{"id":84548,"date":"2011-01-11T00:01:44","date_gmt":"2011-01-10T23:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=84548"},"modified":"2021-05-24T05:33:54","modified_gmt":"2021-05-24T03:33:54","slug":"weltende-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/01\/11\/weltende-2\/","title":{"rendered":"Weltende"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem B\u00fcrger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,<\/p>\n<p>In allen L\u00fcften hallt es wie Geschrei.<\/p>\n<p>Dachdecker st\u00fcrzen ab und gehn entzwei<\/p>\n<p>Und an den K\u00fcsten \u2013 liest man \u2013 steigt die Flut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen<\/p>\n<p>An Land, um dicke D\u00e4mme zu zerdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.<\/p>\n<p>Die Eisenbahnen fallen von den Br\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">***<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-84551 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis-204x300.jpg 204w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis-260x382.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis-160x235.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/Jacob_van_Hoddis.jpg 374w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a>Dieses Gedicht<i> <\/i>wurde am 11. Januar 1911 in der Berliner Zeitschrift <i>Der Demokrat<\/i> erstmals ver\u00f6ffentlicht. In dieser Zeit waren die Ansichten des Impressionismus noch weit verbreitet, das Gedicht markiert somit einen neuen Abschnitt in der Literaturgeschichte.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Formal ist das Gedicht konventionell gehalten. Es besteht aus zwei jeweils vierzeiligen Strophen. Das Metrum in der ersten Strophe besteht aus einem jambischen F\u00fcnfheber und weist einen umschlie\u00dfenden Reim (abba) auf. Die zweite Strophe besteht ebenfalls aus jambischen F\u00fcnfhebern, die jedoch hyperkatalektisch mit weiblicher Kadenz sind. Ein weiterer Unterschied zur ersten Strophe ist der Kreuzreim (abab), der entsprechend der Kadenz weiblich, also zweisilbig ist. Die Verse stehen unverbunden hintereinander, sie reihen sich, man nennt dies Reihungsstil. Dabei bildet jeder Vers eine Sinneinheit, au\u00dfer Zeile f\u00fcnf, bei der das Zeilenende \u00fcberschritten wird<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich das Weltende mit ungew\u00f6hnlichen Bildern: B\u00fcrger haben spitze K\u00f6pfe, Dachdecker \u201egehn entzwei\u201c. Nur die steigende Flut ist ein Bild, das zumindest der jud\u00e4o-christlich gepr\u00e4gte Leser erwarten w\u00fcrde, doch dieses realer erscheinende Bild wird nur durch ein Medium vermittelt, w\u00e4hrend die Verse davor eine unmittelbare Schilderung boten.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Flut wird in der zweiten Strophe wieder durch ein ungew\u00f6hnliches Bild aufgenommen: Die Meere hupfen. Gleichzeitig wird den Meeren eine Intention unterstellt, n\u00e4mlich \u201edicke D\u00e4mme zu zerdr\u00fccken\u201c (Stabreim). Der dritte und vierte Vers setzen wieder den Reihungsstil aus der ersten Strophe fort. Dabei kontrastiert der \u201eSchnupfen\u201c mit dem Szenario, dass Eisenbahnen von den Br\u00fccken fallen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich das Weltende mit ungew\u00f6hnlichen Bildern: B\u00fcrger haben spitze K\u00f6pfe, Dachdecker \u201egehn entzwei\u201c. Nur die steigende Flut ist ein Bild, das zumindest der jud\u00e4o-christlich gepr\u00e4gte Leser erwarten w\u00fcrde, doch dieses realer erscheinende Bild wird nur durch ein Medium vermittelt, w\u00e4hrend die Verse davor eine unmittelbare Schilderung boten.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Flut wird in der zweiten Strophe wieder durch ein ungew\u00f6hnliches Bild aufgenommen: Die Meere hupfen. Gleichzeitig wird den Meeren eine Intention unterstellt, n\u00e4mlich \u201edicke D\u00e4mme zu zerdr\u00fccken\u201c (Stabreim). Der dritte und vierte Vers setzen wieder den Reihungsstil aus der ersten Strophe fort. Dabei kontrastiert der \u201eSchnupfen\u201c mit dem Szenario, dass Eisenbahnen von den Br\u00fccken fallen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Dem B\u00fcrger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen L\u00fcften hallt es wie Geschrei. 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