{"id":85494,"date":"2010-02-21T00:01:13","date_gmt":"2010-02-20T23:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85494"},"modified":"2021-07-28T16:00:54","modified_gmt":"2021-07-28T14:00:54","slug":"epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/02\/21\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/","title":{"rendered":"Epilog zu  Schriftstellerbegegnungen 1960-2010"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr jede Begegnung und jedes gegenseitige Kennenlernen spielen Begegnungsm\u00f6glichkeiten, Begegnungsgelegenheiten, Begegnungsumst\u00e4nde, Begegnungsebenen, Begegnungsmittel u.a. eine in jedem Fall mitbestimmende, ja oft eine entscheidende Rolle. Unabdingbar aber ist die pers\u00f6nliche Bereitschaft, einander, dem anderen \u00fcberhaupt begegnen zu wollen. Daf\u00fcr mu\u00df man offen sein, auf den anderen und \u00fcberhaupt auf die Menschen zugehen. Man mu\u00df die Menschen m\u00f6gen, jedenfalls m\u00fcssen sie einen interessieren und man mu\u00df bereit sein, von sich etwas zu geben. Man mu\u00df neugierig sein und sich f\u00fcr Menschen und deren Denken und F\u00fchlen interessieren, sich ihnen ann\u00e4hern wollen und das auch lernen und es dann k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich bestimmt das eigene Wesen, das eigene Verhalten, ob dies \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist oder nicht. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch uninteressante, ja auch unsympathische Menschen. Denen wird man vielleicht eher ausweichen, als sich auf ein Gespr\u00e4ch mit ihnen einzulassen. Es mu\u00df einem klar sein und man mu\u00df akzeptieren, da\u00df man selbst auch nicht f\u00fcr alle Menschen immer einer ist, der vom anderen an sein Herz gedr\u00fcckt wird. Aber Begegnungen m\u00fcssen einen \u00fcberhaupt interessieren und erfreuen; ansonsten geht man dem anderen &#8211; wenn m\u00f6glich mit H\u00f6flichkeit &#8211; aus dem Weg. Mich jedenfalls haben Menschen immer interessiert, schon von Kindheit an; und da vorallem mir fremde Menschen, diese sogar mehr als jene, die ich ohnedies schon kannte, und die mich kannten oder meinten, mich zu kennen. \u201eAnyway!\u201c sagte an einer solchen Stelle immer Frau Dr. Melusine Spiler in Jerusalem, in Prag, in Wien. Und ich borge mir diese Floskel seither von ihr aus. Also das ist es eben auch: Man nimmt vom anderen etwas auf und mit, hinein in eigene Situationen, ins eigene Leben. Begegnungen hinterlassen Spuren, in einem selbst und im anderen. So sollte es jedenfalls sein. Begegnungen k\u00f6nnen zeitweilige oder l\u00e4nger anhaltende Beziehungen, Freundschaften, ja sogar Lebensfreundschaften begr\u00fcnden. Das macht dann das soziale Umfeld aus. Ich aber bleibe lieber bei meiner Sprache, verwende meine Begriffe. Anyway! Begegnungen und Beziehungen k\u00f6nnen etwas sehr Sch\u00f6nes, etwas Gutes, etwas Verbindendes, auch etwas Bindendes sein. \u201eIn Beziehung treten\u201c ist eine bekannte, etwas altmodische Formulierung, die aber genau das ausdr\u00fcckt und beschreibt, was bei einer Begegnung geschieht: Es ist, als betrete man einen anderen Raum. Das gilt f\u00fcr beide, f\u00fcr alle an einer Begegnung beteiligten Personen. Man betritt und durchschreitet R\u00e4ume, Ich-Du-R\u00e4ume, und h\u00e4lt sich darin auf. Begegnungen brauchen R\u00e4ume, in denen sie stattfinden k\u00f6nnen und in denen man sich aufhalten kann. Man selbst mu\u00df und auch der andere mu\u00df bereit sein, sich zu \u00f6ffnen. Der Meinungsaustausch geh\u00f6rt zu einer Begegnung genauso dazu wie Gef\u00fchle zuzulassen. Alles andere ist ein blo\u00dfes Sich-Verhalten, mehr nicht. Oberfl\u00e4chlichkeit ist ein Verhinderer von Begegnungen und von Selbstmitteilung. Aus der Fl\u00fcchtigkeit einer oft nur zuf\u00e4lligen Begegnung k\u00f6nnen sich Eindr\u00fccke wie Sedimente niedersetzen. Die Erinnerung ist wichtig; sp\u00e4ter. So wie bei dem, was ich hier festgehalten und niedergeschrieben habe. Ich bin all diesen Menschen dankbar, die mir begegnet sind, die sich auf mich eingelassen haben, die mich in meinem Leben begleitet haben und die sich mir gegen\u00fcber nicht verschlossen, sondern ge\u00f6ffnet haben. Ich erinnere mich ihrer in den weitaus meisten F\u00e4llen sehr gerne, vor allem auch jener, die nicht mehr leben; es sind deren viele. Jetzt, da ich \u00fcber sie geschrieben habe, sehe ich, wie reich eigentlich mein bisheriges Leben an Begegnungen war. Und ich habe hier ja nur \u00fcber Schriftstellerinnen und Schriftsteller, \u00fcber Berufskollegen geschrieben. Wenn ich so, jetzt zu meinem Siebziger, zur\u00fcckdenke, sehe ich mich in all den unz\u00e4hligen Ich-Du-R\u00e4umen wie ein Molek\u00fcl kreisen und herumtanzen. Vielleicht werde ich noch \u00fcber andere Begegnungen und Beziehungen, die zu meinem Leben geh\u00f6ren, schreiben. Jetzt ist es einstweilen genug. Hier ist ein kaleidoskopartiges, sehr subjektiv gestaltetes, kleines literarisches Lexikon entstanden, das Personen beschreibt, die mir begegnet sind; bei den verschiedensten Anl\u00e4ssen, zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichster Art und Weise. Aus diesen Schilderungen ist auch mein eigenes Ich herauszulesen. Und damit biete auch ich eine Begegnungsm\u00f6glichkeit mit mir. Ich lade dazu ein, diese Begegnungsr\u00e4ume hier zu mir betreten. An der T\u00fcr befindet sich kein Schild mit der Aufschrift \u201eEintritt verboten!\u201c. Nein, die T\u00fcren sind offen, f\u00fcr jede und f\u00fcr jeden, um den Raum der Begegnung betreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010, von Peter Paul Wiplinger. Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Phoro: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>.<\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; F\u00fcr jede Begegnung und jedes gegenseitige Kennenlernen spielen Begegnungsm\u00f6glichkeiten, Begegnungsgelegenheiten, Begegnungsumst\u00e4nde, Begegnungsebenen, Begegnungsmittel u.a. eine in jedem Fall mitbestimmende, ja oft eine entscheidende Rolle. Unabdingbar aber ist die pers\u00f6nliche Bereitschaft, einander, dem anderen \u00fcberhaupt begegnen zu wollen. 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