{"id":84498,"date":"2023-09-10T00:01:26","date_gmt":"2023-09-09T22:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=84498"},"modified":"2022-02-25T19:27:20","modified_gmt":"2022-02-25T18:27:20","slug":"oskar-kokoschka-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/09\/10\/oskar-kokoschka-2\/","title":{"rendered":"OSKAR KOKOSCHKA"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich traf ihn im jahre 1908. Er hatte das plakat f\u00fcr die wiener \u201ekunstschau\u201c gezeichnet. Es wurde mir gesagt, da\u00df er ein angestellter der \u201eWiener Werkst\u00e4tte\u201c sei und mit f\u00e4chermalen, zeichnen von ansichtskarten und \u00e4hnlichem, nach deutscher art \u2013 kunst im dienste des kaufmanns \u2013, besch\u00e4ftigt werde. Mir war es sofort klar, da\u00df hier eines der gr\u00f6\u00dften verbrechen am heiligen geist ver\u00fcbt wurde. Ich lie\u00df Kokoschka rufen. Er kam. Was er jetzt mache? Er modelliere eine b\u00fcste. (Sie war nur in seinem hirn fertig.) Die ist von mir angekauft. Was kostet sie? Eine zigarette. Gemacht, ich handle nie. Aber schlie\u00dflich einigten wir uns auf f\u00fcnfzig kronen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur \u201ekunstschau\u201c hatte er die lebensgro\u00dfe zeichnung f\u00fcr einen gobelin angefertigt. Sie war der clou der ausstellung, und die wiener liefen hinein, um sich dar\u00fcber den buckel voll zu lachen. Wie gerne h\u00e4tte ich sie erworben, sie geh\u00f6rte aber der \u201eWiener Werkst\u00e4tte\u201c. Sie endete im schutt der ausstellung, im misthaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich versprach Kokoschka, da\u00df er dasselbe einkommen haben werde, wenn er die \u201eWiener Werkst\u00e4tte\u201c verlasse, und suchte auftr\u00e4ge f\u00fcr ihn. Ich schickte ihn zu meiner kranken frau in die Schweiz und bat den in der nachbarschaft wohnenden professor Forel, sich von Kokoschka portr\u00e4tieren zu lassen. Das fertige bild trug ich der museumsverwaltung in Bern f\u00fcr zweihundert franken an. Abgewiesen. Dann reichte ich es zur ausstellung im wiener k\u00fcnstlerhause ein. Abgewiesen. Dann der Klimt-Gruppe f\u00fcr eine ausstellung in Rom. Abgewiesen durch\u00a0die opposition. Erst die mannheimer kunsthalle wagte die erwerbung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweihundert franken kostete das bild \u2013 kein mensch, keine galerie wollte es haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als mein haus auf dem Michaelerplatz entstand, wurde meine begeisterung f\u00fcr Kokoschka als beweis meiner minderwertigkeit angesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und heute?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ich damals fast die ganze stadt ersucht hatte, mir die arbeit, Kokoschka zu unterst\u00fctzen, abzunehmen und ein bild f\u00fcr zweihundert kronen zu kaufen, aber h\u00f6hnisch abgewiesen worden war, stieg die wut gegen mich immer h\u00f6her, je h\u00f6her die preise f\u00fcr Kokoschkas bilder stiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben es beide \u00fcberstanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu meinem sechzigsten geburtstag schickte mir Kokoschka einen brief, der beweist, da\u00df gr\u00f6\u00dfte k\u00fcnstlerschaft das gr\u00f6\u00dfte menschentum einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-84374 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-687x1024.jpg 687w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-768x1144.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-1031x1536.jpg 1031w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-560x834.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-260x387.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-160x238.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat.jpg 1208w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Adolf Loos war ein \u00f6sterreichischer Architekt, Architekturkritiker und Kulturpublizist. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Architektur. Seine bekanteste Schrift ist der Vortrag <em>Ornament und Verbrechen<\/em> (1910). Darin wird argumentiert, dass Funktionalit\u00e4t und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien und dass der moderne Mensch wirkliche Kunst allein im Sinne der Bildenden Kunst erschaffen k\u00f6nne. Ornamentale Verzierungen oder andere besondere k\u00fcnstlerische Gestaltungsversuche an einem Gebrauchsgegenstand seien eine ebenso unangemessene wie \u00fcberfl\u00fcssige Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich traf ihn im jahre 1908. 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