{"id":85869,"date":"2022-06-16T00:01:02","date_gmt":"2022-06-15T22:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85869"},"modified":"2022-06-16T05:11:34","modified_gmt":"2022-06-16T03:11:34","slug":"jugendkulturwoche-1963","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/16\/jugendkulturwoche-1963\/","title":{"rendered":"Jugendkulturwoche 1963"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">D\u00fcnn, zerbrechlich, zart; mit langsamen, eleganten Bewegungen, einem L\u00e4cheln im Gesicht, freundlich und h\u00f6flich, kollegial. Dabei voller Wortwitz, Ironie, aber nie mit einem Sarkasmus, der verletzen h\u00e4tte k\u00f6nnen. Alles so hinterfragen, skizzieren, sichtbar machen, darstellen. Gedichte wie aus hellgrauer, schwebender Seide, die innerlichen, die nach innen gewandt sind oder von dorther kommen. Ansonsten scharfer Intellekt, hellwacher Verstand, allem zugewandt, was betrachtenswert ist, was nur auf den ersten Blick so zu sein scheint, wie es erscheint, aber nicht so ist. Extravagant gekleidet. Eine \u201eErscheinung\u201c. Eine Pers\u00f6nlichkeit. Emanzipiert, als Frau und als Mensch. Als j\u00fcdisches Kind hat sie, von HelferInnen und Rettern versteckt, in verschiedenen Unterk\u00fcnften in Wien \u00fcberlebt. Man denkt unwillk\u00fcrlich an Anne Frank. Die Elfriede Gerstl hatte Gl\u00fcck; oder mehr und anderes: eben Retter, mutige, gewissenhafte Menschen. Pr\u00e4gung f\u00fcr ein ganzes Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sitzen im schummrigen Dunkel, das von kleinen Tischl\u00e4mpchen und buntem Neonlicht sp\u00e4rlich erhellt wird, an einem kleinen Tisch an der Tanzfl\u00e4che in der \u201eSchindler-Bar\u201c in Innsbruck. Alles ist teuer, aber gut. Eine angenehme Atmosph\u00e4re. Dezente Musik einer Combo. Blues, Pat Boone-Songs; dann Boogie-Woogie, Charleston, Rumba, Cha-Cha-Cha und andere Rhythmen. Wir tanzen. Die Gerstl mit ihrem damaligen Mann Gerald Bisinger, dann ich mit der Gerstl. Wir waren jung, fr\u00f6hlich, unbeschwert; f\u00fcr alles und f\u00fcr andere offen. Das war in Innsbruck, bei der Jugendkulturwoche 1963.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter sind wir uns immer wieder da und dort begegnet. Stets hat sie freundlich gegr\u00fc\u00dft, mir zugenickt oder sogar die Hand gereicht, die ich vorsichtig genommen habe, als sei sie aus d\u00fcnnem Porzellan. \u201eWie geht es Dir? &#8211; hat sie manchmal gefragt; vor allem nachdem sie geh\u00f6rt hatte, da\u00df es mir nicht so gut gegangen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Rom habe ich erfahren, da\u00df sie verstorben ist; f\u00fcr mich v\u00f6llig \u00fcberraschend. Ich war traurig. Habe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/09\/schwebend-wie-ohne-gewicht\/\">ein Gedicht<\/a> \u00fcber sie zu ihrem Tod geschrieben. Habe an sie gedacht, als ich am Tiberufer spazierenging. Und die von mir geliebten Platanen ihre ersten gr\u00fcnen Bl\u00e4tter hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; D\u00fcnn, zerbrechlich, zart; mit langsamen, eleganten Bewegungen, einem L\u00e4cheln im Gesicht, freundlich und h\u00f6flich, kollegial. 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