{"id":8449,"date":"2012-11-10T00:41:06","date_gmt":"2012-11-09T23:41:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8449"},"modified":"2012-11-30T09:37:38","modified_gmt":"2012-11-30T08:37:38","slug":"was-ist-politische-kunst-oder-paul-klee-und-iwan-konstantinovich-aiwasowski-%e2%80%a2-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/10\/was-ist-politische-kunst-oder-paul-klee-und-iwan-konstantinovich-aiwasowski-%e2%80%a2-teil-1\/","title":{"rendered":"Was ist politische Kunst? oder: Paul Klee und Iwan Konstantinovich Aiwasowski \u2022 Teil 1"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/suesb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8474\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/suesb-300x159.jpg\" alt=\"Garagenhof\" width=\"300\" height=\"159\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/suesb-300x159.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/suesb-1024x543.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"color: #000080;\">F\u00fcnf vor f\u00fcnf<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">\u00bbFrau K., ein Notfall, sonst w\u00fcrde ich Sie um diese Uhrzeit gar nicht mehr st\u00f6ren, Herr Subito rief mich an, seine Sterne stehen ung\u00fcnstig, er tr\u00e4gt die 573er: Mainzer, Aachener, Koblenzer usw., was ganz Unaufregendes, ne kleine s\u00fc\u00dfe schnuckelige Tour mit hoher Haushaltsabdeckung. Ablage ist die Garage am S\u00fcdbahnhof, Schl\u00fcssel haben Sie ja, w\u00e4r nett, wenn Sie mich zur\u00fcckrufen&#8230;\u00ab Kleine Tour\u00a0\u2013 hohe Haushaltsabdeckung? Ich wei\u00df noch, wie ich versuchte, diese beiden sich widersprechenden Aussagen unter einen Hut zu kriegen. Mehr war nicht drin; dann schlief ich ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">Um f\u00fcnf vor f\u00fcnf wache ich auf, obwohl der Wecker nicht geklingelt hat, mir f\u00e4llt die K\u00fcrze des gestrigen Abends ein, ich stehe auf, ziehe mich warm an und fahre zur Garage. Ich kenne Subito, er ist ein Sonderling. Dass er seine Tour wegen ung\u00fcnstiger Sternenkonstellation absagen kann, ist ein Privileg, welches er sich durch mehr als 15 Jahre Zeitungaustragen als Stammzusteller verdient hat. Das werde ich nie erreichen, weil ich als Springerin immer blo\u00df St\u00fcckwerk mache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">Wie hell die Stadt nachts ist. Jedenfalls in der S\u00fcdstadt und in Mitte. In der Enge der Calenberger Neustadt oder in Linden ist das was anderes. Und eigentlich ist sie gelb. Ein Farbton, der s\u00e4mtliche Ausscheidungen von Mensch und Tier unsichtbar macht, wodurch die Stra\u00dfenkehrer, die um diese Uhrzeit mit der Arbeit anfangen, einerseits nicht viel beschicken k\u00f6nnen, andererseits sich aber auch nicht allzuschlimm zu ekeln brauchen, es sei denn vor Ger\u00fcchen, aber riechen wird diese Stadt erst wieder ab einer Temperatur von \u00fcber 5,5 \u00b0C, denn es ist Winter.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000080;\"><strong>Ein Problem und ein Problem<\/strong><\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">Ich fluche, als ich in den Garagenhof einbiege, hier gibt es kein Licht, und am Fahrrad habe ich auch keins. Zum Zeitungzustellen benutze ich immer ein v\u00f6llig abgespecktes Rad, an dem nicht nur die Klingel fehlt, sondern alles, was man abschrauben kann, die Handbremse ist durch das gegen 100-H\u00e4userw\u00e4nde-Lehnen l\u00e4ngst zerbr\u00f6selt, der St\u00e4nder zum Aufbocken h\u00e4ngt an einer losen Schraube, die Packtaschen haben an allen Ecken innerhalb weniger Monate L\u00f6cher bekommen (so kann aber wenigstens das Regenwasser abflie\u00dfen), die Griffe am Lenker sind abgefallen: durchgeschabt und an irgendeinem Zaun h\u00e4ngengeblieben &#8230; das erste Mal sucht man noch im Dunkeln danach und steckt sie wieder an, ein zweites Mal vielleicht auch, doch dann l\u00e4sst man es, ergibt sich dem Schicksal, dass beim Zeitungaustragen alles immer weniger wird, allem voran nat\u00fcrlich die Menge des Schlafs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">Der Bahndamm ist eine in der Finsternis gerade noch wahrzunehmende schwarze Mauer auf der gegen\u00fcberliegenden Seite der Garagen; anscheinend ist hier auch das Ende der Stadt, Z\u00fcge fahren nicht, ich lehne das Fahrrad an das Tor der Nummer 21, \u00fcberlege, ob ich die Stirnlampe \u00fcber die zwei M\u00fctzen ziehen und anknipsen soll, bin dann aber zu m\u00fcde dazu; die Batterie ist sowieso fast leer. Ich \u00f6ffne das Vorh\u00e4ngeschloss, das kalt an Fingerspitzen brennt (ich benutze erst bei unter minus 10 Grad Handschuh mit Fingern &#8230;) und schalte das Licht an. Der Obmann ist l\u00e4ngst dagewesen und um diese Uhrzeit auch alle anderen Zusteller. Ich bin sehr sp\u00e4t, die Zeitungen liegen an einer modrigen Wand hochgestapelt, darauf ein einzelner Schl\u00fcssel &#8230; Ich sehe gleich, dass es ein Problem mit der Menge geben wird, trotz Anh\u00e4nger und Packtaschen, denn es gibt heut 21er und die maximale Beilagenmenge von neun ist nicht nur voll ausgesch\u00f6pft, sie haben auch noch das schwerste Papier daf\u00fcr genommen. Ich schnappe mir gleich einen 7er Haufen MPs, professionell mit spitzen Fingern, so dass ein paar der dicken Reklamebl\u00e4tter rausfallen, und schreite beherzt zur Tat. Nachdenken bringt n\u00e4mlich nichts in diesem Job, man k\u00fchlt blo\u00df aus dabei und muss der Zeit hinterherjagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\">In dem Moment biegt ein Auto in den Hof ein, f\u00e4hrt mich fast um, ich h\u00f6re durch die geschlossenen T\u00fcren wummernde B\u00e4sse und laut diskutierende Stimmen. Ich erkenne Kolja und Tochter <a title=\"Snegurotschka\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=8521\" target=\"_blank\">Snegurotschka<\/a>, aus irgendeinem Grund sind auch Frau und Sohn mitgekommen, die, soweit ich wei\u00df, gar nicht als Springer arbeiten. Zwar passiert es bei den Russen nicht selten, dass ein Familienmitglied hilft, aber dass gleich die ganze Familie mitkommt, habe ich noch nicht erlebt. Alle steigen aus und nehmen mich gar nicht wahr; sie h\u00e4ngen wie Trauben an einem Streit und verschwinden gestikulierend in der Garage. Ich muss notgedrungen hinterher, um mir den n\u00e4chsten Stapel zu holen. Es ist bereits 20 nach 5. Ich murmele ein \u00bbGuten Morgen\u00ab und will gerade einen vollen Packen anschneiden, als Kolja auf mich zust\u00fcrmt. \u00bbHalt, die Tour machen wir heute!\u00ab \u00bbAber die Chefin hat mich gestern abend angerufen.\u00ab \u00bbMich auch.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" lang=\"zxx\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>\u2192 Fortsetzung folgt<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf vor f\u00fcnf \u00bbFrau K., ein Notfall, sonst w\u00fcrde ich Sie um diese Uhrzeit gar nicht mehr st\u00f6ren, Herr Subito rief mich an, seine Sterne stehen ung\u00fcnstig, er tr\u00e4gt die 573er: Mainzer, Aachener, Koblenzer usw., was ganz Unaufregendes, ne kleine&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/10\/was-ist-politische-kunst-oder-paul-klee-und-iwan-konstantinovich-aiwasowski-%e2%80%a2-teil-1\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":8474,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[390,239,922,921],"class_list":["post-8449","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-arno-kappe","tag-christine-kappe","tag-iwan-konstantinovich-aiwasowski","tag-paul-klee"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8449"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8449\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}