{"id":84407,"date":"2022-02-12T00:01:19","date_gmt":"2022-02-11T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=84407"},"modified":"2022-02-17T17:46:29","modified_gmt":"2022-02-17T16:46:29","slug":"aber-der-mensch-unserer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/02\/12\/aber-der-mensch-unserer-zeit\/","title":{"rendered":"Aber der mensch unserer zeit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber der mensch unserer zeit, der aus innerem drange die w\u00e4nde mit erotischen symbolen beschmiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df dieser drang menschen mit solchen degenerationserscheinungen in den anstandsorten am heftigsten \u00fcberf\u00e4llt. Man kann die kultur eines landes an dem grade messen, in dem die abortw\u00e4nde beschmiert sind. Beim kinde ist es eine nat\u00fcrliche erscheinung: seine erste kunst\u00e4u\u00dferung ist das bekritzeln der w\u00e4nde mit erotischen symbolen. Was aber beim papua und beim kinde nat\u00fcrlich ist, ist beim modernen menschen eine degenerationserscheinung. Ich habe folgende erkenntnis gefunden und der welt geschenkt: <em>evolution der kultur ist gleichbedeutend mit dem entfernen des ornamentes aus dem gebrauchsgegenstande.<\/em> Ich glaubte damit neue freude in die welt zu bringen, sie hat es mir nicht gedankt. Man war traurig und lie\u00df die k\u00f6pfe h\u00e4ngen. Was einen dr\u00fcckte, war die erkenntnis, da\u00df man kein neues ornament hervorbringen k\u00f6nne. Wie, was jeder neger kann, was alle v\u00f6lker und zeiten vor uns gekonnt haben, das sollten allein wir, die menschen des neunzehnten jahrhunderts, nicht verm\u00f6gen? Was die menschheit in fr\u00fcheren jahrtausenden ohne ornament geschaffen hatte, wurde achtlos verworfen und der vernichtung preisgegeben. Wir besitzen keine hobelb\u00e4nke aus der karolingerzeit, aber jeder schmarren, der auch nur das kleinste ornament aufwies, wurde gesammelt, gereinigt, und prunkpal\u00e4ste wurden zu seiner beherbergung gebaut. Traurig gingen die menschen dann zwischen den vitrinen umher und sch\u00e4mten sich ihrer impotenz. Jede zeit hatte ihren stil und nur unserer zeit soll ein stil versagt bleiben? Mit stil meinte man das ornament. Da sagte ich: Weinet nicht! Seht, das macht ja die gr\u00f6\u00dfe unserer zeit aus, da\u00df sie nicht imstande ist, ein neues ornament hervorzubringen. Wir haben das ornament \u00fcberwunden, wir haben uns zur ornamentlosigkeit durchgerungen. Seht, die zeit ist nahe, die erf\u00fcllung wartet unser. Bald werden die stra\u00dfen der st\u00e4dte wie wei\u00dfe mauern gl\u00e4nzen. Wie Zion, die heilige stadt, die hauptstadt des himmels. Dann ist die erf\u00fcllung da.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Ornament und Verbrechen<\/strong>, von Adolf Loos, Wien 1908<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-84374 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-687x1024.jpg 687w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-768x1144.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-1031x1536.jpg 1031w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-560x834.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-260x387.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat-160x238.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/Adolf_Loos_Ornament_und_Verbrechen_Plakat.jpg 1208w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Adolf Loos war ein \u00f6sterreichischer Architekt, Architekturkritiker und Kulturpublizist. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Architektur. Seine bekanteste Schrift ist der Vortrag <em>Ornament und Verbrechen<\/em> (1910). Darin wird argumentiert, dass Funktionalit\u00e4t und Abwesenheit von Ornamenten im Sinne menschlicher Kraftersparnis ein Zeichen hoher Kulturentwicklung seien und dass der moderne Mensch wirkliche Kunst allein im Sinne der Bildenden Kunst erschaffen k\u00f6nne. Ornamentale Verzierungen oder andere besondere k\u00fcnstlerische Gestaltungsversuche an einem Gebrauchsgegenstand seien eine ebenso unangemessene wie \u00fcberfl\u00fcssige Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur.<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Aber der mensch unserer zeit, der aus innerem drange die w\u00e4nde mit erotischen symbolen beschmiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df dieser drang menschen mit solchen degenerationserscheinungen in den anstandsorten am heftigsten \u00fcberf\u00e4llt. 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