{"id":85787,"date":"2003-07-16T00:01:15","date_gmt":"2003-07-15T22:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85787"},"modified":"2022-10-24T10:01:55","modified_gmt":"2022-10-24T08:01:55","slug":"begegnungsorte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/07\/16\/begegnungsorte\/","title":{"rendered":"Begegnungsorte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter \u201eBegegnungsorte\u201c verstehe ich nicht nur Orte im topographischen Sinn, sondern ich meine damit auch Orte und Gelegenheiten, die im Rahmen einer Gemeinschaft Begegnungen, Kontakte, Sich-Kennenlernen erm\u00f6glicht und oft Beziehungen oder sogar Freundschaften begr\u00fcndet haben. Solche Begegnungsorte k\u00f6nnen nat\u00fcrlich wie im urspr\u00fcnglichen Sinn des Wortes einen Ortsnamen haben, aber ebenso den einer Institution, einer Einrichtung, einer Veranstaltung. Es waren und sind immer auch Gemeinschaften, zu denen ich gesto\u00dfen bin und in die ich dann bei Gemeinschaftsbereitschaft auch integriert wurde. Ein wesentliches Moment dabei ist die Kontinuit\u00e4t, die durch die regelm\u00e4\u00dfige Wiederholung der Begegnungen entsteht und Vertrautheit erzeugt. Man kennt einander schon und wei\u00df, wer der oder die andere ist. Auch eine Gesinnungsgemeinschaft auf einer gemeinsamen Basis und das sich dadurch ergebende Einander-Verstehen auf einer einander verbindenden Ebene ist wichtig. Bei mir war all dies dadurch beg\u00fcnstigt, da\u00df ich jemand bin, der nicht verschlossen und in sich eingesperrt ist, sondern der offen auf die Menschen zugeht und ihnen sowohl mit Interesse als auch mit Vertrauen begegnet. Das macht wirkliche, echte und tiefere Begegnungen \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich. Aus solchen Begegnungen resultieren dann neue Begegnungsm\u00f6glichkeiten, soda\u00df sich daraus eine Kette von neuen Beziehungen bildet. \u00dcber Jahre und Jahrzehnte entsteht so eine Topographie, bei mir eine Liste, wann und wo ich mit wem gewesen bin. Auch meine dabei gemachten Fotos, oft Portr\u00e4tfotografien, sind nicht nur Relikte von solchen Begegnungen, sondern ebenso wichtige Erinnerungszeugnisse, an denen ich schlie\u00dflich meine Lebensepochen ablesen kann. Und aus all dem sind auch meine B\u00fccher in den verschiedensten Sprachen entstanden. Es ist ein Netz, das sich \u00fcber alles legt, mich und mein Leben mit eingeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine topographischen Erinnerungsorte haben die Namen: Drosendorf, Ottenstein, Pulkau, Fresach, Bratislava, Presov, Kosice, Prag, Slovenj Gradec, Maribor, Bled, Ljubljana, Zagreb, Dubrovnik, Hvar, Sarajevo, Mostar, Struga, Tetovo, Skopje, Sofia, Bukarest, St. Petersburg, Moskau, London, Paris, Br\u00fcssel, Rom, Hamburg, Magdeburg, Helsinki, Wroclaw\/Breslau, Warschau, Monasterevin, Dublin, Istanbul, Jerusalem, Budapest und immer wieder Wien. Davon zeugen die Publikationsorte meiner Gedichtb\u00e4nde und die Beschriftungen auf der R\u00fcckseite meiner Fotografien. Ausgebreitet liegen jetzt mit meinen siebzig Jahren die Ereignisse, Begegnungen, Erinnerungen an diese Orte, an Menschen, die ich dort getroffen habe und mit denen ich dort zusammengewesen bin, vor mir. Das ist sch\u00f6n, es bereichert mich, auch in meinen Erinnerungen, jetzt da ich \u00e4lter geworden bin; und diese Landkarte zeigt mir, was einmal gewesen ist, was einmal mit mir war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begegnungsorte in diesem Sinne waren f\u00fcr mich der \u00d6sterreichische P.E.N.-Club und der International PEN, denen ich von 1980-2010 angeh\u00f6rte, mit den vielen Veranstaltungen, Tagungen, Meetings, Konferenzen, Kongressen, die f\u00fcr mich eine wichtige Ebene waren, auf der ich mich bewegte und wo ich Kolleginnen und Kollegen aus vielen L\u00e4ndern kennenlernte. Immer wieder kam es da zu neuen Kontakten, zu wichtigen Begegnungen, es entstanden Beziehungen, oft \u00fcber viele Jahre hinweg, ja sogar echte Freundschaften, die mich mit manchen noch immer verbinden. Drehscheibe dieser Begegnungen war vor allem der slowenische, wundersch\u00f6n am See gelegene Ort Bled, gleich s\u00fcdlich der K\u00e4rntner Karawankengrenze. In diesem Ambiente und in der entspannten Atmosph\u00e4re, in die ich auch das Politische miteinbeziehen m\u00f6chte &#8211; Jugoslawien war ja ein blockfreier Staat und nicht beim Warschauer Pakt -, waren Begegnungen mit Personen m\u00f6glich, die es woanders in der Form nicht gegeben h\u00e4tte, nicht h\u00e4tte geben k\u00f6nnen, jedenfalls nicht zu dieser Zeit. Ich ging auf alle meine KollegInnen stets mit offenen Armen zu, gleichsam sie umarmend, ausgenommen gewisse Schriftsteller, denen ich nicht traute, weil ich sie eher einem (geheimen) Funktion\u00e4rskader als der Literatur zurechnete. Aber das nur so nebenbei. Da ich in den fr\u00fchen Sechzigerjahren schon das Land Jugoslawien kreuz und quer bereist hatte, mich in dem Land &#8211; jedenfalls geographisch und was die Balkanmentalit\u00e4t betrifft &#8211; ganz gut auskannte und auch etwas Serbokroatisch gelernt hatte, konnte ich mich dort gut bewegen. Ich war auch schon 1961 sowohl in Kroatien, Montenegro sowie in Bosnien-Herzegowina, in Mostar und Sarajevo, gewesen, sp\u00e4ter dann auch in Serbien und Makedonien, soda\u00df mir vieles, was anderen noch fremd war, wenigstens in der Kenntnis davon vertraut war. Auch mit der Sprache tat ich mich nicht schwer. Und egal aus welchem Land ein Kollege oder eine Kollegin stammten und welcher Ideologie sie anhingen, so sah ich doch zuerst einmal den Menschen, nicht einmal so sehr den Schriftsteller oder Intellektuellen und das, was immer er tat. Das erleichterte vieles, machte es m\u00f6glich. Und ein wichtiges Instrument meiner Kontakterschlie\u00dfung war auch mein Fotoapparat, den ich st\u00e4ndig bei mir hatte. Ich fotografierte alle, die ich traf und die es mir erlaubten; ich machte viele Portr\u00e4ts, die ich ihnen dann sp\u00e4ter schenkte. Dadurch bekam ich auch Namen und Adressen vieler. Und es entstanden Korrespondenzen zwischen uns. Bald war ich, egal ob bei PEN-Konferenzen in Dubrovnik, Helsinki, Prag oder Warschau, als Peter Paul, der Fotograf bekannt und als solcher gern gesehen und vielen vertraut. Man bedankte sich bei solchen Gelegenheiten auch gerne f\u00fcr die, wie sie alle sagten, wunderbaren Fotos, \u201edie besten, die je von ihnen gemacht worden waren\u201c. Das freute mich und erm\u00f6glichte weitere Kontakte. Es ist immer das Bild und nicht das Wort, das uns als erstes trifft und etwas aussagt \u00fcber einen Menschen. Denn, wie meine alte Mutter immer sagte: \u201eGeredet ist leicht was\u201c. Das Gesicht aber verbirgt nichts, in und aus ihm kann man viel mehr herauslesen, als man aus allen Gespr\u00e4chen heraush\u00f6ren kann und aus all den oft sowieso nur floskelhaft hingesagten Worten mitbekommt. So war und ist noch immer f\u00fcr mich der Fotoapparat ein Instrument nicht nur f\u00fcr das Abbilden, sondern auch f\u00fcr das damit verbundene intensive Schauen im Sinne eines Einblicks in eine Person; eine unvergleichliche Methode des Erkennens und der Erkenntnis. \u201eEin Bild sagt mehr als tausend Worte\u201c, hei\u00dft es im Volksmund. Und das stimmt auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zweiter wichtiger Begegnungsort war der legend\u00e4re \u201eMorgen-Kreis\u201c (1980-1990), der sich, ohne da\u00df er als solcher gegr\u00fcndet worden w\u00e4re, rund um den leider viel zu fr\u00fch verstorbenen ungarisch-\u00f6sterreichischen Schriftsteller, Kulturwissenschaftler, PEN-Pr\u00e4sidenten und Freimaurer Professor Gy\u00f6rgy Sebesty\u00e9n und die von ihm als Chefredakteur redigierte N\u00f6-Kulturzeitschrift \u201emorgen\u201c gebildet hatte. In diesem Morgen-Kreis und im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden einw\u00f6chigen Symposien, zuerst in Drosendorf, dann in Ottenstein in N\u00d6, trafen einander K\u00fcnstler und Wissenschaftler aus den verschiedensten Sparten und Fachgebieten, Intellektuelle und Weltverbesserer, in einer wunderbaren, freundschaftlichen Verbundenheit zum Gedankenaustausch \u00fcber Gegenwart und Zukunft. Dazu geh\u00f6rte dann als Begegnungsm\u00f6glichkeit der von mir gegr\u00fcndete \u201eMorgen-Kreis-Stammtisch\u201c im geschichtstr\u00e4chtigen Gasthaus \u201eZu den drei Hacken\u201c in der Singerstra\u00dfe in Wien, der an jedem Montag ab 19 Uhr stattfand und zu dem immer wieder neue Pers\u00f6nlichkeiten, auch aus dem Ausland, dazustie\u00dfen und miteinbezogen wurden. Es war eine wunderbare Gemeinschaft von in einer Art Wertegemeinschaft miteinander freundschaftlich verbundenen Gesinnungsgef\u00e4hrten. Etwas, das es f\u00fcr alle, die daran teilnahmen, wahrscheinlich so in ihrem Leben noch nie gegeben hatte. Mit Sebesty\u00e9ns Tod war dann alles zu Ende. Es gab keine gemeinsamen Treffen, keinen Gedankenaustausch, keine Beziehungen untereinander mehr; der Kreis der Freundschaft zerri\u00df. Und jeder war wieder allein. Wenn man nachher irgendwo aufeinander traf, dann sprach man von \u201edamals\u201c; wehm\u00fctig und dankbar. Und der Gy\u00f6rgy Sebesty\u00e9n, der es in unnachahmlicher Weise verstanden hatte, uns als \u201edie richtigen Leute\u201c, zusammenzubringen, war dann im Gespr\u00e4ch pl\u00f6tzlich wieder da, man erinnerte sich seiner, manchmal sogar mit einer gewissen Wehmut und Traurigkeit, aber stets in einem Gedenken der Freundschaft und Dankbarkeit. Was vom Morgen-Kreis \u00fcbriggeblieben war und in Freundschaft miteinander verbunden blieb, auch bis heute, das traf sich manchmal zu gewissen Anl\u00e4ssen, leider auch zu traurigen, wie zum Beispiel beim Begr\u00e4bnis unserer Freunde Alexander Sixtus von Reden und Kurt Kramer. Manchmal begegne ich noch einem oder einer vom Morgen-Kreis. Dann stellen wir fest, da\u00df seither zwar Jahrzehnte vergangen und wir \u00e4lter geworden sind, da\u00df aber diese Lebensverbundenheit in uns noch immer vorhanden ist. Also, lieber Sebesty\u00e9n, la\u00df Dir daf\u00fcr danken; in den Himmel hinauf oder wo immer Du sein magst. Auf jeden Fall bist und bleibst Du in unserer Erinnerung, solange wir leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer Begegnungsort war f\u00fcr mich der \u201eLiteraturkreis Podium\u201c, in dem sowohl Mitglieder des PEN als auch der GAV friedlich beisammen waren. Das war zu der Zeit nicht selbstverst\u00e4ndlich. Es gab sogar Momente, wo sich die beiden Lager und auch diverse Mitglieder prinzipiell mit Vorbehalten, ja sogar in einer gewissen Feindseligkeit, auf jeden Fall aber mit einem gewissen Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber standen. Im \u201ePodium\u201c war das nicht so, da war alles ausgeglichen, da z\u00e4hlte eine Mitgliedschaft bei einem anderen Verein nicht. Das \u201ePodium\u201c waren wir Podium-Leute. Aus und Schlu\u00df! Und auch da versammelten wir uns um einige Personen, die nicht nur unsere Kollegen und Kolleginnen, sondern als Gr\u00fcnder des Vereins auch unsere Mentoren und manche sogar unsere Freunde waren. Ich nenne nur ein paar Namen: Wilhelm Szabo, Alfred Gesswein, Alois Vogel, Christine Busta, Doris M\u00fchringer, Jeannie Ebner, Ilse Tielsch, Franz Richter, Albert Janetschek, Paul Wimmer, Hermann Jandl, Manfred Chobot, Peter Henisch, Helmut Peschina, Helmuth Niederle, Nils Jensen, Gottfried Stix. Ich bin seit drei\u00dfig Jahren Mitglied in diesem Verein. Wichtig waren vor allem die gleichnamige Zeitschrift, die Podium-Gedichtb\u00e4nde in der \u201eGrasl-Reihe\u201c, sp\u00e4ter die \u201ePodium-Portr\u00e4ts\u201c, waren die Lesungen, auch jene in der \u201eKleinen Galerie\u201c in Wien, waren die Symposien in Pulkau, wo der Alois Vogel wohnte; und wichtig war auch nicht zuletzt die Bindung an Nieder\u00f6sterreich und die Unterst\u00fctzung von dorther. Sch\u00f6n waren damals die Runden nach den Veranstaltungen in diversen Gasth\u00e4usern, wie zum Beispiel im \u201eKoranda\u201c in der Wollzeile, oder anderswo; in Gasth\u00e4usern, die es l\u00e4ngst nicht mehr gibt. Eine Gruppe engagierter Kolleginnen und Kollegen aber f\u00fchrt den Literaturkreis weiter, im alten Sinn aber mit frischem Wind; und vor allem mit viel Engagement und gro\u00dfem pers\u00f6nlichem Einsatz; ohne den geht n\u00e4mlich gar nichts!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begegnungsorte waren auch die \u201eStruga Poetry Evenings\u201c in Makedonien, an denen ich dreimal teilnahm (1982\/1983\/1989), sowie die \u201eSarajevo Poetry Days\u201c (1986\/1989\/1996) und die erste European Regional PEN-Conference in Sarajevo nach dem Krieg und der Belagerung dann im Jahr 2000. Ebenso die vielen Meetings in Kroatien, in Zagreb, Split und Dubrovnik. Dazu kamen noch die Schriftstellertreffen auf Schlo\u00df Budmerice, in Trencianske Teplice oder in Bratislava, bei denen ich mit dabei war. Vor allem aber war immer wieder Slowenien (Bled) die Drehscheibe f\u00fcr meine Kontakte, Begegnungen, Beziehungen. Aber auch Prag spielte eine wichtige Rolle. Und nicht zuletzt waren es andere internationale Meetings und die Weltkongresse des International PEN in St\u00e4dten wie Prag, Helsinki, Warschau und Wien. Von allen diesen Treffen gingen f\u00fcr mich Impulse aus. Viele der dort gekn\u00fcpften Kontakte, manche noch vor der sogenannten \u201eWende\u201c, also dem Zusammenbruch des Kommunismus und seiner Regime in Europa, wurden insofern fruchtbar, als meine Freunde und KollegInnen eine Br\u00fcckenfunktion in ihre L\u00e4nder durch Einladungen zu Aufenthalten und Regionalveranstaltungen dort (z.B. Monasterevin und Dublin) \u00fcbernahmen; auch in publizistischer Hinsicht, weil manche KollegInnen meine Gedichte \u00fcbersetzten und wir daraus ein Buchprojekt realisierten. Daher erkl\u00e4ren sich die vielen fremdsprachigen Publikationen meiner Lyrikb\u00e4nde. F\u00fcr \u00d6sterreich waren von Anfang an die internationalen Schriftstellertagungen in Fresach in K\u00e4rnten sowie die Morgen-Kreis-Treffen und die Podium Symposien in Pulkau in Nieder\u00f6sterreich f\u00fcr mich wichtig und ein Fenster zur (literarischen, zur k\u00fcnstlerischen) Au\u00dfenwelt \u00fcberhaupt. Meine Mitgliedschaften bei verschiedenen literarischen Vereinigungen wie dem \u00d6sterreichischen P.E.N.-Club, dem \u00d6sterreichischen Schriftstellerverband, dem Literaturkreis Podium, der europ\u00e4ischen Autorenvereinigung \u201eDie Kogge\u201c (Minden\/Deutschland) gab es ja eigentlich erst relativ sp\u00e4t, also da ich schon jenseits der Vierzig war. Vorher verkehrte ich, sowie auch sp\u00e4ter lange noch und dies bis heute, viel mehr in Kreisen der Bildenden Kunst. Die Theaterwissenschaft und \u00fcberhaupt meine Jahre an der Wiener Universit\u00e4t aber z\u00e4hlten gar nicht. Da war ich sowieso v\u00f6llig isoliert und bewegte mich auf f\u00fcr mich falschem Terrain. Ich war nicht zum Wissenschaftler geboren, der Umgang mit lebendigen Menschen entsprach mir viel mehr; und meine Gedichte waren sowieso eine \u201eRebellion gegen die Einsamkeit\u201c (Sebesty\u00e9n). Auch meine sieben Jahre als Leiter der Kleinen Galerie und Sekret\u00e4r der Gesellschaft der Kunstfreunde in Wien, w\u00e4hren der ich an die 150 Ausstellungen durchf\u00fchrte sowie die eigenen etwa hundert Fotoausstellungen im In- und Ausland waren im Grunde auch stets \u201eBegegnungsorte\u201c in dem Sinn, wie ich das meine. Immer war es der Kontakt mit den Menschen, der bei mir und in meinem Leben im Mittelpunkt stand, wobei es nicht so sehr um die Literatur ging, sondern um das Miteinander auf allen Gebieten, vor allem aber auf dem der menschlichen Begegnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte habe ich auf diese Weise viele Kollegen und Kolleginnen aus verschiedenen Kunstbereichen kennengelernt. Diese Kontakte, Begegnungen und Beziehungen haben mir einerseits einen guten \u00dcberblick weit \u00fcber regionale Begrenzungen hinaus gebracht, aber mich oft auch durch Freunde, denen ich heute noch herzlich daf\u00fcr danken will, in St\u00e4dte und L\u00e4nder gebracht, in die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen w\u00e4re, jedenfalls nicht auf solche Weise. Ich denke da nur an meine Aufenthalte in Moskau, Dublin, Dubrovnik, in Oulu und Helsinki, in Paris und London, in Sofia und Prag, in Ljubljana und Zagreb, in Struga, Ochrid und Skopje. Und immer wieder in meinem geliebten Land Bosnien-Herzegowina, in dem ich schon 1961 zum ersten Mal war. Nach all diesen Aufenthalten kam nach den Jugoslawienkriegen dann noch Polen hinzu. Und ein Abstecher nach Jerusalem und Tel Aviv sowie in die T\u00fcrkei, nach Istanbul, Izmir, Mersin. Immer wieder gab es auch Zusammentreffen in Wien. Wichtig waren f\u00fcr mich aber auch noch meine einmonatigen Stipendienaufenthalte in \u201emeinem\u201c geliebten Rom.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich heute (mit mehr als siebzig Jahren) auf all dies zur\u00fcckschaue, so begreife ich schlie\u00dflich doch, was und da\u00df dies mein Leben war und ist. Und ich bin allen dankbar, die mir das erm\u00f6glicht haben. Vor allem aber bin ich all jenen in Dankbarkeit verbunden, die mir in Offenheit begegnet sind und mich in herzlicher Freundschaft bei sich aufgenommen und mir das geschenkt haben, was f\u00fcr mich das Wichtigste im Leben ist: die menschliche Begegnung.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010 von Peter Paul Wiplinger, Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Unter \u201eBegegnungsorte\u201c verstehe ich nicht nur Orte im topographischen Sinn, sondern ich meine damit auch Orte und Gelegenheiten, die im Rahmen einer Gemeinschaft Begegnungen, Kontakte, Sich-Kennenlernen erm\u00f6glicht und oft Beziehungen oder sogar Freundschaften begr\u00fcndet haben. 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