u00dfte eigentlich ihn und seine Gedichte kennen, zumindest am Ende der Schulzeit; aber das ist bei unserem Bildungs- und Gesellschaftssystem und dessen Werten leider nicht der Fall. Ich traf nur ein paar Mal privat auf den Artmann. Das erste Mal bei einer Art Spontantheaterauff\u00fchrung in der Galerie Basilisk von Lingens und Kettner in der Sch\u00f6nlaterngasse in Wien. Worum es da genau ging, wei\u00df ich nicht mehr. Jedenfalls spielten \u201edie alten Hasen\u201c &#8211; der Konrad Bayer, der Gerhard R\u00fchm und der H.C. Artmann &#8211; auf einerprovisorischen B\u00fchne vor ausgew\u00e4hltem Publikum so etwas wie einen Sketch. Alle lachten, auch die Schauspieler-Dichter. Es war eine Hetz. Am meisten lachte der Doderer, der in der ersten Reihe sa\u00df und immer wieder begeistert klatschte. Das mu\u00df so um 1960 gewesen sein,als ich gerade nach Wien gekommen war. Das zweite Mal trafen wir bei einem Morgen-Kreis-Symposium in Ottenstein aufeinander. Ich fotografierte ihn, weil er ein so lustiges Kappel auf seinem Kopf hatte. Er war, glaub ich, nur auf einen ganz kurzen Besuch da, zumMittagessen, dann verschwand er wieder. Das dritte Mal traf ich auf ihn im Foyer des \u201eRonacher\u201c, als sich die beiden Roth-Zwillingsschwestern um ihn dr\u00e4ngelten und von mir mit dem Artmann fotografiert werden wollten. Ich glaube, der Artmann wu\u00dfte gar nicht, wer die beiden Damen waren, aber die waren sehr attraktiv, und das gefiel ihm. Und so gestattete er mir, diese Szene zu fotografieren. Das war bei \u201eFest f\u00fcr H.C.Artmann\u201c; wann genau wei\u00df ich nicht mehr. Die vierte und letzte \u201eBegegnung\u201c war bei seiner Verabschiedungsfeier in der Feuerbestattungshalle am Wiener Zentralfriedhof. Ich stand seitlich am Rand der Halle, h\u00f6rte die Reden, dachte an das Artmann-Gedicht mit dem \u201eWiener Zentral\u201c und verabschiedete mich auch von diesem gro\u00dfen Dichter und Poeten und gebildeten Menschen H.C.Artmann, als der Sarg langsam durch eine \u00d6ffnung im Boden wie in ein Niemandsland hinab glitt und sich dann die beiden T\u00fcren wieder schlossen. Was \u00fcbrig blieb, war eine Trauergemeinde, Familie, Freunde, Kollegen, von denen dann viele ins nahe Wirtshaus gingen; ganz im Sinne von H.C.Artmann; denn er h\u00e4tte das in einem solchen Fall wahrscheinlich auch getan.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Den Artmann braucht man nicht vorzustellen, d\u00fcrfte das auch gar nicht m\u00fcssen, jedes Schulkind m\u00fc\u00dfte eigentlich ihn und seine Gedichte kennen, zumindest am Ende der Schulzeit; aber das ist bei unserem Bildungs- und Gesellschaftssystem und dessen Werten leider nicht&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/12\/04\/h-c-artmann\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":97941,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2956,1142],"class_list":["post-85996","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-h-c-artmann","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85996"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102768,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85996\/revisions\/102768"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}