{"id":85447,"date":"2009-04-25T00:01:22","date_gmt":"2009-04-24T22:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=85447"},"modified":"2021-06-08T16:49:26","modified_gmt":"2021-06-08T14:49:26","slug":"heast-peter-paul-des-is-ka-spass-mit-dem-sterbm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/25\/heast-peter-paul-des-is-ka-spass-mit-dem-sterbm\/","title":{"rendered":"Heast, Peter Paul, des is ka Spa\u00df mit dem Sterbm!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Du jetzt von irgendwoher auf mich und Deinen Sarg, und darin auf Deine \u201esterbliche H\u00fclle\u201c, wie man das nennt, herabschaust, dann w\u00fcrdest Du vielleicht zu mir sagen: \u201eHeast, Peter Paul, des is ka Spa\u00df mit dem Sterbm! Vastehst, Jolly, des is wirklich ka Spa\u00df, obwohls zum Leben gh\u00f6rt!\u201c Und ich w\u00fcrde Dir &#8211; so wie ich das in fr\u00fcheren Zeiten oft getan habe \u2013 mitd en Worten antworten: \u201eLieber Fabian, ich pflichte Dir bei, ich glaub Dir das, ich mu\u00df Dir das glauben, weil ich ja &#8211; im Gegensatz zu Dir &#8211; noch keine Erfahrung damit habe.\u201c Undsogleich w\u00fcrdest Du in einen Dialog &#8211; selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrdest Du mir dabei erkl\u00e4ren, was bei den Griechen das Wort dialogos f\u00fcr eine Bedeutung gehabt hat &#8211; also Du w\u00fcrdest sogleich in einen Dialog ausreiten, der wiederum nach wenigen Augenblicken zu einem Monolog von Dir sich entwickeln w\u00fcrde, in dem Du mich dar\u00fcber belehren w\u00fcrdest, wie das alles in Wahrheit wirklich sei: das Wesen der Dinge, die Wahrnehmung, die Erfahrung, die Vorstellung, die Vorstellung von einer Erfahrung und einer Vorstellung usw. usw. Und wir w\u00e4ren sogleich mitten in einem philosophischen Gespr\u00e4ch, besser gesagt in einem Monolog von Dir, in einer Betrachtung, in einer professoralen aber unnachahmlich pers\u00f6nlichen Privatvorlesung von Dir \u00fcber den eigentlichen Zustand von Sein, Mensch und Welt. Und Du w\u00fcrdest Dich ereifern, fast bis zur Ersch\u00f6pfung, jedenfalls bis zu meiner, und dann w\u00fcrdest Du bei irgendeiner Stelle Deinen Monolog pl\u00f6tzlich abbrechen und dann irgendwann wiederum sagen: \u201eHeast, Peter Paul, so ist dos, vastehst, Jolly?!\u201c So habe ich Dich jedenfalls in Erinnerung, oft war es so, eigentlich fast immer, wenn wir zusammentrafen, da oder dort, und ein Glas Wein miteinander getrunken haben; Du bed\u00e4chtig, ich hastig und schnell. Sehr verschieden waren wir und doch einander in vielem \u00e4hnlich. \u00dcber so vieles, richtiger gesagt: \u00fcber das wenige wirklich Wichtige, \u00fcber das Grunds\u00e4tzliche von Mensch, Ding und Welt, waren wir uns einig, und in vielen anderen Detailfragen wiederum nicht. Aber jeder respektierte die Meinung des anderen, fast wie schicksalhaft, weil wir einander aber auch uns selbst als Person, als Pers\u00f6nlichkeit, als autonomes Individuum respektierten. Und weil wir Freunde waren, seit langer Zeit. Also, lieber Fabian, so gedenke ich nun mit ein paar Worten und in skizzierten Erinnerungsbildern Deiner Person und unserer Freundschaft. Ich hab Dich einfach gemocht. Wir waren auf eine seltsame Art und Weise einer dem anderen nahe; auch und vor allem in der letzten Zeit, in der so vieles &#8211; und somit auch unsere \u201eGespr\u00e4che\u201c -immer fragmentarischer wurde und manches bei und an Dir zunehmend eine immer skurrilere Form annahm, die von Dir selbst und nicht nur von Deinem Erscheinungsbild her gepr\u00e4gt war. Und so wurdest Du in vielem zwar immer eigenartiger und seltsamer, aber zugleich damit auch immer pers\u00f6nlicher, unverwechselbar. Du warst eine stadtbekannte Szenefigur, ohne da\u00df man Dich auf eine solche reduzieren durfte. Du liebtest das Besondere, ja mehr noch: Das Einmalige! \u201eAbsonderlich\u201c nannten das sogar manche; eben weil sie Dich nichtganz begriffen, sondern nur jene Seite sahen, die es bei Dir sicherlich auch in zunehmendem Ma\u00dfe gab. Wie und vor allem warum sollte man Dich in irgend eine Schablone zwanghaft einreihen, Dir eine Zugeh\u00f6rigkeit anh\u00e4ngen, die Du sowieso nicht gemocht, ja sogar sicherlich entschieden abgelehnt h\u00e4ttest und stets hast. Du wolltest diese Einmaligkeit von Dir selber haben, Du wolltest sie leben, ja sie verk\u00f6rpern, Du wolltest in ihr und mit ihr und durch sie das sein, was Du warst: Der Kulterer! L\u00e4chelst Du jetzt oder setzt Du schon wieder einmal an, um mir zu widersprechen. So genau wei\u00df ich das nicht. Es k\u00f6nnte ja auch sein, da\u00df Du -\u00fcbrigens so wie immer: seelenruhig, aber fest \u00fcberzeugt und doch zugleich fast g\u00fctig &#8211; sagenw\u00fcrdest: \u201eHeast, Peter Paul, heast Jolly, des ist ja olles sowieso gonz ondas, des mit mir, desmit mein Leben, des mit der Welt, des mit\u2019n Leben \u00fcberhaupt, des mit\u2019n Sterben und mid\u2019n Tod. I konn da davon nichts erz\u00e4hln, owa Du wirst es schon noch selber sehn.\u201c Lieber Kulterer, lieber Fabian, ich glaub Dir das. Oder lassen wir es einstweilen einfach so stehen wie es f\u00fcr jeden von uns beiden jetzt ist; f\u00fcr mich hier und f\u00fcr Dich dort, wo immer Du jetzt\u00a0bist oder sein magst. Ich gr\u00fc\u00dfe Dich und sage Dir einstweilen ein herzliches \u201eAuf Wiedersehen! Bis zum n\u00e4chsten Mal, da oder dort, vielleicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schriftstellerbegegnungen<\/strong> 1960-2010, von Peter Paul Wiplinger. Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"size-medium wp-image-19169\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt dieses <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/28\/ein-geflecht-aus-perspektiven-und-eindruecken\/\">Geflecht aus Perspektiven und Eindr\u00fccken<\/a>. Weitere Ausk\u00fcnfte gibt der Autor im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/02\/24\/epilog-zu-schriftstellerbegegnungen-1960-2010\/\">Epilog<\/a> zu den <em>Schriftstellerbegegnungen<\/em>.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Die <em>Kulturnotizen<\/em> (KUNO) setzen die Reihe Kollegengespr\u00e4che in loser Folge ab 2011 fort. So z.B. mit dem vertiefenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> von A.J. Weigoni mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. Druck und Papier, manche Traditionen gehen eben nicht verloren.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wenn Du jetzt von irgendwoher auf mich und Deinen Sarg, und darin auf Deine \u201esterbliche H\u00fclle\u201c, wie man das nennt, herabschaust, dann w\u00fcrdest Du vielleicht zu mir sagen: \u201eHeast, Peter Paul, des is ka Spa\u00df mit dem Sterbm! Vastehst,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/04\/25\/heast-peter-paul-des-is-ka-spass-mit-dem-sterbm\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":19169,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2948,1142],"class_list":["post-85447","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-fabian-kulterer","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85447","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85447"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85447\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85447"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85447"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85447"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}