{"id":84197,"date":"2000-05-09T00:01:38","date_gmt":"2000-05-08T22:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=84197"},"modified":"2022-02-18T14:18:37","modified_gmt":"2022-02-18T13:18:37","slug":"das-geheime-europa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/05\/09\/das-geheime-europa\/","title":{"rendered":"Das geheime Europa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Am 9.\u00a0Mai 1950 hielt der damalige franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Robert Schuman in Paris eine Rede, in der er seine Vision einer neuen Art der politischen Zusammenarbeit in Europa vorstellte \u2013 eine Zusammenarbeit, die Kriege zwischen den europ\u00e4ischen Nationen unvorstellbar machte.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der europ\u00e4ischen V\u00f6lker hatte sich aus uralten Herk\u00fcnften und unbegriffenen Schicksalen zu einem Rattenk\u00f6nig widerstreitender Interessen so schlimm verkettet und verfilzt, da\u00df alles Auseinanderzerren und Schlichten, alle Schiedsgerichte und Reformen eine gutgemeinte Farce blieben. Niemand glaubte mehr im Ernste an solche hom\u00f6opathische Heilung unsrer europ\u00e4ischen Krankheit. Es gab nur eine Rettung, das uralte Mittel des Blutopfers. Der Instinkt der Massen hat den Sinn begriffen und ri\u00df ein Volk nach dem anderen in den m\u00f6rderischen Krieg.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Es ist eine von Vordergrundsinteressen eingegebene Fiktion, die Schuld am Weltkriege einem einzigen Volke wie dem verha\u00dften Engl\u00e4nder zuzuschieben. Die Politik steht mit dem Sinn und Gang der Weltgeschichte in sehr losen und sekund\u00e4ren Zusammenh\u00e4ngen; sie ist immer nur die Maske und nicht der Geist, Regie aber nicht Dichtung. Es ist traurig, da\u00df selbst dem besonnenen Deutschen dieser Gedanke so fremd ist, da\u00df er ihn als Blasphemie und als Verrat an der deutschen Sache empfindet. \u00bbWirtschaft, Horatio, Wirtschaft!\u00ab Nein und tausendmal nein, wir Deutsche k\u00e4mpfen nicht um unsern Platz an der Sonne; um dieses Interesse w\u00fcrde die Welt nicht in Flammen aufgehen. Der Krieg geht um mehr. Europa ist krank am alten Erb\u00fcbel und will gesund werden, darum will es den furchtbaren Blutgang. Wir, die drau\u00dfen im Felde stehen, f\u00fchlen am tiefsten, da\u00df diese grauenvollen Monate nicht nur \u2013 physiologisch geredet \u2013 eine politische Kr\u00e4fteverschiebung bedeuten werden, sondern \u2013 geistig gesehen \u2013 ein tiefes v\u00f6lkergemeinschaftliches <i>Blutopfer<\/i> darstellen, das alle um eines gemeinsamen Zieles willen bringen. Selbst der gemeine Soldat drau\u00dfen ist mit allem politischen [und hetzerischen] Geschrei nicht zu \u00fcberreden, den franz\u00f6sischen, belgischen, russischen oder englischen Soldaten zu <i>hassen.<\/i> Er w\u00fcrgt den Gegner, aber er ha\u00dft ihn nicht. Wo Ha\u00df besteht, wendet er sich bezeichnenderweise nur gegen die Politiker, die [paar Gro\u00dff\u00fcrsten und Lords und Schreier] falschen und unehrlichen Regisseure des Krieges, wie wenn diese das hehre Duell, das sich Europa liefert, durch ihre [gemeinen R\u00e4nke] plumpen H\u00e4nde entw\u00fcrdigten. Es ist auch nicht anders. Die Politiker sind nichts als Werkzeuge, deren sich der Wille der V\u00f6lker bedient, die M\u00f6rder, die er dingt. Das ist keine sophistische Verdrehung, sondern eine Thatsache, die wie ein Gl\u00fcckszeichen \u00fcber den k\u00e4mpfenden Armeen steht. Der Ha\u00df ist unrein. Die Welt aber will rein werden, sie will den Krieg. Welcher Europ\u00e4er m\u00f6chte heute den Weltkrieg ungeschehen wissen? Nicht einmal der Engl\u00e4nder! Das Volk hat Instinkt. Es wei\u00df, da\u00df der Krieg es reinigen wird. <i>Um Reinigung wird der Krieg gef\u00fchrt<\/i> und <i>das kranke Blut vergossen.<\/i><\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Eines fehlt heute freilich in Europa: das freie, \u00f6ffentliche Forum, auf dem solche Gedanken im \u00bb\u00f6ffentlichen Interesse\u00ab gesprochen werden d\u00fcrfen; denn das \u00f6ffentliche Interesse steht heute dem politischen noch zu nahe. Aber viele tragen solche Gedanken still und froh in sich; es gibt ein geheimes Europa, das vielwissende, alles hoffende Europa der geheimen Geister, den Typ des \u00bbguten Europ\u00e4ers\u00ab, den schon Nietzsche entdeckt und geliebt hat. Hier schl\u00e4gt das Herz der Welt, \u00fcberschrien vom Vordergrundgeschrei der Tagesgeister, nur h\u00f6rbar dem, der in der Nacht, \u2013 vielleicht in einer Biwaknacht \u2013 das Ohr an die alte, europ\u00e4ische Erde legt.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Liebe zum guten Deutschtum mu\u00df heute verschr\u00e4nkt gehen mit der Liebe zum guten Europ\u00e4ertum. Nur mit ihr und durch sie wird Deutschland das Jahrhundert haben, das es sich ersehnt. Die Grenzen sollen nicht neu gesteckt, sondern gebrochen werden. Die Liebe zum europ\u00e4ischen Gedanken ist das Zeichen, in dem allein Deutschland siegen kann.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Auch Asien ist heute nur mehr eine europ\u00e4ische Provinz, der Resonanzboden der europ\u00e4ischen Thaten. Europa ist zu klein, um den ungeheuren Aktions radius des europ\u00e4ischen Willens aufzunehmen; so ger\u00e4t Asien hinein in den europ\u00e4ischen Blutkreislauf. Vielleicht wird das \u00fcberm\u00fctig-gewissenlose Japan noch einmal eine Hand des europ\u00e4ischen Mannes. Vielleicht einmal. Heute wei\u00df die rechte Hand nicht, was die linke thut.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Alle alten Religionen sind heute Vergangenheit oder bilden eben noch eine Gegenwart, die schon Vergangenheit ist. Zwischen dem Moder dieses Sterbens w\u00e4chst ein neuer Gedanke, an dem schon ein Jahrhundert mit sehns\u00fcchtigem Instinkt gearbeitet hat und f\u00fcr den es in Revolutionen [und Kriegen] geblutet hat: der <i>europ\u00e4ische Gedanke,<\/i> der heute in keuscher Majest\u00e4t \u00fcber alle vergangenen Religionsformen aufragt. Dies gerade heute auszusprechen und bei solchem Namen zu nennen, inmitten des w\u00fctenden und unw\u00fcrdigen Nationengekl\u00e4ffes, mag wie Ironie klingen; gerade darum mu\u00df es heute gesagt werden. Das gestaltlose, aller Gewalt voraufgehende Wissen, der Gedanke lebt lange, bevor er Form, Lebensform wird; der Geist geht der Gestalt voraus.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Die Lust des reinen Wissens um die Dinge, die Erl\u00f6sung vom Stoffglauben, Beherrschung und \u00dcberwindung des Stoffes, das Herrentum des Europ\u00e4ers, der seine Hand zwischen die Maschen der Natur schiebt, die Macht zu \u00bbbinden und zu l\u00f6sen\u00ab, Paradigma und Erf\u00fcllung aller alten Religionswunder, ihre \u00dcberwindung durch keusches Wissen, \u2013 das ist die neue Zeit, das neue, endliche Europa. Diese dunklen schwankenden Worte werden dem Nachdenkenden wohl vernehmlich sein. Es ist nicht gut, daraus Manifeste zu schmieden. Erst mu\u00df der Krieg den gordischen Knoten, mit dem der Europ\u00e4er gefesselt war, zerhauen helfen. Der sehns\u00fcchtige [, gute] Europ\u00e4er hat oft und lange genug an ihm gezerrt und den Knoten gelockert. Ihr Europ\u00e4er habt nach dem Kriege die Arme frei, \u2013 gebraucht sie! gebraucht sie schnell und gr\u00fcndlich, ehe der dumpfe, immer bereite Geist der Reaktion mit tr\u00fcbem Thun Euch anf\u00e4llt. Unsre soldatischen Sinne sind wach und sind gesch\u00e4rft f\u00fcr die Gefahr und f\u00fcr die tausend M\u00f6glichkeiten des Sieges und Widerstandes. La\u00dft uns Soldaten bleiben auch nach dem Kriege, dessen Ende dem Deutschen, dem guten Europ\u00e4er niemals fraglich sein kann. Denn in diesem Kriege k\u00e4mpfen nicht, wie es in Zeitungen steht und wie die Herrn Politiker sagen, die Zentralm\u00e4chte gegen einen \u00e4u\u00dferen Feind, auch nicht eine Rasse gegen die andre, sondern dieser Gro\u00dfkrieg ist ein <i>europ\u00e4ischer B\u00fcrgerkrieg, ein Krieg gegen den inneren, unsichtbaren Feind des europ\u00e4ischen Geistes.<\/i> Das mu\u00df einmal ausgesprochen und begriffen werden; dann wird man auch begreifen, da\u00df wir nach dem entsetzlichen Blutopfer des Krieges den inneren Feind, den Ungott und Unhold Europas, die Dumm heit und Dumpfheit, das ewig Stumpfe mit allen Waffen fort und fort bek\u00e4mpfen m\u00fcssen, um zu helleren Kl\u00e4ngen, zur Helligkeit des europ\u00e4ischen Typus durchzudringen.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wir sehen aus bitterer geschichtlicher Erfahrung die bedrohliche Gefahr eines neuen Empire vor uns und mit ihm die immer dienstbeflissene Reaktion, den \u00dcberdru\u00df am Kampf, ehe der Sieg und die Reinigung ganz vollzogen sind. La\u00dft uns wachsam bleiben auch \u00fcber den Krieg hinaus und die Waffen in der Hand halten, um alles was Frieden will, sich hinlegen will, wieder Kleinheit der Zeit will, nichts mehr will, aufzuputschen und neu zu begeistern f\u00fcr den Kampf um den \u00bbGeist Europas\u00ab, der nur auf uns Soldaten und Arbeiter, auf unsre Hand wartet.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob ich heute zu vielen oder zu ganz wenigen rede. Vielleicht ist das geheime Europa, dem wir angeh\u00f6ren, noch verschwindend klein, \u2013 vielleicht auch schon tausendmal gr\u00f6\u00dfer als wir wissen. Uns k\u00fcmmert die Frage nicht. Heute sind alle Grenzen verwischt, alles dehnt sich in&#8217;s Unendliche, alles grenzt an das Absolute. Die Gedanken sind an keinen Ort, an kein Oben und Unten und Neben gebunden. Die Verantwortung f\u00fcr jedes gesprochene Wort ist in&#8217;s Ungeheure gewachsen, denn es erreicht heute nicht den N\u00e4chsten, sondern den Allerfernsten; der Umkreis der kleinsten und geheimsten Sippe umfa\u00dft die ganze Welt. Die olympische Macht des Europ\u00e4ers, des \u00bbDonnerers\u00ab und \u00bbAllwissenden\u00ab ist mehr als ein griechisches, dichterisches Gleichnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum wir dies alles sagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wir damit sagen wollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wir wollen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen, da\u00df das entsetzliche Blutopfer des europ\u00e4ischen Bruderkrieges nicht umsonst gebracht ist. Wir wollen den R\u00fcckschlag in das Nichtwollen, Nichtmehrwollen auffangen, den Kriegsball noch einmal vorw\u00e4rtsschleudern und ihn in das Gebiet des Geisteskampfes hin\u00fcberspielen. Dort ist noch alles zu thun, die st\u00e4rksten Forts zu brechen, ehe der europ\u00e4ische Typus auf ihnen als Herr, als Nietzsches Herrenmensch steht.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Noch ist der Krieg nicht vorbei; aber er wird enden, so, wie wir ihn enden wollen. Der Deutsche lebt immer im \u00dcbermorgen. Aber die Stimmen aus der Heimat, die uns im Felde erreichen, sind wenig ermutigend f\u00fcr dieses \u00dcbermorgen, das wir erhoffen. Es ist ein trauriges in der Irre Laufen, h\u00fcben wie dr\u00fcben, auch h\u00fcben, auch bei uns guten Deutschen. Ich leuge nicht die N\u00fctzlichkeit, ja die eiserne Notwendigkeit, heut die politische Maske zu wahren. Wir Soldaten sind die letzten Spielverderber und lieben das Kriegsspiel und den Kriegsernst \u00fcber allem anderen. Aber wir k\u00f6nnen \u00fcber dem blutigen Ernst des Tages den besseren Teil der That, das Ende nicht vergessen, den Anfang und Auftakt zur Geistesherrschaft des neuen, guten Europ\u00e4ers, den kommenden Kampf, der noch mehr Opfer und Tode fordern wird als der blutige Krieg. Wie viel Liebem und Gutem werden wir absagen m\u00fcssen, wie viel Tempel und Grenzen werden brechen, bis die k\u00fchle, keusche Majest\u00e4t des Europ\u00e4ers Typus, \u00bbReligion\u00ab geworden sein wird. Bis dahin wird Krieg sein und soll Krieg sein und darf kein Friede \u00fcber uns Deutsche kommen; denn wir halten das Schicksal Europas in der Hand und werden es nicht geographisch und mit Handelsvertr\u00e4gen und Friedensschl\u00fcssen entscheiden, sondern nur im Geisteskampf, der nicht weniger unerbittlich vor uns steht wie einst der blutige Krieg, der \u00fcber dem entsetzten Europa langsam tagte. Jeder wu\u00dfte, da\u00df er kommen w\u00fcrde. Und auch heute, glaub ich, f\u00fchlt jeder, da\u00df dieser Geisteskampf kommen wird, kommen mu\u00df. M\u00f6ge Deutschland, um Europas willen, f\u00fcr ihn ebenso ger\u00fcstet sein wie f\u00fcr den andern Krieg.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Wird es auch wie ein Mann aufstehen?<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Das ist die Frage, um die wir uns sorgen und in welche die Kl\u00e4nge aus der Heimat manchen schweren Zweifel legen. Die Aktualit\u00e4t des Krieges bannt hypnotisch die in der Heimat Harrenden. Sie sehen in ihm ein Ziel statt einen Durchgang. Wer heute daheim das Wort ergreift, glaubt biederm\u00e4nnisch, volkst\u00fcmlich und naiv sein zu m\u00fcssen \u2013 oder zu d\u00fcrfen. Nur vom N\u00e4chstliegenden, N\u00e4chstbestliegenden darf geredet werden; alles Andere erscheint dem Deutschen heute als \u2013 Luxus, als unvaterl\u00e4ndich, wom\u00f6glich als Ausl\u00e4nderei. Der bramarbasierende und [meist] weinerliche Reim ist heute auch schon wieder Trumph \u3008sic!\u3009. Man denkt wohl, man ist diesen Ton dem \u00bbbraven Soldaten im Felde\u00ab schuldig? Wenn dieser l\u00e4cherliche Volkston, in Wort und Bild, noch lange weitergeht, stehen wir am Ende des Krieges wirklich als parvenus da: in der einen Hand das Welthandelsmonopol, in der andern eine hohle Nu\u00df. Dann ade unserm europ\u00e4ischem Traum, der Milit\u00e4runstaat tritt an seine Stelle; Das Siegesgeschrei <i>vor<\/i> dem Siege.<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">[Wilhelm Worringer] Man stellte f\u00fcr den jetzigen Krieg [im \u203aZeitecho\u2039] die dualistische Theorie des \u00bbGeschlechterkampfes\u00ab auf, als w\u00e4re es ein Kampf des m\u00e4nnlichen Prinzips gegen das weibliche, unsres m\u00e4nnlichen Rechtsgef\u00fchls gegen die weibliche Hysterie unsrer Gegner. Leider verdirbt [sich Worringer] man sich den Wert dieser allzuverlockenden Problemstellung durch die Unentschlossenheit, mit der [er] man hinter dem politischen Zaun der deutschen Nation stehen bleibt, statt das Problem auf den euro p\u00e4ischen Gedanken einzustellen. Eher w\u00e4re es angemessen zu sagen, da\u00df Europa durch diesen blutigen Austrag der Waffen die eigne Hysterie \u00fcberwinden, die [sch\u00e4dlichen] giftigen und br\u00fcchigen Elemente, die dem alternden, in die Irre, Enge gegangenen Europa anhaften, aussto\u00dfen will. Es \u00e4ndert an dieser Problemstellung und Erweiterung nichts, da\u00df die mannhaftesten Elemente Europas, n\u00e4mlich die deutschen, auch den mannhaftesten, siegesgewissesten Anteil an diesem Drama haben. Der erste franz\u00f6sische Verlust war nicht die Schlacht in Lothringen, sondern der \u203aFall Bergson\u2039, dem in unheimlicher Schnelle ein \u203aFall\u2039 nach dem andern folgte. [Die Ironie will es, da\u00df Bergson kein Franzose, sondern ein [D\u00e4ne] Pole ist!]<\/p>\n<p class=\"zenoPLm4n0\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df sich Deutschland diesem d\u00e9b\u00e2cle gegen\u00fcber st\u00e4rker und ges\u00fcnder erwies als wir zu ahnen wagten, ist unser gro\u00dfes Lob. Wir zittern es auszusprechen und hoffen es nicht zu fr\u00fch zu sagen. Die bedenkliche Kriegsliteratur, die heute in Deutschland aufschie\u00dft, ist ein tr\u00fcbes Symptom. Jedenfalls scheint es uns ein tr\u00fcgerisches Verfangen, um jenes fr\u00fchen Lobes willen die zwei kriegerischen Lager Europas dualistisch in Mann und Weib, in M\u00e4nnlichkeit und Hysterie zu teilen. Das Problem liegt tiefer. Der Europ\u00e4er k\u00e4mpft in diesem Kriege um seine Gesundung und Zukunft, mit Worringer zu reden, gegen die Hysterie und die al ternden verkalkenden Elemente seines Leibes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/FranzMarc-e1621242809104.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-84086 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/FranzMarc-159x300.jpg\" alt=\"\" width=\"159\" height=\"300\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erinnerung wird zunehmend auf neue Technologien ausgelagert. Das Grundproblem der Erinnerungskultur (siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/01\/in-eigener-sache\/\">In eigener Sache<\/a>), der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erz\u00e4hlt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte geh\u00f6rt? \u2013 <span data-offset-key=\"nqia-2-0\">\u201eKultur schafft und ist Kommunikation, Kultur lebt von der Kommunikation der Interessierten.\u201c, schreibt Haimo Hieronymus in einem der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/06\/05\/interim-kulturnotizen\/\">Gr\u00fcndungstexte<\/a> von KUNO. <\/span>Die ausf\u00fchrliche Chronik des Projekts <em>Das Labor<\/em> lesen sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/12\/10\/zukunft-braucht-herkunft\/\">hier<\/a>. Diese Ausgrabungsst\u00e4tte f\u00fcr die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die <em>Edition Das Labor<\/em>. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, zuweilen mit Kapit\u00e4lchen, meist mit einer gro\u00dfen k\u00fcnstlerischen Spekulationskraft. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die in diesem <em>Labor<\/em> seither realisierten K\u00fcnstlerb\u00fccher, B\u00fccher und H\u00f6rb\u00fccher finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9.\u00a0Mai 1950 hielt der damalige franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Robert Schuman in Paris eine Rede, in der er seine Vision einer neuen Art der politischen Zusammenarbeit in Europa vorstellte \u2013 eine Zusammenarbeit, die Kriege zwischen den europ\u00e4ischen Nationen unvorstellbar machte. 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