{"id":85479,"date":"2010-10-05T00:01:11","date_gmt":"2010-10-04T22:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85479"},"modified":"2021-06-08T09:55:04","modified_gmt":"2021-06-08T07:55:04","slug":"eine-erinnerung-an-gottfried-w-stix","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/05\/eine-erinnerung-an-gottfried-w-stix\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung an Gottfried W.\u00a0Stix"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Der jetzt \u00e4lteste Schriftsteller, den ich kennengelernt habe, ist der Friedl Stix. Mit ihm habe ich gestern telefoniert. Der wird &#8211; \u201eso Gott will\u201c, hat er gesagt &#8211; im April dieses Jahres 98 Jahre alt, also fast ein Jahrhundert. Ich w\u00fcnsche ihm sehr, da\u00df er den Hunderter schafft. Wir sind, so darf ich sagen, miteinander gut befreundet. Wir haben einiges gemeinsam, wovon wir auch bei unseren Telefonaten immer sprechen, n\u00e4mlich das Obere M\u00fchlviertel, konkret: Aigen am B\u00f6hmerwald, wo er so wie ich am Hagerberg Schi gefahren ist und in der Gro\u00dfen M\u00fchl gebadet hat. Und dann noch Rom, das wir beide sehr lieben und wo der Friedl an die f\u00fcnfzig Jahre als Lektor f\u00fcr \u00d6sterreichische Literatur an einer dortigen Universit\u00e4t gelehrt hat. Irgendwie hat es ihn nach Rom verschlagen. Vorher war er in den Abruzzen, hat sich dort versteckt; er war n\u00e4mlich von der Deutschen Wehrmacht desertiert. \u201eIch wollte nicht mehr mitmachen bei der ganzen Nazig\u2019schicht\u201c hat er mir das einmal begr\u00fcndet. Mutig, dachte ich; und sympathisch noch dazu. Antimilitarist. Das verbindet uns auch. Und dann noch eine Stadt sehr weit \u00f6stlich, heute in Polen, an der Grenze zur Ukraine, fr\u00fcher \u00f6sterreichisch, von der Architektur \u00fcber die Schule bis hin zur Verwaltung und zur bekannten Festung; eine Garnisonsstadt: Przemysl. An den \u201eTrotta\u201c dachte ich, als ich dort war und vor meiner Lesung in der Uni einen sch\u00f6nen Spaziergang machte. Ich habe auch zwei, drei Kirchen besucht; Kirchen, in denen der Sch\u00fcler Gottfried Stix, als er die dortige Volksschule besuchte, sicher oft gewesen ist. \u201eJa, das kenn\u2019 ich nat\u00fcrlich alles\u201c, hat er einmal zu mir gesagt. Zu seinem Neunziger haben wir einen gemeinsamen Spaziergang gemacht, drau\u00dfen in Sievering. Und da habe ich einige Fotos von ihm gemacht, so wie anschlie\u00dfend dann noch einige in seiner Bibliothek. Der Stix ist ein Haiku-Meister. Auch das verbindet uns: Die K\u00fcrze, die Knappheit, das Aufsp\u00fcren und Ausdr\u00fccken des Poetischen in ihr. Aber immer, wenn wir miteinander telefonieren, reden wir vom B\u00f6hmerwald, den wir beide nicht nur lieben, sondern dem wir uns zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, der uns auch gepr\u00e4gt hat. Das M\u00fchlviertel ist n\u00e4mlich eine Landschaft, die den Menschen in ganz besonderer Weise pr\u00e4gt, so da\u00df sich im Menschen etwas von der Landschaft widerspiegelt und wiederfindet. Das ist die Stille, das Schweigen, das Stillsein, die Liebe zum Leisen, anstatt zum Lauten; da\u00df man so leise ist, da\u00df man den Wind h\u00f6ren kann, wenn er \u00fcber die wogenden Felder und die Wipfel der B\u00e4ume streicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010, von Peter Paul Wiplinger. Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Phoro: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der jetzt \u00e4lteste Schriftsteller, den ich kennengelernt habe, ist der Friedl Stix. Mit ihm habe ich gestern telefoniert. Der wird &#8211; \u201eso Gott will\u201c, hat er gesagt &#8211; im April dieses Jahres 98 Jahre alt, also fast ein Jahrhundert.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/05\/eine-erinnerung-an-gottfried-w-stix\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":19169,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2954,1142],"class_list":["post-85479","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-gottfried-w-stix","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85479\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}