{"id":84225,"date":"1993-02-08T00:01:37","date_gmt":"1993-02-07T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=84225"},"modified":"2022-02-18T14:19:52","modified_gmt":"2022-02-18T13:19:52","slug":"was-wir-unter-abstrakter-kunst-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/02\/08\/was-wir-unter-abstrakter-kunst-verstehen\/","title":{"rendered":"Was wir unter abstrakter Kunst verstehen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was\u00a0heute von abstrakter Kunst existiert, ist nicht viel und das Existierende ist St\u00fcckwerk [, Pfahlbauten] und Gestammel. Es ist der Versuch [und die Sehnsucht, die Welt nicht mehr mit dem menschlichen Auge anzusehen und darzustellen, sondern] die Welt selbst zum Reden zu bringen. Der [klassische Mensch] Grieche, Gotiker und Renaissancek\u00fcnstler stellte die Welt k\u00fcnstlerisch dar wie er sie sah, wie er sie f\u00fchlte, wie er sie wollte; der Mensch fr\u00fcherer Zeiten wollte durch die Kunst vor allem sich behaupten; er hat auch erreicht was er wollte, \u2013 er hat aber auch alles daf\u00fcr hingegeben, alles hat er dem einen Ziel geopfert: den homunculus zu konstruieren, die [g\u00f6ttliche] Kraft durch das Pr\u00e4parat zu ersetzen, Geist durch Technik. Der Affe \u00e4ffte [die Gottheit] seinen Sch\u00f6pfer nach. Selbst die Kunst zwang er zu seinen Handlangerdiensten. [Die Zeiten sind erf\u00fcllt;] der Berg ist erklommen. Der Gipfel ist eine \u00d6de, in der sich der Mensch nicht lange aufhalten wird. Wir leben schon auf der \u00bbanderen Seite\u00ab, auf der Seite der Nichteitelkeit, [des Nicht-\u00bbk\u00f6nnens\u00ab, des Nicht-\u00bbwissens\u00ab,] der Nicht-Anwendung des Wissens. Das K\u00f6nnen und das Wissen tragen wir in uns; tonlos; \u00fcber die Technik des Daseins redet der Edle nicht. Nur das Eine mu\u00df geschehen: Die Befreiung der Kunst [, die Befreiung des Edlen vom Gemeinen] aus ihrer [utilitarischen] Maskierung. Die Kunst ist heute nicht mehr dazu da, den Menschen zu gro\u00dfen oder kleinen Vorw\u00e4nden zu dienen. Die Kunst ist metaphysisch, wird es sein; sie kann es erst heute sein. Die Kunst wird sich von Menschenzwecken und Menschenwollen befreien. Wir werden nicht mehr den Wald oder das Pferd malen, wie sie uns gefallen oder scheinen, sondern <i>wie sie wirklich sind,<\/i> wie sich der Wald oder das Pferd selbst f\u00fchlen, ihr [abstraktes] absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt, den wir nur sehen; es wird uns soweit gelingen, als es uns gelingt, den \u03bb\u03bf\u03b3\u03bf\u03c2 von Jahrtausenden [vergessen] beim k\u00fcnstlerischen Schaffen zu \u00fcberwinden. Alles k\u00fcnstlerische Schaffen ist a-logisch. Es gibt k\u00fcnstlerische Formen, die abstrakt sind, mit Menschenwissen unbeweisbar; sie hat es zu allen Zeiten gegeben, aber stets wurden sie getr\u00fcbt von Menschenwissen, Menschenwollen [, von Zwecken]. Der Glaube an die Kunst an sich fehlte, wir wollen ihn aufrichten; er lebt auf der \u00bbanderen Seite\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><\/div>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/FranzMarc-e1621242809104.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-84086 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/FranzMarc-159x300.jpg\" alt=\"\" width=\"159\" height=\"300\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erinnerung wird zunehmend auf neue Technologien ausgelagert. Das Grundproblem der Erinnerungskultur (siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/01\/in-eigener-sache\/\">In eigener Sache<\/a>), der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013 <span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schreibt Haimo Hieronymus in einem der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\">Gr\u00fcndungstexte<\/a> von KUNO. <\/span>Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\">hier<\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, zuweilen mit Kapit\u00e4lchen, meist mit einer gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Spekulationskraft. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die in diesem <em>Labor<\/em> seither realisierten K\u00fcnstlerb\u00fccher, B\u00fccher und H\u00f6rb\u00fccher finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Was\u00a0heute von abstrakter Kunst existiert, ist nicht viel und das Existierende ist St\u00fcckwerk [, Pfahlbauten] und Gestammel. 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